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J^^j^^y^ PURCHASED FOR THE
?Z Ä^V UNIVERSITY OF TORONTO LIBRARY
vVVv FROM THE
^S/^ CANADA COUNCIL SPECIAL GRANT j
NUMISMATISCHE ZEITSCHRIFT,
Siebzehnter Band.
Jahrgang 1885
.^j^^IjBP^RV
FEB 1 9 1968
Inhalt des siebzehnten Bandes.
A, Nach der Reihenfolge der Artikel*
Seite
I. K. B. Hof mann: Zur Geschichte der antiken Legirung-en .... 1
II. Dr. Friedrich Kenner: ProgTamm-Münzen römischer Kaiser . 51
III. Carl D omanig: Einige Babenberger Münzen in der Münzsamm-
lung des Allerhöchsten Kaiserhauses 87
IV. R. V. Höfken: Zur Bracteatenkunde 117
V. H. Dannenberg: Nachträge zu meinen früheren Aufsätzen in
dieser Zeitschrift 125
VI. Dr. V. Kaiman n: Der Münzfund zu Sallingberg 133
VII. Dr. Alexander Ritter v. Pawlowski: Zwei Vorträge über
Nachahmung und Nachfälschung von Münztypen 145
VIII. Johann Newald: Das österreichische Münzwesen unter den
Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias I(j7
IX. Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein) Herzog
von Friedland und seine Münzen 417
JB, Nach numismatischer Eintheilung,
Vlte Zeit.
I. K. B, Ho fma Uli: Zur Geschichte der antiken Legirungen . ... 1
II. Dr. Friedrich Kenner: Programm-Münzen römischer Kaiser . .'d
Mittelalter ixnd Neue Zeit.
III. Carl Domanig: Einige Babenberger Miinzcn in der '\runzsanun-
lung des Allerhöchsten Kaiserhauses . ..... 87
IV. R. V. Höfken: Zur Bracteatenkunde 117
V. II. Dannenberg: Nachträge zu meinen tVülieren Aufsätzen in
dieser Zeitschrift PJ.')
VI. Dr. V. R.-i iiii.'iint. 1 )<•)• Miin/tniHl /n Sallingberg \'V\
VI
Seite
VII. Dr. Alexander Ritter v. Pawlowski: Zwei Vorträge über
Nachahmung und Nachfälschimg von Münztypen 145
VIII. Johann Newald: Das österreichische Münzwesen unter den
Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias 167
IX. Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein) Herzog
von Friedland nnd seine Münzen 417
Miscelle.
och einmal die Karolus- und Ludovicus-Florene 523
Nnuiismatische Literatur.
Dr. Friedrich Imhoof-Blumer. Porträtköpfe auf antiken Münzen
hellenischer und hellenisirter Völker, mit Zeittafeln der Dynastien
des Alterthums nach ihren Münzen 524
F. Imhoof-Blumer und Percy Gardner. — Nuniismatic commentary
on Pausanias. (Reprinted from the Journal of Hellenic studies.) . , 525
Nicolö Papadopoli: „8ul valore della moneta veneziana" 526
1
VII
Mitarbeiter des siebzehnten Bandes.
Dannenberg, H., kön. Laii(lg(^iichtsratli in Berlin.
Domanig, Carl, Custos-Adjinict an der Münz- nnd Autikensammlung des
Allerhöchsten Kaiserhanses in Wien.
Höfken, Rudolph Ritter v., Pierausgeber des Archiv für Bracteatenkunde
in Wien.
Hofmann, Dr. K. B., Üniversitäts-Professor in Graz.
Kenner, Dr. Friedrich, Director der kunsthistorischen Sammlungen des
Allerhöchsten Kaiserhauses in Wien.
Meyer, Adolph, Bankbuchhalter in Berlin.
Müller, Joseph, k. k. Bergrath in Wien.
Newald, Johann, k. k. Director und Conservator.
Pawlowski, Dr. Alexander Ritter v., f k. k. Hofrath in Wien.
Raimann, Dr. Franz, Ritter v., k. k. Oberlandesgerichtsrath in Wien.
VIII
Sachregister des siebzehnten Bandes.
Aiitiiiion-Mttnze . . -
Aiig'sburger Bracteuten
Seite
43
110
B.
Babenberger Münzen in der Münz-
sammlung des Allerhöchsten
Kaiserhauses 87
Batenberg", dessen Naehprägungen 1G4
Bathory Sigismnnd, dessen Münz-
prägungen in Nagy-Bänya . 313 ff.
Bohl, Nachträge 128
Bracteaten, deren Entstehen . . 118
— deren Fabrikation 120
— deren Blütezeit 128
Bracteatenkunde, Zur 117
Breslau, Münzstätte unter Maximi-
lian II 222
unter Rudolph II 28G
Budweis, Münzstätte unter Maximi-
lian ir 220
unter Rudolph II 283
O.
Castiglione, ital. Heckenmünze . 156
Coconato, ital. Heckenmünze . . 152
Corregio, Syrus v., ital. Münz-
fälscher 157
13.
DANNENBERf; H., Nachträge zu
dessen früheren Aufsätzen .
Deutsche Inschriften auf Mittel
.iltermünzen
Dezana, ital. Heekemnünzc . .
DOMAMG CARL, Einige Baben
berger Münzen in der kaiser
liehen .Alünzsammlung . .
125
125
153
E.
Legri-
Electronmünzen, über die
rung kleinasiatischer .... 1
Eusisheim, Münzstätte 324
Esslinger Müiizordnung .... 193
F.
Floreue, Karolus- und Ludovicus-
523
151
G.
Gold gülden 12(3 ff.
— vom Florentiner (^Jepräge , . 130
Gonzaga, ital. Münzfälscher . . . 155
Goswiner, Münzen von Regens-
burg 107
Groschen, Venetiauische .... 100
IX
Seite
179
315
330
341
164
117
Hall, Münzstätte, Walzeiiprä^uiig
_ — unter Erzherzog- Ferdinand
unter Rudolph II
— — unter Maximilian III. . . .
s'Heerenberg, Münzfälschungen .
HÖFKEN, R. V., Zur Bracteaten-
kunde
HOFMANN, K.B., Zur Geschichte
der antiken Legirungen . . .
I.
IMHOOF-BLLMER, Porträtköpfe
auf antiken Münzen 524
— Xumismatic comraentary on
Pausanias 525
Italienische Münz-Nachahmuugen
und -Fälschungen 147 ff.
J.
Joachimsthal, Münzstätte unter
Maximilian II 217
unter Rudolph II 277
unter Mathias 387
Easchau, Münzstätten unter Ru-
dolph II 305
KENNER FRIEDRICH, Dr., Pro-
gramm-Münzen römischer Kaiser 51
Kreiiiuitz, Münzstätte unter Maxi-
milian II 224
unter Rudolph II. . 200
unter 3Iathias . 31)0
Kreuz/iigsiiiün/en 95
Kutteuberg: , Münzstätte unter
Maximilian II 212
— — unter Rudolph II 2(58
unter .Mathias 383
Seite
L.
Laiidprobirer, deren Einführung
in Oesterreich ....... 197
Legiruiig kleinasiati scher Electron-
münzen 1
— sicilianischer Goldmünzen . . 12
— einiger BarT)arenmünzen . . . 40
Lilie auf Baudenkmälern und
Münzen 91
Liiigahöl Joachim, österr. Münz-
wardein in Segovia 184
Löwe auf Mittelaltermünzen . 94, 102
Maccagno, ital. Heckenmünze . . 155
Maille, Nachmünze des Denars . IGO
Mathias, Kaiser, dessen Münzprä-
gungen 348
Maximilian II., dessen Münzprä-
giuigen 171
Messerano, ital. Heckenmünze . 152
MEYER ADOLPH , Albrecht
Wallenstein uiul seine Münzen 417
Mitkowitzer Fund 88
Münzfund zn Sallingberg ... 133
— zu Pfaffstätten 142
Münzmeisterzeichen . 414, 415, 41Ö
Münzorduung von 1559 .... 18(5
— Erzherzog Ferdinands Be-
schwerden über dieselbe . . . 188
— Esslinger 193
— vom Jahre 1551 195
MUnzprobationstage 191
IV.
Nachahmung und NachfäLschnng
v(Mi Münztypen 145, 159
Nagy-Hiinya, .Mihizstätte unter
Rudolpli II 309
X
:NEWALU JOHANX, Dhs österrei-
chische Münzwesen unter Maxi-
milian IL, Euclolph II. und
Mathias 167
Niederlande, Münznachahmungen
daselbst 159
o.
Oesterreichs Münzweseu unter
Maximilian IL, Kudolph IL und
Mathias 167
F.
Papadopoli Mcolö: Sul valore
della moneta veneziana . . . 526
PAWLOWSKI,l)r. ALEXANDER
R. V., über Nachahmung- und
Nachfälschung von Münztypen
145, 159
Podmokler Typen 37
Prag, Münzstätte unter Maximi-
lian II 203
unter Rudolph II 259
unter Mathias ..... 380
Programm - Münzen römischer
Kaiser 51
RAIMANN, l)r. v., Der Münzfund
zu Sallingberg 183
Reckheim, Münzfälscher .... 164
Regenlbogenschiüsselchen, über
ihren Feingehalt 24
Seite
Regensburger Denar . . 95, 101, 105
Rudolph II., dessen Münzprägun-
gen 232
Segovia, österr, Münzleute daselbst 183
Sallingberg, Münzfund 133
Seborga, ital. Heckenmünze . . 154
Sieilianische (xoldniünzen, deren
Legirungsverhältnisse .... 12
Spanien, österr. Münzleute daselbst 182
Speeiflsches Gewicht von Gold-
münzen, dessen Bestimmung . 45
Spinola, Münzfälscher 154
Vogler Johann, Münzkünstler . . 18)
Wallenstein
und seine
Münzen
j 417, 469 ft'.
' — dessen Geschichte 420
— dessen Wappen 437
— Archivalisches 441
— Mimzgeschichtliches 465
Walzenprägung in Hall . . . . 179
— in Krenmitz 290
Wiener Münzstätte unter Maximi-
lian II 173, 197
unter Kudolph II 232
unter Mathias 348
1.
Zur Geschichte der antiken Legirungen.
Von
K. B. Hofmann.
Y.
Leber die Legirung kleinasiatischer Elektronmüuzen.
Im Band XVI dieser Zeitschrift i) habe ich die Resultate mit-
getheilt, zu denen ich durch meine Untersuchung gelangt bin, die ich
über die Legirung der kleinasiatischen Elektrummtinzen, welche in
der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses aufbewahrt
werden, angestellt habe. Seither habe ich Gelegenheit gehabt, eine
neue Reihe solcher Stücke zu untersuchen und das ganze Materiale
aus einem neuen Gesichtsjiunkte zu überschauen. Die Stücke ent-
nahm ich den reichen Münzsammlungen Seiner Durchlaucht des
Prinzen Ernst zu Windisch-Grätz und des hochwürdigen
Schottenstiftes in Wien, sowie der gewählten Antikensammlung
des Senats-Präsidenten der k. Tafel zu Budapest, Herrn Georg
V. Rath, die mir ihre Schätze in liberalster Weise zur Untersuchung
1) Die folgenden Mittheilungen bilden die Fortsetzung der in dieser Zeit-
schrift Bd. XVI publieirten Untersuchungen.
1
■^ -^
K. B. Hofmann;
anvertraut haben. Es ist mir eine sehr angenehme Pflicht, für solche
gütige Förderung an dieser Stelle meinen wärmsten Dank auszu-
sprechen. Den neuen Gesichtspunkt aber, von dem aus man das
gesammelte Materiale überblicken kann, wies Hen* J. P. Six van
Hillego m. Nach einer brieflichen Mittheilung, die ich seiner Ge-
fälligkeit verdanke, haben ihn seine langjährigen Untersuchungen
auf diesem Gebiete der Münzkunde zu der Ueberzeugung geführt,
dass sämmtliche zweiseitig geprägte Hekten in Mytilene gemünzt
worden sind. „Es war nämlich in Mytilene üblich, jedes Jahr
wenigstens einen der Typen zu ändern oder zu wechseln, und somit
erklären sich auf ganz einfache Weise die langen Reihen verschiede-
ner Typen, welche diese Hekten aufweisen."
Es sind sonach in dem früheren Verzeichnisse (Bd. XVI, S. 32
u. if.) folgende Verbesserungen in der Zutheilung der Münzen vor-
zunehmen: Nach Mytilene sind zu rechnen Nr. 18 bis 21, 24, 26 bis
33, 38, 41 bis 47. Nr. 7 gehört nach Herakleia im Pontus, Nr. 22
vielleicht nach Klazomenae, nicht nach Kebrene; ebenso Nr. 23 nur
nach Phokaia. Nr. 25 zeigte bei nochmaliger genauerer Besichti-
gung das winzige Bild einer Robbe unter dem Frauenkopfe und
gehört daher auch zu Phokaia. Eben dahin sind Nr. 4 und 5 zu ver-
weisen, die für gewöhnlich unter dem Frauenkopfe ganz deutlich
die Robbe zeigen. Der Frauenkopf in Nr. 5 ist die Copie des Kopfes,
den Kimon auf den Dekadrachmen von Syracus geschnitten hat
(Six). Nr. 3 gehört zu den in Thessalonika gefundenen Münzen,
welche Brandis S. 532 verzeichnet. Die Stücke aus der Sammlung
Borrell befinden sich nicht, wie es dort irrthümlich angegeben ist,
in Paris, sondern in der Sammlung des Herrn v. Six. Ilire Zutheilung
ist bisher unsicher. Nr. 1 hat auf seiner Vorderseite nicht (wie es
im ersten Verzeichnisse heisst) einen Löwenkopf, sondern ein erha-
benes Quadrat, das dem incusen der Reversseite entspricht. Six
macht darauf aufmerksam, dass die Münze einer Zeit oder einer
Stadt angehört, die noch keine Typen hatten. Der hohe Feingehalt
spricht auch für das Alter der Münze. Nr. 2 des ersten Verzeich-
nisses hat vor dem Löwenkopfe eine Inschrift ^^^^ ; diese Legende,
von deren Buchstaben nicht einmal sicher feststeht, ob sie dem
phrygischen oder lydischen oder welchem sonstigen Alphabete
Zur GesciiK'iitt.' ner aiuiK<-ii Ltuiruii^eu. *^
angehören, macht die gewöhnliche Ziitheilung (Milet) sehr zweifel-
haft. 2) Es sind Theilstttcke eines Staters von 14-10 Gr. (8ix).
Bei dieser Auffassung der zweiseitig geprägten Münzen ent-
fallen manche Vermuthungen und Subtilitäten, die mir nach der
älteren Auffassung von verschiedenen Prägestädten Bedeutung zu
haben schienen.
Die folgende Tabelle enthält nun die neuen Resultate in ähn-
licher Weise zusammengestellt, wie es in meiner ersten Publication
der Fall war.
2) Ein ähnliches Exemplar ist von Head im Numism. Chronicle N. S.
1875, Vol. XV. 226 gegeben, deren Inschrift Herr Six R=L14=1 liest. DieTrite
dazu von 4-702 Gr. ist in der Münchener Sammlung (Sestini Statere T. IV. 15).
Deren Inschrift liest Six ^^ 1 ^ ^. Sestini hat den Namen der Stadt Kyzikos in
der Legende finden wollen. Dies ist nach Herr v. Six unmöglich. Auch stimme
das Gewicht nicht dazu.
K. B. Hol!
B
B
Münzbeschreibuug
■^
O
1
1
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2
> S
02 so
'3
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m
= « s
— '5:
3
S
s
B
5
Mytileiie.
1
Zeus Amnion r. Rv. Adler rechts
umsehend, im Viereck von
Linien. 10 Mm. (ältere Zuthei-
lung: Abydos; gleich Nr. 21
des 1. Verzeichnisses.)
2-5558
0-2052
12-455
12432
34-40
Seh. 3)
2
Gleiche Prägung.
2-5470
0-2037
12-503
12483
35-16
R
3
Frauenkopf mit langem Haar und
Epheukranz r. Rv. vollbärtiger
Satyrkopf von vorn im Stab-
rahmen. 11 : 12 Mm. (Vergl.
I. Verz. Nr. 41.)
2-6390
0-1939
13-610
13-588
5011
R
4
Pallaskopf mit dreifacher Crista.
Rv. Ephebenkopf r. mit Reise-
hut im Nacken, im viereckigen
Rahmen. 10 Mm. (Früher Pho-
kaea = Nr. 42 des I. Verz.)
2-5505
0-2036
12-527
12604
35-46
Seh.
5
Persephonekopf r. Stossender
Stier im Stabramen 1. 9: 10 Mm.
(Gleich Nr. 43 im I. Verz.) Das
Stück ist beschnitten.
2-4582
0-1071
12-472
12451
34-68
R
6
Ephebenkopf mit Hut r. Rv. Leo-
pard im Stabrahmen. 9: K) Mm.
(Früher Smyrna. Vergl. Nr. 45
im I. Verz.)
2-3385
0-1630
14-347
14321
58-76
W
7
Löwenkopfmit geöffnetem Rachen
r. Rv. Stierkopf r. vertieft.
10 Mm. (Früher Knidos oder
Samos. I. Verz. Nr. 47.)
2-4820
0-1978
12-548
12525
35-77
W
H
3) Seh. bedeutet die Sammlung
immlung Seiner Durchlaucht des
errn Hofrathes G. Rath.
^ des W
Prinzen
lener S
zu Wii
ihottens
idisch-C
jtiftes, ^
xrätz, I
Wd\e
l des
Zur Geschichte der antiken Leglrungen.
Münzbeschreibung
=« C
's
a
02
10
11
12
1 -
14
15
Gleiches Gepräge. (Mionnet S. V.
304, Nr. 128.)
Eber, Vorclertheil r. Vorderfüsse
eingebogen*) Kv. Löwenkopf
mit offenem Rachen r, im Stab-
rahmen. 11 Mm. (Früher Me-
thymna.)
Gleiche Münze wie Nr. 9.
Vorclertheil eines Stieres mit ein-
gebogenen Knien 1. Ev. ver-
tiefter Löwenkopf mit offenem
Eachen 1. 10 Mm. (Sonst
Samos.)
Widderkopf r. Rv. Löwenkopf
mit offenem Rachen, heraus-
geschlagener Zunge r. 10 Mm.
Verschleierter Frauenkopf r. Rv.
Dreifuss geschmückt im vier-
eckigen Stabrahmen. 10 Mm.
(Sonst Parium. Brandes. S.
410.)
Ganz ähnlich wie Nr. 13. 10 Mm.
Ganz ähnlich, nur etwas dunkler
als Nr. 14. 10 : 11 Mm.
2-5782
2-4472
2-4553
2-4545
2-4330
2-3942
2-5675
2-5480
0-1980
0-2016
0-1998
0-1895
0-1985
0-1952
0-2059
0-2050
13-021
12-996
12-139
12117
12-289
12265
12-953
12930
12-257
12234
12-266
12243
12-470
12447
12-429
12-406
42-41
29-60
31-89
43-06
31-41
31-55
34-62
34-01
Seh.
W
Seh.
W
W
W
Seh.
Seh.
4) Mionnet S. VL p. 83 hält die eingeknickten Kniee irrig für eine
Blume.
K. B. Hofmann:
1
Münzbe Schreibung
2
II
?? x^
Mi
zi y
1
16
Behelmter bärtiger Kopf r. Rv.
Im Stabrahmen weiblicher Kopf
1. Stern über demselben. 10 Mm.
(Gleiches Stück im Joanneum
I. Verz. S. 39, Aum. 30.;
2-5220
0-2035
12-393
12-370
33-48
w
17
Lorbeerbekränzter, bartlos(M- Kopf
r. Rv. Weiblicher ähren-
bekränzter Kopf r. im Stab-
rahmen. 10 : 9 Mm.
2-5245
0-2040
12-375
12-855
33-25
1
R
18
Behelmter (weibl. ?) Kopf r. Rv.
Eule r. Kopf dersel])en von
vorn hn Stabrahmen. 11 Mm.
2-5478
0-2039
12-495
12474
35-02
Iv'
19
Zeuskopf 1. Rv. Satyrmaske von
vom im Stabrahmen. 9 : 10 Mm. 5)
2v).'^11
0'1650
15-340
15316
69-19
1
R
20
Widderkopf r. Darunter die
Klaue. Rv. Stierkopf vertieft
1. 11 Mm.
2-704o[ 0-1998
13-533
13511
4915
R
Phokaia.
21
Omphalekopf mit Ohrring, Löwen-
fell und Keule, darunter Robbe.
Rv. Zapfenlöcher. 10: 11 Mm.
2-5558
0-2070
12-347
12326
32-81
R
22
Frauenkopf mit Kranz 1. unter
dem Kopfe eine winzige Robbe.
Rv. Zapfenlöcher. 10 Mm.
(Gleich Nr. 25 des I. Verz.)
2-5036
0-2034
12-309
12286
32-21
Seh.
23
Beh(}lmter Pallaskopf 1. Rv. Zap-
fenlöcher. 9:10 Mm. (Gleich
Nr. 35 des I. Verz.)
2-5208
0-2050
12-296
12273
32-01
Seh.
lic
de
5) Gehört zu den allerspätesten 1
h unter der Regierung Alexanders
s IV. Jahrhunderts, Six).
^rägung€
des Gros
m von Ä
sen odt
[ytilene
n- noch
vvabr8(
später (
?hein-
Eude
Zur Geschichte der antiken Lcgirungen.
'v
s
B
Münzbeschreibuiig-
'S
%
1
<
Gewichtsverlust
im Wasser
Rohes und corri-
girtes specifisches
Gewicht
ö
51
'S
a
B
24
Gleiches Gepräge wie die vorige
Nummer. 11 Mm.
2-5456
0-2257
11-279
11269
15-16
R
25
1
Epheubekränzter Frauenkopf 1.;
darunter eine winzige Robbe.
10 Mm. Rv. Zapfenlöcher.
(Vergl. Nr. 25 des I. Verz. —
Mionnet S. VI. 284, Nr. 1301.)
Kyzikos.
2-5580
0-2056
12-417
12-394
34-40
Seh.
26
Löwe auf Thunfisch 1. Rv. Zapfen-
löcher. 17 : 20 Mm. (Yergl.
I. Verz. Nr. 15.)
15.8235
1-1764
13-451
13425
48-06
Seh.
27
Löwe I. sitzend; die rechte Vor-
derpranke erhoben, auf einem
Thunfisch. Rv. Zapfenlöcher.
10 : 11 Mm.
2-6325
0-1917
13-732
13 707
51-59
W
28
Kopf mit kurzem Backenbart r.
bedeckt mit einerHaube, deren
Zipf nach Art einer phrygi-
schen Mütze nach vorn ge-
schlagen ist. Rv. Zapfenlöcher.
10: 11 Mm.
Lampsakos.
2-7146
0-2126
12-768
12746
38-94
Seh.
29
Seepferd geflügelt 1.; darüber
Blumenstengel stilisirt. Rv.
4 Zapfenlöcher, zwei ausge-
füllt. 18 : 20 Mm.
Milet.
14-966
1-2140
12-328
12305
32-49
w
30
Löwenkopfmitgeöflftietem Rachen
r. Stern darüber. Rv. Unregel-
mässiges oblonges quadratum
incusum. 12 : 13 Mm.
4-7092
0-3502
13-447
13423
48-04
Seh.
ö K. B. Hofmann :
1. Von den in diesem Verzeichniss aufgeführten 27 Hekten
sind 18 Stück, d. h. 2/3 aller, bei denen der Feingehalt zwischen 30
und 36o/o Gold schwankt, und zwar enthalten :
3O0/0 Gold 1 Stück
31Vo . 2 ..
320/0 „ 4 ,
330/0 ., a ,,
340/0 „ 3 ..
350/0 „ 4 „
36o/o , 1 ..
Das gleiche Verhältniss zeigt sich auch, wenn sämmtliche von
mir bisher untersuchte Hekten — 64 an der Zahl — in Rechnung
gebracht werden. Bei der Hälfte aller dieser Stücke enthält die
Legirung 34— 36o/o Gold, bei mehr als a/5 derselben aber 31— 33o/o ;
der Rest ist mehr oder minder feinhältig.
2. Ein noch deutlicheres Bild der Legirungsverhältnisse tritt
uns entgegen, wenn wir die Hekten von Mytilene, Phokain inul
Kyzikos abgesondert betrachten.
Berücksichtigt man nur die 42 doppelseitig geprägten mytile-
nischen Hekten (beider Verzeichnisse), so findet man 32 Stücke, also
ungefähr vier Fünftel aus einer Legirung geschlagen,
welche zwischen 31o/o und 36o/o Gold enthält.«) Nur ein
Stück ist geringer ausgebracht (30o/o), die andern sind feinhältiger
(bis 69 0/0). Der prävalirende Feingehalt ist 34 — 350/^. Diese
Zahlen erhält man unter Voraussetzung der weissen Karatirung. Der
thatsächliche Feingehalt wird sich etwas höher stellen. Man wird
kaum sehr irren, wenn man einen Kupfergehalt voraussetzt, der um
«) Die Stücke
vertheilen sich
folgender
weise :
300/0 Gold .... 1
Stück
390/0 Gold ... 1 Stück
3104 „
. . 5
" "l
4lo; ..
1
320/0 „
. . 3
"
420,0 ..
1
330/0 „
340/0 „
. . 2
. . 6
» (
32 Stück
430/0 ..
490/0 „
^ n
350/0 „
. . 12
"
500/0 „
^ n
36o/o „
. . 4
1
.590/0 ..
*^ V
370/0 „
. . 1
r>
690/0 ,
^ r>
38o/o „
. . . 1
r)
Zur (.TeocLiclite dtr autikt
9
5Vo schwankt, meist wohl darunter liegen mag. Dies angenommen,
müssen die Werthe für Gold um 2o/o erhöht werden, so dass die
meisten Stücke aus einer 33 — 38Vo haltenden Legirung bestehen
und ein Feingehalt von 36 — 37o/o als der herrschende angesehen
werden darf. Als mittleres Gewicht berechnet sich für eine mytile-
nische Hekte (aus den 42 Stück):
2*52 Gramm.
„Die Hekten von Mytilene und Phokaia übersteigen fast nie
2*60 Gr." bemerkt Herr Six, dem die meisten dieser Stücke im
Originale vorliegen.
3. Von den in diesem zweiten Verzeichnisse aufgenommenen
Stücken haben einen abnormen Goldgehalt:
1 Stück zu 39o/o (Kyzikus)
1 „ „ 42o 0 (Mytilene)
1 „ „ 430^0 ( — )
1 „ „ 48o/o (Kyzikus)
1 „ „ 48o/o (Milet)
1 „ ,, 49« 0 (Mytilene)
1 V V 50o/o ( — )
1 „ ,, 52o/o (Kyzikus)
1 .. ., 590/0 (Mytilene)
1 ., .. 69o/o ( — )
Ein Stück (Phokaia) enthält nur 15o/o ^old.
Von diesen feinhältigeren Münzen gehören 3 Stück (darunter
ein Stater) Kyzikos an, dessen Elektronmünzen, wie ich schon in der
früheren Publication (S. 47) nachgewiesen habe, aus einer besseren
Legirung geschlagen sind. Die beiden Stücke von Mytilene mit dem
Goldgehalt von 50 und 59o/o (Nr. 3 und 6) zeigen eine merkwürdige
Anomalie in der Zusammensetzung, insofern e zwei andere Stücke
mit ganz ähnlicher Prägung (I. Verzeichniss) sich vom Durchschnitts-
Feingehalte nicht entfernen. Ganz abweichend ist Nr. 19 mit einem
Goldgehalt von 69o/o, den sonst keine kleinasiatische Münze, die
ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, erreicht. Da sie von sehr
später Prägung ist, wäre es wichtig, Stücke aus der gleichen Zeit-
periode (Alexander) auf ihren Feingehalt zu prüfen. Die drei anderen
mytilenischen Hekten (Nr. 8, 11 und 20) weisen auf einer Seite
ein vertieftes Prägbild. Es ist nun wohl kein blosser Zufall,
10
K. B. Hof mann:
dass sämmtliche (7) Hekten, die auf einer Seite ein ver-
tieftes Prägbild besitzen, aus feineren Legirungen
(38-4— 47-3— 41— 36— 42-4— 43— 490/0) gemacht sind, während
von den 35 mit beiderseits erhabener Prägung versehenen, von mir
untersuchten Stücken, nur 4 Stück über 36o/o Gold halten. ,,Die
mytilenischen Hekten mit incusen Bildern im Revers sind die
Aeltesten" (Six). ')
4. Die phokai sehen Hekten scheinen etwas schwerer als
die mytilenischen zu sein. Das Mittelgewicht «) der 14 von mir
untersuchten Stücke ist 2*543 Gr. Die Legirung dieser Stücke ist,
wie ich schon früher (1. c. S. 46) darauf hingewiesen habe, von der
schwankendsten Zusammensetzung. Auch dieses Verzeichniss weist
in Nr. 23 und 24 zwei Hekten ganz ähnlicher Prägung auf, von
denen die eine 32, die andere nur 15o/o Gold hält.
5. Die kyzikenischen Hekten sind noch schwerer (im Mittel:
2*65 Gr.). Sie und die Stateren sind durchwegs aus feine-
rem Golde, als die phokaischen und mytilenischen
gefertigt. Herr Six macht mich darauf aufmerksam, dass als die
athenische Flotte gegen Syrakus ausgesandt ward, der Schatz-
meister den Strategen reichlich Kyzikencr mitgab; dass also die
Münze so ziemlich überall cursirte und sehr gesucht war. Auch der
neu hinzugekommene Drittel-Stater von Milet (Kr. 30) weist ein
viel feineres Korn auf, wie dies bei Nr. 34 des I. Verzeichnisses
auch der Fall war. Mit Rücksicht auf den wahrscheinlichen Kupfer-
gehalt, dürfte bei dem Stater und dem Drittelstater der Feingehalt
5O0/0 erreichen.
6. Einer besonderen Aufmerksamkeit werth ist der Stater von
Lampsakos aus der Sammlung Seiner Durchlaucht des Prinzen zu
Windisch-Grätz. Das Stück hat einen viel geringeren Feingehalt,
als das von mir unter Nr. 17. des I. Verzeichnisses aufgeführte, dem
es doch an Gewicht und Alterthümlichkeit des Aussehens überlegen
') lieber die Münzgeschichte von Mytilene ist eine Piiblication des HeiTü
Six jun. zu erwarten, der sich mit diesem Gegenstande uufs eingehendste
beschäftigt.
8) Nach dem Verzeichniss von Brandes wäre das Mittel 2*55 Gr. Doch
sind diese Wägungen gewiss zum geringsten Theile mit so minutiöser Genauig-
keit ausgeführt, wie die meinen.
Zur Geschichte der antiken Legirungen. J i
ist. Dem ersteren nach stimmt es mit dem Stücke des Herzogs de Luyues,
der Prägung- nach mit dem von Mommsen (8. 18, Anmerkung 65
angeführten Stücke zu 13-98 Gr. Gewicht) überein. Da von bisher
analysirten natürlichen Elektrumsorten die silberreichste von Vörös-
patak 60-5 o/o Gold enthielt (G. Rose); so ist es wohl nicht zweifelhaft,
dass der Stater von Lampsakos aus künstlich 1 e g i r t e m G o 1 d e
geschlagen ist. Trotz des alterthümlichen Aussehens ist das niedrige
Gewicht (unter 15 statt über 16 Gr.) und der geringe Feingehalt
ein Beweis, dass das Stück ziemlich spät geschlagen ist (nach Six
um 400 V. Chr.).
Die Weissgoldziegel, die Krösus nach Delphi stiftete, enthielten
730/0 Gold und 27o/o Silber (Hultsch, 2. Aufl., S. 579). Wenn sie
aus dem Elektrum des Pactolus gefertigt waren, wie nicht zu be-
zweifeln, so hat dieses mit Recht im Alterthume den Ruf eines sehr
silberreichen Goldes gehabt. 9) Und doch bleiben sämmtliche Kyzi-
kener, ja alle von mir bisher untersuchten kleinasiatischen Münzen
(78 Stück) in Bezug auf den Goldgehalt weit unter diesem Krösus-
schen Elektrum. 10)
Gestützt auf die bisherigen Untersuchungen, glaube ich die
Behauptung wagen zu dürfen, dass sämmtliche mytilenische,
phokaische und kyzikenische Hekten, sowie die Sta-
teren von Kyzikos und Lampsakos und wahrscheinlich
auch alle milesischen Drittel nicht aus natürlichem
P^lektrum, sondern aus künstlichen Legirungen herge-
stellt sind.
9) Zum Vergleiche sei hier eine Angabe aus dem Briefwechsel zwischen
A. V. Humboldt und Gf. G v. Cancrin, S. 37 angeführt. Minister Cancrin berichtet
an Humboldt: La Perse nous a paye en partie en lingots d'or, qui ont parfai-
tement le contenu de notre or lave ä l'Oural. (d. h. 8%6 Gold, das übrige Silber).
II parait venir des montagnes de Boukliarie.
10) Auch die alterthümlichsten kleinasiatischen Münzen in der Sanunlung
des Herrn Six haben eine sehr bleiche Farbe. Er zweifelt, dass sich deren Fein-
gehalt auf 72«/o erhebt.
12
K. B. Hofmann
VI.
lieber die Legirungsverhältnisse sicilianischer Goldmünzen.
Bei einer früheren Untersuchung i*) der sicilianischen Gold-
münzen habe ich die Beobachtung gemacht, dass manche Stücke,
die man ihrem Aussehen (ihrer Farbe) nach für feinhältig nehmen
konnte, thatsächlich aus sehr stark legirtem Gokle gemünzt sind.
Ausserdem hat diese Prüfung ergeben, dass die Mischungsverhält-
nisse der beiden edlen Metalle in den verschiedenen Stücken sehr
wechselnd sind. Diese Wahrnehmungen bestimmten mich, da die
Keihe der bisher untersuchten nur klein ist, noch andere mir zugäng-
liche sicilische Münzen auf ihren Feingehalt zu prüfen.
A.
An die in meinem ersten Aufsatz S. 52 abgeliaudL'ltLMi Miiii/L-n
von Panormos reihen sich noch vier andere Stücke:
Nr. 1. (Seh. i~) Ein den Nr. 1 und 2 des ersten Verzeichnisses
in der Prägung (Frauenkopf mit Aehrenkranz — Pferd) ganz glei-
ches Stück, das aber trotz seines messinggelben Ansehens feinhältiger
ist, als jene. Das Gewicht ist kleiner, weil das Stück an einer <t«'ll«'
etwas beschnitten ist.
Durchmesser: 18 Mm.
Absolutes Gewicht 7-3502 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser . 0-4548 „
Specifisches Gewicht (direct) 16-175 Gr.
„ „ (corrigirt) 16147 „
Goldgehalt: 76-Uo o/«
11) Dieser Aufsatz schliesst unmittelbar als Ergänzung an den in Bd. XM,
S. 50 abgedruckten an.
12) Seh. bedeutet die Sammlung des Sehottenstiftes; W. die Sammlung
Seiner Durchlaucht des Fürsten Ernst zu Windisch-Grätz ; M. Kaiserliches Münz-
kabinet.
Zur Geschichte der antiken Legirungen. iö
Nr. 2, (Seh.) ganz ähnlich der von mir analysirten Münze Nr. 3
des I. Verz. Fast gleiche Prägung-, nur sind unter dem Pferde drei
Kügelchen *••
Durchmesser: 19 Mm.
Absolutes Gewicht 7-6087 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0*5309 ,,
Specitisches Gewicht (direct) 14-332 Gr.
„ (corrigirt) 14-306 „
Goldgehalt: 58-59 o/.
Wenn das Stück, wie man mit Kecht annehmen kann, gleich
dem analysirten 2o/o Kupfer enthält, so ist sein wirklicherFeingehalt
ungefähr 59-5 %, also ähnlich dem des analysirten.
Nr. 3. (W.) Gleich dem Stück Nr. 5 des I. Verz.
Durchmesser: 13 Mm.
Absolutes Gewicht 1-8815 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0'0990 „
Specifisches Gewicht (direct) 19*005 Gr.
„ (corrigirt) 18*973 „
Goldgehalt: 98-08 o/,.
Da unzweifelhaft auch dieses Stück etwas Kupfer enthält, so
darf man annehmen, dass seine Legirung genau unserem Ducaten-
gold = 98-6 % gleichkommt, dessen specifisches Gewicht nach
meinen Untersuchungen (an 7 verschiedenen Ducaten bestimmt) im
Mittel 18-972 beträgt.
Nr. 4. (M. Nr. 6677.)
Durchmesser: 7 Mm.
Absolutes Gewicht . 0*5249 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0-0279 „
Specifisches Gewicht (direct) 18*814 Gr.
„ „ (corrigirt) 18*782 „
Goldgehalt: 96*85 o/«.
Die Vergleicluuig der karthagisch-sicilischen Goldmünzen, deren
Gewicht um 7*5 Gr. schwankt, lässt trotz der kleinen Zahl der unter-
14 K. B. Hofmaiin :
suchten Stücke wenigstens zwei Legiernngsverliältnisse dieser Nomi-
nale erkennen. Die eine Reihe der Stücke hat einen zwischen 72
und 77 «/o (hei etwas grösserem Kupfergehalt einzelner aber zwischen
74 und 79 o/o) schwankenden Goldgehalt, die andere einen Fein-
gehalt von 60 o/o. Da in der Grösse, dem Gewicht und Prägebild
keine wesentlichen Unterschiede auffallen, so dürfte vielleicht die
Annahme berechtigt sein, dass es sich um Representanten von zwei
(vielleicht drei) zu verschiedenen Zeiten geschlagenen
Reihen von Stateren handelt.
Bei weiteren Untersuchungen wäre das Augenmerk auch
daraufzurichten, ob die Zahl der Kügelchen oder ihr Fehlen mit
den Legirungs Verhältnissen nicht in einer bestimmten Beziehung
steht. Im Gegensatz zu jenen grösseren Stücken sind die
kleinen Theilstücke aus sehr feinem Golde angefertigt.
B
Bei den syracusanischen Münzen habe ich die L utersuchungen
des Vergleiches halber auch auf einige Königsmünzeu ausgedehnt.
Die folgende Zusammenstellung schliesst sich als Ergänzung
an die Bd. XVI. S. 53 gegebene an. «M
Dem Peutobolon — S'^U entsprechend.
Nr. 1. (Sch.j A[)iiullnkopl mit Lurbccrkrauz liiik>. K». Dreifu^s
zwischen ^YPAK ~ OXIHN. Blassgelb. Aehnlich Nr. 9 des ersten
Verzeichnisses.
Durchmesser: 15 Mm.
Absolutes Gewicht 2-4890 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 02497 „
Specifisches Gewicht (direct) 13*973 Gr.
„ „ i^corrigirt) 13-948 „
Goldgehalt: 54*47 o/«.
13) Die numismatischen Details verdanke ich der fördernden Theilnahme
des Herrn Directors Dr. Kenner, mit welcher er diese Untersuchungen freund-
lichst begleitet,
Zur Geschichte der antiken Legirungen. 1^
Nr. 2. (Netionalmuseum zu Budapest) Apollokopf 1. Hinter dem
Kopfe Astragal. Ks. Dreifuss zwischen ^YPAK — O^IHN. Ganz
ähnlich Nr. 9 des ersten Verzeichnisses.
Durchmesser: 11 Mm.
Absolutes Gewicht 3-4888 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser . . . • .... 0-2488 „
Specifisches Gewicht (direct) 14*023 Gr.
„ „ (corrigirt) 14-000 „
Goldgehalt: 55-09 o/«.
Nr. 3. (W.) Apollokopf mit Lorbeerkranz 1. Hinter dem Kopfe
Kantharus. Rs. :SYPAK und Dreifuss.
Durchmesser: 15 Mm.
Absolutes Gewicht 3.6265 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0-3345 ;,
Specifisches Gewicht (direct) 10-812 Gr.
„ „ (corrigirt) 10.792 „
Goldgehalte 6-31 o/,.
Dem attischen Tetrobolon = 2*91 entsprechend.
Nr. 4. (M. Nr. 6791). T(?^ Kopf eines Epheben 1. Dahinter
Gerstenkorn. Rs. unter PAKOC springendes Pferd, r. Mionnet. I. 290^
Nr. 703. Suppl. I. 426, Nr. 470.
Durchmesser: 12 Mm.
Absolutes Gewicht 2-8976 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0*1554 „
Specifisches Gewicht (direct) 18*633 Gr.
„ ., (corrigirt) 18-614 ..
Goldgehalt = 95*74 »/o.
Dem attischen Triobolon = 2-18 entsprechend.
Nr. 5. (M. Nr.6792.)ZEY$ EAEY (0) EPI05 Zeuskopf mit
Lorbeerkranz 1. Rs. XYPAKOZIHN. Springender Pegasus 1. unten
drei Kügelchen. Mionnet. I. 290, Nr. 707. Suppl. L 425, Nr. 464.
lt> K. B. Hofmann:
Durchmesser: 12 Mm.
Absolutes Gewicht 2-3085 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0*1369 ,,
Specifisches Gewicht (^direct) 16-863 Gr.
„ ,, (corrigirt) 16-834 ^
Goldgehalt = 82.70 o/o.
Dem attischen Diobolou = 1-46 entsprechend.
^r, 6. (M. Nr. 6796.) Demeterkopf mit Aehrenkranz 1. Rs.
^YPAK. . . . Schreitender Stier mit gesenktem Kopf. 1. Mionnet. I.
291, Nr. 709.
Durchmesser: 10 Mm,
Absolutes Gewicht 1-3972 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0*0743 „
Specifisches Gewicht (direct) 18-805 Gr.
(corrigirt) 18-773 „
Goldgehalt = 96-79 o^o.
J? V
Nr. 7. (M. Nr. 6793.) ^YPA Herakleskopf mit dem Löwenfell
1. Rs. Rest eines vertieften Vierecks, in der Mitte in runder Ver-
tiefung kleiner Frauenkopf 1. Mionnet. I. 2>^0. Nr. 6)^7.
Durchmesser: 9 Mm.
Absolutes Gewicht 11 648 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0-0636 ,,
Specifisches Gewicht (direct) 18-314 Gr.
„ „ (corrigirt 18-283 „
Goldgehalt = 93*51 %.
Nr. 8. (M. Nr. 6794.) Gleiche Prägung, nur ist die seitliche
Inschrift nicht vorhanden (verwischt?)
Durchmesser: 11 Mm.
Absolutes Gewicht , M497 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0*0635 ,,
Specifisches Gewicht (direct) 18-105 Gr.
„ (corrigirt) 18-074 „
Goldgehalt = 92-06 o/^
1
Zur Geschichte der antiken Legirungen. i i
Nr. 9. (Seh.) Ganz älinliches Gepräge wie in Nr. 7 5YP. Mion-
net. I. p. 289, Nr. 688.
Durchmesser: 11:9 Mm.
Absolutes Gewicht M653 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0-0633 „
Specifisches Gewicht (direct) 18-409 Gr.
„ „ (corrigirt) 18-379 „
Goldgehalt == 94-16 %.
An diese syracusani sehen Diobolen sehliesst sieh nach Momm-
sen iß. 133) eine Münze von Agrigent, die in der That nach
Gewicht und Feingehalt dem Stücke Nr. 6 sehr nahe kommt;
es ist dies
Nr. 10. (M. Nr. 6278.) AKPÄ Adler auf Felsen 1. gegen eine
Schlange, die emporzüngelt, gewendet ; unterhalb zwei Kügelchen.
Rs. Krabbe, darunter 51 AA. Mionnet. Suppl. I. S. 360, Nr. 15.
ZON.
Durchmesser: 11 Mm.
Absolutes Gewicht 1 3560 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0-0717 „
Specifisches Gewicht (direct) 18*912 Gr.
„ (con-igirt) 18-880 „
Goldgehalt =97-48 o/„.
Dem attischen Obolon = 0*74 entsprechend.
Nr. 11. (M. 6795.) A q Y S Pallaskopf mit Helm, 1. Rs. Aegis
mit Medusenkopf. Mionnet. I. 291, Nr. 712.
Durehmesser: 9:10 Mm.
Absolutes Gewicht 0-6630 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0-0354 „
Specifisches Gewicht (direct) 18.729 Gr.
„ „ (corrigirt) 18-697 „
Goldgehalt = 96-29 o/„.
2
?7
18
K. B. Hofmaun:
Nr. 12. (M. Nr. 6797.) ^YP. . . .IHN Aehre. Rs. Vordertheil
eines stossenden Stieres 1. Mionnet I. 291. Nr. 713.
Durchmesser: 8 Mm.
Absolutes Gewicht 0.7232 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0*0404 „
Specifisches Gewicht (direct) 17.901 Gr.
„ (corrigirt) 17-870 ,
Goldgehalt = 90-61 o/,.
Königsmünzen.
Agathokles (^317-289).
Nr. 13. (M. Nr. 7234.) Kopf der Afrika mit der Kopfliaut eines
Elephanten r. Rs. A f A 0 0 K A E 0 X Speerschwingende, geflügelte
Pallas r. vor ihr Eule. Mionnet» I. 332, Nr. 42.
Durchmesser: 20 Mm.
Absolutes Gewicht 8*4554 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0.4492 „
Specifisches Gewicht (direct) 18-823 Gr.
„ ,, (corrigirt) 18-796 „
Goldgehalt = 96-94 o/,.
Nr. 14. (M. Nr. 7236.) Pallaskopf r. Rs. ATAGOKAEO^
BA^IAEO^. Geflügelter Blitz. Mionnet. I. 332, Nr. 37.
Durchmesser : 1 7 Mm.
Absolutes Gewicht 5*676 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0*299 „
Specifisches Gewicht (direct) 19*226 Gr.
„ (corrigirt) 19*198 „
Goldgehalt = 99*49 o/«.
Hiketas. (287-278)
Nr. 15. (M. Nr. 7252.) Wie Mionnet. I. 333. 56. Rs. oben
Blitz, unten Aehre.
Zur Geschichte der antiken Legirungen.
U»
Absolutes Gewicht 4-2432 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0-2207 „
Specifisches Gewicht (direct) 19*226 Gr.
,, ;, (corrigirt) 19-198 .,
Goldgehalt = 99-49 o/^.
Nr. 16. (M. Nr. 7253.) Wie die vorige Nr. oben Mond, unten 0
Absolutes Gewicht 4-2175 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0-2210 ^
Specifisches Gewicht (direct) 19-084 Gr.
(corrigirt) 19-056 „
Goldgehalt = 98-61 o/^,.
Hiero II. (275—216.)
Nr. 17. (M. 7254). Wie Mionnet I. 334. 65. Hinter dem Kopfe
Aehre. Rs. unten E.
Gesammtgewicht 4-2660 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0-2225 ,,
Specifisches Gewicht (direct) 19-173 Gr.
„ ,, (corrigirt) 19-143 ,,
Goldgehalt = 99-15 o/,.
Nr. 18. (M. 7255.) Wie Mionnet I. 334, 61. Rs. Zweigespami
nach r., unten fehlt das Beizeichen.
Gesammtgewicht 4-2437 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0-2227 „
Specifisches Gewicht (direct) 19.056 Gr.
„ (corrigirt) 19-026 „
Goldgehalt = 98-41 «/o-
Nr. 19. (M. Nr. 7256.^ Wie Mionnet. I. 334. 60, jedoch hinter
dem Kopfe Fackel. Rs. unten TT.
Gesammtgewicht 4*2471 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0*2216 „
Specifisches Gewicht (direct) 19-166 Gr.
„ „ (corrigirt) 19.136 „
Goldgehalt = 99-13 o/o.
2*
20
K. B. Hofmann:
Nr. 20. (M. Nr. 7257.) Wie Mionnet I. 334. 66, jedocli Rs.
unter dem Namen 5. Das Exemplar ist etwas abgeschliffen.
Gesammtgewicht 4-2314 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0*2194 ,,
Specifisches Gewicht (direct) 19*286 Gr.
„ „ (corrigirt) 19*256 „
Goldgehalt = ^9*86 o/^.
Nr. 21. (M. Nr. 7258), wie oben Nr. 18, jedoch Rs. oben MI.
Gesammtgewicht 4-2528 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0*2238 „
Speciiisches Gewicht (^direct) 19-003 Gr.
(corrigirt) 18'973 „
Goldgehalt = 98*08 o/q.
Nr. 22. (M. Nr. 7259), wie Nr. 18, jedoch hinter dem Kopfe
der Vorderseite <t> und Aehre.
Gesammtgewicht 4-2749 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0*2246 ,,
Specifisches Gewicht (direct^ 19-033 Gr.
„ (corrigirt) 19*002 „
Goldgehalt = 98-26 o/,.
Hieronymus. i216 — 215)
Nr. 23. (M. Nr. 7309.) Wie Mionnet. I. 336. 86, über dem
Blitze MI.
Gesammtgewicht 4*2110 Gr.
Gewichtsverlust im Wasser 0*2232 „
Specifisches Gewicht (direct) 18*866 Gr.
„ „ (corrigirt) 18-835 „
Goldgehalt = 97-19 o/,.
Zur Ge.^chichte der antiken Legirangen. iwl
Die bisherigen Uutersucbungsdaten zusammenfassend erlaube
ich mir die Aufmerksamkeit der Fachgelehrten auf folgende Ver-
hältnisse zu lenken :
a) Die der attischen Drachme (Nr. 8 des I. Verz.), dem Tetro-
bolon (Nr. 4 dieses Verz.), den Diobolen (Nr. 6—9) und Oboleu
(Nr. 11 und 12) entsprechenden Stücke sind von feinhältigem Me-
talle (zwischen 91 und 99 o/^ Gold) gefertigt. Selbst noch das Stück
Nr. 5 (Triobolon?) besteht aus besserem Gold (83 o/o)- Diesen
Reihen gegenüber stehen aber Stücke, die sich mit ihren Gewichten
zum Theil noch weniger den Normalgewichten des attischen Fusses
anschliessen und aus viel geringern Legirungen geschlagen sind.
Hierher gehören die grösseren Stücke zu 6-5 Gr. (Nr. 7 des I. Verz.
und das dort angeführte Stück von Hultsch), in denen nur 30 o/o
(höchstens 32 o/o) Crold enthalten ist; ferner Stücke, die ihrer
Schwere nach sich einem attischen Pentobolon nähern. Von 10 theils
von mir, theils von Hultsch i*) angeführten Stücken haben 7 einen
Goldgehalt von 50 — 55 o/o (oder von 52 — 58 o/^,, w enn sie, wie das
ähnliche de Luynes'sche Stück, 2 o/^, Kupfer enthalten). An diese
reihen sich Stücke, die als Hälften der vorigen angesehen werden
können (nämlich Nr: 11, 12 und 13 meines I. Verz.), deren Fein-
gehalt zwischen 61 und 64 o/„ liegt. Vielleicht gehört, trotz seines
dem Obolon genau entsprechenden Gewichtes, das Stück Nr. 14
des I. Verz. auch hierher und ist als ein niedrig ausgebrachtes Viertel
der obigen Pentobolen, also ein Halbstück der eben angeführten
Nr. 11 — 13 des I. Verz. zu betrachten, mit denen es in der Legirung
(64-84 o/o) stimmt, während die beiden anderen Obolen (Nr. 11 und 12
des vorliegenden Verzeichnisses) viel feinhältiger sind. Ich weiss zu
wohl, dass diese Verhältnisse bei einer grösseren Reihe dieser
Münzen, als ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, eine wesentliche
Aenderung zeigen können, um meine Bemerkung für mehr denn eine
blosse Vermuthung zu geben, die vielleicht einer weiteren an meh-
reren Stücken vorzunehmenden Prüfung nicht unwerth wäre.
Die folgende Zusammenstellung der abgekürzten Zahlenwertho
soll die Uebersicht erleichtern.
«4) Berliner Zeitsclir. f. Niunisni. 1H84. XI. S. IGl.
■-.fi^^
22 K. B. Hofmann :
Dem attischen Münzfuss xt. i • ^ nr r
, j Nicht attischer Miinzfuss:
entsprechend:
Gewicht Gold % Gewicht Gold %
4-32 98-7 6-48 30-4
2-90 95-7 *)6-56 30-0
2-31
82-7
3-72
54-4
1-40
96-8
*) 3-63
52-0
1-16
93-5
*) 3-58
51-0
1-15
92-1
*) 3-44
49-6
M6
90-6
3-49
55-1
0-66
96-3
3-49
54-5
0-72
90-6
3-40
58-0 (Duc de Luynes)
1-84 60-8
1-80 64-5
1-75 63-6
1-80 63-0 (Duc de Luynes)
6)Mommsen (Gesch. d. r.Müuzw. S. 132) macht auf „das selt-
sam schwankende Gewicht" der Stücke, welche auf der Vorder-
seite den Apollokopf, auf der Reversseite den Dreifuss zwischen
^YPAK — O^IHN zeigen, aufmerksam. Noch viel schwankender
ist die Zusammensetzung der Legirung dieser Münzen, die aber in
keiner erkennbaren Beziehung zu ihrem Gewichte steht. Von den
10 Stücken, deren Zusammensetzung mir bekannt ist, sind drei, die
sich von den 7 anderen wesentlich unterscheiden. Das eine (Nr. 10
meines I. Verz.) enthält nur 27 o/o, das andere (von Hultsch ange-
führte) nur 25*5 % Gold. Beide tragen die Fackel als Beizeichen
hinter dem Apollokopf. Ein Stück aber (Nr. 3 des vorliegenden Verz.)
mit dem Kantharus als Beizeichen enthält nur 6-31 o/o (im besten
Fall, mit Rücksicht auf etwa vorhandenes Kupfer, 8 o/o) Gold. Der
Befund hat mich so überrascht, dass ich die Wägung wiederholte^
beidemale aber bis in der vierten Decimale tibereinstimmende
Werthe erhielt, so dass kein Irrthum unterlaufen war. Das Stück ist
auch nicht gegossen, daher eine moderne Fälschung ausgeschlossen
scheint. Es liegt also entweder eine antike Falschmünze vor, oder
*) Bezeichnet die von Hultsch 1. c. angeführten Stücke. Der Feingehalt
ist der Gleichförmigkeit wegen zum Theil umgerechnet.
Zur Geschichte der antikoii Lt ^i, u..;.. ... äO
es gab eine Periode, in der diese Stücke so geringhaltig ausgebracht
worden sind. Die Untersuchung einer grösseren Reihe sehr blasser
Stücke dieser Prägung muss über die Frage Aufschluss geben.
e) Ob das Stück Nr. 6 einerseits und die Stücke Nr. 7, 8 und 9
anderseits wirklich einer Reihe angehören, scheint mir zweifelhaft.
Die letzteren drei („von alterthümlicher Arbeit" Mommsen 1. c.
S. 133) stimmen untereinander in der Zusammensetzung der Legirung
besser überein, als mit der von Nr. 6. Allerdings sind die drei Stücke
von gleichem oder sehr ähnlichem Gepräge, während gerade Nr. 6
sich darin von ihnen unterscheidet, und es scheint, dass bei den
syrakusanischen Goldmünzen einer gleichen Prägung eine sehr ähn-
liche Mischung der beiden Edelmetalle entspricht.
Dagegen stimmt die Münzsorte von Agrigent, welche Momm-
sen S. 133 bei den syrakusanischen eingereiht hat und von der ein
Stück unter Nr. 10 dieses Verzeichnisses aufgeführt ist, mit Nr. 6
nicht bloss im Gewicht, sondern auch in der Legirung sehr gut.
(!) Mommsen weist (S. 132) darauf hin, dass sämmtliche
Goldstücke des Hiketas und Hiero II. das gleiche Gewicht
haben, wie die syrakusanischen Münzen, die der attischen Drachme
entsprechen. Wenn diese letzteren durchwegs von der Zusammen-
setzung des von mir unter Nr. 8 des I. Verz. aufgeführten Stückes
sein sollten, so stimmen die Münzen des Hiketas, Hiero und Iliero-
nymus auch im Feingehalte mit ihnen überein, ja übertreffen sie
wohl noch. Die Nr. 15, 17, 19, 20 (!) sind von reinem Gold, dem
nur Spuren Kupfer beigemischt sein mögen, wodurch das specifische
Gewicht des Goldes etwas herabgedrückt wird. Ueberdies sind ja
die unseren Berechnungen zu Grunde gelegten Constanten für Gold
(19-28) und Silber (10-48) auch nur Mittelwerthe.
Die zwei von Agathokles geschlagenen Münzen Nr. 13 und 14
geben im Feingehalt denen der folgenden Könige nichts nach.
Dieser Feingehalt ist ein nicht minder ehrendes Zeugniss für
die Fertigkeit der das Gold raffinirenden Arbeiter (dßovtövrwv), als
für die finanzpolitische Einsicht der syrakusanischen Herrscher.
24
K. B. Hofraauii
YII.
Ueber den Feingehalt der Regenbogenschüsselehen.
Die unter dem Namen der j,Regenbogenscliüsselchen" bekann-
ten Goldmünzen theilen mit allen inscliriftlosen Wertlizeichen den
Nachtheil der Unsicherheit mit Rücksicht auf ihre Localisation; ja
diese Unsicherheit erreicht bei ihnen so ziemlich das höchste Mass,
indem man trotz mancher fleissigen und eingehenden Untersuchung
nicht einmal über das Volk, das diese Münzen geschlagen oder
gegossen und sie gebraucht hat, einige Sicherheit besitzt. Zudem
entschädigen sie den sich mit ihnen Beschäftigenden nicht einmal
durch die Anmuth und Schönheit ihres Gepräges, wie dies z. B. die
anepigraphen Electrummtinzen Kleinasiens thun. Wenn ich in den
folgenden Blättern über diese wenig anziehenden Stiefkinder der
Numismatik doch einige Mittheilungen mache, so geschieht es in der
Erwägung, dass bei schwierigen Gegenständen der Forschung jeder
Umstand der Beachtung werth ist, da er im Verlaufe weiterer Unter-
suchungen zur richtigen Deutung beitragen kann; die Beziehung aber
zwischen Prägetypus und Legirung einer Münze an sich wichtig ist.
Ueber die Legirung, aus der die Regenbogenschüsselchen
bestehen, sind nur ganz ungefähre Vermuthungen geäussert worden
(wenigstens kenne ich nur 3 oder 4 Analysen^ und diese Vermuthun-
gen finden durch die genauere Untersuchung nur theilweise Bestäti-
gung. Das rohe Gepräge dieser Münzen Hess vermuthen, dass ihre
Legirung mehr vom Zufall abhing, als dass sie nach beabsichtigtem,
festgesetztem Verhältnisse zu Stande gekommen wäre. Eine genauere
Prüfung lehrt uns, dass diese Annahme nicht richtig ist, insofern
doch bei gewissen Gruppen eine Regelmässigkeit und Beständigkeit
im Mischungsverhältnisse der beiden Edelmetalle nicht verkannt
werden kann.
Ich stelle die Uebersicht der Untersuchungsresultate voraus
um die daraus gezogenen Schlüsse folgen zu lassen.
w
Zur Geschichte der antiken Legirungen.
25
Gagers-Irschinger Typen.
B
B
5^ 'S
^5
O
<
Gewichtsverlust
im Wasser
•r ©
O ü
2
C5
Anmerkung
1
15) 1
7-2680
0-3856
18-848
18-822
97-11
W. 26652.
2
3
2
7-0180
0-3892
18-019
17982
91-41
Im Besitze des Herrn Trau in
Wien. Stammt von Wels in
0. Ö. Am Ende der Axt ist
ein drittes, bei Streber fehlen-
des Kügelchen (oder Ring)
eingeschlagen.
5
7-5407
0-5057
14-911
14-889
64-88
W. 26687. Drache; 6 Kügelchen.
4
18
2-2504
0-1281
17-567
17 535
88-15
W. 26642. Drache; 3 stylisirte
Blumen.
5
18
2-3605
0-1281
18-427
l«-395
94-33
W. 26643. Aehnlich.
6
18
2-5593
0-1343
19-056
19024
98-40
W. 26641. Stark verwischtes Ge-
präge.
7
—
2-6755
0-1395
19-179
19147
99-18
W. 26640. Sehr undeutliches Ge-
präge, doch wohl in die gleiche
Gruppe gehörig.
i
8
1
19
7-4832
0-5797
12-909
12-888
40-90
W. 26678. Vogelkopf; Kreuz mit
3 Kügelchen darüber.
15) Die Zahlen beziehen si
1
ch auf die Abbildungen der bekannten
8tr
1. C
ober 's
1., IX. ]
chc;n A
Bd., 1. .
Lbhaudl
\bth.).
ungen (
Abh. d
. k. bayer. Aka<l. d. Wisseusch.
'^^^^m
2Q
K. B. Hofmann;
-C
ü
<x>
^
-fi ;h
o
tH ®
O
S Si
If
CG
Sa
1»
1
'S a
,Ä
C» •«
<J
^
2^ b£
Anmerkung
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
21
44
44
48
51
53
58
101
104
7-3035
7-3332
6-8436
7-5890
7-4860
7-4420
7-4388
2-1031
4-2273
7-8068
1-8253
0-5162
13-371
13349
47-09
W. 26686. Aehnlich, ohneKügel-
chen.
0-4887
0-5340
0-5070
0-5011
0-4905
0-4982
0-1100
0-8485
0-5105
0-1155
15-005
14981
12-816
12795
14-968
14944
14-939
14915
15-172
15-148
14-931
14907
19119
10-089
65-83
39-64
65-45
65-15
67-52
65-08
98-81
W. 26681. Vogelkopf; 5 Kügel-
chen.
W. 26683. Aehnlich.
W. 26679. Aehnlich.
W. 26684. Vogelkopf; 4 Kügel-
chen.
\V. 26685. Vogelkopf; 3 Kügel-
chen.
W. 26680. Blätterkranz; 6 Kügel-
chen.
W. 26653.
12-130
12-112
29-52
BP. Kreuz; glattes Schild.
15-292
15270
15-803
15776
68-73
73-54
W. 26688. Drei Halbmonde;
glattes Schild.
Joanneum in Graz. X-förmig ge-
stellte Halbmonde.
Zur Geschichte der antiken I,ei>irun£
27
a
B
li
a <ü
1
02
OD /S
Rohes und corri-
girtes specifisches
Gewicht
2
Cm
'S
0
Anmerkung
20
105
7-7138
0-4091
18-855
18823
97-10
W 26631. Beide Seiten glatt;
schüsseiförmig hohl.
21
108
6-5669
0-3696
17-768
17737
89-64
W. 26633. Concentrische Strah-
len ; Schild mit vertieftem
Fleck.
22
109
6-7348
0-3748
17-969
17944
91-14
BP. Aehnlich wie Nr. 21.
23
111
6-4401
0-3962
16-255
16227
77-60
W. 26632. Aehnlich.
24
112
7-1432
0-3962
18-029
17998
91-52
W. 26636. Strahlige Muschel;
glattes Schild; in der Muschel
drei Kügelchen ^\.
25
113
6-9064
0-3822
18-201
18170
92-73
Joanneura in Graz. Die Muschel
ohne Kügelchen. Auf dem
Frauenberge ob dem Leib-
nitzer Felde gefunden.
26
115
6-9223
0-3761
18-406
18-375
94-14
W. 26634. Aehnlich wie die
vorige Nummer.
27
115
7-2407
0-3923
18-457
18426
94-48
W. 26635. Aehnlich.
28
114
6-8270
0-3731
18-298
18270
93-42
W. 26628. Strahlige Muschel;
Kugel mit fünf fingerförmigen
Fortsätzen.
29
114
7-0630
0-3940
17-927
17-899
90-81
W. 26629. Aehnlich.
28
o
K.I
!. Hofmann:
B
a
PS
5z;
%
O
m
<
2
11
Rohes und corri-
girtes specifisches
Gewicht
2
il
Anmerkung
30
114
6-7023
0-3723
18-002
17971
91-33
W. 26630. Aehnlich.
31
114
6-7431
0-3756
17-953
17-920
90-91
Joanneum. Aehnlich (in Gleis-
dorf in Steienuark gefunden).
32
^^Viie
6.6323
0-3679
18-027
18002
91-55
BP. Glatte Muschel wie Stre-
ber 16; bandförmiges Zeichen
wie Streber 114.
33
^^Vll6
6-6663
0-3679
18-120
18094
17-506
17-481
92-20
BP. Gleich Nummer 32.
34
—
6-6610
0-3805
87-75
BP. Strahlige Muschel; über dem
bandförmigen Zeichen ein
Kügelchen.
35
—
6-4922
0-3782
17-166
171B8
85-12
W. 26627. Aehnlich.
36
—
6-5262
0-4015
16-134
16111
75-58
PB. Aehnlich.
37
—
6-4950
0-4035
16-097
16074
76-25
BP. Aehnlich.
38
6-4640
0-4164
15-523
15500
70-96
BP. Aehnlich, undeutlich.
40
—
6-4362
0-3962
16-245
16219
77-53
W. 26625. Aehnlich, wie die obi-
gen; statt des Kügelchens
steht über der Hand BIATEC.
41
—
6-4557
0-3936
16-402
16379
78-91
BP. Ebenso wie 40.
r
Zur Geschichte der antiken Legirungen.
29
B.
Podmokler Typen.
(V) •-•
C ü
'S ü
tiß
'S
Anmerkung
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
8-1699
8-1145
0-4-291
0-4307
2-3519
2-2428
2-3246
2-5203
2-1422
2-1291
2-0969
2-1170
0-1355
0-1246
0-1328
0-1345
0-1202
0-1340
0-1195
0-1370
19-040
19-013
18-840
18814
17-062
17037
18-000
17969
17-504
17473
18-738
18704
17-822
17791
15-888
16868
17-547
17621
15-452
16430
98-33
97-05
BP. Beiderseits glatter, platt gedrückter
Goldtropfen, nur an einer Seite
buckeiförmige Erhöhung.
BP. Ganz ähnlich.
84-32
91-31
87-69
96-33
90-04
74-35
88-05
70-29
BP. S chmaler Typus. Abbildung I. S.37.
W. 26639. Ganz ähnlich.
W. 26637. Ganz ähnlich.
Joanneum. Fundort Podmokl.
W. 26638. Aehnlich, aber nicht ganz
übereiTisfiiiniKMul.
W. 26626. Breiter Typus. Abbildung II.
S. ;)7.
BP. Ganz ähnlich der Nummer 48.
BP. Mittelleiste fehlt. Abbildung III.
S.37.
30
K. E, Ilofmani
o —
•C 2
II
"So
Ü 13
Sud
'o
O
Anmerkung
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
2-1259
0-8092
0-8827
0-9712
0-9260
0-7277
0-8383
0-7840
0-8266
0-5899
0-5318
0-1329
0-0463
0-0489
0-0514
0-0494
0-0457
0-0533
0-0474
0-0441
0-0443
0-0393
15-996
15973
17-499
17474
18-051
18028
18-895
18866
18-745
18716
15-923
16898
15-728
15-708
16-540
16515
18-744
18718
13-316
13292
13-532
18-508
75-35
87-69
91-69
97-39
96-41
74-67
72-87
80-06
96-43
46-35
49-11
BP. Der vorigen Nummer gleich.
BP. Unter dem Dreieck 3 Kügelchen.
Abbildung IV. S. 38.
W. 26646. Ganz ähnlich wie das vorige
Stück; jedoch 2 Reihen von je 3 Kü-
gelchen.
W. 26647. Aehnlich dem vorigen Stück.
W. 26648. Aehnlich, nur ist der Umbili-
cus der Rev>^rsseite sehr dick.
W. 26649. Statt der Kügelchen Leisten;
Rovers A-förmig. Abbildung V. S. 38.
W. 26650. Fast ein Pare des vorigen
Stückes.
BP. Verwandter Typus. Abbildung VI.
S. 38.
BP. Undeutliches, strahliges Gepräge.
W. 26717. Zur Hälfte hohl geprägt.
W. 26718. Pare des vorigen Stückes.
Zur Geschichte der antiken Legirungen.
31
ganz undeut-
Ausser diesen Stücken sind noch kleinere mit
lichem Gepräge versehene wahrscheinlich den obigen beizuzählen,
insoferne sie, wie es scheint, theils dem Podmokler Funde, theils
älteren böhmischen Funden angehören. Sie sind sehr feinhältig. An
drei solchen Stücken fand ich folgende Verhältnisse:
3
g
S
5z5
,0
%
1
'o
2
'S i;
p 70
u
■V
Rohes und corri-
girtes speeifisches
Gewicht
2
Oh
31
O
A n ni e r k u n g
63
64
65
0-2640
0-2866
0-2576
0-0140
0-0155
0-0137
18-857
18831
18-490
18464
18-803
18777
97-16
94-74
96-81
; Budapester National-Museum.
\
Die im vorstehenden Verzeichnisse aufgenommeneu Münzen
sind theils in der k. Münzsammlung in Wien (im Verzeichnisse mit
W. und der Inventarsnummer angeführt), theils im ungarischen
Nationalmuseum (mit BP. bezeichnet) aufbewahrt, i») Als „Gagers-
Irschinger Typen" sind in eine Abtheilung jene Münzformen
zusammengefasst, welche Streber in seiner bekannten Abhandlung
abgebildet hat. Unter der Bezeichnung der „Podmokler Typen"^
führe ich solche an, die entweder in Podmokl, Kuttenberg,
Ni seh bürg oder sonst in Böhmen (besonders im BoniinuM- Kn;ise'i
gefunden worden sind.
*«) Die Münzen der letzteren Sammlung sind mir mit liebenswürdiger Zuvor-
kommenheit durch Hen-n Professor Dr. Hampel, Custos am ungar. National-
museum übermittelt worden. Di<^ Wägungen führte ich im mineralogischen
Institute des Herrn Professors Dr. K renne r duselhst aus, der mir eine feine
Wage (von Schickert in Dresden) freundlichst zur Verfügung gesteUt hat.
32
K. B, Hofmann:
1. Ueber die Zusammengehörigkeit der Prägeformen hen-seht
noch Unsicherheit, da von vielen Stücken nicht einmal die Fundorte
zuverlässig bekannt sind.
Streber erklärt, dass man die in Bayern, Schwaben und Fran-
ken vorkommenden Kegenbogenschüsselchen in gar keiner Bezie-
hung mit den Podmoklern zusammenstellen könne (1. c. S. 183), die
ersteren seien IS^/a-karätig (= 7 7*08 o/o Grold), die letzteren aus
Feingold. Wenn auch die Angabe über den Feingehalt der ersteren
nicht durchwegs richtig ist, so bestätigt doch auch Herr Dr.
Eiggauer auf Grund seiner Fundnotizen, dass die Podmokler
Typen mit den Streberischen niemals zusammen gefunden worden
sind. „Wahrscheinlich gehen diese beiden TypentiTuppen von ver-
schiedenen Stämmen aus."
Um so merkwürdiger muss der Zufall erscheinen, dass, durch-
mustert man die von mir untersuchten Stücke, zwischen den
Gewichten der grossen Mehrzahl von ihnen einfache Relationen zu
bestehen scheinen :
1 = 7-013— 7-807 6-436— 7-024
Vs = 2-40 -2-67 2-10 —2-35
V, = 0-73 —0-97
1/27 = 0-258— 0-287
2. Zwischen den Prägetypen und der Legirung, nicht aber
zwischen der letzteren und dem Gewicht der Stücke besteht eine
Beziehung. Auffallend ist dies besonders bei Gruppen, die eine
grössere Zahl von Stücken umfassen, z. B. die Stücke mit Kügelchen
Nr. 3, 10 — 15, oder die mit Muscheln Nr. 24—33. Weniger ist es
bei den Podmokler Stücken der Fall; doch ist hier die Zahl der
Münzen gleicher Prägung zu klein, um ein endgiltiges Urtheil zu
gestatten.
3. Die Stücke, welche über 7 Gramm wiegen, zeigen drei
Prägetypen : a) eine Art Axt (?), h) eine verschiedene Anzahl von
Kügelchen, c) ein Kreuz. Zum erstem gehören die Nrn. 1 und 2
(dieses durch Abnützung leichter geworden V, sie sind sehr fein-
hältig (91 — 97o/o). Sie scheinen bisher nur in Oberösterreich ge-
funden worden zu sein. Vergleicht man die Abbildung des Stückes
Nr. 16 (bei Streber 89) mit der von Nr. 2, so scheint mir die
Zusammengehörigkeit unverkennbar. Die Zeichnung der Reversseite
Ji
pp^'
Zur Geschichte der antiken Legirungen.
33
scheint mir derselbe zusammengerollte Drache zu sein, nur stilisirt.
Die Legirung ist gleichfalls sehr feinhältig. Das von Streber abge-
bildete ist eben das von mir untersuchte Stück der Wiener Samm-
lung. Es könnte das Drittel von Nr. 2 sein; das Sttick des Linzer
Museums soll 6-5 Gr. wiegen (Streber). Der Feinheit der Legirung
nach gehören die jedes Prägebildes entbehrenden Regenbogen-
schtisselchen, wie Nr. 20, wahrscheinlich auch hierher.
Eine besondere Gruppe bilden jene Münzen, die in ihrem Präge-
bild Kügelchen aufweisen. Streber hat darauf hingewiesen (S. 575),
dass die Kugeln kein Zeichen des Werthes seien, da bei sehr wech-
selnder Zahl derselben (3—6) das Gewicht gleich ist. Dasselbe
gilt für die Mischungsverhältnisse der beiden Metalle. Nr. 14 mit
drei, Nr. 13 mit vier, Nr. 10 und 12 mit fünf, Nr. 3 und 15 mit
sechs Kugeln bestehen aus derselben Legirung. Diese ist bei der
ganzen Gruppe viel goldärmer, als bei den vorher besprochenen
Stücken (mit der Hacke). Der Goldgehalt schwankt sehr wenig um
65 Vo- (Nr. 11 unterscheidet sich im Gewicht und in der Legirung
ganz ausserordentlich.) Für die Güte der Legirung scheint weniger
das zweite Prägbild (Yogelkopf, Drache oder Blätterkranz) ent-
scheidend zu sein. Wenigstens ist Nr. 3, das wie die feinhältigen
Stücke Nr. 1 und 2 einen Drachen weist, in der Legirung doch mit
Nr. 15, mit dem es die 6 Kügelchen im Gepräge theilt, ganz gleich.
Während Nr. 9, das einen Vogelkopf zeigt, viel weniger feinhältig
ist, als die anderen Stücke, die eben auch Vogelköpfe zeigen.
Eine ähnliche Feinhältigkeit, wie sie den mit Kugeln markirteu
Münzen eigen ist, zeichnet auch das mit drei Halbmonden versehene
Stück (Nr. 18) aus.
Als Repräsentanten des dritten Typus (mit dem kreuzförmigen
Stern) hätten wir Nr. 8, 9*7) und vielleicht 16 anzusehen (von
Nr. 16 fehlt mehr als ein Drittel des Stückes, daher das scheinbar
kleinere Gewicht, das gleiche Streber'sche Stück wog 7-737). Die
Stücke dieser Prägung sind sehr gohbinn i etwas unter und über
45o/o).
17) Hierher ^einm wuiil »Lirt ivcgenbogenschüsselchen, eins Hultsch (Ber-
liner Zeitschr. f. Numism., XL, S. 166) unter Nr. 15 anlVihrt, und das ^2%
Gold hält.
%-T«-; i> -■.X--/^^j-^Jtrr-r^'a
^^ K. B. Hofmann:
Zu dieser geringhaltigen Gruppe von Regenbogenschusselchen
gehört auch der Typus Nr. 84 von Streber (Triquetrum im offenen
Blätterkranz; Reversseite 6 Ringel statt der Kugeln und eine diese
umfassende Zickzacklinie statt der einfachen halbmondförmigen
Leiste). Das von Hultsch (1. c. Nr. 16) angeführte Stück dieser
Art^ 6*99 Gr. schwer, enthält nur 41*8o/o Gold. Diese Stücke sind
offenbar jüngeren Datums als die mit einfachen 6 Kugeln; dafür
scheint mir — wenn ich so sagen darf — die künstlerisch feinere
Ausführung zu sprechen: die feingezähnelte Linie statt der ein-
fachen, die concentri sehen Doppelringel statt der glatten Kugeln.
Die Vorderseite zeigt ein anderes Motiv.
Von den Regenbogenschüsselchen, die keine Prägung haben,
gibt Streber an, dass sie nach dem Striche IBkarätig sein (d. h.
75o/o Gold enthalten) sollen. Das von mir untersuchte Stück Nr. 20
war viel feinhältiger (97*1 «/o). Diesem Stücke kommen an Fein-
gehalt die beiden Nr. 42 und 43 gleich. Sie sind nicht hohl, son-
dern auf der einen Seite ganz eben, während die andere zu einem
Umbo erhöht ist. Ich habe beide in die Gruppe der Podmokler
Typen aufgenommen, obwohl ihre Provenienz unbekannt ist. Soweit
man aus den ungenauen Abbildungen, die Voigt seinem Aufsatze
über den Podmokler Fund i») beigefügt hat, schliessen darf, sind
sie gleich dem von ihm als Nr. 1 abgebildeten Stücke. Diese Art
Stücke sind nach seiner Angabe 133 — 134 Grän, d. h. 7-74 bis
7-80 Gramm schwer und 23 Karat 8 Grän fein, d. h. 98-61 o/^ Gold
haltend, was dem Feingehalte nach sehr genau mit unseren beidei
Stücken stimmt, die nur etwas schwerer sind.
Ich habe auch ein kleines Regenbogenschüsselchen (W. 26732),
das nur 1*9275 wog (im Wasser 1.7820), untersucht, das ohne alles]
Gepräge zu sein schien und aus dessen specifischem Gewichte!
(corrig. 13*223) sich ein Goldgehalt von 45*45o/o ergibt. Ich ver-
muthe indess, dass es ähnlich den Stücken 99 und 100 von Streber
war, dass aber das kleine Kreuzchen in der Höhlung durch Ab-
nützung verschwunden ist. Es würde der Feingehalt dann mit dem
der Ganzstücke des dritten Typus Nr. 8, 9 stimmen und diese kleinen
18) Beschreibung der böhmischen Münzen, I.Bd., S.47. — Auch A.Voigt.
Schreiben an einen Freund von den bei Podmokl gefundenen Goldmünzen
Prag, 1771, S. 7, als Nr. 1 beschrieben.
Zur Geschichte der antiken Lcgirimgen.
35
(joldschüsselchen die Viertelstücke der grossen sein. (^Mittelwerth
der grossen aus 4 Stücken = 7-6 Gr.; das Viertel = 1-9 Gr.).
4. Eine besondere Gruppe bilden die RegenbogenscliUsselchen,
die auf einer Seite ein muscbelförmiges Bild tragen; die andere
Seite ist glatt oder zeigt eine Kugel, von der kurze fingerfijrmige
Fortsätze ausgeben (bandförmig) ; bei einer Anzabl von Münzen ist
darüber nocb eine Kugel angebracbt. Diese Stücke findet man
nicbt bloss, wie Streber meinte, in Bayern und Böbmen, sondern
aucb vereinzeint in Steiermark (Nr. 25 und 31). Ibr Gewicbt ist
meist unter 7 Gramm (6-7 — 6*9 Gr.), bisweilen sebr wenig über
; Gramm (7.1, 7-2 Gr.).
Die Stücke mit glatter Reversseite oder der bandiormigen
Prägung (Nr. 24—32) sind von sebr constanter Legirung: im Mittel
92*3o/o Crold entbaltend. Minder beständig ist das Miscbungsver-
bältniss jener Stücke, die eine Kugel über dem bandförmigen Bilde
fübren: der Feingebalt liegt zwiscben 71 und 87*70/o. Zwei Stücke
mit der Inscbrift BIATEC entbalten 77-5 und 78-9o/o Gold. Im
<ianzen scbeint sieb bei den beiden Prägetypen der Feingebalt
orberrscbend um 76o/o zu bewegen. Nocb scbwankender im Fein-
^ebalt sind die Stücke, deren Reversseite einen vertieften Fleck
zeigt. (Nr. 21 — 23.)
Strebers Angabe (S. 701), dass die Münzen seiner VII. Gruppe
in unserem Verzeicbnisse Nr. 21 — 32) nicbt aus Elektron, sondern
Ducatengold besteben, ist also nicbt ganz ricbtig. Von den 13 ber-
gebörenden Stücken, die icb untersucbt babe, erreicht keines den
Feingebalt eines Ducaten (98-6o/o); am näcbsten kommen ihm
Nr. 26 und 27 mit 94-14 und 94-480/, Gold.
Streber spracb (S. 727) die Meinung aus, dass die mit der
Muschel geprägten (oder vielleicht gegossenen) Stücke, aus Ducaten-
gold bestehend, von den Bojen stammen, welche bereits die böhmi-
nchen Bergwerke ausgebeutet hätten, während alle anderen aus
Elektrum gefertigt wären, d. i. aus dem Goldsand, den einst der
Uhein, die Donau, der Inn und kleinere Flüsse getllhrt haben solleu.
Diese Ansicht kann nach obigen Erörterungen nicht ohne Eiu-
x'hräukung angenommen werden. Die leichteren Stücke haben eine
li inreichend variable Zusammensetzung, so dass man an eine solche
l^lelle des Münzmetalls denken darf, dagegen ist dies fllr die
3*
f^!^PfS^fT^*yWi
36
K. B. Hofmann:
in ihrem Prägbilde Kugeln führenden Stücke sehr unwahrschein-
lich. Ihr verschiedenes Gepräge lässt die Annahme nicht zu, dass
sie alle gleichzeitig aus einem Elektrumbarren gefertigt seien ; ihre
grosse Uebereinstimmung der Zusammensetzung macht es überhaupt
höchst unwahrscheinlich, dass sie aus einer zufälligen Legirung^
wie sie als natürliches Elektrum in sehr wechselnden Mischungs-
verhältnissen vorkommt, gegossen sind. Das gleiche möchte ich
selbst für die Stücke 36 — 41 behaupten.
Von kleineren Nominalen — sit venia verbo — habe ich
nur zweierlei zu untersuchen Gelegenheit gehabt: Nr. 16, Nr. 19
und die Gruppe Nr. 4 — 7. lieber das erste dieser Stücke habe ich
meine Vermuthung schon ausgesprochen. Nr. 19*») scheint zu
Nr. 18 zu gehören. Leider ist der Fundort nicht bekannt. Das
Streber'sche grosse Stück stammt von Ampfing. Für die Zusammen-
gehörigkeit der Stücke würden die Legirungen einigermassen
sprechen. Vielleicht ist es das Vierto! dos Stüokos Nr. 18. Das
Streber'sche Exemplar wog .... .7-51 Gr.
Zu Nr. 18 wäre das Gewicht des Viertels 1*93 ..
Zu Strebers Stück 1-73 „
also der Mittelwerth 1-83 Gr.
was mit dem Gewichte von Nr. 19 (1.8253 Gr.) sehr gut stimmt.
Ob zu Podmokl ähnliche Stücke gefunden worden sind, ist aus der
Abbildung, die Voigts«) gibt, nicht mit Sicherheit zu entscheiden.
Die Stücke Nr. 4 — 7 weichen in den Gewichten ziemlich stark
von einander ab: 2*25 — 2*67. Es könnten DrittelstUcke zu einem
grösseren Nominal von 7*6 Gr. sein. In der That ist das mittlci
Gewicht der von Streber (Nr. 16 und 17) abgebildeten grosse
Stücke ganz gleicher Prägung 7-621 Gr.
Die Legirung differirt um lOo/o bei den verschiedenen Exe
plaren.
I
19) Abgebüdet bei Fr. Pich 1er, Repertorium der steierischen Mün
künde, I. Bd., Taf. V, Nr. 4. ■■
20) A, Voigt. Schreiben. Abbildung Nr. 8 und Beschreibung der b(^H
mischen Münzen. Bd. I, S. 63, Abbildung VII. Das von mir untersuchte Stück '
hat auf der Reversseite kein Kreuz und in den Concavseiten der Halbmonde
keine Punkte. Uebrigens sind Voigt's Abbildungen nicht ganz zuverlässig.
Zur Geschichte der antiken Legirungen. ö i
Von den Podmokler Typen scheinen drei Arten in dieselbe
Gruppe zu gehören (Nr. 44—51). Sie tragen nur auf der hohlen
Seite ein Prägbild. Im Verzeichniss nenne ich der Kürze halber
diese drei Formen : den schmalen Typus (Abbildung I), den breiten
(Abbildung II) und den Typus mit fehlender Mittelleiste (Abbil-
dung III). Die ganz ungenauen, zum Theil sehr abenteuerlichen
Abbildungen, welche in den beiden Schriften Voigt's gegeben sind,
gestatten keinen Vergleich. Die hier gelieferten Darstellungen sind
in den Dimensionen und Details möglichst sorgfältig und genau
ausgeführt. Beachtenswerth ist bei T. 1, dass an den Exemplaren,
die ich gesehen habe (Nr. 44—48) nur das linke kornartige Ge-
bilde die Querfurche zeigt, dass die Zahl (10) der Zacken, ebenso
die Richtung (nicht aber die Zahl 21) der aufwärts gerichteten
Leisten an allen Stücken gleich bleibt. Desgleichen ist bei den
Stücken des T. II (Nr. 49 und 50) die Zahl der Zacken an den
))eiden Exemplaren gleich. Der T. III ist aus dem vorherigen ent-
standen, indem am Stempel die Mittelleiste, durch welche die Mittel-
furche bei II erzeugt worden, weggeblieben ist. Die Zahl der
Zacken stimmt mit der bei II. Die beiden Kügelchen über dem
Mittelschild sind zwar minder deutlich, aber doch auch vor-
handen.
Das Gewicht der Stücke vom schmalen Typus liegt zwischen
2-2 und 2-5 Gr. 22) Das des T. II und III schwankt zwischen 2-9 und
1^13 Gr. Als Münzmetall scheint das Gold, wie es vorgefunden
wurde, ungereinigt und unlegirt verwendet zu sein. Es ist sonst
nicht leicht einzusehen, warum zwei so ähnliche Stücke, wie Nr. 44
imd 47 im Feingehalt um 12o/o von einander abweichen.
21) Das dargestellte Exemplar hat deren ;3, das unter Nr. 47 aiifgetührte
Ivxemplar hat sehr deutlich ihrer i.
22) Nr. 48 weicht im Gepräge etwas ab und nähert sich mehr dein
II. Typus; niwli im r^cuiclit stiniint c^^ I^ossim- /u dicsifin Tvo'i-^,
38
K. B. Hofmann;
Eine andere Gruppe bilden die Stücke, deren Prägbild aus
concentriscben Leisten zusammengesetzt ist. Die einen (Abbil-
dung IV) zeigen unter dem Dreieck 3 Kügelchen, die anderen zwei-
mal drei. Das Stück Nr. 53 ist etwas leichter als die anderen; auch
etwas minder im Feingebalt. Es beruht dies wohl nicht auf Absicht,
bei so geringen Metallmengen ist selbst diese Uebereinstimmung
der Stücke nur mit einiger Geschicklichkeit zu erzielen. Die in Ab-
bildung V und VI dargestellten zwei anderen Prägformen, die ich
VI.
in dieser Gruppe vereinigen möchte, sind in ihren Gewichten ahn
lieh. Alle zusammen (Nr. 53 — 59) schwanken zwischen 0-73 und
0-97 Gr. Im Mittel wiegen sie 0-848 Gr. Die Stücke des T. IV sind
aus feinem Gold gemacht, die des T. V und VI, soweit man aus
den vereinzelten Untersuchungen vermuthen darf, aus Elektron.
Noch kleinere Münzen von dem mittleren Gewichte 0-26 Gr.
von schwer zu deutendem Gepräge bestehen aus Gold, das dem
Ducatengold an Feine sehr nahe kommt. Sind es vielleicht Neuntel
zu den Münzen Nr. 44—47?
Merkwürdig sind die zwei Stücke Nr. 61 und 62, von denen
hier eine Darstellung (VII) gegeben ist. Sie sind ganz regelmässi
kreisrund, die eine Hälfte der Fläche ist eben, die andere hohl-
geschlagen, wie es die beistehende Abbildung des Durchschnitt
zeigt, aus der man auch die Dicke der Münze entnehmen mag.
Stücke sind aus einer künstlichen Legirung, die nicht ganz
1
Zur Geschichte der antiken Legirungen.
39
Hälfte Gold enthält, geschlagen, und scheinen mit den übrigen Pod-
mokler Stücken nichts gemein zu haben.
Aus dem Podmokler Funde rühren noch Stücke her, deren un-
klares Prägebild vielleicht die Darstellung eines Thieres beabsichtigt.
Eine dürftige Abbildung davon findet sich bei A. Voigt, Brief,
Fig. 4 und etv^as besser in seiner Beschreibung der böhmischen
Münzen, I., S. 235, Nr. 3. Das daselbst als Nr. 2 gegebene Bild ist
das gleiche Gepräge, w^ie 3, nur auf den Kopf gestellt, noch etwas
undeutlicher und mit vorgefasster Meinung (zwei Berge mit Bäumen!)
wiedergegeben. Die Stücke dieses Gepräges wogen auch zwischen
2'44 und 2*68 Gr. und waren von gleichem Feingebalt wie Nr. 3.
Ich untersuchte zwei Stücke der Prägung Nr. 3 :
Wiener Kabinet Nr. 26644.
Gewicht 2-5949 (im Wasser 2-46) Gr.
Specifisches Gewicht: 19-236 (corrigirt 19-206).
Goldgehalt: 99-54.
(Das Voigfsche Stück wog 2-61 Gr. und war fein:
23 Karat 8 Grän = 98-61o/o Gold.)
Budapester Stück, ganz ähnlich:
Gewicht 2-506 (im Wasser 2-3735) Gr.
Specifisches Gewicht 18-913 (corrigirt 18-883).
Goldgehalt: 97-50.
Die Thatsache, dass vielleicht alle Münzen des Podmokler
Typus (die Nrn. 61 und 62 ausgenommen, die ihm wahrscheinlich
gar nicht beizuzählen sind) aus unraffinirtem und unlegirtem Golde
gefertigt sind, stimmt gut zu den Ansichten Strebers und Rigg-
auers, dass sie einem anderen Stamme anüchörcn, als die Irschin-
ger Münzen.
Da zur Herstellung einer constanten Gold-Silberlegirung eine
höliere Culturstufe erforderlich scheint, so würde ich eine solche
bei jenem Volksstamme vermuthen, welchem die MUnzen der
Gagers-Irschinger Typen und die beiden eben erwähnten (Nr. 61
und 62) angehören.
yi^i^^f^ .r'^-^-:^"*-:
40
K. B. Hofmann:
YIII.
Ooldlegirungen einiger Barbarenniünzen.
Bei der Untersuchung der Regenbogenschüsselchen drängte
sich der Wunsch auf, des Vergleiches wegen die Zusammensetzung
einiger Barbarenmünzen, die nach classischen Vorbildern geprägt
zu sein scheinen, kennen zu lernen. Die scheusslich rohen Präge-
bilder Hessen auch in Hinsicht auf den Feingehalt nicht viel Gutes
erwarten. 33)
Hier die Resultate der Prüfung:
Sogenannte Gallische Münzen.
Nr. 1. BP. (Budapester Nationalmuseum). Pferd 1. vor dem-
selben 3, über ihm 4 Kügelchen. Aehnliches Gepräge ohne Kttgel-
chen Fig. 12 in [v. Bienenberg-Wydra's] „Abhandlung über die
bei Podmokle im J. 1771 gefundenen Goldklumpen." Prag 1777.
Reversseite ein Stück eines nach r. gewendeten Kopfes.
Gewicht 1-52 (in Wasser 1-381) Gr.
Specifisches Gewicht 10*935 (corrigirt 10-918).
Goldgehalt: 8-79Vo.
Nr. 2. BP. Biga r. Reversseite Kopf r. Aehnlich wie bei
Lambert. Essai sur la numism. gauloise. PI. IV. 19, jedoch unter
dem Pferde ein senkrecht gestreiftes Quadrat. Auffallend kupferig
roth.
Gewicht 7-0051 (im Wasser 6-3761) Gr.
Specifisches Gewicht 11.137 (corrigirt 11-119).
Goldgehalt: 12-59o/o.
23) üebrigens sind manche Consular-Medaillen auch nicht feinhältiger,
als die sog. gallischen Münzen. Eine solche aus der Sammlung Prinz
Windisch-Grätz (Cohen, p. 345, Nr. 4, pl. XLIII, 4) wiegt 2-730 (im Wasser
2-502) Gr. — Specifisches Gewicht 11-974 (corrigirt 11-952). — Goldgehalt:
2ö-98o/o.
Zur Geschichte der antiken Legirungen.
41
Nr. 3. BP. Biga mit einem Rad unter dem Pferde. Einseitig
geprägt. Aehnlich bei Lambert. PI. VI. 6. Lamberts Stück wog
110 franz. grains = 5*841 Gr. und hat am Revers eine Prägung.
Gewicht 5-8659 (im Wasser 5-4168) Gr.
Specifisches Gewicht 13-061 (corrigirt 13-042).
Goldgehalt: 43-04o/o.
Nr. 4. BP. Pferd, springend nach r. Reversseite glatt. Ein
gleiches Stück bildet Lambert. PI. VI. 3 ab. Es wog 119 grains
= 6-319 Gr.
Gewicht 6-3381 (im Wasser 5-9094) Gr.
Specifisches Gewicht 14-784 (corrigirt 14764).
Goldgehalt: 63-57o/o.
Nr. 5. BP. Stehender Krieger? Reversseite wellig glatt. Ab-
gebildet in Wiczay. Num. barbar. T. XXX.679. Ein gleiches Stück,
2-71 Gr. wiegend, ist im Joanneum. (F. Pichler. Steierische
Münzkunde. I. Taf. V. Nr. 7.) Ein drittes Stück bildet minder gut
Lambert. PI. VHI. 26 ab. Es wog 50 grains = 2-655 Gr. Leider
scheint die Provenienz keines einzigen dieser Stücke bekannt zu
sein, und ist kein Grund angegeben, warum Lambert das Stück
den gallischen Münzen zuzählt. Der Goldgehalt spricht nicht dafür.
Gewicht 2-7512 (im Wasser 2-6066) Gr.
Specifisches Gewicht 19-026 (corrigirt 18.998).
Goldgehalt: 98-24-
Nach makedonischem Muster.
Nr. 6. BP. Biga. Reversseite Apollokopf? Aehnlich bei Lam-
bert. PI. Xn, 5 oder PI. XI (bis) Nr. 3. Nur sieht man an unserer
Münze nicht den zweiten Pferdekopf. Unterm Pferde eine Rosette
(Rad?) von 7 Punkten. Darunter Rest einer Inschrift. Lambert 's
Stück XI (bis) 3 wog 36 grains = 1-91 Gr.
Gewicht 1-8882 (im Wasser 1-7547) Gr.
Specifisches Gewicht 14-144 (corrigirt 11 -1*21).
Goldgehalt: 5(>-49Vo
42
K. B. Hofmann
Römische Kaisermünzen barbarischer Prägung.
Nr. 7. Kaiser? Sammlung Prinz zu Windisch-Grätz, in
Britannien geschlagen.
Gewicht 2*0880 (im Wasser 1-9475) Gr.
Specifisches Gewicht 14-861 (corrigirt 14*835).
Goldgehalt: 64:*32Vo.
Nr. 8. Caracalla & Geta. (Sammlung des Herrn Trau in
Wien. Vgl. Cohen. VII, p. 227, Nr. 1, alte Auflage.)
Gewicht 5*3635 (im Wasser 5*0555) Gr.
Specifisches Gewicht 17*414 (corrigirt 17*379).
Goldgehalt: 86*98Vo.
Nr. 9. Gallien US. (Sammlung Trau. Vgl. Cohen. IV,
p. 418, 548.)
Gewicht 2*8670 (im Wasser 2-7052) Gr.
Specifisches Gewicht 17-719 (corrigirt 17-684).
Goldgehalt: 89-25Vo.
Nr. 10. Diocletian. (Sammlung Trau. Angeblich bei Kron-
stadt gefunden. Barbarengepräge aus dem Ende des dritten Jahr-
hunderts.)
Gewicht 5*6850 (im Wasser 5*3264) Gr.
Specifisches Gewicht 15*853 (corrigirt 15-821).
Goldgehalt: 73*97o/,.
Nr. 11. Constantin (Magnus?) Cohen, VI, 117, 153. (Buda-
pester Nationalmuseum.)
Gewicht 4*4672 (im Wasser 4*2108) Gr.
Specifisches Gewicht 17-423 (corrigirt 17-395).
Goldgehalt: 87-10o/o.
Nr. 12. Constantin IL (Budapester Nationalmuseum. Vgl.
Cohen VI, 295, 113.)
Gewicht 4-0385 (im Wasser 3*7751) Gr.
Specifisches Gewicht 15*332 (corrigirt 15'308).
Goldgehalt: 69*10o/o.
Bei einigen dieser Stücke dürfte der Goldgehalt, mit Rücksicht
auf die gemischte Karatirung, um 2— 4o/o höher sein, als hier aus-
gerechnet ist.
r
Zur Geschif-hr^ Hpr in-it. p T.egirungen. 4cJ
IX.
Antimon-Münze.
Seit Bayern's EntdeckuDg von Schmuckgegenständen (aus
den Gräbern von Redkin-Lager), welche auf Virchow's Ver-
anlassung untersucht, als Antimonobjecte erkannt worden sind,
hat man keine anderen Gegenstände des Alterthums, die aus
diesem Metalle bestehen würden, kennen gelernt. Da man bisher
keine Antimon-Münzen kennt (Virchow's Bericht in den Verh. der
Berl. Ges. f. Anthropol. 1884, S. 128), war ich überrascht, in der
Sammlung des Herrn Trau in Wien ein Stück zu finden, das als
solche angesprochen werden könnte.
Die Münze (Divus Augustus, Cohen L, pag. 76, Nr. 87 = alte
Aufl. L, p. 70, Nr. 263) ist dunkelgrau, die Oberfläche auf der
Reversseite glänzend, von dem Aussehen dunkelgewordenen Horn-
silbers ; auf der Reversseite zumTheil bröcklig. Ihr absolutes Gewicht
ist 10-317 Gr., das specifische Gewicht 6*63 Gr. (das des Antimons
ist 6'8 Gr., des Zinns 7*3 Gr., der Antimonoxyde zwischen 5*56 und
6-69 Gr.).
Ob die Münze noch einen Metallkern hat, konnte ich, ohne die
Gefahr sie zu zerstören, nicht erfahren. Zwei hirsekorngrosse
Krümel, die ich qualitativ untersuchen konnte, Hessen sich mit dem
Glasstabe unter leicht knirschendem Geräusche in ein erdiges Pulver
zerdrücken. Neben Spuren von Eisen, Nickel und Blei fand ich vor
allem Antimon. 2*) Alle transkaukasischen Antimongegeustände sind
ausnahmslos gegossen 2»), ja es ist bei der grossen Sprödigkeit des
2*) Andere Beimischungen waren we^en der ij^orin^^i^n Afontro <los ITntrr-
suchungsobjectes nicht festzAistellen.
25) Fr. Bayern'» Untersuchungen über «li»- mh >itn t .,.,.., ,- m
in Kaukasien, her. v. R. Virdiow, Berlin. 1885, S. 15.
1 1 ■ 1 1 /. 1 11 1 1 < I <
.^'^-i
44
K. B. Hofmaan:
Metalles kaum eine andere Behandlung denkbar. Auch die Trau'sche
Münze muss daher gegossen sein. Ihre Bedeutung ist räthselhaft. Als
Fälschung kann man sie kaum ansehen. So lange sie blank war,
konnte sie mit einer Bronzemtinze schon der Farbe wegen nicht ver-
wechselt werden; in ihrem gegenwärtigen Zustande ebensowenig.
In der That kaufte sie Herr Trau als Bleimünze nebenbei mit
anderen Objecten. Ist sie ein Abguss der Matrizen, um daran die
Richtigkeit und Schärfe der Prägebilder darzuthun? Diente sie viel-
leicht zu demselben Zwecke einem Fälscher des XVII. Jahrhunderts
(denn dieses Alter könnte man dem Objecte zusprechen)? Vielleicht
findet sich in grossen Sammlungen ein oder das andere Stück, das als
„Blei" aufbewahrt wird, in der That aber aus Antimon besteht. Um
hierauf die Aufmerksamkeit zu lenken, habe ich vor allem diese Mit-
theilung zu machen mir erlaubt.
Zur Geschichte der antiken Legirangen. ■40
Anhang.
Um denen, die sich mit Bestimmungen der specifischen Ge-
wichte von Goldmünzen beschäftigen wollen, die zeitraubenden
Reductionsrechnungen zu ersparen, habe ich die hier mitgetheilte
Correctionstabelle ausgerechnet, welcher ich zur Orientirung nur
wenige Bemerkungen vorausschicken muss.
1. Sollen die Eesultate nicht ganz unbrauchbar, ja geradezu
irreführend werden, so muss bei der Feststellung der beiden
Werthe : des Gewichtes in der Luft und im Wasser die grösste Sorg-
falt angewendet werden. Die Wage muss auch bei den Wägungen,
die im Wasser vorgenommen werden, noch 0-2 Milligramm mit voller
Sicherheit anzeigen. Wegen der Fehlergrenzen und ihres Einflusses
auf die Resultate verweise ich auf meinen ersten Aufsatz (dieser
Zeitschr. Bd. XVI. S. 23—30.)
2. Da erst die zweite Decimale des specifischen Gewichtes
auf die Zehntel eines Procentes von Einfluss ist, so sind nur drei
Decimalen in die Tabelle aufgenommen, obgleich die Berechnung
durchweg auf 5 Decimalen ausgeftlhrt worden ist. Der Abstrich der
letzten zwei Decimalen i^t nntiT AnbringunL»- drr iMitsincclKMKlt'ii
Correctur vorgenommen.
3. Die Temperatur des Wassers, bei welcher solche Arbeiten
ausgeführt werden, liegt gewöhnlich zwischen 16** und 22'' C. Daher
ist die Correctionstabelle nur fitr diese Grade ausgeführt.
46
K. B. Hoftnann:
A = CT — (q -^ A) (7 -f- X
Diese Formel ermöglicht die Re-
duetion der Wägung auf Wasser
von 4° und auf den leeren Raum.
4. Die Berechnung geschah nach der Formel:
<7 ist das directe specifische
Gewicht.
0^1 — q d. h. der Dichte
des Wassers bei 1 1 — 22 ° .
S. Kohlrausch Physik
Tab. 4.
l ist die Dichte der Luft, be-
zogen auf Wasser und ist
der Einfachheit wegen
.^ = 0-0012 gesetzt.
5. Als Formel für die weitere Reduction auf die Norm.iltempe-
ratur von 0° diente:
A, = A (1 -+- 3 ß t)
6. Ist das specifische Gewicht unter 13-66, so herrscht das
Silber vor, ist das specifische Gewicht über 13*66 so prävalirt
das Gold.
7. Dem verschiedenen specifischen Gewichte entspricht ein
verschiedenes Mischungsverhältniss der beiden Edelmetalle und
diesem ein verschiedener Ausdehnungsconfficient ((3) für die ver-
schiedenen Electrumsorten; und zwar ist:
bei
für
iß)
3ß
10-0 -
- 11-5 specifischem Gewicht gleich
0-000015
0-000045
11-6 -
- 12-5
r
r r
0-000016
0-000048
12-6 -
- 14-5
77
r
0-000017
0-000051
14-6 -
- 17-5
r
r
(1-000018
0000054
17-6 -
- 190
r
Daher (1
11 V
-+-3iSt°):
0-000019
0-000057
bei
10-11-5
11-6-12-5
12-6-14-5
14.6—17-5
17-6-19
16° =
1-00072
1-00077
1-00082
1-00086
1-00091
17° =
1-00076
1-00082
1-00087
1-00092
1-00097
18° =
1-00081
1-00086
1-00092
1-00097
1-00103
19° =
1-00085
1-00091
1-00097
1-00103
1.00108
20° =
1-00090
1-00096
1-00102
1-00108
1-00114
21° =
1-00094
1-00101
1-00107
1-00113
1-00120
22° =
1-00100
1-00106
1-00112
1-00119
1-00125
p^
Zui Geschichte der antiken Legirungen.
47
Auf Grund dieser Werthe ist die Correctioustabelle ausge-
arbeitet.
8. Bei ihrem Gebrauche suche mau in der ersten Reihe das
directe (aus dem absoluten Gewichte und dem Gewichtsverluste
berechnete) specifische Gewicht auf und ziehe von diesem die neben-
stehende Zahl ab. Man hätte z. B. bei einer Temperatur des Wassers
von 20° gearbeitet; das Goldstück habe das specifische Gewicht
14-261, so sucht man bei 20° in der ersten Columne nach. Das spe-
cifische Gewicht liegt zwischen 14-21 und 15-22, daher zieht man
die nebenstehende Zahl (8. Zeile) 0-026 ab : 14-261—0-026 =
14*235. Diese Zahl ist das corrigirte specifische Gewicht.
Corrections-Tabelle.
Bei 16"
Rohes specifisches Gewicht:
10-00 bis 10-05 .
. abzuziehen
. . 0-014
10-05 „
11-35 .
V
. . 0-015
11-36 „
12-75 .
rj
. 0-016
12-76 „
13-45 .
r
. . 0-017
13-46 „
14-25 .
«
. 0-018
14-26 „
15-45 .
??
. . 0-019
15-46 „
16-25 .
r
. 0-020
16-26 ,
16-96 . .
r
. 0-021
16-97 „
18-40 .
r
. 0022
18-41 „
19-20 .
>7
. 0.023
Bei 17°.
10-00 „ 10-21 . ,
«
. . 0-015
10-22 „ 10-83 .
r
. . 0-016
10-84 „ 11-88 . .
r)
. . 0-017
11-89 „ 12-93 .
n
. .0-018
12-94 „ 13-55 .
11
. . 0019
13-56 „ 14-23 .
11
. .0020
.^^'x^aS
48
K.
B. Hofmann:
14-24 bis 15-20 .
. abzuziehen
. . 0-021
15-21
?5
16-05 .
77
. . 0-022
16-06
r
16-68 .
77
. . 0-023
16-69
77
18-00 .
77
. 0-024
18-01
n
19-00 .
77
. 0-025
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10-00
}■)
10-50 .
abzuziehen .
. 0-016
10-51
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11-08 .
77
. 0-017
11-09
n
12-02 .
77
. . 0-018
12-03
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13-11 .
77
. . 0-019
13-12
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13-68 .
77
. 0-020
13-69
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14-85 .
77
. . 0-021
14-86
T)
15-50 .
J» •
. 0-022
15-51
77
16-15 .
77
. 0-023
16-16
77
16-93 .
77
. 0-024
16-94
77
18-17 .
»
. 0-025
18-18
77
18-87 .
77
. . 0-026
18-88
77
19-00 .
77
. 0-027
I
{ei 19
0
10-00
7?
10-12 .
. abzuziehen
. 0-017
10-13
77
10-66 .
77
. 0-018
10-67
77
11-20 .
77
. 0-019
11-21
77
12-14 .
77
. . 0-020
12-15
77
13-13 .
77
. . 0-021
13-14
77
13-70 .
77
. . 0-022
13-71
77
14-28 . ,
77
. . 0-023
14-29
77
15-39 .
77
. .0-024
15-40
77
15-99 .
77
. 0-025
16-00
77
16-59 .
77
. 0-026
16-60
77
17-16 .
77
. . 0-027
17-17
77
18-33 .
77
. . 0-028
18-34
77
18-95 . ,
77
. 0-029
18-96
77
19-00 . .
n
. 0-030
Zur Geschichte der antiken Legirungen.
49
Bei 20^
10-00 bis 10-36 .
. abzuziehen
. 0-019
10-37 „
10-86 .
?7
. . 0-020
10-87 „
11-37 .
11
. . 0-021
11-38 „
12-22 . .
?7
. 0-022
12-23 ,
13-14 . .
11
. 0-023
13-14 „
13-67 .
n
. 0-024
13-68 „
14-20 . .
n
. 0-025
14-21 „
15-22 . .
11
. 0-026
15-23 „
15-77 . .
n
. 0-027
15-78 „
16-31 . .
11
. 0-028
16-32 ,
16-87 . .
»
. 0-029
16-88 „
17-41 . .
57
. 0-030
17-42 „
18-57 .
ri
. 0-031
18-58 „
19-00 . .
V)
. 0032
Bei2r.
10-00 „
10-05 .
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. . 0-020
10-06 „
10-30 .
n
. . 0-021
10-31 „
10-98 .
n
. . 0-022
10-99 „
11-44 .
n
. . 0-023
11-45 „
12-28 .
V)
. 0024
12-29 „
13-15 . .
11
. 0-025
13-16 „
13-62 . .
n
. 0-026
13-63 „
14-14 . .
n
. . 0-027
14-15 „
15-32 .
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. 0-028
15-33 „
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11
. 0-029
15-54 „
15-99 . .
11
. 0-030
16-00 „
16-59 .
n
. 0-031
16-60 „
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rt
. 0-032
1711 „
18-25 . .
n
. 0-033
18-26 .
18-78 . .
n
. 0-034
18-79 „
19-00 .
n
. 0-035
• _;^ -^^ ,*-,irK.::;:^'nR^4fi
50
K. B. Hofraann: Zur Geschichte der antiken Leglrungen.
Bei 22'
10-00 „
10-31 .
abzuziehen
. 0-022
10-32 „
10-74 .
r
. 0-023
10-75 „
11-18 .
r
. 0-024
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n
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V
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13-16 „
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. 0-031
15-50 ,
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>» «
. 0-032
15-97 „
16-44 .
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. 0-033
16-45 „
16-91 .
r
. 0-034
16-92 „
17-38 .
n
. 0-035
17-39 „
18-38 .
n
. 0-036
18-39 „
18-81 .
. 0-037
18-82 „
19-00 .
r,
. 0-038
II.
Programm-Münzen römischer Kaiser.
Von
Dr. Friedrich Kenner.
Wenn es zuweilen schwierig ist, für eine Abhandlung über
ein Thema aus dem classischen Alterthume einen kurzen, präg-
nanten Titel in moderner Sprache zu finden, so trifft dies gewiss
auf unseren Fall zu. Es wird scheinen, dass der Titel „Pro-
gramm-Münzen" mehr verspricht, als gehalten werden kann;
man wird es als gewagt bezeichnen, überhaupt von Regierungs-
programmen der römischen Kaiser und von Münzen zu sprechen,
die ein solches zum Ausdrucke bringen sollen. Aber man wird auch
zugeben, dass Aufschiift und Bild einer Münze unter bestimmten
Verhältnissen die Situation des Reiches beim Beginne einer
Regierung, sowie die Ansichten und Vorsätze des betreffenden
Kaisers schlagender zum Ausdruck bringen können, als man mit
vielen Worten darzulegen vermöchte. Solches ist, wie gezeigt wer-
den soll, in der That der Fall gewesen, ja sogar angestrebt worden.
Aus diesem Grunde habe ich jenen Titel für einen Vortrag gewählt,
den ich in der Versammlung der numismatischen Gesellschaft am
12. December 1883 zu halten Gelegenheit liatte; ich wende ihn, so
unzulänglich er sein mag, der Kürze halber, auch für die folgende
Abhandlung an, die im Wesentlichen auf jenem Vortrage beruht.
So viel ich zu wissen glaube, ist eine Zusammenstellung dieser Art
noch nicht versucht worden; ich betrachte auch das Folgende nur
als einen Versuch, der, wie ich nicht zweifle, vielfacher Verbesse-
rungen bedürftig ist. Zu bemerken habe ich noch, dass die Citate
4*
'' s'^_^ -f^^Z'
52
Dr. Friedrich Kenner:
für die angeführten Münzen weggelassen sind; man wird die letzte-
ren nach den Aufschriften der Eückseiten, die stets angezeigt sein wer-
den, in Cohens Verzeichniss leicht zu finden vermögen, so dass der
Wust von Ziffern vermieden bleibt; in den wenigen Fällen, in wel-
chen man das genannte Werk vergeblich zu Rathe zieht, handelt es
sich um Münzen, welche in der Sammlung des Allerhöchsten Kaiser-
hauses verwahrt werden.
Gold- und Silbermünzen auszugeben war in der Zeit der römi-
schen Kaiser ein ausschliessliches Vorrecht derselben, ein Attribut
der kaiserlichen Würde, und zwar nach Aussen hin, für die Reprä-
sentation, eines der wichtigsten. Die Münze stellt in Bild und Auf-
schrift fast alle anderen Attribute des Principates: seine hohen
Aemter, das Abzeichen des Kranzes, das Bildnissrecht u. s. f. ver-
einigt dar und brachte sie zum Ausdruck nicht blos in den grösse-
ren Städten des Reiches, sondern überall, wohin sie selber durch
den Verkehr getragen wurde; in den fernsten Gegenden und
abgelegensten Winkeln des Staates, überall zeigte sie einen voll-
zogenen Thronwechsel an und stellte den neuen Herrn im Bilde
vor. Für sich ein Zeichen der Bethätigung der übernommenen
Kaiserwürde war also die Münze zugleich ein Mittel, dieselbe zur
öffentlichen Kenntniss zu bringen, und zwar unter den damaligen
Verhältnissen eines der am meisten beliebten und erfolgreichen Mittel,
der Publication.
Daher war es nicht bloss einer der ersten Souverainetatsactej
eines Kaisers, Geld mit seinem Namen und Bildniss auszugeben^]
wenn er auch nur von der Aimee eines Grenzlandes ausgerufenj
war, und seine Regierung voraussichtlich nur eine ephemere blieb,.!
sondern man gewöhnte sich auch, die Regierung recht eigentlich
erst dann als angetreten und übernommen zu betrachten, wenn der
neue Kaiser Münzen mit seinem Bildnisse prägen liess. Selbst Prä-
tendenten, die den Umsturz einer bestehenden Regierung und ihre
eigene Erhebung auf den Thron planten, Hessen als eine vorbe-
reitende Massregel Münzen mit ihrem Namen und Bildniss her-
stellen, um sie zur Hand zu haben, wenn sie oifen mit ihren Aspira-
tionen hervortreten würden, und folgerichtig galt der Hochverrath
für begangen und erwiesen, wenn ein Prätendent Geld mit seinem
Prograram-Münzen römischer Kaiser. 0*5
Bildniss herstellen liess, auch wenn er es noch nicht ausgegeben
und noch nicht offen seine Absichten ausgesprochen hatte. *)
Es lag nun sehr nahe, durch die Münze nicht bloss den Antritt
einer Regierung anzuzeigen, sondern auch die Gesinnung des neuen
Kaisers, die Auffassung, die er von seiner Aufgabe mit auf den
Thron brachte, auszusprechen, in analoger Weise, wie etwa heut-
zutage ein Fürst bei seiner Thronbesteigung einen Wahlspruch
annimmt, welcher das Princip seiner Regierung bündig andeutet.
Dass eine derartige Verwendung der Münze herkömmlich gewesen
und regelmässig geschehen sei, dafür haben wir schriftliche Nach-
richten allerdings nicht. Aber sie liegt in der Natur der Sache be-
gründet. Schon die Bedeutung der Münzbilder, welche der neue
Kaiser wählte — und sicher sind mindestens jene des ersten
Regierungsjahres von ihm bestimmt worden — lassen seine An-
schauungen erkennen. Und in der That, wenn wir jene Münzen in's
Auge fassen, welche aus dem ersten Jahre einer Regierung
stammen, so gewahren wir fast regelmässig Anspielungen in Bild
und Aufschrift nicht bloss einer Münze allein, sondern mehrerer,
welche zusammengehalten mit den Zeitverhältnissen und den
Charakterschilderungen der betreffenden Machthaber ein mit diesen
übereinstimmendes, aus ihnen erklärbares Bild der Tendenz der
neuen Regierung geben. Ja wir werden durch Vergleichung solcher
1) Unter Kaiser Commodus i^t uns ein aolcher Fall üherlictcrt. Der Le^at
von Pannonien, der jüngert) Perennis, strebte nach dem Throne; im Einvor-
ständniss mit seinem Vater, der ein Liebling des Kaisers war und zu Rom in
hohen Aemtem stand, bereitete jener im Stillen seine Erhebung vor. Da ent-
wichen einige seiner Kriegsleute und kamen nach Rom, wo sie dem Kaiser
Commodus die Verschwörung verriethen und Münzen vorwiesen, auf denen
bereits das Bildniss des jüngerem Perennis als des künftigen Kaisers geprägt
war. Commodus bedurfte keines weiteren Beweises für die Schuld der Auf-
ruhrer, er Hess sofort den Vater Perennis tödten und lockte den Soiui nach
Italien, wo auch er beseitigt wurde (Herodian I, 9). Ein anderes Beispiel wird
aus der Regierungsepoehe des Kaisers Elagabalus erzählt. Damals Hess ein
Valerianus Paetus sein Brustbild auf einige goldene Münzen prägen, vorg(d)lich,
um sie seine Buhlerinnen als Schmuck tragen zu lassen, in der That aber als
Vorbereitung für eine Empörung, die er in Cappadocien, dem Nachbarlando
seiner Heimat Galatien, ins Wcu'k zu setzen im Begritfe stand. Audi er nuisste
sterben (Dio Cassius 79, 4).
-'^^»^.5'^^^^i^T^^
54
Dr, Friedrich Kenner;
Münzbilder auch bestimmte Gesichtspunkte und Normen kennen
lernen, welche bei ihrer Auswahl befolgt wurden.
Um dies zu zeigen, berücksichtigen wir nur die Münzen des
ersten Regierungsjahres eines Kaisers, insoferne sie datirt oder
sicher datirbar sind, und zwar bis Aurelian nur die goldenen und
silbernen, als zweifellos kaiserliche Gepräge; überdies werden nur
noch die Erstlingsmünzen der Caesaren, die das Bild- und Auf-
schriftsrecht gleichfalls besassen, herangezogen. Dabei sind jene
Münzen tibergangen, welche Anspielungen auf Ereignisse und Ver-
fügungen enthalten, die mit der Thronbesteigung und der Bestim-
mung der Nachfolge keinen directen Zusammenhang haben: Ein-
zelne Siege und Friedensschlüsse, die Ankunft der neuen Kaiser in
Rom, seine Abreise (Fortuna redux), die Salus Augusti, die selbst-
verständliche Vorsorge für Beschaffung von Getreide und für die
Münze, die Liberalitates, Vota, die häufig mit Letzteren zusammen-
hängende Securitas u. a.
Die wichtigste Beobachtung, die wir an Erstlingsniünzen
machen, besteht in der Wahrnehmung zweier nebeneinander
auftretender Reihen von Münzbildern, denen ein verschie-
dener Sinn innewohnt. Die eine Reihe hat den Zweck, in ausser-
ordentlichen Fällen die Art der Berufung als den Rechtstitel der
Thronbesteigung anzudeuten, während die andere die Vorsätze der
neuen Regierung, ihre Tendenz, zum Ausdrucke bringt. Wir
betrachten beide Reihen durch alle Regierungen hindurch abge-
sondert.
L
Die Erhebung auf den Thron, um einen modernen Ausdruck
zu gebrauchen, erfolgte, indem eine bestimmte Persönlichkeit der
Aufforderung entsprach, das Imperium (die proconsularische Gewalt)
zu übernehmen, mag diese Aufforderung vom Senate oder den Solda-
ten, das ist den Praetorianern oder einer oder mehreren Armeen in
den Provinzen ausgegangen sein. „Die Bezeichnung des Imperators
durch den Senat wird als das schicklichere und massigere und
dem Gemeinwesen erspriesslichere Verfahren betrachtet",«) aber
2) Mommsen, Römisches Staatsrecht II, 788 f.
^J^'
Programm-Münzen römischer Kaiser.
55
rechtlich besteht kein Unterschied zwischen den genannten Arten
der Berufung, die eine wie die andere begründet sofort die Rechts-
giltigkeit des Principates, obwohl dieser erst dann als völlig geord-
net erscheint, wenn die Anerkennung auch von der anderen Seite
erfolgt ist.
Um dieBerufung durch den einen oder anderen dieser Factoren,
und um die Zustimmung der übrigen handelt es sich in jenen Mttnz-
bildern, die den Rechtstitel einer Thronbesteigung betreffen. Wir
führen sie zunächst im Einzelnen an und zwar vorerst jene des
ersten und zweiten Jahrhunderts bis zu Commodus' Tode.
Das Symbol der Uebertragung des Principates an den Kaiser
Augustus durch den Senat ist die Bttrgerkrone, der Eichenkranz, mit
der Aufschrift S • P • Q * R * P * P (Patri patriae) OB C I Ves S E Rvatos »)
die wir nicht bloss wiederholt auf den Münzen des Kaisers Augustus
treffen, sondern auch auf jenen der folgenden Kaiser. Caligula
setzte sie im ersten, dritten und vierten Jahre seiner Regierung (37,
40 und 41 n. Ohr.) auf seine Goldstücke, offenbar doch nicht aus
Vorliebe für den Senat, dem er vielmehr feindlich gesinnt war, son-
dern um eben an die Uebertragung des Principates zu erinnern, an
welcher er durch Verfügung des Vorgängers Theil genommen hat.
Auch Kaiser Claudius bediente sich dieses Symboles mit
der Umschrift SP QRPPOBCIVESSERVATOS auf seinen
Erstlingsmünzen; überdies erscheint auf diesen und den Münzen
folgender Regierimgsjahre mit grosser Consequenz das Lager der
Praetorianer mit der Aufschrift IMPERator RECEPTus oder der
Kaiser im Handschlag mit einem Praetorianer und der Aufschrift
PRAETORiani (in fidem) RECEPT(I). Bei den Unruhen, welche
nach Caligula's Tode entstanden, hatte man den Claudius in die
Kaserne der Garde geflüchtet, wo er als Kaiser proclamirt wurde.
Die Erinnerung daran hielt er fest; doch wurde die Thatsache,
dass er den Praetorianern die Erhebung verdankte, noch verblümt
angedeutet, indem nur seine Aufnahme im Lager und die receptio
in fidem, die Beeidigung der Garde, auf die Münze kamen. Damit
ist aber nichts Anderes gemeint, als eben die Berufung auf den
Thron in der erwähnten ausserordentlichen Weise; denn einen
3; Ekhel VI, HS.
,^VV. ^-.-^..-
56
Dr. Friedrich Kenner:
rechtlichen Anspruch auf den Principat hatte Claudius nicht, auch
von seinem Vorgänger war über ^die Nachfolge nichts bestimmt
worden.
Nach Nero's Sturze, als zum ersten Male die Legionen sich an
der Thronfrage betheiligten, treten neue Ausdrücke zur Bezeichnung
des Rechtstitels auf: Concordia und Consensus. Der Erstere
schliesst in sich den Begriff der Gegenseitigkeit, in der Thronfrage
also die Uebereinstimmung des Pro clamir enden und des Procla-
nurten, während der Letztere nur die Zustimmung zu einer voll-
zogenen Thatsache anzeigt; „Concordia" besagt viel mehr und ist in
der That späterhin in verschiedenen Wendungen gebraucht worden,
während „Consensus" nur vereinzelt auftritt.
Kaiser G alba wählte mehrere Münzbilder: so die CONCOR-
DIA PROVINCIARVM, nämlich Spanien und Gallien, deren Armeen
sich auf ihn vereinigten, sie werden auf anderen Münzen theils ein-
zeln (H ISPAN lA, GALLIA, HISPANIAE,TRES GALLIAE), theils
zusammen (GALLIA HISPANIA im Handschlag) gefeiert; ferner
erscheint die FIDES MILITVM, endlich die Bürgerkrone mit
S-P-Q-R'OB-C'S. Auch Vit el lins, von den Legionen in Ger-
manien gegen Galba ausgerufen, bringt eine Reihe von bedeutungs-
vollen Bildern auf seinen Münzen an; er nennt zum ersten Male
unverblümt den CONSENSVS EXERC ITVVM, sowie die FIDES-
EXERCITVVM, daneben aber auch die CONCORDIA und FIDES
PRAETORIANORVM und nimmt überdies die Btirgerkrone mit
S'P-Q'R'OB-C'S auf; endlich rühmt er zum ersten und einzigen
Male die CONCORDIA Populi Romani. Offenbar also sind beide
genannten Kaiser bestrebt, neben der Berufung durch die Legionen
die Uebereinstimmung der übrigen Factoren des politischen Lebens
in der Hauptstadt, des Senates und der Praetorianer, hervorzuheben,
um ihren Principat auch formell als völlig begründet erscheinen zu
lassen, ein Vorgehen, das bei der Neuheit der Berufung durch
Erstere erklärlich ist. Sie stehen damit in scharfem Gegensatze zu
Otho, welcher keinen Rechtstitel der Thronbesteigung angibt.
Vespasian, von den in Judaea stehenden Legionen gegen
Vitellius prociamirt, setzt auf seine Erstlingsmünzen die Bürger-
krone mitS PQROBCS und den CONSENSVSEXERCITuum.
Wie er der Letzte ist, welcher die Bürgerkrone aufnimmt — sie
I
Programm-Münzen römischer Kaiser.
57
erscheint auf goldenen und silbernen Erstlingsmünzen von nun an
nicht mehr— so istKerva auf längere Zeit hinaus der Letzte,
der durch die Mitwirkung der Legionen auf den Thron kam; er
beschränkt sich darauf, die CONCORDIA-EXERCITVVM anzu-
geben. Schon seine beiden Nachfolger Trajan und Hadrian weisen
auf ganz neue Rechtstitel für den Principat hin. Trajan spielt auf
seine Adoption durch Nerva an, indem er diesen darstellt, wie er
dem Adoptivsöhne die Weltkugel übergibt ; die Umschrift des Bildes
lautet PROVIDentia (seil. Nervae). Hadrian setzt direct die
AD OPTIO auf seine ersten Münzen, und nennt sich auf einer
Gruppe derselben, welche ihn im Handschlag mit Trajan zeigt,
DIVITRAIANI AVGusti Filius.*) Seine Nachfolger bis zu Com-
modus' Tode erwähnen als Augusti des Rechtsgrundes ihres Prin-
cipates ebensowenig, als es vorher Nero, Otho, Titus und Domitian
gethan hatten.
Eine Ausnahme bildet nur die Ernennung eines Mitregenten,
die Theilung des Principates zwischen zwei Kaisern, von welcher
der erste Fall, jener des M. Aurel und L. Verus, noch der hier
besprochenen Periode angehört. Auf ihren Erstlingsmünzen wird in
consequenter Fortbildung der gegebenen Beispiele die CONCOR-
DIA'AVGG (Augustorum), d. i. die Uebereinstimmung des Mitthei-
lenden und des Betheilten gesetzt. Das dazugehörige Bild stellt die
beiden Kaiser im Handschlag oder auch verbundene Hände mit dem
Feldzeichen (also Theilung der Macht in Krieg und Frieden) dar.
Andere Bilder auf den ersten Münzen beider Kaiser führen diese
bis dahin unerhörte Verfügung M. AureKs auf PROVIDENTIA*
DEO Rum, auf die Vorsehung der Göttin zurück, wohl anknüpfend
an den von Trajan bezüglich seiner Adoption ausgesprochenen
Gedanken. Der MitheiTSchaft des Commodus (seit 178^ wurde auf
gleichzeitigen Münzen nicht gedacht, in späteren Fällen aber ist das
von M. Aurel und L. Verus gegebene Beispiel befolgt worden.
Die Caesar en, welche leibliche Söhne des regierendeu
Princeps sind, lassen im ersten Jahrhundert jede Anspielung auf die
*) Copirt wurde dieses Beispiel von Kaiser Septimius Soverus, als er die
Adoption durch Marc Aurel fingirte; wir werden zum Schlüsse darauf zurück-
kommen.
58
Dr. Friedrich Keuiier
Kechtsquelle ihrer neuen Stellung hinweg, wie Titus und Domitian.
Auch im zweiten und dritten Jahrhundert ist dies der Fall. Doch
wird in jener Zeit für die Andeutung- der Thatsache ihrer Ernennung
zum Caesar ein ständiges Münzbild gebräuchlich, die Darstellung
der Priestergeräthe mit der Aufschrift Pietas Aug(usti), welch'
letztere indirect auf die Quelle ihrer neuen Würde hindeutet. Die
Aufnahme in die grossen Priestercollegien durch den Princeps folgte
nämlich der Ernennung zum Caesar und der damit verbundenen
Designation zum Nachfolger so genau, dass sie als mit dieser ver-
bunden und das Symbol der Collegien — die Priestergeräthe — als ihr
Abzeichen betrachtet werden kann. Wahrscheinlich war für die Auf-
nahme dieses Münzbildes das Beispiel aus der Jugend Nero's •> i
massgebend.
Hingegen die Caesarcn, welche Adoptivsöhne des beirftleu-
den Princeps sind, wenden zur Bezeichnung der Rechtsquelle neben
der Pietas Aug. noch ein deutlicher sprechendes Mttnzbild an, die
Concordia Aug(usti); abermals begegnet also jener Ausdruck,
der die Uebereinstimmung des Ernennenden und des Ernannten
hervorhebt. Dass damit in der That die Rechtsquelle der Designation
bezeichnet werden soll, lehrt die Analogie der Ausdrücke: Concordia
provinciarum, Concordia exercituum, Concordia praetorianorum,
Concordia Angustorum, die wir bisher getroffen haben. Dafür spricht
auch ein Fall, den wir aus späterer Zeit vorgreifend hier anfuhren.
Alexander Severus, von dem nach seiner Adoption durch Elagabalus
die beiden Gepräge: Pietas Aug. und Concordia Aug. zu erwarten
wären, bedient sieh zwar der Pietas Aug., setzt aber statt der Con-
cordia die I N D V L G E N T I A A V G mit dem Bilde der Spes auf seine
ersten Münzen, er führt seine Ernennung zum Caesar auf die
Nachsicht oder die Gnade des Kaisers zurück, ein Ausdruck, der
ebenso augenscheinlich die Rechtsquelle seiner Caesarenwürde
bezeichnet, als er das sonst übliche Wort Concordia Aug. ersetzt,
dem also die gleiche Geltung wie dem Ausdrucke Indulgentia
zukommen muss.
5) Nero führt sich im Jahre 51 als PRINC-IVVENT unter Hinweis auf
seine Aufnahme in die Priestercollegien ein. lieber die Beziehung der Letzteren
zur Caesarenwürde s. Mommsen, Staatsrecht II, 2, 1063.
Programm-Münzen römischer Kaiser.
59
Im Sinne des hier dargelegten Gebrauches bedienen sich im
zweiten Jahrhundert die Adoptivsöhne Aelius Caesar und Antoninus
Plus auf den ersten Münzen sowohl der PIETAS'AVG, als der
CONCORDIA und CONCORDIAAVG. Dagegen M. Aurel, der zwar
auch Adoptivsohn, aber zugleich Schwiegersohn und Genial der
Erbtochter des Antoninus Pius war, sowie Commodus, als Aurel's
leiblicher Sohn, haben nur die PIETAS'AVG auf ihren Erstlingen.
Aehnliches begegnet in der folgenden Zeit.
Vergleicht man die bisher besprochenen Fälle, so ergibt sich,
dass für die Andeutung des Rechtstitels bestimmte Normen bestan-
den haben und beobachtet worden sind. Alle jene Kaiser, deren
Nachfolge schon vom Vorgänger auf dem Throne bestimmt und
geordnet war, mögen sie seine leiblichen oder Adoptivsöhne
gewesen sein, lassen als Augusti jeden Hinweis auf den Rechtstitel
ihrer Nachfolge hinweg, so Nero, «) Titus, Domitian, Antoninus Pius,
M. Aurel und Commodus. Für sie bedurfte es der Publication des
Rechtstitels durch Münzgepräge nicht, er war klar und öffentlich
bekannt. Die beiden Ausnahmen Trajans und Hadrians sind dem
nicht entgegen, insoferne als Trajans Fall noch neu und auf Münzen
noch nicht bekannt gemacht war. Aehnliches ist auch für das Ver-
halten Hadrians bestimmend gewesen. Seine Adoption durch Trajan
galt schon im Alterthume, wenn nicht als eine fingirte, so doch als
eine Trajan abgenöthigte ; in den letzten Augenblicken seines
Lebens soll dieser Jenen an Sohnes Statt angenommen haben; die
Ankindung konnte daher noch nicht öffentlich bekannt sein, als
Hadrian die Regierung bereits übernommen hatte. Daher wählte er
für einen Theil seiner Erstlingsmünzen das Bild der Adoptio.
Hingegen, wenn über die Thronfolge keine Bestimmung getroffen
war, sondern nach dem plötzlichen Tode des Prineeps — es geschah
dies durch Verschwörung gegen die despotischen Regierungen des
Tiberius, CaliguUi, Nero, Domitian und Commodus, die alle keine
leiblichen Söhne als Nachfolger hinterliessen — die Thronfrage
durch die wichtigsten Factoren des öffentlichen Lebens, d. i. durch
«) Seine Goldmünzen mit der Biirgerkrone und EX-S-C beziehen sich auf
speciclle Anlässe und beginnen erst im zweiten Regierungsjahre.
60
Dr. Friedrich Kenner:
den Senat und das Heer (Praetorianer und Legionen in den Pro-
vinzen) aufs Neue bestimmt wurde, zeigt sieh ein verschiedenes
Verhalten. Waren, was sehr selten geschah, beide Factoren oder
auch nur der Senat einerseits und ein bestimmter Armeekörper,
seien es Praetorianer oder die Armee einer einzelnen Provinz, ander-
seits einig, so wurde der Rechtstitel gleichfalls nicht erwähnt, wie
bei Otho, später bei Pertinax und anderen Wenigen, die unten zu
nennen sein werden. Ging jedoch die Proclamation nur von einem
der Factoren zunächst aus, dann wird der Rechtstitel angedeutet, und
zwar so, dass anfänglich neben der Berufung durch die Praetorianer
oder die Legionen auch auf die nachträgliche Zustimmung des
Senates, einmal selbst des Volkes, angespielt wird, wie von Clau-
dius, Galba, Vitellius und Vespasian, später aber, von Nerva ab,
die Hindeutung auf den Senat wegbleibt und nur jene auf das Heer
erfolgt. Eben dieses Verhalten beobachten auch die meisten Kaiser
des dritten Jahrhunderts.
Die Art und Weise, welche für die Caesaren die gebräuchliche
war, ist schon oben dargelegt worden. Wenn die leiblichen Söhne
des jeweiligen Princeps den Rechtstitel übergehen, so ist dies dem
Verhalten der neuen Augusti in jenen Fällen analog, in welchen diese
mit Uebereinstimniung der wichtigsten Factoren den Thron bestei-
gen; letzteres geschieht durch die Souverainetät des in jenen
Factoren repräsentirten Volkes; ersteres folgt aus der eben dadurch
auf den Kaiser libertragenen Vollmacht vermöge Erbrechtes, wel-
ches hervorzuheben überflüssig ist. Dagegen bei Adoptivsöhnen,
deren Succession nicht im Erbrechte begründet ist, muss für jeden
einzelnen Fall eine Bestimmung getroffen werden, welche den
speciellen Rechtstitel seiner Thronbesteigung bildet und daher an-
gedeutet wird. —
Mit der Ermordung des Commodus beginnt eine neue Epoche
in den Besetzungen des Thrones. Die ruhige, weil vom Vorgänger
geregelte Nachfolge hörte auf, der Principat wurde, wie nach Nero's
Tode, wieder der Siegespreis der schon genannten Parteien, in
denen sich inzwischen manche Veränderungen ergeben hatten. Seit
Septimius Severus — wenige Jahre nach Commodus' Tode — die
alte aus Italikern und Norikern gebildete Garde in Rom aufgelöst
und an ihre Stelle eine neue, aus den verschiedenen activen Armeen
■-;>Ä.
Programm-Münzen römischer Kaiser, U 1
gebildete, gesetzt, traten die Praetorianer nicht mehr selbständig in
der Thronfrage auf, sondern vertraten die Interessen der Legionen
in Rom selbst, wodurch die Stellung des Senates noch machtloser
wurde, als früher. Dazu kam, dass die Stellung, welche bisher die
Heere in den Grenzländern häufig gegen Rom und den Senat ein-
genommenhatten, inzwischen durch neue, intensiver wirkende Beweg-
gründe verschärft wurde. Da sie seit Hadrians Neuerungen in der
Organisation des Heeres beständig in denselben Provinzen ver-
blieben und mit dem in diesen während der längeren Friedens-
epoche mächtig emporgekommenen Römerthume enge verwachsen
waren, standen sie nunmehr auf als Vertreter der wenn auch
rauhen, doch frisch und kräftig sich äussernden Mischcultur der
Grenzländer — um es mit einem Worte zu sagen — des Provin-
cialismus gegenüber dem Centrum des Reiches, der Haupt-
stadt Rom, deren altclassische Traditionen vom Senate vertreten
wurden.
Im Allgemeinen finden wir im dritten Jahrhundert bezüglich
der Angabe des Rechtstitels die Normen aufrecht bestehen, welche
im zweiten Jahrhunderte sich beobachten Hessen. Die leiblichen Söhne,
wie Caracalla, Geta, Diadumenian, Maxinms, Philippus junior u.s. w.,
geben einen Rechtstitel weder als Caesaren, noch als Augusti au;
sie führen als Caesaren gleichmässig nur die Pietas Aug. auf ihren
ersten Münzen auf. Der adoptirte Caesar Alexander Severus weist
hingegen auf ihn hin, wie schon bemerkt worden ist. Aehnlich ver-
hält sich Caesar Albinus, welcher weder leiblicher noch Adoptivsohn
des Augustus war, dem er die Caesarwürde verdankte.
Ebenso haben die Kaiser, auf welche sich eine Armee und
zugleich der Senat vereinigten, den Rechtstitel nicht angegeben, so
Pertinax, Gordianus IL, und Philippus, wenn sie gleich sonst
Anspielungen auf ihre Parteistellung machten. Ihnen <'"i"t n.».-.
diauiis III. als Caesar.
In den Fällen der Mitregentschaft (Septimius Severus und
Caracalla, Caracalla und Geta, Balbinus und Pupienus) findet sich
die Concordia Augg. und die Providentia Deor (um) auf den Erst-
lingsmünzen meist beider Kaiser. Die einschlägigen Münzen der
beiden Philippi, sowie des Valerianus und Gallienus, des Diocletianus
und Ilerculeus u. s. f., welche zumeist nur die Concordia Augg. und
'fib:
62
Dr. Friedrich Kenner:
Concordia Augg. et Caess. N. N. haben, sind nicht datirt. Von
Decius und Herennins fehlen solche Gepräge ganz.
Dagegen Didius Julianus, der letzte von der alten Garde
um Geld proclamirte Kaiser rühmt die CONCORDIA MILITVM
(seil. praetorianorum), während Septimius Severus im bewussten
Gegensatz hiezu in seinen ersten Münzen der FIDEI LEGIONVM
ein Denkmal setzte und ähnlich wie der Triumvir Antonius alle
Legionen, die auf seine Seite getreten waren, mit Namen und Ab-
zeichen auf seine Silbermünzen setzen liess; in welchem Sinne
dies geschah, wird dadurch deutlich, dass er auf die XIV. und die
I. Legion (Minervia), die ihn zuerst proclamirt zuhaben scheinen, allein
Goldmünzen schlagen liess. In ähnlicher Weise rühmen Pescennius
die FIDEI EXERCITVI, Albinus die FIDES LEGIONVM,
Macrinus die FIDES MI LITVM. Mit dem gleichen Bilde') und
überdies mit einer anderen vielsagenden Allegorie verräth Maxi-
minus Thrax die Rechtsquelle seines Principates, indem er sich
durch alle Jahre seiner Regierung hindurch im Kriegskleide dar-
stellen lässt, zwischen Feldzeichen stehend, auf deren eines er ein-
mal die Hand zu legen scheint; die Umschrift biklen seine Titel.
Auch sein Sohn Maximus stellt sich alsPRINCIVVENTVTlS mit
zwei Feldzeichen im Hintergrunde dar. Für unsere Frage ist dies Ge-
präge von grossem Belange, da es späterhin, im gleichen Sinne an-
gewendet, zu vorzüglicher Geltung gelangte. Der unter Kaiser
Philippus im 1001 Jahre Roms (AN- MILLPRIMO) vom Heere
proclamirte Pacat i an US ist der Letzte, von welchem auf datir-
baren Erstlingsmünzen die CONCORDIA und FIDES'MILITVM
erwähnt werden.
Von den Caesaren hebt Albinus nach Trajan's Beispiel die
P R 0 V I D E N T I A • A V G (d.i. des Septimius Severus ) hervor. Der
Enkel Gordia nus feiert als Caesar nur diePIETAS'AVGG", worunter
die beiden Senatskaiser Pupienus und Balbinus gemeint sind; seine
Erstlingsmünzen als Augustus, der er auf das Andringen der Sol-
daten wurde, führen dagegen in bezeichnender Weise die FIDES*
MILITVM auf.
7j So verstehe ich Cohens Beschreibimg (I. Aufl. IV, 90, Nr. 17 und
IL Aufl., IV, 510, Nr. 43): P-M-TR-P-P-P- Femme assise entre deux enseignes
militaires.
Programm-Münzeii römischer Kaiser. Öö
Mit Philippiis' Nachfolger Decius sind wir an einen neuen
Wendepunkt gelangt. Die Partei des Senates niusste, da die Be-
setzung des Thrones lediglich eine Machtfrage war, endlich unter-
liegen, zudem war der Zustand des Reiches in Folge der zunehmen-
den Einfälle fremder Völker so ernst geworden, dass aller Partei-
hader im Innern verstummte; alle Berufungen erfolgen von nun an
bis auf Diocletian durch die Armeen in den Grenzländern, von wel-
chen schliesslich die pannonische oder il lyrische bleibend den Vor-
rang behauptete. Daher entfallen von nun an auch die Hinweisungen
auf den Rechtstitel der Thronfolge; denn es gab nur mehr einen
solchen, über welchen nicht weiter ein Zweifel bestehen konnte.
Die datirten Münzen, welche überhaupt selten werden, zeigen im
ersten Regierungsjahre zumeist nur mehr den Kaiser in der
Toga mit Zweig und Kugel oder im Feldherrngewande,
opfernd oder mit der Weltkugel oder dem Friedenszweige, oder
auch — wie unter Probus und Maximianus Herculeus — zwischen
Feldzeichen stehend oder endlich zu Pferde.
Es wird von diesen Kaiserbildern im zweiten Abschnitte aus-
führlicher gesprochen werden.
Die bisher für die Andeutung der Berufung gebräuchlichen
Typen begegnen auch weiterhin, aber sie finden sich nur mehr auf
undatirten Münzen und verlieren daher jede Geltung für unsere
Frage.
II.
Anziehender und mannigfaltiger als die bisher betrachteten,
meist gleichförmigen Angaben der Rechtsquelle der Thronfolge
sind jene Bilder der Erstlingsmünzen, welche Anspielungen auf die
Tendenz des neuen Kaisers und auf die Zeitverhältnisse, wie
sie bei seiner Thronbesteigung bestanden, enthalten. Sie hängen
von seiner Individualität ebenso gut ab, als von der Lage des
Reiches, die er vorfindet; daher lassen sich für sie so klar bestimmte
Regeln nicht erkennen, wie für die bisher betrachteten Münzen ; die
mitspielenden Momente sind eben durchaus eigenartig. Wohl aber
liegt es in der Natur der Sache, dass in den Zeiten des geordneten
und meist friedlichen Staatslebens die Bilder einen entspre('}"'"<1('u
64
Dr. Friedrich Kenner:
mehr idealen Gehalt haben, als unter den aufgeregten Verhältnissen,
welche den gewaltsamen Sturz einer Regierung begleiten, und in
den Zeiten des Kampfes um den Thron. In solchen Fällen werden
die Anspielungen auf die Zeitverhältnisse und die Versprechungen
des neuen Princeps schärfer pointirt, das parteiliche Moment tritt
freier hervor, insbesondere gegenüber einem verhassten Vorgänger
und einem nicht minder verhassten Nebenbuhler. Schon dadurch
gewinnen die Erstlingsmünzen der Nachfolger des Nero, Domitian
und Commodus an geschichtlicher Bedeutung; es wird sich die
Aufzählung der einzelnen Fälle nach ihren Epochen gliedern.
Der Erste, welcher Münztypen wählte, die als Programmbilder
gelten können, ist Kaiser Claudius. Nicht ohne Grund widmet er
gegenüber Caligula's Veränderlichkeit, der nach einem kurzen
guten Anfange in einen schlinmien Despoten ausgeartet war, Münz-
bildei der CONSTANTIAE AVGVSTI und PACI AVGVSTAE,
Standhaftigkeit der Gesinnung und Friedfertigkeit sind die
Ideale, zu denen er sich im ersten und in den folgenden Jahren
seines Principates bekennt. Noch mehr gab Nero's Missregie-
rung Anlass zu verständlichen Seitenblicken. Galba feiert die
LIBERIAS PopuliRomani, LIBERIAS PVBLICA und RESII-
IVIA, die ROMA RENASCENS und VICIORI A POPVLI
ROMAN I; gegenüber der Willkür des Vorgängers liebt er die
AEQVlIASAVGusti hervor und bezeichnet die SALVSGENERIS
HVMANI als Zielpunkt seiner Regierung. Auch feiert er den
BONUS EVENIus und die FORIVNAAVGVSIi, denen er aller-
dings zum Danke verpflichtet war. Andere Bilder, wie Aequitas,
Concordia, Abundantia, zeigen sich mit dem Titel PONIM AX ver-
bunden. Sein Nachfolger Otho gibt im Allgemeinen die PAX
ORBIS lERRARVM und SECVRIIASPopuliRomani als sein
Programm an, wohl mit deutlicher Nebenbeziehung auf den eben
beseitigten Soldatenkaiser Galba, von welchem die friedensbedürftige
Hauptstadt kriegerische Unternehmungen im Interesse der Armeen
gefürchtet haben mochte — in der Regel betonen auch späterhin
die Senatskaiser den Frieden, ihre Gegner den Krieg. Sowie Galba
feiert auch Vitellius, der dritte Kaiser in Jahresfrist seit Nero's
Tode, die LIBERIAS'RESIIIVIA; rühmt aber gegenüber der
Despotie des Letzteren nicht die Aequitas Augusti, sondern die
Programm- Münzen römischer Kaiser. OQ
CLEMENTIAIIVIPeratorisGERIVIANICI.Vespasian endlich Über-
rascht das Reich sofort nach seiner Proclamation mit einer Ver-
füf;inig, welche die Wiederkehr ähnlicher Erschlttteriui^^en des
Staates, wie sie nach Nero's Tode stattgefunden, verhindern sollte,
die Ernennung seiner beiden leiblichen Söhne Titus und Domitian
zu Caesaren; schon auf den in Antiochia geprägten Erstlingen
(J. 69) stellt er sie dem Volke im Doppelbilde nebeneinander
reitend oder in der Toga mit Zweigen nebeneinander sitzend und
mit der Umschrift CA ESARES PR(INCIPES) • IVV(ENTVTIS)
vor, anknüpfend an das von Augustus gegebene Beispiel, der auch
seine Enkel Caius und Lucius auf den Münzen als Caesares einge-
führt hatte. Daneben feiert Vespasian auf den in Antiochia ge-
schlagenen Erstlingsmünzen nur noch die FO RTVN A- AVGVSTI,
die alte strenge Schicksalsgöttin, welche die Geschicke der Men-
schen lenkt und, indem sie ihn noch am Abend des Lebens auf den
Thron des Weltreiches setzte, damit eine Bürgschaft für seine
Regierung geben zu wollen schien. Im folgenden Jahre finden wir
Hinweisnngen auf die Aequitas, die Vesta als Staatsgöttin und auf
den zu hoffenden Frieden (PACI • A VGVSTAE und PACI'ORB'
TERR.).
Von seineu Söhnen wählt Titus für die ersten Münzen, die er
als Caesar schlug, dasselbe in Rom stets gern gesehene Gepräge
mit der Umschrift PACI'ORB'TERR-AVG- und lässt sich selbst
in der Toga mit dem Friedenszweig, oder auch nur den Caduceus
als sprechendes Symbol darstellen. Als Augustus rühmt er sich
seiner Kriegsthaten in Judaea und bringt die entsprechenden Typen:
die Kuh, das Triumph algespann und das Siegeszeichen nebst ver-
schiedenen Götterfiguren (Ceres und Venus victrix) vor. Umgekehrt
stellt sich Domitian zunächst ohne Aufschrift als Caesar zu Pferde
dar; auf einer anderen Münze des folgenden Jahres 74 mit der
Aufschrift PRINCEPSIVVENTVTis erscheint das Bild der Spes,
der Göttin der Hoffnung, die fortan auf den Münzen noch jugend-
licher Caesaren häufige Anwendung fand. Seine Erstlinge als
Augustus enthalten allgemeine religiöse Anspielungen, welche sich
aus den Priesterwürden erklären, das Lectisternium mit Blitz und
Tempelgiebel, Kranz, Ank(ir und Delphin, ül)erdies die Pallas,
«'i''^' Lieblingsgöttin, und drn IVPPITER-CO NSERVATOR.
e^-t^^^S-:^^^-^ ;^
66
Dr. Friedrich Kenner:
Nach seiner Ermordung zeigen sich ähnliche Erscheinungen,
wie nach Nero's Tode. Nerva proclamirt, ähnlich wie Galba, die
LIBERTASPVBLICA, AEQVITAS und IVSTI TIA- AVGVSTI,
dazu fügt er als Zielpunkt seiner Thätigkeit die S ALVS* P V BLICA
und erinnert gleich dem Vespasian an die FORTVN AAV6 VSTI.
Noch weit mehr verheisst der optimus princeps Trajan, indem er
gleich im ersten Jahre eine ganze Keihe von Vertrauen erwecken-
den Bildern auf seinen Münzen anbringen Hess; neben den ver-
schieden abgefassten Titelumschriften erscheinen die Vesta und
Roma, Concordia, Felicitas, Fortuna, Justitia, Pax und Victoria.
Enger umschreil)t Hadrian sein Programm; er sieht die
Grundlage des öffentlichen Gedeihens in der Eintracht, Gerechtig-
keit, Gewissenhaftigkeit und im Frieden : C 0 N C 0 R D^l A), I V S T I T I A
PI ET AS und PAX glänzen auf seinen Erstlingsmünzen, letztere
sehr wahrsclieinlich im Gegensatze gedacht zu den grossen, ruhm-
vollen Kriegen Trajans, welchen er aus Eifersucht zu verkleinern
und verdunkeln stre))te. Daneben erscheint eigenthümlicher Weise
derORIENS; es ist nicht klar, in welchem Sinne dies Bild zu
nehmen sei. Es lag Hadrian sicher ferne, damit auf die Eroberun-
gen Trajan's anzuspielen, die er den Parthern abgerungen hatte,
im Gegentheil verwarf er dessen Politik; ebenso wenig kann er
sich selbst als Herrn des Orientes haben verherrlichen wollen ; er
gab ja sofort die eroberten Länder zurück. In diesem letzteren, für
die Folge so verhängnissvollen Schritte dürfte die Erklärung des
Münzbikles zunächst gesucht werden können. Hadrian will dami
wohl sagen, er gebe die neu eroberten Länder zurück, denn
wolle mit dem Sonnengotte (Oriens) die Herrschaft des Erdkreisei
theilen, dieser soll im Morgenlande herrschen, sowie er selbst i:
Abendlande. Darum stellt er seinem Bildniss auf der einen, Jen
des Sonnengottes auf der anderen Seite der Münze gegenüber.
Sein Adoptivsohn Aelius Caesar hat seine Erstlingsmünzen,
die er als Caesar schlug, mit den Bildern der Felicitas und Spes
geschmückt ; wenn er daneben die Salus anruft, so bezieht sich das
wohl auf den schon damals (J. 137) bedenklich gewordenen Gesund
heitszustand des Kaisers Hadrian. Aber noch vor diesem starb er
fjelber und räumte seine Stelle dem Antoninus Pius (J. 138), der
auf seinen Caesarmünzen die Bilder der Diana und Pallas mit den
■
I
Programm-Münzen römischer Kaiser.
67
Titelumschriften verbindet. Um die Hälfte jenes Jahres starb auch
Hadrian und nun stellte Pius ein seiner Individualität und seiner
Regierungsepoche vollkommen entsprechendes Programm in den
Bildern der Pietas, Aequitas, Felicitas und Fides auf; es ist zu ver-
muthen, dass Letzteres seine Spitze gegen Hadrian selbst richtete;
denn dieser verrieth in seinen letzten Lebensjahren einen launen-
haften Zug zur Grausamkeit, der das öffentliche Vertrauen unter-
grub. Dieses sollte unter Antoninus wieder hergestellt werden und
wurde es in der That auch. Andere Erstlinge tragen neben der Titel-
umschrift die Darstellungen der Minerva, Diana und Pax. Der zwei
Jahre später zum Caesar ernannte M. Aurel, der junge Liebling des
Volkes, wählte ein treffendes neues und vereinzelt gebliebenes
Symbol für seine Erstlingsmünzen: den HO NOS, den Gott der Ehre,
und als dazu gehöriges Gegenstück die IVVENTAS, bald als
Göttin der Jugend, bald als Inbegriff der Zeitgenossen Aureis ge-
dacht, für welche also die Ehre als Ideal hingestellt wurde. Seine
ältesten datirten Caesarmünzen verbinden mit der Titelaufschrift die
Pallas, Spes, Fides und Securitas. Als Augustus bedient er sich im
ersten Jahre neben den schon erwähnten, auf die Ernennung des
L. Verus zum Mitregenten zielenden Münzbildern, seines eigenen
Bildes, das im Viergespanne oder stehend mit der Weltkugel vor-
gestellt ist. Sein Sohn Commodus wählte für seine Caesarmünzen
(J. 176) die HILARITAS und SPESPVBLICA; auch als PRINC'
IVVENT mit dem Friedenszweig neben einem Tropaeum stehend
lässt er sich darstellen. Seine datirten Erstlinge als Augustus
und Mitregent seines Vaters (J. 178) verbinden mit der Titel-
umschrift ausser den aus dem damaligen Kriege erklärlichen
Götterbildern die Spes, Fides, Roma und wohl mit Rücksicht
auf die damals herrschende Pest — die SALVS; als Alleinherrscher
(J. 180) führt er die Fortuna, Roma und Providentia auf, d. h. er
sei bestimmt, für die von der Vorsehun«;- ihm ühergebene Roma
vorzusorgen.
Genau so wie nach Nero's und Domilian's Tode, von deren
nächsten Nachfolgern die Libertas restituta uml publica gepriesen
wurden, galt eines der ersten Münzbilder des Pertinax nach der
Beseitigung des Commodus denLIBERATISCIVIBVS und der
LAETITIA-TEMPORum; auch er verspricht, wie es in gleicher
-■'^?^^?'*^^T^>?W*^/^*|
68
Dr. Friedrich Kenner :
Lage Galba und Kerva gethan, im Gegensatze zur vorausgegangenen
Willkürherrscliaft ein gerechtes Regiment: AEQ VI Tas-AVG., und
verräth sicli als hervorgegangen aus der Schule Aurel's durch einen
religiösen Zug, indem er sich und den Staat der PROVIDentia
DEORum, den DIS CVSTODIBVS, dem lANO CONSERVATORI
und der 0 P I * D I V I N A E empfiehlt ; endlich w^idmet er eine Münze
der MENTI'LAVDANDAE, der hochzupreisenden Besonnenheit,
ein Bild, welches man kaum verstanden hätte, wenn nicht die Toll-
heiten und der jugendliche Wahnwitz des Commodus noch in
beängstigender Erinnerung gewesen wären; in sehr deutlicher
Weise wird diesem die Erfahrenheit des neuen, in den Lebensjahren
vorgerückten, vielverdienten Kaisers entgegengestellt.
Die schmähliche Ermordung des Letzteren gab das Zeichen zu
einem lange andauernden erbitterten Kampfe um den Thron, in dem
nicht mehr, wie nach Nero's Tode, die Armeen einzelner Länder
nach einander, sondern zu gleicher Zeit ihre Praetendenten
durchzusetzen suchten, theils mit dem Senate im Bunde, theils gegen
seine Autorität. Dieser Kampf ist für unsere Frage von der grössten
Wichtigkeit; er bereitet den Verfall der Programmbilder vor zu
einer Zeit, wo sie die grösste Entwicklung, die grösste Lebhaftigkeit
der Anspielungen zu erreichen scheinen. In den bisher betrachteten
Fällen wiegt das individuelle Moment vor; es sind die persönlichen
Gesinnungen und Anschauungen, welche die neuen Kaiser in
mannigfaltigen, verschiedenen Münzbildern zum Ausdruck bringen,
und in der That liegt darin eine vorzügliche Anziehung für uns, es
reizt uns y-u sehen, in welche Worte der und jener Kaiser die
Anschauungen kleidet, mit denen er den Principat antritt. Dieses
seelische Moment, wenn wir es so bezeichnen dürfen, geht in der
folgenden Zeit verloren.
Der Praetendent der einen oder anderen Partei tritt nicht mehr
völlig frei und unabhängig seiner Aufgabe entgegen, sondern als
Parteimann, er ist an den Factor gebunden, der ihn beruft, wenig-
stens für die erste Zeit seiner Regierung, er muss sein Programm
den Interessen desselben anpassen ; es ist werthlos den Unterschied
seiner Bestrebungen und jener seines Vorgängers hervorzuheben,
wohl aber muss er suchen, seinen Nebenbuhler, den Praetendenten
einer andern Partei, zu überbieten und in den Schatten zu stellen.
[l^--
Programm-Münzen römischer Kaiser.
69
Nicht mehr also Schlagworte für persönliche Ansichten, sondern
Parteischlagworte sind die Umschriften, die er seinen MUnzbildern
gibt; nur diese haben actuellen Werth, alle anderen etwa noch
vorkommenden Typen und Umschriften verlieren, so schön sie
klingen, stets mehr an individuellem Gehalt. Dies zeigt sich sehr
deutlich, als der Soldatenkaiser Maximinus Thrax der Senatspartei
erlag und die Hauptstadt Rom auf kurze Zeit wieder in den Vorder-
grund trat, wozu das Herannahen des Festes ihres tausendjährigen
Bestehens wohl auch beitrug. Die Kaiser jener Zeit, welche ent-
gegengesetzte Parteischlagworte verbinden oder alle Anspielungen
absichtlich vermeiden, gerathen auf Münzbilder, die durchaus
objectiv und von allgemeiner Bedeutung sind.
Di diu s Juli an US feiert die Fortuna und lässt sich wohl mit
Absicht Aurel's Beispiele folgend in der Toga als Princeps Senatus
oder als Consul mit der Weltkugel und der Umschrift RECTOR-
ORB IS darstellen. Auch dieses Bild hat in der folgenden Zeit eine
grössere Bedeutung erlangt. Wichtiger ist fiir uns vorläufig der
glückliche Gegner des Didius Julianus, Septimius Severus, der
vielleicht unter allen römischen Kaisern am gewandtesten mit
Schlagworten zu hantiren wusste. Er tritt gleich im ersten Jahre mit
einer stattlichen Reihe von Münzbildern auf, alle neu und auf seine
Chancen berechnet. Er kennzeichnet sofort seine Absichten, indem
er dem lOVI* PR AESidi-ORB IS, dem die Erde beherrschenden
Jupiter, als dem Vorbilde seiner eigenen Alleinherrschaft huldigt ;
das Vertrauen in seine Mission bezeugen die BONA* SPES und das
Bild des BON'EVENTVS, des Erfolges, als Bringer vollendeter
Thatsachen ; ihm hatte er nach dem beispiellosen Gelingen seines
Römerzuges dankbar zu sein, ebenso alle Ursache, wie seinerzeit
der Kaiser Galba, der ähnliche Bilder benützte. Danehen preist
er die FELICITas TEMPORum und SAECVLI FELICITAS, die
er herbeiführen werde, an die Zeiten Trajan's und des Antoniuus
Pius erinnernd, unter denen die Felicitas zuerst auftaucht, und
kriegerische Gottheiten : IVIINERVAVICTRIX, VICTORIA*
(AVG); VICTORIVSTAVG- und VIRTVSAVG; endlich fügt er
den Zuruf bei: I N VI CTO • IMPeratori • TROPAEA, wohl nach
einer Acclamation des Heeres im Kriege gegen Pescennius
Kii;-er.
70
Dr. Friedrich Kenner :
Der Letztere, sein Gegner im Orient, copirt die wichtigsten
Münzen des Severus; man findet von ihm eine Widmung an IOV|-
PRAEsidiORBIS, an BONOEVENTVI, BONAE SPEI, diese
noch verstärkt durch ein zweites Bikl der S P E I • F I R IVI A E , ferner
Münzen auf die FE LI CitasTEMPorum (und SAECVLI); MARTI*
AV6VST0, MINERyaVICTrix, VICTOR IVSTAVG/vIRTVTI-
AVG. Wir sehen darin ein interessantes Beispiel, in welcher Weise
der Praetendent des Orients dem Nebenbuhler, der ihm in der
Besetzug Rom's zuvorgekommen war, mit gleichen, vielmehr mit
noch stärkeren Bildern entgegentrat, um die Gemüther seiner Sol-
daten ebenso für seine Sache zu entflammen, als es seinem Gegner
gelungen sein muss.
Der andere Nebenbuhler des Severus, AI bin us, in Britannien,
war von Ersterem zunächst lahm gelegt w^orden durch die Ernen-
nung zum Caesar, die er angenommen hatte. Er hebt als solcher
noch im Jahre 193 die Providentia und FORTVNA-AVG hervor.
Während des Zweikampfes zwischen Pescennius und Severus
änderte sich aber die Lage, die Caesarmünzen des Albinus aus
den Jahren 194 und 195 laufen der Tendenz des Severus gerade
entgegen, jener zeigt sich immer offener als Parteigänger des Senates,
indem er ausser der FELICITAS- A VG die MINERVA- PA Cl FERA
(entgegen der Minerva victrix des Severus j,, das SAECulum-
FRVG(iferum), also gleichfalls ein Symbol des Friedens und eine
Widmung an ROM AE'AET ERNA E aufnimmt. Im folgenden Jahre
196 erscheinen seine Erstlingsmünzen als Augustus ; sie feiern die
AEQVITAS undCLEMENTIA-AVG, durch welche augenscheinlich
auf die leidenschaftliche Strenge des Severus gegen seine politi-
schen Feinde hingewiesen werden sollte; gleichen Sinn hat gegen-
über der Tücke des Letzteren die FID ES' AVGusti des Albinus.
Andere Bilder scheinen nach jenen des Severus oder doch in
gleichem Sinne gewählt w^orden zu sein^ wie: lOVI'VlCTORI,
MARTiVLTori, SPESAVG und VIRTVTT AVG; der MARS-
PATER ist sicher von Severns entlehnt, wir werden zum Schlüsse
ausführlicher darauf zurückkommen.
Nach dem Abfalle des Albinus ernannte Severus seinen älteren
Sohn Caracalla zum Caesar (196). Letzterer führt sich mit
SECVRITASPFRPETVA und SPEIPERPETVAE ein, insoferne
Programm-Münzen römischer Kaiser. i 1
mit Recht; als durch die Vorausbestimmung der Thronfolge der
Bürgerkrieg; der schon so lange wtithete, geschlossen und die
Sicherheit des öffentlichen Lebens ,.hoflfentlich für immer" gewonnen
schien. Zwei Jahre später (198) zum Mit-Augustus erhoben, preist
er die FIDES PVBLICA und SPES PVBLICA, die IVSTITIA
und MIN ER VA- VI CTR IX, also das öffentliche Vertrauen auf die
von seinem Vater neu geschaffenen Zustäude^ sowie die Hoffnung,
diese mit Hilfe der siegi-eichen Göttin und durch eine gerechte
Regierung zu erhalten. Der ebendamal s zum Caesar ernannte zweite
Sohn des Kaisers, Geta, datirt seine Caesarmünzen, welche die
Felicitas'temporum, Providentia -Deorum, Spes- publica und Spei
perpetuae aufweisen, nicht, so dass seine Erstlinge nicht mit Be-
stimmtheit erkannt werden können. Vielleicht am besten drückt
seine Gesinnung das Bild des CA STÖR aus, dem freilich auf
seines Bruders Münzen das Gegenstück, Pollux, fehlt. Als Augustus
setzt Geta die Abundantia, den Bonus eventus und die Felicitas
auf die ältesten Münzen. Andere Gepräge vom Jahre 211, wie
die Fides exercitus und der Janus weisen wohl ebenso wie
jene Caracalla's mit Fax und Victoria auf den damals siegreich
beendigten Feldzug in Britannien und den wiedergewonnen Frie-
den hin.
Farbloser sind die Münzbilder auf den ersten Münzen des
Kaiser Macrinus: Jupiter, Abundantia, Felicitas und SALVS'
P V B Lica ; sein Sohn Diadumenianus begnügt sich mit der S P E S •
PVBLICA und seiner Darstellung als PRINCeps • IVVENTVTIS,
er wird in der Kriegsrüstung, mit einem, zwei, selbst drei Feld-
zeichen abgebildet. Dagegen bringt Kaiser Elagabalus, der
in Syrien proclamirte und vom Senat anerkannte, vorgebliche
Sohn Caracalla's, neben der Fortuna die Senatsgöttin Roma auf
seinen Erstlingen an. Nach seiner Ermordung wiederholt sich
eine schon öfter beobachtete Erscheinung; der halb gegen seinen
Willen von ihm adoptirte Alexander Severus feiert, wenn auch
nicht so auffällig, als es sonst geschehen war, die Libertas; er
fügt dazu den Jupiter, die B'ortuna, den Sol (auch Alexander
war syrischer Abkunft) und den Mars als Friedenbringer, welcher
des Kaisers Gesinnungen deutlich oflFenl)art. AuffalhMi muss es,
dM^*:^ Elagabalus die Roma, welch«' Ab'XMJidrr ^.v-.nis IiIhwcl'--
72
Dr. Friedrich Kenner:
lässt, 8) als Bild für seine Erstlingsmünzen erkor, während von
ihm, dem Syrer, der er auch in Rom in allen seinen Gewohnheiten
blieb, und von seinem Nachfolger, der alle Rücksichten gegen
Senat und Heer beobachtete, das Gegentheil erwartet werden
konnte. Sehr wahrscheinlich wollte Alexander in keinem Stltcke an
seinen schlimmen Vorgänger erinnern.
Die datirten Mtinzbilder des Maximinus Thrax aus seinem
ersten und den folgenden Regierungsjahren zeigen immer nur den
Kaiser zwischen Feldzeichen in der Kriegsrüstung stehend, wovon
schon oben die Rede war. Die anderen Münzen, die nicht aus-
diücklich datirt, aber durch das Fehlen des Triumphaltitels Ger-
manicus auf die Zeit von 235 bis 236 bestimmbar sind, enthalten
die PAXAVGusti und PROVID ENTIA' A VG"sti; sie sind schon
völlig ohne individuelle Bedeutung; niemand wird geglaubt haben,
dass dieser derbe Kriegsmann, welcher seine Berufung durch das
Heer so deutlich hervorhob, den Frieden bringe, oder dass seine
Providentia sich auf mehr als auf die Interessen seiner Partei allein
erstrecke; augenscheinlich nahm er diese Typen auf, um die An-
hänger des Senates zu beruhigen. Bezeichnender ist es vielleicht,
wenn er nicht bloss im ersten, sondern auch in den folgenden Jahren
die Senatsgöttin Roma von seinen Geprägen verbannt.
x\uch die mit dem Senate gehenden Gegenkaiser des Maximinus
Thrax aus dem Jahre 238 bekennen sofort ihre Parteistellung;
Gordianus I. widmet die Erstlingsmünzn der ROMAE • AETER-
N A E und PROVIDENTIA-AVGG, er bringt ausserdem sein eigenes
Bild, und zwar in der Toga und mit dem Fiiedenszweige in der
Hand vor — ein deutlich sprechendes Seitenstück zu dem Kaiser-
bilde des Maximinus Thrax; — sein Sohn Gordianus IL wieder-
holt die Widmung anROMAEAETERNAE und feiert ebenfalls die
PROVIDENTIA-AVGG und die VI R TVS AVGG. Noch deutlicher
sprechen sich die beiden vom Senat aufgestellten Consulen-Kaiser
Baibin US und Pupienus aus. Ersterer wählt in bezeichnender
Weise eine Widmung an 10 VI CO NSERVATORI, den AMOR
8) Drei Stück in der Münzsammlung des Allerliöehsten Kaiserhauses mit
dem Namen des Alexander Severus, welche auf der Rückseite das Bild der
Eoma tragen, sind mit Benützung von Reversstämpeln des Elagabalns her-
gestellt.
Programm-Münzen römischer Kaiser. 1 ö
MVTVVS, die FIDES und PIETASMVTVA AVGG bei; denu es
handelt sich um Erhaltung der alten Staatsordnung gegen die
Kaiser der Provincialheere, um Abwendung der von ihnen drohen-
den Gefahr von Rom und Italien, für welche das einmilthige Vor-
gehen der Machthaber in Rom Unterpfand und Vorbild war; nicht
minder aufrichtig ist die Betonung der PAX'PVBLICA von ihm
gemeint^ die Fax und der Kaiser selbst, abermals in der Toga mit
dem Friedenszweige, wiederholen sich auf anderen Denaren, die
nur den Titel zur Umschrift haben — ; denn, wie schon bemerkt,
war die Abwendung der Bürgerkriege für Rom ein Bedürfniss,
ebenso wie für die Soldatenkaiser der Krieg. Sein Amtsgenosse
Pupienus betont gleichfalls in allen seinen Münzbildern die Noth-
wendigkeit der Eintracht, als Beispiel für alle Römer und Italiker.
lOVI CONSERVATORI, AMOR • M VTVVS AVGG, CARITAS'
MVTVA'AVGG. waren für seine Zeit beruhigende, Vertrauen
erweckende Enunciationen. Zum ersten und einzigen Male feiert er
ferner die PATRESSENATVS; und zwar mit dem Symbole der
Einmüthigkeit, zwei verschlungenen Händen; endlich stellt er die
PAX'PVBLICA und sich selbst als Friedenbringer in der Toga mit
dem Zweige dar.
Der auf Andringen der Soldaten den beiden Augusti als Caesar
gesellte Gordian US III. feiert als solcher nur die PIETASAVGG;
als alleiniger und selbständiger Princeps (Juli 238) zeigt er sich
als opfernder Priester; im nächsten Jalire wählt er eine lange
Reihe von Bildern, welche auf beide Parteien berechnet und ohne
individuelle Farbe sind. ») Sowie er suchte auch sein Mörder und
Nachfolger Philippus mit beiden Parteien im Frieden zu bleiben,
da seine Bestrebungen auf die Gründung einer neuen Dynastie
gerichtet waren. Seine Erstlingsmünzen zeigen eine neue Erschei-
nung; er setzt auf sie ausser Anspielungen auf den Frieden mit den
Persern nur die FELICITAS und sein eigenes Bild, in der Toga
auf dem curulischen Stuhle sitzend; damit ist die vollständige
Neutralität, die Stellung als Augustus über den Parteien, deutlich
») Z. B. dor Kaiser zu Pferd in der Kriegsrüstung und opfernd im Prie-
stergewande, Pax, Virtus und Victoria, Jupiter und Providentia.
.■^^■^:':
74
Dr. Friedrich Kenner:
ausgesprochen, lo) Sein Sohn Philippus II. bewegt sich durchaus
in den herkömmlichen Bildern. Die Caesarmtinzen seigen ihn als
PRINCIPI-IVVENTVTIS, zwar in der Kriegsrttstung, aber ohne
Feldzeichen^ mit umgekehrtem Sperr und der Weltkugel^ andere
rühmen die SPES- AVGVSTO RVM und SPES PVBLICA; wogegen
er als Augustus genau seinem Vater folgend nur die Felicitas und
sich selbst auf dem curulischen Stuhle sitzend darstellen lässt.
Der Zustand der Ruhe zwischen Senat und Heer dauerte kaum
über die tausendjährige Jubelfeier der Stadt Rom hinaus. Der
Kampf um den Thron brach neuerdings aus, um bald eine Wendung
zu erhalten, welche die Frage um die Nachfolge auf ein ganz ande-
deres Gebiet verlegte, als jenes war, auf der sie sich bisher bewegt
hatte. Waren bisher die Heere der Grenzländer als Vertreter der
Provincialinteressen gegen Rom aufgestanden und ehrgeizigen
Generalen gefolgt, so waren es nunmehr Acte bitterer Nothwehr,
welche sie trieben, demjenigen den Purpur zu bieten, der in seiner
Umsicht und Tapferkeit die Bürgschaft bot, dass die immer heftige-
ren Einfälle der Barbaren abgewiesen w^erden.
Seit der Hälfte des dritten Jahrhunderts mussten diese Kämpfe
auf dem Boden des Reiches selbst geführt werden, nicht mehr
ausserhalb seiner Grenzen, die Provinzen litten unsäglich und es
ist begreiflich, dass unter einer schlaffen Regierung, die keine Hilfe
bot, nicht bloss die Bedrängniss der Grenzländer durch die Feinde
grösser wurde, sondern auch die Selbsthilfe der einzige Ausweg
war. Es bedurfte so harter Zeiten, wie sie unter Gallienus ein-
eintraten, um jene eisernen Charaktere hervorzubringen, welche die
auswärtigen Feinde niederschlugen, aber auch die widerstrebenden
Grenzländer zu einer Einheit zurückzuführen vermochten.
Dass diese gewaltigen Männer aus Illyricum hervorgingen,
darf nicht überraschen. Die pannonische, später il lyrische x\rmee
schien von Anfang an dazu praedestinirt. Seit den Markomannen-
kriegen M. Aureis . in steter Kriegsübung förderte und hütete sie
eine durch den steten Contact mit dem nahen Italien rasch gezeitigte
10) Die Erwähnung ROMAE-AETERNAE auf seinen und auf den Caesai -
münzen seines Sohnes scheint mit dem Millenium der Stadt Rom, welches nahe
bevorstand, zusammenzuhängen.
Programm-Münzen römischtr Kaiser.
^fischciiltiir und war überdies durch die geograpisebe Lage im Vor-
theil gegenüber den Armeen des Rhein- und Euphratlandes. Sie
beherrschte Italien und die Heeresstrassen, welche aus dem Orient
in das Abendland führten, so gut als die oberitalische Ebene und
also die Verbindung der Hauptstadt mit den wichtigsten Reichs-
ländern; sie stand mitten zwischen den grossen Schlachtfeldern
am Po und in Moesien. Die Vortheile dieser Lage setzten sie in deu
Stand, den entscheidenden Schlag in den wichtigsten Fragen von
der Nähe aus zu führen. Insbesondere zeigte sich dies in jener
Epoche, in w^elcher das Reich um sein Dasein kämpfte.
Wie in dieser Zeit nicht mehr um die Autorität des Senates
gefragt wird, sondern nur mehr das Heer bei der Besetzung des
Thrones den Ausschlag gibt, und daher, wie wir gesehen haben,
die Bilder und Umschriften, welche den Rechtstitel angeben, von
den Erstlingsmünzen verschwinden, ebenso verschwinden jetzt die
verschiedenen Schlagworte und Tendenzbilder neuer Kaiser; es
gibt jetzt nur mehr ein Programm, die Defensive des Reiches, und
dem entspricht es, dass aut datirten Erstlingsmünzen das Bild des
Kaisers durchaus in den Vordergrund tritt, und zwar in jener zwei-
fachen Art der Darstellung, wie sie sich in der ersten Hälfte des
dritten Jahrhunderts, während des Kampfes um den Thron heraus-
gebildet hatte. Die eine gibt den Kaiser in der Toga, meist mit der
Kugel oder dem Friedenszweige; es ist jener Typus, welchen
Didius Julianus nach M. AureFs Vorbild gewählt und später dieKaiser
der Senatspartei, die älteren Gordiane, sowie Balbinus, Pupienus und
Philippus aufgenommen hatten. Die ändere Art stellt den Kaiser in
der K r i e g s r ü s t u n g mit der Weltkugel oder dem Speere oder Feld-
zeichen vor; zuerst hatte sich Maximiniis Thrax auf seinen datirten
Erstlingsmünzen in dieser Weise darstellen lassen; der Nachdruck
liegt in diesem Bilde auf der militärischen Stellung des Kaisers.
Anfänglich mag die Wahl des einen oder andern Bildes noch eine
bestimmte Tendenz oder vielmehr eine Reminiscenz der früheren
l'arteistellung verrathen haben, doch findet man beide Arten ver-
einigt schon unter Gallienus, Tetricus (I) und Claudius; je näher
die absolute Monarchie ihrem Abschlüsse kommt, um so mehr ver-
lieren beide Arten ihren älteren Sinn, eine Parteistellung zum Aus-
druck zu bringen, und gewinnen eine neue Function, den Kaiser in
76
Dr. Friedrich Kenner:
seiner Vollgewalt, sowohl als obersten Kriegsherrn^ als auch als
obersten Kichter und Verwalter des Reiches darzustellew. Daher
verbindet sich die Togafigur des Kaisers seit Diocletian zumeist
mit der Angabe des Consulates.
Eine andere Erscheinung in dieser Epoche ist die Abnahme
datirter Münzen. Nur wenige mehr sind es, welche durch Angabe
der Aemterzahlen ausgezeichnet werden. Sie sind ohne Zweifel
schon durch diesen Umstand als die wichtigeren von der grossen
Menge undatirter herausgehoben, in der That lässt sich nur auf
ihnen die eben besprochene Erscheinung, das Hervortreten des
Kaiserbildes_, beobachten. Damit verändert sich auch der Stand-
punkt, den wir biser eingenommen haben; wir werden nunmehr alb
Münzen ohne Aemterzahlen übergehen, auch w^enn sie indirect auf
das erste Jahr datirbar sind, d. h. wenn der betreffende Kaiser nur
eine kurze Zeit, wenige Wochen oder Monate regiert hat. Umgekehrt
werden wir nicht bloss die datirten Münzen des ersten, sondern
auch aller folgenden Regierungsjahre eines Kaisers in den Kreis
unserer Betrachtung ziehen, weil sich nur so herausstellen wird,
dass die Erscheinungen an den Erstlingen nicht auf Zufall, sondern
auf Absicht beruhen ; denn die Behelfe früherer Zeiten, eine gewisse
Mannigfaltigkeit von Anspielungen auf die Zeitverhältnisse, die für
ein erstes Regierungsjahr charakteristisch sind, gibt es in der
Epoche, von der nun die Rede sein wird^ nicht mehr. Endlich wer-
den von Aurelianus ab, da der Unterschied des kaiserlichen und
senatorischen Geldes wegfällt, auch die Kupfermünzen heran-
gezogen.
Die Götterfiguren und iVllegorien werden nun auf den datirte
Münzen immer seltener; Felicitas und Mars propugnator erscheine
anfänglich noch; später treten sie zurück so gut als Jupiter^
Apollo, Neptun^ welche mehr um persönlicher Beziehungen de
Kaiser willen, als wegen ihres idealen Gehaltes angewendet wer-
den. Vereinzelt taucht einmal die Fides militum und Abnndantia
auf. Um so reichlicher zeigen sie sich auf den undatirten Münzen \
auf diesen trifft man sie in buntester Mischung, welche erkenne
lässt, dass die Anspielungen kriegerischen oder friedlichen Sinne
sowie die Hinweise auf die Stadt Rom und das Heer keineswe
mehr im Parteisinne zu nehmen sei, sondern nur mehr als Ausdruc
1
Programm -Münzen römischer Kaii.er. 77
allgemeiner den Staat betreffender Wünsche ; ja es ist nicht aus-
geschlossen, dass der wichtigste Grund, sie in so reicher Auswahl
anzuwenden, vielleicht nur mehr ein rein äusserlicher, inUuztech-
niseher war: die Kennzeichnung bestimmter Emissionen und Serien
derselben.
Ein kurzer Uebergang der älteren in die neue Zeit stellt sich
in den Münzen der Kaiserzwischen 248 und 253 dar. Pacatianus,
der in der Angabe des Rechtstitels noch der älteren Uebung folgt,
feiert wie Philippus die FELI CITAS" PVBLICA, überdies die PAX
AETERNA, dagegen Decius, der Nachfolger des Philippus, be-
zeichnet scharf den Umschwung der Dinge, indem er den GENIVS
ILLYRICh GENIVSEXERCITVSILLYRICIANI und die beiden
PANNONIAE (superior und inferior) hervorhebt ; 1 1) ähnlich verhält
sich der Caesar He renn i US, welcher neben die herkömmlichen
Gepräge : P R I N Cipi • I VV E N Tutis (als solcher ähnlich wie Philip-
pus II. dargestellt) und S PES' PVB LI CA ebenfalls den GENIVS-
EXERCITVSILLYRICIANI, die PANNONIAE und eine Widmung
an MARTI-PROPVGNATORI stellt. 1 3) Letztere wiederholt er als
Augustus. Hostilianus, der andere Caesar, hat nur die PAN-
NONIAE; auch die Widmung an MA RTI PROPVGNATORI
wiederholt er, abgesehen von den für Caesarmünzen herkömm-
lichen Geprägen. Seine Augustusmünzen führen Aequitas und
MARTI-PROPVGNATORI auf, welch letztere Darstellung aus
den Zeitverhältnissen erklärt werden muss; Mars propugnator
wurde als (^ott der Defensive, als Vorkämpfer gegen die Gennanen-
»ij Diese Münzen gehören in die Jahre 249 oder 250, da die gleichen
Typen auch auf den Caesarraünzen des Herennius vorkommen, die vor 251
geschhigen sind. Nach dem Beispiel, welclies Galba gegeben, indem er die ihn
auf den Thron rufenden Provinzen auf seinen Erstlingen anbraciite, und nach
so vielen anderen Praecedenzfälien ist kein Zweifel, dass auch die vorliegen-
den Gepräge dem ersten Kegierungsjahre 249, nicht dem zweiten, angehören.
Die übrigen Münzbilder des Decius dürften schwer auf seine einzelnen liogie-
rungsjalire zu bestimmen sein.
«2; Herennius ist der einzige leibliciie 8ohn und Caesar, der «lie CON-
COROIA-AVGG auf seine Erstlin^^smünzcn setzt, augonsciieinlich feiert er
damit nicht die Uebertragung der Caesarwürde, sondern seine beiden Aeltern
Philippus und Otacilia, die ja gewöhnlich mit dieser Umschrift zusammen ab-
gebildet wurden. Das Gleiche gilt von Hostilianus.
Zl- '-."E^
78
Dr. Friedrich Kenner:
Stämme, mit ßecht gerade von den genannten Kaisern ange-
rufen.
Trebonianus Gallus setzt auf eine Münze des Jahres 254
(TR-PIIII) die Felicitas; mit Volusianus beginnen die Kaiser-
bilder. Er hat .in demselben Jahre (254) neben der Felicitas das
Bild des Kaisers in der Toga mit dem Friedenszweige. Aenülia-
nus lässt sich in der KriegrUstung abbilden, indem er ein Opfer
feiert. Valerianus wird wieder durchaus in der Toga dargestellt,
bald ofernd, bald sitzend mit der Weltkugel ; auch Jupiter und
Mars finden sich auf seinen datirten Münzen. Ebenso bringt Gal-
lien us verschiedene Götterfiguren an; i^'j seine Kaiserbilder zeigen
ihn ])ald in der Toga, opfernd oder mit der Weltkugel, bald in der
Rüstung zwischen Flussgöttern stehend (J. 259). Postumus ge-
braucht im Jahre 258 ein älteres, treffendes Symbol der Stärke und
Herrschaft, den schreitenden mit Strahlen bekränzten Löwen, der
den Donnerkeil im Rachen trägt; im folgenden Jahre lässt er sich
in der Kriegsrüstung, den Helm auf dem Haupte und die Weltkugel
in der Hand oder von Victoria bekränzt darstellen; daneben er-
scheint Mars und — im Jahre 267 — häufig die Victoria. Die mit
COS 11 datirten Münzen des Victorin us geben dem vollgerUsteten
Kaiser ein Tropaeum in die Hand, während Claudius H. wieder
beide Arten der Kaiserbilder vereinigt; er erscheint im Jahre 269
bald in der Kriegsrüstung mit der Kugel, bald in der Toga mit dem
Zweige; als genisteter Imperator mit der Kugel wird auch Quin-
tillus im Jahre 270 da,rgestellt.
Eine Ausnahme macht Aurelianus, sei es dass bis jetzt die
entsprechenden Kaiserbilder von ihm noch nicht gefunden wurden
oder dass er in derThat dieselben absichtlich abgelehnt hat, obwohl
sie damals schon gebräuchlich waren. Seine ältesten datirten Münzen
mit COS -(270— 272) zeigen den mit Strahlen bekränzten Löwen
mit dem Blitz im Rachen, den sitzenden Apollo und den Neptunus;
im Jahre 275 fügt er den Mars mit dem Tropaeum bei.
T e t r i c u s (L) wendet dagegen im Jahre 268 sowohl das Bild
des Kaisers in der Toga mit dem Zweige als in der Rüstung mit
der Kugel an; das Letztere finden wir auch im Jahre 269; im
13) So Jupiter, Mars,|Neptim, Roma, Serapis, Sol, Virtus.
Programm-Münzen römischer Kaiser. 79
folgenden zeigt sieb die auf ein Feldzeichen gestutzte Fides militum.
Auf den Münzen des Tacitus (275) treffen wir ebenso vereinzelt
die Abundantia neben dem Kaiserbilde in der Kriegsrlistung. Der
gewaltige Probus macht zum ersten Male Abänderungen in der
Darstellung. Er erscheint im Jahre 277, wie Maximiuus Thrax auf
seinen Münzen als gerüsteter Krieger zwischen Feldzeichen; auf
anderen Münzen desselben und der folgenden Jahre sehen wir ihn
im Triumph algespann als den glücklichen Vollbringer der Ab-
wehr der Feinde und der Einigung des Reiches. Im Jahre 278
endlich treten der Sol als CONSERVATor- AVG und die Virtus
nebst einer Widmung HERCVLIPACIFERO dazu. Wie Probus
lässt sich Carinii s als Caesar (282 auf 283) mit der Aufschrift
PRINCIPIIVVENTVTIS in der Rüstung zwischen vier Feld-
zeichen abbilden, auf anderen Münzen mit gleicher Umschrift wird
er neben seinem Vater im Viergespann, wieder auf anderen mit der
Umschrift VI RTVS- AVG 6 neben Vater und Bruder gleichfalls im
Viergespanne vorgestellt. Als Augustus erscheint er ähnlich, aber
mit dem. Zweige.
Die letzten Aenderungen finden wir von Diocletian ab. Er
wird als CONSVL IUI, V, VIII (P P PROCONSVL) in der Toga
mit der Erdkugel, auf anderen Münzen mit COS -111 (und 1111) in der
Kriegsrüstung zu Pferde, die Rechte grüssend erhoben, abge-
bildet. Herculeus zeigt sich im ersten Jahre (286) als gerüsteter
Kriegerzwischen vier Feldzeichen, im nächsten Jahre 287 (COS),
sowie in den Jahren 295, 297 (COS'V) und 305 (COS* VII) in der
Toga mit der Kugel, im Jahre 290 ebenfalls in der Toga, sitzend
und von Victoria bekränzt, endlich im Jahre 288 (COS* II) als Feld-
herr zu Pferde. Consta ntius Chlor us erscheint auf den Caosar-
mtinzen mit PRINCIPIVVENTVTIS(J. 292) in der KriegsrUstung
bald zwischen zwei Feldzeichen, bald mit der Wehkugel ; Gleiches
gilt von Galerius, als er Caesar wurde (J. 292). Aehnlich sind die
Kaiscrbilder des Maxentius, Licinius (I.) und Constantiu
des Grossen; auch sie erscheinen als Consulen in der Toga,
stehend und mit der Weltkugel, Letzterer auch auf dem curulischeu
»Stuhle sitzend; in der Umschrift wird entweder der Consulat oder
der FELIX PROCESSVSCONSVLÄRISAVGNostri «Hier der
Kaiser .ils CON SE RV ATOR V R B IS S V A E bczricbuet. Letztere
'^n: »:^^*rr^'% -a
80
Dr. Friedrich Kenner:
Umschrift wird übrigens auch mit dem Bilde der Roma ver-
bunden.
Wer die im vorhergehenden Abschnitte betrachteten Fälle
vergleicht, wird, wie ich hoffe, nicht erst des Beweises bedürfen,
dass die Umschriften und bildlichen Darstellungen auf den Erstlings-
münzen römischer Kaiser und Caesaren in der That neben dem
Eechtstitel ihre Anschauungen über die Aufgabe, die sie zu voll-
ziehen hatten, und die Richtung, in der dies geschehen soll, wieder-
geben. Sie sind im ersten und zweiten Jahrhundert individuell, im
dritten vom Geiste der Parteistellung in der Thronfrage beeintiusst;
sie betreffen in den unruhigen Zeiten der Erschütterungen des Staates
die brennenden Tagesfragen, in welchen sich das BedUrfniss des-
selben oder auch nur einer Partei auf gewisse Ziele concentrirt, wäh-
rend in den Epochen ruhigen geordneten Lebens die Erhaltung dieses
Zustande« für die Gesammtheit des Reiches und für die Gesammtheit
der öffentlichen Interessen in den Vordergrund tritt. In den Zeit-
lag6n erster Art treten sie schärfer und fasslicher, weil auf be-
stimmte Punkte beschränkt, hervor, in jenen der letzten Art, wie
unter Trajan, Hadrian, Antoninus Pius verschwimmen sie mit dem
allgemeinen Ideale des Staatslebens. Da die verschiedenen Zeit-
läufte eigenartige Signaturen haben, sind auch die gebrauchten
Bilder verschieden. Nur wenige, wie Aequitas Aug., Fortuna Aug.,
später die Felicitas sind häufig und fast durchgehend wiederholt
worden. Zumeist bringen einzelne Kaiser, in deren Regierung eine
bestimmte Ansicht oder ^Zeitrichtung voll zum Ausdrucke kommt,
neue Typen auf, wie Vespasian, Trajan, Antoninus Pius, M. Aurel^
Septimius Severus, die Senatskaiser des Jahres 238, Philipp L,
Decius, Volusian, Probus und Diocletian. Nicht bloss gleichzeitig
auftretende Nebenbuhler im Thronstreit copiren sich, sondern mit
Absicht werden aus älterer Zeit gewisse Typen in jüngerer Zeit
wiederholt, sei es wegen der Analogie der Lage des Reiches, oder
mit dem Anspruch eine in den Erinnerungen des Volkes zum
Ideale glücklicher Zeiten gewordene Epoche des Ruhmes und der
Zufriedenheit wieder herbeiführen zu wollen (hierin spielen Erinne-
rungen an Trajan und Antoninus Pius, namentlich aber das Andenken
an M. Aurel eine grosse Rolle) oder endlich weil unter gegebenen
I
Programm-Münzen römischer Kaiser. ^
Verhältnissen die Beobachtung der vom Vorgänger eingeschlagenen
Richtung das einzig Mögliche war. Insbesondere gilt dies von der
zweiten Hafte des dritten Jahrhunderts, als der Ernst der Lage, der
Kampf um's Dasein allen Streit im Innern schloss und einer nüch-
ternen Anschauung Bahn brach, die in der Alleinherrschaft eines
tapferen und entschlossenen Feldherrn, woher er kommen mochte,
die einzige Rettung fand.
III.
Zum Schlüsse möge es gestattet sein, noch auf eine eigen-
thtimliche Art von Programm -Münzen hinzudeuten, welche nicht die
Tendenz der Regierung, sondern die Tendenz der Hauspolitik
einzelner Kaiser betrifft. Schon Vespasian hat, wie ich vorhin er-
wähnte, um der Wiederkehr von Bürgerkriegen im Falle der
Erledigung eines Thrones vorzubeugen, versucht, durch Begründung
einer neuen Dynastie die Thronfolge zu regeln. Denselben Zweck
verfolgten im zweiten Jahrhundert die Adoptionen, durch welche
noch bei Lebzeiten des regierenden Kaisers die Thronfolge be-
stimmt wurde,
Aehnliche Versuche gab es auch im dritten Jahrhunderte ; ent-
weder im Wege der Adoption, wie z. B. Elagabalus den Alexander
Severus an Sohnes Statt annahm, oder wenn leibliche Söhne vor-
handen waren, auf dem Wege der Ernennung derselben zum
Caesar, sollte die Thronfolge gesichert werden. Auf der Münze
erscheint in der Regel diese Verfügung erst ausgedrückt, wenn sie
bereits eine vollzogene Thatsache war, theils durch die Caesar-
münzen, theis durch Familienbildnisse, indem die Porträte des
Kaisers, der Kaiserin und des Caesars oder der Caesaren auf
Vorder- und Rückseite dargestellt wurden, wie wir dergleichen
von den beiden Philippi und Otacilia oder von Decius und seiner
Familie haben. Kaiser Philippus und Decius, sowie früher Macrinus
und Maximinus, später Valerianus ernannten ihre Söhne sofort, als
sie den Thron bestiegen, zu Caesaren, respective zu Mitkaiseru ;
es bedurfte keiner weiteren Vorbereitungen, sie hatten im Augen-
blicke der Proclamation keine Gegner.
Anders war es bei Septimius Severus, er befand sich in dieser
Hinsicht in einer viel schwierigeren Lage. Er stand am Beginne
82
Dr. Friedrich Kenner:
des grossen inneren Kampfes zwischen den verschiedenen Militär-
parteien und dem Senate, er hatte mehr als einen Prätendenten
gegen sich und überdies war seit Vespasian kein Versuch gemacht
worden, eine neue Dynastie zu begründen; die Nachfolge war, mit
einziger Ausnahme des Commodus, stets durch Adoption erfolgt.
Hier bedurfte es also Vorbereitungen von längerer Hand und es
macht eine Gruppe von Münzen des Septimius Severus eben so
interessant, dass wir auf ihnen diese Vorbereitungen angezeigt
finden; wir gewinnen einen Einblick, wie nicht bloss für die
Kegierungstendenz, sondern auch für die Hauspolitik die Münz-
bilder zu Enunciationen benützt worden sind.
Als Septimius Severus in dem Jahre 194 auf 195 den mächti-
gen Nebenbuhler Pescennius Niger im Oriente besiegt und dadurch
seine Macht bedeutend gestärkt hatte, trat er offen mit dem Plane,
eine Dynastie zu begründen hervor. Mehrere Münzen der Jahre
195 und 196 enthalten eine nur in diesen beiden Jahren auftretende
Neuerung im Titel, und zwar an einer auffallenden Stelle, am
Anfang der Inschrift der Rückseite, wofür die Erstlingsmünzen des
Kaisers Hadrian massgebend gewesen sein mögen; auf der Vorder-
seite steht L -Septimius- Severus -Pertinax-Aug-Imp- VII, die Fort-
setzung der Titel folgt auf der Rückseite und beginnt da mit : D I V I *
M AR Cl -PI r Filius pmtrpllircosll. Der Kaiser nennt sich
also einen Sohn des vergötterten, d. h. verstorbenen Marcus Pius,
d. i. M. Aurel, der gleichwohl schon 15 Jahre todt war. Es ist dies
jene fictive Adoption, welche so vielen Spott bei seinen Zeitgenossen
in Rom hervorrief; <*) allein Severus wusste, was er damit wollte.
Sowohl das Volk, als auch die Armee hing noch immer mit abgötti-
scher Verehrung an dem Andenken des vorzüglichen und sieg-
reichen M. Aurel; mit dem Namen der Antonine — so hiess letzte-
rer nach seinem Adoptivvater Antoninus Pius — verband sich
bleibend die Vorstellung „der guten alten Zeit". Aus der Pietät
des Volkes für die Erinnerung an die Antonine suchte nun Severus
Capital für seine eigenen Zwecke zu schlagen, um das Praestigium,
1*) Ein Witzbold bemerkte damals mit Rücksicht auf die Herkunft des
Kaisers — der einer unbekannten Familie in Afrika entsprossen war — zu
dieser Nachricht : Ich gratulire dem Severus, dass er nun doch einen Vater
gefunden hat.
cr-iVTT V
Pro-ramra-Münzeii römischer Kaiser. ö*5
welches das Andeukoü derselben umgab, seinem Hause zuzuwen-
den. Daher trat er nun, da er glorreicher Sieger über die Heeres-
partei im Orient geworden war, plötzlich aus dem Geheimniss seiner
Abkunft mit der Aussage hervor, M. Aurel habe ihn adoptirt; er
traf damit die Gemüther des gemeinen Mannes und des Soldaten im
Innersten, indem sie darin zum mindesten die Absicht des Kaisers
erkannten, dass er nun die gute alte Zeit M. Aurel's und des
Antoniniis Pius wieder zurückführen wolle.
Die Münztypen, welche mit jener Bezeichnung Divi • Marci * Pii
Filius verbunden werden, führen den Gedanken näher aus, welchen
Severus zu manifestiren wünschte. Noch im Jahre 195 tritt ein
Medaillon auf, welches die Adoption anzeigt und mit ihr den jugend-
lichen Mars verbindet. Im nächsten Jahre 196 treten noch mehrere
Münzen hinzu, auch des gewöhnlichen Courantes, von denen nur
eine in Gold ausgebracht wurde. Diese eine zeigt abermals den
Ivriegsgott Mars, also offenbar war es dieser Gott, welchem Severus
<lie erste Stelle anwies ; die anderen Münzen — Denare — zeigen
ilen Jupiter Victor mit der Siegesgöttin, ferner die Felicitas und den
Kaiser von der Virtus bekränzt. Der Sinn ist klar; der Adoptivsohn
des M. Aurel ist als Schützling des Mars und durch seine Tapfer-
keit wie durch sein Kriegsglück oder durch das Gelingen seiner
Unternehmungen der unbesiegte Herr des Weltalls, der irdische
Jupiter Victor, er ist also ein würdiger Erbe der Traditionen seines
vorgeblichen Adoptivvaters ; sein eigener, blutig erworbener Kriegs-
ruhm wird durch die Adoption an die Traditionen einer glänzenden
Vergangenheit geknüpft und erhält in den Augen des Volkes und
der Armee die Weihe einer grossen historischen Tradition.
Dies aber thut der Kaiser aus keinem anderen Grunde, als um all'
diesen Glanz und Ruhm auf seinen älteren Sohn Caracalla zu über-
tragen, indem er ihn in eben jenem Jahre 196 zum Caesar ernennt
und ihm zugleich den bedeutsamen Namen Antoninus beilegt. So-
fort nachdem dies geschehen, verschwindet der Hinweis auf jene
fingirte Adoption wieder von den Münzen. Es ist also klar, dass
Severus seine Adoption durch M. Aurel erfand, um seine eigene
obscure Herkunft mit dem Glänze eines ausgestorbenen Hauses zu
verhüllen und für seinen Sohn, bevor er ihn zum Caesar ernannte,
beim Volke, insbesondere aber bei den Soldaten, Stimmung zu machen.
6*
84
Dr. Friedrich Kenner:
Neben den Münzen, welche die Adoption durch M. Aurel an-
zeigen, gehen andere einher: Denare, Asstiicke und ein Bronce-
medaillon, gleichfalls im Jahre 195 nach Niederwerfung des Pes-
cennius Niger geschlagen und ebenso vereinzelt auftauchend, wie
jene mit dem Titel Divi • M ■ Pii • filius. Es sind dies Münzen, welche
den schreitenden Mars mit der Umschrift MARS* PATER zeigen,
eine Bezeichnung, die früher und später nicht vorkommt, nach dem
Jahre 195 auch auf Münzen des Severus nicht; erst unter Constan-
tin dem Grossen taucht der Mars Pater wieder auf. Es muss also
eine besondere Bewandtniss haben, wenn Severus gerade diesen
Mars auf seine Münzen setzte.
Den Feinamen Pater führt Mars als Vater des Romulus und
Remus; indem diese die Gründer Roms wurden, ist Mars der väter-
liche Schutzgott des römischen Staates. Diesen Gedanken auf Sep-
timius Severus und seine beiden Söhne Caracalla und Geta zu über-
tragen, dazu zwingt uns geradezu die Vorderseite des hiehergehöri-
gen Medaillons; sie zeigt den Severus als Mars mit Schild und
Speer. Dadurch wird der Zusammenhang deutlich. Neben den
mythischen Mars tritt Severus als der erklärte Liebling und Sohn
des Kriegsgottes, als sein irdisches Abbild, als irdischer Mars.
Neben die mythischen Marssölme Romulus und Remus treten ferner
die historischen Söhne des Kaisers Caracalla und Geta. Wie jene,
d. i. Romulus und Remus die mythischen Gründer Roms waren, so
sollten die Söhne des Kaisers Neugründer des römischen Staates
werden, sie sind die Erben des Kriegsruhraes ihres Vaters und
seiner Reichthümer, sie werden das Reich M. Aurel's wieder her-
stellen, unter ihnen als Kindern des irdischen Mars wird eine ruhm-
und erfolgreiche Zukunft auch allen Armeen winken. Das ist eine
beredte Aufforderung des Kaisers an seine Soldaten, in Zukunft
ebenso seinen Söhnen, wie ihm selbst ergeben zu sein. Wie sie seine,
des Severus, Proclamation nicht zu bereuen hatten, da er sie von
Sieg zu Sieg geführt, so werden sie es auch nicht zu bereuen haben,
wenn sie seinem Hause, d. h. seinen Söhnen, zunächst dem Cara-
calla als dem neuen Caesar, dem zukünftigen zweiten Romulus, treu
bleiben; sie werden dann all' den Glanz theilen, den die fort-
dauernde, von Mars Pater verbürgte Sieghaftigkeit der Kaisersöhne
über das neue Rom der Zukunft bringen wird.
Programm-Münzen römischer Kaiser.
85
Es ist keiu Zweifel; auch mit diesen Mars-Patennlliizeu empfiehlt
Septimius Severus seine Söhne der Armee.
Augenscheinlich aber haben die Gepräge auf die Adoption und
jene mit Mars Pater noch eine andere Absicht. Sie sind ausgegeben
gerade zur Zeit, als der Kriegszug gegen Albinus, den Neben-
buhler des Severus im Abendlande, gerüstet wurde. Dieser gehörte
einer alten römischen Adelsfamilie an, er hatte dadurch in den
Augen der Römer einen unleugbaren Vorzug vor dem Parvenü
Severus, dessen Familie kaum in der Provinz recht bekannt war.
Letzterer sucht diesen Makel seiner Herkunft durch die Adoption,
die er vorgab, in den Augen der Römer zu verdecken. Ueberdies
fordert er damit das Heer auf, in dem bevorstehenden Kampfe an
die Sache des Severus zu glauben, ihr treu zu bleiben. Denn er,
nicht Albinus, sei der wahre Liebling des Mars; er, nicht Albinus,
sei von M. Aurel der Adoption gewürdigt worden, er, nicht Albinus,
habe zwei Söhne, welche, wenn sie ihm nachfolgen werden, in
gleicherweise die Armee in Ehren halten werden; sein Haus,
nicht das des Albinus, sei vorherbestimmt, zu regieren und nur,
wenn die Soldaten mit voller Tapferkeit für Severus einstünden,
sicherten sie auch zugleich ihre eigene Zukunft.
Wir können uns zwar vorstellen, dass diese Aufforderung an
die Soldaten von Seite derselben eine begeisterte Aufnahme gefun-
den, dass Severus damit eine grosse Wirkung erzielt habe. Aber
auch einen vollgiltigeu Beweis hiefür haben wir in dem Umstände,
dass Albinus das Vorgehen des Severus sofort nachahmte; auch er
setzt das bisher ungewöhnliche Bild des Mars Pater auf seiny Erst-
lingsmünzen als Augustus; auch er will damit seine Soldaten ge-
winnen.
Allein Mars Pater blieb in der That der Sache des Severus
getreu; in einer überaus blutigen Schlacht entschied sich Mars
für Severus und seine Söhne. Wir können uns wohl ausmalen,
welche grosse moralische Wirkung dieser Sieg auf die Truppen
ausübte, nachdem die so zuversichtliche Agitation, die dieser vor-
her ins Werk gesetzt hatte, so ghänzend erprobt worden war. Nun
war Severus in der That der Jupiter praeses orbis und Jupiter
Victor und der neue Mars Pater des römischen Staates, die er auf
seine Münzen gesetzt hatte. Niemand auf dem weiten Boden des
^
86
Dr. Friedrich Kenner: Programm-Münzen römischer Kaiser.
Reiches machte ihm und seiner Armee den Primat, seinen Söhnen
die Nachfolge streitig. Schon im folgenden Jahre 198 ernannte er
den Caesar Caracalla zum Augustus, den Geta zum Caesar. Der
neue Romulus und der neue Remus traten auf den Schauplatz der
Geschichte, um von all* den Erwartungen, die der Vater hegte,
nichts zu erfüllen. Nur in einem Punkte wurde der Vergleich mit
den Marssöhnen in grauenhafter Weise wahr. Wie Romulus den
Remus erschlug, so tödtete Caracalla den Geta in den Armen seiner
Mutter, zu der er geflüchtet war. Der Brudermörder irrte scheu von
einem Standlager zum andern. Als er im Oriente im Feldlager
starb, ward die Dynastie des Severus, auf deren Gründung er so viel
verwendet hatte, noch einmal und abermals durch eine Fiction er-
neuert in Elagabalus, dem angeblichen Sohne Caracalla's, mit dem
sie unter Schande und Spott in's Grab sank.
'^-^^•o-
III.
Einige Babenberger Münzen
in der
Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses.
Von
Carl Domanig.
(Hiozii Tafel VII.)
Obwohl Mader und Luschin^ die beiden ausgezeichnetsten
Kenner des österreichischen Münzwesens im Mittelalter^ der An-
sicht sind, dass uns „bisher kein Denkmal des von den Babenberger
Markgrafen oder Herzogen wirklich ausgeübten Münzrechtes" vor-
liege, i) und dass ,,die als Babenberger bezeichneten Pfenninge
einer späteren Periode angehören, ^^ 2) so glaube ich nun doch einige
in der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses befindliche
Stücke mit aller Sicherheit den Babenbergern zuweisen zu dürfen.
Ich hatte dieselben, zum Theile in Uebereinstimmung mit der
so beachtenswerthen Tradition des kaiserlichen Cabinetcs, fllr
1) Mader Jos. Kritische Beyträge zur Münzkunde des Mittelalters II.
(1806) S. 38.
2) Prof. Luschin von Ebengreuth noch im VI. VII. Bd. der Numisiu.
Zeitschr. (1876) S. 59. — lieber die Schwierigkeiten, die »ich der Ciassitication
der österreichischen Münzen des Mittelalters entgegenstellen vergl. u. A.
V. Raimann im V. Bde. der Wr. Numism. Monatsh. S. 73 ffg. Dersi'lbo über di«
Existenz von Babenberger Prägen, Niunisni. Zeitschr. XIII, S, \i\ ffg.
88
C. Domanig: Einige Babenberger Münzen
babenbergisch gehalten, noch bevor mir der Aufsatz Max Donebauer's
im XIV. Bande der Numismatischen Zeitschrift (S. 27 ffg.) bekannt
war; Gründe verschiedenster Art hatten mich zu dieser Ansicht
geführt, ohne dass ich es jedoch gewagt hätte, derselben Ausdruck
zu geben. Nun theilt uns Donebauer unter dem „fremden Bei-
gemenge" des Mitkowitzer Fundes zwei unbekannte Prägen mit
(a. a. 0. Tab. n. c. u. d., S. 51 fg.), welche sich als blosse Vari-
anten eines Pfenninges darstellen, den ich unter den vermeinten
Babenbergern als „Leitmünze" 3) behandelte; und das Wiederfinden
desselben im Funde von Mitkowitz war mir von entscheidender
Beweiskraft.
In diesem Funde kommen nämlich unter mehr als 4000 Pfen-
ningen, welche 26 verschiedenen Arten angehören, nur 5 Stück
ausserbrjhmische vor, ein Zeichen, dass der Handel in der Gegend
des Fundortes wenig ausgedehnt war, und ein Wink, dass wir die
Heimat jener Fremdlinge nicht in weiter Ferne, sondern am besten
in Oesterreich suchen, mit welchem Böhmen schon zu Beginn des
Xni. Jahrhunderts in regen Handelsbeziehungen stand.*) Umsomehr
gilt dies hinsichtlich jener beiden Stücke c und d, weil sie früher
schon— von irgend Jemandem — aus völlig anderen Gründen für öster-
reichisch gehalten wurden und, so weit ich sehe, den gleichzeitigen
Prägen anderer benachbarten Länder überhaupt nicht angereiht
werden können. Schien mir auf diese Weise der Ort ihrer Prägung
nahezu sichergestellt, so konnte über ihre Eutstehungszeit noch
weniger ein Zweifel obwalten; denn da der Mitkowitzer Fund,
welcher böhmische Münzen von Friedrich (f 1189) bis Pfemysl
Ottokar I. (f 1230), und zwar von letzterem über 90 Percent ent-
hält, zweifelsohne unter der Regierung dieses Königes vergraben
wurde s), so hatte ich es in den genannten zwei Stücken, und dem-
nach auch in meiner Leitmünze, aller Wahrscheinlichkeit nach mit
Prägen des gleichzeitig regierenden Herzogs Leopold des Glor-
reichen (1198 — 1230), möglicherweise mit solchen eines seiner
nächsten Vorgängers zu thun. —
3) Siehe unten Nr. 1.
*) Kurz, Fr. Oesterreichs Hiindel in cälteren Zeiten, S. 15, 44, 328 u. ö.
5) Nach Smolili und Donebauer (1. c. S. 50) etwa um 1205/6.
in der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses.
89
Ich gehe nunmehr zur Beschreibung meiner vermeinten Baben-
berger über und werde dabei die zahlreichen übrigen Gründe, die
mir diesen ihren Charakter verbürgen, berühren. Alles Gewicht
lege ich auf die Gat t u ng s gleich he it der hier besprochenen
Prägen, welche wohl schon nach der beigegebenen Abbildung
(Tafel VlI), umsomehr bei Autopsie der Originale nicht zweifelhaft
ist; an der Hand unserer Leitmünze werden wir einer jüngeren, vor-
geschritteneren Art begegnen und mittelst dieser zu anerkannten,
legendarisch verbürgten österreichischen Münzen gelangen. —
Deutlich unterscheiden wir zwei, einer und derselben Münz-
stätte entstammende Arten.
Erste Art.
Nr. 1. Zwei kaum verschiedene Stücke.
Av. Nach links trabender Reiter mit Fahne, von einem
Punkte begleitet.
Rev. Vier um fünf Punkte gestellte Halbkreise, welche, von
Punkten begleitet, unkenntliche Bilder umschliesseu
(siehe Nr. 2).
Gewicht: 0-91 und 1-01 Gr.
Nr. 2. Ein Stück.
Einseitige Münze.
Vier um fünf Punkte gestellte, von Punkten begleitete
Halbkreise, welche je einen Kopf uraschliessen.
Gewicht 0-93 Gr.
Mit Vierschlag. «)
Vier Köpfe in die Winkel eines Kreuzes gestellt begeg-
nen uns auf einem Denar von LUttich aus der Zeit
Bischof Heinrich I. (1075—1091). Danneberg bat die
«) Ueber den \ ici«rlilH{^ (Quadiaiiim aupercusiirnj „als etwas allen'* (?)
„österreichischen Münzen Eigonthümliches" vergl. Lusehin, Niimiem. Zeitschr.
Bd. VI., VU. S. 60 ffff.
..res i-:CV^'^S2-5
y'-' C. Domanig: Einige Babenterger Münzen
Münze abgebildet (Deutsche Münzen^ Taf. IX. 208) und
nennt die Darstellung „höchst merkwürdig und ein-
zig." Aber im höheren Mittelalter begegnet uns dieselbe
in Bayern häufig (vergl. Obermayr, Bayrische Mün-
zen, Taf. ir. 19. Taf. III. 44, 45 und ähnlich öfter)
und einmal auch in Ungarn (Rupp, Taf. VII. 179;
ähnlich 181). ')
Nr. 3. Zwei Stücke von unwesentlicher Verschiedenheit.
Av. wie Nr. 1.
Rev. wie Nr. 2.
Gewicht: 0.47 und 0-51 Gr.
Hälblinge zu Nr. 1.
Auf einem Exemplar der Vierschlag.
Nr. 4. Ein Stück, wenig verschieden von Nr. 3, doch namhaft
grösser und schwerer: 0*65 Gr.; auch scheint die
Zeichnung feiner (wenn das nicht Folge der Abnützung).
Hälbling zu Nr. 1, der (ebenso wie Nr. 3?) durch blosses
Beschneiden eines Exemplares jener Art gewonnen
wurde.
Dieses Stück nun ist es, welches an Grösse, Fabrik und
Zeichnung mit den oben besprochenen Mitkowitzer
Münzen c und d fast völlig übereinstimmt; die ganze
Verschiedenheit besteht darin, dass sich auf dem Revers
unseres Stückes die Halbkreise um fünf Punkte stellen,
statt, wie bei den Exemplaren des Mitkowitzer Fun-
des, um vier Punkte oder um eine Rosette mit vier
Punkten.
7) Vergl. auch Luschin, Niimism. Zeitschr. Bd. VIII. Taf. III. 187. — Dass
diese vier Köpfe wenigstens ursprünglich und in Verbindung mit dem Kreuze
die vier Evangelisten (an Stelle der XPISTIANA RELIGIO u. dergl.) bedeu-
teten, ist wohl kaum zweifelhaft.
^T^.
In der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses. «?!
Nr. 5. Ein Stück.
Av. wie Nr. 1.
Kev. ähnlich wie Nr. 2. Das Ornament ist verschieden: die
Halbkreise sind verbunden und um eine Rosette gestellt;
Punkte fehlen.
Gewicht: 0-90 Gr.
Nach der Technik zu urtheilen ist dieses und das folgende
Stück etwas jünger als die Nr. 1 — 4.
Nr. 6. Ein Stück.
Av. Nach links trabender Reiter mit geschultertem Schwert.
Rev. Lilienornament^ von Punkten begleitet.
Gewicht: 1-00 Gr.
Nr. 7. Ein Stück.
Av. kaum kenntlich^ doch unzweifelhaft ein Reiter, ähnlich
wie Avers Nr. 6, oder ebenso
Rev. Lilienornament; von Kreuzen begleitet.
Gewicht: 0-68 Gr.
Die Lilie (francisca) ist nach Freiherrn v. Sacken ») „ein, wie
es scheint, aus dem Orient stammendes, in der Goldschmiedekunst,
auf Stoffen u. dergl., weniger in der Steinsculptur im XTL Jahr-
hundert nicht selten angewendetes Ornament."
Wir begegnen ihm, um einige Beispiele anzuführen, welche
zugleich geeignet sind, dieEntwickelung des vorliegenden Münz-
bildes zu beleuchten, in der Sophienkirche zu Constantinopel »), in
der Krypta zu S. Marco in Venedig, deren Bau in der zweiten Hälfte
des XL Jahrhunderts begonnen wurde ^«) ; an einem Capital des
Domes von Seckau (erbaut 1142—1 163) n); ferner, zueigenthümlicher
Bedeutung entwickelt am Rundbogenfries des Karners in Mödling
8) Mitth. der Central-Comm. Bd. III, S. 265.
9) Bucher, Real-Lexikon der Kunstgewerbe, S. 2»i, i ij
10) Mitth. der Central-Comm. Bd. XI. S. Hb.
n)Ib. Bd. XIX. S. 64.
92
Domanig: Einige Babenberger Münzen
(vor 1200): — „hier sind die Bogenschenkel . . . unten abgerundet,
und jeder Bogen zwischen ihnen enthält eine schwungvolle Lilie,
deren beide Seitenblätter aufgebogen sind." 12) Endlich auf einer
Münze des Königes Andreas ü. von Ungarn (1205 — 1235). is)
Fig. 1,
a. Hagia Sophia.
b. San Marco.
Seckau.
d. Mödling.
e. Ungarn.
Der Zusammenhang des so bebandelten Lilienornameutes mit
dem Rundbogen ist evident 1*), und ich glaube nicht zu viel zu be-
haupten, wenn ich sage, dasselbe komme, sowie der Spitzbogenstil
zu unbestrittener Herrschaft gelangt ist, in dieser Weise nicht mehr
zur Anwendung.
12) Freiherr v. Sacken a. a. 0.
13) Rupp, Niimmi Hungar. I. Taf. VII. S. 169.
14) Vergl. übrigens die „Entwicklung der Lilienform« bei Demmin, A.
Handbuch der bildenden und gewerblichen Künste. I. Bd. S. 141 fg.
in der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses.
93
Auf Capitälen von Lilienfeld, dessen Bau im Jahre 1202 be-
gonnen wurde ^^) klingt in der Behandlung der Lilie noch die ältere
Reminiscenz nach ; auf einem wenig späteren Bau des sogenannten
Uebergangsstiles — der Dominicanerkirche in Krakau i«) — zeigt
das Ornament schon völlig veränderten Charakter, und kaum noch
kenntlich erscheint es am Friese des frühgothischen Domes von
Drontheim. i?)
Tig. 2.
a, h. Lilienfeld.
c. Krakau.
d. Drontheim.
Hier bedingte zunächst die veränderte Bauweise, aber auch
— und zwar hier wie fast überall i») — ein verändertes Stilgefühl das
Verlassen der Tradition. „Ohne den Charakter strengerer Stilisirung
aufzugeben," sagt Essenwein, i») „ohne dem Einfluss des Materials
auf die Formenbildung sich zu entziehen, hatte das Ornament«
( — gegen Ende des XII. Jahrhunderts — ) „Formen gewonnen, die
in freier lebendiger Bewegung in Einklang standen mit der Ent-
wicklung der Architektur." — Ich möchte desshalb, da unsere Münze
das romanische Lilienornament schon sehr ausgebildet zeigt, ihre
Entstehung kurz nach dem J. 1200 ansetzen, ao)
15) Ber. des Alterth.-Ver., Bd. XVII, S. 133, 136.
18) Erbaut 1223. Mitth. der Central-Coram. II. S. 18 fg.
17) Seemanns kunsthistor. Bilderbogen 79, 9.
18) Vergl. z. B. heraldiBche yjien, bei Mayer, Herald. \ R r Buch
Taf. LX.
1») Ber, des Alterth.-Ver. Bd. V. 8. 25.
20) Vergl. Essenwein, der Entwicklungsstandpunkt der Baukunst im
ersten Viertel des XIII. Jahrhunderts, mit besonderer Berücksichtigung des
Landes Oesterreich, Ber. des Alterth.-Ver., Bd. V, ^ ^ " *^'-
94
C. Domanig: Einige Babenberger Münzen
Zweite Art.
Die zweite Art unserer Münzen unterscheidet sich von der
ersten durch kräftigere Zeichnung und Prägung überhaupt, ins-
besondere aber durch Anwendung eines breiten, häufig von dicken
Punkten begleiteten Wulstringes unmittelbar um das Bild der Vor-
derseite. Wir haben es mit einem Fortschritte in der Technik, mit
jüngeren Münzen zu thiin.
Gewissermassen einen Uebergang zeigt
Nr. 8. Zwei verwandte Stücke.
Av. Ein menschlicher Oberleib aus zwei Löwenleibem
herauswachsend; über jedem der beiden ausgestreck-
ten Arme ein Kreuz.
Rev. Schwer kenntlich. Ein Löwe und ein Mann.
Gewicht: 0-70 und 0-81 Gr.
Die eigenartige Darstellung der Vorderseite findet sich auf
einer bekannten Münze, welche das k. k. Cabinet in mehreren
Varianten besitzt und Obermayr (Bayer. M. Tab. II. 27, S. 23) und
ähnlich Cappe (Kaiser M. 1, Tab. IX., 135, S. 136) mittheilen.
Darnacii ist mit Sicherheit der Revers zu ergänzen: Ein Löwe,
von einem Manne überwältiget.
Figr. 3.
(Nach Obermayr.
„Was es nun aber bedeuten solle," meint 0 bermayr (S. 27) „da
ist guter Rath theuer! Mir scheinet die hieroglyphische Vorstellung
eine Satyr- und Spott-Münze wider Herzog Wolfen, Heinrichs des
Grossmüthigen Bruder, unter König Konrad III. durch den jungen
in der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses. 95
König Heinrich seinen Sohn um das Jahr 1149 zu Regensburg
geschlagen zu seyn-^ etc. — Cappe folgt ihm in dieser Erklärung,
(l c.)
Dagegen darf man wohl an eine Mahnung Grote's 31) erinnern,
welche neuerdings Dannenberg 22) zur Beherzigung empfiehlt:
,. Nicht politische Spitzfindigkeiten, sondern naive Darlegung des
Zeitgeistes in der Richtung auf bildende Kunst in den unteren
Schichten ihrer Schöpfungen — also nichts Verschrobenes, 23) sondern
etwas sehr und nicht uninteressantes Naturwüchsiges muss man in
den Münztypen des Mittelalters — namentlich des früheren — lesen
wollen."
Meine Anschauung über die Obermayer'sche Münze ist diese,
dass sie zu Regensburg geprägt wurde, und zwar aus Anlass eines
Kreuzzuges, als „Kreuzzugsmünze", wenn diese Bezeichnung er-
laubt ist.
Man gestatte mir die letztere Behauptung (die erste wird
von Niemandem bezweifelt) ihrer Tragweite entsprechend ausführlich
zu begründen.
Auffallend ist vor Allem, dass der Revers unserer Münze so
häufig und darunter an hervorragenden Münzstätten verwendet
wurde. Ich finde denselben ausser auf unserer Wiener Münze auf
drei böhmischen Denaren: einem des Herzogs Wladislaus
(1109 — 1125), 24) einem anderem des Königs PlPemysl Ottokar I.
(1198 — 1230), 25) einem dritten, mir nicht zugänglichen, des Her-
zogs Sobeslaus H. (f 1180); 26) sodann auf einem ungarischen,
welchenRupp dem Ladislaus Cumanus (1272 — 1290) zuschreibt »');
21) Münzstudien VIII. S. 43.
22) D. M. S. 23.
28) Wie der Stil dieses Grote'schen Satzes!
24j Nach Voigt Beschreibung der ... böhm. M. I. .*5. .ilo, 11; das hier
abgebildete Exemplar des k. k. Cabinetes besitzt keine leserliche Inschrift.
26) Nach Donebauer 1. c. S. 40. Die Zuweisung dieses im Mitkowitzer
Funde einzigen Stückes an Ottokar I. ist, da eine Legende ♦"'-i' ^^'»i'i ^v'-ht
stringent.
2«) Nach Donebauer, 1. c. abgebildet „Pamätky" Tab. X,\\ 1, Nr. iL
«Tj Kupp (l. S. 150) sieht darin ein Symbol dos Sieges Ladislaus über die
Cumanen, wogegen mir die Bestimmung auch dieser Münze als Kreuzzugs-
raünze unzweifelhaft erscheint.
;; .',5'~^S*"-S^,'?
---♦^•s-^,.
96
C. Domanig: Einige Babenberger Münzen
endlich auf zwei, so viel ich weiss noch unedirten Brakteaten des
k. k. MUnzcabineteS; welche beide einer südostdeutschen (doch
schwerlich derselben) Prägestätte entstammen.
a. Wladislaiis.
l. Ottokar L
Fig. 4.
c, d. Oesterreich (?).
e. Ungarn.
Also (nur wie weit ich heute sehe) volle acht Male kehrt die-
selbe Zeichnung mit nur geringen Aenderungen 2») auf Prägen ver-
schiedener benachbarten Fabriken und verschiedener Zeiten wieder.
Wie erklärt sich dieses? Nicht ohne besondere Veranlassung hat
ein damaliger MUnzmeister (und gar ein Regensburger oder Prager
oder Wiener MUnzmeister!) fremdes Geld so geraden Weges nach-
gebildet; 39) denn in den besten Zeiten des Mittelalters und noch
28) Eine verwandte Darstellung: Ein Mann den Löwen mit dem Schwerte
vor sich hertreibend, auch von einem Kreuze begleitet, kehrt ebenfalls auf
verschiedenen Münzen wieder.
29) Nachahmungen fremder Münze sind selbst im XII. Jhrdt. und früher
selten. „Die Kunst der deutschen Stempelschneider" in dieser Zeit „war im
Ganzen eine sehr eigenartige" sagt Dannenberg (D. M. S. 39). Wo einmal zwei
Fürsten sich desselben Stempels bedienten, lag sicherlich ein ausdrückliches
Uebereinkommen zu Grunde. Vergl. den Vertrag (von c. 1284) zwischen
Regensburg und Bayeni (Obermayr S. 295) und andere von Luschin (Wien,
Numism. Monath. 11. S. 10) angeführte Fälle. Das Land- und Lehem-echt befahl:
Nymandt soll Pfenning schlagen, die andern Pfenning gleich sind, sie sollen
haben besonder Zeichen, (ib.)
in der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses. 9 *
lange nachher galt es nicht bloss für Geistesarmuth, sondern für
ein Plagiat, sich eines fremden dönes oder einer fremden wtse und
ebenso sich eines fremden Münzbildes zu bedienen. Dagegen wäre
es denkbar (und diese Annahme reicht zur Erklärung unseres Falles
aus), dass das lebhafte Grefühl christlicher Solidarität, wie es bei
Kreuzzügen erwachte, sich über die Regel hinwegsetzte und die
Nachbildung einer Kreuzzugs münze zuliess, ja sie vielleicht
sogar forderte, gleichwie alle germanischen, slavischen und roma-
nischen Zungen in den Einen Gesang des Mönches Notker ein-
stimmten, und thatsächlich Alle, ob reich, ob arm, zu Zwecken der
„Gottesfahrt" ihr Schärflein beisteuerten. . . .
Dieser Gedanke führt einen anderen mit sich. Man weiss, die
Ausgabe einer neuen Münze bedeutete im Mittelalter eine, häufig
sehr drückende Steuer. Nicht selten finden wir desshalb, wie zur
Beschwichtigung der Gemüther den Anlass zur Erhebung derselben
auf der neuen Münze selbst angedeutet. Das Schwert (oder Schwert
und Schild) auf alten und ältesten böhmischen Prägen, ist dasselbe
Schwert, welches nach slavischer Gewohnheit so) bei der Zurüstung
zu einem Kriege im Lande herumgetragen wurde und das Volk zu
den Waffen rief. Nicht befremden könnte es also auf einer Münze
auch einem Hinweis auf den nahen kostspieligen Kreuzzug zu
begegnen, «i)
Sehr befremdlich dagegen ist es, dass auf unserer Münze die
sonst übliche mehr oder minder deutliche Bezeichnung des Landes-
fürsten oder der Prägestätte oder des Volkes, für das sie geschlagen
wurde, gänzlich fehlt, und ferner, dass an Stelle dessen sowohl auf
der Vorder- als auf der Rückseite eine Zeichnung und ein Symbol
angewendet ist, welche allgemein bekannt, Gemeingut des ganzen
Abendlandes waren.
Das Bild der Vorderseite — man vergleiche damit die von
Bock mitgetheilte „Snbductura" »2) — ist ohne Zweifel orientali-
schen Ursprunges und durch Webereien ins Abendland gelangt.
80) Voigt, Böhm. M. I. S. 35.
81) Ein eigentlicher Saladinszehent wi<' in 1^ nmkreich uini i^n^laiul scheint
in Deutschland allerdings nicht erhoben worden zu »oin. Vgl. Riezler, Der
Kreuzzug K. Friedrich I. in den Forschungen z. deutsch, (iesch. X. Bd. S. 17.
82) Mitth. d<'r rViitral-Oomm. TM IV .^ •^'.«.
^-c-
T^^^W^'^.
98
C. Domanig: Einige Babenberger Münzen
Wir begegnen ähnlichen Darstellungen, Kentanren, zwei Löwen-
leibern unter einem Löwenkopf 33) und dergl. an unzähligen Orten.
Dasselbe gilt von dem Revers. Dieser „Samson" oder ,,David"
constringens ora leonum (denn nichts Anderes kann die Darstellung
bedeuten) 34) findet sich nach Bock 35) zu Chur und Mastricht, zu
Benediktbeuren und Wien wie zu Palermo auf sarazenischen Gewe-
ben des IX. Jahrhunderts; aber wo und wie viele Male erst in der
folgenden Zeit! Viele Beispiele dieser Art führt Heider an; ..doch eine
vollständige Aufzählung wäre ermüdend und nutzlos. ^^ 3«
Ich frage nun: darf und muss man nicht aus der Anwendung
solch allgemeinster Bilder und bei dem gleichzeitigen Abgange
jedes individualisirenden Zeichens zu dem Schlüsse gelangen, dass
man mit der Ausgabe dieser Münze eben auch ein allgemeines, ein
internationales Interesse fördern wollte oder zu fördern vorgab:
— das Interesse der Kreuzfahrer?. . .
Hiezu lag, um nun die Frage von einer anderen, mehr kauf-
männischen Seite zu beleuchten, auch eine dringende Veranlassung
vor. Der Chronist des dritten Kreuzzuges — denn ungefähr dieser
Zeit muss, nach ihrem Stile zu urtheilen, unsere Regensburger
Münze angehören — Ansbert erzählt uns von Bedrückungen,
welche die Kreuzfahrer von Seite ungarischer Wechsler zu
erdulden hatten: ,Jn . . . . commutatione denariorum vel argenti
Ungari graviter nostros angariaverunt, quippe qni pro duobus Colo-
niensibus V tantum suos et pro duobus Frisacensibus IV dabant
Ungaricos et proRatisponense unum Ungaricum, qui vixVeronensem
valebat." 37) Mit gebundenen Händen also war man der Willküi und
83) Diesen z. B. am Portal von St. Stephan in Wien und an einem Capital
in Millstadt in Kärnten (Mitth. der Central-Comm. Bd. XI, S. 56).
8*) Vergl. die bei Reichenbach gefundene Münze, Obermayr VIII. n. 104,,
wo Simson mit dem Thore oder an Säulen rüttelnd.
35) Mitth. der Central-Comm. Bd. V.
36) Ueber Thiersymbolik etc. S. 22 fg.
37) Ansbert, Ausg. v. Tauschinsky und Pangerl in den Fontes rer. Austr.
I. Abthlg. V. Bd. S. 19. — Um nur annähernd einen Begriflf von der Grösse
dieses Wuchers zu geben, sei an die Stelle bei Meichelpeck (Obermayr 1. c.
S. 280) ad a. 1278 erinnert; „Quilibet denurius Frisacensis valere debet
XII parvulos Veronenses."
I
^5^?!
in der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses. 99
Habsucht dieser Wucherer preisgegeben ! Und wohl nicht unab-
sichtlich nennt Ansbert nur die allergebräuchlichsten und besten
der damaligen Münzsorten; denn ohne Zweifel waren weniger gang-
bare gegen diese bereits ausgewechselt worden, so dass man in
Ungarn schon zum zweiten Male Aufwechsel gab; diesem zweiten
folgte dann vielleicht in Griechenland ein dritter, in Kleinasien ein
vierter! 38). .Welche Verluste ergaben sich daraus bei den namhaften
Summen, die jeder Kreuzfahrer zur Bestreitung seines zwei- bis
dreijährigen Aufenthaltes mit sich führen musste, so) und welche
Unbequemlichkeiten obendrein! Sollte mau da nicht, durch Er-
tahriing gewitzigt, da oder dort eine Art Münzconvention getroffen
haben, nicht zwar indem man gleiches Loth und Gewicht statuirte,
aber indem man wenigstens hinsichtlich gewisser Prägen vielleicht
38j Im Vertrage von Adrianopel (14. Februar 1190) muss K. Isaac zuge-
stehen, „quod argenti marca emetur pro yperperis qiiinque et dimidio, et quod
mutabitur yperperum pro staminibus centum viginti, nulla differentia existente
inter nova et vetei-a stamina." (Ansbert S. 50) Yperperum war der byzantinische
Solidus aureus zu 4*55 Gr., deren 72 auf ein römisches Pfund gingen. Stamina
eine schlechte Scheidemünze, s, bei Du Gange s. v. Starania und Supplement.
Dissert GV. S. 196, wo Odo de Diogilo lib. 3 de profect. Ludov. VII. in orien-
tem citirt ist: „Hie primo" (in Graecia) „cupream monetam et Stammas oflfeu-
dimus, et pro una earum V denarios et pro XII solidis (sc. staminum oder sta-
minarum (?) D. G.) marcam (!) tristes dabamus." Solche Erfahrungen blieben
auch den Deutschen nicht erspart. Kaiser Friedrich berichtet seinem Sohne
K'mig Heinrich, die Griechen hätten endlich concambium consuetum ver-
sprochen (Ansb. S. 31), sieht sich aber dennoch genöthiget, wiederholt auf Ein-
haltung des Goncambium justum zu dringen (ib. S. 3G und 38), bis er euillich
als Sieger — sehr zu Ungunsten der treulosen Griechen (Vgl. die zweite
Stelle aus Odo de D. bei D. G.) — die obigen Gurse dictirt. — Auf dem
Kreuzzuge v. J. 1147 folgten Wechsler in grosser Zahl dem französischen
Heere. Wechsler (Pisaner, Venetianer) finden wir in Ptolemais u. a. 0. ansässig
bei Wilken).
89) Am dntten Kreuzzug sollte laut kaiserlicher Verordnung Niemand theil-
iK'hmen, der nicht „wenigstens 3 Mark Silber oder die Mittel für zwei Jahre mit
allen Bedürfnissen zur Heerfahrt sich zu versehen, besitze.^ (Wilken, Gesch. der
Kreuzzüge IV. 17.) Das Lat. Goucil aber befahl 1215, dass, wer den Kreuzzug
nicht selbst mitmachen könne, das Seinige dazu beitragen müsse, um Soldaten
lu'bst den Kosten ihres Unterhaltes auf drei Jahre zu stellen. (^ Weiss, Wolt-
gesch. III. 430.)
7*
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100
C. Domanig: Einige Babenbergtr Münzen
nicht immer förmlichj aber thatsächlich übereinkam, sie mit den lan-
desüblichen im Kauf zu acceptiren?*o)
Was uns über die Entstehung der venetianischen Groschen
erzählt wird, bestätigt diese Annahme. Dandolo's Scliiffstruppen,
welche die Kreuzfahrer des Jahres 1203 zu befördern hatten, seien
mit den kleinen Münzchen, in denen der Sold bezahlt wurde, unzu-
frieden gewesen, was Dandolo bewog, eine neuere grössere und
feinere Gattung, Grossi oder Matapane genannt, zu erzeugen. Das
heisst wohl nichts Anderes als dass die Matapane anfänglich zum
Gebrauch der Kreuzfahrer für den Verkehr mit dem Oriente geprägt
wurden (wie denn auch Grösse und Zeichnung byzantinischer
Münzen für sie zum Muster dienten); und Martin da Canale bemerkt
in der That, dass diese nobles medailles d'argent bald überall
(parmi le mond) cursirten. *i)
Dasselbe nun, was Venedig mit Erfolg gethan, konnte Regens-
burg vorher unternommen haben, welches während des XII. Jahr-
hunderts im Handel der Lagunenstadt kaum zurückstand, an Bedeu-
tung für die Kreuzzüge sie vielleicht überragte. Regensburg „war
im Mittelalter der erste Handelsplatz Süddeutschlands, lange bevor
sich Augsburg und Nürnberg erhoben, und die aus dortiger Münz-
stätte hervorgegangenen Münzen galten überall als gutes Geld . . .
Sie hatten stets einen guten Gehalt, der gewöhnlich nie unter
*0; Auch Grote (Münzstiid. I. S. 151) meint: „Durch die Kreuzzüge waren
alle Verhältnisse des abendländischen Europa umgeändert. Ein Völkerverkehr
war eingetreten, der Handel hatte sich entwickelt; der Fundamentalgi-undsatz
des deutschen Münzwesens: „Der Heller gilt nur da, wo er geschlagen ist,"
musste aufgegeben werden, als man eines allgemeinen Austauschungsmittels
bedurfte." So sei später die Goldwährung eingeführt worden.
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*i) Müller, Jos. Numism. Zeitschr. Bd. XV. S. 226 fg. — Hier mag an die
Bestimmung des Vertrages von Ptolemais (1123) erinnert werden, „dass im ^— -
heiligen Lande den Venetianeni nicht nur in ihrem Handel unter sich, sondern Hl
auch dann, wenn die Venetianer anderen Einwohnern verkauften, derGebrauch
des venetianischen Maasses und Gewichtes freistehen, das königliche
Maass und Gewicht aber gebraucht werden sollte, wenn die Venetianer von
anderen Einwohnern kauften." Wilken II. S. 498.
r
in der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses. 101
1 2 Loth fein Silber sank" : *2) konnte man also den Versuch nicht wagen,
ihnen auch weiterhin, auch im Oriente Eingang zu verschaffen?
Es lag dazu eine dringende Aufforderung in dem Umstände, dass
Regeusburg in dem zweiten und ebenso in dem dritten Kreuzzuge
zum Sammelplätze aller deutschen Pilger bestimmt worden war.
Vergegenwärtigen wir uns nur die Lage. „Anfangs Mai 1189 sammel-
ten sich die Pilger in Regensburg, 20.000 Ritter ausser unzähligen
Knechten und Fussgängern, und jeder, der mitzog, musste die
Kosten des Zuges auf zwei Jahre bestreiten können, aus eigenen
Mitteln oder durch Unterstützung der Zurückbleibenden." 43) Wel-
cher Münze werden sich nun die Kreuzfahrer dabei bedient haben?
Die Prägen damaliger Zeit hatten meist nur ganz beschränkte terri-
toriale Geltung; die Elsässer, die Osnabrücker, die Passauer sahen
sich bald genöthiget, ihre heimatliche Münze gegen eine gangbarere
auszutauschen: wo und wie geschah das besser als in dem Sammel-
platze Regensburg gegen die dortige gute Münze, welche zum min-
desten in Bayern und Oesterreich gerne genommen wurde? Und
musste man dabei nicht wünschen, sowohl von Seite des Wechs-
lers wie des Käufers, dass die theuer erstandene Münze auch weiter-
hin, auch im Oriente verwendbar sei?
Und gehen wir jetzt einen Schritt weiter. Wenn unter den geschil-
derten Verhältnissen der Geldwechsel der Stadt jedenfalls sehr lebhaft
und der Bedarf an Regensburger Denaren ein ungewöhnlich grosser
war, sollte man da nicht eigene Münzen geprägt haben, welche ihren
besonderen Zweck schon an den Münzbildern erkennen Hessen?
42) Beierlein, die bayrischen Münzen des Hauses Witteisbach S. 5. — Die
Bischöfe von Salzburg und Freising (vide. Loiy, Sammlung des bayr. Münz-
rechts I. p. 6) sowie jene von Augsburg (Leitzmann p. 481) erhielten a. 99G das
Recht in ihren Städten, „raonetam Ratisponensem imperiali potentia con-
strui et adprime incoeptari." — Regensburger Kaufleute werden a. 1191 neben
den Köln(u-n, Aachenern und Ulmern an erster Stelle genannt. Archiv für K. ö.
G. Q. X. S. 92. Vergl. ebenda S. 93 das Privileg Leopolds V. S. auch Hor-
niayr's Schilderung in „die Bayern im Morgenlande." S. XXII.
*3j Weiss III. I. 168. — Näheres bei Wilken, IV., 54 fg. — Regensburger
Bischöfe hatten sich 1004 und 114(3 unter den ersten am Zuge betheiligt und
am Kreuzzuge von 1189 nahm Bischof Conrad ganz hervorragenden Autheil.
(Ansbert S. 58 u. ö.) Eine stattliche Schaar von Kriegern muss ihn begleitet
haben, (ib.)
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102
C. Domanig: Einige Babenberger Münzen
Gewiss, jenem geraüths volleren Zeitalter entsprach dies eben so
sehr, als dem geschäftlichen Interesse; auch hatte es fremden Kreuz-
fahrern gegenüber keinen Sinn, die als Regensbnrger Fabrikat ohne-
hin erkennbaren Denare mit dem üblichen herzoglichen oder bischöf-
lichen Stempel zu versehen, von Seite der Machthaber Hess es bei-
nahe prätensios; und dachte man gar daran, diesen Prägen im
christlichen Oriente Eingang zu verschaffen, so war es vollends ein
Gebot der Nothwendigkeit, dieselbenmit einer specifisch christlichen,
internationalen Zeichnung zu versehen, welche wie das beliebte
kreuzweise Zusammenlegen zweier Finger allerorten Jedermann
verständlich war.
Kann aber also die Zeichnung der oben mitgetheilten Regens-
burger Münze in diesem Sinne gedeutet werden? Ich glaube ja, und
zwar mit aller Bestimmtheit.
Der Löwe auf dem Avers, welcher so häufig und in grotesken
Combinationen wohl ausnahmslos das Böse bedeutet, ist hier, in
Verbindung mit einem menschlichen Oberleibe, das von Menschen
repräsentirte Böse, das heisst — woran jene Zeit gewiss zuerst
dachte und was auch das gekrönte Haupt andeutete — der Muha-
medanismus. **) Ihm entgegen wird das Kreuz geprediget (die
beiden Kreuze!). n]< .'^cliiitz- und Nothwehr vor dtni drohenden
**) Man beachte mir, wie jeder Misserfolg der Kreuzfahrer diesen sen)st
immer als Strafe ihrer Sünden erscheint (über diese Gesinnung Ansberts vgl.
Eiezler 1. c. S. 97); wie der Papst den Fall Jerusalems als eine Zulassung
Gottes wegen der Sündhaftigkeit der christlichen Welt hinstellt und also fort-
fährt: . . .„in nobis prirao quod male gessimus, emendemus, deinde foedita-
tem et malitiam hostium attendamus, et quod illi contra dominum attem-
ptare nou timent, nosprodeo agere nullatenus haesitemus" (Gregor VIII.
i. J. 1187, bei Ansbert S. 8). Ebenso spricht der päpstliche Legat für Deutsch-
land : „Milites Christi abjicientes opera tenebrarum et ad vindicandam crucis
injuriam iuduci non differant arma lucis (bei Ansbert S. 11); Ansbert selbst
sagt geradezu: „...milites crucis Christi signaculum sibi affigentes contra
hostem antiquum et ejus membra . . . aciem instaurabant" (S. 12) und nennt
die Mohamedaner ein anderes Mal (S. 68) „filii Belial." Daher erfreuen sich
auch die Kreuzfahrer des unmittelbaren Schutzes Gottes, der sich in Wunder
und Zeichen offenbart (ib. S. 64 u. ö.), während der Teufel sie fort und fort
zu hindern sucht (ib. SS. 12, 76 u. ö.).
in der ilünzsamralung des Allerhöchsten Kaiserhauses. lUd
Verderben. *5) DerRevers, ein allgemein bekanntes Bild Christi, des
Siegers über Tod und Hölle, zeigt den Heerführer der Christenheit
gegen das Heidenthum. 46)
Wem diese Deutung zweifelhaft erseheint (und ich weiss wohl,
dass man Deutungen dieser Art mit meist nur zu berechtigtem
Misstrauen aufzunehmen pflegt), der werfe einen Blick auf andere
von Obermayr mitgetheilte Prägen. Selbstredend gab es Kreuzzugs-
mtinzen in Regensburg, wenn überhaupt eine, so gewiss eine ganze
Anzahl; ja ich bin geneigt, ohne übrigens einem berufeneren Detail-
forscher vorgreifen zu wollen, alle jene Regensburger Denare des
XII. Jahrhunderts und manche spätere, welche weder ein bischöf-
liches noch herzogliches noch städtisches Emblem tragen, in diese
Rubrik zu setzen. 47)
*5) Die hier wie sonst häufig wiederkehrende Verdoppelung der Thier-
figur mag man stilistischen Motiven zusclireiben; vielleicht aber soll damit die
Gefährlichkeit des Islam, der Europa von zwei Seiten bedrohte und von den
KreuzfahreiTi (man denke an Leopold VI. Zug nach Spanien!) auf beiden Seiten
befehdet wurde, ausgedrückt werden-, denn nach der Haltung der Hände ist er
als offensiv, alle Lande bedrohend, gedacht. Peter von Chmy (Wilken lU. 60)
undAnsbert reden von der audacia Sarrazenorum: ad ulciscendam effrenera
audaciam eorum" nahm K. Friedrich das Kreuz (Ansb. S. 5;. Riezler (1. c.
S. 4j behauptet freilich : „Es ist eitles Bemühen, die Kreuzzüge als einen zu
Vertheidigungszwecken geführten grossartigen Angriffsstoss der christlichen
gegen die mohamedanischen Völker aufzufassen." Es bleibt uns aber unbe-
nommen, der von nicht minder ausgezeichneten Gelehrten vertretenen gegen-
theiligen Meinung beizupflichten, die ich mir selbst mit einem Dutzend solider
Argumente zu belegen getraue.
*») Auf dem „Hoflager Christi" zu Mainz (1188) verzichtete <ler Kaiser
auf den Vorsitz, „denn man dachte sich Christus inmitten seiner Gläubigen
und als Haupt dieser Versammlung (Riezler S. IG). „Christus unser Kriegsherr",
sagt K. F'riedrich zu Kubbeddin (ib. S. 61) und mit dem Kufe: Christus regnat
Ch. viricit, Ch. imperat führt er seine Deutschen zum Siege von Iconium (Ans-
bert S. 68); dementsprechend ist die Bezeichnung der Kreuzfahrer als miiitia,
exercitus, athletae domini u. dergl.
*7) Obermayr selbst hat später (1. c. S. 169) daran gedacht, indem er seine
„hieroglyphischen Gedanken" über Münzen dieser Art als „blosse Muth-
massungen" hinstellt mit dem Bemerken: „Wann mann änderst keine schick-
lichere Auslegung durch den Creutzzug in Asien ausfindig machen kann. " — Die
Zuweisungen und Deutungen Obermayr's sind übrigens wohl fast ausnahmsloa
104
C. Doinanig: Einige Babenberger Münzen
Hier nur ein paar Beispiele (Obermayr VII. 94, 95), welcae
bei aller formellen Verschiedenheit inhaltlich mit unserem Prototyp,
wie ich das Stück Fig. 3. nennen mag, übereinstimmen.
a, 5. (Nach Obennayi*.
c. (Nach Marchant.)
Denn die Sterne auf dem Avers des ersten Stückes — ich
darf das wohl als bekannt voraussetzen; es wiederholt sich unzäh-
lige Male, unter anderem auch auf der Varietät desPrototypes, welche
Cappe I. Taf. IX, N. 135 mittheilt — sind gleichbedeutend mit
Kreuzen ; der Kopf ist Christi, wie aus der Vergleichung folgender
bei Obermayr abgebildeter Stücke hervorgeht: Taf. VI. 79 mit V.
62 mit IV. 51. *8) in dem gemeinsamen Revers erblicke ich das
unhaltbar. Dass z. B. der Löwe, welchen erst Otto II. nach Erwerbung der
Eheinpfalz (1228) führte, hier nicht das Wittelsbach'sche Wappenthier sei,
ergibt sich nicht bloss aus chronologischen Gründen, sondern meist schon aus
der ihm zugewiesenen Stellung eines Verfolgten, Unterdrückten.
*8) Man dürfte dabei an Daniel unter den Löwen denken: „Hie Daniel
vincit Coetum Leoninum", Heider 1. c. S. 27 fg.
in der Münzsaraiulung des Allerhöchsten Kaiserhauses. 105
eroberte oder zu erobernde Jerusalem 49)^ dessen Fall (3. October 1 187)
den dritten Kreuzzug zur Folge hatte. Das Uebrige lehrt der Augen-
schein und der Vergleich dieser Regensburger mit einer von Mar-
chant (Mel. lettr. 7, P. 1 n. 1) mitgetheilten unzweifelhaften Kreuz-
fahrermünze (Fig. 5. c).
Die Zeichnung unserer Regensburger Denare wird uns weiter
unten noch einmal beschäftigen ; hier ist es endlich am Platze den
Leser in der Hauptsache nicht länger im Ungewissen zu lassen und
die Frage: ob es überhaupt eigentliche ,,Kreuzzugsniünzen" in
Regensburg gegeben habe, zum endgiltigen Abschluss zu bringen.
Einen sicheren Beweis dafür liefert mir die Stelle, welche
Theodor Mayr im Archiv für K. öst. G. Q. Bd. VI. S. 282 mittheilt:
„Verpfändungen von Gütern zum Behuf des Zuges ins heilige
Land gab es zu jener Zeit mehrere in Kärnten. Z. B. 1189, 25. Juli,
erhielt Adalbert Graf von Bogen in einer zahlreichen Versammlung
zu Friesach vom Erzbischofe Albert IL von Salzburg ein Anlehen
von 700 Mark Silbers Regens purg er Gepräges (700 marcis
examinati argenti in pondere datis Guswini Ratisbonen-
sis monetarii), wofür er ihm die Herrschaft Gurkfeld in Unter-
krain auf zwei Jahre als Pfand anwies." 50)
4») Eine Münze Guido's vonLusignan, Königs von Jerusalem (1186—1192)
welche Marchant, Lettres pl. XXVIII. n 3. (p. 464) raittheilt, zeigt auf dem
Rv. ein thurmälmliches Gebäude mit der Umschrift HIE RU SALEM. Ebenso
eine Münze Balduins (1173 — 1185) 1. c. n. 2(p. 464) und ähnlich mehrere. — Eine
andere Münze zeigt auf dem Av. ein thurmartiges Gebäude mit der Umschrift
T*V-R'R*I*S, während der Rev. die bekannte auf Christus gedeutete Rosette
und die Legende: -J- D-A-V-TD- hat. (Turris davidica!) Lelewel versetzt
dieses Stück in die Zeit der Einnahme von Jerusaleum unter Friedrieh IL,
Consinery und Saulcy in die Zeit Gottfrieds von Bouillon. (Marchaut, Lettr. p.
463.) — Als man den Fall Jerusalems erfuhr, wurdeu nicht nur IJuss- und
Klagelieder gedichtet, sondern auch aufreizende Bilder gezeigt. (Riezler,S.7).
50j Bei Schumi, Fr. Urkunden- und Regestenbuch des ITerzogthums
Krain, I. Bd. p. 133: „AdelberLus coraes de Bogin ol)ligavit domiuo Adelhorto
Salzburgensi archiepiscopo castrum Gurkeveit cum totu dominicatura illa pro
septingentis niarcis examinati argenti in pondere tlatis Go z wini
Ratisp onensis monetarii" etc. Die Urkunde ist — ich verdanke den Hin-
weis auf die Quelle der Freundlichkeit des Herrn Prof. v. Luschin — auch
'^
106
C. Domanig: Einige Babenberger Münzen
Werden wir uns erst über die hier vorliommenden Termini
völlig klar. Was ist argentum examinatum? Nach Üu Gange (s. v.)
ist examinatapecunia, in erster Linie soviel wie peeunia parat a oder
numerata. Und so finde ich einmal, a. 1200: Wir, König Philipp
„necessitateni habentes accredere pecuniam (wohl um den Sold
und dergl. zu bezahlen) C C marcas examinati argenti mutuavi-
mus; 51) und ein anderesmal, a. 1274: Kloster Kremsmünster ent-
lehnt „parat am pro expensis pecuniam sufiicientem,'' um das
Concil von Lyon zu beschicken 52) — das nöthige Baargeld, wie
wir sagen. (Argent bas, comptant, Du Gange.)
abgedruckt bei Hormayr, Archiv f. 8. D. II. S. 256. Das Original, welches ich
nicht mehr einsehen konnte, liegt im k. k. Staatsarchiv.
Graf Adalbert III. von Bogen starb nach Hopf, Histor. geuealog.
Atlas S. 13, i. J. 1196. Sein Sohn Albrecht IV., der letzte seines Stammes
(f 1242j, zog i. J. 1232 ins heilige Land. Ein Friedrich von Bogen, von welchen
die Grafen von Arco (ab arcu) sich herleiten, machte den zweiten Kreiizzug
mit und ward 1149 bei den Templern in Jerusalem begraben (Hormayr, Die
Bayern im Morgenlande. S. XXIV.) — Dem Namen Gozwin begegnen wir in
Ried's Codex Chronol. diplom. ep. Eatisbon. verschiedene Male: Als Zeuge
erscheint, und zwar uoter den Ministeriales, i. J, 1147 Pertold et tilius Albe-
ronis Gozewin d(? Porchusen; a. llöG Gozwin et filius ejus Gozwin;
a. 1157 (inter testes, qui Ratispone in prolatione Sententie presentes fuerunt)
Gozwin; a. 1161 Gozwinus ante urbem et filius ejus Gozwin; a. 1174 Goz-
win; a. 1183 Gozwin di ves; a. 1189, 29. Martii Gozwinus dives und8 Namen
vorher Adelbertus Comes de Bogen. A. 1196 kommt ein Gozwin mit
zwei anderen als Pächter vor; a.llOS ein rJozwiniis iudex als Fideijiissor pro
50 marcis.
Dass ilfrdo/vviijiis divusj wt-iciicra. i l.^VMu'ijcn ui-iii Wi.-iicn Adalbert von
Bogen als Zeuge erscheint, der monetarins Goswin sei, ist schon wegen des Bei-
namens dives annehmbar; ebenso dass der G. dives identisch ist mit dem spä-
teren G. iudex, lideijussor. In Wien hatten viele Münzmeister des XIV. Jahrhun-
derts vor oder nach diesem Amte das eines Stadtrichters inne. (v. Franzenshuld
in den Berichten d. A. V. XV. S. 159 ffg.)
Die Gozwin scheinen nach Allem ein altes angesehenes Patriciergeschlecht
von Eegensburg gewesen zu sein, das zu den hochmögenden Grafen v. Bogen
vielleicht in näheren, freundschaftlichen Beziehungen stand. Albrecht IV.
V. Bogen lässt eine i. J. 1233 den Minoriten in Regensburg gemachte Schen-
kung in mehreren Orten verlautbaren u. a. „in Ratispona in octava beati Ste-
phani in domoDni (siclj Gozwini coram multis civibus eiusdem civitatis." (ib.)
51) Monumenta boica Bd. XXIX, I. S. 499.
52)Hagn, Urkundenbuch S. 133. (Auch Mon. boica XXIX, II. 507.)
^5E^s:--:
in der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses. 107
BaareSj d. b. gemünztes Geld aber wurde entweder zugezählt
oder zugewogen, letzteres wohl seltener und nur bei grösseren
Beträgen. So liest man z. B in der Stiftungsurkunde des Wiener
Spitals zu St. Job (a. 1267): „decem niarcas ponderatorum dena-
riorum, 53) und so geschah es auch in unserem Falle: „marcis. . .in
pondere datis.'^ Wenn, was sonst Regel ist, das pondus hier nicht
näher bezeichnet ist, so wird es eben in Friesach, dessen Geld und
Gewicht ja weit über die Grenzen hinaus bekannt und zur Geltung
gekommen war, überflüssig erschienen sein; dass es thatsächlich
Friesacher Gewicht war, erfahren wir aus dem Vertrage, welchen
die Söhne des Schuldners a. 1202 mit dem Erzbischof abschliessen:
da wird eine andere in der Schuldurkunde des Vaters nicht näher
bezeichnete Summe von 800 Mark „examinatiargenti" ausdrücklich
bezeichnet als 800 Mark „argenti Frisacensis ponderis." J^*)
Und so kann auch kein Zweifel mehr obwalten, woher der
Genetiv „Goswini" bedingt sei; nicht etwa, wie man nach einer
zweiten selbst in unserer Urkunde vorkommenden Bedeutung von
examinatum argentum == a. probatum, igne examinatum (Du Gange
s.v.) vermuthen könnte, von pondus, sondern von argentum.
Der Graf von Bogen erhielt baares Geld, wie es zu Regens-
burg vom Münzmeister Goswin geprägt worden war.
Man erwäge nun: ein Kreuzfahrer entlehntGeld zu seiner Kreuz-
fahrt, in Friesach, von dem Eigenthümer und Nutzniesser
dieser Münzstätte, und zwar — Regensburger Denare, wie sieMeister
Goswin prägt! Das sagt genug. Nicht denkbar ist es unter diesen
Umständen, dass der Gläubiger aus eigenem Antriebe ein anderes als
Friesacher Geld abgegeben hätte; ") geschah dies, so geschah es auf
ausdrückliches Begehren des Contrahenten,undman muss annelimen,
53; Mon. boic. XXIX, IL S. 468.
5*) Bei Mayr, 1. c.
55) Salzburg bezahlt sonst selbst in Regeusburg in Friesacher Denaren.
Ai-chiepiscopus datiirus est comiti (H. de Lechisgemunde) duo niillia et Octin-
gentas et quiuquaginta marcas Frisacensis monete Hec autem pecunia tota
debet persolvi in civitatc liatisponcnsi. (D. a. 1207) Mon. boica XXIX, 1.
537 fg. — 200 Mark ungemünztes «über bezahlt a. 1220 der Erzbisciiof von
Salzburg dem Bischöfe von Regensburg in Salzbiirger Gewicht. Kied, Cod. I.
108
C. Domanig: Einige Babenberger Münzen
dass die begehrte (unerhörterweise sogar mit Namen bezeichnete)
Geldsorte den besonderen Bedürfnissen desselben entsprochen habe;
d. h. der Graf von Bogen hat die Goswiner Pfenninge begehrt, weil
er sie zu seiner Kr euzfahrt benöthigte und die Friesacher hiefUr
nicht ebenso brauchbar fand, 56)
Oder waren Regensburger Pfenninge, und gerade diese Gos-
winer, eine damals auch in Friesach gang und gäbe (und so häufige!)
Sorte? War es Zufall, dass eben sie in unserer Schuldurkunde er-
scheinen?
Nahe liegende Gründe sprechen dagegen; unter anderem, wie
mich dünkt, jene weiteren Bestimmungen des Contractes, dass,
wenn die Burg bis Weihnachten 1191 nicht eingelöst und die be-
rufenen Schätzmänner nicht einig wären, 800 Mark „ examin ati
argenti" (Frisacensis ponderis), *') und wenn der Graf oder sein
Erbe das Pfand vor jener Zeit einlösen wollte, 700 Mark „exami-
nati argenti" die Lösungssumme sei. Also hier nicht mehr Goswiner
Denare, sondern einfach „Feinsilber;" das versteht sich, weil ja der
Grund, wesshalb man augenblicklich Goswiner Denare benöthigte,
in den gedachten Fällen nicht mehr bestehen wird.
Nun noch ein Wort über die Zeichnung auf unseren Regeus-
burger Denaren, das zugleich geeignet sein dürfte, die Frage über
die praktische Verwendbarkeit solcher Kreuzzugsmüuzen einer
Lösung zu nähern.
56j Allerdings entlelint ein Poppo von Albeck a. IIOU vom Biscliot'e von
Gurk zu gleicliera Zwecke C marcas frisacensis luonete. (Archiv, 1. c. S. 305).
Dies sagt indessen nur, dass Regensburger Pfenninge vielleicht nicht zu be
schaffen waren, vielleicht nicht begehrt wurden. Ein Zwang bestand ja nicht,
sich gerade dieser „Kredzzugsmünzen" zu bedienen; in Ungarn wurden sie
vielleicht, wie wir nach Ausbert (siehe oben) vermuthen könnten, (aus Eifer-
sucht?) niedriger taxirt als anderes Geld, und eigentlich von Vortheil dürften
sie sich wohl erst im Orient erwiesen haben.
57) Vergl. oben den Vertrag der Söhne. — Auch die Einkünfte von (iurk-
feld werden in unserer Schuldurkunde erwähnt, und zwar einmal kurz weg als
centum et octoginta marcarum, das zweite Mal aber als centum octoginta marc.
frisasensis monete. Also Friesacher Münze selbstverständlich!
in der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses. 109
Was den ersten der oben mitgetheilten Pfenninge (Obermayr IL
27) betrifft, so mag man nach dem, was wir über die Provenienz
dieser Münzbilder bereits gehört haben und bei dem Umstände,
dass ältere Kegensburger Münzen byzantinischen Stiles nach-
gewiesen sind (Dannenberg, D. M. S. 39), an directen Einfluss des
Orients denken ; aber wenigstens dieser Simson begegnet uns auf
einem älteren böhmischen Pfenninge (Boleslaus', f 1139), und im
Allgemeinen hat die Eegensburger Münze thatsächlicb während
des XII. Jahrhunderts den Einfluss der böhmischen erfahren.
Hier im Osten begegnen wir zuerst jenen freieren und reichen
figuralen Darstellungen, welche von sicherer Hand, mit Gefühl und
Schönheitssinn entworfen, für den späteren Regensburger Typus
entscheidend wurden. Alle gleichzeitigen Prägen in stilistischer
Hinsicht überragend, erinnern sie an die Blüthe der höheren Kunst,
deren sich das Reich der Pfemysliden in damaliger Zeit erfreute 5»),
und als deren Träger uns zwei einzige Namen begegnen, doch charak-
teristisch genug die Namen zweier Aebte von Sa zava: Bozeteeh
(1061 — 1092) undReginhard (gegen Ende des XII.); 59) Sazava war
der Mittelpunkt der griechisch-slavischen Lithurgie, und eben dem
Einflüsse der von einem classischen Anhauche neubelebten byzan-
tinischen Kunst begegnen wir in der böhmischen. —
Wichtiger für uns ist jedoch die Wahrnehmung, dass der zweite,
S. 18 mitgetheilte Regensburger Pfennig (Obermayr VII. 94) mit einer
armenischen Münze Leons IL (Fig. 6. ««<>) auffallende Aehnlichkeit
besitzt, und dass wir fast genau denselben Münzbildern anf
58) Vergl. Gruebcr, B. Die Kunst d. M. A. in Böhmen in (\on >rittlilK- dor
Central-Comm. XVI. S. I ffg.
59) Von diesem heisst es in der Cosmae Contin. p. 363: „Ad humilia
etiam quaeque opera nullus eo promptior, nullus efficacior; fuit in eo peritia
pingeie vel sciilpere quasi ib et imagines ligno, vel osso, vel otiam divorsi
generis metallo, fabrilis quoque non ignarus fuit artis" etc. (Bei Grueber
1. c. S. IX, Anmerkung.) SoHte 1? ^\\rht ■aucU .nii" den Stempelsclmitt EinfluöS
geübt haben?
«Oj Hier abgebildet nach dem im k. k. Kabinet befindlichen Exemplar.
Bei Langlois, Numismatique de l'Armenie au moyen ••"•" '•' T 4
^t^^JÄT^ÄIf^^
110
C. Domanig: Einige Babenberger Münzen
Brakteaten begegnen, welche (um 1230 vergraben) in der Nähe
des Federsees im Württembergischen gefunden wurden, ei)
Fig. 6,
ff. Leon II.
5, c. Augsburg.
Diese Brakteaten (Fig. 6. h, c.) sind — man vergl. damit Bey-
schlag, Versuch einer Münzgeschichte Augsburgs etc. Tab. II. 22, 25
u. a. — Augsburger Fabrikat. Es ist jedoch bei der notori-
schen Abhängigkeit der dortigen von der Regensburger Münzstätte
(siehe unten) ; sowie bei dem Umstände, dass diese Münzbilder «a)
im Osten von Deutschland «s) und in Ungarn, ^'*) wohin der Einfluss
Augsburgs doch schwerlich reichte, Nachbildung fanden; endlich
bei der Beschaffenheit des vorei*wähnten Regeiisbnrger Pfenninges
(Fig. 5. a.) kaum ein Zweifel, dass die erste Nachbildung der arme-
nischen Königsmünze nicht am Lech, sondern an der Donau erfolgte.
Ich spreche von einer Nachbildung der armenischen Münze;
denn dass man in Armenien nach deutschem Muster geprägt
hätte, ist mir, von vielen anderen Momenten abgesehen, schon dess-
61) Leitzmann's Numism. Zeitung, Jahrg. 1861, S. 73 ffg. Tab. I. und II.
62) Wie in Schwaben? Vergl. Beyschlag V. 1, 2, 27.
63) Auf einem böhmischen (?) Brakteaten und einer steirischen Präge des
k. k. Cabinets; auf einer östeiTeichischen bei Luschin, Numism. Zeitschr.
Bd. VIII, Taf. IV. n. 224.
64) Rupp Vm. 218-220.
in der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses. 1 1 1
halb unwabrscheinlicli, weil hier die beiden Löwen nicht wie in
Deutschland eine mystische Bedeutung, sondern die weit ursprüng-
lichere eines redenden Wappens hatten, ß^) welches (neben dem
einfachen Löwen) auf armenischen Münzen von Leon IL bis auf
König Ochin (also in der Zeit von 1185 — 1320) häufig wiederkehrt.
Andererseits ist die gegentheilige Annahme von vorneherein nicht
unglaubhaft, wenn man erwägt, in wie nahen Beziehungen Ar-
menien gerade unter Leon IL (1185—1218) zum deutschen Kaiser-
reiche stand.
„Noch am Ausgang des XVI. Jahrhunderts," erzählt uns
Riezler (S. 66), „hat es ein Papst (Gregor XIII.) anerkannt, dass
keine Nation die Kreuzfahrer mit grösserer Bereitwilligkeit geför-
dert habe als die armenische ; durch Menschen, Pferde, Waflfen,
Zufuhr, Rath und jede Art von Hilfe habe sie die Christen in den
heiligen Kriegen stets auf das thatkräftigste und getreulichste
unterstützt." Daher auch unsere Deutschen den Armeniern mit
grossem Zutrauen entgegengekommen; „Armeni fideles nostri sunt",
sagt Tageno (Rer. germ. Script. L 409; ähnlich Ansbert S. o6.) Und
Leon IL, der Grosse genannt, „ausgezeichnet durch Tapferkeit,
Klugheit, Frömmigkeit und Herzensgute" (Tschamtschean) „war voll
Sympathie für die Abendländer, für die Deutschen voll besonderer
Vorliebe''. 66)KaiserFriedrichL verspricht ihm „auf seinem Durchzuge
65j ^Les lions que Ton voit röpresenter sur les raonmiies d'Armenie ötaient
des armes parlantes que L6on, Premier roi roupönien, avait prises pour emblöme.*'
Langlois p. 39. — Wie der Armenier Tschamtschean berichtet, schickte K.
Heinricli VI. an Leon „ein Panier mit dem Zeichen des Löwen, theils als An-
spiehmg auf seinen Namen, theils weil die früheren armenischen Könige ein
solches liatten; und diess solle er fortan vor sich hertragen lassen." liei Peter-
mann, Beiträge zu der Geschichte der Kreuzzüge aus armenischen Quellen in
den Abhandlungen der königl. Akad. d. W. zu Berlin, 18«0, S. 154.
*öj Riezler, S. 67. — „Dem deutschen Orden hat er später Adamadona
geschenkt, dessen erste Niederlassung auf armenischem Boden. In allem nahm
er sich die Abendländer zum Muster; in abendländischer Weise hat er seineu
Hof, einen Lehensadel und die ganze Verwaltung einzurichten gesucht, und
durch mannigfache Begünstij,'ungen hat er den Handelsverkehr (sie!) mit dem
Westen utul die Niederlassung von Occidentalen von Armenien gefördert."
ib.) Auch mit den abendländischen Christen in Syrien stand Leon „in viel-
fältiger Verbinduni^" fWilken, IV. 138).
112
C. Domanig: Einige Babenberger Münzen
durch Cilicien die Investitur der Königswürde, wird aber durch den
Tod daran gehindert. Dessen Sohn und Nachfolger, Heinrich YI.,
und Papst Cölestin IIL schicken ihm die Insignien des Königthnms
durch Cardinal Konrad, Erzbischof zu Mainz, der ihn um 6. Jänner
1198 als König von Armenien krönt." «7) Ohne den plötzlichen Tod
Barbarossa's, sagt Weiss, es) ,^wäre Armenien deutsches Land
geworden."
Unter solchen Umständen ist es wohl begreiflich, dass ein Regens-
burger Münzmeister, indem er deutschen Kreuzfahrern eine auch
im Oriente möglichst gangbare Münze prägen will, auf das befreun-
dete Armenien besondere Rücksicht nimmt und eine armenische
MUnze, welche durch heimgekehrte Pilger in seine Hand gekommen
war, zum Vorbilde wählt, «s»)
A usserdem wäre nur noch die Annahme statthaft, dass sowold die
kleinasiatische als die süddeutsche Münze einer dritten nachgebil-
det sind, und von Interesse wäre es, dieselbe auszuforschen, nach-
dem das armenische Königsbild (Avers von Fig. 6. a.) später ein
so beliebter Typus wurde und namentlich in Frankreich, in Rom,
Neapel, Arragon und Ungarn, aber auch von König Heinreich H.
in Jerusalem (1285 — 1324), von den Johannitern, ja (zwischen
1299 und 1345) sogar von dem Seldschuken-Emir Sarcan in Lydien
angewendet wurde, ^o)
Dieser letztere hielt sich an die Münzen Roberts von Anjou
und liess dieselben sehr genau bis auf „das grosse Lilienkreuz der
Kehrseite und die kleinen Kreuze am Anfang der Umschriften"
nachprägen und mit seinem Namen in lateinischen Lettern versehen.
«7) Kraflft, Alb. Armen. Münzen in den Jahrbücheni der Lit. i.s43, An-
zeigeblatt Nr. CHI, S. 2. Näheres Petermann 1. c.
«8) m. 1, S. 178. — Vergl. auch Langlois 1. c. S. 36.
•9) „Nie scheinen zahlreichere Wallfahrten aus Deutschland nach Palä-
stina unternommen worden sein, als in den Jahrzehnten, welche dem zweiten
Kreuzzuge folgten," sagt Riezler (S. 7). Ansbert (S. 20) spricht von Mitpilgem,
welche der Wege in Bulgarien kundig waren, und (S. 40) von einem Regens-
burger Bürger „graecae linguae ac provinciae gnaro." Nach dem Tode Barba-
rossa's blieben Deutsche in Armenien zurück, wie eine armenische Quelle be-
richtet (Petermann S. 150) und Riezler (71, Anmerkung 2) aus anderem Grande
vermuthet.
70) Friedländer, Beiträge zur Münzkunde. Bd. I. S. 52 fg.
•^:*5*«?^?tSv 7-'
iu der Müazsammluug des Allerhöchsten Kaiserhauses. 1 lo
Friedländer macht hiezu die richtige Bemerkung. 71) „Bei näherer
Betrachtung scheint es weniger auffallend, dasg ein seldschukischer
Emir lateinische Münzen mit christlichen Typen geprägt hat ; er
war mit dem christlichen Byzanz im Bunde, seine Küstenländer und
seine Meeresfahrten mussten ihn mit Venetianem und Genuesen in
vielfache, wohl auch friedliche Verbindung bringen und für den
Verkehr seiner Unterthaneu mit den Europäern mochte er denn
wohl diese Münzen geprägt haben." Aehnlich, so wiederhole
ich schliesslich, müssen umgekehrt „Kreuzzugsmünzen" für den
Verkehr mit dem christlichen Morgenlande geprägt worden sein,
ob man sich übrigens die Verwandtschaft jener Regensburger und
armenischen Prägen auf die eine oder die andere Weise zu erklären
sucht. —
Wenden wir uns endlich wieder unserer österreichischen
Münze zu.
Dass sie eine Nachmünze des Regensburger Stückes ist und
wie dieses zum Gebrauche der Kreuzfahrer geprägt wurde, ergibt
sich aus dem Gesagten; es erübrigt nur die Frage: welcher Zeit
und welchem österreichischen Fürsten sie zuzuschreiben sei?
Und noch einmal muss ich diesbezüglich auf unsere Regens-
burger Prägen zunickgreifen, deren genauere Altersbestimmung
sonst nicht in den Rahmen dieses Aufsatzes fällt.
Die Münzbilder Fig. 5. a, und Fig. 3. sind — leicht verfolgt
man diese Entwicklung der Arten — aus Bildern entstanden, wie
sie die beiden Augsburger Brakteaten Fig. 6. 6, c zeigen; ange-
nommen nun den mehr als wahrscheinlichen Fall, dass denselben
die armenische Königsmünze Fig. 6. «. zum Vorbild diente, ergibt
sich, dass der Pfenning Fig. 3. nach dem Jahre 1185 (als dem
Regierungsantritt Leons 11.) geschlagen sein müsse.
Dies bestätigt sich durch eine andere Wahrnehmung. Regousburg
war zweimal zum Sammelplatz der Kreuzfahrer erkoren, 1 147 und
1189; in einem dieser beiden Jahre wird die Emission der „Kreuz-
zugsmünzen" stattgehabt haben; in welchem? Es ist im Juli 1 189,
V,,, ,.^^^^^,.,,^,^^^^,^^.,^^^^^^1^^
114
C. Domanig : Einige Babenberger 3IÜDzen
da Adalbert von Bogen die Münzen Giiswini Ratisbonensis mone-
tarii nennt; deutet diese ungewöhnlichste Benennung nicht darauf
hin, dass ihre Erscheinung noch ganz den Reiz der Neuheit hatte?
Oder würde nicht, wenn die Pfenninge schon lang im Umlauf waren,
der Name des Münzmeisters schon vergessen und sein Geld mit
einem anderen, volksthümlichen Sammelnamen bezeichnet sein?. . .
Bekannt ist ferner der seit langem herrschende „anhaltende
Parallelismns" ^a) zwischen der Regensburger und Augsburger
Münze. Nun theilt uns Beyschlag 73) einen Denar mit Umschrift mit,
welcher, augenscheinlich nach Regensburger Muster fabricirt, die
Legende hat: Av.: AVGVSTVDALRICV8, Rev.: CONRAD VS-
ePISCOPVS. Bischof Konrad aus dem Geschlechte der Hirschek —
der einzige Augsburger Bischof dieses Namens — regierte 1150 bis
1167. Steht es nun auch für diese Zeit noch fest, ,^dass Regens-
burger und Augsburger Denare bei gleichen Typen sich als gleich-
altrig erweisen," 74) so muss unseren Regensburgern rücksichtlich
ihres durchaus vorgeschrittenen Stiles ein geringeres Alter zuerkannt
werden als den Prägen des Bischofes Konrad.
Sind wir so zu dem Schlüsse berechtigt, dass das Vorbild
unserer Wiener Münze nach dem Jahre 1185 und, wahrscheinlich,
nicht vor dem Jahre 1189 geprägt sein müsse, so ergibt sieh
anderseits als äusserste Grenze des Entstehens beider Stücke
das Jahr 1206.
Denn „anno 1205 in fine vel 1206 initio" verlautbart König
Philipp das Uebereinkommen zwischen dem Bischöfe von Regens-
burg und dem Herzog von Bayern : 's)
„Quod cum Ratisponensis episcopatus cum ducatu bawarie ab
imperio monetam thelouea et quaedam indicia habeat communia
(S. 524) item de nioneta Ratisponensi statu er unt, quod
nulla um quam post 7«) eam fiat. Quod si factum fuerit dux ad
consilium et velle episcopi prohibebit (S. 525 in fin.)'' Ohne
Zweifel hat man in Oesterreich eine solche Vereinbarung und
72) Dannenberg, ^. M. S. 396.
73) Beyschlag 1. c. S. 18 (T. II. 19 a b).
7*) Dannenberg 1. c.
75) Post = ad vde. Du Gange s. v.
76) Mon. boica. Bd. XXIX. I. S. 524 ffg.
in der Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhaasos. llO
Erklärung- respectirt, ") und es nicht gewagt, noch nach dem Jahre
1206 Nachmünzen einer Regensburger Präge auszugeben.
Ob aber vielleicht gerade dieWiener Münze mit Veranlassung zu
tlieser Vereinbarung vom Jahre 1205 oder 1206 gegeben hat? Zum
Jahre 1206 berichtet uns die Babenberger Chronik: ^s) ^^Der lobsam
herczog lewpolt von osterreich und von steyr, da sein erster sun
pegraben ward, von rew und von andacht nam er das chrewcz an
sich mit vil edeln herrn auf dem lande zu newburch." Das war frei-
lich im Jahre 1206. Wohl geschah aber auch damals, was Walther
von der Vogel weide vom Jahre 1217 berichtet, dass „Liutpolt
sparte üfgotesvart, üf künftigere" '9), und so wird man die Emission
der Wiener Kreuzzugsmünze, die ja solchem Zwecke sehr förder-
lich war, unbedenklich noch vor der Abmachung der bayrischen
Mtinzherren, etwa 1205 ansetzen dürfen. Den Wiener Pfenning in
das Jahr 1190, wo zum letzten Male ein österreichischer Fürst das
Kreuz genommen hatte, »<>) zu verlegen, verbietet seine vorgeschrit-
tene Technik.
Nr. 9. Ein Stück.
Av. Nach links trabender Reiter mit geschultertem Schwert.
Rev. Auffliegender Adler.
Gewicht: 0-78 Gr. Mit Vierschlag.
xN'r.lO. Zwei Stücke.
Av. Ein lediges Pferd, nach rechts trabend ; auf dem Sattel
lässt sich ein Adler nieder.
77) Mit welchem Nachdruck übrigens die Regensburger Müuzherren dieser
Vrreinbarung Geltung verschafften, zeigt ein Fall, dessen Kenntniss icli der
ütite des Hen-n Gebert in Nüiiiberg verdanke. K. Friedrich verbietet auf Bitteu
Bischofs Konrad und Herzogs Ludwig, „ne . . . apud Nurenberch moneta fiat, quae
contineat imaginem similem imagini monete liatispon.", obwohl der Kaiser
früher selbst angeordnet hatte, dass die Nüniberger „secuudura iuiaginem mo-
nete Ratisponensis" prägen sollten. Die Urkunde ist raitgetheilt in Mon. boica
XXX, I. 95 und in Ried, Cod. I. 324.
78) Archiv für K. öst. G. Q. Bd. IX, .>. .);)5 ffg.
7») Ed. Pfeiffer n. 120. Vergl. auch ib. n. 86.
80) Meiller, Regesten S. 236.
8*
: 'j-^^^^^^r^^.^
116
C. Domanig: Einige Babenberger Münzen etc.
Rev. (erinnert an Rev. Nr. 2) Vier oben durch Kreuze ge-
trennte, am Hals verbundene Köpfe, von weiten Bogen
umschlossen.
Gewicht: 0-88, 1-10 Gr.
Nr. 11. Ein Stück.
Av. Dieselbe Zeichnung wie Nr. 10.
Kev. Wie Nr. 10, doch sind die Köpfe durch Punkte getrennt
und um einen Punkt gestellt.
Gewicht: 8 Gr.
Einer ähnlichen Darstellung wie auf dem Avers unserer Münze
begegnen wir auf einer von Cappe K. Otto IV. (?) zugewiesenen
Münze (D. K. M., I. Taf. XI, 171) und bei Luschin (Numism. Zeit-
schrift, VIII. Taf. V. n. 237); an Stelle des Adlers ist auf diesen
beiden Exemplaren eine Lilie (?). Ich bin nicht ungeneigt, unser
Bild auf die Achterklärung Friedrichs V., des Streitbaren, zu beziehen
und in dem Adler das kaiserliche Wappenthier zu erblicken.
Darnach müsste der Pfenning zwischen 1236 — 1240 geschlagen sein.
Um das Dutzend vollzumachen, setze ich schliesslich einen
ohne Zweifel noch jüngeren, vielleicht nicht mehr babenbergischen
Denar hieher, der offenbar gleicher Fabrik, durch seine Wappen-
bilder, aber auch in technischer Hinsicht durch seine nahe Verwandt-
schaft mit sichern Münzen König Rudolfs (Numism. Zeitschr.
Bd. XIV, Taf. XVn. n. 1.) sofort als Oesterreicher kenntlich ist und
damit in augenfälligster Weise den österreichischen Ursprung der
übrigen von uns mitgetheilten Münzen darthut.
Nr. 12. Ein Stück.
Av. Ein Adler (der österreichische) in einem mit vier Lilien
ornamentirten Quadrat, von einem Ringe umgeben.
Rev. Ein Panther (der steierische) von Sternchen begleitet.
Gewicht: 1-01 Gr.
Wien, im Mai 1885.
-^CM-
p^
IV.
Zur Bracteatenkunde.
Von
R. V. Höfken.
Nachdem einerseits in der Wiener numismatischen Zeitschrift
eine Skizze über die Bracteatenkunde noch nicht veröffentlicht wurde,
anderseits aber das Interesse für die Bracteaten nun auch in Oester-
reich zunimmt, so möge es mir gestattet sein, in diesen Blättern
einen Auszug meines Vortrages: „Ueber das Wesen und die Ent-
wicklung der Bracteaten" niederzulegen.
Ueber die Geschichte des Bracteatenstudiums wissen wir, dass
die Gelehrten des XVII. Jahrhunderts, welche hin und wieder dies
Gebiet betraten, sich zwar um die Wissenschaft selbst weniger Ver-
dienste erworben haben, dass aber immerhin ihre Bemühungen
dankbar anerkannt werden müssen, indem sie der Numismatik ein
neues Feld eröffneten und zur Kehabilitation jener Münzen beitrugen,
von welchen Leuckfeld erzählt, man habe sie für Knopftiberzüge,
versilberte Oblaten gehalten, auf ihnen sogar magische Zeichen,
selbst den Teufel gewittert und daher angelegentlichst vernichtet.
Deutschlands Münzfreunde begannen endlich zu bemerken, dass
nicht nur Rom und Hellass, sondern dass auch das eigene Vaterland
interessante Münzen, Denkmäler längst entschwundener Zeiten
besitze.
Wir sehen demzufolge im Laufe des XVIII. Jahrhunderts eine
erfreuliche Anzahl von Männern bemüht, der Bracteatenkunde Bahn
zu brechen, auf sie die Aufmerksamkeit gelehrter Mllnzfreiinde zu
■^K,,
118
R. V. IKfken:
lenken, um so eine neue Perspective auf die vaterländischen Cultur-
verhältnisse fast eines Viertel -Jahrtausends — und nicht nur inso-
ferne sie das Münzwesen betreffen! — zu erschliessen.
Ihre Arbeiten freilich sind jetzt zum Theile veraltet; die neuere
Forschung hat ihnen viele Irrthümer nachgewiesen. Allein, den
Boden hatten sie doch geebnet, Platz gemacht für Josef v. Maders
numismatisches Genie, für den Eckhel des Mittelalters, wie Leitz-
mann ihn nannte.
Mader war es, welcher zuerst dem Mtinzwesen des Mittelalters
und speciell der Bracteatenkunde ein richtiges Verständniss und eine
richtige Behandlung zu sichern wusste.
Seine Nachfolger ») strebten, auf die richtige Bahn geleitet,
muthig und unverdrossen vorwärts ; hochgelehrte Männer gaben sich
dem Studium der Bracteatenkunde mit Eifer hin und führten sie,
begünstigt durch interessante Funde, der Vervollkommnung ent-
gegen; Männer, welche noch heutigen Tages unermüdlich forschen
und arbeiten, der Wissenschaft zur Ehre, den jüngeren Kräften zum
wüidigen Vorbild !
Wenden wir uns nun zu den Bracteaten selbst. Bractea be-
zeichnet ein dünnes Metallblech (ß^sa/iTv knistern, rauschen), im
Gegensatze zu lamina, der dicken Metalltafel. Bracteat ist im
Grunde also jede Dünnblechmünze und es wäre daher vielleicht
zutreffender, von ein und zweiseitigen Bracteaten, als von „eigent-
lichen" Bracteaten und „Halbbracteaten" zu sprechen.
Beide Arten aber wurden im Mittelalter, wie die Dickpteunigc,
„denarii^, Pfennige, local auch wohl Struffen oder Straubpfennige
genannt, weil sie nicht dicht zusammengepackt werden konnten,
sondern viel Baum einnahmen, sich sträubten 2); das Wort „Bracteat"
ist jüngeren Ursprungs und verdankt sein Vorhandensein der
Wissenschaft.
Dass die Chronik uns nichts über das Aufkommen der Brac-
teaten, jener von den bisherigen Dickdenaren so verschiedenen
1) Eine detaillirte Aufzählung aller Autoren und ihrer Werke würde hier
den Leser zu sehr ermüden; übrigens erscheint eine solche im „Archiv für
Bracteatenkunde. "
2) Schmidcr, Handwörterbuch der gesammten Münzkunde. 1811. pag. 67.
Zur Bracteateukundf. 119
Münzen, erzählt, findet in der Entstehungsweise der ersteren
einige Begründung-,
• Der Uebergauij,- von den Dickdenaren zu den zweiseitigen Dünu-
denaren, von diesen zu den einseitigen, war ein so natürlicher,
durch Umstände bedungener, in seiner Entwicklung unbemerkter,
dass die Geschichtsschreiber es füglich der Nachwelt überlassen
konnten, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.
Die natürlichste Erklärung für die Entstehung der Bracteaten
dürfte, mit Uebergehung all der verschiedenen älteren Ansichten,
die nachfolgende sein.
Man fand gegen Ende des 11. Jahrhunderts, als in Deutsch-
land noch der Dickdenar üblich war, mehr und mehr Gefallen an
den umfangreicheren Münzen romanischer und orientalischer Staaten.
Um der Beliebtheit ihrer Münze nicht Eintrag zu thun, suchten
einzelne Münzbereclitigte dieser neuen Geschmacksrichtung ent-
gegenzukommen, indem sie grössere Denare schlagen Hessen, welche,
da der alte AYerth ihnen innewohnen und die alte Rechnungsweise
beibehalten werden sollte, im selben Verhältniss dünner werden
mussten, als ihr Umfang zugenommen hatte.
Die Folge dieser Dünne aber war die Zerstörung des Gepräges
der einen Seite durch die Prägung der andern.
So beschaffene zweiseitige Dünndenare, welche wir heute Halb-
bracteaten nennen, waren dem damals bereits fortgeschrittenen
Kunstsinne zuwider. Von Erfurt und Nordhausen s) kennen wir
Dünndenare, welche auf der einen Seite die Umschrift, auf der
andern das Münzbild führen; vielleicht haben wir hierin einen Ver-
such zu erblicken, trotz des dünnen Schrötlings ein schöneres Gepräge
zu fertigen und der gegenseitigen Zerstörung derselben vorzubeugen.
Allein dieser Ausweg konnte schon desshalb keinen Anklang
finden, weil sich durch Ausbreitung des Handels und Entfaltung
eines regeren Verkehres überhaupt ein grösserer Bedarf an Zahl-
mitteln geltend machte, in Folge dessen die Manipulation des MUn-
zens eine möglichst leichte, rasche und billige sein musste.
Natürlicher war es also, die Prägung der einen Seite ganz weg
zu lassen, zum einseitigen Dünndenar überzugehen, welche Münze —
8j Fr. V. Posern-Klett, pag. 58 imd Nr. U4— 150; v. Mader, Vers. Nr. 99
und 100.
:■;-•■> ■^'^i'f,:'5;>jP?5F,S:-^,'y?^-''^P**^
120
R. V. nöfken :
unser Bracteat — allenthalben Beifall fand : Bild und Umschrift war
auf einer Seite vereinigt, ein zweiter Stempel erspart, das Ver-
fahren einfach, die Herstellung* weniger kostspielig, die leichte Theil-
barkeit der Münze eine angenehme Beigabe. *)
Die Bracteaten waren anfänglich, wie ihre Vorgänger, von
flachem Gepräge; allmählich jedoch machte sich der damalige Ge-
schmack an getriebener Metallarbeit auch bei der Münze geltend :
sie nahm ein Reliefgepräge an. Dr. Schöneraann 5) weist sehr richtig
auf den Aufschwung deutschen Kunstfleisses im 12. Jahrhundert,
auf die Ausbildung der Reliquienbehälter, der in Silber und Kupfer
getriebenen Deckel der Evangelienbücher und Plenarien hin.
Nur dieser Kunstrichtung verdanken wir jene schönen, überaus
kunstvollen Bracteaten, welche angethan sind, auch dem Laien leb-
haftes Interesse einzuflössen.
Was nun die Fabrikation anbelangt, so wissen wir bis jetzt,
dass der Stempel bei der Prägung entweder nach oben gerichtet
war, der Schrötling auf diesen hinauf gelegt und mit einem Hammer,
zur Schonung des Stempels an seiner Aufschlagfläche wohl mit Leder
oder dergleichen versehen, eingetrieben wurde; oder der Stempel
ward, nach unten gerichtet, auf das Silberblech, «) unter welchem
sich vermuthlich eine Blei-, Leder- oder Filzunterlage ') befand, auf-
gesetzt und mittelst Hammerschlages die Prägung vollzogen. Die
letztere Methode war jedenfalls die praktischere, gewiss mehr ver-
breitete. Ueber den Stempel selbst wird uns in Professor Luschin
vonEbengreuth'sPublication „derBracteatenstempel von Lette witz" »)
*) Das Zerstückeln der Münzen war auch in späteren Zeiten oftmals ein
natürlicher Nothbehelf bei Mangel an Kleingeld; selbst zu Anfang dieses Jahr-
hunderts noch war es z. B. bei den Indianern Sitte, die goldenen Eagles (Zehn-
dollarstück) mittelst Messers oder Dolches durch einen gewandten Schlag in
zwei Hälften zu theilen.
5) Zur vaterländischen Münzkunde vom 12. bis 15. Jahrhundert, pag. 2.
6) Das zur Bracteatenprägung verwendete Metall war Silber, zu ver-
schiedenen Zeiten und Orten von verschiedener Qualität; goldene Bracteaten
sind Absehläge aus neuerer Zeit und entbehren jedes numismatischen Werthes.
7) Cfr. in der Berliner Zeitschrift für Numismatik XI, pag. 88. A. v. Sallet's
Entgegnung auf die in der Wiener numismatischen Zeitschrift erschienene Be-
sprechung von H. Halkes „Einleitung in das Studium der Numismatik."
8) Wiener Numismatische Zeitschrift 1881.
Zur Bracteatenkunde.
121
Aufklärung zu Theil; es sei daher der Vollständigkeit halber ge-
stattet, die Hauptpunkte daraus anzuführen:
Dem Stoffe nach gibt es noch Originalstempel zu Bracteaten
aus Bronze und Eisen.
Ihre Herstellung erfolgte entweder: a) durch Guss, und dies
gewährte den Vortheil, dass man von einer Patrize eine beliebige
Anzahl von Matrizen abformen konnte; b) durch Gravirnng des ge-
schmiedeten Eisenkornes, wobei jedoch schon frühzeitig die Nach-
hilfe durch Punzenschläge üblich erscheint.
Die Frage, warum trotz der grossen Mannigfaltigkeit der Brac-
teaten nur wenige Stempel erhalten blieben, könnte nicht besser
beantwortet werden, als durch Professor von Luschin's eigene
Worte (a. a. 0.):
,. Besondere Gründe zur Aufbewahrung der Stempel lagen nicht
vor, eher rieth die Vorsicht zur Vernichtung, um spätere Fälschun-
gen auszuschliessen, ganz ebenso, wie die gleiche Ursache in den
Kreisen der Siegelberechtigten zur Zertrümmerung des Typars
nach dem Tode des früheren Eigners führte. Aber auch die Be-
schaffenheit des Materials, aus welchem die Matrizen hergestellt
wurden, hat oft deren Untergang in alter Zeit veranlasst. Es empfahl
der Werth des Rohmaterials die Wiederverwendung, da im Mittel-
alter die Metalle überhaupt, Eisen und Stahl insbesondere, ungleich
höher im Preise standen, als heutzutage. Erwägt man endlich die
geringe Widerstandskraft des Stahles und Eisens gegen Rost, so
kann es nicht Wunder nehmen, dass die Zahl der echten Münz-
stempel aus dem Mittelalter ungemein gering ist."
Es ist ausser Zweifel,"dass alle Bracteaten als ZahlungsmUnzen
dienten; dies beweisen nicht nur die Worte denarius, moneta,
numus, sowie die Fundverhältnisse, sondern auch der Mangel
jeder Zeit- und Begebenheitsangabe auf Bracteaten. Die übliche
Münzerneuerung war überhaupt nicht angethan, die Idee einer
Denkmünze, einer Verewigung merkwürdiger Geschehnisse auf
Münzen, aufkommen zu lassen.
Dessen ungeachtet besitzen wir Bracteaten, welche unverkenn-
bar eine historische Begebenheit versinnbildlichen, die daher wohl
als Vorläufer späterer Gelegenheitsmünzen, wie Geschichtsthaler
u. dgl, anzusehen sind.
?^?t^^r . ^> ', i..^ ■ A 4»"*' f." ^"^^vß
122
R. V. Höfken :
Sie dürften vorzüglich beim Regierungsantritte eines Fürsten
— ich erinnere z. B. an jenen Bracteaten auf Bernhards von Anhalt
Besitzergreifung des Herzogthums Sachsen») — üblich gewesen
und der Verpflichtung des Stempelschneiders zu danken sein, dem
neuen Pfenning ein vom alten verschiedenes Gepräge zu geben.
Jeder passende Vorwurf zu einem neuen Münzbilde wurde mit
Freuden ergriffen — namentlich wenn anzunehmen war, dass er
dem Geschmacke des Landesherrn entsprechen dürfte — und auf
diese Weise mit der Zahlungs- eine Denkmünze geschaffen. Auch
andere historische Begebenheiten, wie den Märtyrertod des heiligen
Stephan 10)^ ferner merkwürdige Ereignisse anderer Natur n) u. dgl
mehr, sehen wir geschickt und verständnissvoll ausgenützt.
Jedoch waren als leicht ersichtliche, in Folge der Münzerneue
rung nothwendig gewordene, Unterscheidungsmerkmale zwischen
neuen und alten Pfenningen auch nur Kreuze, Ringel, einzelne
Buchstaben etc. unter Beibehaltung der übrigen Zeichnung genügend
und gebräuchlich.
Die Münzerneuerung, wie wir im Sachsenspiegel lesen, anfang-
lich wohl nur bei dem Regierungsantritt eines Fürsten üblich,
artete später zu einem Unfug bedenklichster Art aus.
Wenn schon die münzberechtigten Herren ihre Säckel auf
Kosten der Unterthanen nach Möglichkeit zu füllen bedacht waren,
so gestalteten sich die Verhältnisse ganz besonders ungünstig für
Land und Leute, wenn die Münze an gewissenlose Pächter über-
geben war, wesshalb wir auch durchwegs das Bestreben der Bürger-
schaft, die Münze an sich zu bringen, oder wenigstens dieselbe
beeinflussen zu können, wahrnehmen.
Die Pfennige blieben nur durch ein Jahr, mitunter sogar nur
durch ein halbes, im Umlaufe, um dann eingezogen und gegen ein
bedeutendes Aufgeld durch neue, in späterer Zeit meist minder-
werthige, ersetzt zu werden.
Wie störend solche Umstände auf Handel und Wandel ein-
wirken mussten, bedarf keiner weiteren Erörterung.
n
9) S. Dr. Elze's „Münzen Bernhard's von Anhalt" I. Heft, h.
10) S. Pastor Stenzel's „Bracteatenfund von Freckleben" Nr. 34 und 35.
11) Sehr interessant und lehrreich ist diesbezüglich Herrn v. Graba's Ab-
handlung „St. Mauritius oder Dionysius?" fZeitsch, tur Numism. VIIL, pag. 17.)
mm^'
Zur Bracteatenkunde. J.äÖ
Bei grösseren Zahlungen wurden die Bracteaten, gleich den
zweiseitigen Denaren, gemeiniglich nach Pfunden, Ferdingen (der
4. Theil der Mark) und Lothen (der 16. Theil) berechnet i"). An-
fänglich war das Zählpfund oder Talent dem Gewichtspfunde oder
Mark äquivalent. Im 13. Jahrhundert sank ersteres jedoch durch
die stete Verschlechterung des Geldes so sehr, dass man ausdrück-
lich auf gewogene Marken handelte, sich geläutertes Silber ver-
schreiben Hess oder die Prüfung des in Zahlung anzunel)nienden
Silbers vorbehielt.
Die Epoche der eigentlichen Bracteaten fällt in die Zeit vom
12. bis Ende des 14. Jahrhunderts; im ersten Viertel des 12. Säcu-
lums wurden die schönsten Exemplare verfertigt, während schon
ungefähr vom 13. Jahrhundert an mit der Kunst allmälig auch der
Feingehalt der Münze abnahm.
So gibt V. Posern-Klett in seinem berühmten Werke über
Sachsens Münzen im Mittelalter ein interessantes Beispiel des Ver-
falles der Münze zu Erfurt. Dort wurden aus einer Mark geprägt:
um das Jahr 1150 ungefähr 260 Pfennige; 50 Jahre später 330;
abermals nach 50 Jahren 440 und um das Jahr 1300 bei TOOPfennige.
Es würde zu weit führen, wollten wir hier auf die den ver-
schiedenen Münzstätten eigenthümlichen Typen 13) oder auf erstere
selbst eingehen. Nur kurz sei erwähnt, dass die Bracteaten beson-
ders im damaligen Ober- und Niedersachsen, Schwal)cn, der Lau-
sitz, in Polen und Böhmen üblich waren.
Als Nachfolger der Bracteaten — diese blieben nur in einzelneu
Städten, wie Braunschweig, Erfurt, Goslar, mehr Kupfer wie Silber
enthaltend, länger im Gebrau cli — sind die Hohlpfenniugc anzu-
sehen, welche die Stelle einer Theilmünze des Groschens einnahmen
12) Näheres s. u. n. in Dr. Bode's „älterem Münzwesen der Staaten und
Städte NiedersMchscns."
i3j Trotz des eingehendsten Studiums derselben wird die Bestimmung:
und richtige Zutheilung oftmals sehr erschwert durch die mittelalterliche MUnz-
nachahmung der Nachbarstaaten untereinandtu-, von welchen joder seinen Pten-
ningen ein möglichst grosses Umiaufsgebit^t sichern wollte. Dieser Absicht
verdanken wir zum grossen Theil die oft sinnlosen Umschriften und di«' leicht
auf falsche Fährte bringende Imitation der Vorstellung auf dem UrstUeke.
Cfr. Zeitschr. für Numism., XII, pag. 31)1; Dr. H. A. Erbstoins Mllnzfund von
Trebitz-, etc. etc.
.■ >;>'*^r-i^SlS^5^, ^'^■J<JiW2
124
R. V. Höfken : Zur Bracteatenkunde.
und ein weit grösseres räumliches Gebiet umfassten, als ihre Vor-
gänger.
Schliesslich sei noch der Falsificate Erwähnung gethan, an
welchen leider auch kein Mangel und die sich unversehens i*) hie
und da in ältere Werke eingeschlichen haben. Die neuere For-
schung verfolgt ihre Spuren i^) und lässt sich nicht leicht mehr irre-
führen. Denn mag das Falsum noch so täuschend „alt gemacht"
sein, der Zahn der Zeit, das Charakteristische der Zeichnung und
der Buchstaben lässt sich kaum glücklich imitiren. —
Naturgemäss musste bei dieser Skizzirung der allgemeinen
Gesichtspunkte über die Bracteaten den Münzkundigen manch
längst Bekanntes wiederholt werden; sie mögen es gütig hinneh-
men und sich mit der Hoffnung trösten, dass diese kleine Ab-
handlung vielleicht doch da und dort Anregung geben und unserem
Specialstudium neue Freunde zuführen werde.
1*) Bei Seeländers „zehen Schriften von teutschen Müntzen" ist das Wort
„unversehens" nicht gar genau zu nehmen.
15) So sind in v. Posem-Klett's oben angeführtem Werke viele Falsa
kritisch beleuchtet und abgebildet; feraer in M. Donebauer's „Fälschungen
böhmischer Münzen und deren Stempel" (Wiener numismatische Zeitschrift
1880) u. a. m.
V.
Nachträge
zu
meinen früheren Aufsätzen in dieser Zeitschrift.
Von
H. Dannenberg.
(Hiezu Tafel VIII.)
In je kräftigerer Entwicklung eine Wissenschaft sich befindet,
um so mehr Anhänger wird sie gewinnen, da jeder hoffen darf, zu
ihrer Bereicherung beitragen zu können. Dass unter diesen stetig
fortschreitenden Wissenschaften unsere Münzkunde nicht die letzte
Stelle einnimmt/ das wird man recht gewahr, wenn man nach Ver-
lauf einiger Zeit eigene oder fremde numismatische Abhandlungen
einer Prüfung unterwirft, man wird dann bald inne, wie beträchtlich
inzwischen unsere Erkenntniss gewachsen, denn auch wenn die
grösste Sorgfalt auf sie verwandt ist, werden Berichtigungen sowohl
als Ergänzungen auf Grund neu entdeckten Stoffes sich an ans
herandrängen. Die daraus erwachsende Pflicht zu solchen Besserun-
gen möchte ich im Nachstehenden bezüglich dreier in diesen
Blättern veröffentlichten Abhandlungen aus meiner Feder erfüllen.
I. Deutsche Inschriften auf Mittelaltermünzen {s.M. 11, 6. 517).
a) Berichtigungen.
Nr. 1. Edl Robertus comes durfte zu streichen sein; ich möchte
Grote's Ansicht beitreten, der (Mtinzstud. VE., S. 446) von den
-^■\ T ■^■"^4- i^i'.Tn^fTw.wsp?*^^
i-^^ H. Daunenberg: Nachträge
bekannten Luxemburgischen Sterlingen Johanns von Böhmen mit
Eiwanes oder Ediwanes sprechend, in denen man jetzt wohl allge-
mein keine slavische Wortform mehr sieht, sondern lediglich das
Bestreben, sie dem Auge als englische Edwards-Münzen erscheinen
zu lassen, daran die Bemerkung knüpft, es lasse sich auf ebendie-
selbe Weise wohl auch des Edl Robertus des Flandrischen Grafen
Robert von Bethune, sowie das Edl Wilhelmus des Grafen Wilhelm
von Namur erklären.
Nr. 3. Ein Englisch ganz gleichen Gepräges, aber mit Margre
comi, der auf der Rückseite die Münzstätte Ratingen nejint (Münz-
stud. VIL, S.26, Nr. 22, Taf.III, 22), macht es doch, trotzdem Vrouwe
eine Uebersetzung von domina, nicht von comitissa ist, sehr glaub-
lich, dass wir dessenungeachtet in dieser vrouwe Margaretha eben-
dieselbe Gräfin von Berg zu erblicken haben.
Nr, 7. Grote bemerkt bezüglich dieser Münze (Münzstud. VII.,
S. 74'. Anmerkung): „dass die Umschrift des Heinsbergischen
Wappen - Turnosen (Nr. 7) Her Goderte er van Henb weder, wie
Mader lesen wollte, „Herr God(fried) dritter Erbe", noch, wie
Dannenberg lesen will „dritter Herr", sondern Her(r) Goderte,
(H)er(r) van ne(i)n(s)b(erg) zu lesen ist. „ Goderte '' ist das nieder-
deutsche Diminutiv des abgekürzten Gode, sowie Götz die ober-
deutsche Abkürzung. — Diese Erläuterung der Umschrift, die doch
wohl ohne Frage die richtige ist, wurde mir einst von Boiil mündlich
mitgetheilt.''
Nr. 12. In dem Wilhelm dieses Turnosen habe ich inzwischen
(s. V. Sallet Zeitschr. f. Numism. X., S. 231") den Burggrafen Wil-
helm von Hammerstein (1357 — 1410) ermittelt.
bj Neues.
Nr. 29. Dirk-Loef von Hörn (t 1390).
LOVIGVS : Dai : GKKCVK i hWcta i VTTR hOR : G i TILTGR (v. d.
Chijs, munten der leenen van Brabant S. 135, Taf. XI, 2).
I
zu meinen früheren Aufsätzen in dieser Zeitschrift. 127
Nr. 30. Arnold, Herr von Steyn (urkundlich 1381).
höR' TTRnOLDVS t VÄR STetma (Kab. d. Gartheschen Münz-
sammlung, Köln 1884, Nr. 7686). Im k. Münzkab. zu Berlin.
Nr. 31. Otto L, Graf von Geldern (1182—1207).
►^ GieVeOTT (Rev. num. Beige V, Bd. VI., S. 269, Taf. IX, 1 ;
s. auch V. d. Chijs Utrecht VI, 1, 2, XXX, I).
Nr. 32. Adolf, Herzog von Berg (1408 — 1423).
TTDOLPhVS • DVK • 30 • Döflß • BORG • i • GOflßöS (Münz-
stud. VII, S. 74 ^ Nr, 59 B, Taf. XVIII, 59 B).
Nr. 33. Adolf, Graf von Waldeck, 1214—1270.
+ ALF COMGS DG WKh (Plato, Sendschr., Taf. II, 40,
Münzstud. V, S. 103.)
Nur die deutsche Namensktirzung „Alf" berechtigt zur Erwäh-
nung dieses Denars.
Nr. 34. Heinrich IV., Herzog von Braunschvreig-Salzderhelden
(1463—1526).
DVXShRIC'TOSBRVSW (Münzkab. d. Grafen Jnn- & Knyp-
hausen Nr. 7326).
Nr. 35. + hIRIC§T0§BRVRSSI5IZ ßr. oflßORG*nOV'Ä
TO^DG^SOLTh (Num.-sphragist. Anzeiger v. Walte und Bahr-
feldt, 1881, S. 21.)
Nr. 36. Mark Brandenburg, Ende des XIII. Jahrhunderts).
STGHDALGSCHe (seil. Muncz.). (Weyl, Rerl. Mjiir/>i •'>♦"•
1882, S. 270; v. Sallet, Zeitschr. X, S. 126).
Nr. 37. Glatz. Ulrich, Graf zu Hardegg (1501—1525).
VLRICH o GKKB 3 V o hTtRDGQ IJ;. SXlÖUaT o 1^0 VK o TTV Rö
03VOGLOG3 (Berl. Blätter für Münzkunde LH, S. 285, Taf.
XXXIX, 1).
Nr. 38. OVLRICHOGR0POC3VO6L0C5 (Ebenda Taf.
XXXEK. 2).
■ ^ ; ■ , i?V'-:cc/:'^-*5Ä"
128
H. Danneuberg: Nachträge
Nr. 39. Neisse. Wenzel König von Böhmen (1378—1419).
4- naiSÖR^höLL' (d. h. haLLaR) (v. Sallet, Zeitschr. V,
S. 288).
Nr. 40. Burchard^ Bischof von Augsburg (1373 — 1404).
BVRKHRT BISCHOF I • HVGSPVRG (J^'. O^ORÖTH IXl
Die Kenntniss dieser interessanten Münze, welche sich im
königl. MUnzkabinet zu München betiiidet, verdanke ich Herrn
Dr. Riggauer daselbst.
Schliesslich mögen noch die räthselhaften westfälischen Denare
mit HIR STEID TE BISGOP (Dannenberg Mz. d. Sachs, u. Kaiserz.
Nr. 1220—1223, v. Sallet Zeitschr. XL, S. 304) aus der Mitte des
elften Jahrhundertes erwähnt sein, von denen es jedoch, trotz Grotes
Ausführungen in den Münzstud. VII., S. 103, wohl noch recht
zweifelhaft ist, ob sie wirklich eine deutsche Inschrift tragen. Mit
mehr Recht könnte man wohl als Vorläufer der in Rede stehenden
Münzklasse gewisse Denare derselben Zeit betrachten, welche statt
der gebräuchlichen lateinischen Städtenamen Argentina, Ratisbona,
Juvavium die deutschen Namensformen Stratburc, Regnesburc und
Salzburg!) aufweisen (Dannenberg a. a. 0. 911, 912, llOOa, 1152,
V. Sallet Zeitschr. XL, S. 300, Nr. 270).
IL Nachträge zu BohFs Buche über die Triersehen Münzen
(Bd. III, S. 546).
a) Berichtigungen.
Der Denar mit B'D'LI (nicht hY) S. 551 gehört dem Stifte
Toul, die Inschrift ist zu lesen: LIB'D' = Liverdun, also mit der
MOHÖTTk der Schwertseite zu verbinden ; die Stellung der Buch-
staben der Hauptseite entschuldigt den Irrthum (s. rev. Fran^. 1874,
S. 173, catal. Monnier, Paris 1874, Nr. 1206).
1) Auch Dannenberg 1115 hat SALZPVRCH.
zu meinen früheren Aufsätzen In dieser Zeitschrift. \*2i}
b) Neues.
1. Erzbischof Cuno IL von Falkenstein, 1362—1388.
aV«0 : TTRÖPS — : TReVeCRGRS der heilige Petrus mitKreuz-
stab und Schlüssel, halben Leibes, Itber dem Falkenstein'schen
Schilde. Rs. DÖVS — m'RO - HlPe — TVOD langes Kreuz, in
jedem Winkel 3 Kugeln. — In meiner Sammlung. (Taf. VIII, Nr. 1.)
Dieser aus der Garthe'schen Sammlung (Nr. 5697) stammende
Englisch ist bemerkenswerth wegen des Spruches der Rückseite.
Denn alle übrigen Trierschen Münzen des Mittelalters geben uns
nur die Namen und Titel der Mtinzherren sowie die Prägstätten an,
niemals aber enthalten sie, von dem Turnosen-Spruche „Christus
vincit etc." abgesehen, religiöse Sprüche. Wie übrigens das D am
Schlüsse der Inschrift zu deuten, weiss ich nicht; auf den Stral-
sunder Witten lautet der Spruch: Dens in nomine tuo salus. Also
etwa: da salutem? da gloriam? da pacem? Oder soll man einen
Stempelfehler annehmen, wie in dem TRÖVeRÖRS?
2. Erzbischof Johann IL, Markgraf von Baden, 1456 — 1503.
lOhSÄRo _ oaPSTRa St. Petrus mit Schlüssel und Kreuzstab
in halber Figur über dem gevierteten Trier-Badischeu Wappen-
schilde. ?f. ^On(e) ^ROVK — BGRI^ - olo/oz durchgehendes
Blumenkreuz, in den Winkeln die Wappen von Mainz, Trier Bayern
und Köln.
Gew. MO Gr. — In meiner Sammlung. Taf. VIII, Nr. 2.
Bis zu Bohl kannte man Bernkasteier Münzen nur vom Er/-
bischofe Richard (1511 — 1531). Dieser Schriftsteller fügte einen
halben Raderalbus seines Vorgängers, Jakob IL, vom Jahre 1503
hinzu. Unser halber Raderalbus tritt also als das älteste Denkmal
der ephemeren Bernkasteier Münzstätte an die Spitze dieser kleinen
Reihe und verdient Beachtung auch wegen der Seltenheit seines
Gepräges, das nur noch auf dem eben erwähnten halben Raderalbus
von 1503 und dem von mir in dieser Zeitschrift, Bd. III, S. 555
(Taf. XIII, 11) bekanntgemachten Koblenzer Groschen von 1505
vorkommt. Uebrigens kann die Jahrzahl füglich nicht anders als
vorstehend angegeben gelesen werden, obwohl nur I. . .OZ ganz
deutlich ist.
130
H. Danuenberg: Nachträge
3. Erzbischof Jakob II., Markgraf von Baden 1503 — 1511.
HOna KO - ÄVReÄ I/OÄ Der Heiland auf einem gothischen
Throne sitzend, mit segnender Kechten und Evangelium (?), zu
seinen Füssen der Trier'sche Schild mit Badischem Herzschildchen.
5? ^lÄaOB' - ^ÄRaP'-K — ÄTReve' im Drelpass der ge-
viertete Trier-Badische Schild, in den Ecken die Wappen von Mainz,
Köln und Bayern. — Goldgulden meiner Sammlung.
(Taf. YIII, Nr. 3.)
Von den bisher bekannten drei Goldgulden dieses Herrn
wesentlich unterschieden nicht bloss durch die Jalirzahl, sondern
auch von den im Gepräge ähnlichen von 1502! (Bd. III, S. 554,
Taf. XIII, 9 dieser Zeitschr.) dadurch, dass hier Jakob nur erst als
confirmatus erscheint, von den zwei Bohrschen aber von 1505 durch
deren Umschriften mon. aurea Ren. und Rene.
III. Die Goldguldeu vom Florentiuer Gepräge (Bd. Xll,
Nr. 23«;. Gaston III Phoebus, Graf von B^arn, 1343—1391.
4- PEBVS — aOMES Lilie ^-S-IOHTI—IIMES-B Beizeichen
Helm. — Im MUnzhandel. (Taf. YHI, Nr. 23 a.)
Nr. 43 b). Venaissin. Papst Johann XXII, 1316—1334.
Gekreuzte Schlüssel GOMES - VEHSI gekreuzte Schlüssel, im
Felde die Lilie. ^ S-IOHÄ — HHES B gekreuzte Schlüssel als Bei-
zeichen. — Sammlung Marignoli in Rom (Rossi ragionamento
suir aurea moneta di papa Giovanni XXII, Roma 1881).
(Taf. Vni, Nr. 43 b.)
Rossi, dem wir die Bekanntschaft mit diesem interessanten
Stücke verdanken, führt zugleich aus, dass Nr. 43 und 43 a) von
Clemens VI. (1342—1352) geschlagen sind, der zur Bezahlung von
Avignon an die Königin Johanna i. J. 1348 die Summe von 80.000 Gold-
gulden bedurfte, oder vielleicht zum kleineren Theile von Urban V.
I
vT^r^''^^
zu meinen friihtren Aufsätzen in dieser Zeitschrift. 131
1 362—1370, der gleich JohannXXII. von derRepublik Florenz 1368
die Erlaubniss erhielt, Floreiien nach dem Vorbilde der ihrigen zu
prägen. — Uebrigens entbehrt die Rossi'sche Abbildung jeder Styl-
treue in so hohem Grade, dass ich, wenn auch ungern, nicht umhin
j^ekonnt habe, in dieser Beziehung etwas nachzuhelfen, jedenfalls
wird die hier gegebene Darstellung dem Originale bedeutend näher
kommen, als die Rossi'sche.
Nr. 50 a). Looz, Graf Dietrich, 1336—1361.
ThöORI — ö ÖOMES Lilie ß; S-I0H7r-MMESB- als Bei-
aichen Adler. K. Münzkab in Haag. (Taf. Vm, Nr. 50 a).
Für die Mittheilung dieser seltenen Münze bin ich dem Director
<ler genannten Sammlung, Herrn Roest, zum Danke verpflichtet.
N. 53 a). Karl IV., 1346—1378, Kaiser seit 1355.
+ KREK — ROMÄR' Lilie, ^r -S-IOHK — MHES-B Bei-
/eichen undeutlich. — Im MUnzhandel.— (Taf. VIII, Nr. 53 a.)
Da das K der Hauptseite nicht ganz klar ist, so wurde diese
Münze von ihrem ehemaligen Besitzer, der sie mir freundlichst mit-
T heilte, Heinrich VIL zugeschrieben. Dieser ist indessen schon 1313
•Tstorben, also lange vor der Zeit, in welche die ersten deutschen
1 lorentiner Gulden fallen, und es bleibt daher nur die Lesung K,
nicht h' möglich. — In der Fabrik scheint dieser Gulden ganz dem
vohl sicher deutschen mit Karolu rex zu gleichen, der als Bei-
/eichen neben dem Heiligen statt der üblichen Krone einen Adler
zeigt (Joseph, Bretzenheimer Goldguldenfund, S. 42, Nr. 21). Zur
ij-hellung der wichtigen Frage, ob die gewöhlichen KAROLV REK
i lorenen (mit der Krone als Beizeichen) und demgemäss auch die
• lirdichen mit LODOVICI REK ungarisch oder nicht vielmehr
deutsch sind, trägt unser Stück nicht wesentlich bei. Luschin hat
diese Frage kürzlich gründlich erörtert (Bd. XV, S. 364 dieser
Zeitschr.) und sich zu Gunsten der älteren Meinung, also für
Hngara, entschieden; man wird seinen irrwiflitii!*'» r:iiii.,l..i, A\,^
/uslimmung nicht versagen können.
"f-- *W'^':^^'p^^^^^WI^
132
H. Daiinenberg: Nachträge zu meinen früheren Aufsätzen in dieser Zeitschrift.
Nr. 60. Adolf IL, Graf von der Mark, Erzbischof von Köli
1363—1364.
Von einem inzwischen für meine Sammlung gewonnene!
schönen Exemplare seines Goldguldeus kann ich jetzt folgendj
genaue Beschreibung nebst Abbildung geben:
4- ÄDOL'--ELaS:aO Lilie, ?; S-IOHÄ — HHES, Krone ak
Beizeichen. (Taf. VIII, Nr. 60.)
Nr. 72 a). Tirol, Graf Meinhard IIL, 1362—1363.
aOUaS — Uamh UWe. ?rS-IOHH— HHaS»B* Röschen
als Beizeichen. — (Aus Dresdener Sammlungen, Heft m, Taf. I, l.V
(Taf. VIII, Nr. 72 a.)
Berlin, Juni 1885.
II
VI.
Der MUnzfund zu Sallingberg.
Dr. von Raimann.
Die Herren 8. Egger & Comp, erwarben im Frühjahre 1884
einen Münzfund, welcher kurze Zeit vorher in Sallingberg Bezirk
< >ttenschlag in Niederösterreich, im Hause des Bauers Johann Fich-
liuger gemacht wurde. Die näheren Umstände der Auffindung sind nicht
bekannt, die äussere Beschaifenheit der Münzen zeigt aber, dass sie
jedenfalls durch lange Zeit in der blossen Erde lagen, wenn sie auch
ursprünglich in einem Behältnisse gewesen sein dürften. Die Erwerber
gestatteten mir in der liberalsten Weise die Besichtigung und Prüfung
des Fundes, wofür ich ihnen den aufrichtigsten Dank ausspreche,
und da derselbe manches Interessante bietet, dürfte dessen Ver-
öffentlichung gerechtfertigt erscheinen. Er besteht fast ausschliesslich
aus sogenannten Wiener Pfennigen, welchen nur eine kleine Zahl
bayerischer Pfennige beigemengt ist; die Gesammtzahl ist 2503
Stücke, wozu noch 8*2 Gramm an Bruchstücken kommen. Unter
den Münzen befanden sich 208 unkenntliche Stücke, von den übrigen
ist eine grosse Zahl stark abgenützt.
Die Mehrzahl der Typen kommt in Professor v. Luschin's
Wiener Pfennigen vor, doch finden sich ziemlich viele dort nicht
beschriebene Rückseiten, von welchen aber seither die Mehrzahl
durch den von Dr. Rollet veröffentlichten Pfaffstättner Fund bekannt
geworden ist. «)
1) Wiener Numismatische Zoitschrift, XVI. Band, S. Gf) ff.
'■':i^^-~r-^'l^.r. 'i
134
Dr. von Eaimann:
Nach Luschins Wiener Pfennigen geordnet, ergeben sich fc
gende Typen : 2)
1. Vs. Zwei gekrönte Köpfe, dazwischen W — I — XI
Rs. .VS.Rie Balkenschild.
18 Mm., 0-83 Gr., abgenützt (Lii. Nr. 5).
2. Vs. Gekröntes Brustbild mit Schwert und Reichsapfel.
Rs. Gekrönter Kopf in sechsbogiger Einfassung.
14—17 Mm., 15 Stück = 10-63 Gr. Durch-
schnittsgewicht 0-71 Gr., theilweise abgenützt
(Lu. Nr. 8). 15 St^
3. Vs. Brustbild mit Hut nach rechts, mit Scepter.
Rs. In einem dreieckigen Schilde oben ein Löwe
nach rechts mit emporgehobenem Sehweife,
unten eine blumenartige Verzierung (^Lilie?).
17 Mm., 0-72 Gr. und 16 Mm., 0-71 Gr. Ein
Stück sehr abgenützt und ohne Rs. (Lu. Nr. 9.) 2
4. Vs. Gekröntes Brustbild, ober Laubzierat.
Rs. Gekrönter Adler mit 2 Balkenschilden.
15—17 Mm., 60 gut erhaltene = 48-15 Gr.,
1 = 0-8 Gr., die übrigen abgenützt (Lu. Nr. 13). 260
5. Vs. Kopf mit spitzigem Hute.
Rs. Adler nach rechts gewendet.
15—17 Mm., 30 = 22-20 Gr., 1 = 0-74 Gr.
(Lu. Nr. 17). 38
6. Vs. Kopf mit einer Kopfbedeckung mit Ochsen-
hörnern.
Rs. Spuren.
16 Mm, 0-76 Gr., stark abgenützt (Lu. Nr. 21). 1
7. Vs. Vollmond in knorriger Umrahmung.
Rs. Greif nach rechts.
15_16 Mm., 30 = 22-73 Gr., 1 = 0-75 Gr.,
die übrigen abgenützt (Lu. Nr. 26). 326
2) Die dort und im Pfaifstättner Funde vorkommenden sind nur kurz
bezeichnet, andere genauer beschrieben.
Der Münzfund zu Sallinj^berg.
135
S. Vs. Kreuzstab auf Balkenschild zwischen zwei auf-
gerichteten Löwen.
Rs. V im Dreibogen.
17 Mm., 0-75 Gr., abgenützt (Lu. Nr. 31). 1 St.
"9. Vs. Löwe nach rechts mit zurückgewendetem Kopfe.
Rs. Spuren.
15-16 Mm., 0-67, 0-68, 0-73, 0*88 Gr. (Lu.
Nr. 33). 4 St.
10. Vs. Liegender Löwe nach links.
Rs. Gekrönter Kopf ober zwei Adlern.
14—16 Mm., 30 = 22 Gr., 1 = 0-733 Gr.,
stark abgenützt (Lu. Nr. 36). 40 St.
11. Vs. Liegender Löwe, ebenso mit umgewendetem
gekröntem Kopfe.
Rs. Spuren von Verzierungen und Rosetten.
16 Mm., 0-799 Gr., abgenützt (Lu. Nr. 37). 1 St.
(Ein Pfennig meiner Sammlung zeigt, wie die
Abbildung im Archiv für österreichische Ge-
schichte XLI, Taf. I, 19 einen wachsenden Adler,
darunter scheint ein Krückenkreiiz? mit gega-
belten Armen, in jedem Winkel eine Rosette.)
12. Vs. Löwe mit zottigem Schweife.
Rs. Nach rechts schreitendes Thier (Panther? oder
Greif?) in einfachem Kreise.
14—16 Mm., 20 = 13-77 Gr., 1 = OCSR Gr.,
ziemlich abgenützt (Lu. Nr. 38). 22 St.
V). V.s. Hiisclikopr.
Rs. Spuren.
15, 16 Mm., 0-58, 0-74 Gr., stark abgenützt
(Lu. Nr. 44). 2 St.
: «v ->-i '^^,>-
136
Dr. von Kaimann :
14. Vs. Osterlamm.
Rs. Spuren.
15—16 Mm., 10
Nr. 47).
6-60, 1 = 0-66 Gr. (Lu.
14 St.
A Vs. Osterlamm von der linken Seite mit nimbirtem
umgewendeten Kopfe und Kreuzstab mit Fabne.
Rs. Ein niebt zu entzifferndes feines Gepräge. (Helm
mit Kleeblättern besteckt?)
16 Mm., 0-598 Gr., Abb. 1. 1 St.
15. Vs. Hase nach rechts.
Rs. Panther in sechsbogiger Einfassung.
14—16 Mm., 25 = 16-50 Gr., 1 = 0-66 Gr.
(Lu. Nr. 55). 33 St.
16. Vs. Schwan nach links.
Rs. ? in Bogeneinfassung.
14—16 Mm., 0-70,-0-73, 0-77 Gr. (Lu. Nr. 72). 4 St.
17. Vs. Drei Fische um ein Kleeblatt schwimmend.
Rs. Adler in Einfassung aus Halbbogen und Ecken.
15-16 Mm., 9 = 6-20 Gr., 1 = 0-691 Gr.
(Lu. Nr. 76). 4 St.
18. Vs. Balkenschild zwischen zwei Fischen.
Rs. Gekrönter Kopf in sechsbogiger Einfassung.
14—16 Mm., 40 = 28 Gr., 1 = 0-7 Gr.
(Lu. Nr. 78). 54 St.
19. Vs. Drei Kleeblätter im Dreibogen.
Rs. wie Nr. 17.
14—16 Mm., 40 = 30-87 Gr., j = 0-77 Gr.,
meist abgenützt (Lu. Nr. 84). 424 St.
I
Der Münzfund zu Sallingberg. loT
20. Vs. Balkenschild ober zwei Lilien.
Rs. Spuren.
16, 17 Mm., 0-70, 0*63 Gr. (Lii. Nr. 88). 2 St.
21. Vs. Balkenschild auf sechsspitzigem Sterne.
Rs. Stehender Greif nach rechts.
15—16 Mm., 30 = 21-95 Gr., 1 = 0*73 Gr.,
grösstentheils abgenützt (Lu. Nr. 93). 165 St.
Eine alte Fälschung 0*53 Gr. 1 St.
22. Vs. Sechsstrahliger Stern, in den Winkeln Kleeblätter.
Rs. wie Nr. 17.
15—16 Mm., 20 = 13-9 Gr., 1 = 0*695 Gr.,
stark abgenützt (Lu. Nr. 95). 23 St.
23. Vs. Engelsbrustbild mit Herzogshut und Balkenschild.
Rs. ? in sechsbogiger Einfassung.
14_16 Mm., 10 = 7-1 Gr., 1 = 0-71 Gr.,
stark abgenützt (Lu. Nr. 98). 10 St.
24. Vs. Rohgezeichnetes geflügeltes Brustbild.
Rs. Schwan.
16 Mm., 0*57, 0*7 Gr., stark abgenützt (Lu.
Nr. 100). 2 St.
25. Vs. Gekrönter Meermann in zwei Fischschwänze
endigend.
Rs. Greif nach rechts in einfachem Kreise.
14-17 Mm., 40 = 28-68 Gr., 1=0-717 Gr.,
grösstentheils abgenützt (Lu. Nr. 101 \ 235 St.
26. Vs. Meermann mit Kapuze.
Rs. Panther nach rechts in sechsbogiger Einfassung.
14-16 Mm., 30 = 20 Gr., 1 = 0-667 Gr.,
stark abgenützt (Lu. Nr. 103). 37 St.
27. Vs. Harpye mit gekröntem Menschenkopfe.
Rs. Gekrönter Kopf in sechsbogiger Einfassung.
14_16 Mm., 30 = 20-6 Gr., 1 «= 0687 Gr.,
abgenützt (Lu. Nr. 105). 40 St.
A :'y'^r-»^-gf^ir'yy:yv'^
138
Dr. von Raimann :
28. Ys. Drache nach rechts mit wolfsartigem Kopfe.
Rs. Spuren.
14, 15 Mm., 0-6, 0-74 Gr. (Lu. Nr. 116). 2 St.
29. Vs. Drache nach rechts mit vogelartigem Kopfe.
Rs. Gekrönter Kopf ober zwei Adlern.
13-14, 15,16Mm., 20=13-4 Gr., 1 = 0-67 Gr.
(Lu. Nr. 117). 27 St.
Eine alte Fälschung 0-88 Gr. 1 St.
30. Vs. Drache nach links mit aufgeringeltem Schweife.
Rs. wie Nr. 29.
15—16 Mm., 70 = 49-7 Gr., 1=0-71 Gr.,
meist abgenützt (Lu. Nr. 119). 373 St.
B Vs. Ebenso.
Rs. Ein ähnlicher Drache mit kurzem Halse.
15 Mm., 0-8 Gr. 8), Abb. 2. 1 St.
31. Vs. Stern aus fünf laubförmigen Zieraten.
Rs. wie Nr. 29.
15—16 Mm., 20 = 13-53 Gr., 1 = 0-676 Gr.,
stark abgenlitzt (Lu. Nr. 133). 35 St.
32. Vs. Blätterkreuz mit wiedergekreuztem Unterbalken.
Rs. ? in sechsbogiger Einfassung.
15, 16 Mm., 12 = 8-32 Gr., 1 = 0-69 Gr.,
stark abgenützt (Lu. Nr. 139). 16 St.
33. Vs. Ankerkreuz mit Kleeblättern.
Rs. Adler nach rechts gewendet in einfachem Kreise.
14—16 Mm., 30 = 23*20 Gr., 1 = 0-773 Gr.
(Lu. Nr. 141). 43 St.
Dann eine alte Fälschung 0-52 Gr. ] St.
34. Vs. Einhorn von links.
Rs. Verzierungen?
15, 16 Mm., 0-68, 0-71, 0-58 Gr. (Lu. Nr. 244). 4 St.
3) Ohne Zweifel eine Verpräguiig.
Der Münzfiind zu Sallingberg. 130
35. Vs. Kopf eines Bischofs zwischen zwei ThUrmen.
Rs. Löwe nach rechts.
15, 16 Mm., 9 = 6-08 Gr., 1 = 0-675 Gr.,
abgenützt (Lu. Nr. 265). 9 st.
C Vs. Gekrönter Löwenkopf? und Hals von der linken
Seite.
Rs. In einfachem Kreise?
17 Mm., 0-81 Gr., Abb. 3. 1 St
36. Vs. Verprägt, scheint ein Thier mit langem Hörne?
Rs. In einfachem Kreise ?
15 Mm., 0-53 Gr. 1 St.
37. Vs. Panther, darüber R L.
Rs. Undeutlich.
15 Mm., 3 = 1-96 Gr., 1 = 0-65 (Lu. Nr. 259). ;] m.
38. Vs. Hund nach rechts mit Röschen.
Rs. Undeutlich.
15—16 Mm., 4 = 2-8 Gr., 1 = 0*7 Gr. (Lu.
Nr. 262). I si.
39. Vs. Mönch mit Stab.
Rs. Undeutlich.
15 Mm., 5 = 3-34 Gr., 1 = 0-67 Gr. (Lu.
Nr. 253).
40. \'s. Frauenkopf mit Schleier.
15, 16 Mm., 0-73, 0-68 Gr. (Lu. Nr. 257). 2 St.
2295 St.
Wahrscheinlich aus demselben Funde stannnt eine Partie von
circa 150 Pfennigen, welche mir im Mai 1884 zu (Jesicht kam und als
aus einem Funde bei Zwettl herrührend bezeichnet wurde, die ich aber
140
Dr. von Raimann:
nur flüchtig durchsehen konnte. Es waren von Nr. 2 2 St., von Nr. 4
3 St., von Nr. 5 3 St., von Nr. 7 20—25 St., von Nr. 9 1 St., von
Nr. 15 1 St., von Nr. 17 1 St., von Nr. 19 40—50 St., von Nr. 21
6 St., von Nr. 22 1 St., von Nr. 23 1 St., von Nr. 24 1 St., von
Nr. 25 circa 10 St., von Nr. 26 1 St., von Nr. 28 3—4 St., von
Nr. 29 2—3 St., von Nr. 30 15—20 St., von Nr. 32 1 St., von
Nr. 33 40—50 St., von Nr. 35 4 St, von Nr. 37 1 St., ferner von
Luschin's Nr. 52 (Eichhörnchen) 1 St. Es ändern sich hiedurch die
relativen Zahlenverhältnisse im Wesentlichen nicht, mit Ausnahme
von Nr. 33.
Was vor Allem in die Augen fällt, ist die grosse l.'ebereinstim-
mung mit dem von Professor v. Luschin in den Wiener Pfennigen
zu Zeiten König Otakars *) in die Zeit vor 1276 gesetzten Pfaff-
stättner Funde, während wenige gemeinsame Typen mit dem ebenda
beschriebenen Funde Q vorhanden sind, wie sich aus der folgenden
Tabelle ergibt, in welcher die von Luschin benutzten Funde, wie
dort mit P und Q, unser Fund mit S bezeichnet erscheint.
Die letzte Abtheilung der Tabelle enthält die mit je 50 Stücken
von 6 Typen in dem analytisch-technischen und patochemischen
Laboratorium des Herrn A. E. Haswell in Wien vorgenommenen
Feingehaltsproben. Die Differenz, welche die beiden Bestimmungen
ergaben, findet nach Herrn Haswell's Ausspruch ihre Erklärung in
der leichten Oxydirbarkeit des Kupfers, die trotz Gegenwart von
Cyankalium in dem Flussmittel beim Einschmelzen solch' kleiner
Mengen unvermeidlich ist.
*) Wiener Nimiisnuitisclie Zeitsclirift, XVI. Baiul, 6. 77 rt. und S. 461 ff.
Der Münzfuiid zu .Salliiigberg.
1-n
Nr.
P
Q
S
P al
oiu
Q ulleiii
S allein
Feingehalt
5
1
9
1
11
1
4
1
9
9
Nr.
8
13
17
2
100+x
100+x
97
15
260
38
107
240
246
2
1
1
I
II
10
2
8
93
101
1
166
235
13
26
5 0-6453
\ 0-6479
( 0-6755
\ 0-6698
( 0-6846
) 0-6759
21
26
1
300
3
1
32
257
263
2
2
12
12 b
21
119
B
373
1
84
31
33
1
1
3
1
4
ly
V
1
1
15
240?
13
253
257
5
2
93
( 0-6309
\ 0-6315
3ö
50+x
—
40
VI
1
III
15
259
3
101
0-6818
1 0-6808
37
38
7
1
1
22
41
42
262
C
4
1
119
j 0-6854
) 0-6856
47
1
X
—
2
14
43
49
undeut-
lich
1
55
12+x
—
33
90
60
1
58
108
61
2
1
114
11
69
1
1
115
72
1
3
4
76
X
24
9
78
200+x
—
54
84
200-+-X
—
424
88
l
2
2
95
100+x
—
23
98
X
42
10
100
2
—
2
103
244-x
—
37
105
24-f-x
—
40
116
1
5
2
117
3
—
28
133
lOO+x
—
35
139
X
64
16
141
300-rX
—
180
244
—
1
4
265
3
—
9
142
Dr. von Raimann :
Es sind also zusammen 72 Typen vertreten, von welchen allen
3 Funden 10, den Funden P und Q 13, P und S 29, Q und S 12
gemeinsam sind, in P 9, in Q 17 und in S 12 allein vorkommen.
Die nicht gemeinsamen Typen von P und S betreffen grossentheils
fremde Beimengungen oder einzelne Stücke, mit Ausnahme von
drei des Fundes S (Wiener Pfennige Nr. 93, 101, 119), welche in so
bedeutender Anzahl vorkommen, das« sie offenbar der Vergrabungs-
zeit nahe stehen müssen.
Einen wichtigen Anhaltspunkt, um diese bestimmen zu können,
bieten die Pfennige Nr. 37 (Lu. Nr. 259) mit R L. Sie gehören den
Herzogen Rudolph I. und Ludwig IV. von Bayern an, welche am
2. Februar 1294 die Regierung antraten, Letzterer unter Vormund-
schaft des Ersteren (bis 1302) und bis 1. October 1310, sodann vom
21. Juni 1313 bis 19. März 1317 gemeinsam regierten. ^)
Nähme man nun auch an, dass diese Münzen in die erste
Regierungszeit gehören, bedurfte es doch gewiss einiger Zeit, bis
sie in Oesterreich in Umlauf kamen, weil damals, wie alle älteren
Funde ausweisen, die „frömbde Münz" noch nicht so stark ein-
drang, wie in der Folge.
Unser Fund kann daher keinesfalls vor 1295 vergraben wor-
den sein.
Hieraus ergeben ^'wh einige nicht unwichtige Folgerungen,
und zwar:
I. Für die Zeitbestimmung des Pfaffstättner Fundes, welcher
nachstehend zur Vereinfachung nur mit P, sowie der Sallingberger
Fund nur mit S bezeichnet wird. Es ist nämlich kaum anzunehmen,
dass Typen, welche schon um 1270 im Umlaufe waren, nach mehr
als 20 Jahren noch in so bedeutender Anzahl sich im Verkehre
befanden, wie es z. B. in S bei den Wiener Pfennigen Nr. 13, 78,
141, vor Allem aber bei Nr. 84 der Fall ist, obschon nicht zu über-
sehen ist, dass diese Stücke in S eine grössere Abnützung zeigen,
als in P. Unser Fund erschüttert aber auch das für das x\lter von P
geltend gemachte Argument, dass in demselben keine Deuarii lati
und redenden Münzen Rudolph I. vorkommen, weil er trotz der
zweifellos nicht vor 1295 zurückreichenden Vergrabungszeit gleich-
1
5) Beierlein, Münzen des Hauses Witteisbach, S. 24, Nr, 41, Abb. Tat". lU.
1
Der Münzfund zu Sallingberg. 14«>
falls nicht ein einziges Stück dieser Art enthält. P durfte also jünger
lind vielleicht um 1285 zu setzen sein.
II. Ist aber dies richtig^ fällt die Hauptgrundlage (ici >uii
Professor Luschin aufgestellten Behauptung, dass alle in P vorkom-
menden Typen und jene, welche mit denselben gleiche Reverse
zeigen, Otakar IL zuzuweisen seien und es ist dann vielmehr wahr-
scheinlich, dass die ad I bezeichneten und die übrigen in grösserer
Anzahl vorhandenen, insbesondere Wiener Pfennige Nr. 17, 26, 36,
55, 103, 105 und 133 in die Zeit nach Otakars Regierung gehören.
III. Der Fund Q wäre mit Rücksicht hierauf vielleicht als älter
anzusehen als P, woraus sich die jedenfalls auffallende Thatsache
erklären Hesse, dass er offenbar Otakarische Gepräge, wie Wiener
Pfennige Nr. 5, 12 und insbesondere Nr. 8 und 60 in viel grösserer
Zahl enthält als P.
IV. Mit fast vollständiger Gewissheit können die einen Haupt-
bestandtheil von 8 ausmachenden Wiener Pfennige Nr. 93, 101, 119
(beiläufig 30"/o); ^vohl auch Nr. 84 und vielleicht Nr. 13 dem vor-
letzten oder letzten Jahrzehnte des XIIL Jahrhunderts zugewiesen
werden.
Interessant sind die in P vorkommenden Rückseiten, von wel-
chen eine nicht unbedeutende Zahl in den Wiener Pfennigen nicht
beschrieben ist, die meisten allerdings seither durch P bekannt
geworden sind. Sie liefern weitere Belege für Luschin's Ansicht,
dass die Rückseiten viel constanter sind als die Vorderseiten und
bereichern die von ihm^) zusammengestellten Gruppen durch
weitere Typen.
So gehört zur Gruppe VI ausser Wiener Pfennige Nr. 36, 107,
133 auch 119; zur Gruppe VI! ausser Nr. 26 und 34 (richtig 38)
auch 93 und 101.
Noch sind von vielen Wiener Pfennigen die Rückseiten nicht
bekannt; wenn aber jeder Fund, wie es in jüngster Zeit der Fall
war, Lücken ergänzt und wenn namentlich auch die Schätze v»»n
Wiener Pfennigen, welche das kaiserliche Münzcabinet birgt, genau
durchforscht werden, wird auch die Deutung derselben, welche
Lusehin wiederholt versucht hat, vielleicht mit Sicherheit erfolgen
11(11 AldiaiMlIilii;:.
144
Dr, von Raimann: Der Münzfund zu Sallingberg.
können und es sich lierausstellen, ob sie Abzeichen der Münz-
stätten sind (etwa der Adler von Wien, der Panther von Eiins, der
Greif von Wiener-Neustadt ?) oder Zeichen und Wappen der Müuz-
meister und Münzbeamten, oder ob vielleicht Beides vorkommt.
Vielleicht findet sich eine andere Gelegenheit auf diese und
andere einschlägige noch ungelöste Fragen einzugehen, wozu mir
jetzt vor Allem die Zeit mangelt — ich kann zum Schlüsse nur
den Wunsch aussprechen, dass dieser Fund wenigstens nicht ganz
nutzlos veröffentlicht wurde.
Wien, im August 1885.
7) Die Marktfreiheit und Münzstätte, welche 1141 dem Grafen Ekkebert IL
von Putten für Neunkirchen verliehen worden war, wurde nach Erbauung von
Neustadt dorthin übertragen (Luschin, Wiener Pfennige S. 150). Das Wappen
Ekkeberts war (nach Bergmann, Untersuchung über das älteste Münzrecht von
Lieding etc. in den Jahrbüchern der Literatur, CL Band; ein Greif mit vier
Krallenfüssen, emporgestrecktem Vogelschweif, ausgefranzten Flügeln, läng-
lichen Olirrii. einen Hasen h;ilt''iMl
*^<y§^>^*
VII.
Zwei Vorträge
über
Naclialiniung und Naclifälscliung von Münzty]:)en
von weiland
Dr. Alexander Ritter v. Pawlowski.
I.
(21. October 1875.)
Schon seit geraumer Zeit haben gewisse räthselhafte Münzen,
die dem Schlüsse des XVI. und dem Beginne des XVII. Jahrhun-
derts angehören, die Aufmerksamkeit und den Scharfsinn der
Numismatiker in Anspruch genommen. Es sind dies zumeist Billon-
mlinzen mit sehr bekannten, häufig vorkommenden Typen, ol^
italienische, theil weise auch französische, Schweizer und Nieder-
länder Münzen, die von den Sammlern häufig als bekannte Stücke
bei Seite gelegt werden, die aber bei näherer Prüfung merkwürdige,
oft kaum zu entrUthselnde Modificationen der Legenden /.eigen. Bald
sind nur einzelne Buchstaben in der ursprünglichen Umschrift geän-
dert oder hinzugefügt, bald ist die Legende der einen Seite voll-
ständig beibehalten, jene der anderen Seite aber durch eine fremde,
auf die Münze gar nicht passende Umschrift ersetzt, niebt selten
befinden sich auf beiden Seiten fremdartige Legenden. Ich will hier
nur einige Beispiele anführen :
Die Venetiauer Sesini, welche dureh zwei Jahrhunderie sieis
den gleichen Typus trugen, nämlieh auf einer Seite das Brustbild
146
Dr. Alexander Ritter v. Pa-wlovrski: Zwei Vorträge
des heiligen Marcus mit dem geflügelten Löwen und der Umschrift:
8 an ct. Marc. VenetnSj auf der anderen Seite das Kreuz und den
Namen des Dogen als Umschrift ; diese finden sich in der Weise
verändert, dass die eine Legende San ct. Marc. cus. nos. lautet
und der Name des Dogen durch einen allgemeinen Spruch, z. B.:
Maria protege nos, ersetzt ist.
Eine in Italien während des XVL Jahrhunderts weit verbreitete
und stets nach demselben Typus geprägte Münzsorte waren die
päpstlichen Bajocchette. Sie zeigen auf einer Seite das Brustbild
des Papstes und seinen Namen und Titel als Umschrift, auf der
anderen Seite den Namen und die Figur eines Heiligen. Unter
Sixtus V. wurden grosse Mengen dieser Münzsorten geprägt, welche
alle im Avers die Umschrift: Sixtus V. Pont. Max. führen. Es
kommen nun gar nicht selten derartige Stücke vor, auf welchen die
erwähnte Umschrift in S. Sixtus Pont. Max. modificirt und in der
Legende des Reverses dem Namen des Heiligen einige Buchstaben
beigefügt sind, z. B. Sanctus Petrus P. C.
Um noch ein drittes Beispiel anzuführen, erwäline ich der
Parpajole von Piacenza. Diese zu Ende des XVL Jahrhunderts in
Italien weitverbreitete Münzsorte von 2^1^ Soldi wurde in Piacenza
unter den Fürsten Octavian und Alexander Farnese in grosser
Menge geschlagen. Die schönen Gepräge zeigen im Avers die Brust-
bilder der beiden Fürsten mit der Umschrift: Oct. et Alex. F. P. P.
(Principes Placentae), im Revers eine sitzende Figur mit einem
Lilienstengel und die abgekürzte Umschrift: Fei. sub. his Plac.
(Felix ....). Nicht selten findet man die Umschrift des Averses
in folgender Weise abgeändert: Oct. et Alex. Imp. und im Revers
steht statt der erwähnten Legende eine Reihe anderer Buchstaben,
die aber meist mit F anfangen.
Es Hessen sich noch Hunderte solcher Beispiele anführen, und
zwar zumeist aus der Reihe der italienischen, französischen,
Schweizer, niederländischen und deutschen Münzen. Man betrachtete
diese Münzen anfänglich als Producte der privaten Falsch-
mtinzung, da sie durchwegs von sehr schlechtem Gehalte sind.
Allein die vielfältigen Aenderungen und Zusätze in den Legen-
den und Wappenbildern sehliessen diese Erklärung aus, denn im
Interesse der Falschmünzer musste es gelegen sein, ihre Vorbilder
Sita
über Nachahmung und >'a<-hf;i]sphiing von Münztypt.D. 1 ^ <
möglichst genau zu copiren, was hier eben nicht der Fall ist. Einige
Niimismatiker hielten diese Aenderungen in den Legenden t\\v
Stempelfehler, welche durch die Cnwissenheit oder Nachlässig-
keit der Stempelschneider entstanden. Dem vviderstreitet, dass die
Aenderungen in den Legenden gewöhnlich so beschaffen sind, dass
ein Stempelfehler gar nicht vermuthet werden kann, da sie meist plan-
mässig durchdacht erscheinen. In den alten Münzwerken, z. B. in
,,Hoifmann's Münzschlüssel'^ finden sich daher viele solcher Münzen,
darunter auch Thaler, als unbekannt und unerklärbar bezeichnet.
Erst als Zanetti die ((uellenmässige Münzgeschichte der kleineren
italienischen Münzstätten veröffentlichte, entdeckte man den Ursprung
dieser bisher unerklärbaren Imitationen. Durch die zahlreichen
Monographien des unermüdlichen Promis, sowie durch die Arbeiten
Morel Fatio's, Bigi's u. A. stellte sich's heraus, dass die meisten
dieser räthselhaften Münzen in verschiedenen Münzstätten plan-
mässig fabricirt wurden.
Die bisherigen Vorarbeiten sind noch äusserst lückenhaft,
allein schon jetzt lassen sich die Rosultnte dieser Forschungen in
folgende Punkte zusammenfassen :
1. Diese Münzen stammen beinahe ausnahmslos aus den Münz-
stätten einiger kleiner münzberechtigter Dynasten Oberitaliens,
Frankreichs, der Niederlande und Deutschlands. Insbesondere war
Oberitalien der Hauptsitz dieser Nachahmungen.
2. Die Zeit dieser Imitationen fällt in die zweite Hälfte des
XVI. und in die erste Hälfte des XVII. Jahrhunderts.
3. Der Zweck derselben war auf Täuschung des Publicums,
und in letzter Linie auf Gewinn gerichtet.
Die eigenthUmlichcn politischen Verhältnisse des oberwähnten
Zeitraumes liefern die Erklärung dieser Erscheinung. In Oberitalien
und in den Niederlanden, welche nominell unter der Hoheit des
deutschen Kaisers standen, wurden in diesem Zeiträume tlieils aus
politischen, theils aus fiscalischen Gründen zahlreiche Münzberech-
tigungen an die Besitzer kleiner Reichslehen, deren (Jebiet oft kaum
mehr als 1 bis 2 Quadratmeilen umfasste, verliehen. Dieselben waren
bestrebt, dieses Regal nach Kräften auszunützen. Bei der Präge
harter Münzen, deren Gewicht und Feingehalt durch Gesetz und
Usus normirt waren, liess sich nur ein geringer Gewinn erzielen —
Kl*
148
Dr. Alexander Ritter v. Pawlowski: Zwei Vorträge
sie verlegten sich daher zumeist auf die Präge kleiner, geringhal-
tiger Scheidemünzen. Da die benachbarten grösseren Staaten, von
denen sie umschlossen wurden, den Curs derselben verboten, so
verfielen sie auf das Auskunftsmittel, die bekannten Typen anderer
grösserer Staaten täuschend nachzuahmen und die Legenden derart
zu modificiren, dass die Abweichung vom Originaltypus nur bei
sorgfältiger Prüfung zutage trat. Daher ist auch das erste Wort
im Avers und Revers zumeist der nachgeahmten Münze entnommen.
Sie rechneten eben auf die damals noch sehr verbreitete Unkennt-
niss des Lesens, wodurch die Täuschung wesentlich erleichtert
wurde. Hiebei vergassen sie jedoch nicht, einige Buchstaben bei-
zufügen, welche entweder den Prägeherrn oder die Prägestätte
anzeigten, um sich von der Anklage der Falschmünzerei schützen
zu können.
4. Das 0 b j e c t d i e s e r Na c h a h m u u g e n waren die Münzen
solcher grösserer Staaten, deren Typus schon seit Jahrhunderten
constant und daher im Verkehre wohl bekannt war. Von italieni-
schen Münzsorten wurden daher jene von \'enedig, Genua, Lucca,
Mailand, Savoyen, Piemont und Mantua, besonders aber jene der
Päpste nachgeahmt. Von französischen Münzen waren jene
Heinrich KL und l\., Ludwig XIIL, sowie die Feudalmünzen der
damals noch zu Deutschland gehörigen östlichen Provinzen und
Städte : Lothringen, Besannen, Strassburg u. s. w. Gegenstand der
Nachahmung. Dasselbe Loos hatten von den Schweizer Münzen
jene der südlichen an Frankreich und Italien angrenzenden Can-
tone. Von niederländischen Münzen wurden nur die im Han-
delsverkehre beliebtesten, und zwar zumeist grösseren Sorten als
Vorbilder benützt. Auf die Nachahmung deutscher Scheidemünzen
verlegten sich die italienischen und französischen Münzherren nur
selten, da in Deutschland, wo eigene Organe das Münzwesen beauf-
sichtigten, die Controle zu genau war. Dagegen bildete sich in der
ersten Hälfte des XVÜ. Jahrhunderts, in der sogenannten Kipper-
zeit, im Inneren Deutschlands ein ähnliches Fälschungssystem heraus,
dem ich später einen besonderen Vortrag zu widmen gedenke.
Als endlich diese Münzfälschungen durch die vereinten Bemü-
hungen der grösseren italienischen Staaten und des kaiserlichen
Fiscus eingestellt wurden, warfen sich die Fälscher auf ein
•.il>er NaiMiaümunu uml Naohtalschung von Müiiztypen.
weiiig-er gefährliches Object, nämlich auf die Imitation beliebter
Hand eis münzen, von denen ich insbesondere der sogenannten
Liügini oder Ottavetti erwähnen will. Die durch ihre Lebensschick-
sale hochinteressante Prinzessin Anna Maria Louise von Bourbon,
die letzte souveräne Besitzerin des Fürstenthums Dombes, welche
dieses Ländchen seit 1650 regierte, Hess in ihrer Münzstätte zu
Tr^voux, die damals in Frankreich gangbaren Münzsorten in grosser
Menge, und zwar von gutem Feingehalte und mit einer für die
damaligeZeit seltenen künstlerischen Vollendung prägen. Die Stücke
zu 5 Sous oder 1/^3 Thaler, welche auf einer Seite ihr Brustbild mit
Namen und Titel, auf der anderen Seite das französische Lilien-
wappen tragen, wurden von französischen Kaufleuten im Handel mit
dem Oriente, namentlich in Nordafrika, häufig gebraucht und fanden
daselbst so grossen Beifall, dass bald andere Quantitäten derselben
in Dombes bestellt wurden. Sie fanden von Afrika ihren Weg n'ach
Asien bis in das Innere von Persien und wurden nicht nur als
Handelsmünze, wie z. B. in unseren Tagen die ^laria Tlieresia-
Thaler, sondern auch als Schmuck der Frauen vielfach verwendet.
In Folge der grossen Nachfrage verschlechterte sich aber der
innere Gehalt dieser Münze immer mehr und es wurden bei diesem
Geschäfte enorme Gewinne erzielt. Die Genueser, Venezianer und
Livorneser Kaufleute, welche einen lebhaften Handel mit dem
Oriente unterhielten, suchten sich diese Waare billiger zu wr-
schaffen und schlössen mit verschiedenen kleineren italienischen
Fürsten Contracte auf Lieferung solcher Münzen ab. Zur Be-
dingung wurde gemacht, dass die Imitationen im Brustbilde und
Wappen vollkommen ähnHch, in den Umschriften aber wenigstens
in den Anfangs- und Endbuchstaben gleich sein müssten, hiobei
wurden jene B^ürsten am meisten gesucht, welche in ihren Familien-
wappen eine Lilie oder ein derselben ähnliches Wappenbild und
im Kreise ihrer weiblichen Verwandten eine Mutter, Gattin etc. mit
dem Namen Anna Maria aufzuweisen hatten. Die Zusammenstellung
einer dem Originaltypus älinliclien Legende fiel dann nicht schwer,
denn statt des auf den ecliten Münzen vorkommenden Titels: Princ.
Domb. wurde der Ausdruck: Princ. Dom. (Domina» gewählt. Als
man sich überzeugte, dass diese Münzen, welche in Italien, wo sie
HSoldi galten und Ottavetti oderLuigini hiessen, auch mit veränderten
150
Dr. Alcxaiider Ritter v. Pawlowski: Zwei Vorträge
Legenden angenommen wurden, wenn nur der Typus möglichst
genau nachgeahmt war, ersetzte man die bisherigen Legenden
durch allgemeine Aufschriften oder Sinnsprüche, z. B.
Pnlchra virtutis imago
In pulchritudine virtus
Hanc Asia mercem querit
Mel libat ex liliis etc.
u. s. w.
Von den Fürsten Italiens, welche ihre Münzstätten mit der
Präge dieser Münzsorten beschäftigten, sind zu nennen: Spinola,
Doria, Monaco, 8eborga,Messerano, Campi und Fosdinovo. In letztem
Lande wurden auf den Namen der Fürstin Anna Maria Magdalena
Malaspina, in Campi auf den Namen der Fürstin Julia Centurione,
von den Doria aber auf den Namen der Violanthe Lomellina
u. s. w. zahlreiche Luigini geprägt. Letztere Fürstin nützte diese
Speculation am meisten aus. Als sie nach dem Tode ihres Gemals
Andreas III. die Vormundschaft über ihren Sohn und zugleich die
Regentschaft übernahm, Hess sie in der Zeit von 1665— 1670 auf
ihren licnuesischen Gütern Torriglia und Laccio sieben Münzstätten
errichten, welche sich durchgehends nur mit der Verfertigung dieser
Münzsorten beschäftigten.
Nach diesen kurzen einleitenden Bemerkungen will ich nun-
mehr noch die Liste jener Münzstätten bekannt geben, von denen
diese Fälschungen ausgingen, und zwar will ich — um nicht zu
ermüden — heute nur die italienischen Münzstätten aufzählen,
indem ich jene Frankreichs, der Niedtrlandc und Deutschlands
einer späteren Besprechung vorbehalte.
Bis jetzt sind 16 italienische Mnnzherren bekannt, die sich
mit den geschilderten Nachahmungen befassten, und zwar sind es
Besitzer kaiserlicher Reichslehen, die in Oberitalien, im nord-
westlichen Theile desselben, in Savoyen und Piemont, im Ge-
biete von Genua, in der Lombardei und Mantua und im ehe-
maligen Herzogthume Modena liegen. In Mittel- und Süditalien
Hess die geschlossene päpstliche und neapolitanische Herrschaft
solche Fälschungen nicht aufkommen, während die Zerrissen-
heit des Territorialbesitzes in Oberitalien und das zu jener Zeit
daselbst herrschende Münzpachtsystem derartiaen Experimenten
w^ -
il'M'r N:ifu:iuiiiuiig und S:icuKiiM-uiin^' T..n >iunjiypeil. 101
sehr günstig- war. lu Oberitalien bestanden nämlich, sowie in
Frankreich und Stiddeutschland, die sogenannten Mlinzgenosseu-
schaften, das ist besondere mit kaiserlichen und königlichen Privilegien
begnadete Zünfte, deren Mitglieder allein in den verschiedenen
Münzstätten angestellt und verwendet werden durften. Im XVI. Jahr-
hunderte herrschte in Italien die Sitte, die Münzstätten gegen Ent-
richtung eines Jahreszinses an die Mitglieder der Münzgenossen-
schaft zu verpachten. Da in den kleineren Münzstätten durch Präge
der Landesmünze wenig Gewinn in Aussicht stand, so verfiel man
auf die oberwähnten betrügerischen Auskunftsmittel. Es bildete sich
bald eine förmliche Fälscherbande heraus, die von einer Münzstätte
zur andern zog, um ihre Dienste anzubieten und die wir daher
abwechselnd bald da, bald dort finden. Daher ist auch erklärlich,
dass ganz ähnliche Fälscluingen eines und desselben Typus von
ganz gleicher Fabrik aus verschiedenen, oft entfernten Münzstätten
herrühren.
Der Hauptsitz dieser Fälscher war die heutige Provinz Pieinnm.
es waren die Grafen Frinco, Coconato, Messerano und Dezana.
Die Grafschaft Frinco, ein kleines Ländchen in der Nähe
von Asti, welches zum Theil Reichslehen, zum Thcil Afterlehen von
Savoyen war, stand seit dem XIII. Jahrhundert im Besitze der
Familie Mazetti, welche schon im XV. Jahrhundert das Münzrecht
erhalten hatte, es aber erst 1581, als ihr dasselbe von Seite
Savoyens bestätisrt wurde, ausübte. Da die Besitzer wegen ihrer
Falschmünzen die Reclamationen der oberitalienischen Staaten her-
vorriefen, stellten ihnen die Herzoge von Savoyen IGOldie Ausübung
des Münzrecbtes ganz ein. Sie prägten meist nur gemeinschaftlich
unter dem Titel: Consortium Dominorium Fringi. Ihre Münzen
wurden von Promis in einer besonderen Monograi)hie: Monete dei
Mazetti, beschrieben. Unter den von ihm angetllrten H5 Münzen sind
kaum drei, die nicht als eigentliche Fälschungen zu betrachten sind.
Seit der Herausgabe jenes Werkes hat Morel Fatio in der franzö-
sischen Revue und Pronus in seinen Monete inedite zahlreiche
Nachträge zu diesem Capitel geliefert. Die damals circulirende
Scheidemünze Frankreichs, Avignons, Piacenzas, Mailands, Mo-
denas, Bolognas, der Schweiz und Venedigs wurde in der rattiiiirte-
sten Weise nachgeahmt. Von diesen Fälschungen will ich bcispiels-
:^;-^^
152
Dr. Alexander Ritter v. Pawiowski: Zwei Vorträge
weise nur zwei hervorheben, jene der Parpagliole von Piacenza mit
den Köpfen der Herzoge Oetavian und Alexander, auf denen sie die
Umschrift des Averses in Oet. et Alex. imp. fälschten und jene der
Sesini von Venedig, welch letztere für sie verhängnissvoll wurde.
Sie imitirten nämlich die Sesini des Dogen Marino Grimani in
vielfachen Variationen San ct. Marc. Cus. nos = Custode nos,
Sanct Marcellus und im Reverse statt Marin, dux = Maria
protege. Als die Venetianer von diesen Fälschungen erfuhren, for-
derten sie die Einstellung dieses betrügerischen Handwerks und da
die damals regierenden Grafen Hercules und Julius Csesar nicht
allsogleich Folge leisteten, setzten sie einen Preis von 10.000 Ducaten
auf ihre und von 2.000 Ducaten auf die Köpfe ihrer MUnzmeister.
Zugleich wandte sich der Senat an den Herzog von Savoyen und
an den Kaiser. Ersterer stellte ihnen 1601 die Münzung allsogleich
ein und der kaiserliche Hof erklärte sie 1611 ihres Lehens verlustig,
das sie erst später — jedoch ohne Münzrecht — durch Vermittlung
Piemonts wieder zurück erhielten.
In der Nachbarschaft Frinco's lag die Grafschaft Coconato^
welche seit dem XH. Jahrhundert im Besitze der Familie Radicati
war, die in Passerano zufolge kaiserlichen Privilegiums von 1530
das Münzrecht übte. Bei 25 Münzen sind von dieser Münzstätte
bekannt, welche Promis in seinem Werke Monete dei Radicati näher
beschreibt. Promis kennt nur einige Imitationen savoyscher, fran-
zösischer und Mailänder Typen ; durch die Nachträge Morel Fatios
und Maggiora Verganos aber wurde die Zahl der in Passerano ver-
übten Fälschungen bedeutend erweitert. Auch in diesem Lande
griffen die Herzoge von Savoyen ein und nöthigten die Grafen 1598
auf das Münzrecht zu verzichten.
Aerger als diese beiden trieben es die Grafen von Messe rano.
Dieses Reichslehen war seit dem XIV. Jahrhundert im Besitze der
Fieschi, welche nebstbei auch die Grafschaft Lavagna besassen. Sie
sollen das Münzrecht schon 1249 erhalten haben, fingen aber erst
Ende des XV. Jahrhunderts zu münzen an. Münzstätten waren zu
Messerano und Crevacore. Da sie durch nahezu zwei Jahrhunderte
prägten, sind ihre Münzen, von denen Promis in einer besonderen
Monographie 150 beschrieb, sehr zahlreich. Schon die erstem Fürsten
liebten es, die Typen der benachbarten Staaten möglichst genau
über Nachahmung und Nachfälschung von Müuztypen. lOO
ZU imitiren, doch erscheinen auf denselben der Name des MUnz-
herrn und der Prägeort vollkommen deutlich ausgedrückt, daher
können sie nicht als Fälschungen aufgefasst werden. Die Reihe der
letzteren beginnt erst, als mit Filibert Ferero 1532 die Linie
Ferero-Fieschi zur Regierang kam. Von den zahlreichen Imita-
tionen von Schweizer, Montferrater, Mailänder, Savoyer, Genueser,
deutschen und französischen Münzen will ich als Beispiel nur jene
des sogenannten Carolus von BesauQon erwähnen. Die echten Typen
haben im Revers die Umschrift: Carolus V. Imperator und das
gekrönte Brustbild des Kaisers, im Revers die Umschrift: Mone.
civi. Bis un. Kreuz und Adler. Er behielt den ganzen Typus bei,
änderte nur die Umschrift im Avers in Carol. V. imper. gratia und
jene im Revers Monae. nova Messer. Nicht minder schlau sind die
Nachahmungen der Genueser Typen, auf denen bekanntlich im
Felde des Averses stets die sogenannte Janua, eine Art Pforte,
erscheint. Er ahmte dieselbe genau nach und nur bei genauer Be-
trachtung merkt man, dass sie aus den Buchstaben F. i. 1. (ibert)
gebildet ist. Von seinem Nachfolger B e s s o sind insbesondere die
Bologneser Lire Pius IV. hervorzuheben. Er änderte nur die
Umschrift: „Pius IUI Pont. Max" in „A Pio IIIL Pont. Max.-^
Diese Fälschung setzte dessen Nachfolger Franz Filibert fort, der
die Bologneser Lire Clemens VIII. in der Weise iniitirte, dass der
Umschrift Clemen. VIII. Pont. Max. das Wort ausp. (iciis) beige-
setzt wurde, weil er von ihm 1592 den Fürstentitel erhalten hatte.
Ausserdem sind von ihm und seinem Nachfolger Paul täuschende
Nachahmungen verschiedener Mailänder, Mantuaner, Venetianer,
Lothringer, Savoyscher, Genueser, Schweizer und Brabanter Münz-
typen bekannt. Als die strengen Maassregeln der Kaiser vor weitereu
Fälschungen zurückschreckten, warf man sich Mitte des XVII. Jahr-
hunderts auf die Fabrikation der Luigini, die unter dem Namen der
Anna Mar. Christina, Gemalin des Fürsten Carl Ludwig, angefertigt
wurden.
Ebenso arg ging es in der Duodez- Grafschaft Dezaua im
Gebiete von Vercelli zu, wo seit dem Beginn des XV. S»cu-
luras die Familie Tizzone herschte und zufolge kaiserlichen Privi-
legiums seit 1510 in Dezana münzte. Promis hat die Münzgeschichto
dieses mUnzreichen Ländchens, von dem bei 130 Münzen von zehn
■r:^^jr--i^jrr.r:i^
154
I)r. Alexander Rittor v. Pawlowski: Z-wei Vortrag
verschiedenen Regenten bekannt sind , in einer besonderen Mono-
graphie bearbeitet. Aus seinem Werke und aus manchen Kachträgen,
die in der Revue beige und frangaise, ferner in den Arbeiten Morel
Fatio's geliefert wurden, geht hervor, dass die ^ier letzten Fürsten
ihre Münzstätte durch ein volles Jahrhundert fast nur mit Imitationen
französischer, modenensischer, Bologneser, Mailänder, Schweizer,
deutscher und Metzer Typen beschäftigten. Vom Grafen DelfinTizzone
sind beinahe nur Fälschungen bekannt, unter anderen Piacenzaer
Parpajolen mit 0 ct. et Anton. Imp. und genaue Copien der Metzer
Fiorini, auf denen statt Moneta nova Met. (M. e.c.T. = Marchionis
et comitisTizone) steht. Die Grafen hatten wegen dieser Fälschungen
zahh-eiche Conflicte mit den Nachbarstaaten und einen Process mit
dem kaiserlichen Fiscus, so dass sie 1693 ihr Münzrecht käuflich
an Piemont abtraten.
Im Gebiete von Genua lagen drei Reiclislehen, von denen zwar
keine eigentlichen Fälschungen aber Imitationen der Handelsmünzen
ausgingen; es waren jene der Spinola, der Doria und des Klosters
von Lesino.
Die Familie Spinola bi^>;t>> aa>Li"»>i vht- x.ui-uairinon^
Landischen Reichslehen Tassarolo, Ronco, Arquata und Vergagui
und errichtete auf jeder derselben eine MünV.stätte. Ihre Münzen,
welche Olivieri in seinem Werke: Monete degli Spinola beschrieb,
sind grösstentheis gute Landmünze, nur Luigini wurden auf
Bestellung von Livorneser Kautieuten in Tassarolo im grossen Maass-
stabe geprägt.
Dasselbe war auch der Fall auf den Besitzungen der Doria,
welche im Gebiete von Genua das Fieschi'sche Lehen Torriglia und
die Grafschaft Loano besassen. Auch ihre Münzen wurden von
Olivieri in einer besonderen Monographie beschrieben. Dass die
Fürstin Violanta Doria an sieben Orten ihres Gebietes Münzstätten
für Luigini errichtete, wurde bereits erwähnt.
Dem Beispiele dieser beiden Fürsten folgte auch das an der
Küste der Provence gelegene Kloster S. Honorato di Lerino, welches
im genuesischen Gebiete das Lehen Seborga (Castrum Sepulcri)
besass. Die Mönche hatten kein Münzrecht, errichteten aber hier
oder vielleicht auf der Ins^el S. Honorato selbst im Jahre 1666
ül.er Naifiahmuiig und Nachfälschung von Müiiztypen. I Oi")
eine Münzstätte für Ausprägung von Luigini, welche im Avers das
jugendliehe Brustbild eines Mönches, im Revers das Wappen des
Klosters und auf beiden Seiten die Umschrift : Monaster. Lerinense
S. Sepulchri führen. Obwohl die Münzstätte durch fünf Jahre diese
MUnzsorte prägte, sind ihre Luigini höchst selten.
Auf dem lombardischen Boden konnten dergleichen Fäl-
schungen nicht recht gedeihen, da die Territorialgewalt der Mailäu-
dischen Herzoge, die zugleich Könige von Spanien waren, zu mächtig
war. Doch wurden in drei Ländchen solche Imitationen versucht; in
der kleinen an der Schweizer Grenze gelegenen Grafschaft Mac-
cagno, wo Jacob IIL aus der Familie Mandelli seit 1622 das Münz-
recht ausübte und mehrere Schweizer und Mailänder Typen copirte,
ferner in dem Fürstenthume Campi, im Gebiete von Pavia, wo die
Familie Centurione seit 1654 prägte. Von diesen Fürsten sind über-
haupt nur einige wenige höchst seltene Münzen bekannt, dagegen
sind die auf den Namen der Fürstin Julia Centurione geprägten
Ottavetti nicht selten. Endlich ist noch das vonMantua umschlossene
Marquisat von Gazzoldo zu erwähnen.
Dieses Marquisat war zur Zeit der von uns erwähnten Münz-
fälschung im Besitze der Familie Ippoliti, welche vom Kaiser
Rudolf IL das Münzrecht erhalten hatte. Bisher sind nur 4 und
zwar sehr seltene Münzen aus dieser Prägstättc bekannt. Um
so mehr lag die Vermuthung nahe, dass man auch hier mit der Münz-
fälschung anderer Typen ein Geschäft getrieben. Neuere Forschungen
haben diese Vermuthungen bestätigt. Zahlreiche Bajochelle und
sogenannte Murajolo (a 2 Soldi) mit den Typen Sixtus \'. und Gre-
gors XIII. wurden bekannt, bei denen die versteckte Umschrift : Mo
Co. Gaz. oder Fra. Co. Gaz. u. s. w. den Ursprung anzeigt.
Die zahlreichsten und ärgsten Fälscher waren im Gebiete von
Mantua. Die Familie Gonzuga, welche seit 1328 dieses Land be-
herrschte, hatte durch Erbtheilungen, am Schluss des XV. und seit
Anfang des X\ L Jahrhunderts zahlreiche kleine Fürstenthünier ge-
schaffen, welche später meist auch den Herzogstitel erhielten; es
waren dies die Herzogtliümer: Pomponesco, Bozzolo, Sabionetta,
Castiglioue (von anderem gleichen Fürstenthum Italiens durch den
Beisatz delleStiviere unterschieden) undSi)lferino, welche später alle
156
Dr.- Alexander Ritter v. Pawlowski: Zwei Vorträge
wieder mit Mantua vereinigt wurden, ferner Guastalla und Novel-
lara, die später zuModena kamen. Die Regenten dieser sieben kleinen
Ländchen erhielten als Nachkommen der Gonzaga durch kaiserliche
Verleihung das MUnzrecht. Da das Umlaufgebiet ihrer Landmünze
meist sehr klein war und nur wenige Quadratmeilen umfasste, so
verlegten sie sich auf Fälschungen. Am massvollsten war die Linie
Sabionetta, von der nur wenige Nachahmungen constatirt sind.
Mehrere Täuschungen finden wir bei Pomponesco, und zwar zunächst
Brabanter, Genueser und Genfer Typen (auch ganz anonyme: G e-
nuina civilitas statt Genevensis civitas).
Arg ging es in Castiglione und der von 1640 — 78 fungiren-
den Münzstätte von Solferino zu, wo kurze Zeit eine Nebenlinie
regierte. Von Castiglione aus wurde in der Zeit von 1586 bis 1650
ganz Oberitalien mit derartig gefälschten Münzen überschwemmt, und
zwar wurden Mantuaner, Mailänder, Savoysche, Luccheser vor allem
aber päpstliche Typen nachgeahmt. Unter den drei fürstlichen Fäl-
schern dieses Hauses gebührt dem Fürsten Rudolf (1586 bis 93) der
Vorrang. Er verlegte sich insbesondere auf päpstliche Bojochelle,
Gregor XIII. und Sixtus V. von denen Cinagli in Le monete de
Papi allein 55 verschiedene Typenaufzälilt, welche alle das päpstliche
Brustbild und statt der Umschrift: Sixtus V pont. max. eine ähnlich
lautende Umschrift: S. Sixtus Pont. max. oder den Namen eines
Heiligen führen, der Rev. ist ebenfalls täuschend nachgeahmt und
hat meist dieselbe Umschrift wie die päpstliche Münze mit Beigabe
einiger Buchstaben, welche der Präger Gant, oder den Prägehen*n
Rud. C. C. anzeigen. Nicht besser machte es Carl Gonzaga, der
Solferino als selbständiges Fürstenthum erhalten hatte, das später
mit Castiglione vereinigt wurde; er ahmte die Scheidemünzen von
Mantua, Lucca, Modena und päpstliche Münzen nach. Von manchen
dieser Fälschungen ist es schwer, den Ursprung auf Solferino zurück-
zuführen, da sie oft ganz anonym sind, allein einzelne Worte z. B. :
D. Sol. = Dux Solf oder S. N. P. Sol = S. Nicol. Protector Sol-
ferini führen auf die Spur.
Weniger frech trieben es die Gonzaga in Guastalla, von
denen nur Copien der Bologneser Lire bekannt sind, und die Gon-
zaga in No vellara, von denenAlfons I (1650 bis 78) modenesische,
Luccaner und Bologneser Typen copirte. Diese beiden Herzogthümer
I
f
über Nachahmung und Nachfalsrhuut; von Münztypeu, ' • * <
lagen, wie bereits erwähnt wurde, im Gebiete von Modena, wo sich
noch zwei andere derartige Münzstätten befanden. Daselbst besassen
die Malaspina das Münzamt Fosdinovo, für das ihnen Leopold I.
] 666 das Müuzrecht bewilligte. Bis jetzt sind nur zwei gute Münzen
(Teston und 6 Soldi) aus dieser Münze bekannt, dagegen war Fos-
dinovo durch mehrere Jahre eine der thätigsten Münzstätten für die
Präge der schon oft erwähnten Luigini. Pasquale Malaspina Hess
zahlreiche anonyme Typen mit dem Porträt seiner Gemalin Maria
Magdalena und Carl Augustin auf seine Mutter Christina Pallavicini
prägen. Sie haben alle im Avers das Brustbild einer Frau, das dem der
Anna Maria Louise von Dombes täuschend ähnlich ist und im Revers
das Lilienwappen, aber auf beiden Seiten allgemeine Sprüche z. B.
Hanc Asia mereem querit etc.
Ich schliesse die Reihe der italienischen Fälscher mit dem be-
rüchtigten Fürsten Syrus von Correggio. Dieses kaum einige Meilen
umfassende Ländchen gehörte seit dem 12. Saeculum einer
Patrizier Familie, die sich nach der Stadt nannte, 1452 in den
Grafenstand erhoben wurde, 1559 das Münzrecht erhielt, 1580 in
Folge der Gleichheit ihres Wappens mit dem Österreichischen den
Beinamen d'Austria und 1616 den Fürstentitel erhielt. Nur drei
Glieder dieses Hauses münzten, und zwar Camillo und Fabrizio,
anfangs gemeinschaftlicli, dann Ersterer allein und endlich der
erwähnte Syrus, der 1605 die Regierung übernahm. Während sich
die vorher genannten Fälscher nur auf kleine Scheidemünzen und
meist nur auf italienische oder Schweizer Typen verlegten, betrieb
dieser das Fälschungsgeschäft in ausgedehentesteni Masstabe. Nicht
nur Scheidemünze, sondern auch Imitationen grosser Münzen Deutsch-
lands, Frankreiclis. der Schweiz, der Niederlande und Italiens gingen
aus seiner Münzstätte hervor. Er construirte beliebige Wai)pen,
Brustbilder, Embleme, wie er sie eben brauchte. Sign. Quiriuo
Bigi hat sich der Mühe unterzogen, diese Fälschungen in einem
besonderem Werke zusammenzustellen. So eingehend auch seine
Forschungen waren, so sind sie beiweitem noch nicht erschöpfend,
wie dies Carlo Kunz in seiner Beschreibung des Museo Bottaciu
durch Beifügung zahlreicher Nachträge und auch in unserer Zeit-
schrift E.Forchheimerdurch Bekanntgabe eines von Bigi übersehenen
Tlialersdarthun. Solches Treiben blieb nicht ungestraft. Zahlreiche
158
Dr. Alexander Ritter v. Pawlowski: Zwei Vorträsc
Keichsstände reichten Klagen am kaiserlichen Hofe gegen Syru«
ein, wo ihm der Process gemacht, er seines Landes verlustig erklärt,
1633 durch kaiserliche Soldaten vertrieben und ihm ein Pönale
von 300.000 Gulden auferlegt wurde. Modena, welches das Strafgeld
für ihn erlegte, wurde hierauf mit Correggio belehnt.
Ich schliesse diese kurzen Andeutungen mit dem Wunsche,
dass dieselben die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf dieses
interessante, bisher noch wenig cultivirte Gebiet hinlenken, und zu
neuen Forschungen anregen mögen.
d
über Nachahnmng und Nachfälschung von Münztypen. 10 J
IL
(21. October 1876.)
Im verflossenen Jahre habe ich mir erlaubt, an dieser Stätte
über ein Gebiet der Numismatik zu sprechen, das bisher noch
wenig Beachtung gefunden hat, und über das wir eine zusammen-
fassende literarische Darstellung leider gänzlich vermissen, näm-
lich über die im Mittelalter und im Beginne der Neuzeit von Seite
einiger mtinzberechtiger Dynasten und Städte Italiens, Frankreichs,
Deutschlands und der Niederlande im grossartigen Maassstabe be-
triebenen Münzfälschungen. Ich habe meine damalige Darstellung
zuerst nur auf die italienischen Länder beschränkt. Heute will ich
es versuchen, über die in den Niederlanden stattgefundenen
Münzfälschungen einige Andeutungen zu geben.
Dieselben werden vielleicht dazu beitragen, manches Räthsel,
das den Forschern und Sammlern bisher ungelöst blieb, aufzu-
klären.
In den Niederlanden, woselbst sich nach dem Verfall der
carolingischen Monarchie die nationalen Herzogthümer in zahl-
reiche münzberechtige Grafschaften und Herrlichkeiten auflösten,
war derselbe günstige Boden für derartige Fälschungen vorhanden,
wie in Italien. Hier wie dort wurde ein lebhafter auswärtiger
Handel betrieben, der zur Ausgleichung grosse Summen baren
Geldes erforderte. In beiden Ländern war keine stramme Central-
gewal t vorhanden, welche derartigen Ausschreitungen mit Erfolg
entgegentreten konnte. In den Niederlanden berührten sich die
Grenzen des deutschen und französischen Reiches, und seit dem
Beginne der Neuzeit durchkreuzten sich die deutsche, spanische,
französische und republicanische Oberherrschaft im stetem Wechsel,
so dass die Ausschreitungen der kleinem Dynasten kein energisches
^'<^■r/'-c' '>^;'^^j^.
160
Dr. Alexander Ritter v. Pawlowski ; Zwei Vorträge
Einschreiten zu fürchten hatten. Die Münzfälschungen beginnen
daher daselbst auch schon früher, als in den übrigen Ländern
Europa's^ nämlich schon gegen Ende des 13. Sieculums, und finden
erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts ihren Abschhiss.
Um ein volles Verständniss dieser eigenthümlichen Erscheinung
herbeizuführen, halte ich es für nöthig, eine kurze Skizze über die
historische Entwicklung der Münztypen in den Niederlanden
voranzuschicken.
Als die nationalen Herzogthünier, Grafschaften und Herrlich-
keiten das Münzrecht erhielten, bildete der caroliugische Denar
das Vorbild für den Typus sowohl wie flir den Münzfuss. Erst im
12. Jahrhundert wurden die Münzbilder etwas mannigfaltiger, dafür
aber der Denar in seinem Umfange und Gewichte immer kleiner, bis
sich endlich gegen Anfang des 13. Jahrhunderts in der sogenannten
Maille, einer kleinen niedlichen obolenartigen Münzsorte, eine dem
Typus und Münzfusse nach streng nationale Münze herausbildete.
Da aber die erwähntenLänderzu jener Zeit einen äusserst schwung-
haften Handel einerseits gegen Norden mit England, andererseits
gegen Süden mit Frankreich und Italien und gegen Osten mit
Deutschland führten, so waren sie bald durch ihre Interessen ge
nöthigt, ihr Münzsystem und ihre Münztypeu dem internationalen
Verkehre anzupassen. Seit der zweiten Hälfte des 13. Sseculunis
erlangten zwei Silbermünzsorten eine fast allgemeine Verbreitung
durch ganz Europa: der englische Sterling, welcher den Verkehr
im Norden, und der französische gros tournois, das heisst Turnose
welche den Verkehr in Mittel- und Südeuropa beherrschte. Diese
Münzsorten wurden von zahlreichen Dynasten Europas mehrere
Jahrhunderte hindurch nach feststehenden gleichen Typen aus
geprägt. Für den Sterling wurde der Typus, den König Heinrich III.
von England zuerst einführte, ständig. Er zeigt im Avers ein ge-
kröntes gelocktes Brustbild von vorne mit demNamen des Regenten,
im Revers ein durchgehendes Kreuz mit je drei Kügelchen in den
Winkeln und dem Prägeort als Umschrift. Bei den Turnosen wurde
jene Form beibehalten, welche Ludwig IX. der Heilige zuerst
anwandte: im Avers innerhalb einer Lilieneinfassung ein Castell
mit der Umschrift Tu r onus civis, im Revers ein Kreuz mit doppel-
ter Umschrift, nach aussen der Spruch: Benedictum sit nomenj
über Nachahmung und Xachfälschung von Münztypen.
161
Doiuini, nach Innen der Name des Regenten: Lodovicus Rex,
oder Philipp US rex u. s. w. Als im 14. Sseculumdie von Italien aus-
gehende Goldwährung den internationalen Verkehr zu beherrschen
anfing, wurden diese Silbermlinzen auch in den Niederlanden all-
mälig durch die Goldmünze verdrängt. Dem florentinischen Gold-
gulden mit der Lilie und dem heiligen Johannes, dem französischen
Mouton d'or und Royal folgten später der englische Goldnobel,
der rheinische Goldgulden und der ungarische Ducate. Sie wurden
daselbst viele Jahrhunderte hindurch nach stereotypen Normen fort»
geprägt. Seit Einführung der früheren Goldwährung im internatio-
nalen Verkehre verwandelten sich die grösseren Silbermünzsorten zu
eigentlichen Land- oder Landesmünzen. Von nun an werden ihre
Typen immer mannigfaltiger, an die Stelle des Castells treten
Wappen, Löwen, Helme u. s. w., es bildeten sich in den ver-
schiedenen Ländern locale Typen aus, welche sich gleichfalls oft
Jahrhunderte hindurch erhielten, und im Volksmunde besondere
Namen z. B.Botdrager (Leonheaumö) Roosbecker, Spaphan u. s. w.
erhielten. Sobald ein solcher Typus allgemeine Beliebtheit erlangte,
wurde er von den benachbarten kleineren Münzherren allsogleich
nachgeahmt, um dadurch der eigenen Münze ein grösseres üm-
laufgebiet zu verschaffen. Diese Typennachahmung kommt übri-
gens auch in anderen Gebieten Europas vielfach vor. Sie gehört
nicht in das Gebiet der Münzfälschung, sie gab aber Anlass
und Gelegenheit zu derselben.
Um nämlich gewissen, im internationalen Verkehre beliebten
Münzsorten den Verkehr im Auslande zu erleichtern, um ferner den
Münzen kleiner unbekannter Münzherren ein grösseres Umlaufgebiet
zu sichern, und um endlich geringhaltige, nach leichter Fassung
ausgeprägte MUnzen in den Verkehr einzuschmuggeln, versuchte
man es, nicht nur die Typen sondern auch die Umschriften fremder
Münzsorten möglichst genau nachzuahmen, indem man durch
schlaue Combinationen den grösseren Theil der Legende des Ori-
ginals (womöglich die Anfangsworte des Av. und Rev.) auf die
nachgeahmte Münze übertrug. Man rechnete hiebei auf die damals
noch stark verbreite Unkenntniss des Lesens, welche die Täuschung
wesentlich erleichtert. Eine vollständige Wiedergabe der
fremden Legende, also eine eigentliche Falschmünzerei wurde nicht
11
^^y-f:^^-r^
162
Dr. Alexander Ritter t. Pavel owski : Zy
gewagt, da man sich vor der Bestrafung fürchtete, daher wurden
stets einige Buchstaben oder Worte beigefügt, um den Präge -
herrn oder die Prägestätte anzuzeigen. Oft wurde z.B. der Avers der
nachgeahmten Münze vollständig beibehalten und nur im Kevers
der eigentliche Prägeort angedeutet. So haben wir Double und
Denier tournois von der Grafschaft Rechheim, auf welchen im Avers
nicht nur der Typus, sondern auch die Umschrift des französischen
Originales iKarolusfrancorum Rex vollständig erscheint, während
im Revers durch die Umschrift moneta de Re. der eigentliche
Prägeort ausgewiesen wird.
Durch diese Fälschungen wurde eine grosse Serie räthsel-
hafter Münzen geschaffen, die man lange Zeit hindurch für
Producte der privativen Falschmünzung oder deren unverständliche
Legenden man für Stempelfehler hielt und die man daher in Samm-
lungen zu den Originalen legte, denen sie nachgeahmt sind.
Erst in der neuesten Zeit, als man anfing, die Münzgeschichte der
einzelnen Länder quellenmässig aus Urkunden und Münzacten
zu Studiren, kam Licht in diesen bisher dunkeln Theil der Numis-
matik.
Wenn wir die Reihenfolge der in den Niederlanden beschrie-
benen Fälschungen chronologisch verfolgen, so finden wir, dass
sie daselbst schon Ende des 13. Jahrhunderts beginnen, und zwar
wurde mit den englischen Sterlings der Anfang gemacht. Wie ich
bereits erwähnte, wurde diese in das niederländische Münzsystem
genau hineinpassende Geldsorte — sie repräsentirte ein Drittel
des niederländischen Groschen — von allen Mlinzherren dieses
Landes genau nach dem englischen Urtypus naehgeprägt. Um
diesen Beischlägen auch in England und im Auslande überhaupt leicht
Eingang zu verschaffen, wurden die Legenden häufig so einge-
richtet, dass das erste Wort im Avers und Revers den gleich-
zeitigen englischen Sterlings gleichkam. Insbesondere in Luxem-
burg wurden derartige Fabrikate für den Handel erzeugt, so fangen
z. B. die Sterlings des Königs Johann von Böhmen meist mit dem
Worte Edu. an, um sie den Sterlings Eduard IL von England ähn-
lich zu machen, so dass die Legende des Averses ganz unverständ-
lich: Edu. Joanes Rex. B. lautet. Ruding und Hawkins in ihrem
Werke über die englischen Silbermünzen, und Chautard in seinem
I
w
'"Cr.^fr-
über Nachatimung ond Nachfälschuiig vun Miniztyi)»n.
Werke: Monuaies au type esterliu liabeu Hunderte solcher räthsel-
bafter Sterlings abgebildet, deren T.rtsmiii- ict/.t .<r-hon grössfmtli.'ils
gelungen ist.
Auch mit den Tournosen wurden ähnliche Kunststücke versucht.
In der eigentlichen Umlaufzeit des gros Tournois hiessen alle fran-
zösischen Könige entweder Ludwig, Philipp oder Carl. Ihre Tournosen
unterscheiden sich von einander nur durch die innere Umschrift des
Reverses welche den Namen: Ludovicus Rex, Philippus rex.
u. s. w. flihrt. Diesen Umstand benützten die niederländischen
Mtinzherren, welche den gleichen Namen führten. Sie copirten die
französischen Turnosen mit photographiseher Treue, und setzten nur
an Stelle des Wortes Rex drei andere Buchstaben, welche ihren
Titel andeuteten z. B.: C. V. B. soll bedeuten Comes Valkenburg.
D. N. S. = dominus. Die Bestimmung solcher Turnosen ist daher
oft sehr schwierig.
Als dann die Goldmünzen das Silber aus dem internationalen
Verkehre verdrängten, wurden diese Manöver auch auf die Gold-
münzen ausgedehnt, und bis gegen das Ende des 16. Jahrhunderts
fortgesetzt. So Hessen z. B. noch die niederländischen Provinzen,
die sich von Spanien losgerissen hatten, die Goldmünzen nach spa-
nischem Typus selbst mit dem Namen und Brustbild des spanischen
Königs fortprägen, weil man im Verkehre daran gewöhnt war. Die
in den Niederlanden geprägten Excellentes mit dem Namen und
Brustbilde Ferdinands und Isabellas sind bekannte Beispiele. Durch
Beifügung des Namens der Provinz und den Beisatz ad valorem
Hispanise sind sie bei genauer Betrachtung kenntlich.
Die meisten der bisher erwähnten Münznachahmungtn ImittMi
nur den Zweck, den Geprägeu der kleinereu Länder einen leichten
Absatz zu verscbatfen. Sie waren meist an Schrot und Korn den nach-
geahmten Originalen vollkommen gleich, und richteten daher im
Verkehr keinen besonderer Schaden an. Seit der Mitte des IG. S».
culuras beginnt aber eine Reihe schamloser Münzlälschungcu,
die zunächst auf Betrug berechnet waren, indem man geringhaltige
schlechte Münze unter fremdem Stempel in den Verkehr einzu-
schmuggeln suchte. Als nändich die Niederlande unter spanische
Herrschaft gelangten, und dadurch die Lehensverhältnisse zum
deutschen Reiche theils zerrissen theils gelockert wurden, als dann
-^i?'^'^''
164
Dr. Alexander Ritter v. Pawlowski : Zwei Vorträge
später nach dem Abfalle der nördlichen Provinzen die Machtver-
hältnisse fortwährend wechselten, gelangte in den an der Maas
gelegenen östlichen Gebieten diese Art der Münzfälschung zur
vollen Blühte. Die an der Maas gelegenen geldrischen und bra-
banter Lehen: Die Grafschaften Batenburg, s' Heerenberg, Kuilen-
burg, Stevensvaert, die Grafschaft Vianen und Megen, die Herrlich-
keiten Pallant, Limb rieh und Blijt, vor allem aber die in nieder-
ländischen Gebiet eingekeilten deutschen Reichslehen Reckheim
und Gronsfeld betrieben diese Industrie systematisch. Sie
ahmten nicht nur die Münzsorten ihrer niederländischen Nachbar-
staaten, sondern auch englische, französische, deutsche, Lothringer]
und Metzer Typen nach. Ich will hier nur einige der am meisten be-
rüchtigten Fälscher beispielsweise anführen.
Graf Wilhelm von Batenburg, der zwischen 1556—1573
regierte, Hess bei 20 fremdländische Münzsorten nachprägen. Wir
kennen vor ihm italienische Kronen, englische Angelotten, portugie-
sische Goldkrusaden, deutsche Mariengroschen und italienische
Lire nach Bologneser Typus. Alle diese Münzen sind auf Täuschung
berechnet, obschon sie den Prägeort Mo. no. Ba. führen.
DieGrafenvon'sHeerenberg oder Berg nützten die politische!
Wirren gleichfalls zu ähnlichen Zwecken aus. Graf Wilhelm IVj
(1546—1556) hatte in Berg, Hedel und Diesen solche Falsch-
münzen. Sein Enkel Friedrich (1611 — 1618) Hess grossen Massen'
niederländischer insbesondere friesischer Kupferdeuts fabriziren.
Die Originale hatten im Avers ein Leopardenwappen ohne Umschrift,
im Revers das Wort Frisia in einer Zeile. Er wählte nun aus seinem
vielfeldigen Wappen gleichfalls ein Leopardenschild aus und setzte
es auf den Avers. Im Revers gebrauchte er statt des Wortes Fri-
sia das Wort Frisib, dasselbe enthielt nämlich die Anfangsbuch-
staben seines Namens: Fredericus Romani Imperii Comes in Baten-
berg. — Auf der Prägstätte Wered oder Stevenswaert, wo eine
Seitenlinie der Grafen von Berg regierte, wurden die Metzer
Groschen täuschend ähnlich nachgeahmt, nur wurde die Umschrift
S. Stephanus Mettensis in S. Stephanus Wertensis ver-
wandelt.
Am ärgsten trieben es aber die deutschen Reichsgrafen Reck-
beim, deren Land zwischen Brabanter undLütticher Gebiet einge-
über Nachahmung und Xachfalschung von Münztypen. lÜÖ
keilt war, das aber jetzt zu Belgien gehört. Schon im 15. Jahrhundert,
als Reckheim dem Hausse Sombref gehörte, und im 16. Jahrhundert,
als das Geschlecht Flodorf daselbst herrschte, wurden in Reckheim
meist nur auf Täuschung berechnete Nachahmungen niederländi-
scher, französischer, Lothringer und Aachner Typen ausgeprägt.
Noch grossartiger setzte dieses Geschäft das Haus Aspremont-
Linden fort, welches die Herrschaft im 17. Jahrhundert käuflich an
sich brachte. Es gibt wenige niederländische Kupfermünzen, die
nicht in Reckheim nachgeprägt wurden. Vom Grafen Ferdinand,
der 1636 — 1665 regierte, zählt Neumann in seinem Werke über
die Kupfermünzen allein bei 70 derartige Fälschungen auf.
Zu diesen Fälschungen, welche von münzberechtigten Herren
und Städten ausgingen, gesellten sich später noch die Producta
der sogenannten Heckmtinzen, das ist unberechtigter Münzstätten,
welche gar kein Münzrecht besassen und die gegen Ende des
16. und gegen Anfang des 17. Sa^culums stark verbreitet waren.
Diese ahmten nicht nur fremde Münzen vollständig nach, son-
dern verfertigten auch Phantasiemünzen, auf welche sie willkür-
lich componirte Wappen und unverständliche Legenden z. B.
Moneta nova argentea Cha., oder moralische Sprüche: Ora et
labora u. s. w. setzten. Manche dieser Ileckmünzen wurden in
Städten oder auf der Besitzung ansehnlicher Herreu, gestützt auf
angebliche, jedoch nie existirende MUnzprivilegien mit schamloser
Frechheit etablirt. Die Geschichte mehrer dieser Heckmünzen
ist bereits veröffentlicht. Ich will hier nur einige Beispiele anttihreu.
Die holländische Stadt Gori ehern liess während der politi-
schen Stürme im Jahre 1583 eigenmächtig eine Münzstätte errichten,
deren Benützung sie berechtigten und unberechtigten Personen
gegen Entgelt Uberliess. Wir wissen aus Urkunden, dass die Pfalz -
gräfin Amalia von Neuenaar, der portugisischen Kronprätendent
Don Antonio, der Graf und die Gräfin von Chimey, die Stände von-
Ommelanden und auch noch andere Personen daselbst unter ihrem
Namen prägen Hessen. Die dortigen Mün/»'r xcrfcrt listen aber noch
PhantasiemUnzen auf eigene Rechnung.
Ein englischer Goldnobel mit der Unischritt: Muueta aurea
Domini de Arkel, über den sich die Numismatiker lange Zeit
den Kopf zerbrachen, da die Herren von Arkcl schon im 14 Jahr-
^ ^
166
Dr. Alexander Ritter v. Pawlowski: Zwei Vorträge etc.
hundert ausstarben, die Münze aber ihrem Typus nach dem
16. Sseculum angehörte, stammt ebenfalls aus dieser Münzstätte,
welche auf Befehl der holländischen Stände im Jahre 1591 ge-
schlossen wurde.
Ein zweites Beispiel liefert uns die Münzstätte, welche Lambert
von Oyembrugge Freiherr von Dures, gestützt auf ein angebliches
Münzprivileg, auf seinem Gute Vanette im Herzogthume Brillon
eröffnete. Er Hess daselbst nicht nur Gold- und Silbermünzen unter
seinem Namen prägen, sondern errichtete auch eine förmliche
Falschmünzerei, über deren Producte uns der Process des Bischofs
von Ltittich gegen die dortigen Münzer, dessen Acten die Revue
beige im Jahrgange 1849 veröffentlichte, interessante Auskünfte
gibt. Seine Münzstätte wurde zerstört, sein Münzwardein wurde
gehenkt, er selbst aber ging als französischer Officier straflos aus.
Ich will dieses Bild menschlicher Verirrungen nicht noch weiter
aufrollen. Die angeführten Beispiele dürften vielleicht genügen,
Forscher und Sammler zu weiterem Studien auf diesem Gebiete
anzueifern.
Berichtigungen.
In dem folgenden Artikel : Das österreichische Münzweseii unter den
Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias sind einige irrige Seiten-
angaben zu berichtigen :
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unten.
210.
222.
VIII.
Das österreichische MUnzwesen
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
Münz^eschichtliche Studien
von
Johann Newald.
(Für den Verfasser bleiben alle Rechte vorbehalten.)
Vorwort.
Die vorliegende Publication ist eine Fortsetzung meiner
das österreichische Münzwesen unter Ferdinand I. behan-
delnden münzgeschichtlichen Arbeit. Sie umfasst die Zeit
von 1564 bis zum Ausbruche des dreissigjährigen Krieges.
Die Zielpunkte meiner Forschungen blieben dieselben
wie bei den Untersuchungen über das Münzwesen Ferdi-
nands I. In erster Reihe sind es die Münzstätten, welche
im Laufe dieser Periode im Betriebe waren, daran knüpfend
die Feststellung des Zeitpunktes der Errichtung neuer
Münzhäuser, sowie der Störungen und Unterbrechungen
ihrer Thätigkeit und das alltallige gänzliche Auflassen der-
selben. Weitere Nachweise beschäftigen sich mit der Reihen-
folge der für die einzelnen Münzhäuser bestellten Münz-
meister und Bestimmung ihrer Münzzeicheu. Eine
168
Johann ^tcwald : Das österreichische Münzwesen
besondere Aufmerksamkeit wurde der Klarstellung jener
Momente zugewendet, welche Anlass zu einer Aenderung
des bishin üblichen Kornes und Schrotes der Münzen
gaben, welche Aenderung sich bald auf eine grössere Zahl
der Münzhäuser ausdehnte, bald sich lediglich auf eine ein-
zelne Münzstätte beschränkte. Wo sich verlässliche Daten
vorfanden, wurde auch der Umfang des Prägebetriebes für
einzelne Zeitperioden, sowie Ereignisse und Vorkommnisse]
mitgetheilt, welche auf die Entwicklung des österreichische!
Münzwesens von Einfluss waren.
Wie ich dieses bei allen meinen historischen Publi-
cationen als Grundsatz aufrecht gehalten habe, werden-
auch in der vorliegenden Monographie die benützten Quellen
fort und fort mit Sorgfalt angegeben. Von den Wiener
Archiven kommt in erster Reihe das k. k. Hofkammer-
Archiv, sodann das k. k. Haus- Hof- und Staats- Archiv,
endlich das Archiv des k. k. Hauptmünzamtes zu erwähnenj
Für die bereitwillige Förderung meiner Forschungen bn
ich den Herren Beamten dieser Archive zu besonderei
Danke verpflichtet. Mit gleicher Wärme danke ich den
Herren Beamten des k. k. Münz-Gabinets für die zuvor-
kommende Unterstützung meiner Studien in der ihrer
Obsorge anvertrauten Münzensammlung.
Eine wesentliche Förderung meiner Arbeiten gewährt(
der k. k. Hauptmann i. F. Herr Heinrich Rappe i
Kuttenberg, der mir aus dem ehemaligen Kuttenbergei
Bergamts-Archive, welches nunmehr in einem grossen!
Theile in den Besitz der dortigen archäologischen Gesell-
schaft übergegangen ist, sehr schätzenswerthes archivaU-Ä|
sches Materiale mittheilte, wofür ich hiemit dem wärmsten '
Danke Ausdruck gebe.
I
^laximiliaii II.. i^ i.r u'" ji. i. 10*7
Einleitung.
.aiser Ferdinand I. starb zu Wien am 25. Juli 1564. Durch
■^^ 43 Jahre war das Streben des staatsklugen Herrn unverrlickt
dahin gerichtet, die Regierung der seinem Zepter unterworfenen
Königreiche und Länder, nach einem einheitlichen Systeme zu con-
solidiren. Durch zahlreiche Mandate und Verordnungen, welche,
wenn sie auch die Eigenthlimlichkeiten und altgewohnten Bräuche
der einzelnen Landgebiete thunlichst schonten, dennoch jedesmal
die allen Ländern gemeinschaftlichen Interessen geltend zu machen
suchten, wurden nahe sämmtliche Zweige der öffentlichen Verwal-
tung auf neuen Grundlagen eingerichtet. Wohlgegliederte Regie-
rungsformen und eine organische Gesetzgebung begannen sich zu
entfalten, um Einheit und die Herrschaft eines obersten Willens zu
begründen. Welche Pflege Ferdinand L bei allen seinen Regie-
rungseinrichtungen dem Gesammtstaatsge danken zugewendet
hatte, ergibt sich zunächst aus der Organisation, dem Wirkungs-
kreise und den Machtbefugnissen seiner Centralstellen, aus denen
namentlich die Hofkanimer für die Durchführung aller Verwaltungs-
und Finanzangelegenheiten von entscheidender Bedeutung war.
Eine grosse Sorgfalt wendete der Kaiser dem MUnzwesen
seiner Länder zu. Mit einer Umsicht, der wir alle Anerkennung
zollen müssen, suchte er die aus den mannigfaltigsten l'rsachen
Hich geltend machenden Gegensätze auszugleichen und jene Schwie-
rigkeiten zu beheben, welche sich einer gedeihlichen Förderung
dieser wichtijreu Verwaltungsangelegenheit entgegenstellten.
Die Erfolge, welche Ferdinand 1. für die einheitliche Regie-
rung seiner Königreiche und Länder anbahnte, sehen wir in ihrem
\;>;-
i < U Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
wichtigsten Theile von ihm selbst, durch die testamentarisch ange-
ordnete Vertheilung dieser Länder unter seine drei Söhne
Maximilian, Ferdinand und Karl, wieder in Frage gestellt
und in ihren Grundlagen erschüttert. Die Frage, welche Gründe
den staatsklugen Eegenten in letzter Reihe bei dieser seiner Ver-
fügung leiteten, wird sich in einer alle Momente aufklärenden
Weise wohl niemals beantworten lassen.
Als nächste Folge dieser Land erth eilung organisirten sich
nach dem Tode Ferdinands L drei von einander unabhängige
Eegierungen. An den Erzherzog Maximilian, den späteren
Kaiser Maximilian IL, waren die beiden Erzherzogthümer Oester-
reich unter und ob der Enns, Böhmen mit seinen Nebenländern und
das damals von den Türken hart bedrängte Königreich Ungarn
gefallen. Die Regierung dieser Länder verblieb in Wien. Für die
dem Erzherzog Ferdinand zugetheilten ober österreichischen
Länder, das heisst Tirol mit dem Vorarlberg und mit den sogenann-
ten vorderösterreichisehen Herrschaften und Landen organisirte
sich die Regierung zu Innsbruck, und endlich für die an den
Erzherzog Karl gefallenen innerösterreichischen Länder, das heisst
Steiermark, Kärnten, Krain und die Küstenländer entstand die
Regierung zu Graz.
Die Königreiche Böhmen und Ungarn mit ihren Nebenländern,
sowie die Erzherzogthümer Oesterreich unter und ob der Enns ver-
einigten sich allerdings schon im Jahre 1619 nach dem Tode des
Kaisers Mathias mit den innerösterreichischen Ländern, allein die
Regierung zu Graz bewahrte noch durch eine lange Reihe von
Jahren eine Art Selbstständigkeit gegenüber den Centralstellen am
Kaiserhofe zu Wien. Tirol und die vorderösterreichisehen Lande
fielen erst nach dem Tode des Erzherzogs Sigismund Franz im
Jahre 1665 wieder an den habsburgischen Gesammtstaat.
Durch die Auflösung der bis zum Tode Ferdinands I. bestan-
denen Centralregierung werden münzgeschichtliche Forschungen in
hohem Grade erschwert, indem sich das archivalische Quelleu-
materiale nunmehr an mehreren Orten vertheilt vorfindet und die
Acten nicht überall in gleicher Weise erhalten blieben, wie im
k. k. Hofkammer-Archive in Wien.
xv;iiseru Maxim iuii 11 n.. uua.uiJii ii. uu<i .M.imias. 1 < 1
Kaiser Maximilian II.
i.
Die Guldentlialer-Prägung und ihre Folgen.
Beim Regierungsantritt des Kaisers Maximilian II. stand in
den österreichischen und böhmischen Mtiuzhäusern die auf dem
Reichstage zu Augsburg am 19. August 1559 für das Reich
erlassene Mlinzordnung in Wirksamkeit. Obwohl dieselbe in den
österreichischen Erblanden mit dem Patent ddo. 1. August 1560, in
Böhmen jedoch ddo." Prag 1. August 1561 bekannt gemacht worden
war, konnte, nachdem gegen ihre Einführung die lebhaftesten
Bedenken erhoben wurden, die Ausprägung der sogenannten Gul-
denthaler und ihrer Untertheilungen erst mit dem Jahre 1562
eröffnet werden. > ) Für die ungarischen Mihizstätteii trat dieselbe
niemals in Wirksamkeit.
Da bei jenen münzberechtigten Reiclisständeu, welche zugleich
Besitzer von Gold- oder Silberbergwerken waren, die Münzfrage
eigentlich den Charakter einer Bergwerksfrage besass, ergab sich
aus der EinfUhrung der Reichsmünzorduung vom 19. August 1559
für alle jene österreichischen und böhmischen Münzhäuser, wo
landesfUrstliclies Bergwerksilber zur Ausprägung gelangte, eine
schwere Belastung und Benachtheiligung des Bergwerksertrages.
*) Vergl. Newald: Das österreichische Müuzwosou unter Ferdiiiaud I.,
Seite 60—64. So oft uumuehr diese Publicatiou zu erwähnen könmit. wird nur
„Münzwesen unter Fordinaiui !.'• citirt werden.
172
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
Noch empfindlicher war der Druck in jenen Münzhäusern, wo der
Betrieb auf eingelöstes Silber und Pagamente basirt war. Ich habe
an einem andern Orte darauf aufmerksam gemacht, wie sehr jedem
Bergwerksbesitzer Alles daran gelegen sein musste, die von ihm
erbauten Edelmetalle^ durch die Vermtinzung derselben, um einen
Preis zu verwerthen, bei welchem der Betrieb des Bergbaues und
der Bestand desselben dauernd gesichert erschien. 0 Die Opposition,
welche Ferdinand I. im Jahre 1524 gegen die sogenannte Ess-
1 inger Reichsmünzordnung erhoben hatte, war aus dieser Erwägung
hervorgegangen. Soweit miinzgeschichtliche Forschungen zurück-
reichen, gebührt das Verdienst, die Münzfrage das erste Mal in
bestimmter Form als eine Bergwerks frage zur Geltung gebracht
zu haben, Ferdinand I.
Wie berechtigt die Bedenken und Klagen waren, welche in
den Erbländern gegen die Münzordnung vom 19. August 1559
erhoben wurden, wird sich aus der nachfolgenden Erörterung erge-
ben. Nach der von Ferdinand I. unterm 15. Februar 1524 erlassenen
Münzordnung waren „Guldiner" auszuprägen, welche per Stück
damals 60 Kreuzer rhein. zu gelten hatten. Aus der feinen Wiener
Mark Silber wurden sohin nach dem damaligen Werthe sehr nahe
10 Gulden 54 Kreuzer ausgebracht. 2) Durch die Preissteigerung des
Silbers erhöhte sich auch der Werth dieser „Guldiner" oder, wie
sie später genannt wurden, dieser „Tlialer'' ; er war mittlerweile auf
70 Kreuzer gestiegen. Das Ausbringen aus der feinen Wiener Mark
Silber erhöhte sich dadurch auf sehr nahe 12 Gulden 43 Kreuzer.»)
Wie aus der für die österreichischen Münzliäuser adaptirten Münz-
ordnung vom 19. August 1559 zu entnehmen ist, wurden durch die
Ausprägung der sogenannten Gulden thaler aus der feinen
Wiener Mark Silber 12 Gulden 153/07 Kreuzer ausgebracht.^ Es ergab
1) Münzwesen unter Ferdinand L, Seite 10.
3) Daselbst Seite 8 und 131. Vergl. auch Seite 55 und 57.
3) 10 Gulden 54 Kreuzer sind gleich 10-9 Gulden. 10-9 X V6 = 12-7167 Gul-
den oder 12 Gulden 43 Kreuzer. Ruprecht Puelacher, Münzmeister in Linz,
berechnete im Bericht an die niederösterreichische Kammer vom 19. Juni 1557
dieses Ausbringen mit 12 Gulden 42 Kreuzer 3 Pfenninge. Vergl. Münzwesen
unter Ferdinand L, Seite 149.
*) Münzwesen unter Ferdinand I., Seite 151.
mr-
unter den Kaisern Maximilian IL, Rudolph II. und Mathias. 1 iO
sich somit bei jeder vermUnzten feinen Wiener Mark Silber eine
Einbusse von sehr nahe 28 Kreuzer, ein für die damalige Zeit höchst
empfindlicher Verlust. Um den üblen Eindruck dieser Einbusse zu
vermindern, wurden die älteren in den österreichischen Landen
geprägten Thaler, obwohl man sie im Verkehr allgemein mit
70 Kreuzer berechnete, in der Münzordnung vom 19. August 1559
nur im Werthe von 68 Kreuzer angesetzt i) und dadurch der bei
jeder Mark resultirende Verlust mit 6 Kreuzer dargestellt; allein
dadurch konnte der verderbliche Einfluss, den die neue MUnzordnung
auf das Münzwesen in den österreichischen und böhmischen Ländern
und somit auch auf das Bergwerkerträgniss in denselben nahm,
nicht aufgehalten werden.
Die gänzliche Einstellung des Betriebes im Linzer Münzhause
war die nächste Folge, welche sich aus der Einführung der 1559er
Münzordnung ergab. Der bisherige Unternehmer Ruprecht Pue-
lacher lehnte die Fortführung des Betriebes ab, in gleicher Weise
ablehnend äusserten sich die Stände des Landes ob der Enns, so
dass schliesslich über Antrag Maximilians IL ddo. Linz, 23. August
1562 das Linzer Münzhaus gesperrt wurde. ^)
Die Wiener Münze anbelangend war, da sich dieselbe am
Sitze der Centralregierung befand, die gänzliche Auflassung nicht
durchführbar, allein die Geschäfte geriethen auch dort bald ins
Stocken und trat schliesslich eine mehrjährige Unterbrechung des
Betriebes ein, wodurch der Umstand eine Erklärung findet, dass bis
nun aus dem Wiener Münzhause ausgegangene Guldenthaler des
Kaisers Ferdinand L nicht bekannt sind. »)
Nachdem diese Betriebsunterbrechung oder, wie sie in den
Acten genannt wird, ,,das Feyern der Münze' durch Jahre an-
dauerte, erging an den Münzmeister Adam Hartman ddo. Wien,
19. April 1567 die Verständigung, der Kaiser verlange, dass „das
1) Münzwest'ü unter Ferdinand L, Seite 61. Mau hatte diese Th^Ier schon
mit Patent vom 14. December 1555 von 70 Kreuzer auf t>8 Kreuzer herab-
gesetzt, musHte jedoch unterm HO. Mai 1556 diese Vcrtllg:uug zurücknehmen
tmd den Wcrtli vou 70 Kreuzer wieder herstellen. Seite 55 und 57.
») Üaselbst Seite 106.
8i fhisolhsf S..ifH 1(i:'.
174
Johann \ewald : Das österreichische Münz-wesen
mtinzwesen allhie zu Wienn wider au vnnd aufgericbt werde". Da
aber im Laude unter der Enns keiue Bergwerke vorhandeu, aus
denen das Silber in die Münze geliefert werden kann, somit nur
angekauftes Bruchsilber zu Gebote steht, habe er zu berichten:
„wann auf den Schrot vnnd Khorn wie die neu münzordnung ver-
mag, alhie zu Wienn gemünzt werden solle, ob solches von dem
Bruch vnnd demselben frerpbden Silbern mit Ir. Mt. nuz oder
schaden beschehen möge, vnnd Ir. Mt. als dann mit solchen Silbern
auf berürts münzwesen mit der genügen gevolgen wurd khünnen." i)
Münzmeister Adam Hartman, welcher seit dem 13. März 1557
dem Wiener Münzhause vorstand 2) und seit dem Jahre 1563 ein
Wartgeld von jährlich 200 fl. bezog, äusserte sicli dahin, dass das
„Feyern'^ der Wiener Münze ganz zu vermeiden gewesen wäre,
wenn das Wechselamt und die Scheiderei beim Münzamt geblieben
wären, indem aus dem Erträgniss des Wechselamtes allfällige Ein-
bussen bei der Münze hätten bestritten werden können. Er hebt
hervor, dass schon sein seliger Vater jedoch vergebens auf diese
Vereinigung angetragen hatte und sagt schliesslich, dass, wenn man
ihm Beides überlasse, er von jeder vermünzten Mark Gold wie sein
Vater einen halben Gulden und für jede vermünzte Mark Silber
4 Kreuzer als Schlagschatz reichen würde. 3)
Ueber Antrag der niederosterreichischen Kammer vom 28. Juni
1569 ordnete Kaiser Maximilian II. ddo. Wien, 16. Juli 1569 die
Dienstentlassung des Wiener Münzeisenschneiders Philipp Haller
und die Einstellung des von demselben bisher bezogenen Wart-
geldes an.*) An dieses Mandat schloss sich ddo. Pressburg, 3. Sep-
tember 1569 eine weitere kaiserliche Resolution, mit welcher die
Wiederaufrichtung der Wiener Münze angeordnet und verfügt
wurde, dass damit das Wechsel-, Scheiderei- und Probiramt zu ver-
binden ist, auf dass, wenn sich bei der Münze ein Schaden ergibt,
derselbe wieder bei diesen Aemtern hereingebracht werden könne.
1) K. k. Hofkammer-Archiv, Fase. 17316.
~) Münzwesen unter Ferdinand I., Seite 59.
8) K. k. H. K. A., Fase. 17508, auch 17316. Von den Arbeitern waren nur
drei Münzgesellen zurückgeblieben, denen ein massiges Wartgeld gereicht
wurde.
*) Daselbst. Gedenkbuch Nr. 108, Fol. 284.
4
unter den Kaisern Maximilian Tl., Rudolph II. und Mathias.
175
Die Kammer habe als Verlag 6000 Gulden „urab ein laidliches
Interesse mit dem farderlichisten aufzubringen" und Capital und
Zinsen auf die MUnze sicherzustellen. Es sollen nur Tlialer und
Halbthaler „nach dem gemainen Reichß-Schrot und Khorn" gemünzt
werden, weil bei der kleinen MUnze der Verlust noch grösser sei,
auch dieselbe genügend vorhanden ist. M
Trotz dieser Begünstigungen blieb während der Regierung des
Kaisers Maximilian II. der Betrieb im Wiener Münzhause ein
sehr beschränkter. Es erklärt sich daraus das seltene Vorkommen
von Wiener Münzen, namentlich in Wien geprägter Thaler und
Halbthaler Maximilians II. Vom Jahre 1569, als dem Jahre, in
welchem der Betrieb in der Wiener Münze wieder eröffnet wurde,
beginnend, finden sich in den Acten mehrere Weisungen zur Vor-
nahme von Münzprägungen. Aus Wiener-Neustadt, ddo. 26. Septem-
ber 1570 erfolgte an den Münzmeister Hartman und an den War-
dein Thoman Händl der Auftrag zur sofortigen Ausmünzung der
von Stefan Balassa eingelieferten 102 Mark 12 Loth Gold in Ducaten
und 19 Mark 12 Loth Silber in Thaler. 2) Mit der kaiserlichen Reso-
lution ddo. Prag, 26. Mai 1571 wurde Münzmeister Hartman ange-
wiesen, eine Partie niederländischer Münzen, welche der Landvogt
in Schwaben, Georg Ilsung, eingesendet hatte, die zur Durchführung
von Festungsbauten in Ungarn bestimmt waren, so rasch als mög-
lich ,,in ganze Thaller dem gewendlichen Sclirot vnd Khorn nach-
umzumünzen, s) Im Jahre 1572 wurden hier 1292 zum Festungsbau
in Raab und Komorn bestimmte Thaler geprägt.*) Unterm 14. Jän-
nerl573 erfolgte die Weisung, es seien für <1<mi P.MiKmw.rhif.MHl.'nt.Mi
ij K. k H. K. A., Gdkb. Nr. 108, Fol. 347vcr.s., auch Fase, iloid. Die
Aufbringung des Verlages von G(MK) Gulden stiess auf grosse Schwierigkeiten.
Die niederösterreichische Kammer berichtete unterm 21. November 1561> an
den Kaiser, dass gegen 10 Procent Verzinsung und lediglich tlir die Dauer eines
Jahres darleihen wollen: Gregor SpiUecker 2U0U Guldeu, ein Herr von Taxis
2500 Gulden. Dieser verlange überdies die Verschrei bung des Müuzhauses als
Pfand und den Münzmeister Hartman als Bürgen, endlich ein Secretär ebenfalls
2000 Gulden, jedoch musste Hartman mit seinem eigenen Vermögen die Haf-
tung übernehmen.
'^) Daselbst Fase. 173 IG.
«) Daselbst Gdkb. Nr. 112, Fol. 448vor».
4 i....,.ii..f K...,. i7:nG.
i .•;-^r.t5T'.-%4^-
176
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
ZU Raab, Urban Süss, 1500 Gulden Pauliner umzuprägen un(
unterm 5. Februar 1573 erfloss ein zweiter Auftrag zur Ummünzuug
von 4000 Gulden Pauliner zu Thalern. i) Unterm 6. October 1573
wurde Münzmeister Hartman ermächtiget, für die Witwe Katharina
Yon Bathiani eine Anzahl Silber gegen Abzug des Schlagschatzes
zu vermtinzen. 2)
Nachdem durch das Vorhergehende actenmässig nachgewiesen
erscheint, dass während der Regierung Maximilians IL der Betrieb
im Wiener Mtinzhause erst im Jahre 1569 eröffnet wurde, verdient
unisomehr der Guldenthaler mit der Jahrzahl 1565 Beachtung. 3)
Dass derselbe aus dem Wiener Münzhause stammt, wird durcli den
Bindenschild ausser Zweifel gestellt, welcher auf dem, auf der
Brust des Doppeladlers befindlichen Wappen als Herzschild vor-
kömmt. Der Stempel dürfte von dem oben erwähnten Münzeisen-
schneider Philipp Haller angefertigt worden sein. Man hatte sich
nach dem Regierungsantritte Maximilians H. zur Thalerprägung
vorbereitet, es wird jedoch beim Abschlagen weniger Stücke geblie-
ben sein. Der Dickthaler hat ein Gewicht von 72-19 Grammen, was
dem Gewichte eines dreifachen Guldenthalers von 73*86 Grammen
sehr nahe steht. Dass der Dickthaler nur als ein Probeabschlag auf-
zufassen ist, ergibt sich schon aus der im Reichsapfel vorkommen-
den Werthzahl 60, das ist 60 Kreuzer, was offenbar im Widerspruche
ist mit dem eigentlichen Werthe des Stückes, welcher nicht 60, son-
dern 180 Kreuzer betragen hätte.
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 121, Fol. 79vers. und Nr. 122, Fol. 255vers
und 296.
2) Daselbst Gdkb. Nr. 121, Fol. 334. Ddo. Klosterneuburg, 14. Novem-
ber 1570, erging an den niederösterreichischen Vicedom, Hanns Gg. Khuefstainer
die Weisung, dem Wiener Münzmeister Adam Hartman „die Unkosten so auf
machung 3946 Eait-Pfennig für die niederösterreichische Cammer vnd der-
selben Piiechhalterey, benanntlich 6 Gulden 30 Kreuzer" auszubezahlen.
Gdkb. Nr, 112, Fol. 65. Unverkennbar handelte es sich um kupferne ßait-
pfenninge.
3) Ein einfacher Thaler befindet sich in der Sammlung Sr. Durchlaucht
des Prinzen Ernst zu Windischgraetz, ein Dickthaler in der Sammlung des
Herrn Ignaz Spöttl in Wien. Beide sind ohne Münzmeisterzeichen.
vf^rz-
Das ,,Feyem" derWieuer Münze durch nahe sechs Jahre, sowie
der Umstand^ dass selbst nach der Wiederaufnahme des Betriebes
kleine Münzen nur in sehr geringer Menge zur Ausgabe kamen,
hatten zur Folge, dass sich auf dem flachen Lande viele fremde
geringhaltige Scheidemünzen verbreiteten. Nachdem zuvor unterm
1. November 1572 eine Valvirung der Pauliner, auch Schweizeri-
scher und anderer ausländischer Münzen angeordnet worden war, i)
erfolgte ddo. Wien, 30. December 1572 ein „Offenes Mandat-^,
durch welches eine Zahl geringhaltiger Münzen verrufen und im
Verkehre verboten wurden. Um die Unterthanen nicht zu schädi-
gen, wurde die Einwechslung gegen gutes Greld angeordnet und
biezu ein Termin bis Ende Jänner 1573 anberaumt. Die Umwechs-
lung hatte stattzufinden zu Wien, Wiener-Neustadt, St. Polten,
Eggenburg, Komeuburg, Retz, Krems, Ybbs, Steyr, Linz und Frei-
stadt. Die hiezu bestimmten Geldverläge wurden für Wien mit
1000 Gulden, für jede der übrigen „Legstädten" mit 500 Gulden
bemessen. Sollten Parteien das Ummünzen ihrer leichten Sorten in
gutes Geld vorziehen, so hatte dieses ohne Zeitversäumniss zu
geschehen und verzichtete der Kaiser auf den Schlagschatz, welcher
den Parteien gutzurechnen war, auch die Kosten der Einsendung
der schlechten Sorten an das Wiener Münzhaus hatte die ni('<1er-
österreichische Kammer zu bestreiten.'^)
Die Deckung der grossen, namentlich durch die sich stets
wiederholenden Kriege mit den Türken ausserordentlich gesteigerten
Auslagen verursachten der Wiener Regierung viele Sorgen. Es darf
uns daher nicht befremden, dass man auch Alchymisten und
Adepten Gehör gab, traf man ja damals und durch eine lange Zeit-
periode dergleichen Charlatane beinahe an allen Höfen an. In der
Darstellung des österreichischen Münzwesons würde sich unver-
kennbar eine Lücke ergeben, falls man diese krankhaften Aus-
wüchse ganz unberücksichtigt lassen wollte. Es genügt jedoch, wenn
auf diesem Gebiete nur die hervorragendsten Erscheinungen berührt
werden.
1) K. k. H. K. A, Gdkb. Nr. 117, Fol. 339.
2j Daselbst Fase. 17316, Huch Gedenkbü« 1
Nr. 117, Fol. 339, Nr. 119, Fol. 701, 703^«". uod 70 •
■^rf^ i^ ,':^*^ :
178
Johana Xewald : Das österreichische Münzwesen
Bald nach dem Kegierungsautritte Maximilians IL trat ein sol-
cher „Goldklinstier", er hiess Andreas Zehen dtn er von Zehen t-
grub mit ziemlich weitgehenden Anträgen hervor. Das Wesen
derselben wird sich am einfachsten wiedergeben lassen, wenn wir
die „Abredung vnnd vergleichung, zwischen der Rom. Kays. MI^H
vnnd denn Andraen Zehendtner von Zehentgrub vnnd Connsortei^"
ainer angebrachten Goldklmnst halber'' ddo. Wien, 4. December
1565 kennen lernen. Das Consortium versprach „aus ain jedei
raarkh fein Silber, wo nit mehr doch 8 Loth fein, in allen Probei
beständig gold auszubringen und zu machen". Die Unkosten pei
Mark Silber werden mit 1, 2, 3, meist jedoch 4 Loth Gold veranj
schlagt, so dass als Ueberschuss 5, wenigstens jedoch 4 Loth Gol(
verbleiben. Diese Kunst v^oll nicht bloss im Kleinen, sondern ii
Grossen ausgeübt werden, so dass Fünf- bisZehnmalhunderttausend,!
ja hoffentlich viel mehr Gulden Gold geschafft werden können.
Zehendtgruber hat die Probe binnen einem Vierteljahre in Gegen-
wart von kaiserlichen Bevollmächtigten auszuführen. Im Falle der
Kaiser diese Kunst annimmt, sollen das Consortium dieselbe nicht^
mehr weiter ausüben, noch lehren. Zehendtgruber jedoch würd<
30.000 Gulden erhalten. Sobald die kaiserlichen Abgeordnetei
diese Goldkunst erlernt haben, sollen sie zunächst für sich ein^
Probe mit 10 bis 20 Mark Silber durchführen ; auch würde, falls
nöthig wäre, eine zweite und selbst eine dritte Probe mit 50 Mar^
Silber gemacht werden. Nach der Ausführung dieser Proben so]
der Kaiser binnen 6 Wochen sich erklären, ob er diese Goldl
kunst annehme oder nicht; im ersteren Falle hätte das Consortium
die bedungene Summe nach Ablauf von 14 Tagen zu erhalten.
Falls die Kunst einen solchen Erfolg hätte, dass die kaiserlichen
Verordneten von der Mark mehr als 5 Loth Gold beständig aus-
bringen, so soll das Consortium für jedes Loth Ueberschuss
50.000 Gulden, jedoch mit Abzug der ersten 30.000 Gulden
erhalten, i)
Die Regierung brachte den schwindelhaften Anträgen ein
grosses Misstrauen entgegen. Noch aus dem Feldlager bei Raab.
26c September 1566, ordnete Maximilian IL den Kremnitz(
1) K. k. H. K. A., Fase. 15378 und 17316.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. 1 « ". '
Kammergrafen Wolfgang Roll als Commissär zur ,, Goldprob des
Zehendtner" ab. Von den Resultaten dieser „Goldkunst*^ finden
sich jedoch keine weiteren Nachrichten vor.
IL
Die Einführung der Walzenprägung zu Hall im
Innthale.
Der zweite Sohn des Kaisers Ferdinand I., der im Jahre 1529
geborene Erzherzog Ferdinand, befand sich seit dem Jahre 1548
als Statthalter in Böhmen, i) Es waren ihm durch die Erbtheilung
Tirol und die sogenannten österreichischen Vorlande zugefallen, fUr
welche zu Innsbruck eine selbstständige „Regierung und Kammer"
entstand. Nach dem Tode Ferdinands I. musste Erzherzog Fer-
dinand, der als Regent von Tirol den Namen Ferdinand II.
führt, aus Rücksicht auf seinen Bruder Maximilian IL, welcher
zunächst die Angelegenheiten des deutschen Reiches zu ordnen
suchte, die Statthalterschaft in Böhmen noch durch einige Zeit fort-
führen. Er konnte von Prag erst am 2. Jänner 1567 aufbrechen, um
nach Innsbruck zu übersiedeln.
In diese Zeit fällt die Einführung einer ilir die österreichischen
Länder bedeutsamen Verbesserung im Münzprägewesen, und zwar
der Walze nprägung. Ferdinand I. hatte schon auf dem Reichs-
tage zu Augsburg im Jahre 1555 Verhandlungen mit dem Unter-
nehmer Kaspar Seiler bezüglich Einführung der Walzenprägung
im Haller Münzhause eröffnet und fand auch zu Augsburg eine
Probeprägung statt. Diese Verhandlungen führten damals zu keinem
Resultate. Der Kaiser übertrug später die Einrichtung einer Walzen-
maschine zu Mühlau bei Innsbruck dem Rudolph von Ror-
dorff aus Zürch, welcher jedoch der von ihm übernommenen Auf-
gabe nicht gewachsen war. Auf diesen neuerlichen Versuch bezieht
sich unverkennbar eine Eingabe der böhmischen Kammer ddo.
Prag, 19. September 1.504 an Maximilian 11. Dii' KMuiint' -m-»
') Vcrgl. Dr. J.)». Hirn, Erzherzog Forainaiul H. von Tirol, I. Bd., Seite 18.
12*
• -rz-v; '-^r.
180
Johann Newald : Da^ österreichische Münzwesen
in derselben: Sie habe durch den Erzherzog Ferdinand erfahren^
dass zu Schwaz beim Münzen durch ein Wasserrad eine neue
Einrichtung getroffen wurde, dass durch zwei Personen des Tags
bis in 10.000 Gulden der neuen Münze gerichtet werden. Sie bean-
trage daher die Einführung dieser Einrichtung in Prag. ^ ) Diese
Eingabe beruht unverkennbar auf einem Irrthume, denn die neuen,
die Walzenprägung betreffenden Arbeiten, waren damals in Tirol
noch nicht so weit gediehen, um Ergebnisse, wie sie durch die
böhmische Kammer geschildert wurden, erreichen zu lassen ; auc
war bezüglich Aufstellung der neuen Maschinen Müh lau und nich
Schwaz gewählt worden.
Zur Zeit, als Rordorfl* seine misslungenen Versuche machte!
fand sich in Innsbruck ein zweiter „Münzkünstler'* ein. Es war die
Johann Vogler der Jüngere, ebenfalls aus Zürch. Mit der Reso-
lution ddo. Wien, 21. October 1565 ertheilte Maximilian II. dem-
selben und seinen „Mithafftern^^ die Zusicherung, dass, obwohl
Kaiser Ferdinand I. mit Rudolph von Rordorff „wegen Auf-
richtung eines neuen münz-Khunstwerkhs in deren fürstlichen Graf-
schaft TyroU in Handlung getreten, er, Vogler als der eigentlich
Erfinder der neuen Münzkhunst betrachtet werde, und sobald di
in Tyroll errichtete neue Khunst die Prob bestanden haben wird
er für die Zeit von zwanzig Jahren ein Privilegium durch das ganz
heilige römische Reich zur Errichtung dieser Münzkunst erhalte:
werde. 2) lieber diese Zusicherung brachte Johann Vogler dd
Wien, 23. October 1565 einen Revers ein, womit er auf das Rech
einer Einsprache bezüglich Verwendung des „neuen Münzkunst
werkh'' sowohl für den Kaiser, als auch für die Erzherzoge Ferdi-
nand und Karl, gegen die Verleihung des ihm zugesagten Privi-
legiums verzichtete, auch sich verpflichtete, das Kunstwerk in Tirol
binnen Jahresfrist in guter Ordnung zu übergeben, wiedrigens er
seiner Ansprüche verlustig sein solle, a) Diese dem Vogler ertheilte
Zusicherung verlängerte Kaiser Maximilian 11. mit der Resolution
ddo. Wien, 21. August 1567 für ein weiteres Jahr.*)
1) K. k. H. K. A., Fase. 16359.
2) und 3) Daselbst Gdkb. Nr. 98, Fol. 283 und 283vers.
4) Daselbst Fase. 15261.
Tl
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
181
Aus Innsbruck, cldo. 28. August 1568 meldete Erzherzog Fer-
dinand dem Kaiser, dass Rudolph von Rordorff und Hanns Vogler
der Jüngere, beide von Zürch das Münzkunstwerk „zu MuUau
negst bey vnserer Stat Insprugg gelegen aufgericht, vnd sich sovil
befindt, das es durch vleissiges Regieren vnd Zuesehen verständiger
Werkhleuth bestendig erhalten, vnd dadurch gegen dem Halleri-
schen Münzwerch im Münzerion wol erspart werden kann*'. Der
Erzherzog bevorwortete das Ansuchen der beiden Unternehmer um
die Ausfertigung des ihnen zugesicherten Privilegiums und bemerkte
zum Schlüsse, dass er denselben für seine ober- und vorderöster-
reichischen Landen ein solches Privilegium bereits ausgefertigt
habe, i) Nunmehr ertheilte auch Maximilian IL ddo. Wien, I.Jän-
ner 1569, den beiden genannten „ Münzkünstlern '^ für die Zeit von
20 Jahren ein Privilegium zur Errichtimg von Münzprägewerken,
„wie aine solche Münzkhunst alberait in des Erzherzogs Ferdinand
fürstlichen Grafschatft TyroU voUkummentlich in das Werkh gericht
ist". 2) Unterm 21. Februar 1569 erfolgte an alle Landeskammern
die Weisung, darüber Gutachten zu erstatten, ob und in welcher
Weise die neuen Münzwerke in den ihnen unterstehenden Münz-
häusern anzubringen wären. 3)
Aus dem vorstehenden actengemässen Nachweis lässt sich
sohin mit voller Sicherheit die Zeit feststellen, zu welcher in Tirol
die Walzenprägang definitiv eingeführt wurde. Ursprünglich waren
die neuen Maschinen zu Müh lau, wo die erforderliche Wasserkraft
vorhanden war, aufgestellt, auch fand zu Hall noch immer die
Hammerpräiiung statt. Nachdem jedoch im Jahre 1567 die Münze
aus dem festen Hause Sparb er egg in die geräumige Burg Ha s egg
übertragen worden war, auch sich die Möglichkeit ergab, durch
eine neue Werl ' e. die zum Betriebe des Münzwalzwerkes
erforderliche \\i iit beizustellen, wurde bald darauf die neue
Münzeinrichtung nach Hall übertragen. Hanns Vogler überwachte
einige Zeit den Betrieb ; an seine Stelle trat nach seinem Abgange
Benedikt Dillit/.
»I K. k. H. K. A., Fase. 15261. Das Privilegium des Erzherzogs ist ddo.
Iimsbruclc, 26. August 1068, ausgefertigt.
m^m''
182
Johann Xewald: Das österreichische Münzwesen
Bei dem Umstände, dass sich das neue Verfahren im Münz-
hause zu Hall bestens bewährte, dürfte die Ansicht Platz finden^
dass man auch in den Münzhäusern der übrigen österreichischen
Länder dahin strebte, an den Vortheilen dieser Betriebsmelioration
thunlichst bald theilzunehmen. Die Regierung war allerdings
bereit und bemüht, der unverkennbaren Verbesserung in der Tech-
nik der Münzprägung alsbald Eingang zu verschaffen, allein ihre
Bestrebungen scheiterten an dem Zusammenwirken verschiedener
Umstände. Es vergingen mehrere Jahrzehute, bis die Walzenprägung
in den österreichischen Münzhäusern zur allgemeinen Anwendung
gelangte und werden wir später die Schwierigkeiten kennen lernen, \
welche bei der Einführung derselben tiberwunden werden mussten.
Die Haller Münzprägemaschinen machten ein grosses Aufsehern
Dem Erzherzog Ferdinand, welcher der Hauptsache nach die Ein-
richtung derselben als sein eigenes Werk bezeichnen konnte, ge-
reichten sie zu ganz besonderer Befriedigung. So oft sich fürstliche
Gäste in Innsbruck einfanden, wurde unter den Sehenswürdigkeiten
auch das Haller Münzhaus besucht. Vom Erzherzog wird erzählt^
dass er zum öftern von seiner Residenz aus einen Frühritt nach!
Hall machte, um das Münzhaus zu besuchen und nach einem dort]
genommenen Morgenimbiss nach Innsbruck oder Ambras zurück-
kehrte. <)
Um geraume Zeit früher als die Walzenprägung in einem der
übrigen österreichischen Münzhäuser Eingang fand, gelangte die-
selbe in Spanien zur Anwendung. König Philipp II. ersuchte den
Erzherzog um die Ueberlassung von zwei vollständig eingerichteten
Maschinen und um die Mitsendung einer Anzahl werkverständiger
Arbeiter. Diese verliessen, dreizehn an der Zahl, im Monate Septem-
ber 1584 Hall. Die Maschinen, welche sie mitnahmen, hatte der
Münzverwalter Bertorf angefertigt; sie besassen ein Gewicht von
81 Centnern. Erzherzog Ferdinand gab denselben ein ddo. Inns-
bruck, 21. September 1584 ausgefertigtes Schreiben an den kaiser-
lichen Gesandten zu Madrid Freiherrn Hanns von Kheven hüller
mit, welcher auch Ferdinands Geschäftsträger am spanischen Hofe
i; Vergl. Hirn 1. c. Seite 592.
I
unter den Kaisern Maximilian IT., Rudolph II. und Mathias. 183
war. In diesem Schreiben sagt der Erzherzog im Eingange, es habe
,,der Knnig zu Hispanien, Vnser freundlicher lieber Herr Vetter,
hieuor an vns begert, das wir Irer Kun. Wuerde zway Mlinzdruckh-
werch machen vnd zuekhumen lassen wolten, vnnd obwol Ir. Kun.
Würde auf diese Arbeit ain Summa gelts von etlich tausent gülden
darzugeben verordnet, das wir doch disen Vncosten auf vns genom-
meuj Vnd angeregte Zway Mtinzdruckhwerch Ir. Kun. Wlir. in
vetterlicher Wolmainung zu merung derselben Camerguty presentirt
haben". Diese zwei Münzmaschinen, bemerkt das Schreiben weiter,
wurden zu Hall ,,mit bestem fleiss gemacht, auch alberait probiert",
sie wurden mit einem Inventarium dem Gregor Gerl von Hal-
benstein sammt einem Schreiben an den König, ferner die im
Namen des Königs den nach Spanien abgehenden Officieren und
Münzarbeitern „abgenommenen Aidspflichten", endlich in Bezug
auf die Verpflegung der Münzleute „ain Verzaichnus, was jeder
Person für besoldung vnd ainestails darunter die Tafel sambt der
Herberg zugeben" vereinbart worden, übergeben. Der Erzherzog
spricht die Erwartung aus, es werde das nothwendige ^Münzgebäude
,, sambt dem wasser und Rinnwerkh alberait nach aller Notdurfft"
fertig sein und wünscht Nachricht zu erhalten „über die deutschen
Handwerksleuth", so er dem König „verschiner Jaren zu dieser
Arbeit" zugeschickt hat. Als „Werkh-Regierer" wird Martin Faigl
bezeichnet und von ihm gesagt, dass er viele Jahre zu Hall bedien-
stet, ..auch an anderen Orten bey aufrichtung von Müuzdruckh-
werch gewest". Nachdem besorgt werden müsse, dass die spani-
schen Münzarbeiter des neuen Druckwerks halber den deutscheu
Münzern feindlich entgegentreten werden, emi)tiehlt der Erzherzog
die Tiroler Münzercolonie und ihre Angelegenheiten dem Gesandten
und ersucht um Nachrichten über ihr Verhalten und ihre Lei-
stungen, i)
Wahrscheinlich aus dem Grunde, weil sich dort die zum Be-
triebe der neuen Münzmaschinen erforderliche Wasserkraft vorfand,
wurden dieselben zu Sego via eingerichtet. Durch den bald nach
«) Das sehr eingehende Originalsch reiben befindet sich in der Urkuudeu-
samrnlung deci Herrn Max Donebauer zu Trag. Im Archive des k. k. Hnuptiuüuz-
amtes in Wien befindon sich mehrere auf diese Angelegenheit bezügliche
Acten.
184
Johann Newald: Das österreichische Münzweseu
der Ankunft daselbst erfolgten Tod des Abgeordneten Gerl ergaben
sich verschiedene Schwierigkeiten, so dass sich Khevenhüller selbst
nach >Segovia begab, um die Einrichtung des Münzhauses und die
Probearbeit zu überwachen. Die neuen Münzen stellten den König
sehr zufrieden, Alles war überrascht, dass sechs Mann täglich meh-
rere hundert Mark zu vermünzen vermochten. Als Wardein befand
sich unter den Tiroler Münzern Joachim Li nga hol. Er meldete
dem Erzherzog wiederholt über den gedeihlichen Fortgang des
Unternehmens. An einem Herbsttag 1587 besuchte König P h i 1 i p p II.
in Begleitung seiner Schwester, der Kaiserin- Witwe Maria, die Münze
zu Segovia und widmete drei Stunden der Betrachtung der Maschi-
nen und des Arbeitsganges. Durch diesen Besuch wurden die spani-
schen Widersacher der Tiroler sehr eingeschüchtert. Bis zum Jahre
1587 hatten diese letzteren bereits 180.000 Mark vermünzt. Im
Jahre 1588 betrug die Ausprägung in drei Monaten 50.000 Mark.
Man erweiterte nunmehr die ganzen Münzanlagen und da auch
spanische Arbeiter in Verwendung genommen werden mussten,
äusserte Lingahöl die Sorge: „kommts ihnen (das Werk) in die
Hand, werden sies bald richten, dass in acht tagen nit mer taugt".
Lingahöl starb im Jahre 1592. Wie lange die Tiroler Arbeiter
in Segovia verblieben sind, lässt sich aus den Acten nicht
bestimmen, i)
Der Umstand, dass es sich in dem vorliegenden Falle um aie
Ausbreitung eines Industriezweiges handelte, welcher in Bezug auf
seine praktische Verwendbarkeit in einem der österreichischen
Länder die erste Probe bestanden hatte, möge die eingehendere
Besprechung dieser Angelegenheit entschuldigen.
III.
Einstellung der Guldenthaler-Prägung.
Es wurde wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass jene
münzberechtigten Reiehsstände, welche zugleich Bergwerksbesitzer
1) Vergl. Hirn 1. c. Seite 593.
unter den Kaisern Maximilian IT., Rudolph II. und Mathias. löu
waren, daher in ihren Mtinzhäusern die aus den eigenen Bergwerken
gewonnenen Edelmetalle vermlinzten, selbstverständlich dahin
strebten, diese Edelmetalle durch ein hohes Münzausbringen thun-
lichst zu verwerthen ; während alle jene Münzherren, welche keine
Bergwerke besassen, daher erkaufte Edelmetalle und Pagameute
vermlinzten, ihr Münzmetall um thunlichst tiefe Preise zu erwerben
strebten.
Durch die Reichsmünzordnung vom 19. August 1559 waren
die bergwerkbesitzenden Münzherren in eine sehr nachtheilige Lage
gebracht. Die Verwerthung ihrer Edelmetalle durch die Münze war
eine höchst gedrückte ; sie mussten fort und fort wahrnehmen, dass
ihre guten Münzen alsbald eingewechselt, in den MUnzhäusern der
kleinen Münzstände in der Regel in leichte Sorten umgemünzt und
mit denselben die Länder überschwemmt wurden. Es kann uns
daher nicht befremden, dass seitens mehrerer der wichtigsten berg-
werksbesitzenden deutschen Münzherren die Annahme der 1559er
Münzordnung abgelehnt wurde. Churfürst August von Sachsen
erklärte noch im Jahre 1569, er wolle der neuen Münzordnung
nicht hinderlich sein, „doch wolle er solche aus den von ihm jeder-
zeit angezogenen Ursachen nicht auf seine Lande verstanden
wissen". In gleicher Weise lehnte Anfangs der Salzburger Erz-
bischof Johann Jackob Khuen von Belasy ab. Braun-
schweiger und Mansfelder Guldenthaler sind nicht bekannt.
Da schlechtes Geld stets eine Preissteigerung aller Lebens-
bedürfnisse zur Folge hat, so wurden gerade jene Münz- und Berg-
werksherren, welche nach der Bodenbeschaffenheit und der Natur
ihrer Länder einen grossen Theii der Nahrungsmittel aus dem Aus-
lande beziehen mussten, hart betroffen. Unter diese letzteren gehörte
in erster Reihe Erzherzog Ferdinand von Tirol. Trotz des Berg-
segens seiner Lande drohte ihm und seinen Unterthanen Verarmung.
Wir sehen den Erzherzog selir bnld gegen die 1559er Reiehsmünz-
ordnung in eine lebhafte Opposition eintreten, der sich alsbaUl sein
Bruder, Erzherzog Karl von Steiermark, ansohloss. Eho wir
jene Schritte näher beleuchten, welche Erzherzog Ferdinand gegen
diese leidigen Zustände, im Interesse seiner Bergwerke und seiner
Lande machte, woraus sich schliesslich ein Loshisen der gesanmiten
ristorrcichischen Länder von der mehrerwähnt*>" i'"'^' i- l?.'l<l.<-
186
Johann Ne-wald: Das österreichische Münzwesfn
münzordnung ergab, haben wir zuvor mehrere Momente in de]
Kreis unserer Betrachtung" zu ziehen.
Die 1559er Münzordnung hatte die Ausprägung von Thalei
und ihren Untertheilungen, nämlich 1/2 ^^^^^ \ 4 Thal er eingestellt
und wurden dafür „Guldiner zu 60 Kreuzer-^ ausgegeben. Auf den
von mehreren Reichsständen erhobenen Vorwand, dass „an vielen
Orthen und Landschafften der Teutschen Nation, die Contract und
Verschreibungen auf Thaler-Münzen regulirt und gericht" sind,
wurde im Jahre 1566 auf dem Reichstag zu Augsburg, laut §. 150
des Reichstagsabschiedes, eine Thalerprägung in der Weise gestat-
tet, dass der ganze Thaler 68 Kreuzer gelten, einen Feingehalt von
14 Loth 4 Grän haben solle und 8 Stücke aus der Kölner Mark
auszuprägen wären. Die feine Kölner Mark Silber war sohin auf
10 Gulden 12 Kreuzer zu bringen. Die Untertheilungen in V2 und
1/4 Thaler waren in gleichem Verhältnisse zu prägen. 1)
Die somit gewährten Erleichterungen hatten auf die öster-
reichischen Münzstätten keinen Einfluss ; es wurde durch dieselben
auch nur die Form der groben Münzsorten, nicht aber das Aus-
bringen abgeändert, was sofort durch die Erwägung klar gestellt
erscheint, dass durch die Ausprägung von „Reichsguldinern zu
60 Kreuzer" nach der 1559er Münzordnung, aus der feinen Kölner
Mark Silber 10 Gulden 12 '/g Kreuzer und 5/13^ eines Kreuzers;
nach dem neuen Zugeständnisse jedoch 10 Gulden und 12 Kreuzer
ausgebracht wurden, der Unterschied somit ganz unerheblich war. «)
Um das in zahlreichen deutschen Münzhäusern in Uebung
gestandene Einschmelzen der guten Münzen und Ausgeben gering-
hältiger Geldsorten hintanzuhalten, wurde auf dem vom fränkischen,
bayerischen und schwäbischen Kreis zu Nördlingen abgehaltenen
Kreistag, im Abschied vom 5. Juli 1567 die Einrichtung von Kreis-
münzstätten, und zwar in jedem Kreise eine oder zwei angeregt, in
denen jeder Münzstand sein Gold und Silber nach seinem eigenen
Gepräge auszumünzen hätte, „vnnd die vbrigen Münzwerk, jedoch
der Münzständ Freiheiten vnvergriffen, eine Zeit lang eingestellt
I
I
1) J. C. Hirsch, Münzarchiv. IL Bd., Seite 25.
2) Münzwesen unter Ferdinand L, Seite 151.
JJV»-' ""■-
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph IT. und Mathias. 187
worden wären''. Zugleich beschloss der Kreistag eine Eingabe an
den Kaiser, es möge der Erzbischof zu Salzburg „der bisher der
Münz-Ordnung dess heyligeu Reichs nit submittirn wollen", dahin
vermocht werden, sich dieser Mlinzordnung ,. gleich anndern gehor-
samen Fürsten vnnd stenden des Reychs anhengig zu machen". <)
Man beschloss ferner, öfter wiederholte Mlinzvalvationstage einzu-
berufen und gegen die leichten Münzen mit aller Strenge vorzu-
gehen ; ja selbst der Münzprägung wendete man seine Aufmerksam-
keit zu. Bisher wurden die sogenannten MUnzplatten mittelst
Hämmern erzeugt, woraus sich ergab, dass namentlich bei den
kleinen Sorten viele Stücke zu dünn ausgebracht, daher die Münzen
im Schrot oft wesentlich zu geringe waren. Zur Gewinnung dieser
Münzplatten war in mehreren Münzhäusern eine Walzenmaschine
in Anwendung gekommen, der man den Namen Reckbank, auch
Ziehbank gegeben hatte. Da sich gegen die allgemeine Einführung
dieser Verbesserung die Münzarbeiter widersetzen, wurde am Nörd-
linger Kreistag 1567 bestimmt: „im Fall sich die Münz-Geselleu
dessen verweygern, auch darob vngehorsam erzeigen wollen, diesel-
ben mit gefänglicher Einziehung oder sunst mit Ernnst zu straffen,
vnnd aus der Gefenchnus nit zu lassen sind, biß sie die Reckbannk
zu gebrauchen versprochen, vnnd solches im werck vnverweigert
jederzeit schuldig zu seyn erklären '^
So wurden auf Reichs- und Kreistagen wesentliche Reformen
und Verbesserungen im Münzwesen beschlossen oder doch ange-
regt, allein die Durchführung dieser Beschlüsse war eine ganz
ungenügende. Es darf dabei nicht übersehen werden, dass die Auf-
rechthaltung der alten Missstände und Missbräuche im Interesse
einer grossen Zahl mitunter einflussreicher Münzstände lag und dass
der Reichsregierung keine Mittel zu Gebote standen, um Beschlüsse,
wenn sie auch anerkannt itir das Allgemeine von der lir»(list»Mj
Wichtigkeit und Nutzen waren, allgemein durclizufllbren.
Derartige leidige Wahrnehmungen und die grossrn litMuang-
nisse, in welche der Tiroler Bergbau durch die corrumpirton MUnz-
zustände im Reiche gebracht worden war, gaben dem Erzherzog
1) Hirscli, 1. c, 11. Ijd., -Sciro 31.
188
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Ferdinand zu einer Bescliwerdesclirift Anlass, welche er ddo. Inns-
bruck, 15. August 1570 an seinen Bruder, den Kaiser Maximilian IL,
richtete. Diese Eingabe umfasst 26 enggeschriebene Seiten, sie ent-
rollt ein Bild über die abnormen Zustände des Münzwesens im
Reiche und der Rückwirkung derselben auf Tirol im Allgemeinen
und seinen Bergbau im Besonderen. Der Erzherzog hebt hervor, wie
ihr Vater Kaiser Ferdinand I., nach langen Verhandlungen im Jahre
1559 zu Augsburg die neue Münzordnung aufgerichtet und dieselbe
nicht nur als römischer Kaiser, sondern auch als „regierender Erz-
herzog zu Oesterreich von aller derselben Erblichen Fürstenthumber
Landen und Leuten" angenommen. Der Kaiser habe dieses zum
Wohle des Reiches, jedoch „wie meniglichen wissend, mit liöchster
Irer Kays. Mt. Beschwerung, Abbruch, Schaden und Nachtheils Irer
Mt.Perkhwerchen. Fron, Wechsel undCamerguets in derselben Kunig-
reichen vnnd Erblannde" gethan. Der Erzherzog betonte, dass der
Kaiser und seit dem Tode desselben er als sein „Successor der Ober-
vnd Vorderösterreichischen Landen, dieser Münzordnung jeder Zeit
mit hechster Treuen nachgelebt". Dagegen sei es „wissendtlich vnd
khundbar, das der merer theil Chur vnd Fürsten, auch die Stennde
des Reichs, seit Publicierung angeregter Reichsmünzordnung, der-
selben nit nachkhomen, vnd durch sie auf solche Ordnung, so sie
doch angenommen, gar nicht oder doch wenig gemünzt werde". Der
Erzherzog hebt weiter hervor, dass es allgemein bekannt sei, wie
die von ihm ausgeprägten gerechten Reichsmünzen gegen leichte
Münzen von jenen Münzständen, welche sich an die Reichmünzord-
nung nicht halten, alsbald eingewechselt und in geringhaltige Sorten
umgemünzt und in seine Lande „eingeschleift" werden. Der Bergbau
werde immer kostspieliger, bei vielen Bergwerken verzichte er
bereits auf Frohn und Zehende, ja er leiste aus seinen andern
Kammergefällen Gnadengelder und Aushilfen und dennoch gehen
viele Bergwerke ein, indem die Kosten des Betriebes höher sind,
als der Erlös ist, den er aus der Vermünzung des Silbers nach der
neuen Münzordnung zu erzielen vermag.
Nach einer eingehenden Darstellung der ihm und seinen Landen
und Unterthanen aus solchen Zuständen drohenden Calamitäten
stellte der Erzherzog den Antrag zur Abänderung der Reichsmünz-
ordnung dahin, dass aus der feinen Kölner Mark Silber bei den
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathlas. 189
ganzen und halben GulcHnern und Zehnern 10 Gulden 40 Kreuzer,
bei den zwei und ein Kreuzern 10 Gulden 50 Kreuzer und bei den
Pfennigen, Hellern und Vierern 11 Gulden 30 Kreuzer ausgebracht
werden. Im Falle die Münzordnung in dieser Weise abgeändert,
somit eine ,, durch das ganze Reich gerechte guette Mlinz, von allen
Münzstennden des Reichs geschlagen wird", wolle er sich an die-
selbe treu und festhalten. <)
Die Eingabe des Erzherzogs Ferdinand wurde am 30. August
1570 an den damals in Speyer anwesenden Landvogt von Schwaben
Georg Ylsung von Trasperg ausgefolgt, welcher schon ddo.
Speyer, 8. September 1570, sein Gutachten abgab. Er bestätigt die
volle Begründung der vom Erzherzog erhobenen Beschwerden und
fügt schliesslich die Bemerkung bei: „Es haben auch die Rom.
Kays. Mt. vil mer Vrsach disem hochschedlichen verderblichen
Werkh nachzugedenkhen, dann die Ftirstl. Durchl.^ Er stellte den
Antrag, der österreichische Gesandte möge am Reichstag diese
Beschwerden vorbringen, „vnd solches alles von dess gemeinen
Hauss Oesterreichs wegen, mit allem Vleis fürtragen". Oline Zweifel
werden jene Stände, welche Bergwerke besitzen, diesen Beschwer-
den alsbald zustimmen und dadurch jene Kurfürsten und Stände,
welche die 1559er Münzordnung vertheidigen, dieselbe aber selbst
nicht einhalten, zur Erklärung drängen, „dass sie derselben wirklich
nachleben wollen'^ Der Gesandte möge nunmehr für die allgemeine
Durchführung der Münzordnung in allen ihren Punkten einen Termin
von drei Monaten stellen und würden die bergwerksbesitzenden
Münzstände ein volles Jahr zuwarten, um sich von der vollständigen
Einhaltung der Münzordnung seitens aller Münzstände zu über-
zeugen. Sollte dieser Voraussetzung nicht entsprochen worden sein,
„dann sollte auch das löbliche Hauss Oesterreich merbemelter
Münzordnung verner auch nit vnderwürffig, sondern genzlicli darvon
entbunden sein •.
Maximilian II. richtete nunmehr ddo. Speyer, 1 7. >e|H«Mnbcr
1570, an den Er/lici/og Ferdinand ein Schreiben, in wclchcin der
<) K. k. ii. i\. .\.. 1 a-ic. 17316. Wiederholt wurde boiiniK.. *..*
ReichHmünzordnnii^ vom 19. August 1559 bei der Au.smUnzung von glänzen uud
halben Guldinern die tVine Kölner Mark Silber auf 10 Gulden 12Vt Kreuzer
ji^ebracht wurde.
• *!*?'-*T>> ■»^■y-f ■
190
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Kaiser zunächst darauf hinweist^ wie ihr Vater Kaiser Ferdinand I.
nach vielen Bemühung-en die 1559er Münzordnung eingeführt, daher
es hoch bedenklich erscheint, ,,dass Hauss Oesterreich der erst
Stanndt sein solle, der solche Constitution retractiren vnnd mit der
guete der Münz fallen sollte". Der österreichische Gesandte werde
daher den vom Erzherzog gestellten Aenderungsvorschlag nicht
einbringen, sondern nur den Antrag auf die vollständige Durch-
führung der 1559er MUnzordnung durch alle Münzstände und die
strenge Handhabung der gegen die Verbreitung geringer und die
Ausfuhr guter Münzen erlassenen Mandate stellen und hiezu den
Termin eines Jahres proponiren. Sollte nach Ablauf desselben die-
sem Antrag nicht allerorts nachgelebt werden, dann würden ,,wir
gebrüder der münz lialben nach Vnnser eignen unvermeidlichen
Nodturfft handeln-. Es bestehe kein Zweifel, dass über diesen
Antrag ein grosser Tlieil der Münzstände ..auf Ringerung des
MUnnz Schrot vnnd Khorn oder sonst auf Freilassung deß Münzens
dringen werden", womit schliesslich dasjenige, was der Erzherzog
anstrebt, ebenfalls erreicht wäre. Nachdem der Reichstag in die
Verhandlungen über das Münzwesen schon in der nächsten Zeit
eingehen dürfte, wurde der österreichische Gesandte in diesem
Sinne informirt; der Erzherzog möge die Zustimmung geben, seine
besonderen Anliegen jedoch thunlichst bald mittheilen.
An den Erzherzog Karl von Steiermark wurde ddo. Speyer,
17. September 1570 eine Abschrift der vom Erzherzog Ferdinand
eingebrachten Beschwerde übermittelt und zugleich bekannt gege-
ben, was in dieser Angelegenheit veranlasst worden ist, er möge
alsbald seine Anträge einbringen, i)
Die Antwort des Erzherzogs Ferdinand erfolgte schon ddo.
Innsbruck, 27. September 1570. Er gab seine Zustimmung, dass
der österreichische Gesandte am Reichstage die Münzangelegenheit
im Namen der drei Brüder vertrete. Er theilte jedoch nicht die An-
sicht, dass sich die Stände für eine Abänderung der Münzordnung
entschliessen werden, denn der Mehrzahl derselben, die auch nicht
I
1) Sämmtliche Acten im k. k. H. K. A,. Fase. 17316. Der Landvogt Ylsiing
erwähnt in seiner Aeusserung vom 8. September 1570 einer Münzstätte zu
Schlackenwald in Böhmen.
I
Bergwerke besitzen, gereiche die 1559er Müuzordnung zum hohen
Vortheil ; — er kann daher auch nicht seine Zustimmung geben,
dass der Gesandte auch in seinem Namen das Verbleiben bei dieser
Mtinzordnung erkläre. Mit der Darlegung der aufs höchste gestie-
genen Nothlage seines Bergbaues, seiner Lande und Leute, wieder-
holte er am Schlüsse jene Aenderungsanträge, die er schon in der
Eingabe vom 15. August 1570 gestellt hatte, i )
Auf die Reichstände blieb die Haltung des Erzherzogs Ferdi-
nand, dem sich auch sein Bruder Karl von Steiermark angeschlossen
hatte, zu der in ihren Schwierigkeiten aufs höchste gestiegenen
Mtinzfrage nicht ohne Einfluss. Im Abschied des Reichstages zu
Speyer 1570, wurde eine Zahl das Münzwesen betreifende Punkte
behandelt, und schliesslich für den Monat Juni 1571 ein General-
münztag nach Frankfurt a. M. ausgeschrieben, und jene Stände
welclie Bergwerksbesitzer waren, besonders aufgefordert, ihre Abge-
ordneten „mit genügsamer Gewalt abzufertigen." s)
Der Abschied des Frankfurter Deputationstages ddo. 1. Oc-
tober 1571 enthält eine Reihe von Beschlüssen, welche, falls sie zur
vollen Durchführung gelangten, auf das deutsche Münzwesen einen
tief einschneidenden Einfluss nehmen mussten. Von höchster Wich-
tigkeit war §. 27 des Abschiedes. Schon zu Speyer war beschlossen
worden, dass in jedem Reichskreise nur drei oder vier Münzstätten
bestehen sollten; nur jenen Münzständen, welche Bergwerke
besassen, blieb der Betrieb einer eigenen Münze gestattet. Da es
sich jedoch zeigte, dass in diesen letzteren MUnzhäusern nicht blosg
das aus den Bergwerken gewonnene Gold und Silber, sondern auch
erkaufte Pagamente zur Verniünzung kamen, wurde dieser Vorgang
eingestellt und sollten alle erkauften Pagamente in die KreismUnz-
häuscr gebracht werden, sohin den Münzherren, welche eigene
Münzhäuser hatten, in denselben nur das Vermünzen der aus den
eigenen Bergwerken gewonnenen Edelmetalle gestattet sein. Um
die Handhabung des MUuzprobationswesens zu sichern, wurden mit
§. 28, der kurrheinische, oberrheinische und westphälische Kreis,
1) K. k. II. K. A., i «..-.. i..,iu.
>j Hirsch, 1. c. Seite 69 u. f.
_ i'^:i*i.*'^^#?F:^".'Ä»>^
192
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
oder die sogenannten drei unteren Kreise; — ferner der ober- und
niedersächsische Kreis; — endlich der bayerische, schwäbische und
fränkische Kreis, oder die sogenannten drei oberen Kreise zu-
sammengelegt, und sollten dieselben jährlich zwei Probationstage
„zur Handhabung gerechter Münzen und Abwendung alles ge-
suchten Betruges^' zu halten schuldig sein. Der österreichische
Kreis sollte mit den drei oberen Kreisen in Münzsachen „gute
nachbarliche Correspondenz'^ halten, ohne doch förmlich
zu ihnen geschlagen zu sein. Es folgten Bestimmungen über
die Unterdrückung der Heckenmünzstätten, der Anwendung der
„Beck- oder Ziehebank zum Pfennig und Hellermünzen -^ u. s. w. i)
Das, was der Erzherzog Ferdinand vorausgesehen hatte, war
eingetreten. Man hatte eine Beihe von strengen Bestimmungen auf-
gestellt, deren Durchführung nach den bisherigen Erfahrungen sehr
zweifelhaft blieb; — in sein Hauptanliegen, nämlich in die von ihm
beantragte Erhöhung im Münzausbringen per Mark oder, wie es da-
mals genannt wurde, in einen „Fall der Münze", war man nicht
eingegangen.
Ueber Bericht des österreichischen Gewalthabers beim Frank-
furter Generalmünztag, Dr. Ulrich Sitzing, brachte Kaiser Maxi-
milian H. das Ergebniss desselben dem Erzherzog Ferdinand mit
Schreiben vom 13. October 1571 zur Kenntniss. Der Erzherzog ant-
wortete ddo.' Innsbruck, 23. November 1571. Er betonte nochmals
das fortschreitende Verderben seines Bergbaues und der daraus für
Land und Leute erwachsenden Noth. Er hebt hervor, dass jeder
Reichsstand und jeder Kaufmann seine Producte und Waaren um
möglichst gute Preise zu verwerthen trachtet, es könne ihm sohin
nicht zugemuthet werden, durch die fernere Aufrechthaltung der
1559er Münzordnung sein werthvoUstes Landesproduct, das Silber,
um einen Preis hintanzugeben, der weit nicht jene Kosten erreicht,
welche sich aus den so hoch gestiegenen Bergbauauslagen ergeben.
Der Erzherzog bemerkte, dass ihn die äusserste Noth zu „einem
Fall in der Münz" zwinge und schloss zwei Nachweise bei, wie er
in Tirol und im Elsass diesen Mtinzfall vornehmen werde. Die
erstere Tabelle hat die Wiener Mark, letztere die rheinische oder
I
•) Hirsch, 1. c. Seite 101 u. f.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und MathiM. 193
Kölner Mark zur Grundlage. Für Tirol waren zur AusmUnzuug
beantragt: „Ganze Guldiner zu 60 Kreuzer, im Feingebalt von 14
Lotb 4 Grän und waren aus der Wiener Mark 11 24 Stücke auszu-
bringen. Die feine Wiener Mark Silber war somit auf 12 Gulden
491/2 Kreuzer ausgebraebt. Derselbe Antrag war aucb für Elsass
gestellt, denn die Umrecbnung von der Wiener auf die Kölner Mark
naeb dem Verbältniss, dass 6 Kölner gleicb 5 Wiener Mark, ergab
für die feine Kölner Mark bei den ganzen und balben Guldinern
und Zebner, ein Ausbringen von 10 Gulden 41^/4 Kreuzer, welcher
Ansatz aucb in der vom Erzberzog vorgelegten Tabelle für Elsass
eingestellt war. 1)
Gegenüber der 1559er Reicbsmünzordnung befand sieb Erz-
herzog Ferdinand nunmebr auf demselben Standpunkt, wie seiner-
zeit sein Vater Ferdinand 1. gegenüber der Esslinger Mtinzorduung
vom 10. November 1524, nachdem Kaiser Karl V. mit Patent ddo.
Madrid, 10. März 1525 die Wirksamkeit derselben auf die öster-
reichischen Länder aufgehoben, und verfügt hatte, dass weder er,
noch sein Bruder noch ihre Erben an dieselbe gebunden sein
sollen. 2) Für die richtige Beurtheilung des Entwicklungsganges,
welchen das österreichische Münzwesen genommen hatte, ist es
wichtig, diesen Umstand besonders im Auge zu halten.
Das entschiedene Vorgehen des Erzherzogs Ferdinand, im Zu-
sammenhange mit den geringen Erfolgen, welche sich für eine Ord-
nung des Reichsmünzwesens aus den Frankfurter Beschlüssen vom
1. October 1571 wahrnehmen Hessen, drängten auch in den übrigen
östeiTcicbiscben Ländern zu einer Entscheidung. Diese erfolgte mit
der Resolution Kaiser Maximilians II. ddo. Wien, 17. März 1573.
Der kaiserliche Erlass an die böhmische Kammer von demselben
Tage lautet:
„Maximilian etc. Wir geben Euch gcnediger mainung zu wissen,
das wir auf jüngsten der dreyen Stennde in Behamb in jüngstem
Landtag zu Prag, an den tit. Rudolphen Khünig zu Hungern, vnnd
ij K. k. H. K. A., Fase. 173 IG. Eine Erörterung der in don boldeu
Taboüen vorkommenden Anträge, miiss für tlio Bespreeluing der HaMor MUuzc
vorbehalten bleiben. Hier genügt es die iiiün/iKilitiHclie Seite (!<'» voui En-
heraog resolvirten Schrittes hervorzuheben
2) MUnzwesen unter Ferdinand I. Seite ;».
13
194
Johann Newald : Das österreichische Miinzwesen
Ernsten, Erzherzog- zu Oesterreich etc. gehorsamist gethan Anlangen
vnd ritten, mit Gnaden bewilliget, das hinfliran anstatt der Reichs
gannz vnd halben Guldener, auch Zehn, Zwey vnnd ein kreuzern,
widerumben die Taler weiland Kaiser Ferdinandi, vunsers
geliebten Herrn vnd Vaters Hochleblicher seeliger Gedechtnus,
Schrot vnd Khorn nach geschlagen, vnnd aUem Gebrauch nach,
vmb siebenzig kreuzer, oder dreyssig Weissgroscben ge-
nomben, vnnd dan ferner klaine Müntz, alss Groschen zu 7 weiss
Pfennig, vnnd weiss vnd klaine Pfennig gemünzet werden sollen.
Vnnd befelchen Euch hierauf genediglichen, Ir wollet bey vnnsern
Mtinzer-Stetten, zu Prag, Kuttenperg, Joachimsthall, Schlacken
waldt vnnd Budweiss, Verordnung thuen, damit solche Sorten, ali
ganz vnd halbe auch virtelß Thaler, vnnd dann weiss Groschen zu
7 Pfennig, auch weiss vnnd khlain Pfennig also gemünzt vnd ge-
schlagen vnnd obgehörten massen außgeben vnd genommen
werden.'^
Es folgen nunmehr Weisungen in welchem Werthe die im Lande
cursirenden Münzen anzunehmen sind, für die Einwechslung der,
geringen Münzen wird Michaelis als Termin anberaumt und wir
die Kammer beauftragt, bezüglich der zur Einwechslung erforder
liehen Geld verlage rechtzeitig Vorsorge zu treffen. *)
Nachdem sich Erzherzog Karl von Steiermark seinem Bruder
Ferdinand angeschlossen hatte, nunmehr auch Kaiser Maximilian II.
zur alten Ausprägung zurückgegangen war, erschienen, das Münz-
wesen anbelangend, sämmtliche österreichische Königreiche und
Länder von dem Reichsmtinz wesen thatsächlich abge-
1 ö s et. In den Münzfragen verfolgten nunmehr beide grosse Länder-
gebiete ihre besonderen Bahnen.
Zu untersuchen bleibt nun noch, welche Thal er des Kaisers
Ferdinand I. nach dem Patente vom 17. März 1573 wieder auszu-
prägen waren. Es können hier o) die Thaler nach der Münzordnung
vom 28. Juli 1551, welche mit dem Goldgulden übereinstimmend im^
Werthe von 72 Kreuzer ausgegeben wurden, und h) die nach dei
e
i
1) K. k. H. K. A., Fase. 16359, auch Gdkb. Nr. 314, Fol. 137. Auch
vorstehenden Patent ist von einem Münzhause zu Schlacken wald die Eede.
unter deu Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. 195
MUnzordnung vom 15. Februar 1524 ausgegangenen Thaler in Be-
tracht kommen.
Aus den eingehend geschilderten Verhandlungen geht hervor,
dass es sieh für die österreichischen MUnzhäuser um ein erhöhtes
Ausbringen aus der feinen Mark Silber oder, was dasselbe ist, um
«ine bessere Verwerthung des Bergwerksilbers handelte. Durch die
nach der MUnzordnung vom 28. Juli 1551 ausgegebenen soge-
nannten 72-Kreuzer-Thaler wurde die feine Wiener Mark Silber auf
12 Gulden 14»/4 Kreuzer gebracht. Nachdem die Absicht der 1559er
Münzordnung zunächst dahin gerichtet war, den Werth der grossen
Silbermünze mit dem Rechnungswerthe des Guldens zu 60 Kreuzer
in üebereinstimmung zu bringen, wurde an dem Ausbringen per
Mark ganz unwesentlich geändert. Nach der 1559er MUnzordnung
wurde die feine Wiener Mark Silber auf 12 Gulden 15«/67 Kreuzer
gebracht.
Es leuchtet wohl sofort ein, dass durch das Zurückgehen auf
die Münzordnung vom 28. Juli 1551, der vorzüglichste Anlass zu
den erhobenen Beschwerden nicht entfernt worden wäre. Ganz
anders gestaltet sich jedoch diese Frage, wenn die nach der Münz-
ordnung vom 15. Februar 1524 ausgeprägten Thaler in Betracht
gezogen werden. Das Patent vom 17. März 1573 bestimmte, dass
die neu zu prägenden Thaler im Werthe von 70 Kreuzer zu nehmen
sein werden. In diesem Werthe wurden thatsächlich die alten Thaler
Ferdinands I. im Verkehr gegeben und genommen. Das Ausbringen
von der feinen Wiener Mark Silber steigerte sich durch die Aus-
münzung dieser Thaler auf sehr nahe 12 Gulden 43 Kreuzer (siehe
Seite 4j, womit man sich auch den vom Erzherzog Ferdinand
gestellten Anträgen ziemlich näherte. *)
*) Nachdem S. Becher für sein „österreichisches Manzwesen von 1524
bis 1838" vorlu'i ' i.is Reichsmünzarchiv von Hirsch als QueUc i
und ihm die ein>< i Acten des k.k. Hotkammer- Archivs ganz ui
j^eblioben sind, so lassen sich durch die vorstehenden queUenbegründoten Dar-
stellungen die einschlägigen Angaben desselben, und zwar I. Band, Seit« 18
u. f. ferner l\. Band. Seite 56 u. f. mehrfach richtig stellen, und berichtigen
sich auch jene A i^cen, welche auf Gni'
andere Werke w piolweise G. Zeller's .. m
burgs" Seite 16 u. 1. übergegangen sind. Auch A. Voigt, böhmische Münzen
III H.,..,i w..:... w.i .. ' fiiuiet eine Ertjänzung.
18*
TJj-s* 3y;v^
196
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
Es wurde wiederholt aufmerksam gemaclit, dass infolge des
durch Kaiser Karl V. ddo. Madrid, lO.März 1525 erlassenen Patentes,
das österreichische Mtinzwesen von jenem des deutschen Reiches
vollständig abgelöset worden war. i)
In Uebereinstimmung befanden sich die Münzsysteme der bei-
den grossen Ländereomplexe lediglich während der wenigen
Jahre, als auch für die österreichischen Lande die Reichsmünzord-
nung vom 28. Juli 1551 und jene vom 19. August 1559 in Wirksam-
keit waren. 2) Die Resolution Maximilians IL ddo. Wien, 17. März
1573 hob dieses Zusammengehen wieder auf, in Tirol hatte sich
Erzherzog Ferdinand schon durch seine Erkläning ddo. Innsbruck,
23. November 1571 von den Fesseln der für Tirol überaus nach-
theiligen Reichsmünzordnung vom 19. August 1559 freigemacht.
Dass in Folge dessen die österreichischen Münzhäuser auch von
dem Einflüsse der nach dem Abschiede des Frankfurter Deputations-
tages ddo. 1. October 1571 jährlich zusammen tretenden Reichs-
Probations und Valvationscommissionen (siehe Seite 24) abge-
löset erscheinen, ergibt sich von selbst. Schon Ferdinand I. hatte
bei den im Jahre 1533 in Münzangelegenheiten gepflogenen Ver-
handlungen ausdrücklich erklärt, dass er sich einer Probation oder
Valvation der aus seinen Münzhäusern ausgehenden Münzen nicht
unterwerfe, „angesehen das wir mit vnnserm löblichen Haus Oester-
reich von Alter gefreyt das wir weder mit Probation noch Appella-
tion beswert, auch den gemeinen Müntzordnungen im Reich nit
vnderw^örff'ig sein sollen." s")
Nachdem in Uebereinstimmung mit seinem Bnider Karl von
Steiermark, Erzherzog Ferdinand von Tirol, und schliesslicli
auch Kaiser Maximilian 11. von der Reichsmünzordnung vom
19. August 1559 zurückgetreten w^aren, konnten die österreichischen
Münzhäuser auch nicht mehr den Beschlüssen der Reichs- Valvations-
Commissionen unterworfen bleiben. Es ist selbstverständlich, dass
sich aus den Münzvalvationen sehr verschiedene Resultate ergeben
mussten, je nachdem für die einzelnen Münzsorten die Bestim-
1) Münzwesen unter Ferdinand I. Seite 9 und 140.
2) Daselbst Seite 50, ferner 59 u. f.
3) Daselbst Seite 13.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolpli II. und Mathias. l^T
mimgen der Reichsmünzordnung, oder die Ansätze der vou Maxi-
milian n. und den beiden Erzherzogen flir ihre Münzhäuser erlas-
senen Instructionen als Grundlage oder Vergleichungsmassstab
genommen wurden. Die in den j,correspondirenden Kreisen'^ jähr-
lich zusammentretenden Valvations-Commissionen nahmen fllr ihre
Proben nur die Reichsmünzordnung vom 19. August 1559 und die
damit verbundene ,,Probirordnung" vom 20. August 1559, als
Orundlage. *) Würden die österreichischen Landesiürsteu diese
Probationen auch für ihre Müuzhäuser als wirksam anerkannt haben
dann hätten sie sich auch der Aufforderung zur Behebung der bei
ihren Münzen constatirten Abgänge unterziehen müssen, wodurch
sie indirect wieder unter den Einfluss der von ihnen abgelehnten
Reichsmünzordnung gekommen wären.
Nachdem die Wirksamkeit der mehrerwähnten Valvations-
Commissionen auf die österreichischen Länder entfallen war, musste
in Bezug auf Controle und Ueberwachung der aus den österreichi-
schen Münzhäusern ausgehenden Münzen, sowie hinsichtlich Val-
virung der in diese Länder eingedrungenen fremden Münzsorten,
eine entsprechende Vorsorge getroffen werden. Zu diesem Ende
wurden Landprobirer bestellt, auch einzelne Beamte mit der
Untersuchung und Valvation fremder Münzen betraut, deren Ergeb-
nisse von Zeit zu Zeit durch besondere Valvations-Verzeichnisse ver-
lautbart wurden. Dass dabei die für die österreichischen
Münzhäuser bezüglich Korn und Schrot bestehenden Münzinstruc-
tionen und nicht die diesfälligen Anordnungen der Reichsmünz-
ordnung als Basis zu dienen hatten, versteht sich wohl vou selbst.
IV.
Die Münzstätte zu Wien.
Nachdem im Vorhergehenden die münzpolitischeu Verhand-
lungen und Entsclieidungen aus der Regierungsj)eriode des Kaisers
Maximilian IL, soweit dieselben auf das Münzwesen der öster-
reichischen Königreiche und Länder Bezug hatten, besprochen
<) Miiii/.w »'.•seil iiiirtT FrrdliiaiKl I. Seite» <i2.
-f-^f^.'ltTr^r
198
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
wurden; haben wir nunmehr den in den einzelnen MUnzhäusern ob-
waltenden Zuständen unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden, und
sollen zunächst die Münzstätten jener Länder, welche der Regierung^
des Kaisers Maximilian IL unmittelbar unterstanden beleuchtet
werden.
Wiederholt wurde darauf aufmerksam gemacht, dass im
Wiener Münzhause, wegen Mangels von Bergwerks Gold und
Silber, der Betrieb lediglich auf die Vermünzung von erkauften
Pagamenten beschränkt war.
Als Ferdinand L im Jahre 1524 die Wiener Münze wieder
aufrichtete, vervollständigte er die Organisation derselben durch
die Bestellung eines Ward eins, eines Münzkämmerers endlich
eines Münzwechslers und regulirte das Zusammenwirken dieser
Münzbeamten durch die denselben ertheilten Instructionen. *)
Von dieser wohlgegliederten Einrichtung war man zur Zeit des
Regierungsantrittes Maximilian IL gänglich abgekommen. Das
Wechselamt, das heisst die Gold- und Silbereinlösung, hatte man
gegen ein jährliches Pachtgeld von 100 Gulden an den Wardein
übertragen, dem man auch die Gold- und Silberscheiderei über-
lassen hatte, wogegen derselbe auf den Bezug seines Gehaltes von
80 Gulden verzichtete. Die zwei wichtigsten Nebenämter waren
somit vom Münzamte abgelöset und der Ertrag des letzteren auf die
aus der Münzprägung sich ergebenden Ueberschüsse beschränkt,
welche aus dem Grunde, dass das Münzausbringen durch die Münz-
ordnungen von den Jahren 1551 und 1559 ausserordentlich herab-
gedrückt war, bald in Verluste übergingen, daher der Betrieb einge-
stellt werden musste. Wenn nun erwogen wird, dass für die Gold-
und Silberarbeiter die gesetzliche Verpflichtung bestand, ihren Be-
darf an Edelmetallen aus dem Münzhause zu beziehen, so erscheint
es als vollkommen berechtiget, wenn der Münzmeister Hartman
(Seite 6) hervorhob, dass, wenn das Wechselamt und die
Scheiderei beim MUnzamt geblieben wären, aus deren Erträgnis-
allfällige Einbussen bei der Münze hätten bestritten werden können,
so aber bezog die Kammer lediglich einen Pachtzins von 100 Gulden,,
während das Einkommen aus dem Wechselamt und der Scheiderei^
1) Münzwesen unter Ferdinand I. Seite 5.
pö^:-^-¥3-^
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
199
welches dem Wardein zufloss, jährlich mehrere Tausend Gulden
ausmache. Maximilian 11. stellte mit der Resolution vom 3. Sep-
tember 1569 allerdings die alte Einrichtung wieder her, allein
manche Missbräuche und Uebelstäude hatten sich mittlerweile der-
art eingewurzelt, dass ihre baldige Behebung nicht zu erwarten war.
Aus einer Beschwerde des Raaber Bausuperintendenten Urban
Süss vom Jahre 1572, gewinnen wir einen Einblick in die durch
den Mtinzmeister Hartman vorgenommene Thalerprägung. Süss
hatte eine Summe leichter Pauliner in die Münze gegeben und
fand die ihm zugekommenen 1292 Thaler als Ausbringen zu geringe.
Von Hartman liegen nun zwei Ausweise vor, über ihm am 15. Jänner
und 5. Februar zugekommenen leichten Pauliner. Es ergab sich aus
beiden Posten an feinem Silber 118 Mark, 10 Loth, 0 Quentchen,
1 Pfennig, diese zu 14 Loth, 1 Quentchen, 1 Pfennig beschickt,
gaben 132 Mark 10 Loth, woraus zu 9s/4 Stücke von der Mark 1292
Thaler ä 70 Kreuzer entfielen. Die Hofbuchhalterei bestätigte die
Richtigkeit dieser Ausmünznng.
Es wurden somit im Wiener Münzhause im Jahre 1572 nicht die
der 1559er Reichsmünzordnung entsprechenden Guldenthaler, son-
dern Thaler nach der Instruction vom 15. Februar 1524, und zwar
im Feingehalt von 14 Loth, 1 Quentchen, 1 Pfennig, 97^ Stücke von
der rohen Wiener Mark, gepräg-t. i) Bei dieser durch die Hofbuch-
halterei geprüften, sohin von der Regierung zugegebenen Thaler-
prägung hat man sich unverkennbar durch die Rücksicht auf das
erhöhte Ausbringen leiten lassen, worüber eine einfache Rechnung
Aufschluss gibt. Die 1292 Thaler hatten ä 70 kr. einen Werth von
1507 fl. 20 kr. Bei der Vermünzung der verwendeten 118 Mark, 10
Loth, 0 Quientchen, 1 Pf. Wiener Gewicht fein Silber in Gulden-
thaler, hätte sich, da bei derselben die feine Wiener Mark Silber
auf 12 Gulden 15%, Kreuzer gebracht wurde, 2) nur ein Gesammt-
ausbringen von 1453 Gulden 10 Kreuzer, somit eine Einbusse von
54 Gulden 10 Kreuzer ergeben. Das Vorstehende leitet zu einer
weiteren Erwägung. Es erscheint durch das Vorhergehende acteu-
mässig sicher gestellt, dass im Wiener Müuzhause im Jalire 1572
<) Münzwesen unter Ferdinand I. Seite 131.
2) Daselbst Seite 152.
'-•^^r^F
200
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Thaler nach der Instruction vom 15. Februar 1524 ausgeprägt
wurden. Nun sind derart ausgebrachte Wiener Thaler des Kaisers
Maximilian IL vom Jahre 1572 bisher nicht vorgekommen; es liegt
somit die Vermuthung nahe, dass bei der in Rede stehenden Thaler-
prägung vorhandene Stempel Ferdinands I. verwendet wurden.
Man war durch diesen Vorgang gegen allfällige Einsprachen am
besten gesichert, auch stand derselbe nicht vereinzelt da, denn zu
Kremnitz wo das Mtinzhaus ebenfalls unter der niederösterreichi-
schen Kammer stand, prägte man noch immer die Thaler mit dem
Brustbilde und Titel Ferdinands I.») Es dürfte überhaupt der
Schluss berechtigt sein, dass im Wiener Münzhause während der
Regierung Maximilians IL beziehungsweise vom Jahre 1569 begin-
nend, l)ci den Thalerprägungen vorherrschend nach der Instruction
vom 15. Februar 1524 vorgegangen, und nur ausnahmsweise
Guldenthaler ausgemünzt wurden. Wiener Thaler Maximilians II.
gehören überhaupt zu den Seltenheiten. Das k. k. Mtluzcabinet
bewahrt einen der 1524er Münzordnung gemässen Thaler vom
Jahre 1569, das einzige mir bekannte Exemplar dieser Prägung.
Aus den Acten ist zu entnehmen, dass der Betrieb grössten-
theils auf die Umprägung der eingewechselten oder confiscirten
verrufenen Geldsorten in gute Münzen, basirt war. Mit der Weisung
vom 8. Jänner 1573 wurde, da das Wechselamt und die Scheiderei
mit dem Münzamte wieder vereinigt worden war, Gregor Parrach als
Controller oder Gegenschreiber bestellt. 2) Indem in Folge des mehr-
jährigen Stillstandes und später durch den ungleichförmigen Betrieb
veranlasst, die Münzarbeiter bis auf drei Münzgesellen Wien ver-
lassen hatten, rief man aus Joachimsthal eine Aushilfe herbei. Es
waren von dort die Müuzgesellen Aurelius Alnpekh, Marcus
Schneider und Christoph Hartleber im Wiener Mtinzhause bedienstet,
denen mit Erlass ddo. Regensburg, 28. Juni 1576, für die Hin- und
Rückreise zusammen eine Vergütung von 43 Thaler angewiesen
wurde. 3)
I
1) Münzwesen unter Ferdinand I. Seite 1 24 u. f.
2) K. k. H. K. A., Fase. 17508.
3) Daselbst Gdkb. Nr 315, Fol. 317vcrs.
unter deu Kaisern Maxiiiuiian 11., Rudolph II. und Mathias. .^01
Zu bemerken kommt, dass die BegräbnissmUnzeuFerdiuaudsL
im Wiener Mnnzhaiise geprägt worden sind. Unter den Auslagen
beim Beisetzen des Kaisers ündet sich folgende Rechnungspost:
„Adamen Hartman, Münzmaister zu Wienn ist von wegen Maehung
der gülden und silbern Pfenning so bey der Khayserlichen Be-
gänkhnus aussgeworfen worden, vergnügt worden 1157 Gulden
31 Kreuzer." i)
Auf den während der Regierung Maximilians IL zu Wien ge-
prägten Münzen findet sich ein Münzmeisterzeichen nicht vor.
Nachdem sich die Walzenprägung zu Hall bewährte, erging an
sämmtliche Länderkammern der Auftrag, über die Ausstattung der
anderen Münzhäuser mit dieser neuen Einrichtung Gutachten einzu-
bringen (Seite 14). Die niederösterreichische Kammer äusserte sich
bereits ddo. Wien, 18. April 1569. Sie anerkennt die Vortheile der
Walzenprägung namentlich in Bezug auf Ersparung an den Arbeits-
kosten. Da die Wiener Münze seit mehreren Jahren gänzlich feiert,
so werde die neue Einrichtung dazu beitragen, das Münzwesen im
beständigen Betrieb zu erhalten. Auch der Münzmeister Adam Hart-
man hebt die zu gewärtigenden Ersparungen hervor, macht jedoch
darauf aufmerksam, dass schon im Jahre 1554 der „Kunstmeister
Constantin Miller eine Münzdrukherey" eingerichtet hatte, „der aber
die Schwär dem Schrot nach nit trefi^en khünnen, sondern ain Taller
funfviertl schwer gewogen. Das Werk liege noch in dem Augu-
stiner Closter alhier beysammen." Vogler wurde von Hall nach Wien
berufen. Hier legte er ddo. 20. Mai 1569 einen Ueberschlag über
ein grösseres, mit Wasserkraft betriebenes Münzwerk vor. 2) Nach-
dem in Wien eine Wasserkraft nicht zur Verfügung stand, auch \iel
weniger Silber zu vermünzen war als zu Hall oder in Kremnitz, ver-
fasste er für Wien einen neuen Anschlag, in welchem an Stelle des
Wasserrades „Ein gross Rad darinnen mau gehn kann" beantragt
ist. Die Kosten sämmtlicher Werksbestandtheile werden auf 700
Gulden und die Auslagen der Aufstellung und Einrichtung auf 380
Gulden präliminirt. Würden die Münzwerke gleichzeitig auch fllr
1) K. k. H. K. A., Fase. 18607, Reichsacten 202.
2) Daselbst Fase. 15261. Dieser Ueberschla;? wird in der beil.i^'e 1 mit
getheilt.
-f it-jr tir-.-w ', 37-i-, j^~iti-
202
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Prag, Joachimsthal, Kuttenberg und Breslau angefertiget werden,
so würden sich dadurch die Kosten veimindern. Die Herstellung
könnte am bequemsten zu Neustadt erfolgen.
Alle diese Vorerhebungen und Verhandlungen führten damals
weder für das Wiener Münzhaus noch in einem der übrigen Münz-
häuser zu einem Resultat. Ausser der schwer zu lösenden Kosten-
frage war in Wien eine für die Unterbringung des Münzwerkes ge-
eignete Oertlichkeit schwer zu beschaffen. Im Jahre 1554 hatte
man die „Münzdruckherey" im Augustinerkloster eingerichtet,
allein dieses Locale blieb, obwohl die Hofkammer auf die dort vor-
handenen alten Werksbestaudtheile aufmerksam machte, nunmelir
ausser Betracht. Es verfloss eine sehr lange Reihe von Jahren bis
die Walzenprägung im Wiener Mtinzhause zur Anwendung kam.
V.
Die Münzhäuser in Bölimen.
Beim Antritt der Regierung Maximilians H. standen in Böh-
men drei Münzhäuser und zwar zu Prag, Kuttenberg und
Joachimsthal im Betriebe. Wie aus einer Eingabe der böhmi-
schen Kammer ddo. Prag, 17. August 1568 zu entnehmen ist, hatte
der Wardein Tobias Gebhart die Anzeige erstattet, dass im
Prager Münzhause die Pest ausgebrochen und die Tochter des
Mtinzmeisters gestorben sei. Da die Gesellen di« Münze verlassen
wollen, auch das meiste Silber von Budweis in das Prager Münz-
haus kommt, so beantragte er die Uebertragung der Münze nach
Budweis, wo die ganze Einrichtung mit geringen Kosten ausgeführt
werden könnte. Die böhmische Kammer stimmte diesem Vorschlage
bei. Mit der Resolution ddo. Wien, 12. September 1568 geneh-
migte der Kaiser diesen Antrag, es sei der Pest wegen das „Münz-
werk von Prag nach Budweiss, oder an ain andern gelegen Ort,
wie es am besten und mit den geringsten Unkosten geschehen mag,
bis auf pessere Sicherheit zu transferiren". i)
I
1) K. k. H. K. A., Fase. 15621. Der Pest wegen hatte sich die böhmische
Kammer zuerst in Kaufim und später in Kuttenberg befunden.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. 203
In der kaiserlichen Resolution vom 17. März 1573 (Seite 25)
wird unter den Münzstätten auch Schlacken wähl aufgeführt. In
einem sehr eingehenden Mandat, welches ddo. Wien, 28. August
1572 an die „Gewerke im Schlackenwaldischen und Lauttenbergi-
schen Bezirk" erlassen wurde, erscheint ein in Schlackenwald be-
stehendes Munzhaus nicht erwähnt. <) In der Resolution ddo. Press-
bnrg, 4. October 1572, womit der Kaiser eine von dort eingelangte
Relation erlediget, wird jedoch gesagt: „mit Berathschlagung der
Müntzhandlung sein Wir allberait im werkh, vnnd wollen dieselb
sovil immer nnt glich dem wesen zum besten befürdern, vnd Euch
hernach Besehaid zukhomen lassen." 2) Es dürfte somit der Schluss
berechtiget sein , dass die Errichtung eines MUnzhauses zu
Schlackenwald wohl beabsichtiget war, der Plan jedoch nicht zur
Ausführung kam.
Dieses vorausgeschickt wenden wir uns nunmehr der Bespre-
chung der einzelnen Münzhäuser zu.
Münzstätte zu Prag.
Beim Regierungsantritt Maximilians IL war hier der Betrieb
ein ziemlich lebhafter. Die Münzamtsverwaltung hatte erst im
Jahre 1562 der im Vorjahre als Wardein von Linz nach Prag
übersetzte Hanns Härder übernommen. 3) Um die Münzen als-
bald mit dem Bildniss und dem Titel des neuen Landesherrn aus-
zustatten, legte der Statthalter Erzherzog Ferdinand ddo. Prag,
1. März 1565 als Probe 4 neue zu Prag geprägte Guldenthaler vor,
für welche ein in Linz ansässiger Eisenschneider die Stempel ge-
liefert hatte. Schon ddo. Wien, 12. März 1565 erfolgte die Erledi-
gung. Nachdem das „Bildnuss vnd sonsten vndeutlich" sollen die
Stempel nicht weiter benutzt, sondern gebrochen werden.*) Unver-
kennbar war es der Münzmeister Härder, welcher die Anfertigung
dieser Stempel einem Linzer Eisenschneider übertragen hatte. Da
dieselben abgelehnt wurden, lieferte die neuen Stempeleiseu nun-
mehr der zu Kuttenberg ansässige Georg von RAsn^, welcher
«) und 2) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 119, Fol. 476^'^" und Fol. 540.
3) Münzwesen unter Ferdinand I. Seite 74.
*) K. k. H. K. A. Fhöc. 15609.
:'-' jiP -^t5»*:1-f^
204
Johann Nevrald: Das östeiTeichische Müuzwesen
für die dortige Münze schon seit Jahren mit der Beistelliing der
erforderlichen Prägestempel betraut war. Ueber die neuerdings
vorgelegten 4 Probethaler resolvirte Maximilian IL mit Erlass an
den Erzherzog Ferdinand ddo. Wien^ 2. October 1565, dass „auf
sein Bildnuss vnd Titel wie in Kuttenberg geprägt wird." in glei-
cher Weise auch zu Prag und Joachimsthal gemünzt, und die alten
Stempeleisen gebrochen werden sollen, i) Gleichzeitig mit diesem
Erlasse erfloss auch und zwar ddo. Wien, 1. October 1565 für den
Mtinzmeister zu Prag Hanns Härder und den Wardein und Gegen-
schreiber Tobias Geb hart, denen der Münzbetrieb „auf Rait-
tung^^ übertragen war, eine höchst eingehende, nicht nur das Münz-
prägewesen, sondern das Ganze des Geschäftsverkehres im Münz-
hause behandelnde Instruction. 2) Beide Beamte sollten in dem in
der alten Stadt Prag gelegenen königlichen Münzhofe ihre „stete
Wohnung'^ haben. Als Bergwerke, aus denen zunächst der Betrieb
im Prager Münzhause zu decken war, werden genannt: Böhmisch-
Budweis, Przybram, Tabor, Elischau und Procopsberg. Für die Aus-
münzung wurde die mit Patent ddo. Prag, 1. August 1561 für die
böhmischen Münzhäuser bekannt gemachte Reichsmünzordnung vom
19. August 1559 vorgescbneben. 3) Als „Vorgewicht" beim Giessen
wurden als Maximum von 100 Mark ganze und halbe Guldiner
3 Loth und für 10 Kreuzer und Halbpatzen 5 Loth gewährt. Um
Unzukömmlichkeiten beim Giessen zu verhüten, wurde ein eigener
„Tiegelwarter" Namens Blasius Preslau bestellt, dem jährlich
1) K. k. H. K. A., Fase. 15612.
2) K. k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Böhmische Acten. Im Jahre 1648
hatten die Scliweden bei ihrem Abzüge von Prag auch einen Theil der Archive
mitgenommen. Sie brachten denselben bis Stade, wo sie diesen Theil ihrer
Beute zurückliessen, der nach Verlauf einer längeren Zeit in das königliche Ar-
chiv nach Berlin kam. Im Tauschwege gelangte vor einigen Jahren eine Partie
dieser Acten, worunter mehrere auf das böhmische Münz- und Bergwerks-
wesen bezugnehmende Stücke waren, in das k. k. Haus-, Hof- und Staats-
archiv nach Wien. In einem 1851: von dem damaligen Secretär des Vereines
für Numismatik in Prag, Josef Neumann, herausgegebenen Katalog über eine
Sammlung böhmischer Münzen, findet sich Seite 27 u. f. eine höchst schätzens-
werthe Aufzählung der in den böhmischen Münzhäusern thätigen Münz-
meister.
3) Münzwesen unter Ferdinand I. Seite 61.
'^^r^^
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. 20<>
30 Schock Meissniscli zu reichen waren. Das den Mttnzschmieden
gewährte ,, Vorgewicht" wurde mit 5 Qiiintchen von je 100 Mark
für ganze und halbe Guldiner und 10 Kreuzer bestimmte schwarze
Zaine, und mit 9 Loth von 100 Mark für V2 Patzen oder 2 Kreuzer
bestimmte schwarze Zaine festgestellt. An Mlinzerlohn wurden ge-
währt je 1 Thaler zu 70 Kreuzer, für 14 Mark Guldiner ig Guldiner
und 10 Kreuzer, desgleichen für 8 Mark 1/2 Patzen. Ausnehmend
eingehend sind die Bestimmungen über das Remedinm. Besondere
Passirungen betrafen die sogenannte ,,Lichtgans", welche jedem
Münzer mit 1 Thaler und jedem Jungen mit y. Thaler zu reichen
war. Jeder Giesser bezog jährlich ein „Giesskleid" oder 18 Wei«s-
groschen, endlich wurde den Giessern zusammen für jedes Quartal
als „Giessbraten und Giesstrunk" 3 Gulden Rheinisch verabfolgt.
Die aus dem Prager Münzhause unter dem Münzmeister Hanns
Härder in den ersten Regierungsjahren Maximilians IL ausgegan-
genen Guldenthaler sind mit ^ oder ^ bezeichnet. <) Dass sich
dort der Betrieb in gedeihlicher Weise gestaltet hatte, ergibt sich
aus dem Umstände, dass der Kaiser über Antrag des Erzherzogs
Ferdinand vom 4. December 1565, mit der Resolution ddo. Augs-
burg, 8. Februar 1566 für die Münze zu Prag die Bestellung einer
eigenen Person zum Pagament- und Silberkauf genehmigte. Der
Münzmeister hatte einen Juden vorgeschlagen, der Kaiser nimmt
denselben jedoch nicht an, sondern sagt, es möge eine „ehrbare
thaugliche Person'^ aufgenommen werden. 2) Ueber einen wei-
teren Antrag des Erzherzogs ddo. 14. Februar 1566 resolvirte Ma-
ximilian II. ddo. Augsburg, 6. März 1566, an Stelle des abgetretenen
Erasmus von Schwan berg den Carl von Biebersteiu als
obersten Münzmeister. 3)
Beim Ausbruch der Pest im Sommer 1568 wurde, wie wir
wissen, das Prager Münzhaus gesperrt und dafür zu Budweis eine
<) Es ergibt sich somit eine Ergänzung dvr m lurmiin „MUuzw©»eu
unter Ferdinand I." Seite 116 über das Zeiciicn $ vorkommen^len Angabe.
Ich verdanke dieselbe der Güte des um die Khirstellung der auf böhmischen
Münzen vorkommenden Münzmeisterzeichen sclir verdienten k. k. Ilnupt-
mannes Herrn Heinrich Rappe in Kuttenber;^
2) und 3) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. .'Ul, Foi. -n., nun _-..w.
. ■ ■ür^ji^'^r.'w;?
206
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
neue Münze eingerichtet. Nach dem Erlöschen des „Contagiums"
hatte man, ohne den Betrieb in Budweis einzustellen, die Thätigkeit
in der Prager Münze wieder aufgenommen; es häuften sich jedoch
auch hier jene Klagen, welche wir bereits aus dem Wiener Münz-
hause über den nachtheiligen Einfluss der 1559er Reicbsmünzord-
nung kennen gelernt haben. Die böhmische Kammer hatte dem
Kaiser im Jahre 1570 einen umfassenden Bericht über das böhmi-
sche Kammerwesen und über bei demselben nothwendige Reformen
vorgelegt. Mit der Resolution ddo. Speyer, 13. October 1570 erle-
digte Maximilian IL diese Vorlage in eingehender Weise. Das
Münzwesen anbelangend, wird gesagt: „Was dann zum 18**^" die
Reichs-Münz-Orduung, vnd den darbey erscheinenden Nachtheil
antrifft, haben Wir allberait Verordnung gethan. Was desswegen
bei den Reichsständen, anjetzt angebracht werden solle. Was nun
darauf gehandlt vnnd beschlossen wirdt, das wollen wir Euch mit
Gelegenheidt in Gnaden verkhünden lassen. Mitterweil wollet
alsouill immer möglich, verhuetten helffen, damit die Einschlaiffung
der bösen Münzen abgestellt werde.'* i) In letzterer Beziehung
hatte der Landeshaui)tmann in der Ober-Lausitz, Hanns von
Sc blieben, angezeigt, dass sehr viele geringhaltige, vom Kur-
fürsten August von Sachsen ausgegebene Thaler in Umlauf kom-
men. 2) Eine ähnliche Meldung hatte Christoph Haller von
Hallen st ein über polnische Münzen erstattet, welche zu Dikozin
geschlagen werden, 100 auf die Krakauer Mark gehen und nur
5 Loth, 1 Quint., 3 Pf. Feinsilber halten. Diese Münzen sind
mit dem Jagellonischen Wappen und den ineinander geschlungenen
Buchstaben S A (Sigismund August) bezeichnet. Ueber die Polen
sagt Haller: „vnd sy pesser mosco wittisch dan österreichisch sein,
vnd auch das sodomitisch vnd epicurisch leben bey Inen dermassen
in schwang geet das die straf gottes hernach pald volgen niues." s)
Der sehr nachtheilige Einfluss, welcher sich aus der 1559er
Reichsmünzordnung für das Münzwesen, sowie überhaupt für den
Verkehr und Handel in den österreichischen Erbländern ergab,
findet nochmals in einem kaiserlichen Mandat vom 3. Jänner 1573
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 313, Fol. 437 bis 443.
2) und 3) Daselbst Fase. 15615 und 15616.
unter deu Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
Ausdruck. Maximilian IL betont in demselben, dass ,,Vunser Khtl-
nigreich Hungern der Reichs-Münz-Ordnuiig nit vnndworffen, Vnn-
ser Khünigreich Behaimb sich derselben Ordnung zum höchsten
beschwert," daher am nächsteu Landtag mit den Ständen zu ver-
handeln sein wird. ») Für die österreichischen Münzhäuser wurde,
wie bereits Seite 25 mitgetheilt, die 1559er Münzordnung mit dem
Patent vom 17. März 1573 aufgehoben. 2) Den darauf bezüglichen
Antrag hatten die böhmischen Stände mit dem Landtagsbeschluss
vom Mittwoch nach Pauli Bekehrung (28. Jänner) 1573 gestellt.
Mit dem Erlasse an die böhmische Kammer ddo.Wien, 30. Jän-
ner 1573 verlangte der Kaiser Bericht „über des Neufarers und des
jetzigen Münzmeisters Härder Raittiingen" und bemerkte, dass der-
malen ,,mehr Khauf- als Perkhsilber vermünzt werde," ob sich
daraus ein Nutzen ergebe; auch sei zu berathschlagen, ob bei dem
geringen Münzertrag die beiden Münzämter zu Prag und Budweis
nicht zusammengezogen werden könnten, s) Die böhmische Kam-
mer sprach sich für den Fortbestand der Münzstätte zu Budweis
aus. Da vier Münzhäuser im Lande im Betriebe waren und abge-
sehen davon, dass in denselben bei der Administration und Mani-
pulation nicht unwesentliche Unterschiede bestanden, auch die aus
den verschiedenen Mtinzhäusern ausgegangenen Thal er und Kiein-
münzen ungleich im Gewichte waren, wurde bezüglich aller vier
Münzstätten eine eingehende Erhebung angeordnet. Aus Wien
wurde zurVergleichung eine „gerechte zimmentirte Wienneriseh vnd
Kölnerische Mark" herbeigeschafft.
Es fand zunächst im Prager Münzhause am 15. Februar 1574
im Beisein des böhmischen Kammerpräsidenten von Oppersdorf,
der Kammerräthe von Rabenhaupt, von Steinberger und
Puchler, des Oberbergmeisters Lazar Erker von Schrecken-
fels und der Münzamtleute von Prag, Kuttenberg, Joachimsthal
und Budweis ein Probegiessen statt, wobei der Joachimsthaler
Mtinzamtmann Geitzkofler angewiesen wurde, 50 Mark Braud-
ij K. k. H. K. A., Fase. 17508.
2) Vergl. auch Voigt 1. c, IH. Bd. Seite 190.
8) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 314, Fol. 58^^",
r 7r~ ^wyr'^T' <-^W'
208
Johann Newaid : Das österreichische Jlünzwesen
Silber zn Groschen und Weisspfennigplatten; während der
Kuttenberger Münzmeister Sutny von Olivet beauftragt wurde,
ebenfalls im Beisein der Commission 100 Mark Silber zu T haier-
und Kleinpfennigplatten zu giessen. Die Probe zeigte, dass der
Abgang beim Weisssieden grösser sei, als von den Münzamtleuten
bisher in Rechnung gestellt wurde. Beim Kuttenberger Thalerguss
ergab sich bei 100 Mark ein Abgang von 9 bis 10 Stücke Thaler;
bei der Prager und Budweiser Münze bestand der Abgang in
3 Stücken; auch wurde constatirt, dass die Thaler dieser drei Münz-
stätten gegen den Joachimsthaler Thaler leichter sind, daher be-
schlossen wurde, den Antrag dahin zu stellen, dass bei den erst-
genannten drei Münzstätten aus 100 Mark Silber Prager Gewicht
875 Stücke, und in Joachimsthal, wo die Kölner Mark im Ge-
brauche war, aus 100 Mark 810 Stücke Thaler auszuschrotten
wären.
Bei den Weissgroschen wurde das Ausbringen von der Prager
Mark mit 1263/, und von der Kölner Mark mit 117 Stücken; bei
den Weisspfennigen die Prager Mark mit 659, die Kölner Mark mit
611 Stücken festgestellt. Da Kleinpfennige nur in Kuttenberg ge-
münzt wurden, hat man das Ausbringen aus der Prager Mark mit
737 Stücken, und den bisher üblichen Abgang am Schrot beibe-
halten.
Die Abgänge wurden festgesetzt wie folgt, und zwar beim
Guss: von 100 Mark Thaler mit 2, bei Weissgroschen von 1 Mark
mit 4, und bei Weisspfennigen von 1 Mark mit 10 Stücken; femer
auf der Schmiede bei 100 Mark Thalerzain 5 Quintchen,
„ 100 „ Weissgroschenzain 11 Loth und
„ 100 „ Weisspfennigen, bei der Kutten-
berger Münze 1 Mark, bei den übrigen 18 Loth.
In Bezug auf die Münzerlöhne beantragte die Commission fol-
gende Sätze, und zwar für Kuttenberg
von 171/2 Mark Thalerguss,
„ 13 Vs ?7 Weissgroschenguss und
„ II3/3 „ Weisspfennigguss je einen Thaler.
Bei den drei übrigen Münzstätten:
von 14 Mark Thalerguss bei allen drei Münzstätten,
„ 81/3 „ Weissgroschen in Joachimsthal,
[J?i^^t'-
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph IT. und Mat>,i ,- 209
von 8 Mark Weissgroschen in Prag und Budweis,
„ b^/\ .. AVei^spfennigen,, Joacbimsthal,
r o .. „ „ Prag und Budweis,
ebenfalls je einen Thaler. Für den Landesi)robirer war von jedem
Thalerguss 1 Thaler, bei Weissgroschen 3 und bei Weisspfennigen
21 Stücke zu deponiren. Das Remedium wurde beim Thalerguss
mitlVs, beim Weissgroschen- und Pfennigguss mit 2 Quentchen
bestimmt.
Die Commission stellte schliesslich den Antrag, dass den
Münzmeistern die in ihren unerledigten Kechnungen ausgewiesenen
Abgänge nachgesehen und dieselben angewiesen werden, sich bei
ihren neuen Rechnungen an die commissionell festgestellten An-
sätze zu halten i)
Die über diese Versuche und Erhebungen an die Hofkammer
eingebrachte Relation wurde von dieser zunächst dem Kammerrath
David Hag, ferner dem Wiener Mtinzmeister Adam Hartman
und dem Wardein Thoman Händl zur Aeusserung zugewiesen.
Am Schlüsse ihres Gutachtens sagen dieselben: „letztlichen, als
neben andern auch Meldung beschicht, das ain jeder Müntzmeister
auf die Müntz so er ausgehn lässt, vnder des Adlers Schwantz ain
Bayzaichen, bei welchem eines jeden Müntz zu khennen, in ain
Schiltlein oder in ain rundts Zuerckhlein schlagen solle, in diesem
were vnser Guctbedünkhen, das solch Beyzaichen oben auf im An-
fang des Titls in ain rundts Zuerkhlein, vnd nicht in ain Schiltlein
geschlagen wurde." In dem Vortrag an den Kaiser spricht die Hof-
kammer ihre Zustimmung zu dem vorgelegten Gutachten aus und
erfolgte ddo. 21. März 1574 das „Placet" des Kaisers.*) Die böh-
mische Kammer erhielt über die von ihr vorgelegt«^ R.'l.ifi.m .Id.»
Wien, 30. März 1574 eine eingehende Erledigung.»)
Bei Gelegenheit der am 15. Februar 1574 im Prager M Unz-
hause abgehaltenen Commission wurden auch die anwesenden vier
Münzmeister aufi^-efordert, ihre Münzzeichen aii/ii^rcbon. Der Pmiror
1) Archiv des arcujiolct^ischen VenMiics in KllIn•^I^^^:.^ icii vrrM;iiikr
dieses Detail der Güte des bereits genannten k. k. Ilauptuiannes Herrn Hein-
rich Rappe.
2j K. k. H. K. A., Faso. 1Ü359.
!J) Daselljst Gdkl). Nr. 314, Fol. 300 u. f.
I I
210
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
Münzamtmann Hanns Härder wählte aus seinem Wappen den
Greifenkopf, welches Zeichen nunmehr an die Stelle des von
Härder bisher am häufigsten verwendeten $ oder ^ tritt.
Mit der Abänderung- der Mtinzordnung im Jahre 1573 im Zu-
sammenhange wurde mit der kaiserlichen Resolution ddo. Wien,
28. Juni 1573 der Termin zur Einlösung der geringen Münzen bis
Ende September bestimmt, und zugleich Anordnungen über das
Umprägen derselben erlassen, i) Ueber Bericht der böhmischen
Kammer vom 6. Juli 1573 genehmigte Maximilian H. ddo. Wien,
21. Juli ,,zur Verhütung besorglicher Aufrur vnd zu nott-
wendiger Veilag vnsers Kuttenpergischen Perkhwerkswees«^?is."
die Umniünzung einer Summe Pauliner auf seine Kosten. >)
Mit der Resolution vom 17. März 1573 hatte Kaiser Maximi-
lian n. die Ausprägung von Guldenthal ern eingestellt und die Aus-
gabe der alten Thaler Ferdinands I. zu 70 Kreuzer oder 30 Weiss-
groschen angeordnet (Seite 193). Ueber Beschluss des bölimischen
Landtages vom Donnerstag nach dem Sonntag Jubilate (18. Mai)
1576, wurde diese Anordnung dahin vervollständigt, dass für die
Münzinstruction die Prager Mark als Gundlage genommen wurde.
Der Feingehalt der Thaler blieb mit 14 Loth, 1 Quint., 1 Pfennig
jenem der Münzordnung vom 15. Februar 1524 gleich, nur wurden
statt 9 8/4 Stücke von der Wiener Mark nunmehr 83/4 Stücke aus
der Prager Mark als Ausbringen angeordnet. Die neuen Thaler
waren somit um etwas besser als jene der 1524er Münzordnung. 3)
1) und 2) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 314, Fol. 201vor8 und 213 u. f.
3) Nachdem die Prager Mark 231 Wiener Pfennige enthält, so würden aus
der Wiener Mark := 256 Pfennige 9-6960 Stücke der neuen Thaler entfallen.
Bei dem Feingehalt von 14 Mark 1 Quint. 1 Pfennig= 229 Pfennige ent-
fallen auf das Einzelstück 23*616 Pfennige. Da ferner 5 Wiener = 6 Kölner
Mark, so sind 23,616 Wiener Pfennige = 28-339 Pfennige Kölner Gewicht.
Die dermalige österreichische Währung gibt per Mark = 256 Pfennige Kölner
Gewicht 21 Gulden. Aus der Proportion 256 : 21 = 28*339 : x ergibt sich der
Werth eines neuen böhmischen Thalers mit 2 Gulden 32*465 Kreuzer, dem ent-
gegen der Werth eines Thalers nach der Münzordnung vom 15. Februar 1524,
2 Gulden 31*197 Kreuzer beträgt. Vergl. Münz wesen unter Ferdinand I. Seite 6.
Die Wiener Mark" nach dem Gesetze vom 23. Juli 1871 zu 280*668 Gramme
gerechnet, hatte der neue 1576er Thaler ein Gewicht von 28-944 Gramme,
während der alte 1524er Thaler ein Gewicht von 28-786 Gramme hat.
unter den Kaisern Maxunilian IT., Rudolph II. und Mathias. ^11
Durch die im Jahre 1576 erlassene Mllnzinstructiou wurde
Schrot und Korn der Münzen^ wie folg-t, bestimmt:
Es waren aus der Prager Mark auszubringen :
Böhmische Ducaten 7235o/g^^ Stücke zu 23 Karat 8 rirlin Ft-in-
iichalt.
Thaler Ss/» Stücke zu 14 Loth, 1 Quintchen, 1 Pfennig Fein-
gehalt.
Weissgroschen 1262/? Stücke zu 6 Loth 3 Qnintchen Feingehalt.
Weisspfennige 659 Stücke zu 5 Loth Feingehalt.
Kleinpfennige 733 Stücke zu 2 Loth 3 Quintchen Feingehalt.
Schliesslich wurden auch verschiedene Anordnungen, und zwar
bezüglich Abgabe von Probestücken an den kaiserlichen und an den
Landesprobirer, bezüglich des Remediums u. s. w. erlassen. *)
Der Münzamtmann zu Prag Hanns Härder scheint eine beson-
dere Vertrauensperson des Kaisers gewesen zu sein, denn mit der
Resolution ddo. Wien, 24. März 1576 übertrug Maximilian IL an
denselben das Amt eines Landprobirers „weil er solches neben dem
Münzwerkh woll verrichten wirdet mögen", und besserte ihm seine
Besoldung um 100 Thaler. 2) Von allgemeinen, sämmtliche vier
Münzhäuser des Landes betreifende Verfügungen wäre noch die
kaiserliche Resolution ddo. Prag, 1. Juni 1570 nachzutragen, der
zu Folge den Schmiedmeistern, Münzgesellen, Münz- und Zehend-
amtsdienern, jedem ein Ehrenkleid zu verabreichen war. 3)
Eine nicht unerhebliche Auslage verursachte die im Jahre 1573
\ eranlasste mit vielen Münzabbildungen ausgestattete Publicatiou
der Valvationstabellen. Dieselben waren in Wien durch den Buch-
drucker Caspar Stpi iilum s«>r rrichfii;- Stcinhofer'l anirofortiirt
1) Voigt 1. c, III. Bd., Seite 192. Die Bestellung eines Landprobirers
wurde im Landtag vom 14. Juni 1574 beschlossen. Obwohl im Verzoi. ' /
<ler auszugebenden Münzen Va und V4 Thaler nicht autgezählt sind, ho >
sich aus der das Remedium betreffend<'n Stelle der Verordnung, dass audi
diese Sorten zur Ausprägung bestimmt waren.
2) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 315, Fol. 254.
») Daselbst Gdkb. Nr. 313, Fol. 349. Nach einer alten T '
in mehreren deutschen Münzhäusern bestand, wurde beim Rt
sobald die Münzen mit dem Bilde des neuen Landesherrn auagegobüii wurden,
den Münzbediensteten diese Gabe verabfolgt.
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212
Johann Newald: Das österreichische Münzweser
worden, welcher für diese Arbeit den Betrag von 655 Gulden
beziehen hatte. Unterm 19. März 1574 erging an den Hofzahlmeistt
der Auftrag, dem genannten Buchdrucker ,, von wegen der gedrukht<
Behaimbisch Münz-Maudat, auch schneidung der dazu gehörige
Formb'^ auf seine Kestforderung von 490 Gulden (175 Guld(
waren ihm bereits bezahlt; 200 Gulden alsbald und das übrige^
mit ehestem auszubezalen. <) Ferner wurde mit Erlass ddo, Wien
22. October 1575 der Vicedom Wolf Fürth beauftragt, er habe
an die „R^^s^^i' (Zeichner) und Formschneider der Münzen'* geh
gentlich Drucklegung dieses Münzmandates, und zwar ..für ganzi
Va und 1/4 Thaler auch kleine Münzen, der grossen 280 Stücke, d(
kleinen 24 Stücke, von jedem Stück beide Seiten, dem Reiss<
73 V2 Thaler und denen Formschneidern, deren vier sein, zusammei
147 Thaler, vnd für das erforderlich Birnbaumholz 61/., Thaler zi
bezalen''.2)
Da der Betrieb im Prager Mtinzhause in den ersten Regierungs-
jahren Maximilians II. besonders lebhaft war, kommen auch Münzen,
namentlich Guldenthaler mit den Zeichen ^ und ^ häufiger von
sie reichen bis einschliessig 1573. An ihre Stelle tritt nunmehr di
dem Wappen des Münzmeisters Hanns Härder entnommei
Greifenkopf. 3) Beizufügen kommt jedoch, dass Härder schon v(
dem Jahre 1574 dieses Mtinzzeichen angewendet hat; wir find(
dasselbe auf Guldenthalern von den Jahren 1569 und 1573, di
allerdings den Seltenheiten beizuzählen sind.
VI.
Die Münzstätten zu Kuttenberg, Joachimsthal
und Budweis. M^
Nachdem die alle vier Münzhäuser des Landes gemeinschaft-
lich betreffenden Entscheidungen und Administrations-Angelegen-
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 125, Fol. 100. Vergl. auch Dr. A. Maye Jl
Wiens Buchdruckergeschichte I. Bd., Seite 101 und 110, Nr. 624. Ein Exerapla
dieser Valvationstabellen bewahrt die k. k. Hofbibliothek in Wien.
3) Daselbst Gdkb. Nr. 127, Fol. 418.
3; Vergl. Miltner, Böhmische Privatmünzeu, Taf. XV, Fig. 110 und 117.
I
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. 21o
lieiten beim Prager MUuzliause erörtert wurden, kaun sich nunmehr
ilie Besprechung der übrigen Münzstätten auf das dieselben einzeln
l)eriihrende Detail beschränken.
Beim Regierungsantritte Maximilians IL war zu Kuttenberg
Mathes Lidl von Misslaw Münzamtmann. i) Derselbe starb
schon vor dem 31. October 1565, denn mit der Eingabe von diesem
Tage stellte Erzherzog Ferdinand den Antrag, es sei dem Sohn des
verstorbenen Münzamtmannes zu Kuttenberg Mathes Lidl jähr-
lich der Betrag von 100 Thaler bis zur Abstattung der ihm zuge-
sicherten 1000 Thaler zu reichen. Mit der Resolution ddo. Augsburg,
13. Februar 1566 genehmigte Maximilian IL diesen Antrag. 2) Die
Wiederbesetzung des erledigten Dienstpostens anbelangend, betonte
der Erzherzog in der Eingabe vom 7. Februar 1566, dass, indem
ILanns Huebmer der böhmischen Sprache nicht kundig sei. er au
Stelle des Lidl den Georg Sutny von Olivet als Münzamtmann
in Kuttenberg beantrage. Maximilian IL genehmigte diesen Vor-
schlag mit der Resolution ddo. Augsburg, 22. Februar 1566. s) Aus
den Acten lässt sich nunmehr entnehmen, dass in Kuttenberg zwei
Münzamtleute gleichzeitig bestellt waren. Wir treffen dort im Jahre
1566 auch den Ludwig Karl von Räsn6 als Münzamtmann,
welcher erster und sohin der neuernannte Sutny zweiter Münz-
amtraann war.
Schon unter Ferdinand I. verursachten die Kuttenberger Berg-
werks- und Münzhauszustände der Regierung endlose Schwierig-
keiten, die zahllose commissionelle Erhebungen zur Folge hatten.
Auch im Jahre 1567 amtirte dort eine ,,Reformations-Oommission'^,
(leren Bericht der Kaiser ddo. Wien, 28. März 1568 erledigte.*)
Auf Grundlage der gestellten Anträge wurde genehmigt, dass an
Stelle des alten Thoman Sperling der Münzamtmann Ludwig Karl
1) Münzwesen unter Ferdinand I., Seite 73.
) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 311, Fol. 205. Die Angabe bei Miltner 1. c.
-'■ire 272, dass Mathes Lidl im Jahre 1570 starb, kommt soliin i- ■'■• = •' -v
Mi^Hen.
3) Daselbst Gdkb. Nr. 311, Fol. 211.
*j Daselbst Gdkb. Nr. 312, Fol. 189 und T.Mjv. rs. Di,, kaiserliche Reso-
lution umfasst im Gedenkbuche mehr als 12 enggesehriebeue Folioseiten. Siehe
luch Gdkb. Nr. 313, Fol. 381.
'^?WJ
214
Johann Newald: Das österreichische Jlüuzwesen
1
Räsne zum Berghofmeister und an Stelle des letzteren der Berg-
richter Samuel W od olinsky von Vodolin zum Mlinzamtmann
befördert werde. Dem Sperling wurde eine wöchentliche Provision
von 1 Ya Gulden und dem neuen Hofmeister ein Besoldung von jähr-
lich 200 Thaler angewiesen. Georg Sutny rückte zum ersten Mlinz-
amtmann vor; über Antrag der böhmischen Kammer vom 13. Fe-
bruar 1568 resolvirte Maximilian IL, dass demselben „in Ansehung
seiner vnns erzaigten getreuen Diennst, vnd von Gnaden wegen, als
Provision 50 Schock Groschen behemisch auf einmal, vnd dann
200 Seh. G. b. aus völligkheiten (d. h. aus Strafgeldern) zu reichen
sein werden''. «)
Im Jahre 1569 wurden im Münzhause zu Kutteuberg, der
„welsche Hof^ genannt, umfangreiche Baulichkeiten durchgeführt.
Ueber Antrag der böhmischen Kammer vom 20. September 1560
genehmigte Maximilian II. ddo. Pressburg, 25. Octoberl569 die aus
diesem Anlasse aufgelaufenen Auslagen per 400 Schock Groschen
böhmisch. ^) Bei dieser Baudurchfühning hatte der Münzmeister
Samuel Wodolinsky wesentliche Dienste geleistet. Der Kaiser
genehmigte demselben ddo. Wien, 27. November 1569 200 Schock
Groschen böhmisch als Gnadengabe „aus khünft'tigen Peenfällen
vnd Völligkhaitten, die Er zum Khiittenperg oder sonnst anzeigen
wirdet-'.iJ)
Bald nach dem Regierungsantritte Maximilians II. hatten die
Kuttenberger Münzgesellen und Münzknappen in altherkömmlicher
Weise die Bitte um die Bestätigung ihrer Privilegien vorgebracht,
an welche sich bald darauf das Ansuchen um eine Lohnerhöhung
anschloss. Die Lohnfrage war schon zur Zeit der Regierung Ferdi-
nands I. wiederholt in den Vordergrund getreten und hatte der
Kaiser in der Münzprobierordnung ddo. Augsburg, 20. August 1559
darüber bestimmte Anordnungen erlassen.*) Es scheint, dass in
Kuttenberg diese Angelegenheit noch nicht völlig durchgeführt
war, denn die Münzarbeiter drängten und droheten schliesslich mit
dem gänzlichen Wegziehen. Um für eine, sämmtliche Münzstätten
1) und 2) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 312, Fol. 213vers. „nd 313, Fol. 71
und 153.
3) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 313, Fol. 167vers.
*) Münzwesen unter Ferdinand I., Seite '
<i .'.■
unter den Kaisern Maximilian IL, Rudolph II. und Mathias. ZlO
in Böhmen umfassende Klarstellung der Frage Zeit zai gewinnen,
genehmigte Maximilian II. ddo. Speyer, 25. Juni 1570 ,,den Mün-
zern vnd Prägern in Kuttenperg eine Ergetzlichkeit von 100 Gul-
den Rh." mit der Weisung, dass sie die endgiltige Erledigung ihrer
Ansuchen abzuwarten haben, i) Ein zweites Zugeständniss, welches
der Kaiser ddo. Speyer, 30. November 1570 den deutschen Berg-
leuten und Münzarbeitern zu Kuttenberg gewährte, war, dass er
denselben zu den 15 Schock Groschen böhmisch, welche sie jähr-
lich „zu erhall tung ihrer Kirchen, Pfarrhoffs vnd Predicanten, vnd
zu flirderung dess Gottesdienstes" bezogen, auf Widerruf noch wei-
tere 15 Schock Groschen böhmisch jährlich aus dem Münzgefäll
daselbst anwies. 2)
Viele Schwierigkeiten und endlose Streitigkeiten mit den
betreffenden Herrschaftsbesitzern verursachte die Deckung des flir
den Kuttenberger Bergbau, den Hütten- und Münzbetrieb erforder-
lichen Bau- und Brennholzes. Die böhmische Kammer suchte auch
diese Frage thunlichst zu ordnen. Maximilian II. erledigte ddo.
Speyer, 14. Juni 1570 eine die Trauteuauer Holzflössung betreffende
Rehxtion derselben, s)
Im Jahre 1572 befand sich abermals eine Untersuchungscom-
mission in Kuttenberg, deren Relation der Kaiser ddo. Wien,
24. Jänner 1573 erledigte. Gegen den Antrag der Commission ord-
nete Maximilian IL die Trennung des Münzbetriebes vom Berg- und
Schmelzwesen an. Der Münze sei das Silber um den üblichen Ver-
kaufspreis anzurechnen; auch habe sie die Besoldungen und Löhne,
sowie alle mit dem Betriebe verbundenen Auslagen zu tragen, auf
dass man erfahre, wie hoch sich der ausgebrachte Münznutzen
belaufe. Der Münzamtmann Georg Sutny hatte um die Dienstent-
hebung gebeten. Die Resolution weiset dieses Ansuchen zurück,
gewährt Sutny jedoch eine Gnadengabe von 25 Schock böhmisch.
Eine gleiche Gnadengabe wurde auch dem zw^t-«. Mii.r/.nntiii.iim
Samuel Wodolinsky genehmiget. *)
>j K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 313, Fol. 370.
-) und 3; Daselbst Gdkb. Nr. 313, Fol. 434v«^rs. und .360v.r..
4, T>')-<'iUv:f /:.1H. Vr. 814. Fol. l^O m. f.
216
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Nach dem am 25. Juli 1564 erfolgten Ableben des Kaisers!
Ferdinand I. verfloss mehr als ein Jahr, bis in Kuttenberg zur Aus-
münzung mit dem Bilde und Titel Maximilians II. übergegangen
wurde. Als Stempelschneider war dort Georg vonRasne, ein Bruder
des Mtinzamtmannes Ludwig Karl von Räsn6, thätig. lieber die you
ihm zu den Guldenthalern Maximilians II. geschnittenen Stempel
bemerken die Münzamtleute unter gleichzeitiger Vorlage von
10 Probestücken im Berichte vom 15. August 1565, dass sie diesel-
ben im Durchmesser für zu gross halten, indem die Ziffer 60 aus dem
Reichsapfel leicht ausgeschabt und der gemeine Mann durch die
Annahme als 68 Kreuzer-Tlialer übervortheilt werden kann. Mit
Erlass ddo. 30. August 1565 verordnete die böhmische Kammer, es
seien die neuen Thaler genau in der Grösse jener des Kaisers Fer-
dinand I. auszuprägen. Im Sinne der kaiserlichen Resolution ddo.
2. October 1565 (Seite 204) verfügte Erzherzog Ferdiuand ddo.
23. November 1565, dass Räsne auch die iur Joachimsthal und
Prag erforderlichen ,,Guldiner-Eisen'' zu schneiden habe, dem später
die Weisung zur Anfertigung der Stempel für 1/3 Guldenthaler-
und 10 Kreuzer folgte. 1)
Mit Bezug auf die einzelnen Kuttenberger Münzamtleute kommt ^
zu bemerken, dass Ludwig Karl von Räsne einen Adlerkopf in
einem kleinen Schilde als Münzzeichen führte. Da er schon im März
1568 zum Berghofmeister befördert wurde, kann dieses Zeichen
nur auf Guldenthalern und ihren Untertheilungen vorkommen, die
jedoch ziemlieh selten angetroffen werden. Da der Adlerkopf des
Räsne dem Greifenkopf des Prager Münzmeisters Härder sehr
ähnlich ist, kann, im Falle das Zeichen etwas verwischt ist, die
Zuweisung auf Schwierigkeiten stossen. Die Jahrzahl wird dann die
Entscheidung erleichtern. Bei gut erhaltenen Stücken lässt sich der
Greifenkopf durch die Ohren gut vom Adler unterscheiden.
Mit der kaiserlichen Resolution ddo. 28. März 1568 wurde, an
Stelle des zum Berghofmeister ernannten Ludwig Karl Räsne,
Georg Sutny zum ersten Münzamtmann befördert. Das Zeichen
desselben ist ein linker Adler- oder Greifenflügel. Dieses
1) K. k. H. K. A., Fase. 15612.
i
unter den Kaisern Maximilian II.. Rudolph II. uini Mathias.
Zeichen findet sich auf den ziemlich häufig vorkommenden, nach
der Münzordnung vom Jahre 1 524 ausgeprägten Thalern und deren
T^ntertheilungen. Obwohl die im Jahre 1574 erflossene Weisung
dahin ging, dass das Müuzzeichen oben im Anfange des Titels in
einem Zirkel anzubringen ist (Seite 209), wurde von derselben den-
noch mehrfach abgewichen. Wir finden den Adlerflügel in einem
Oval, bald ober, bald unter dem Brustbilde angebracht; dieses
letztere jedoch jedesmal auf dem durch den inneren Schriftkreis
abgegrenzten Mtinzfelde, während auf anderen böhmischen Münzen
Maximilians IL die Umschrift der Vorderseite l)ald mehr, bald
weniger durch den mit der Krone bedeckten Kopf unterbr""!«*^"
wird.
Neben diesen mit dem Zeichen des Münzmeisters Sutny aus-
gestatteten Münzen kommen ebenso häufig ganz ähnliche Thaler,
1/2 und i/\ Thaler vor, auf denen der Adlerflügel fehlt, dagegen
unter dem Brustbilde in einem Schilde der böhmische Löwe und
ober demselben eine fünfblätterige Rose ersichtlich ist. Diese kann
jedoch nicht als ein Münzmeisterzeichen aufgefasst werden, sie
müsste in diesem Falle, vom Jahre 1574 beginnend, vorsehrifts-
gemäss in einem Zirkel vorkommen. Da neben Sutny zu Kuttenberg
noch Samuel Wodolinsky von A^odolin als zweiter Münzamtmann
bestellt war, so kann geschlossen werden, dass Sutny die mit seinem
Zeichen versehenen Münzen, alle übrigen im Fm^" "'""'• R. •>nvt;iii-
dung jedoch Wodolinsky zu vertreten hatte.
Schliesslich kommt zu bemerken, dass in Kuttenberg noch im
Jahre 1577 in beiden Formen mit dem Brustbilde und Titel Maximi-
lians IL gemünzt worden ist.
Möir/stHtto /n .Toacliinisthal.
Der seit dem Jahre ir)44 /u Jouihunstlial hcstcllti' .Muii/.iimmsut
Ruprecht Puelacher starb am 11. Juni 1563. Ferdinand L ord-
nete nunmehr eine ,.Reformations-Commi8siou" dahin ab, welche
die dort beim Bergbau und Münzwesen zu Tage getretenen Schwie-
rigkeiten untersuchen und bezüglich Behebung derselben ihre Vor-
schläge o;Mln;,.,-.M, s..llt.' Der Zusammentritt und die Krhebnngen
218
Johann Newald : Das österreichische Münz-wesen
dieser Commission verzögerten sich durch den mittlerweile einge-
tretenen Tod Ferdinands I. derart, dass der dortige Oberverwalter
Valtin Eolnigkh noch im Jahre 1564 verschiedene Aenderungs-
anträge vorlegte. Die Commission selbst brachte ihre umfassenden
Reformvorschläge erst am 1. April 1568 ein, welche Maximilian IL
mit der Resolution ddo. 1. August 1569 erledigte, i)
Bis zur Bestellung des bisherigen Wardeins deorg Geitz-
kofler als Mlinzmeister führte der Bruder des verstorbenen Ruprecht
Puelacher, Wolfgang Puelacher, die Mtinzamtgeschäfte fort; es
geschah dieses, um die Abwicklung einiger Geldfragen zwischen
der Regierung und den Brüdern Puelacher zu fördern.
In Angelegenheit des Münzwesens verordnete die Resolution
vom 1. August 1569, wie folgt: „Entgegen mag das Verwalterambt
alda eingestellt werden. Mit dem Einnember vnnd Münzmeisterambt
im Joachimbsthall mag vngeacht voriger Ringerung woll noch ain
merere Ersparung vnd auch ain solche Veränderung darinnen für-
genummen werden. Nemblich dass zu dem Einemberambt das
Zehendtambt geschlagen, die Einemmber vnnd Zehendtsambts-Besol-
dung des Jars in allem auf 600 Taller geringert, vnnd ain sonderer
Münzmaister gestellt, aber demselben ain Jahr nicht mehr als
200 Taller Besoldung geraicht werden, mit welcher Er sich vnnsers
Bedennkhens woll soll erhalten mögen. Nachdem aber bisher Georg;
Geitzkhofler das Einnember vnnd Münzmaisterambt gehalten, vnnd
diser Ambter, wie vnns fürkhumbt, nicht änderst als getreu vnd
aufrecht vorgestanden; so mtiget Ir mit Ime handeln ob Er sich
gegen obsteender Besoldung, vmb beede, das ist das Einnember
vnnd Zehendtambt annimb. Da Ir aber hiewid Bedenkhen hattet, so
mocht Ir vnns die zuvor berichten, vnnd vnns, da der Gaizkhofler
jetzt bemelte zway Ambter annemb, mit Eurm ratlichen Guet-
bedunkhen ain andern tauglichen Münzmaister, der sich mit
200 Taller Besoldung benügen lies, fürderlich anzaigen-^«)
Eine andere Verfügung der kaiserlichen Resolution vom
1. August 1569 betrifft den Münzgegenschreiberdienst. Im Jahre
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 313, Fol. 97.
3) Daselbst Gdkb. Nr. 312, Fol. 118.
unter den Kaisern Maximilian IL, Rudolph II. und Matbia«.
1563 war der Gehalt des Münzgegenschreibers Georg Hoeb-
reiter vod 200 auf 100 Thaler jährlieh herabgesetzt worden;
Hochreiter hatte jedoch den früheren Gehalt fortbezogen. Seiner
Armuth wegen genehmigte der Kaiser diesen Bezug nachträglich,
hob jedoch den ganzen Dienstposten auf und verordnete, dass
die Geschäfte desselben der Wardein zu besorgen haben wird,
dem dafür jährlich eine ..Zuepu^is von PjO TuWvy /u \ .r.ihr.ilclwn
ist".il
Ueber den von der böhmischen Kammer in Angelegenheit des
Münzmeisters Geizkofler eingebrachten Bericht resolvirte Maximi-
lian II. ddo. Prag, 14. Februar 1570 dass demselben das Einnehmer-
und Münzmeisteramt in Joachimsthal wie bisher überlassen bleiben
könne, dass jedoch bei der nächsten Veränderung die Trennung
beider Dienste durchzuführen sein wird. «) Schon ddo. Prag, 9. Fe-
bruar 1570 hatte der Kaiser verordnet, dass in Ansehung der
,.getreuen, ehrlichen, aufrichtigen vnnd nuzlichen Diennst", welche
Georg Geitzkofler, Einnehmer und Münzmeister in Joachimsthal
geleistet, derselbe jährlich 50 Thaler zu beziehen hat, welche ihm
imd seinen Erben so lange zu bezahlen sind, bis ihnen diese Ver-
schreibung mit 1000 Thaler abgelöst wird. 3)
In Joachimsthal verzögerte sich die Thalerprägung mit dem
Bilde und Titel Maximilians IL bis in das Jahr 1567. Es waren von
dort für die Ausprägung der,,Reichsguldener" von fünf verschiedenen
neuen „Münz-Eyssen-^ Proben vorgelegt worden. In der Resolution
ddo. Wien, 8. October 1567 wird gesagt: „Und wiewoll derselben
khainer sonnders woll troffen worden, jedoch so wollet nach dem
Nr. 3 münzen lassen".*; In einer Erledigung vom 7. März 1573
tj K. k. H. K. A., Gtlkb. Nr. 312, Fol. IT' l'ie Resolution ▼om
1. August 15G9 umtasst im (Tcdeukbuch 48 Foli»)8eiti'u. I>le Conmii
hatte (Fol. 120) beantragt, das8 «lein MUnzmeister 40 WaUlschragon wvi
und 40 Schrägen hartes Brennholz zu paHSu-en wären. Nach dem donnaliüreu
Mass würde die Pussirung HO Klafter weiches und 8n Klafter hartes Hrf^n^-
holz betragen haben. Die Resolution verlangte neuerlichou Horicht. ob .1
Passirung nicht ganz eingestellt oder doch verringert werden könnte.
2) und 8; DaselbstGdkb. Nr.;ii;5, r ' "' ' '"
*) Daselbst Fase. löGUJ.
220
Johann Newald : Da? österreichische Münzweseu
wird Niclas Militz als Miiüzeisenschneider in Joachimstbal ge
iiannt. ^)
Die Mtiuzbeamteu anbelangend kommt noeb nacbzut ragen, das>
über Vorscblag der böbmiscben Kammer mit Erlass ddo. Wien,
4. December 1572 die üebertragimg des von Georg Ho ob reite r
bisher versehenen Einnehmer- und Münzgegenschreiberdienstes zu
Joachimsthal an dessen Eidam Balthasar Dürleber gegen dem
genehmigt wurde, dass Hochreiter das von ihm früher versehene
Berggegenbuch wieder übernehme. 2)
Der Münzmeister Georg Geitzkofler stammte aus Tirol. s)
Das Münzzeichen hatte er aus seinem Wappen entnommen; es war
ein Gemskopf.*) Die unter seiner Amtsfühnmg aus dem
Joachimsthaler Münzhause ausgegangeneu Münzen sind dadurch
leicht zu erkennen.
Münzstätte zu Budweis.
Obwohl Kaiser Maximilian H. schon mit der Resolution vom
12. September 1568 zur Errichtung einer Münzstätte in Budweis
seine Zustimmung ertheilt hatte, dürfte der Betrieb erst im Jahre
1569 eröffnet worden sein. Es wird nämlich erzählt, dass nach einer
im Thunnknopfe zu Budweis aufgefundenen von dem Budweiser
Stadtrathe im Jahre 1577 dahin eingelegten Denkschrift, Kaiser
Maximilian IL den 4. August 1569 eine neue königliche Münzstätte
zu Budweis errichtet, den Tobias Gebhart zum ersten MUnzmeister
und den Johann Malthus zum Wardein und Gegenhändler eingesetzt
habe. 5) Die kaiserliche Resolution, mit welcher die Uebertragung
des Prager Münzbetriebes nach Budweis genehmigt wurde, ist, wie
oben Seite 34 quellensicher nachgewiesen erscheint, vom 12. Sep-
tember 1568; es kann jedoch sein, dass die Münzprägung erst am
4. August 1569 eröifnet wurde. Tobias Gebhart war hier während
der ganzen Regierungsdauer Maximilians II. als Münzmeister thätig.
Sein Zeichen ist ein Löwenkopf oder richtiger ein Löwen-
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 314, Fol. 117.
^) Daselbst Gdkb. Nr. 119, Fol. 676vers.
3) Münzweseu unter Ferdinaud I., Seite 72.
4) Vergl. Miltner 1. c, Taf. X und XL
5) Daselbst 1. c. Seite 61.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. 221
rächen, wie er auch im Wappen desselben vorkommt.») Tobias
Gebhart prägte in Budweis Guhleuthaler und deren Untertheilungen,
und später, dem Beschlüsse der böhmischen Stände, bestätigt mit
der Resolution vom 7. März 1573, gemäss, auch Thaler nach der
Miinzordnung vom 15. Februar 1524 und die Untertheilungen
desselben. Es kommen Budweiser Thaler mit dem Brustbilde und
Titel Maximilians II. vom Jahre 1577 vor. Die Sammlung des
Herrn Max Donebauer in Prag bewahrt eine Guldenthaler-
klippe vom Jahre 1572, unzweifelhaft eine Seltenheit ersten
Ranges, s)
Auf vielen böhmischen ^lünzen Maximilians II. fehlt ilas
M ü n z z e i c h e n gänzlich. Es ist dieses um so auffälliger, als ja der
Regierung selbst daran lag, durch dieses Zeichen den fllr das MUnz-
stück verantwortlichen Münzbeamten nachweisen zu können. In den
Acten findet sich über diesen Umstand keine Aufklärung. Die
grösseren Münzen lassen sich übrigens nach einer genaueren Prü-
fung mit ziemlicher Sicherheit der betreffenden Münzstätte zuweisen.
Mit dem Erlasse der böhmischen Kammer ddo. Prag, 6. Octo-
ber 1569 wurde der Budweiser Münzamtsverweser Tobias Gebhart
angewiesen, dieselben Einlösungspreise für Gold und Silber zu
bezahlen wie in der Prager Münze, und zwar die Mark fein Silber
Prager Gewicht mit 9 Schock und das Loth Gold mit 6Va Schock
Weissgroschen. ») Ueber Antrag der böhmischen Kammer vom
23. August 1571 wurde mit der Resolution ddo. Wien, 2. October
1571 die Durchführung einer auf 60 Schock Weissgroschen veran-
schlagten Reparatur im Münzhause zu Budweis genehmigt. *) Im
Znsammenhange mit einer Zahl, das Berg- und Münzwesen daselbst
betreffenden Anordnungen, resolvirte der Kaiser ddo. 13. März 1573,
dass dem Münzmeister Gebhart zu der bisherigen Besoldung von
200 Thalern noch eine „Neben-Pension und auf Underhaltiing eines
1) Vergl. Miltner, Taf. X, Fig. 72 und Tut'. LXXIX V\g. OTä.
2) Herr Donebauer hatte die besondere Güte, mir aus seinor Samiuliiii^
Ol grössere böhmische Münzen MaximiHans II. zur Einsichtnahme zuzusenden,
Nvodin-eh mir meine Studien weseutlicli erleichtert wurden.
S) K. k. H. K. A., Fase. 1G359.
♦) Daselbst (Mkb. Xr. 1 l'v I'-' -''>"v.,.s
>12?P^_
222
Johann Ne'wald : Das österreichische Münzwesen
Tiegelwarters jährlicli 50 Thaler" auszubezahlen sind. Wardein war
in Budweis Hanns Mathes, oder^ wie er auch genannt wird,
Hanns Malthus. i)
YIL
Die Münzstätte zu Breslau.
Unter den in den Erbländern vorgekommenen landesfUrstlichen
Münzhäusernj bestanden in Bezug auf den Mlinzbetrieb für jenes
zu Breslau die grössten Schwierigkeiten. In Schlesien kamen
keine Bergwerke auf Edelmetalle vor, aus denen in den landes-
fUrstlichen Münzhäusern der Betrieb genügend zu versorgen war,
man war dort vorherrschend auf die Einlösung von Pagament ange-
wiesen, wobei jedoch die Münzhäuser der verschiedenen münz-
berechtigten schlesischen Fürsten eine empfindliche Concurrenz
machten. Dazu kam die Nachbarschaft von Polen, welches Land
seit den ältesten Zeiten als die Geburtsstätte leichter Münzen be-
kannt war, zu deren Erzeugung die Silberausfuhr aus Schlesien,
trotz aller Gegenvorkehrungen schwunghaft betrieben wurde.
Während der Regierung Maximilians H. wurde im Breslauer
Münzhause der Betrieb oft für längere Zeit gänzlich unterbrochen.
Mit der Resolution ddo. Wien, 13. September 1565 genehmigte
der Kaiser einen vom Erzherzog Ferdinand gestellten Antrag, dass,
nachdem das Münzwesen in Breslau wegen Silberniangel feiern
muss, dem Münzmeister und Wardein, jedem ein Wartgeld von 50
Thaler jährlich verabreicht, dagegen ihre Besoldung eingestellt
werde. 2) Es wurde wiederholt hervorgehoben, welchen Wider-
stand die Münzarbeiter jeder Verbesserung in der Münzerzeugung
entgegensetzten. Die Einrichtung einer Walzenmaschine zur Ge-
winnung gleichförmig dicker Münzplatten rief in Breslau unter
den Münzarbeitern einen förmlichen Aufruhr hervor. Der dortige
Münzschmiedmeister Martin Kempf hatte noch über Kaiser Ferdi-
nands I. Befehl eine „Streck pank" aufgerichtet, worüber er
„von den Münzgesellen, als die dergleichen Streckpank nit leiden
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 314, Fol. 127.
2) Daselbst Gdkb. Nr. 311, Fol. 153.
unter den Kai.^ern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
wellen, nit allein an seinen Ehren geschmäht, souderu sein auch
alle Gesellen aufgestanden, also das kheiner mehr bey Ime arbeitten
wellen." Er musste schliesslich seines Dienstes enthoben und pro-
visionirt werden. Eine Resolution Maximilians IL ddo. Sneyer,
15. November 1570, bezieht sich auf diese leidige Angelegen-
heit. ^)
Die im Bereiche des schlesischen Kammerweseu.^ ..ova-
tretenden mannigfaltigen Anstände und Schwierigkeiten veranlassten
Maximilian IL zur Entsendung einer Untersuchungscommission nach
Breslau. Mitglieder derselben waren die Hofkammerräthe Sey-
fried Freiherr von Prominz, Jacob Gienger und Caspar
Geizkhofler. Die Instruction ddo. Wien, 30. October 1571 um-
fasst in eingehender Weise alle Verwaltungs- und Geschäftszweige,
wobei es nur auffällt, dass das Münzwesen gar nicht berührt wird,
woraus geschlossen werden kann, dass damals der Münzbetrieb
sistirt war. a)
Im Jahre 1572 gewann der Betrieb im Breslauer Münzhause
wieder an Lebhaftigkeit. Der Münzmeister Wolf Frey berger
fand sich dadurch veranlasst, um eine Erhöhung seines Soldes und
Ueberlassung einer Wohnung in der Burg oder Gewährung eines
Entschädigungsbetrages von 40 Thaler einzuschreiten. Mit der
Resolution ddo. Wien, 1. Juli 1573 erhöhte der Kaiser die Besol-
dung von 100 auf 150 Gulden Rh. mit der Vertröstung, dass, „wann
khünfftig das Münzwerk continue befUrdert würde" eine weitere
Besserung folgen werde. »)
Dieser Erledigung folgte schon ddo. Wien, 20. September ...
ein neuer Erlass an die schlesische Kammer, in welchem der Kaiser
sein Missfallen über die von dem Münzmeister Freyberger vorge-
brachten Ausflüchte bezüglich seiner Hechnungsrückstände aus-
spricht, und zugleich die Verhaftung desselben anordnet, falls er
nicht in einem ihm zu stellenden Termin die Rechnungen ein-
bringt. *)
1) K. k. IT. K. A., (Hlkb. Nr. Al.i, i-m. i
2) Daselbst Gdkb. Nr. 313, Fol. 292ver8.
3) Daselbst Gdbk. Nr. 314, Fol. 207.
*) Daselbsf r;.1kl. Kr ni I Fol 2r,2ver..
224
Johann N'evrald: D.ih^ ö.-xtrrticiii.'^che Miuizwtben
Im Jahre 1575 scheint abermals eine Unterbrechung im Müi
betriebe eingetreten zu sein, denn unterm 3. Mai 1575 wird
schlesische Kammer beauftragt, den Münzgesellen in Breslau,
lange die Münze feiert, auch fernerhin den Betrag von 1 Guide
monatlich als Wartegeld zu reichen, i)
Es ist wohl selbstverständlich, dass unter den geschilderten
Zuständen, aus dem Breslauer Münzhause während der Regierung
Maximilians 11. nur wenige Münzsorten mit dem Brustbilde des
Kaisers ausgegangen sind und diese somit heute schon dei
Seltenheiten zugezählt werden können. In der sehr verdienstvollej
Publication „Schlesische Münzen und Medaillen", von Hugo Frei
herrn von Saurma-Jeltsch 1883, werden die hieher gehörige
Sorten auf Seite 24 aufgezählt und mehrere derselben auf d(
Tafel 46 abgebiklet.
VIII.
Die Münzstätte zu Kremnitz.
Das ungarische Münzwesen war unter dem Könige Ludwig
in grosse Unordnung gerathen, so dass, als Ungarn nach d
Schlacht bei Mohacz an Ferdinand I. gekommen war, gros
Schwierigkeiten zu überwinden waren, um dasselbe nur in etw;
zu consolidiren, und mit jenem der österreichischen Erblände
wenigstens der Hauptsache nach, in Einklang zu bringen, a)
Durch den Umstand, dass im Münzhause zu Kremnitz vorhe
sehend Edelmetalle, welche Producte des ausgedehnten nordunga
sehen Bergbaues waren, zur Verwendung kamen, anderseits abe
auch durch den Umfang des Münzbetriebes, gebührt nuter den im
■
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 315, Fol. 57>er8. Mit der Resolution ddo.
Prag, 26. Jimi 1575 schenkte Maxunilian IL dem Friedrich von Falkhen-
han das Münzhaus in der Stadt Gl az, und befiehlt dem Kanzler Hermann
Ygl daselbe abzutreten. Gdkb. Nr. 315, Fol. 91 und 107.
3) In meiner münzgeschichtlichen Publication: „Das österreichisch
Münzwesen unter Ferdinand I." wird das ungarische Münzwesen in den Capitelu
V, XV und bezüglich der einzelnen Münzstätten auf Seite 121 u. f. eingehend
besprochen.
I
unter den Kaisern Maximilian II„ Rudolph Tl. und Mathiw. 225
Laufe des XVI. Jahrhunderts den östereichischen LandesfUrsteu
unterstandenen Münzstätten jener zu Kremnitz ein hervorragender
Platz. Sie wurde nur durch das Mtinzhaus zu Hall im lunthale
überragt.
Schon Ferdinand I. hatte die Leitung des nordungarischeu
Bergbaues sowie des dortigen Mtinzwesens an die niederöster-
reichische Kammer zu Wien übertragen. Beim Regierungs-
antritt Maximilians II. stand dem Münzhaiise zu Kremnitz der Unter-
kammergraf und Münzmeister Wolf gang Roll vor, er war zu-
gleich niederösterreichischer Kammerrath. Wardein war Valentin
Leyner. ^)
Aus den Erbtheilungsverhandlungen nach dem Tode des
Kaisers Ferdinand I. lernen wir den Umfang des Kremnitzer MUnz-
betriebes in den beiden Jahren 1564 und 1565 kennen. Es wurden
vermünzt :
An Gold, 1564, 1326 Mark 28 Pfennig und daraus ausgebracht
105.844 Gulden 50 Pfennig,
an Gold, 1565, 1296 Mark 25 Pfennig und daraus ausgebracht
101.497 Gulden 50 Pfennig,
an Silber, 1564, 24.838 Mark 15 löthig und daraus ausgebracht
192.402 Gulden 6 Pfennig,
an Silber, 1565, 24.283 Mark 15 löthig und daraus ausgeb'-M-i't
187.907 Gulden 26 Pfennig,
der Gulden zu 100 ungarische Pfennige gerechnet. 2) Beim Ke-
gieningsantritt Maximilians II. waren im Mtinzhause zu Kremnitz
bedienstet und bezogen dieselben als Jahresbesoldung, und zwar
Unterkammergraf Roll für seine Person, seine Hausfrau und Kinder,
für einen Schreiber, zwei Reitknechte endlich zur Erhaltung dreier
1) Unterm 16. Februar if)»).'» hatte tlcr ijiiHnKaiiuucrjjrai »Voug^ang^ lit»!!
die Anzeige erstattet „dass Valentin Leyner in Kremnitz zum St«t!richter er-
wählt wurde. Die Hofkammer besorgte der Wardeiu werde beide Aemter nicht
versehen können und beauftragte mit Erlass ddo. Wien, 22. Februar 1500 die
niederösterreichische Kammer, Vorsorge zu treffen, dass Leyner des Stadt-
richteramtes bald enthoben werde, auch mögen die königlichen Diener in Krem-
nitz, Stadtämter fernerhin nicht übernehmen. K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. :i*Xi
Fol. 94.
~j Daselbst Fase. 15378.
15
226
Johann Newald: Das österreichische Müazweseu
Pferde, zusammen 775 Gulden, der Gegenschreiber Adam Pro-
schofsky 264 Gulden, der Wardein und Probirer Leyner 209 Gulden,
der Obereisenscbneider Lucas Richter 208 Gulden, die beiden
Eisensenker, und zwar Hanns Spaltenkhail 156 Gulden und Valentin
Richter 104 Gulden, endlich der Lehrjung Abraham Eiskher
26 Gulden. i)
Ueber ein von den ,,Knappen, Halblöhner vnd Gesellen der
Müntz auff der Crembnitz'* bezüglich „Confirmirung ihrer Frey-
haiten" unterm 7. Juni 1565 eingebrachtes Ansuchen, gaben die
Münzbeamten Roll, Leyner und Proschofsky, ddo. Kremnitz, 6. Juli
1565 ihre Aeusserung ab, aus welcher sich der zwischen den Münz-
häusern zu Wien und Kremnitz bestandene Manipulationsunterschied
beurtheilen lässt. Die Aeusserung führt aus, dass in Wien der Münz-
meister den Schmieden die gegossenen Zaine vorwägt, diese die
schwarzen Platten vorrichten und selbe dem Münzmeister überant
Worten, der durch eigens besoldete Arbeiter die schwarzen Platten
weiss sieden lässt, zu welchem Ende ihm von je 100 Mark Platten
7 Loth als „Fürgewicht" passirt sind. In Kremnitz sei jedoch alter
Brauch, dass den Münzarbeitern die gegossenen Zaine vorgewogen
werden und dieselben allen Abgang, es sei durch Entfremdung, beim
Schmieden, im Glühen und Weissmachen ,,ohn ainigs Fürgewicht"
leiden müssen. In den Jahren 1559, 1560 und 1561 wurden auf
Gröscheln 4303 Mark vermünzt, wofür den Münzarbeitern als Be-
soldung 179 Mark oder in Geld 780 Gulden gebührt hätten. Davon
müssen aber abgezogen werden 78 Mark so denselben beim Glühen,
Weissmachen und Schmieden in Abgang kommen, was in Geld
340 Gulden ausmacht. Es blieben sohin 440 Gulden, worauf den
Münzarbeitern jedoch nur 390 Gulden ausbezahlt wurden, daher sie
noch 50 Gulden anzusprechen haben. Der über diese Angelegenheit
einvernommene Wiener Münzmeister Adam Hartman stimmte in
seiner Aeusserung ddo. 7. September 1565 den AustXihrungen der
Kremnitzer Münzbeamten bei, in welchem Sinne die uiederöster-
r eichische Kammer unterm 1. October 1565 ihren Antrag stellte.
Die Erledigung erfolgte erst mit der Resolution ddo. Troppau,
4. Februar 1567, mit welcher Maximilian II. den Münzern zu Krem-
1) K. k. H. K. A., Fase. 15378.
I
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. 227
nitz den rückständigen Lohn von 50 Gulden zur Auszablun- an-
weist und zugleich genehmigt, dass denselben, jedoch lediglich
auf sein Wohlgefallen ihre alten Freiheiten bezüglich MUnzerlohn
und Schlagschatz zu bestätigen sind, i)
Mit Mandat ddo. Linz, 7. December 1568 verordnete der Kaiser,
dass das „Granerische Einkhumben in den Bergkhstetten so man
das Pis et gelt nennt vund vngevärlich des Jars bei 5000 Gulden
erträgt", zur Erhaltung einer Besatzung in der Stadt Bugganz,
welcher Ort am nähesten der Grenze gelegen und daher am meisten
der Gefahr eines feindlichen Feberfalles ausgesetzt ist, zu verwen-
den sei. 2; In der Resolution ddo. Wien, U.Jänner 1569, womit
der Bericht einer in den ungarischen Bergstädten anwesenden
Untersuchungscommission erledigt wird, wird dem Unterkammer-
grafen Roll Fahrlässigkeit vorgeworfen und ihm mit der Dienstent-
setzung gedroht, auch wird betont, dass der Kaiser beschlossen
habe „des Erzbistumbs Gran Pisethgefell ^ für die Kammer einzu-
ziehen, vorläufig bleibt dasselbe jedoch zur Erhaltung der Besatzung
von Bugganz bestimmt, a)
Mit dem Hofkammererlass ddo. Wien, 16. Mai 1569 vorläufig,
und definitiv mit der kaiserlichen Resolution ddo. 5. Jänner 157'o
wurde den beiden Schmiedmeistern Peter Frejtag und Clement
Auer, das Lichtgeld oder Kerzendeputat von 169 Gulden auf
190 Gulden jährlich erhöht.*)
Wenn auch das uiigarisciie Münzwesen ausser dem Bereiche
der Reichsmünzordnung vom 19. August 1559 lag, so machten sich
dennoch im Kremnitzer Münzhause jene Schwierigkeiten geltend,
welche sich aus dem Steigen der Bergbauauslagen auch in den
ungarischen Bergstädten ergaben. Die Gewerke strebten eine Er-
höhung der Ablösungsgebuhr für die von ihnen an die Münze
*) K. k. H. K. A., Fase. 1537s und Gdkb. Nr. 395, Fo!. 18.
2) Da8(?l])8t Gdkb. Nr. 395, Fol. 372. Ueber dns dem Erzbischof n ■- '-■ -n
zustehende „Pisetgeld" siehe „Münzwesen unter Ferdinand I.« Seite .
«) Daselbst Gdkb. Nr. 396, Fol. 3ver.s. Bu^gauz hatte eine Be8at/.nii- von
200 Mann. Eine üntersuchungscommission war in die Ber/?stätte mit dm- Kesolu-
tiou, ddo. Wien, 25. Februar 15G8 abg:eorduet worden. Gdkb. Nr. I0(i, Fol. G6.
♦; Daselbst Gdkb. Nr. 107. Fol. .351 m.d \r It-^ r..l i.l->
15*
■^^1
228
Johann Kewald: Dm oste.
eingelieferten Edelmetalle an; anderseits steigerten sich auch die
mit dem MUnzbetrieb verbundenen Auslagen durch die Erhöhung
der Beamtenbesoldungen, der Arbeitslöhne u. 8. w.» wie im Vorher-
gehenden einzelne Beispiele erwähnt worden sind. Obwohl sich die
Regiening gegen die Anforderungen der Oewerke im Anfange ab-
lehnend verhielt, suchte sie sich dennoch ttber jene Mittel Klarheit
zu verschaffen, welche geeignet erschienen, um den drohenden
üebelständen mit Erfolg begegnen zu können
Zunächst liess sie sich Auszüge ttber den Umfang der in den
drei letzten Jahren, das ist 1570, 1571 und 1572 eingelöseten Edel-
metalle vorlegen. Gold- und Silbereinlösungsärater bestanden zu
Kremnitz und Schemnitz. Aus den zur Vorlage gekommenen \t
zeichnissen ergeben sich folgende Summen. Es wurden eingelöst :
In Kremnitz:
1570, Gold um
Silber um
1571, Gold um
Silber um
1572, Gold um
Silber um
103.794 Guuivii :- iiviiiii^
152.074 . ^^ „ '
•2.384
:.r).148 ,, 4:.
77.869 „ s<
132.661 . 47
bemnitz:
26.646 Gulden 23 Pfennig
111.377
21.911
>^9.431
ii>
1570, Gold um
Silber um
1571, Gold um
Silber um
1572, Gold um
Silber um
Die Regieruii^:. in.» >iiii u-uu-
von der vermünzten Mark Silber,
preisen verbleibende MUnzerträgniss. In der von den Kremnit/ i
Münzamtleuten angefertigten Cebersicht wurden ftir die Mark
Silber im Feingehalt von 15 Loth als Einlösungspreise angenoT^""*"-
7 Gulden, dann 6 Gulden 75 Pfennig und 6 Gulden.
Nachweise vorlegen übci «i :-
bei verschiedenen Einlösung-
1
unter den Kaisern Maximilian II,, Rudolph IT. und Mathias. 229
Im Falle lauter kleine ungarische Pfennige im Feingehalt von
8 Loth ausgemünzt werden, verblieben als Münzerträgniss per Mark
bei der Einlösung zu 7 Gulden 33 y^ Pfennig
„ „ ,., „6 Gulden 75 Pfennig 58 1/., ,,
„ r ,, r 6 „ 1 Gulden 33^ ^ ,,
Bei der Ausmünzung von Thalern im Feingehalt von 14 Loth
1 Quintchen, 1 Pfennig verblieben per Mark
bei der Einlösung zu 7 Gulden 1 Gulden 31 1 2 Pfennig
,, „ *",, „6 Gulden 75 Pfennig 1 „ 56 Va „
und endlich bei der Ausmünzung von ungarischen Pfennigen im
Feingehalt von 7 Loth, verblieben per Mark
bei der Einlösung zu 7 Gulden 1 Gulden 43 2 s Pfennig
,. „ ,. .. 6 Gulden 75 Pfennig 1 ,, 682/3
. 6 « 2 „ 432/3 , 1)
Aus den vorstehenden Erhebungen ergab sich zunächst, dass
die Eegierung der Thalermünzung eine grössere Bedeutung beizu-
legen begann, wobei der Umstand zutage trat, dass im Kremnitzer
Münzhause die Thalerprägung noch immer mit dem Bilde und Titel
des Kaisers Ferdinand I. stattfand. Erst mit der Resolution ddo.
Wien, 31. August 1573, wurde für Kremnitz die Thalerprägung mit
dem Bilde und Titel Maximilians IL angeordnet. 2)
Um die Einlösung von Pagament für das Kremnitzer Münzhaus
zu fördern, wurden mit dem Erlasse ddo. Wien, 5 Febrar 1573 dem
dortigen Wardein Leyner und dem Buchhalter Erhard Teiniger 6000
Thaler und 11.804 Gulden 33 Kreuzer 3 Pfennig in Pauliner zuge-
mittelt. Letztere waren in Thaler umzumünzen und der gange
Betrag zum Pagamentankauf zu verwenden, welches abermals in
Thaler nach dem dem Kammergrafen Roll bekannt gegebenen
Schrot und Korn zu vermünzen und der Betrieb in solcher Weise
fortzusetzen war. s )
1) K. k. H. K. A., Fase. 15378. Die säinintlichen Angaben beziehen sich
auf die Wiener Mark.
2) Ueber diese Angelegenheit habe ich eingehend im „Oesterreichischen
Münzwesen unter Ferdinand I." Seite 124 Mittheilung gemacht.
3) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 122, Fol. 29Gv<^r.. Korn und SL-hrot der Thaler
entsprach der Münzordnung vom 15. Februar 1524.
230
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
In Folge der im Jahr 1568 zu Kreranitz anwesenden Reforma-
tionscommission waren den dortigen Mtinzarbeiteru mehrere Be-
günstigungen eingestellt worden. Der nunmehr leibhaftere Betrieb
gab denselben Anlass, die Wiederherstellung verschiedener alter Be-
züge anzustreben. Mit der Resolution ddo. Wien, 13. Februar 1574
genehmigte Maximilian II. den Kremnitzer Münzarbeitern einige seit
dem Jahr 1568 aufgehobene Bezüge. Im Falle dieselben an den
drei hohen Festtagen: Weihnachten, Ostern und Pfingsten nicht
feiern sondern arbeiten, kam ihnen wie früher für jedes dieser Feste
der Betrag von 12 Gulden zu reichen. Den Giessern war so lange
die Thalerprägung dauert, statt 130 Gulden der frühere Betrag von
170 Gulden jährlich zu bezahlen, auch kam „für die Speiss, so Sy
vor Abstellung der Wirtschafft aus; der Kuechl im Camerhof gehabt,
jedem 80 Pfennig hungarisch, wöchentlich" zu verabfolgen, endlich
wurden „den Münzern in gemein järlich für ein Lichtganss 10 Gul-
den hungerisch als Erung'^ bewilligt. »)
Aus Anlass der im Jahre 1574 besonders lebliaft betriebenen
Thalerprägung und beinahe gänzlicher Einstellung des Ausbringens
kleiner Münzen, wurde seitens der Stände die Beschwerde erhoben,
dass viele schlechte polnische Gelder in Ungarn eindringen. Es er-
floss sohin ddo. Wien, 2. Februar 1575 nach Kremnitz die Weisung,
dass von nun an der vierte Theil des eingebrachten Silbers zu
Thalern, drei Viertel jedoch zu ungarischen kleinen Sorten mit
7 Loth Feingehalt vermünzt werden sollen. 3) Als neuerliche Be-
schwerden erhoben werden wollten, erfloss ddo. 30. März 1576 die
Erledigung: ,,es ist im Monat Marzi 1575 von der nied. öster. Camer
auf die Crembnitz bevolchen worden, von allen eingelössten Silbern
die 3/4 ^^^ ungarisch Pfennig zu 7 Loth vnd das aine Viertl auf
Taller zu 14 lot 1 quint. 1 Pf. zu vermüntzen, dabei verbleibt es.-»)
Es wurde oben mitgetheilt, dass Maximilian II. schon im Jahre
1568 das „Pisetgeld'' zur Erhaltung einer Besatzung zu Bugganz
bestimmt hatte. Mit Mandat ddo. Wien, 10. März 1575 wurde ange-
ordnet, dass dem Predicant, Schulmeister und Cantor zu Kremnitz
1) K. k. H. K. A., Fase. 15378, auch Gdkb. Nr. 127, Fol. 246.
8) Daselbst Gdkb. Nr. 127, Fol. 606.
3) Daselbst Fase. 15378.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
231
an den hohen Festen: Ostern, Pfingsten und Weihnachten, eine
Verehrung von 10 Gulden aus dem Piset, wie dieses „vnter dem
Erzbischof von Gran gebräuchig gewesen'' zu reichen sein wird, i)
Unterm 25. April 1575 wurde verordnet, dass die Stelle des Eisen-
senkers Hanns Spaltenkhail, der seinem Bergwerk zu Weyza nach-
geht, an den Abraham Eiskher zu verleihen, und der Dienstplatz
des letzteren, an Simon Pachter zu tiberlassen ist. 2) Mit Erlass ddo.
Wien, 26. Juli 1575, wurden 27 Centner Kupfer zur Prägung von
Raitpfennigen für die ungarische Kammer angewiesen,») endlich
unterm 21. October 1575 dem Obereisenscheider Lucas Richter eine
Gnadengabe von 50 Gulden ungar. genehmigt. *)
In Kremnitz wurde die Thalergrägung mit dem Brustbilde und
Titel Maximilians II. erst im Jahre 1573 eröffnet; 5) sie dauerte bis
in das Jahr 1578, indem Kremnitzer Thaler Maximilians 11. von den
Jahren 1577 und 1578 ziemlich häufig vorkommen. Nachdem wäh-
rend der Regierung dieses Kaisers, beziehungsweise Königs, in
Ungarn vorherrschend zu Kremnitz ein Münzbetrieb stattfand, und
die aus dem Kremnitzer Münzhause ausgegangenen Münzen, wie
dieses seit alter Zeit üblich war, mit den Buchstaben K — B be-
zeichnet wurden, kann die Zuweisung derselben kaum auf eine
Schwierigkeit stossen. Ein Münzmeisterzeichen kommt auf den-
selben nicht vor.
1) 2) 3) und 4) K. k. H. K. A , Gdkb. Nr, 127, Fol. 611, 623vers^ 633^ers
und 642.
5) Vergl. Münzwesen unter Ferdinand I. Seite 124. Der Kremnitzer
Thaler von 1573 gehört unter die Seltenheiten. Er war weder Schultess noch
Madai bekannt, noch findet er sieb bei Sz6ch6nyi oder Wescerle abgebildet.
232
Johann N'ewald: Das ödterreichische Münzwesen
Kaiser Rudolph II
IX.
Die Münzstätte zu Wien.
Kaiser Maximilian n. starb zu Regensburg, wohin des
Reichsta^^es wegen das Hoflager verlegt worden war, am 12. Oc-
tober 1576. Es kann nicht meine Aufgabe sein, die Bedeutung
seiner, allerdings nur zwölf Jahre umfassenden Regierung zu be-
leuchten. Die Administration der ihm zugefallenen Länder, wozu
auch die Pflege des Münzwesens gehörte, bewegte sich vorherr-
schend in jenen Bahnen, denen die zielbewusste Politik Ferdi-
nands I. die Richtung vorgezeichnet hatte. In seiner unermüdlichen
Thätigkeit das treue Ebenbild seines erlauchten Vaters, überwachte
Maximilian IL mit grosser Sorgfalt alle Massnahmen seiner Ver-
waltungsbehörden. Stets bereit, die umfassendsten Berichte und
Eingaben zu prüfen, erfolgten rasch und treffend seine Resolutionen.
An keinem Hofe Europas wurden damals die Geschäfte so beschleu-
nigt erledigt wie in Wien.
Beim Autritt der Regierung Maximilians IL lastete auf dem
Münzwesen der österreichischen Länder jener Druck welcher sieh
für dasselbe aus der Reichsmünzordnung vom 19. August 1559
ergab. Es waren Erwägungen von der höchsten politischen Bedeu-
tung die Ferdinand I. zur Uebernahme jener grossen Opfer bewogen
hatten, welche aus der genannten Münzordnung für den Bergbau
seiner Länder, sowie überhaupt für Handel und Verkehr in den-
selben hervorgingen- Den vom Vater übernommenen Obliegenheiten
kam Maximilian IL mit aller Sorgfalt nach, und erst das wieder-
holte Drängen seiner Brüder, sowie die obenso dringenden Vor-
stellungen der Stände seiner Länder bestimmten ihn im Jahre
1573 zum Zurücktreten von der genannten Reichsmünzordnung.
1
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolpli II. und Matiiias. Zöö
In dem ausserösterreichischen Antheil des römischen Reiches
deutscher Nation hatten sich mittlerweile auf dem Gebiete des
Mtinzweseus Erscheinungen höchst bedenklicher Natur geltend ge-
macht. Das Reich war zersetzt in eine ungezählte Menge selbststän-
diger, souverainer Staatswesen, deren Anzahl sich durch das Auf-
lösen vieler Fürstengeschlechter in eine Folge von Seitenlinien fort
und fort vergrösserte. Kirchliche Würdenträger verschiedenen
Standes, geistliche Körperschaften, Männer- und Frauenklöster,
reichsfreie Städte, welche sich allmälig zu einer Bedeutung erhoben
hatten, u. s. w. u. s. w. sie alle beanspruchten selbstständige Münz-
befugnisse, so dass sich die Zahl der Münzstätten in erstaunlicher
Weise vermehrte. Ueberall betrachtete man die Münzbefuguisse als
die Quellen reicher Einnahmen und suchte dieselben in jeder er-
denklichen Form auszubeuten. Zu den vielen Münzstätten, unter
ihnen nicht wenige von höchst zweifelhafter Berechtigung, gesellte
sich eine Zahl sogenannter Heckenmünzen, in denen die Falsch-
münzerei im grossen Massstabe betrieben wurde.
Zur Bekämpfung der auf dem Gebiete des Münzwesens einge-
rissenen höchst bedenklichen Uebelstände wurden auf den Reichs-
tagen strenge Massregeln beschlossen; — Beschlüsse, welche ent-
weder gar nicht, oder nur in ganz ungenügender Weise durchge-
führt wurden. Gerade der Umstand, dass Münzmandate nahezu von
jedem Reichstag publicirt, erneuert oder verschärft wurden, zeigt
nur zu klar, wie wenig man dieselben beachtete.
Die durch den Frankfurter Deputationstag vom Jahre 1571 be-
schlossene Errichtung von Kreismünzhäusern (Seite 23)
fasste unverkennbar eine Massregel in das Auge, welche für die
Wiederherstellung der Ordnung im Mtinzwesen eine grosse Trag-
weite hatte. Es ist mir trotz der sorgtaltigsten Forschungen nicht
gelungen, für jene Zeit die Errichtung auch nur einer einzigen
Kreismünzstätte mit Sicherheit nachzuweisen. Zu gross war die An-
zahl und der Einfluss jener Münzstände, welche an dem Fortbe-
stande der üblen Münzverhältnisse das höchste Interesse hatten, die
auch mächtig genug waren, um die Durchführung von Beschlüssen,
es mochten dieselben für das Allgemeine von noch so grosser Wich-
tigkeit und Nutzen sein, ven^iteln /ii kr»nnen.
234
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Die auf eine schiefe Bahn gerathenenMtinzzustände gestalteten
sich schliesslich zu einer allgemeinen Calamität und führten am An-
fange des dreissigjährigen Krieges mit der sogenannten Kipper-
mtinze zu einer Katastrophe, wie sie auf dem Gebiete des Münz-
wesens ebensowenig früher einmal, sowie nach dieser Zeit in gleich
verheerendem Umfange, ein zweites Mal eingetreten ist.
Die iVufnahme der vorstehenden Erwägungen erschien aus dem
Grunde von Wichtigkeit, um gleichsam einen Standpunkt zu ge-
winnen, von dem aus für die nun folgende Zeitperiode, die Gestal-
tung des österreichischen Münzwesens zu beurtheilen sein wird.
Der Rückgang im Wohlstand und in der Bedeutung der Stadt
Wien als Handelsplatz, wecher zunächst durch das Festsetzen der
türkischen Herrschaft in den Balkanländern eingeleitet worden war,
trat in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts besonders hervor. Der
Handelsverkehr auf der Donau nach dem Orient, bereits auf ein Mini-
mum beschränkt, erlosch schliesslich nahezu gänzlich. In Folge der
durch die Einfälle der Türken gestörten Sicherheit des Verkehres
auf der alten Handelsstrasse über den Semmering durch Steier-
mark, Kärnten und Krain nach Triest und Venedig hatte sich der
Transithandel der B renn erst ras se zugewendet. Der Verfall
unserer Stadt in ihrer Bedeutung als Handelsplatz musste noth-
wendigen Weise auch jenen des Wiener Münzhauses herbei-
führen. Ein geregelter, continuirlicher Betrieb hatte in demselben
längst aufgehört. Unterbrechungen wiederholten sich immer rascher
und für längere Dauer; sie dehnten sich schliesslich auf mehrere
Jahre aus.
Aus den Acten kann nunmehr mit aller Sicherheit entnommen
werden, dass damals die landeslürstlichc Münze in einem an den
sogenannten Zwettlerhof anstossenden Hause untergebracht war.
Dasselbe hatte Ausgänge in die Wollzeile und Schulerstrasse
und Fenster gegen den Stefansfreidhof. Ehe der Geschäftsbetrieb
in demselben während der Regiernngszeit Rudolphs IL zur Dar-
stellung gelangt, ist es nothwendig, auf den Umstand aufmerksam
zumachen, dass in dem bekannten Münzwerk „Thalerkabinet
von Schu Itess-Rechberg'', gar keine, jener Periode ange-
hörigen, aus dem Wiener Münzhause stammenden Thaler oder Halb-
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. IdoD
thaler erwähnt werden. Es findet sich dort unter Nr. 168 zunächst
ein schlesischer Tlialer beschrieben, dem nunmehr von Nr. 169 bis
incl. Nr. 205, somit 37 Nummern, lediglieh Tiroler und Elsasser
Thaler und Halbthaler angereiht werden. Wollte man daraus den
Schluss ziehen, dass unter Kaiser Rudolph IL aus dem Wiener
Miinzhause gar keine groben Silbermünzsorten, dass heisst
Thaler und Halbthaler, ausgegangen sind, so wtirde man
damit in einen grossen Irrthum verfallen.
Zunächst kommt hervorzuheben, dass der Entwurf zu den in
Wien, in den böhmischen Mttnzhäusern und zu Kremnitz bis zum
Jahre 1603 geprägten Thalern und Halbthalern Rudolphs 11. von
Antonio Abondio ausgegangen ist. Ein Gussoriginal dieses Ent-
wurfes aus Silber befindet sieh im k. k. Münzkabinet in Wien, ein
zweites in der Sammlung des Herrn Max Donebauer in Prag.
Dieser von Rudolph H. genehmigte Entwurf zeigt auf der Vor-
derseite das ziemlich jugendliche, wenig bebartete Brustbild des
Kaisers von der rechten Seite, im Harnisch mit einem runden
schmalen Faltenkragen, ohne Lorbeer u n d o h n e Y 1 i e s s k e 1 1 e,
den Mantel auf der Schulter mit einem runden Kleinod befestigt.
Die im Rücken des Brustbildes beginnende Umschrift lautet:
„Rvdolphvs : II : D : G : Rom : Imp : S : A : G : H : B : Rex". Unter
dem Brustbilde An : Ab : (Antonio Abondio). Die Rückseite zeigt
den frei schwebenden zweiköpfigen Adler mit ziemlich eingezogenen
Flügeln und starken freien Fängen. Ueber den Köpfen schwebt
eine Bilgelkrone, wobei mit leichten Kreislinien die Kopfscheine des
Adlers angedeutet sind. Auf der Brust des Adlers liegt der Reichs-
apfel, neben demselben freischwebend rechts das Schwert,
links das Zepter. Die Umschrift beginnt oben neben der Krone mit:
„Archidvx Avstriae,'^ — auf der zweiten Seite: ,,Dvx : Bvrg :
March : M: Der Zwischenraum blieb fiir di»' AnlnlnL-inii: dos Münz-
rneisterzeichens bestimmt «)
>) Antonio Ab onclio, einer der tüchtigsten Med;iilleuro aller Zeiten,
befand sich schon unter Maximilian IL in Wien. Von Kaiser Rudolph 11. wurde
er zum „Contrafecter und wirklichen in Unsern Htjfstaat publicirten Diener"
resolvirt. Ueber Antrag des Erzherzogs Ernst ddo. Wien, 7 Jänner 1577 wurde
ihm mit der kaiserlichen Resolution ddo. Prag, 1>. Februar 1577 „ilas Heusl am
Neuen Markht zu Wienn-'. w'*i' »'"< K->\«'y MMvin.ili.-n. TT rlm. K.-iinuu'rdieiier
236
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
Unter dem Münzmeister Adam Hartman wurden im Wiener
Münzhause die, aus Anlass der am 22. März 1577 zu Prag- stattge-
fundenen Beisetzungsfeierlichkeiten des Kaisers Maximilian IL aus-
geworfenen Gedächtnisspfennige geprägt. Erzherzog Ernst hatte
Bildniss und Revers derselben mit dem Kammerath von Strein ent-
worfen. Mit dem Erlass ddo. Prag, 6. Februar 1577, sprach der
Kaiser seine Zustimmung mit dem ,,abriss" und mit dem Antrag
über die Sorten und Anzahl der auszuprägenden Stücke aus, die
Weisung anschliessend, es möge mit Beschleunigung zur Anferti-
gung der Pfennige geschritten werden, dass sie bis zur Vornahme
der „exequien" in Prag sind. i)
Die Amtsführung des Münzmeisters Adam Hartman gab zu
verschiedenen Beschwerden Anlass, so dass ihm der Dienst bis
Ende October 1579 gekündet wurde. Eines dabei unterlaufenen
Verstosses wegen miisste ihm die Besoldung bis Ende 1579 ausbe-
zahlt werden. Mit dem Erlasse ddo. Wien, 5. März 1580 wurde
demselben das nach Abschluss seiner Rechnungen für ihn verblie-
bene Guthaben von 4000 Gulden auf das Ober-Dreissigamt in lin-
der Kaiseriu, Saudiuausio auf dessen Lebtag überhissen liatte und nun frei
geworden war, auf Wohlgefallen verschrieben. Abondio hatte „dieses Heusl
wesentlich vnd baulich zu erhalten." K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 130, Fol.226^ti-b,
und Nr. 132, Fol. Sl'^t'^ Die in Rede stehende Behausung wurde später in den
nunmehr Schwarzenbergischen Häusercomplex verbaut. Vergl. Ber. des
Alterthumsvereines Bd. X. 1869, S. 141. Abondio befand sich wiederholt in
Geldverlegenheiten. Von seineu Gläubigern gedrängt wendete er sich um eine
Aushilfe an den Kaiser. Mit der Resolution ddo. Prag, 16. Jänner 1580 ge-
wärte Rudolph IL den Betrag von 1000 fl. ruft jedoch Abondio an das Hof-
lager nach Prag. Gdkb. Nr. 394, Fol. 7, auch Nr. 139, Fol. 297. Im Jahre 1582
scheint derselbe den Austritt aus dem kaiserlichen Dienst beabsichtigt zu
haben, denn mit dem Erlasse an die böhmische Kammer, ddo. 3. Juni 1582
wird dieselbe beauftragt, sie habe dem „ Anthonio Abondi Hof-Contrafeter, da
er bei solchem seinen Dienst noch lenger zubleiben zugesagt, 300
Thaler Gnadengeld, und 100 Thaler Hofbesoldung zu reichen. Gdkb. Nr. 318,
Fol. 101.
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 132, Fol. 99. Die Beschreibung dieser Aus-
wurfmünzen findet sich bei Voigt: Böhmische Münzen, HL Bd., Seite 210 letzte
Post. Das k. k. Münzkabinet bewahrt Gold- und Silberexemplare dieses
Jetons.
imer den Kaisern Maximilian IL. 1{ii,l
237
garisch-Altenbiirg verschrieben, i ) Es verfloss eine lieihe von Jahren,
bis der erledigte Dienstplatz neuerdings besetzt wurde. Mittlerweile
war der Wiener Mtinzprägebetrieb, und zwar schon seit dem Jahre
1578 an einen Unternehmer überlassen. Es war dieses Bartholo-
mäus Albrecht und „Mitverwandte" aus Nürnberg. Sie hatten
sich schon unter Maximilian IL bei Lieferungen von Tuch und
Rüstungsgegenständen als rührige Geschäftsleute gezeigt. Mit der
Resolution ddo. Prag, 11. März 1575 hatte ihnen Maximilian U. den
Betrag von 5000 Gulden auf das Dreissigstamt zu Tyrnau ver-
schrieben. 2) Vom Jahre 1578 bis 1580 beschränkte sich der
Geschäftsbetrieb dieser Unternehmer vorherrschend auf die Aus-
mtinzung von Dukaten und Thalern in Wien. Schon im Jahre 1580
kam hiezu Prag, später auch Kuttenberg. 3) Noch in einem Erlasse
ddo. Prag, 9. Juni 1588 wurde darauf hingewiesen, dass die
von 1578 bis 1580 in Wien ausgemünzten Dukaten und Thaler
geringhaltig waren, man entschuldigte den Mangel jedoch durch
den Umstand, dass damals weder ein Münzmeister noch ein
Wardein bestellt war.*) Bartholomäus Albrecht hatte es über-
nommen, die in grosser Menge in den Erbländern verbreiteten
leichten Münzen einzulösen und in gute Sorten umzuprägen. Aus
den Acten lässt sich mit Bestimmtheit nicht entnehmen, ob er das
Geschäft im landesfürstlichen Münzhause, oder aber in einem an-
deren zu diesem Zwecke adaptirten Locale durchführte. In Wien
dürfte das letztere der Fall gewesen sein.
Die Stempel zu den von Bartholomäus Albreeht ausgegebenen
Thalern sind nach dem von Antonio Abondio vorgelegten Entwürfe,
jedoch von einem wenig geübten Stempelschneider angefertigt
1) K. k. H. K. A., Gdkb., Nr. 136, Fol. 225vers. und Fol. 26«iv^r\ Ein Be-
richt sagt: „Unter Adam H;irtmann habe man mit Schaden gehauset, diesem
hat man 8000 Gulden Verlaggelder zu 7% jährlich verzinset, und man ist ihm
bald 12.245Gulden, 4 Schilling, 7 Denar schuldig geworden." Faso. IT'UT auch
Gdkb. Nr. 142, Fol. 502.
2) Daselbst Gdkb. Nr. 399, Fol. 25v-r8.
3) Daselbst Fase. 17319. Verschiedene Umstände deuten daraufhin, dass
die Unternehmer im Jahre 1578 gleichzeitig mit Wien auch zu Prag, wenn aucli
hier nur in beschränktem Umfange eine Thalerprägung eröffnet hatten.
*) Daselbst Gdkb. Nr. 321, Fol. 93.
238
Johann Newald: Das österreichische Müu2
worden. Sie lassen eine grosse Eile bei ihrer Herstellung erkennen.
Die Münzen werden namentlich in den letzten Jahren des Albreeht-
schen Geschäftsbetriebes in auffälliger Weise unschön, namentlich
ist dieses von der Rückseite der Fall, wo der Doppeladler, welcher
mit einer Zahl einzelner Punzen auf das Stempeleisen geschlagen
wairde, eine höchst unförmliche Gestalt besitzt. Der Münzbetrieb
des Bartholomäus Albrecht wird uns später zu eingehenden Erörte-
rungen Anlass geben, bei welcher Gelegenheit auch die von ihm
ausgegangenen Münzen, namentlich Thaler besprochen werden.
Kaiser Rudolph IL war im Herbst 1583 mit dem gesammten
Hofstaat zum bleibenden Aufenthalt nach Prag übersiedelt, und
hatte mit der Resolution ddo. Prag, 8. November 1583 die Leitung
der in Wien zurückgebliebenen Regierungsabtheilung an seinen
Bruder Erzherzog Er nst übertragen. *)
Im Wiener Münzhause hatte nach dem Abgange des Münz-
meisters Adam Hartman der Betrieb in landesftirstlicher Regie ganz
aufgehört, wozu nicht wenig die Geschäfte des Bartholomäus Al-
brecht beigetragen hatten. Hartman starb im Anfange des Jahres
1582. Seine Witwe Anna Maria, geborne Silbersperg, erklärte sich
unterm 13. Februar 1582, zur bestandweisen Uebernahme des
MUnzamtes bereit. Eine gleiche Erklärung hatte auch Hanns Hart-
man, ein Bruder des verstorbenen Münzmeisters, vorgelegt. Mit Er-
lass vom 3. März 1582 wurde die Witwe Hartman zur Einbringung
ihrer Anträge aufgefordert, worüber sie unterm 6. März 1582 einen
Termin vonl4Tagen, um denRath ihrer Aeltern einholen zu können,
verlangte. Die Verhandlungen zerschlugen sich resultatlos. 2) Das
Trostlose der obwaltenden Zustände wird durch den Umstand be-
sonders dargethan, dass man sogar mit einer Frau wegen Ueber-
nahme des Münzamtes in Verkehr trat.
Das Münzwesen anbelangend, richtete Erzherzog Ernst an den
Kaiser ddo. Wien, 23. Juni 1584 eine eingehende Eingabe. Der
Erzherzog bemerkt im Eingange, dass das Wiener Münzmeisteramt
schon seit Jahren ,,vaciret, thut darwider vasst meniglich schreyen
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 304, Fol. 519.
2) Daselbst Fase. 17508.
239
vnnd sich dessen beclageii.'* Der Wardeii] Thomaii Händl habe
sieh zur Uebernahme desselben erboten, er wolle alle Auslagen aus
Eigenem bestreiten „auch noch darüber, wiewol es Ime schwiirlich
zuerschwingen sein wurde, järlich 100 Gulden Bestandtgeltrai eben.''
Der Erzherzog bemerkt weiter: Da die Pachtgabe gegen die Reichs-
münzordnung verstösst, auch aus anderen Ursachen ,,hab Ich meines
Theils wieder solche Bestandtyerlassung bisher Bedennkhen ge-
habt.'' Es bleibe kein anderer Ausweg als dass das Münzwesen
„der Reichsmiinzordnung nach, auf Raittung gehandelt, vnnd mit
einem tanglichen Münzmeister ersetzt werde".
Es werde dieses grosse Auslagen verursachen, „dann erstlich
so werden auf den Münzmaister järlicher Besoldung oder Vnder-
haltung laufFen 400 Gulden zum anndern so muess man zu dem
Münzwesen aufs wenigste 4000 Gulden Verlaggelt haben, die khan
man vnndter 7 per Cento nit aufbringen, das bringt auch järlich
280 Gulden. So kann man aines Gwardeins auch nit endtraten,
der vnnder 80 Gulden järlicher Besoldung nit zu bestellen wierdet
sein. Bringen also diese Posten zusammen 760 Gulden. Nun will
gleichwoll bedenkhlich und beschwerlich sein, dass Evr Kays. Mt.
bey denen one das vbrigen hohen obliegen, ain solchen grossen Vn-
kosten järlich tragen und anwenden sollen. Weill aber dafür ge-
halten wirdet, das neben den hieuor gemelten Vrsachen,auch dieses
zu bedenkhen, das die Erzherzogen zu Österreich in diesen Lannden
von alters hero mit ainem solchen priuilegio versehen, auch dasselb
als ein sonnder Zier billich in ybung vnnd esse also zu erhallten",
wird beantragt, es möge der Kaiser die Verluste beim Münzwesen
übernehmen und die Wiederbesetzung des Münzamtes genehmigen.
Nachdem auch die anwesende Hofkammer diesen Ausführungen
beitrat, genehmigte der Kaiser mit der Resolution ddo. Prag,
29. Juni 1584 diese Anträge. 0
Ueber Vorschlag der niederösterreichisclien Kammer bestellte
Erzherzog Ernst unterm 2. November 1584 den Wiener Gold-
schmied Lorenz Hu ebm er als Wardein. Die Münzprägung wurde
nunmehr am 1. Jänner 1585 eröffnet. Der neue Münzmeister
Thomas Händl beantragte ddo. Wien, G.April 1585 die Bestellung
1) K. k. H. K. A., Faec. 17508.
240
Johann Newald: Das österreichische Miinzwesen
des Jakob Scherer als Münzeisenschneider und bemerkte, dass
sich „Herr Abundio erpotten er wolle was Scherer nitt verstett Ime
solches zaigen vnd weisen." i) Die Ausmünzung anbelangend be-
merkt Händl, dass beim Ausprägen von „Pfundtner- Thaler,
i/g Pfundner und 10 Kreuzer" nach der Reichsmünzordnung
(Guldenthaler) die feine Mark Silber nicht höher als auf 12 Gulden
15 Kreuzer ausgebracht wird, womit die Auslagen und Prägekosten
nicht bestritten werden können, daher allerorts das Prägen der
Guldenthaler eingestellt wird. Er betont, dass in Wien, wie in den
Bergstädten und zu Hall im Gehalt vonl4Loth fein ausge-
münzt werden sollte, woraus sich per Mark ein Nutzen von
41 Kreuzer ergeben würde, ,, davon khundt Ihr Mt. wol bestehn." 3)
Der erst seit 1. Jänner 1585 amtirende Münzmeister Thomas
Händl starb schon um die Mitte August 1587. Mit der Eingabe
vom 29. August 1587 bittet der Ward ein Lorenz Huebmer um
den erledigten Dienstplatz mit der Erklärung, er wolle 1000 Gulden
Verlagsgelder und, falls später ein grösserer Betrag nöthig sein
sollte, auch diesen, gegen Verzinsung zur Pagamenteinlösung ver-
wenden. 3) Erzherzog Ernst richtete über diese Angelegenheit ddo-
Wien, 25. September 1587 eine Eingabe an den Kaiser, aus welcher
sich neuerdings ein Einblick in die, im Wiener Münzhause obwal-
tenden Zustände ergibt. Der Erzherzog betont zunächst, dass dem
verstorbenen Thoman Händl das Mtinzmeisteramt am 1. Jänner
1585 gegen dem eingegeben wurde, dass er ein Verlagsgeld von
4000 Gulden gegen 7 Percent Verzinsung leistet und 400 Gulden
als Amtsbesoldung zu beziehen habe. Die Rechnung des Jahres
1585 hatte beim Wiener Münzbetrieb einen Verlust von nahe
600 Gulden ausgewiesen. Es wurde nunmehr der Verlag auf
1) Scherer war schon vom Münzmeister Hartman als Eisenschneider aufge-
nommen worden, ohne hiezu die Genehmigung nachgesucht zu haben. Die
niederösterreichische Kammer meldete unterm 28. Juni 1578 an den Erzherzog
Ernst, bei dem Umstände, dass dermalen sehr wenig gemünzt wird und man
einen Eisenschneider jederzeit in Wien haben kann, lässt sich die Besoldung
ersparen, daher Scherer seines Dienstes zu entlassen wäre. K. k. H. K. A.
Fase. 17508.
2) K. k. H. K. A., Fase. 17315. Auf die Thalerprägung im Feingehalt von
14 Loth zu Kremniz und Hall werden wir später zurückkommen.
3) Daselbst Fase. 17508.
uuter den Kaisern Maximiliav Ft T>,,.iA|ph Tl. und Mathias
241
2000 Gulden herabgesetzt, und wollte man auch die Münzmeister-
besoldun^ auf 200 Gulden mindern. Händl ging wohl in die 7 per-
centige Verzinsung von nur 2000 Gulden Verlagsgelder ein, einer Re-
duction der Besoldung stimmte er nicht bei, daraufhinweisend, dass
er verschiedene Diener bei der Münze erhalten müsse und unter
400 Gulden nicht auslangen könne. Die Eingabe bemerkt, dass der
bisherige Wardein Lorenz Huebmer das Münzmeisteramt gegen
Verzinsung von 1000 Gulden Verlagsgelder zu 7 Percent und der
Besoldung von 300 Gulden Rhein, und dazu auch das Wechselamt
gegen Verrechnung übernehmen wolle. An Stelle desselben wird
der Sohn des verstorbenen Münzmeisters, Andräe Händl als
Wardein in Vorschlag gebracht. Diese Anträge wurden von Ru-
dolph IL ddo. Prag, 6. October 1587 genehmigt. Welche Unord-
nungen und Unzukömmlichkeiten im Wiener Mtinzhause unter den
Münzarbeitern eingerissen waren, lässt sich aus einer Instruction
entnehmen, welche in dieser Angelegenheit dem neu eingetretenen
Münzmeister Lorenz Huebmer ertheilt werden musste. Dieselbe
wird in der Beilage 2 mitgetheilt. *)
Der, wie es scheint plötzlich eingetretene Tod des Münz-
meisters Händl veranlasste Verhandlungen, welche in mehrfacher
Beziehung von Interesse sind. Erzherzog Maximilian, Deutsch-
ordens-Hochmeister hatte zum Zwecke einer Thalerprägung Silber
in die Wiener Münze gegeben. Durch die nach dem Ableben
des Münzmeisters erfolgte Amtssperre wurde die Vollendung der
Prägung gehemmt. Da der Erzherzog die Ablieferung seiner Münzen
betrieb, bat der Wardein Lorenz Huebmer mit der Eingabe vom
28. August 1587 um die Ausfolgung des erzherzoglichen Silbers.
Die niederösterreichische Kammer ertheilte noch an demselben
Tage die erforderlichen Weisungen. ■^) Ausser jenen Thalern, welche
1) K. k. H. K. A., Fase. 17508, auch Gdkb. Nr. 150, Fol, 197'er».
2) Daselbst Fase. 17508. Ein Exemplar des im Wiener Münzhanar nu
Jahre 1587 für den Deutschordens-Hochmeister Erzherzog Maximilian ge-
prägten Thalers befindet sich im k. k. Münzkabinet, Er ist im Thalercabinet
von Schultess-Rechberg unter Nr. 4963, auch bei Dr. B. Dudik „Deutsch-
ordens-Münzsammlung" Seite 178, Nr. 182 beschrieben. Der Stempel dieses
Thalers, namentlich des Brustbildes, ist eine schwache Arbeit. Er dürfte vom
Eisenschneider Jakob Scherer, dessen geringe Kunstfertigkeit oben betont
:m
242
Joha
für den Erzherzog- Maxmilian geprägt wurden^ fand im Jahre 1587
im Wiener Mtinzhause auch noch die Ausprägung von Thalern
Kudolphs IL, jedoch nur im massigen Umfange statt. Wegen Mangel
an Silber wurde der Betrieb in das Jahr 1588 hinüber reichend,
während 23 Wochen unterbrochen. Mit dem Erlasse ddo. Wien,
7. Februar 1589 wurde dem Münzmeister Huebmer ein Wartgeld von
1 Gulden per Woche genehmigt. <) Dessen Geschäftskenntniss und
Thätigkeit führten jedoch bald eine wesentliche Steigerung des
Münzbetriebes herbei. Im Anfange des Jahres 1592 schritt derselbe
um die Erhöhung seiner Besoldung von 300 auf 400 Gulden jähr-
lich und um die 7percentige Verzinsung von 2000 Gulden Verlagsgeld
statt wie bisher 1000 Gulden ein. Im Vorlagebericht ddo. 7. März
1592 weiset die niederösterreichische Kammer auf die üblen Be-
triebsergebnisse unter den zwei vorhergehenden Münzmeistern hin,
sie betont, dass dem entgegen, Huebmer bis Ende 1591 Gold und
Silber im Betrage von 164.150 Gulden, 1 Schilling, 19 Denar einge-
löst und vermünzt, daraus einen Münzüberschuss von 1937 Gulden
4 Schilling, 12 Denar erzielt, auch überdies zur Reparatur des Münz-
hauses bei 700 Gulden verwendet habe, und beantragt schliesslich
die Gehaltserhöung von 300 auf 400 Gulden, bezüglich des Verlags-
geldes werde sich Huebmer noch zu gedulden haben.
Erzherzog Mathias genehmigte die Gehaltserhöhung schon mit
dem Erlass, ddo. Wien, 17. März 1592, vom 1. Jänner 1592 be-
ginnend, weil Huebmer seinem Amt bisher „treulich, vleissig vnd
nützlich vorgestanden". 2)
T'eber die damalige Geschäftsvertheilung im Wiener Münz-
hause gibt ein zwischen dem Mtinzmeister und dem Wardein ausge-
brochener Streit einige AufTclärung. Der Wardein Andrae Häudl
wurde, hergestellt worden sein. Erzherzog Maximilian Hess im Wiener Münz-
hause, und zwar im Jahre 1581» auch Dukaten prägen, zu welchem Ende er 10
Mark Gold erkauft und dem Münzmeister Huebmer übergeben hatte. Die mit
27 Gulden 46 Kreuzer berechneten Prägekosten wurden von der Hotliammer
nachgesehen und ergingen in dieser Angelegenheit ddo. Wien, 12. Jänner 1590
Erlässe an den Münzmeister Huebmer und an den Pfennigmeister des Erzherzogs
Herrn v. Staging. K. k. H. K. A. Gdkb. Nr. 152, Fol. 181. Durch das Vor-
stehende ergänzen sich die Angaben bei Dudik 1. c. Seite 177 u. f.
1) K. k. H. K. A. Fase. 17317.
a) Daselbst Fase. 17508, auch Gdkb. Nr. 3r)4, Fol. 339ver3.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathlas. ^'±i>
hatte sich beschwert, dass der Mlinzmeister Huebmer das Gold-
und Silberscheiden betreibe und ihm dadurch seinen Verdienst
schmälere ; er hob hervor, dass sein Vater als Wardein durch viele
Jahre die Scheiderei betrieben habe. Die in dieser Angelegenheit
vernommene niederösterreichische Kammer sagt im Bericht vom
10. October 1592, dass die Bestellung eines eigenen Scheiders bei
dem geringen Ertrag der Münze nicht thunlich sei, dass der frühere
Wardein das Geschäft aus dem Grunde betrieben, v^^eil die Münz-
meister hiezu nicht befähigt waren; dass es nicht gut angehe, einer
und derselben Person das Scheiden und zugleich auch das Probiren
anzuvertrauen und beantragt schliesslich, dass dem Münzmeister
das Scheiden, dem Wardein das Probiren zu übertragen wäre, nach
welchem Vorschlage Erzherzog Ernst schon unterm 24. October
1592 die Entscheidung fällte, i)
Es dürfte nunmehr am Orte sein, um, wenn auch nur in den
allgemeinsten Beziehungen, auf jene Zustände hinzuweisen, welche
sich aus dem Ueberwuchern von kleinen Münzständen in den ausser-
österreichischen Ländern des deutschen Reiches ergaben. Eine
genügende Ueberwachung oder Controle des Betriebes in den Münz-
häusern derselben war umsoweniger durchführbar, da es vorherr-
schend kleine Geldsorten waren, welche aus diesen Münzhäusern
ausgingen, bei denen eine leichtere Ausstücklung, das heisst eine
Verschlechterung des Schrotes einerseits, sowie ein Rück-
gang im Korn, dass heisst eine Verminderung des Feingehal-
tes anderseits am leichtesten durchführbar war. Die Länder wurden
mit einem Uebermasse von geringhaltigen Kleinmünzen über-
schwemmt, denen noch jene schlechten Geldsorten beizuzählen
waren, welche aus der Schweiz und Norditalien, namentlich aber
aus Polen nach Deutschland gebracht wurden und in den öster-
reichischen Ländern, wo das Ausprägen kleiner Geldsorten nur in
massigem Umfange stattfand, das beste Absatzgebiet fanden.
Das richtige, dem Bedürfnisse des Handels und Verkehres
entsprechende Verhältniss zwischen den guten groben Mliuzen und
den kleinen Scheidemünzsorten war längst verloren gegangen,
1; K. k. H. K. A , ra^^c. 17317.
1«;*
244
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
woraus sich aus dem Uebermasse der letzteren dazu noch gering-
haltigen Geldsorten eine Werthsteigerung der guten groben Münzen
nur zu bald ergeben musste, die eine empfindliche Theuerung und
Preiserhöhung aller Feilschaften zur unvermeidlichen Folge hatten.
Zahllos waren die Beschwerden^ welche über diese mit einer allge-
meinen Calamität drohenden Uebelstände auf den Reichs- und Kreis-
tagen erhoben, auch von den Mtinzprobations-Commissionen, von
den grossen Handelsstädten u. s. w. bei der Reichsregierung ein-
gebracht wurden. Man beantragte die strengsten Massregeln. Die
grossen Marktplätze — unter den österreichischen Städten wird
Linz genannt — sollten überwacht, den Handelsleuten, welche die
guten Münzen gegen leichte Sorten einwechseln, um erstere in die
kleinen Münzhäuser zum Umprägen in leichte Sorten zu liefern oder
auch gänzlich auszuführen, wären im Betretungsfalle ihre gesamm-
ten Barschaften zu confisciren, die strengsten Verbote sollten gegen
die Einfuhr schlechter Gelder und die Ausfuhr der guten Münzen
erlassen werden u. s. w.
lieber diese Anträge wurden zahlreiche Mandate mit den
schärfsten Strafandrohungen erlassen und häufig erneuert. Der
Erfolg derselben war ganz untergeordnet. Trotzdem wurde von
keinem der zahlreichen Beschwerdeführer die Einrichtung der
Kreismünzstätten in Vorschlag gebracht. Hätte man dieselben
im Sinne der schon im Jahre 1571 gefassten Beschlüsse organisirt,
so wäre dadurch, und zwar in Folge der Betriebssperre in den
kleinen Münzhäusern die Ausgabe kleiner geringhaltiger Münzen
im Bereiche der deutschen Länder eingestellt gewesen, wodurch die
Zurückweisung der ausländischen schlechten Geldsorten wesentlich
erleichtert worden wäre. Den Beschwerdeführern handelte es sich
offenbar gar nicht um die Behebung der von ihnen wiederholt
geschilderten Uebelstände — sie würden damit nur ihrem eigenen
Interesse geschadet haben — der Reichsregierung gebrach es hiezu
längst an der erforderlichen Macht.
Für die österreichischen Länder, auf deren Ausbeutung es
unverkennbar ziinächst abgesehen war, ergaben sich aus den
geschilderten Münzverhältnissen grosse Uebelstände. Unterm 3L März
1584 richteten die Reich shofräthe an die Hofkammer eine Note, in
welcher auf das Umsichgreifen der schlechten Geldsorten und auf
unter den Kaisern Maximilian IT., Kudojpti II. uml .Mathias.
245
die dadurch herbeigeführte Werthsteigerung der guten MUuzen,
endlich auf den Naehtheil hingewiesen wurde, welcher daraus dem
Kaiser an den Reichssteuern zugeht. Die Note betonte, dass nach
dem Reichstagsschlusse die Kreise zusammentreten mögen, „um
alle solche wider die Mlinzordnung einreissende mengel für Handt
zu nemmen, vnd von steiffer wlirklicher Handthabung dess Mlinz-
Edicts rathschlagen handien und schliessen sollen;" — die Hof-
kammer möge zu diesem Ende ihren Einfluss geltend machen. Aus
den Verhandlungen lässt sich entnehmen, dass der Reichshofrath
und die Hofkammer den herrschenden Schwierigkeiten rathlos
gegenüberstanden, i) In trostloser Weise schleppten sich die leidigen
Münzzustände fort. Aus Augsburg, ddo. 13. Mai 1605 stellten die
Räthe der im Münzwesen vereinigten drei Kreise Franken, Schwa-
ben und Baiern an Kaiser Rudolph H. die Bitte, er möge alsbald
den Erzbischof und Kurfürst zu Mainz als Reichserzkanzler wegen
Ausschreibung eines allgemeinen Münztages für alle zehn Kreise
veranlassen, a) Kurfürst Johann Seh weikhard von Cronberg
scheint dem Antrage wenig geneigt gewesen zu sein. Dieselben
Räthe bringen ddo. Nürnberg, 5. October 1605 an die Reichsregie-
rung eine neue Eingabe ein, in welcher sie Beschwerde erheben,
dass des oberrheinischen Kreises geistliche und weltliche Stände
„mit Verkhaufung Ihrer Münzfreiheiten, Ufrichtung vnnterschiedt-
licher neuer, verbottener Hecken-Münzstätt, mit vberheuften Münzen
der kleinen boesen Sorten sich vnterstandan : Alles den Reichs-
Constitutionibus vnnd Münz-Edict zu sonnderbarer Verachtung"
und schliesslich um Abhilfe bitten.»)
Die österreichischen Erbländer speciell betreffend, schilderte
der bereits erwähnte Münzunternehmer Bartholomäus Albrecht in
einer Eingabe ddo. Prag, 1. December 1606 die bestandene grosse
Münzverwirrung; er sagte unter anderm: „das ein zimbliche lange
Zeit her ganze Härringstonnen voll Pfennig" in die kaiserlichen
Länder eingebracht wurden, welche ausserordentlich geringhaltig
waren. Er veranschlagte, dass der undaufenden Geldsorten bei
fünftausend verschiedene Gepräge sind und man gar nicht wissen
kann, woher diese verschiedenen Münzen stammen. Er tadelte, dass
1) K. k. H. K. A., F.isc. 17508.
8) und ») Daselbst 17319.
wv<^
246
Johann Ncwald: Das österreichische Münzwesen
diese schlechten Sorten angenommen werden, anstatt sie zu ver-
bieten, es mache den Eindruck, „das man zu denFrembden spricht,
khombt, nembt vnnser guett Geldt, macht geringes böses daraus^
wir wollen es so gern alss das guette nemen.^ Albrecht hebt weiter
den üblen Einfluss hervor, den das schlechte Geld auf das Kriegs-
wesen nimmt. Er betonte, dass ein Regiment Fussknechte von
3000 Mann nunmehr monatlich 40.000 Gulden kostet, während
früher als noch alles mit gutem Geld bezahlt wurde, diese Auslagen
nur 23.000 Gulden betrugen. Je mehr das schlechte Geld überhand
nimmt, um desto höher steigen die guten groben Münzsorten, auch
alle Victualien und Lebensmittel.
Die Hofkammer richtete nunmehr ddo. l'iag, 2a Februar 1607
an die geheimen Käthe eine Note, in der hervorgehoben wurde,
dass die im Mtinzwesen eingerissenen Unordnungen eine „General-
Reformation so fürderlich allss müglich hoch von nöthen" erscheinen
lassen, daran eine Vorarbeit zur Berathung anschliessend, welche
auch dem Erzherzog Mathias, sowie den Kammern in Böhmen,
Schlesien und Tirol und mehreren Beamten zugemittelt wurde. Ein
ddo. Prag, 2. März 1607 an die kreisausschreibenden Fürsten im
Reiche gerichteter kaiserlicher Erlass meldete denselben die Ein-
bringung einer „General-Münz-Reformation" und ersuchte, die
Reichsstände mögen das Erforderliche vorbereiten. Unterm 25. Juli
1607 wurde eine Zahl von Ständen, darunter auch der Erzherzog
Mathias zur Einbringung ihrer Gutachten neuerdings aufgefordert. *)
Zu der geplanten „General-Münz-Reformation" kam es damals, der
namentlich am Kaiserhofe eingetretenen politischen Schwierigkeiten
wegen, nicht. Dafür erschien eine Zahl von Münzmandaten, welche
von Kreistagen, Valvationscommissionen, verschiedenen Münzstän-
den u. s. w. ausgingen, die aber schliesslich den weiteren Verfall
im Münzwesen nicht mehr aufzuhalten vermochten. 2)
Nachdem im Vorhergehenden die trostlosen Uebelstände,
unter denen das Münzwesen der österreichischen Länder zu leiden
1) Sämmtliche Acten im K. k. H. K. A., Fase. 17319.
2) Hirsch 1. c. III. Bd. bringt zahlreiche in diese Periode gehörige Münz-
edicte. Die auf die österreichischen Länder bezüglichen Mandate befinden
sich in Originalien in der Patentensammlung des k. k. Hof kammer- Archives.
unter den K;ii>ern .Maximilian ]l., Kudolph II. und Mathias. -~r *
hatte, wenn auch mir in den Hauptzügen geschildert wurden, kehren
wir in das Wiener Münzhaus zurück. Seit den ältesten Zeiten gehör-
ten in Wien die Gold- und Silberarbeiter unter die Jurisdiction
des Münzmeisters. Nachdem das Münzmeisteramt oft durch Jahre
unbesetzt war, suchten sich dieselben von dem ihnen lästigen
Gerichtsstande frei zu machen. Im Jahre 1589 wurden in dieser
Richtung Beschwerden, namentlich aber gegen den Wiener Gold-
arbeiter Christoph Hedeneck erhoben, über den angezeigt wurde,
dass er einen Handel mit Silber und Gold treibe, auch auf der
Schottenbastei eine Silberschmelz- und Scheideanstalt im Betriebe
habe, wodurch dem Münzanite bei jeder Mark ein Entgang von
zwei Schilling Denar erwachse. Der zur Verantwortung gezogene
Hedeneck wollte geltend machen, dass die Goldschmiede als Haus-
genossen der Münze seit König Rudolph I. privilegirt sind und das
Recht zum Silber- und Goldhandel besitzen, was ihnen übrigens,
ihres Geschäftsbetriebes wegen, gar nicht verwehrt werden könne.
In ähnlicher Weise äusserte sich der Münzmeister Lorenz Huebmer.
In einer eingehenden von grosser Sachkenntniss zeugenden Rela-
tion widerlegt der Wardein Andrae Händl die Ausfuhrungen des
Hedeneck, hebt hervor, dass unter die Hausgenossen einst nur die
Münzer und Wechsler gezählt wurden, weiset unter Vorlage von
Urkundenabschriften nach, dass die Münzhausgenossen schon Erz-
herzog Ferdinand I. im Jahre 1522 ganz aufgehoben habe und
beantragte, dass dem Hedeneck im Interesse der landesflirstlichen
Münze der Gold- und Silberhandel eingestellt, auch das Scheiden
und Schmelzen verboten werde. Der über den Fragegegenstand ein-
vernommene Vicedom Wolf Fürth äusserte sich in seinen» Berichte
vom 30. März 1589 im Sinne des Wardeins und seiner Anträge. Im
weiteren Verlaufe der Verhandlungen wurde erhoben, dass nicht
bloss durch Hedeneck, sondern in vielen Häusern Gold und Silber
geschmolzen und dadurch das Münzamt geschädigt werde. Mit
dem Erlasse des Erzherzogs Ernst ddo. Wien, 18. Jänner 1595
an die niederösterreichische Kammer wurden die einschlägigen
Generalien erneuert und die strengste Handhabung derselben ange-
ordnet, i)
K. k. H. K. A., Fas. 17508.
'-r^i>^?!
248
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Eine Eingabe des mehrgenannten Nürnberger Handelsmannes
Bartholomäus Albrecht führt nunmehr zur Besprechung seiner
Münzunternehmungen. Er war unter Hinweis auf die vielen Anfein-
dungen, denen er sich bei seinem Münzbetriebe ausgesetzt sah, für
Prag um die Verleihung eines Münzprivilegiums eingeschritten. Mit
dem Erlasse ddo. Prag, 26. März 1588 wurde ihm bekannt gegeben,
dass in Bezug auf die Thalerprägung in Prag, ein auf seine Erben
übergehendes Privilegium nicht verliehen werden könne, gegen
Anfeindungen wurde ihm ein besonderer kaiserlicher Schutz zuge-
sagt. Die Einlösung der geringen Münzen anbelangend, wurde auf
die bestehenden Generalien, denen zufolge diese Sorten in die
kaiserlichen Münzhäuser einzuliefern sind, hingewiesen. Falls er
solche Münzen im heiligen römischen Reiche einlöset und dabei
nicht gegen die Reichsmünzordnung verstösst, soll ihm kein Hinder-
niss gelegt werden. In Bezug auf die Verschmelzung, Seigerung und
Körnung geringer Münzen und dass dabei keine Verschwärzung
unterlaufe, habe er sich an die bestehenden Generalien zu halten.
Die in seiner Schmelz und Seigerhütte zu Nürnberg gewonnenen
Pagamente anbelangend, müsse er sich ebenfalls der Reichsmtinz-
ordnung unterwerfen. Das von ihm gelieferte Pagament soll in Prag
auf Thaler vermünzt werden. »)
Albrecht war mit Paul Diether von Nürnberg, welcher dort
von 1587 — 1599 Münzmeister des Erzherzogs Maximilian war, in
Geschäftsverbindung getreten und hatten dieselben bis zum Jahre
1595 aus 3363 Mark Gold 228.648 Ducaten mit Wappen und Titel
des Erzherzogs ausgemünzt, lieber Antrag der im April 1595 zu
Nüraberg tagönden Probationscommission der drei correspondiren-
den Kreise Franken, Bayern und Schwaben wurde Albrecht vor den
Rath der Stadt Nürnberg gerufen. Bei der Verantwortung scheint er
insonders auf sein mit der kaiserlichen Hofkamnier bestehendes
Geschäftsverhältniss gepocht und sich anmassend und trotzig benom-
men zu haben. Nachdem er nicht nachzuweisen vermochte, dass er
sich lediglich auf die Ummünzung leichter Sorten, worauf auch
nur seine Vereinbarung mit der Hofkammer lautete, beschränkt
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 321, Fol. 54^ers,
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. - '
habe, wurde über ihn vom Rathe der Stadt Nürnberg eine grosse
Geldstrafe verhängt. <)
Bartholomäus Albrecht war unverkennbar ein eben so ge-
wandter, wie thätiger Geschäftsmann. Er unterhielt Factorien zu
Wien, Prag, Breslau und an anderen Orten. Durch die ganze Dauer
des TUrkenkrieges 1593 bis 1606 leistete er der kaiserlichen Regie-
rung durch Geldvermittlungen grosse Dienste; er fand somit Wege,
um sich der Durchfuhrung dieses Straferkenntnisses fort und fort zu
entziehen. Als ihm auch von Seite der Hof kammer der Mtinzbetrieb
eingestellt wurde, 2) brachte Albrecht ddo. Prag, 9. December 1606
1) Vergl. Hirsch 1. e. III. Bd., Seite 45.
3) Aus Prag, ddo. 7. Jänner 1604 erging ein kaiserlicher Erlass an den
Erzherzog Mathias, worin gesagt wird, dass Barth. Albrecht in den Jahren
1602 und 1603, 853 Mark, 13 Loth, I1/2 Dn. aus ungarischen Pfennigen abge-
triebenes Silber zu Kuttenberg in kaiserliche Thaler ummünzen Hess, — es sei
nachzuforschen, ob nicht bei der Einlösung der geringen Geldsorten Unzu-
kömmlichkeiten vorkamen. K. k. H. K. A. Fas. 16360. Diese Angelegenheit
behandelt auch eine Stelle aus der Chronik des Dacicky, II. Bd.. Seite 87,
welche hier mitgetheilt wird:
„Mit kaiserlicher Bewilligung hat ein reicher Ausländer Namens Albrecht
Bartt im Jahre 1602 centnerweise ungarisches Kleingeld aufgekauft, nach
Kuttenberg verführt und von diesem Silber kaiserliche Thaler nach Schrot
und Korn den hiesigen Thalern gleich hier geprägt und ins Ausland verführt.
Das hieraus gewonnene Kupfer verblieb dem Kaiser und die hiesigen Münzer
wurden vom Bartt selbst gezahlt. Dies geschah aus der Ursache, weil im Aus-
lande diese Thaler sehr gesucht waren und daselbst wieder zu Kleingeld,
jedoch schon vom schlechteren Schrot und Korn umgemünzt wurden.
„Im alten Kuttenberger Bergarchiv sub Nr, 6396/11 befindet sich ein
Schreiben des Albrecht Bartt an die Hofkammer in Wien, in welchem er
Beschwerde führt, dass man seinen Sohn im Jahre 1603, wo er den Rest der
Silber aus der Kuttenberger Münze abholen wollte, festhält und sogar inhaf-
tirt hat. In dieser Eingabe erwähnt er, dass er von 15i>2 bis 1595 etliche Hun-
derttausend Gulden an neuen Ducaten per 112 Kreuzer und an neuen Thalern
per 70 Kreuzer dem Kaiser zum Kriegswesen hergeliehen und verspricht,
dieses auch künftighin zu thun, falls sein Sohn freigelassen würde.
„Dieses Schreiben wurde von der Hof kammer der böhmischen Kammer
mit dem Bedeuten zugemittelt, dass zugleich auch die niederöstorreichische
Kammer sich darüber beschwert, dass der Supplicant bis jetzt die besten unga-
rischen Münzen Gold und Silber in Ocsterreich aufkaufe und selbe wieder in
Kuttenberg vermünze, hitMlurch ein grosser Mangel an Münzen in Ocsterreich
♦M.r^n.l.t . n}>w..lil «l.T >;iiimli<-:iiit vorL'-ilit, (1;i.s.m (m- die schlechteste. üTeringste
250
Johann Newald: Das österreichische M'
an den Hofkammer-Präsidenten Helm hart Jörg er eine Eingabe
ein, in welcher er seine, gegenüber dem Käthe der Stadt Nürnberg
noch immer nicht ausgetragene Angelegenheit erörtert und hervor-
hebt, dass so wie früher, ihm auch jetzt noch grosse Gold- und
Silberniengen zukommen. Er bezeiclinete seine Ducaten und Reichs-
thaler an Korn und Schrot als gerecht und bat schliesslich um
neuerliche Verleihung des Miinzbefugnisses. «) Auf Grundlage ein-
gehender Erhebungen erstattete der Hof kammer-Präsident einen Vor-
trag an den Kaiser, in welchem zunächst betont wird, dass die
Beschwerde des Albrecht gegen den Rath von Nürnberg keine
Kammer-, sondern eine Justizsache sei, auch nach Nürnberg bereits
ein Erlass abgegangen ist. In Bezug auf die Ausmünzung seines
Goldes und Silbers zu Ducaten und Thalern in den Münzhäusern zu
Prag und Kuttenberg bestehe keine Schwierigkeit. Albrecht habe
bis zu seinem Anstände mit dem Rathe von Nürnberg 1595 zu Prag
und Wien unter kaiserlichem Gepräge münzen lassen, was einige
100 Centner an Gewicht ausgetragen und er davon 40.000 Thaler
Schlagschatz bezahlte. Die Ducaten anbelangend, wird vorgeschla-
gen, dass man dieselben nur in der Grösse wie „des Königs in
Ungarn Mathias alte Räblerducaten gewesen", ausmünzen sollte,
indem kleine Ducaten nicht so leicht beschnitten werden können.
Münze aufkauft, so ist doch unglaubwürdig, dass er aus der schlechten Münze
gute gerechte Münze ohne Schaden vermünzen kann." Es müsse etwas dahinter
stecken und es wäre gut, durch die böhmische Kammer beim Obristmünz-
meister und bei den Kuttenberger Münzamtleuten eine gründliche Erkundigung
zu holen, was für eine Münze und Silber Albrecht Bartt in die Kuttenberger
Münze eingebracht, wo selbes probirt, wie viel Thaler und Ducaten er ver-
münzt, wohin er dieselben verführt, was hiebei dem Kaiser tüi- ein Gewinn
zugefallen, und ob er nicht vielleicht ungarische Münzen und zusammen-
geschmolzenes Silber in die Münze bringt. Da man nicht weiss, wo er die
Silber und das Gold hernimmt, entgegen in allen Ländern die Klage ist, dass
die gute alte Münze und das Silber abnimmt und aus den eigenen Ländern
verführt wird, wolle die böhmische Kammer diese Sachen zu ergründen trach-
ten und an die Hof kammer berichten. "^
1) Aus Colin an der Spree, ddo. 13. Mai 1606 verwendete sich auch der
Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg für Albrecht, damit seine nun
schon 11 Jahre währende Angelegenheit mit dem Rathe von Nürnberg aus-
getragen werde.
unter den Kaijorn Maximilian 11., Kmloipii U.
251
In der Audienz vom 2. Oetober 1607 genehmigte Kaiser Rudolph II.
diese Anträge. »)
Nachdem Bartholomäus Albrecht die Aussicht auf die Fort-
setzung seines MUnzbetriebes wieder eröffnet sah, legte er mit der
Eingabe ddo. 22. November 1607 Entwürfe für die neu auszuprä-
genden kaiserlichen Münzen, und zwar flir Thaler, zehnfache und
einfache Ducaten vor. Er reducirte wesentlich den Durchmesser der
Münzen, darauf hinweisend, dass das Beschneiden um so leichter
durchführbar sei, je breiter die Münzen ausgeprägt werden. Nach
den seinem Antrage beigefügten höchst zierlich ausgefertigten
Zeichnungen würden die Thaler einen Durchmesser von 35, die
zehnfachen Ducaten von 32 und die einfachen Ducaten von 20 Milli-
meter erhalten haben. Die Vorderseite zeigt den stehenden Kaiser
in voller Rüstung mit der Krone, Zepter und Reichsapfel, zu beiden
Seiten mit d^m Herzogshute bedeckte Wappenschilde, und zwar
rechts den Bindenschild, links Burg und. Die Umschrift ist die
übliche. Die Rückseite der Entwürfe zeigt drei mit einem Bande
verbundene Wappenschilde, und zwar oben unter einer grossen
Krone den Doppeladler, darunter rechts Ungarn, links Böh-
men. Für das Zehnducatenstück war als Umschrift beantragt:
Mone -no- caesarea -aureor-ducat-decem. 3) Nachdem, wie oben ein-
gehend dargethan wurde, die das ganze deutsche Münzwesen in
das Auge fassenden Reformbestrebungen abgebrochen wurden,
blieben auch die Anträge des Bartholomäus Albrecht, aus denen
Münzen hervorgegangen wären, welche unzweifelhaft unter die
schönsten ihrer Zeit gehört hätten, ohne Erfolg.
Was nunmehr die Münzen, besonders die Thaler anbelangt,
welche unser Münzunternehmer seit dem Jahre 1578 zu Wien, Prag
und Kuttenberg, auch höchst wahrscheinlich aus den übrigen böh-
mischen Münzhäusern ausgehen liess, entsprechen sie im Allge-
meinen allerdings dem von Antonio Abondio für die Thaler Kaiser
Rudolph II. angefertigten Entwürfe, allein das Gepräge ist ein höchst
1) K. k. H. K. A., Fase. 17319. Auf dem Vortrage findet sich für die beau-
tragte Grösse der einfachen Ducaten ein Kreis gezeichnet, dessen Durchmesser
20 Millimeter beträgt.
'} Daselbst Fase. 17508.
252
Johann Xewald: Das österreichische Münzwesen
mangelhaftes. Die Stempel für die Thaler wurden von einem wenig
geübten Eisenschneider angefertigt, sie werden um so unschöner,
eine je höhere Jahrzahl sie tragen. Als gänzlich misslungen muss
auf vielen Stücken der Adler bezeichnet werden. Bei einigen dieser
Thaler zeigt das Brustbild bezüglich Styl und Charakter der Aus-
führung viele Aehnlichkeit mit dem im Wiener Münzhause gepräg-
ten Thaler des Erzherzogs Maximilian vom Jahre 1587, so dass die
Annahme, es sei bei der Anfertigung der Stempel der oben genannte
Wiener Eisenschneider Jacob Soherer betheiligt gewesen, viele
Berechtigung hat.
Der Umstand, dass während der Zeitperiode, in welche die
Münzprägungen des Bartholomäus Albrecht fallen, ziemlich häufig
Thaler vorkommen, welche unter die böhmischen Münzen eingereiht
werden, auf denen jedoch der böhmische Löwe fehlt, verlangt alle
Beachtung. Wie wir wissen, hatte über Antrag der böhmischen
Stände Ferdinand I. im Jahre 1543 verordnet, dass auf den aus den
böhmischen MUnzhäusern ausgehenden Thaleru das Landeswappen,
nämlich der Löwe in einem Schildchen, anzubringen ist. «) Während
auf den kleinen Münzen diese Anordnung strenge eingehalten wurde,
kommen durch eine ziemlich lange Zeitperiode Thaler vor, auf
denen unverkennbar absichtlich der sonst unter dem Brustbilde
ersichtliche Löwe weggelassen und dafür irgend ein Zierath, eine
Rosette etc. angebracht, oder auch der betreffende Raum ganz leer
gelassen wurde. Wenn auch in den Acten unter den böhmischen
Mün/häusern lediglich jene zu Prag und Kuttenberg erwähnt wer-
den, wo Albrecht sein Prägegeschäft betrieb, wozu er das erforder-
liche Pnganient durch Einschmelzen gerin^rhaltiger kleiner Münzen
beistellen sollte, so lässt sich daraus durchaus nicht der Schluss
ziehen, dass ihm die Münzhäuser zu Joachimsthal und Budweis
gesperrt waren. Die Vortheile, welche der Hofkammer aus dem
Schlagschatz, welchen Albrecht abstattete, zuflössen, waren derart,
dass wohl ein Fördern seiner Thätigkeit, nicht aber eine Einschrän-
kung angenommen werden darf. Durch das Ausscheiden des Landes-
wappens von den Thalern wollte man offenbar, im Falle Beschwer-
den über Korn und Schrot derselben vorkamen, die Vertretung
1) MünzNveseu unter Ferdinand I., Seite 113.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
255
ablehnen und selbe auf den Unternehmer Albrecht übertragen
wissen.
Die in Rede stehenden Thaler sind in verschiedener Weise
bezeichnet. Wir finden einen sechsstrahligen Stern, einen Löwen-
kopf, einen Delphin, einen Hundskopf. Mehrere dieser Zeichen
werden uns später noch beschäftigen. Für die Beurtheilung, welche
dieser Thaler in Wien und welche in einem der böhmischen Münz-
häuser geprägt wurden, liegen nur wenige Anhaltspunkte vor. Die-
selben Stempeleisen dürften bald an dem einen, bald an einem
anderen Orte, je nachdem dort Silbervorräthe angesammelt waren^
verwendet worden sein. Ja es ist sehr wahrscheinlich, dass viele
dieser Thaler zu Nürnberg, wo Albrecht, wie wir wissen, ebenfalls
eine Scheid erei im Betriebe hatte, geprägt worden sind. Man ersparte
dadurch die Ueberführung der Pagamente nach Wien oder in eines
der böhmischen Münzhäuser. Da Albrecht im Namen und Auftrage
der Hofkamraer nach allen Richtungen Geldzahlungen vermittelte,
musste ihm daran liegen, an mehreren Orten Baarvorräthe zu be-
sitzen.
In der Geschichte des österreichischen Münzwesens ist der
Mtinzprägebetrieb des Unternehmers Bartholomäus Albrecht aus
Nürnberg, so viel mir bekannt, noch nicht besprochen worden.
Durch die vorstehenden Erörterungen sollen Numismaten und Ge-
schichtsforscher zunächst auf diesen Gegenstand aufmerksam ge-
macht und zu weiteren archivalischen Studien angeregt werden,
wodurch die interessante, hier nur in den Hauptzügen angedeutete
Angelegenheit vollends klnr gestellt werden könnte, i)
Wie oben Seite 241 mitgetheilt wurde, fand im Jahre 1587 im
Wiener Münzhause eine Thalerprägung für den Erzherzog Maximi-
lian statt, an welche sich noch eine zweite Thalerausmünzung
anschloss. Zwei in die oben genannte Sammlung Donebauer gehö-
rige Thaler Rudolphs II. vom Jahre 1587 geben Anlass, um MUnz-
1 Eine abfällige Aeusserimg über Bartholomäus Albrecht uml seinen
( Jeschäftsbetrieb gab der Reichspfennigmeister und kaiserliclie Hofkammer-
rath Zacharias Geitzkhofler, ein Bruder des Joacliimsthalor MUnzmeisters
Geitzkhofler, in seinem „Müntz-Bedenken" ddo. lU. März 1607 ab. Vergi.
Hirsch 1. c. III. Bd., Seite 288 und 2tȟ.
254
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
forscher auf den wabrscheinlicben Zusammenhang derselben mit
der erwähnten zweiten Thalerausmünzung aufmerksam zu machen.
Eine Vergleichung dieser beiden Stücke mit den gleichzeitigen
Thalern Rudolphs II. lässt alsbald erkennen, dass sie einem beson-
deren Anlasse ihre Entstehung verdanken. Dieselben weichen höchst
wesentlich von dem mehrerwähnten Modell des Antonio Abondio,
nach welchem die Ausprägung der grossen Münzsorten in den kaiser-
lichen Münzhäusern stattzufinden hatte, ab. Während auf den
Thalern dieser letzterwähnten Form das geharnischte Brustbild des
Kaisers ohne Krone oder Lorbeerkranz, ohne Vliesskette und ohne
Beigabe eines Zepters oder des Reichsapfels dargestellt ist, trägt
auf den in Rede stehenden zwei Thalern das geharnischte Brustbild
eine ziemlich hohe Infelkrone, die rechte Hand hält den Zepter, die
linke den Reichsapfel, über den Brustharnisch liängt die Vliesskette
herab. Die Rückseite zeigt nicht den sehwebenden Adler des Abon-
dio, sondern der Adler hat hier die gewöhnliche heraldische Form,
auf der Brust ein mit einer offenen Krone bedecktes, mit der Vliess-
kette unigel)enes ziemlich grosses viergctlieiltes Wappenschild mit
dem böhmischen Löwen und den ungarischen Binden, im Herz-
schilde das österreichisch-burgundische Wappen. Auf beiden Seiten
entspricht die Umschrift dem Modell des Abondio. In jener der
Rückseite kommt unter dem Adler eine ziemlich grosse Lilie ohne
Einfassung vor, welche jene Form hat, wie wir sie auf französischen
Münzen jener Zeit antreffen, i) Diese Lilie ist wesentlich verschie
den von dem MUnzzeichen des Prager Münzmeisters Lazar Erker,
welches als ,,Doppellilie" auf den Thalern etc. desselben anzu-
treffen ist, von dem allein hier die Rede sein könnte; da im Jahre
1587 kein anderer kaiserlicher Münzmeister die Doppellilie als sein
Zeichen führte.«) Zu bemerken kommt schliesslich, dass auf den
beiden Thalern, unter dem Brustbilde, der sonst auf den böhmischen
Thalern Rudolphs IL an dieser Stelle vorkommende böhmische
Löwe fehlt.
Es möge nunmehr gestattet sein, dem Vorstehenden einige Er-
wägungen anzureihen. Die Erzherzogin Elisabeth, eine Schwester
1) Der eine dieser Thaler ist bei Schultess-Rechberg unter Nr. 793
beschrieben.
2) Von diesem Münzzeichen wh'd später noch die Rede sein.
uuter deu Kaisern Maiimilian 11., Rudolph II. und Mathias.
2öb
Rudolphs IL, am 22. October loTO mit dem König Karl IX.
von Frankreich vermalt, wurde schon am 30. Mai 1574 Witwe und
übersiedelte nach Wien. Es kann uns nicht Überraschen, dass sowohl
ihre Witwendotation aus Frankreich, sowie das „Deputat", welches
ihr Rudolph 11. auszubezahlen hatte, ziemlich unregelmässig ein-
gingen. Einen grossen Theil ihres Einkommens widmete sie für das
von ihr gestiftete Königinkloster in der Dorotheergasse zu Wien.
Mit der Resolution ddo. Prag, 24. August 1587 wurde der Erzherzog
Ernst angewiesen, einen der „Königin von Frankreich gebührenden
Ausstand" von 35.403 Gulden auszubezahlen, i) Ein Theil der ihr
zukommenden Gelder machte die Ummünzung in gute gangbare
Sorten nothwendig, was noch im Jahre 1587 im Wiener Münzhause
stattfand. Die Königin starb schon zu Wien am 22. Jänner 1592.
Während dem Verlaufe der Nachlassverhandlungen ordnete der
Kaiser „die vermünzung aus weiland der Khunigin aus Frankreich
hochseligisten gedechtnuss Silber in Taller" an. Diese Vermünzung
fand im Jahre 1594 statt. Ein zwischen dem Münzmeister Huebmer
und dem Wardein Händl ausgebrochener Streit gab Anlass zur
nachträglichen Untersuchung der diese Thalermünzungen betreffen-
den Rechnungen, wobei „alles vleiss nachgeforscht vnd wie der
Wardein fürgeben, befunden, das diese Taller ja am Schrot zu
gering, aber der Vberschuss Ihrer Kh. Mt. durch den Münzmeister
zu gewinn khumen vnd verrait worden." Die ganze Angelegenheit,
wobei es sich auch um die Austragung verschiedener zwischen dem
Wardein und dem Münzmeister obschwebenden Streitfragen han-
delte, wurde endgiltig erst durch den Erlass des Statthalters in
Wien, Erzherzog Maximilian, ddo. Wien, 20. Juni 1597 erledigt, a)
Aus dem Dargestellten geht hervor, dass sowohl im Jahre
1587, so auch 1594, Silber der Königin von Frankreich ganz selbst-
ständig in Thaler vermünzt worden ist. Nachdem im Jahre 1587 die
Thaler des Deutschordens-Hochmeisters Erzherzog Maximilian mit
dem Brustbilde und Wappen desselben ausgemünt wurden, erscheint
die Annahme kaum als zu gewagt, dass man der Königin das Zuge-
ständniss machte, ihr Silber unter einer besonderen Darstellung des
Kaisers und mit ihrem Wappen, der Lilie, markirt auszuprägen. Für
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 150, Fol. 168vor.s.
2) Daselbst Fase. 17508.
256
Johann ^^ewald : Das österreichische Münzwesen
die Eiureihung der mehrerwähnten beiden Thaler unter die böhmi-
schen Münzen Rudolphs IL ergibt sich kein auch nur in etwas
genügender Anhaltspunkt.
üeber die Ausstattung der im Jahre 1594 aus dem von der
Königin Elisabeth hinterlassenen Silber geprägten Thaler vermag ich
dermalen verlässliche Daten nicht anzugeben. Gross kann die Zahl
derselben nicht gewesen sein, daher ich mich jetzt darauf beschrän-
ken muss, Numismaten auf etwa vorkommende besonders ausge-
stattete Thaler Rudolphs IL aus jener Zeit aufmerksam zu machen.
Bei dem dermaligen Stande der numismatischen Wissenschaft
erscheint es als unabwcislich, jedesmal, wenn Münzen vorkommen,
welche von dem für die Ausprägung allgemein bestandenen Nor-
male abweichen, den Ursachen dieser Abweichung nachzuforschen.
Im Wiener Mtinzhause erhielt sich während der Dauer des
Türkenkrieges ein ziemlich lebhafter Betrieb aufrecht, und zwar
durch die Umprägung der dem Kaiser aus dem Reiche zugekom-
menen Hilfsgelder, welche nur zu häufig in geringhaltigen Sorten
geleistet wurden. Dass dabei auch eine erhebliche Thalerausmünzung
stattfand, ergibt sich aus dem Erlasse ddo. Wien, 4. April 1603, mit
welchem der Münzmeister Lorenz Huebmer und der Wardein Andrae
Händl zur sorgfiiltigen Ueberwachung der „Thaler-Ausschrotung^'
angewiesen wurden, i)
Der Münzmeister Lorenz Huebmer starb Ende Juni 1604.
Indem die Witwe das Ansuchen stellte, mit Jahresschluss vom
Münzamte enthoben zu werden, auch der Wardein Andrae Händl
sich zur Abstattung des Verlages von 1000 fl. bereit erklärte,
erfolgte über Erlass der anwesenden Hofkammer vom 24. Jänner
1605 durch die niederösterreichische Kammer unterm 8. Februar
1605 die Bestellung des Andrae Händl als Münzmeister und des
Mathias Huebmer, Sohn des verstorbenen Mltnzmeisters, als
Wardein, beide provisorisch bis zur kaiserlichen Entscheidung. 2)
1) K. k. H. K. A., Fase. 17315).
8) Daselbst Fase. 17505. Münzschmiedmeister Georg Koller hatte für die
nied. österr. Kammerbuchhalterei 1530 Stücke kupferne Raitpfennige geprägt.
Es wurden ihm ddo. Wien, 22. April 1604, per Hundert 8 kr., somit zusammen
2 Gulden ausbezahlt. Fase. 17319.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. -■ ' '
Der Bestellung dieser beiden Münzbeamten war, nachdem sich um
den erledigten Münzmeisterdienst auch der Siegelschneider Hanns
Schöller, der Grazer Münzmeister Simon Balthasar und der
Prager Münzmeister Hans Lasanz beworben hatten, eine ein-
gehende Concursprüfung vorausgegangen. Die Eingaben der beiden
letzteren Bewerber werfen ein eigenthümliches Licht auf die damals
obwaltenden Zustände. Simon Balthasar brachte vor, dass er seit
sechs Jahren in Graz im Dienste stehe, von der Landschaft jedoch
trotz wiederholtem Anlangen noch immer keine Instructionen erhalten
habe, auch keine Amtsbesoldung empfange, „darbey ich dann
anderss nichts als grosse sorg vnd meines armen Weibs vndKhinder
höchstes Verderben zu gewartten habe.'' Die Beschwerden des
Prager Münzmeisters Lasanz werden bei der Besprechung des
Prager Münzhauses beleuchtet werden. Ein kaiserlicher Erlass ddo.
Prag, 7. Juni 1605 forderte den Erzherzog Mathias zur Bericht-
erstattung über das Ansuchen des Lasanz auf. Die Differenz
zwischen den beiden Regierungen zu Prag und Wien war jedoch
schon so hervortretend, dass der verlangte Bericht gar nicht erstattet
wurde und der Erzherzog, ohne eine Entscheidung des Kaisers ab-
zuwarten, den Andrae Händl unterm T.Jänner 1606 in seiner provi-
sorischen Bestellung als Münzamtsverwalter bestätigte. Die definitive
Ernennung erfolgte erst, nachdem Erzherzog Mathias die Regierung
von Ungarn und Oesterreich übernommen hatte, mit der Resolution
ddo. Wien, 16. September 1609. i)
Es wurde bereits hervorgehoben, dass in dem bekannten
„Thaler-Kabinef' von Schultess-Rechberg keine aus dem Wiener
Münzhause ausgegangenen Thaler Rudolphs IL aufgezählt werden.
An sich schon musste die Annahme als bedenklich erscheinen, dass
während der ganzen Regierungsdauer dieses KAisers, das ist von
1576 bis zur Abtretung von Ungarn und Oesterreich an den Erz-
herzog Mathias im Jahre 1608 in Wien gar keine Thalcrpräguug
stattgefunden haben sollte. Durch die vorhergclHMulcn actciiiiiilssinen
1) K. k. H. K. A. Fase. 17508 und 17317. Die eingehenden Coujmissiouö-
Protokolle über die durchgeführten Concurs-PrUfungen liegen noch in den
Acten.
258
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
Nachweise dürfte diese Frage als gelöset erscheinen. Wir haben
zunächst die umfangreichen Thalerprägungen des Münzunternehmers
Bartholomäus Albrecht zu erwägen, dessen Geschäftsbetrieb
unzweifelhaft auf die Ergebnisse des eigentlichen landesfürstlichen
Münzgeschäftes lähmend eingewirkt hat. Ein Betriebsaufschwung
macht sich bei diesem letzteren erst seit der Uebernahme des Münz-
amtes durch den Münzmeister Lorenz Huebmer Ende 1587 bemerk-
bar. Das Gepräge der unter demselben ausgegangenen Thaler und
Halbthaler schliesst sich, das Brustbild und den Adler anbelangend,
dem Entwürfe des Antonio Abondio an, nur wurden die Stempel
von einem sehr mittelmässigen Eisenschneider angefertigt. Eine
Abweichung zeigt sich nur durch die Yliesskette, welche über dem
Harnisch des Kaisers liegt. Die Umschrift stimmt auf beiden Seiten
mit dem Modell des Abondio. Es liegen mir aus den Sammlungen
der Herren Donebauer und Spöttl 4 Thaler und 2 Halbthaler vor,
wovon der älteste vom Jahre 1592, der letzte von 1602 ist. Als
Münzmeisterzeichen findet sich unter dem Brustbilde ein Ring mit
einem kurzen Dorn, wie wir denselben auf von Raufbolden ge-
tragenen sogenannten Schlagringen antreffen.
Dem Lorenz Huebmer folgte als Münzmeister im Anfange des
Jahres 1605 Andrae Händl. Die unter dessen Amtsführung
während der Regierung Rudolphs H. im Wiener Münzhause gepräg-
ten Thaler und Halbthaler stimmen mit jenen seines Vorgängers
ganz überein, nur steht unter dem Brustbilde an Stelle des Ringes
ein Hahn. Es liegen mir aus den Sammlungen der genannten
Herren 5 Thaler, 1 Halbthaler und 1 Halbthalerklippe vor. Die
Jahrzahlen sind 1605, 1608 und 1609. 0 Die unter dem Münzmeister
Huebmer geprägten Thaler und Halbthaler sind derart unregel-
mässig ausgeformt, dass die Seite 88 ertheilte Weisung zur sorg-
fältigen Ueberwachung der „Thaler-Ausschrotung" nur allzu be-
gründet war.
In der Sammlung des Herrn Stefan Delhaes in Wien be-
findet sich ein Thaler Rudolphs IL ohne Jahrzahl und ohne Münz-
meisterzeichen. In der Umschrift der Vorderseite kommt rechts das
1) Schultess beschreibt unter Nr. 827 einen solchen Thaler von 1607, weiset
denselben jedoch nach Böhmen.
Wappen von Ungarn, links die Madonna mit dem Kinde vor. Der
Thaler würde somit als nach Ungarn gehörig anzusprechen sein,
allein an der Rückseite fehlt die Angabe der Münzstätte, wie sie
auf ungarischen Münzen stets angetroffen wird. Brustbild und Adler
stimmen mit einem Wiener Thaler vom Jahre 1601 mit dem Zeichen
des Münzmeisters Lorenz Huebmer, und überhaupt der ganze Cha-
rakter des sehr unschönen Münzstückes mit den in Wien geprä^en
Thalern jener Zeit derart überein, dass die Annahme, das fremd-
artige Münzstück sei aus dem Wiener Münzhause ausgegangen, volle
Berechtigung besitzt. Eine Erklärung dürfte sich aus der nachfol-
genden Erwägung ergeben. Des Krieges wegen kamen viele in Wien
geprägte Münzen in Ungarn zur Verwendung. Während im Wiener
Münzhause die Thaler zu 14 Loth 1 Q. 1 Pf. Feingehalt ausgebracht
wurden, fand zu Kremnitz die Beschickung zu 14 Loth statt, auch
das Schrot war dort etwas leichter als in Wien. Es lag somit der
Anlass nahe, die in Ungarn zur Verwendung kommenden Thaler
auch im Wiener Münzhause nach dem in Kremnitz üblichen Korn
und Schrot auszuprägen.
Die Münzstätte zu Prag.
Nachdem jener Einfluss, welcher sich aus dem allmäligen \ cr-
falle des Münzwesens im deutschen Reiche auf den österreichischen
Münzbetrieb unter Kaiser Rudolph IL ergeben hatte, mit der Dar-
stellung der im Wiener Münzhause eingetretenen Schwierigkeiten
im Zusammenhange geschildert worden ist, erscheint die Bespre-
chung der übrigen kaiserlichen Münzhäuser wesentlich verein-
facht.
Die Einführung der vom böhmischen Landtag am 18. Mai 1576
beschlossenen Münzordnung (Seite 42) war einer der letzten, das
böhmische Münzwesen betreffenden Regierungsacte des Kaisers
Maximilian IL Ueber Landtagsbeschluss vom 4. Februar 1577 tUgte
Kaiser Rudolph II. in dieselbe eine neue Münzsorte, und zwar die
sogenannten Mal^ Grosse, kleine Groschen, ein. Aus der Prager
Mark im Feingehalt von 6 Loth 1 Quintchen sollten 240 StUcke
17*
260
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
ausgebracht werden. 60 Ma];y^ Grosse gaben ein Schock meissnisch
oder 30 Weissgroschen, oder 1 Thaler zu 70 Kreuzer. Auch die
Stellung und der Wirkungskreis des erst vor Kurzem neu creirten
Landes-Münzprobirers wurde geordnet. Da demselben die Ueber-
wachung des Münzbetriebes in den landesfürstlichen Münzhäusern
übertragen war, scheint man ihm dort Schwierigkeiten bereitet zu
haben. <)
Beim Regierungsantritte Rudolphs IL war zu Prag Münz-
meister Hanns Härder (Seite 35). Mit der Resolution ddo. Wien^
13. September 1577 wurde an Stelle des als Münzmeister und
Zehenteinnehmer nach Joachimsthal beförderten G e o r g K a dn e r
von Greiffeneck der bisherige Raitrath Paul Sturm als
Kammerbuchhalter bestellt. Die freigewordene Raitrathstelle wurde
nunmehr dem Münzmeister Hanns Härder verliehen mit dem Bei-
fügen jedoch, „dass baide Münzen die zu Praag vnnd Budweiss
durch den jetztigen Budweisischen Münzmeister Tobias Gebharten
vnnder einer Besoldung versehen vnd bestellt werden sollen^^-)
Durch die Uebertragung der Prager Münzamtsleitung an Tobias
Gebhart kam somit die Stelle des Münzmeisters zu Budweis nicht
in Erledigung. Seinen Vorgänger Hanns Härder anbelangend, resol-
virte der Kaiser ddo. Wien, 8. Mai 1582 über Antrag der böhmischen
Kammer vom 7. März 1582, dass demselben ein Gehaltszuschuss
von jährlich 100 Thaler vom Antritt seines Raitrathdienstes, das ist
vom 1. October 1578 zu berechnen und zu bezahlen ist.») Es ver-
floss somit seit der Resolution vom 13. September 1577 ein volles
Jahr, bis die Leitung des Prager Münzhauses an Tobias Gebhart
überging. Mit dem Erlasse ddo. Prag, 11. Juli 1579 wurde Simon
Härder, der Sohn des Münzmeisters, als Wardein und Münzgegen-
schreiber in Prag bestellt.*) Endlich wurde auch über Antrag der
böhmischen Kammer vom 21. November 1578 mit Erlass ddo. Prag,
27. März 1579, dem Schmiedmeister, Münzgesellen und Münzdiener
zu Prag, zusammen sechs Personen, wie dieses auch zu Kaiser
1) Voigt, 1. c. in. Bd. Seite 235 u. f.
2) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 315, Fol. 575.
3,i Daselbst Gdkb. Nr. 318, Eol. 2 und 67.
4) Daselbst Gdkb. Nr. 316, Fol. 381.
unter den Kaisern Maximilian 11., Rudolph II. und Mathias.
261
Ferdinands und Maximilians Zeiten geschehen, jedem „einEhrkhlaid
oder 16 Gulden rhein. im Werth^^ bewilliget, i)
Nach der Uebernahme des Prager MUnzamtsdienstes nahm
Tobias Gebhart seinen Aufenthalt in Prag. Das in Budweis ge-
führte Münzmeisterzeichen, den seinem Wappen entnommeneu
Löwenkopf, richtiger Löwenrachen, vertauschte er nunmehr
mit einem sechsstrahligen Stern. Ein dem ersten Jahre seiner
Prager Amtsführung, 1578, angehöriger Thaler zeigt unter dem
Brustbilde den böhmischen Löwen, der jedoch schon auf dem Thaler
von 1579 fehlt, spätere Thaler haben an dieser Stelle eine ver-
schlungene Arabeske oder eine Rosette. Wird erwogen, dass der
Beginn der Münzprägethätigkeit des Unternehmers Bartholomäus
Albrecht gerade in jene Zeitperiode fällt, so dürfte auch das plötz-
liche Verschwinden des Landeswappens von den aus dem Prager
Münzhause ausgegangenen Thalern seine Erklärung finden. Die
Sammlung des Herrn Donebauer in Prag bewahrt eine mit dem
Sterne bezeichnete Thalerklippe vom Jahre 1583, die Sammlung
•des Herrn Spöttl von demselben Jahre einen Halbthaler, das
einzige mir bekannte Halbthalerexemplar der Albrecbt'schen
Prägung.
lieber Vorschlag der böhmischen Kammer vom 19. März 1582
wurde Tobias Gebhart mit der Resolution ddo. Wien, 3. April 1582
zum Rentmeister in Böhmen ernannt. 2) Nachdem sich die Bestelhmg
seines Nachfolgers um mehr als ein Jahr verzögerte, blieb demselben
die Verwaltung des Prager Münzamtes bis weit in das Jahr 1583
reichend, übertragen, aus welchem Grunde auch Münzen mit dem
sechsstrahligen Stern bezeichnet, auch noch von (Hesem Jahre vor-
kommen.
Mit der Resolution ddo. Breslau, 31. Mai i»L?.j wurde der \na-
herige Oberbergmeister Lazarus Erker zum Münzmeister in Prag
mit einem Jahresgehalt von 260 Thaler ernannt. «) Erker stammte
aus Annaberg, er war „Buchhalterei-Rait-Officier^* und wurde ihm,
seiner besonderen Verwendbarkeit wegen, auch das Amt (miu^s
ij K. k. H. K. A., (Jdkb. Nr. 316, Fol. 284.
2) Daselbst Gdkb. Nr. 31b, Fol. 47.
3; K. k. Hjiuptinünzaiiits-Archiv.
262
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Oberbergmeisters übertragen. In Anerkennung der grossen Ver-
dienste um die Förderung des böhmischen Bergbaues wurde er im
Jahre 1586 mit dem Prädicate j,von Schreekenfels^* in den Adel-
stand erhoben, auch seine Münzmeisterbesoklung um jährlich 140
Thaler erhöht, i) Während der Amtsverwaltung des Lazar Erker
trat im Prager Münzhause in der Person des Wardeins und Gegen-
schreibers ein ziemlich häufiger Wechselein. An die Stelle des Simon
Härder trat schon 1583 Hanns Röder, diesem folgte 1586 Peter
Keckh von Schwarzpach, der im Jahre 1591 von David En-
derle abgelöst wurde.
Miinzmeister Erker starb im Anfange des Jahres 1594. Die
Hofkammer übertrug unter Aufrechthaltung der für den Münzamts-
dienst bemessenen Jahresbesoldung und Aufbesserung des Gehaltes
für den Wardein und Gegenschreiber um jährlich 100 Thaler, die
Fortführung des Münzbetriebes an die Witwe Susanna Erker,
wahrscheinlich aus dem Grunde, weil man nicht in der Lage war,
der Witwe die Verlagsgelder rückerstatten zu können. Im Jahre
1599 wurde die Jahresbesoldung für den Müuzmeisterdienst auf 260
und für den Wardein auf 100 Thaler herabgesetzt. Die Jahresrech-
nungen sind von der Susanna Erkerin als „Münzmeisteramts-Ver-
walterin^^ und dem Wardein David Enderle unterschrieben. Während
der Amtsverwaltuug der Eheleute Erker fanden im Prager Münz-
hause erhebliche Gold- und Silbermünz-Prägungen für fremde Par-
1) K. k. Hauptmünzamts-Archiv, auch Miltner 1. c. Seite 48, Mit der
Resolution ddo. Wieu, 27. Juli 1574 ertheilte Kaiser Maximilian IL dem dama-
ligen Officier bei der böhmischen Kammer-Buchhalterei Lazarus Erker für die
Dauer von 10 Jahren ein Privilegium auf den Druck des von ihm zusammen-
gestellten Probir- und Schmelzbuches. K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 314
Fol. 476. Erker widmete s^in Buch, welches im Jahre 1574 bei Georg
Nigrin in Prag mit vielen Holzschnitten gedruckt wurde und den Titel führte:
„Beschreibung Aller fürnemisten Mineralischen Ertzt vnnd Bergwerksarten,
wie dieselbigen, vnd eine jede in Sonderheit, jrer Natur vnd eygenschaflft
nach, auffalle Metalla probirt etc." dem Kaiser Maximilian II. Eine zweite Auf-
lage des Buches erschien im Jahre 151>8 bei Johann Feyerabendt zu Frankfurt
am Main. Es wurde noch später einigemal herausgegeben. Oberbergmeister in
Böhmen wurde Lazar Erker im Jahre 1578, da er in dieser Stellung viele Be-
reisungen vorzunehmen hatte, wurden ihm mit Erlass ddo. Prag, 27. October
1578 als Reisevergütung 100 Thaler jährlich angewiesen. K. k. H. K. A.
Gdkb. Nr. 316, Fol. 176vers.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph Tl. und Mathias.
263
teien statt, so namentlich im Jahre 1586 eine Ducateupräguug für
Wilhelm Herrn von Rosenberg. Der Schlagschatz betrug für
Ducaten per Stück 1 bis 1 i/o Kreuzer, für Thaler von je 100 Stück
30 Kreuzer.
Susanna Erker trat das Prager Münzmeisteramt am 20. Sep-
tember 1600 an Hanns Lasanz ab. i)
Die im Prager Münzhause unter der Amtsführung des Lazar Er-
ker und daran schliessend seiner Witwe Susanna bis einschliessig
1600 geprägten Münzen sind mit der aus dem Wappen desselben ent-
nommenen Doppellilie bezeichnet. Die Thaler und Halbthaler an-
belangend, kommt zunächst hervorzuheben, dass sich dieselben von
dem Entwürfe des Antonio Abondio, der in den drei anderen böh-
mischen Münzhäusern massgebend blieb, dadurch wesentlich unter-
scheiden, dass die Vorderseite nicht das Brustbild des Kaisers,
sondern das ganze geharnischte Bild desselben zeigt, lieber
Antrag der böhmischen Stände hatte schon Ferdinand I. im Jahre
1543 die Anordnung erlassen, dass auf den aus den böhmischen
Münzhäusern ausgehenden grossen Münzen in der Umschrift der-
selben der böhmische Löwe anzubringen ist. «) Unter Rudolph H.
sehen wir dieser Verordnung dadurch entsprochen, dass auf den
böhmischen grossen Münzen unter dem Brustbilde, bald mehr bald
weniger gut heraldisch dargestellt, der Löwe ersichtlich ist. Auch
in diesem Punkt machen die unter Lazar Erker und seiner Witwe
ausgegangenen Münzen eine Ausnahme, indem auf denselben neben
dem stehenden Kaiser im Münzfelde zwei gekrönte Wappenschilde
vorkommen, und zwar rechts mit dem böhmischen Löwen, links
das Wappen von Ungarn. Die Doppellilie ist als MUnzzeichen in der
Regel zwischen den Füssen des Kaisern angebracht. In der Um-
schrift fehlt der Löwe. Auch an der Rückseite weichen die in Rede
stehenden Münzen von dem Modell des Abondio dadurch ab, dass
auf ihnen nicht der schwebende Adler, sondern ein heraldischer
Doppeladler mit dem österreichisch-burgundischen Schild auf der
Brust vorkommt.
1) K. k. Hauptmünzamts-Archiv.
~) Münzwesen unter Ferdinand 1., .^. i i
■"KT-
264
Johann N'ewald: Das österreichische Miinzwesen
lieber den Anlass zu diesen wesentlichen Abweichungen konnte
in den Acten bisher eine Aufklärung nicht aufgefunden werden;
dieselbe scheint jedoch ziemlich nahe zu liegen. Münzmeister Erker
fand bei seinem Amtsantritt im Jahre 1583 die Thalerprägung des
mehrgenannten Bartholomäus Albrecht zu Prag im vollen Zuge. Sein
Streben dürfte dahin gegangen sein, die unter seiner Amtsführung
ausgehenden Münzen derart auszustatten, das eine Verwechslung
mit den Thalern des Albrecht nicht platzgreifen konnte. Mit der
Doppellilie bezeichnet, kommen auch Goldmünzen vor. Von beson-
derem Interesse ist ein höchst seltener, in der Sammlung des Herrn
Donebauer in Prag befindlicher Doppelthaler vom Jahre 1594. Die
Vorderseite zeigt das Brustbild des Kaisers in der Darstellung des
Abondio, unter demselben [zwischen zwei blattartigen Zierathen
die Doppellilie. Die Rückseite stimmt mit den anderen Thalern des
Erker Uberein. Auffallend ist, dass auch diesem Thaler der böh-
mische Löwe gänzlich fehlt.
Der am 20. September 1600 im Prager Münzhause als Müuz-
meister eingetretene Hanns Lasanz zu Friedenegg kam aus
Graz. Wir wissen, dass er sich im Jahre 1605 um das erledigte
Wiener Münzmeisteramt beworben hatte (Seite 88), und ergeben
sich aus den Verhandlungsacten interessante Streiflichter auf die
damals im Prager Münzhause obwaltenden Zustände. In einer seiner
Eingaben hebt Lasanz hervor, dass er aus seiner „gehabten Steu-
ri sehen guetten conditionen, indem er das Münzmais terambt, sambt
der Goldschaiderei vnd Silberbrennerei durch 24 Jahre besorgt^,
nach Prag berufen wurde. Es bestand dort die Absicht, „die vier
Münzwerch in Behaimb abzulegen, vnd in ain Corpus
a u f d a s S c h 1 o s R ä t s c h i n a n z u o r d n e n.'^ Des Krieges wegen
sei das Münzgebäude im Schloss ins Stocken gerathen. Lasanz
spricht von einer „Invention^^, mit welcher er .,mit zwei guetten
abgerichten Münzern und 4 oder 5 Taglöhnern, so Rathziehen vnnd
andere grobe Handarbeit thuen, in einem Monat mehr alls 10 oder
11 Hammer-Münzer in einem Quattember, in massens dan in
denen 10 Jahren hero seit Erfindung meines Werkhs zum öfftern
beschehen und durch mich zu genügen probirt worden,^' mün-
zen könne, „wie solches in Tirol mit dem Wnsserdruckwerk
unter den Kaisern Maximilian IL, Rudolph IL und Mathias. 2l>D
geschehe.'^ i) Die „Invention" des Lasanz bestand darin, dass er
überall, wo es an einer ausreichenden Wasserkraft gebrach, die
Walzenmaschine durch ein Göpel werk in Betrieb setzte, und es
ist richtig, dass diese Einrichtung in vielen Münzhäusern zur An-
wendung kam. Kaiser Rudolph IL war Verbesserungen auf allen
Gebieten der Technik sehr zugethan. In Kremnitz suchte en. eben-
falls, wie ich dieses später nachweisen werde, die Walzenprägung
einzuführen.
In Prag wurde diese Reform im Münzbetriebe schon im Jahre
1593 in Angriff genommen. Das „Münzdruckwerk" hatte der
Kölner Münzmeister Johann Vogt beigeschafft. Da sich die Auf-
stellung verzögerte und Vogt in Geldverlegenheit kam, musste er
seine Maschinen versetzten. Mit dem Erlasse ddo. Prag, 4. Jänner
1594 wurde der Hofzahlmeister Hanns Riethmann aiigewieseu, dem
Vogt zur Auslösung seines versetzten Münzdruckwerks 50 Thaler
„vorzuleihen", dafür aber „das Münzdruckwerk in deposito zu
behalten'^. Unterm 4. März 1594 wurde ein weiterer Vorschuss von
30 Thaler genehmigt. 2) Im Jahre 1604 fand mit der, „vom Münz-
meister Lasantzen angegebenen neuen Ausmünzungsinvention mit
dem Ziehwerk" eine Probeprägung statt. Es wurden 100 Mark
Silber „auf dem Ziehwerk und ander 100 Mark durch den Hammer
mit sonderbarer Bemerkung der Unkosten in weiss und Kl ein-
Groschen ausgemünzet". Die Commission gestand den Walzen-
mUnzen „die Geschmeidig und Sauberkeit", jenen von der Hammer-
prägung aber „einen mehreren Vortheil zu, und will lieber beim
Hammermünzen verbleiben.^ ») In einer Eingabe an den Erzherzog
Ferdinand von Steiermark beschwerte sich Lasanz lebhaft
über diese Vorgänge, er sagte, dass er in Prag derart angefeindet
werde, dass er seit drei oder vier Jahren keine Besoldung erlangen
könne und bei 3000 Gulden vorgeschossen habe. Von Juhann Vogt
hatte das in das Prager Schloss gelieferte „Truekwerkh oder Press-
mühle zur Thaler-Münzung" Johann Hofrichter um 4000 Thaler
1) K. k. H. K. A., Fase. 17508.
2) Daselbst Gdkb. Nr. 156, Fol. 428veia nud 507.
»> K. k. Hauptmünzamts-Archiv. Sammler werden auf die im Jahre 1«J01
mit der Walzeneinriehtuug geprägten Weiss- uud Kleiu-Groscheu aiit-
merksam gemacht.
266
Johann Newald: Das österreicliische Miinzwesen
ilbernommen. Als Hofrichter staib, hatte dessen Witwe Magdalena
grosse Schwierigkeiten; um ihr Geld zu erhalten. 25. Februar 1606. i)
Wie sich aus dem Vorhergehenden entnehmen lässt, hatte
Mtinzmeister Hanns Lasanz mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen.
Sein Austritt aus dem Amte hat sich aus den Acten mit Sicherheit
nicht feststellen lassen. Es dürfte dieses, ob durch seinen Tod oder
aus anderem Anlasse lässt sich nicht angeben, im Anfange des
Jahres 1609 stattgefunden haben.
Das Zeichen des Münzmeisters Hanns Lasanz zu Frie-
denegg sind drei ins Dreieck gestellte Sterne, zwei oben
der dritte unten, in einem Schildchen. Die auf diese Weise bezeich-
neten grossen und kleinen Münzen kommen ziemlich häufig vor. In
den ersten Jahren seiner Amtsführung schloss sich Lasanz bei der
Darstellung seiner Münzen, der unter seinem Vorgänger eingeführ-
ten Form an. Wir finden bis zum Jahre 1604 auf der Vorderseite
den stehenden Kaiser zwischen den beiden gekrönten Wappen-
schilden von Böhmen und Ungarn.-) lieber das Jahr 1604 hinaus
ist mir keine grössere das Zeichen des Lasanz tragende ^finr/f^ mit
dem stehenden Kaiser bekannt. 3)
Die Darstellung des Brustbildes auf den grösseren böhmischen
Münzen Rudolphs H. anbelangend, kommt nunmehr jene Aenderung
hervorzuheben, welche mit der kaiserlichen Resolution ddo. Prag,
2. November 1602 angeordnet worden ist. Bisher wurden die Thaler,
Halbthaler etc. nach dem von Antonio Abondio beantragten Modell
geprägt (Seite 67). Der genannten Resolution gemäss war fernerhin
das Brustbild des Kaisers älter, mit einem Vollbart und starkem
Schnurrbart; die Halskrause nicht mehr stehend, sondern liegend
darzustellen. Die bisher neben dem Adler angebrachten Schwert
und Zepter hatten zu entfallen, auch war auf der Rnist desselben nn
K. k. H. K. A., Fase. 17319 uud 1750<S. Lasanz besass in Steiermark
nes Landgut.
3) Eine Halbthalerklippe vom Jahre 1604 mit dem stehenden Kaiser be-
findet sich in der Sammlung des Herrn Donebauer, dessgleichen eine y4-Thaler-
klippe von 1602.
s) Nachdem um jene Zelt die Albrecht'schen Prägungen eingestellt
wurden, fiel auch der Anlass für eine besondere Ausstattung der aus dem
Prager Münzhause ausgegangeneu grösseren Münzen weg.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. ^t) •
Stelle des Keichsapfels ein Schild mit der Binde und den burgundi-
schen Balken anzubringen. In der Umschrift fand keine Aenderung
statt, sie schloss auf der Rückseite der Thaler, Halbthaler etc., diese
mochten aus einem der vier böhmischen Münzhäuser oder aus jenen
zu Wien, Kremnitz und Nagy-Bänia ausgegangen sein, stets
mit einer Abkürzung von Marchio Moraviae. i)
Der letzte mir bekannte Thaler Rudolphs II. mit dem Münz-
zeichen des Lasanz und dem eben erw^ähnten Normale von 1602
gemäss geprägt, ist vom Jahre 1609 (Schultess Nr. 834). Der Kaiser
ist, wie auf dem ursprünglichen Modell des Abondio, ohne Vliess-
kette. Unter dem Brustbilde kommt der böhmische Löwe vor.
Dem Hanns Lasanz folgte im Prager Münzhause, und zwar in
den ersten Monaten 1609 als Münzmeister Samuel Salvart von
Falkenberg. Er war im Jahre 1596 als Zehentner und 1604 als
Einnehmer in Joachimsthal bedienstet. Er wurde Bergrath und im
Jahre 1607 mit dem Prädicat „von Falkenberg'^ geadelt, a) Seine
Thätigkeit als Münzmeister in Prag beschränkte sich jedoch auf
einen Zeitraum von wenig über ein Jahr, denn am 10. Mai 1610
wird schon Benedikt Huebmer von Sonnleithen als sein
Nachfolger im Münzmeisteramte genannt
Das Münzzeichen des Samuel Salvart entspricht seinem Adels-
prädicate „Falkenberg"; es ist ein ausgebreiteter rechter Falken-
oder Adlerflügel, w^elcher an der Rückseite der Münzen in der
Umschrift unter dem Adler vorkommt. Das Brustbild ist wie auf den
unter seinem Amtsvorgänger ausgegangenen Münzen ohne Vliess-
kette. Das Münzzeichen hat keine Einfassung. Bei der kurzen Dienst-
zeit des Salvart als Münzmeister gehören die unter ihm ausgepräg-
ten Münzen zu den grossen Seltenheiten, namentlich ist dieses von
den Thalern und Halbthalern der Fall. Dieselben werden weder vou
Scliultess-Rechberg, noch im Kataloge Killian erwähnt. Tluiler und
1) Ich erachte diesen UinstaiKi hcsondcrs hervorhelicu zu soUcu, iudem
vielfach die AnBicht besteht, das« alle Thaler u. s. w. Kiid()lph8 II., dereu Um-
schrift auf der Rückseite in dieser Form schliesst, den höhmischen Münzen
zuzuzählen sind.
2; Diese Daten verdanke ich dem k. k.Hauptmaune Herrn Heinrich Rappe
in Kuttenberg.
268
Johann Newald: Das österreichische Miinzwesen
Halbthaler von 1610 befinden sich in meiner, Thaler und 7^ Thaler,
ebenfalls von 1610, in der Sammlung des Herrn Donebauer.
Wie bereits angegeben wurde, war der Nachfolger des Samuel
Salvart als Münzmeister in Prag Benedikt Huebmer von Sonn-
leithen. Nachdem dessen Thätigkeit in die Zeit der nachfolgenden
Regenten fällt, schliessen wir hier die das Prager MUnzhaus unter
Rudolph IL betreffenden Darstellungen ab.
XL
Die Münzstätte zu Kuttenberg*.
Beim Regierungsantritt des Kaisers Rudolph IL stand dem
Münzhause zu Kuttenberg als erster Münzamtmann Georg Sutny
von Ol ivet vor. Der zweite Münzamtmann dem vorherrschend die
Controlgeschäfte übertragen waren, war Samuel Wodolinsk^
von Vodolin, der jedoch noch im Jahre 1576 mit Tod abging.
Sein Nachfolger Tobias Schaffer von Schaffendorf wurde
nicht mehr als zweiter Münzamtmann, sondern als Bergbuchhalter
und Münzgegenhändler bestellt. 0 Der Wardein Daniel Lehner
wurde über sein Ansuchen mit dem Erlasse ddo. Prag, 17. October
1579 seines Dienstes enthoben. Unter demselben Datum wurde,
nachdem die Proben zu Kuttenberg „ungleich vnd vnzuverlässig^
ausfielen, die Errichtung neuer Probieröfen im Münzhause ange-
ordnet und hiezu der Betrag von 300 Thaler an.icewiesen. «) Als
besonders tüchtig bewährte sich der Münzeisenschneider Georg
vonRäsne. Ueber Antrag der böhmischen Kammer vom 11. Juli
1579 wurde demselben mit der Resolution dd. Prag, 24. Juli 1579,
für die Anfertigung der Kuttenberger und ungarischen Münzeiseu,
sowohl der Stöcke mit dem Bildniss als auch der Eisen mit dem
Wappen, zu „Kaiser Maximilians güldenen Gnadenpfennigen '^ der
Betrag von 100 Thalern angewiesen, a)
t) Miltner 1. c. Seite 490.
2) und 3^ K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 316, Fol. 451 und 453, ferner
Fol. 385ver..
unter den Kaisern Maximilian IT., Rudolph 17. und Mathias.
269
Im Jahre 1587 trat an die Stelle des Tobias Schaffer als Berg-
buchhalter und ^lünzgegenhändler der bisherige Kiittenberger
Milnzschreiber WolfHeroltvon Aupa. i) Dieser folgte im Jahre
1592 als Mlinzamtmann dem Georg Sutny, welcher seit 28. März
1568, somit durch 24 Jahre das Kuttenberger Münzwesen verwaltet
hatte. Die lange Dauer der Amtsthätigkeit des Letzteren, sowie der
damals lebhafte Betrieb im welschen Hofe zu Kuttenberg sind Ur-
sache, dass unter den böhmischen Münzen Rudolphs IL jene des
Georg Sutny am häufigsten angetroffen werden. Das Zeichen des-
selben haben wir bereits kennen gelernt. (Seite 48). Es ist ein
ausgebreiteter Adlerflügel und befindet sich, wenn auch dem betref-
fenden Normale nicht ganz gemäss, auf den grösseren Münzen, das
heisst ganze, Va und 1/4 Thaler, jedesmal in der Umschrift der
Rückseite unter dem Adler in einem kleinen Kreise oder Oval ange-
bracht. So oft mir dasselbe vorgekommen, war es stets ein linker
Flügel, während das Zeichen des Prager Münzmeisters Sa mu el
Salvart ein rechter Flügel ist. Hervorzuheben wäre noch, dass die
Stempel zu den unter Georg Sutny ausgegangenen grösseren
Münzen Rudolphs II. dem Entwürfe des Antonio Abondio
entsprechen.
Der Münzamtmann WolfHerolt vonAupa erhielt seine In-
struction ddo. Prag, 14. Mai 1593. Dieselbe betrifft nicht bloss den
Münzbetrieb, sie umfasst die ganzen dem Münzamtmann übertra-
genen Geschäftsagenden und bezieht sich auch auf die beiden Münz-
schreiber, den Wardein und den Münzschaffer; sie enthält 19 eng-
geschriebene Bogen. Es ergibt sich aus ihr ein klares Bild über das
damalige Kuttenberger Münzprägewesen und seine Details. Es
sollen hier nur jene Bestimmungen auszugsweise berührt werden,
welche auf die Münzerzeugungs-Manipulation Bezug haben. Das
sogenannte „FUrgewicht'^ oder der Abgang beim Giessen und
auf der Schmiede, war nach den Beschlüssen der am 15. Februar
1574 im Prager Münzhaiise amtirenden Erhebungscommission zu
bemessen und quartalweise in Ausgabe zu stellen. (Seite 39). Zum
Zwecke der wöchentlichen Ablehnung der Arbeiter sollen alle
Wochen 60 Mark Silber auf weisse und kleine Groschen, femer
») Miltner I. c. Seit«' 171'
270
Johann Newald: Das österreichische Muozwesen
40 Mark auf Weisspfennige, der Rest auf Thaler vermüuzt werden,
und war derart zu wechseln, dass eine Woche Weissgroschen, die
zweite Woche kleine Groschen, die dritte Weisspfennige, und zu
Weihnachten auch kleine Pfennige geschlagen werden.
Die Thaler, — i/o und \^ Thaler im Verhältniss — sollen
8 Stücke eine beschickte Kölner Mark ausmachen, das bringt auf
die Prager Mark Sss/,^, Stücke, daher aus 100 Prager Mark 8661,4
Stücke Thaler zu 14 Loth 4 Grän Feingehalt entfallen. Das Aus-
bringen der kleinen Münzen setzt die Instruction wie folgt fest:
Weissgroschen zu 7 Weisspfennigen auf die Prager Mark 126^ -
vStücke zu 6 Loth 3 Quintchen fein.
Kleingroschen zu 7 Kleinpfennigen 240 Stttcke 6 Loth 1 Quiut-
chen fein.
Weisspfennige 659 Stück zu 5 Loth — Quintchen fein,
Kleinpfennige 733 Stück zu 2 Loth 3 Quintchen fein.
Es folgen nunmehr Bestimmungen über das Remedium mit dem
Beisatze, dass im Ueberschreitungsfalle alles wieder in den Tiegel
zu kommen hat und aii^ ..<]»'^ T'r^achers Kosten und Schad'^n nmb-
gemünzt werden soll.
Als ,,Tiegel prob" war dem Wardein von Jedem Werk ein
Loth Münzmetall auszufolgen, welcher dasselbe sofort zu probiren
hatte. Erst dann, wenn der ,,Halt" richtig befunden wurde, konnte
das Giessen in Zaine vorgenommen werden. Zur Probe nach der
stattgefundenen Ausprägung, war von jedem Thalerwerk ein Thaler
zu zerschneiden. Es erhielt 1/4 der Landprobierer, y% der Probations-
meister und 1/4 der Wardein. Diese Proben waren zu nummeriren
und aufzubewahren. Von Weiss- und Kleingroschen, Weiss- und
Kleinpfennigen erhielten die drei genannten Beamten von jedem
Werk einen Betrag im Werthe von zwei Weissgroschen. Kein Geld
sollte vor der Probe ausgegeben werden, die Probezettel waren den
Jahresrechnungen beizuschliessen.
Als „Münzerlohn" bestimmte die Instruction, und zwar:
für Thaler per Mark 12 Weisspfennige
„ Weissgroschen per Mark 16 „
„ Kleingroschen per Mark 18 „
„ Kleinpfennige per Mark 21 ,,
w^-
unter deu Kai-ern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. - ' '
In Bezug auf das ,, Beizeichen", welches der Münzamtmanu
Wolf Herolt auf die unter seiner Amtsführung ausgehenden
Münzen zu setzen hatte, sagt die Instruction, dass „ein hiuderer
Greifenfuss in einem runden Zirklein" unter dem Adler anzu-
bringen ist. Auch wird bemerkt, dass früher in Kuttenberg zwei
Münzamtleute bestellt waren, der jetzige Münzamtmann jedoch
allein die Geschäfte zu führen hat, daher der Bergbuchhalter als
Münzgegenhändler verordnet wurde. Endlich wird noch verfügt,
dass die wöchentlichen Auszahlungen an die Werkleute und Arbeiter
immer mit neuen Münzen zu erfolgen haben und das Umwechseln
in „alte vngangbare Münze ', weil der Arbeiter dadurch in Schaden
käme, strenge verboten bleibt.
Den Münzbeamten war es bei ernstlicher Strafe untersagt,
Gewerke und sonstige Geschäftsleute mit anderen als mit neuen
Münzen zu bezahlen.^)
Nach der vorstehenden Instruction waren die Thaler im Fein-
gehalt von 14 Loth 4 Grän, mit S^s/so Stücken aus der Prager Mark
auszubringen, woraus sich eine Abänderung des unter dem 18. Mai
1576 erlassenen Normales ergab, demgemäss die Thaler im Fein-
gehalt von 14 Loth, 1 Quintchen, 1 Pfennig mit 8^/4 Stücken aus
der Prager Mark auszumünzen waren. Für die kleinen Münzsorten
blieben Korn und Schrot ungeändert. 2) Ihrem Werthe nach stimmen
die nach den beiden Instructionen ausgeprägten Thaler nahe über-
ein. Der nach den Normale vom 18. Mai 1576 ausgemünzte Thaler
hatte einen Werth von 2 Gulden 32-465 Kreuzer österreieliischen
Währung jener nach der Instruction für Wolf Herolt 2 Gulden
33.34 Kreuzer. 3)
ij K. k. H. H. und 8t. A. Böhmische Acten. Auch diese Instruction kam
aus Berlin an das Wiener Staatsarchiv. Vergl. Seite 36 Note 2.
3) Voigt 1. c. III. Bd. Seite 241 sagt, dass er die Verordnung vom
18. Mai 1576 in der Prager Münzamtsrechnung von 1577, die zweite Verord-
nung jedoch ohne Jahrzalil, aufgefunden habe, Korn und Schrot wie sie Voigt
angibt, stimmen mit der Instruction für Wolf Herolt vollständig übercin.
'^) Wolf Herolt hatte aus der rohen Prager Mark 8*«/8o = 8-6625 Thaler
auszuschroten. Nachdem die Prager Mark 231 Pfennige Wiener Gewicht hält,
so entfallen auf die Wiener Mark 231:2r)6 = 8-6625 : x, woraus x = 9-6
Stücke. Nachcb'in das Grüngewicht angesetzt ist, so sind U Loth 4 Grau =
272
Johann Newald: Das österreichische Mün2
MUnzamtmann Herolt starb schon am Donnerstag nach Drei-
könig (8. Jänner) 1598. ^) Nachdem von ihm Münzen mit der Jahr-
zahl 1599 vorkommen, so kann geschlossen werden, dass seine
Witwe den Mtinzbetribe noch durch einige Zeit fortsetzte, wie wir
ähnliche Fälle bereits mehrere kennen gelernt haben.
Die mit dem Zeichen des Kuttenberger Münzamtmannes Wolf
Herolt von Aupa ,,einem hinteren Greifenfuss" versehenen
Geld Sorten kommen sehr häufig vor. Auf den grösseren Münzen
findet sich dasselbe instructionsgemäss in der Umschrift der Rück-
seite unter dem Adler in einem kleinen Kreise oder Oval ange-
bracht. Auf Thalern von 1593 erscheint dasselbe verkehrt, das
heisst nach oben gerichtet. Auch die unter Wolf Herolt ausgegan-
genen ganzen, y, wnd 1/4 Thaler entsprechen dem Entwürfe
des Antonio Ab ondio.
Der Nachfolger des Wolf Herolt im Münzamte zu Kuttenberg
war Georg Dominik. Die Bestellung desselben soll noch im Jahre
1598 erfolgt sein, er starb jedoch schon im Jahre 1599 an der Pest.
Nachdem noch vom Jahre 1599 Münzen mit dem Zeichen des Woll"
Herolt vorkommen, auch die Pest grosse Störungen verursachte,
darf geschlossen werden, dass Dominik den Münzbetrieb unter
seinem Namen gar nicht eröffnet hat, daher auch Münzen, welche
unter seiner Amtsführung ausgegangen sind, bisher mit genügender
Sicherheit nicht nachgewiesen werden konnten.
Die sich stets steigernden Schwierigkeiten beim Kuttenberger
Berg- und Münzamtsbetrieb hatten nunmehr einen ziemlich raschen
Wechsel in den leitenden Beamten zur Folge. An Stelle des durch
256 Grän. Diese nach dem Verhältniss wie 9:8 in das Pfenniggewicht umge
rechnet geben 227-5555 Pfennige. Jeder Thaler enthielt somit 227-5555: 9*6 =
23-704 Pfennige Wiener Gewicht. Da 5 Wiener ^ 6 Kölner Mark, so geben
diese 23-704 Wiener Pfennige, 28-4448 Kölner Pfennige.
Die dermalige österreichische Währung gibt per Mark = 256 Pfennige
Kölner Gewicht 21 Gulden. Wir haben somit 256:21 = 28-4448 : x, woraus
X = 2 Gulden 33-34 ' Kreuzer als der innere Werth eines nach der dem
Wolf Herolt ertheilten Instruction geprägten Thalers entfallt. Die Wiener
Mark nach dem Gesetz vom 23. Juli 1871 zu 280.668 Gramm gerechnet, hatte
dieser Thaler ein Gewicht 29-236 Gramm.
1) 3Iiltner 1. c, Seite 180.
unter den Kaisem Maximilian II., Rudolpli TL und Mathias. >
die Pest hinweggerafften Georg Dominik, wurde noch im Jahre
1599 Johann Spiess als Münzamtmann in Kuttenberg bestellt.
Er wurde im Jahr 1601 mit dem Prädieat „von Hartenfels" in
den Adelstand erhoben. Es lassen sich die Gründe nicht angeben,
welche schon im Jahre 1603 zu seiner Enthebung vom Mlinzamte
führten. Er seheint sieh damals gerechtfertigt zu haben, denn wir
treffen ihn vom Jahre 1608 an als Bergbuchhalter in Kuttenberg,
wo er jedoch im Jahre 1612 neuerdings abgesetzt und mit anderen
Beamten in Untersuchung gezogen wurde. Unordnungen beim
Silberschmelzen sollen hiezu Anlass gegeben haben. ^)
Das Münzmeisterzeiehen des Johann Spiess vonHarten-
fels ist ein, seinem Wappen entnommener Gemskopf. «) Obwohl
die Amtsführung desselben kaum vier Jahre umfasste, kommen die
unter ihm aus dem welschen Hofe zu Kuttenberg ausgegangenen
grösseren Münzen dennoch ziemlich häufig vor. In seine Zeit fällt
auch für das Kuttenberger Münzhaus die mit der Kesolution vom
2. November 1602 angeordnete Aenderung in der Ausstattung der
ganzen, Y2 und ^/\ Thaler (Seite 98). Es liegen mir diese drei
Sorten vom Jahre 1602 vor, welche noch ganz dem Entwürfe des
Antonio Abondio entsprechen. Ein Thaler von 1602 zeigt jedoch
bereits die dem oben erwähnten Normale entsprechende Abänderung
des Brustbildes, auch liegt über dem Harnisch die Vliesskette, die
Rückseite hat noch den schwebenden Adler des Abondio nur mit
der Abweichung, dass der Adler mit dem rechten Fang das
Schwert und links den Zepter hält. Das Münzmeisterzeiehen
ist in der gewöhnlichen Weise unter dem Adler in einem kleinen
Kreise angebracht.
Nach der Entlassung des Johann Spiess, wurde das Kutten-
berger Münzamt im Jahre 1603 an David Enderle von Burgk-
- 1 ad t übertragen. Wir haben denselben bereits als Wardein zu
Prag kennen gelernt, wo er vom Jahr 1594 bis 1600, als das Prager
Münzamt an die Witwe des Lazar Erker überlassen war, als der
technische Leiter des dortigen Münzbetriebes zu betrachten kommt
(Seite 94). In Kuttenberg traf er den Peter Keckh von
«) und 2) MilfiuM- 1 V. Seite r.do mid Tiif, I.XV \i
274
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Schwarzpach als Bergbuchli alter und Mtinzgegenhändler, der
jedoch schon im Jahre 1604^ und zwar ein zweites Mal als Wardein
nach Prag übersetzt wurde, i) Der Nachfolger als Bergbuchhalter
war nunmehr Radslav Hlavsa von Liboslav^ welcher diese
Stelle im Jahr 1608 an Johann Spiess abtrat. 2) David Enderle
stand dem Kuttenberger Miinzamte bis December 1608 vor. Er
wurde Landprobierer und Probationsmeister in Böhmen.
Münzensammlern ist bekannt, wie selten im Verhältniss zu den
Thalern, Halb- und Viertelthaler Rudolphs IL vorkommen. In dieser
Beziehung ist der nachfolgende Nachweis nicht ohne Interesse. Im
Jahre 1608 wurden im Kuttenberger Münzhause 51 Prägungen vor-
genommen, wobei 9676 Mark, 15 Loth, 2 Quintchen Silber ver-
münzt und 62.9601/2 Thaler gewonnen wurden. Auffallend gering
ist die Halb- und Viertelthalerausprägung. Unter 1506 ganze Thaler
fielen in einer Woche nur 3 halbe und 3 Viertelthaler, in einer
anderen Woche 1290 ganze und abermals nur 6 halbe und Viertel-
t haier. 3)
Die unter David Enderle von Burgkstadt zu Kuttenberg
geprägten Münzen kommen nicht so häufig vor, wie jene seiner
Vorgänger. Sie sind bereits nach dem Normale vom Jahre 1602
ausgestattet. Auf den mir bekannten Ganzen-, halben- und Viertel-
thalern ist das Brustbild des Kaisers ohne Vliesskette. Das dem
Wappen des David Enderle entnommene Münzzeichen ist der nach
rechts gewendete Adlerkopf. Es befindet sich in der Umschrift
der Rückseite der Münzen unter dem Adler, in einem Ovale oder
einem Schildchen angebracht.
Der Nachfolger des David Enderle als Mtinzamtmann in
Kuttenberg war Paul SkretaSotnovsk^ von Zavoiric. Derselbe
war im Jahr 1604 an Stelle des zum Bergbuchhalter ernannten
Radslav Hlavsa zum Münzamtsschreiber in Kuttenberg bestellt wor-
den und wurde am 13. December 1608 zum Münzamtsverweser
und schliesslich 1610 zum Münzamtmann daselbst befördert.
1) Mütner 1. c. Seite 222.
a) Daselbst Seite 185.
3) Nach gütigen Mittheilungen des mehrerwähnten k. k. Hauptm.i
Herrn Heinrich Rappe in Kuttenberg.
unter deu Kaisem Maximilian IL, Rudolph 11. und Mathias.
275
Es wurde ihm der im Jahre 1603 vom Münzamte euthobeue
Johann Spiess vo n Harte nf eis als Bergbuchhalter ,und MUnz-
gegenhändler an die Seite gegeben, i) Die Instruction welche ddo.
Prager Schloss, 1. April 1610 dem „Paul Screta von Zaworzig"
auch für die ihm beigeordneten zwei Münzschreiber, für den War-
dein und den Münzschaffer ertheilt wurde, stimmt in den einzelnen
Verfügungen mit der oben nacli ihren Hauptzügen dargestellten
Instruction für den Kuttenberger Münzamtmann Wolf Herolt über-
ein. 2) lieber den Umfang des Prägebetriebes im welschen Hofe zu
Kuttenberg während der Amtsverwaltung des Paul Skreta werden,
jedoch nur die Thalerausgabe betreffend, die nachfolgenden Daten
-einige Aufschlüsse geben. Es wurden geprägt im Jahre 1609,
75.984 Stücke, 1610, 67.550 und 1611, 100.124, zusammen in
diesen drei Jahren 243.658 Thaler. In Folge des in Umlauf befind-
lichen Uebermasses an geringhaltigen kleinen Geldsorten, wurde
der Thaler bereits mit einem Aufgeld von 10 Kreuzer, dass heisst
mit 80 Kreuzer bewerthet.s)
Im Jahre 1612 wurden sämmtliche Berg- und Münzbeamte in
Kuttenberg, namentlich der Berghofmeister Sebastian Hölzl, der
Urbarschreiber Nicolaus vonRdsne, der Bergbuchhalter Hanns
Spiess und der Münzamtmann Paul Skreta über die Anklage, dass
sie beim Silberschmelzen unrichtig verfahren, durch eine Conimission,
welcher der Kammerprocurator Prokop Dvof eckt von Olbra-
movic vorstand, abgesetzt und an §kretas Stelle Johann Sultys
1) Miltner 1. c. Seite .);m,.
2) K. k. H. H. und St. A. Böhmische Acten.
8) Die Zuschläge eines Aufgeldes bei der Annahme von Thalera und
Ducaten rausste schliesslich auch die kaiserliche Regierung zugestehen. Mit
dem Erlasse der Hofkammer an die schlesische Kammer, ddo. Prag, 24. Novem-
ber lf)l>5 wurde verordnet, dass bei der Uebernahme eines Kautschillings von
30.(X)0 Thaier, 5 Dukaten für 8 Thaler, und der Thaler zu 70 Kreuzer zu
nehmen sein wird. Der Dukaten wurde sohin mit 112 Kreuzer bowerthet.
K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 324, Fol. 625. Mit dem ebenfalls an die sohle-
sische Kammer gerichteten Erlasse, ddo. Prag, 14. Juni 1601 wurde bewilligt,
dass der gute Thaler zu 73 Kreuzer und der Dukaten zu 120 Kreuzer ange-
nommen werden kann. Gedenkbuch Nr. 327, Fol. 454. Solche Aufgelder bei
der Uebernahme von Geldbeträgen mussten in immer steigender Ziffer zuge-
standen werden.
18*
276
Johann Xewald: Das österreichische Münzwesen
von Felsdorf zum Münzamtmann ernannt, dessen Thätigkeit
jedoch der Zeit der nachfolgenden Regenten angehört, i)
Das Münzzeichen des Kuttenherger Miinzamtmannes Paul
Skreta 8otnovky von Zavof ic, welches instructionsgemäss an
der Rückseite der Münzen unter dem Adler in einem Kreise oder
Oval angebracht ist, war die seinem Wappen entnommene „Doppel-
lilie". 2) Die Sammlung des Herrn Donebauer in Prag bewahrt
einen derart bezeichneten Thaler Rudolphs IL vom Jahre 1612,
eine in doppelter Hinsicht merkwürdige Münze, da Mathias schon
am 23. Mai 1211 als König von Böhmen gekrönt wurde und
Rudolph IL schon am 20. Jänner 1612 starb.
Ueber den Umfang des Kuttenherger Münzprägebetriebes in
verschiedenen Zeitperioden finden sich in der Geschichte der böhmi-
schen Bergwerke vom Grafen Sternberg eingehende Nachweise vor.
Ein Kuttenherger Inventarium vom 29. December 1590 zählt als
„Irer Kais. Mt. aigne Perchthail, so Irer Mt. neben andern Gewer-
khen pauen lassen" zusammen 2717 Kuxe auf. Nicht ohne Interesse
sind die Kirchenparamente, welche in diesem Inventar als in der
im welschen Hofe befindlichen Kapelle vorhanden, angegeben wer-
den, und zwar:
„Eine Silberne Monnstranz wiegt
sambt dem Glass 21 Mark 3 Loth — Quint.
Zween Silberne verguldte Kelch,
vnnd zwo Paten wegen 5 „ 10 ., 1 ,,
Ein drifachs silbernes Crysam-
Püchsel wigt — „ 11 „ 3 „
Ein Silbern Ostien-Puchsel wigt . — „ 13 ., —
Ein klein*'« >^i1l»pnif^^ >^chissele
wigt — „ 3 ,, 3 „
Silber . . 28 Mark 9 Loth 3 Quint."
Es ist wohl die Frage gestattet, wohin diese Gegenstände, die
sicher einen hohen Kunstwerth hatten, gekommen sind?
1) Miltner 1. c. Seite 596 und 634.
2) Daselbst Taf. LXV, Nr. 548 bis 552.
unter den Kaisern Maximilian Tl., Rudolpli IL und Mathias. "^ i i
XU,
Die Münzstätte zu JoacMmstlial.
Der einer Tiroler Adelsfamilie entstammende Münzmeister
Oeorg Geitzkofler von Gailenbach in Hausheim und
Most starb bald nach dem Regierungsantritte Rudolphs II. am
14. Juli 1577. Sein Amtsnachfolger war Georg Kadner von
Greifeneck; königlicher Rathi) und Kammerbuchhalter in Böh-
men, bereits mehrfach bei commissionellen Erhebungen zu Kutten-
berg und Budweis betheiligt. Er übernahm das Münzmeister- und
Zehenteinnehmeramt zu Joachimsthal am 11. November 1577.2)
Die beim Dienstantritte des Georg Geitzkofler bei der ge-
sammten Joachimsthaler Amtsverwaltung angestrebten Ersparungen
(Seite 50) wurden nunmehr wieder aufgenommen. Mit der Reso-
lution ddo. Pressburg, 7. April 1578 wurde die böhmische Kammer
angewiesen, aus Ersparungsrücksichten den Hauptmann zu Joachims-
thal Alb recht von Globen zu entlassen und das Amt dem Münz-
meister Georg Kadner zu übertragen, welcher dasselbe „weil bey
gegenwärtigen Standt wenig zu thun ist" und er ohnehin 700 Thaler
jährlich bezieht, ohne weitere Besoldung zu übernehmen hat. s) Die
böhmische Kammer hatte aus diesem Anlasse für Kadner ein
Gnadengeld von 500 Thaler beantragt. Mit der Resolution ddo.
Prag, 15. October 1578 werden nur 200 Thaler genehmigt, ,,dieweil
er allein aus einem Dienst in den andern gestanden." Nachträglich
wurden jedoch unterm 1. Juni 1579 die abgelehnten 300 Thaler in
zwei Jahresraten auf Kuttenberg angewiesen. *) Albrecht von
Globen zu Pachlovic, der erst unterm 18. April 1571 zum Ober-
hauptmann in Joachimsthal resolvirt worden war, wurde ddo. Prag,
27. März 1579 als Hauptmann zu Elbogen bestellt. ^^)
«j Seit 10. September 1577. Gdkb. Nr. 315, Fol. 56J>vcre.
2) Miltner 1. c, Seite 211.
») K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 310, Fol. 70.
*) Daselbst (Jdkb. Nr. 316, Fol. 172 und 341.
*i Fol. 2H"Jv.r8.
278
JiMiituu Ncwalii: Dm östi_rrfi(;ni.-ciie .">iiinz-«-.gen
Wie solches unter Ferdinand I. und Maximilian IL stattgefun-
den hatte, beantragte die böbmisehe Kammer mit Rücksicht auf
den Regierungsantritt Rudolphs IL unterm 3. Juli 1579 für den
Schniiedmeister, die Münzgesellen, den Münzdiener und den Tiegel-
warter zu Joachimsthal, zusammen 9 Personen, die Genehmigung
des sogenannten „Ehrklaidt", Mit dem Erlasse ddo. Prag, 19. März
1580 wurde für jeden der Genannten das „Ehrklaidt von 16 Gulden
rhein. Werth oder soviel Baargeldt" angewiesen. i) Mit der Reso-
lution ddo. Prag, 7. Jänner 1581 wurde dem Münzmeister Kadner
„dafür, dass er die Haubtmanschaft durch eine Zeit verwaltet, als
Ergötzlichkeit" die Summe von 400 Thaler jedoch auf vier Jahre
vertheilt, bewilligt, a)
Münzmeister Kadner starb sclion am 2i^>. Juli 1582. Da die
Neubesetzung des Amtes erst im Jalire 1584 erfolgte, verwaltete
dessen Witwe Lucia, wie solches an verschiedenen Orten und
wiederholt stattfand, das Münzamt. Es geht dieses aus dem Ver-
handlungsacte vom 14. August 1583 hervor, s) Die aus dem Joachims-
thaler Münzhause unter der Verwaltung des Georg Kadner und
seiner Witwe Lucia, das ist von 1577 bis 1584 ausgegangenen
Münzen haben ein Münzzoichen, welches bald als Delphin, bald
als Greif s rächen angesprochen wird. Leider hat sich bis nun
weder die Amtsinstruction des Kadner, noch sonst ein Actenstück,
in welchem das fragliche Münzzeichen beschrieben wird, vorgefun-
den. Kadner führte in seinem Wappen, und zwar im Schild und als
Helmzier einen Greif, wie solches aus seinem in den Acten
wiederholt vorkommenden Siegel und aus verschiedenen Jetons zu
entnehmen ist, *) dem das in Rede stehende Mttnzzeichen jedoch
nicht entspricht. Man mag nun schon Jenen, welche dieses Zeichen
als „Greifsrachen" oder den Andern, die, wie es scheint, mit
mehr Recht, dasselbe als „Delphin" ansprechen, zustimmen: ausser
Zweifel dürfte stehen, dass wir es mit dem Mttnzzeichen des Kadner
zu thun haben. Die mit demselben versehenen Thaler entsprechen
dem Entwürfe des Antonio Abondio, es fehlt auf ihnen jedoch unter
i) und 2) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 317, Fol. 68^ers. und 352vers.
3) Daselbst Gdkb. Nr. 318, Fol. 365.
4) Miltner 1. c, Taf. XXII, Nr. 174-177.
unter den Kaisern Maximilian TT., Rudolph TT. und Mathias. Z 4 "
dem ßrustbilde der böhmische Löwe, daher auch hier auf den Ein-
fluss des Albrecht'schen Müuzprägeunternehmens um so berecli-
tigter geschlossen werden darf, da sich Thaler dieser Bezeichnung
alsbald als mit minderem Korn ausgebracht erkennen lassen.
Der Nachfolger des Georg Kadner war Paul Hofmann. Die
„Instruction und Ordnung'' ddo. Prag, 4. Juni 1584 lautet flir „Paul
Hofmann, Einnember vnd Münzmeister in Joachimsthal vnd den
Gegenhandler Balthasar Dürleber". Dieselbe macht uns mit den
Eigenthümlichkeiten des dortigen MUnzbetriebes bekannt. Es waren
zu prägen ganze Thaler zu 30 Weissgroschen, auch i/g und 1/4 Thaler.
Die Instruction verordnet, dass „ganze Thaler auf die Erfurder
Markh, deren wir uns (dieweil alle vnd jede einkhombendc Silber,
von den Gewerkhen von Alters vnd noch in Zehendten daselbst
nach Erfurdischen Gewicht angenomben vnd bezallt werden) bei
vnnserer Müntz alda nachmals gebrauchen, 8^,0 Stuckh, der halben
aber 16 V5 stuckh, vnd der Ortgroschen 32% stuckh aufgehen vnd
die Markh zugleich fein halten 14 Loth 1 Quint. 1 Pfennig also das
sich von 100 Markh gerad 810 Stuckh im Auszelen befinden. '^ Fer-
ner waren auszumünzen:
Weissgroschen 30 einen Thaler von dei* Erfurter Mark
117 Stücke zu 6 Loth 3 Quint. fein.
Kleingroschen 60 einen Thaler auf die Prager Mark 240 Stück,
„das weren auf die Erfurder Markh 22273 Stück zu 6 Loth
1 Quint. fein.
Weisspfennige 7 einen Weissgroschen 611 Stück zu 5 Loth fein
Die Bestimmungen über das Remedium, über die Tiegelprobe
des Wardeins, über den Abgang beim Giessen, über das „Für-
gewicht", über die Abgabe von Probeniünzen u. s. w. kommen mit
jenen Anordnungen, wie sich dieselben in den bereits erwähnten
Instructionen vorfinden, überein. Als MUnzerlohn war bestimmt:
Für 14 Mark Thaler Erfurter Gewicht, für 8 •/« Mark Weiss-
groschen, für ö'/a Mark Kleingroschen und Weisspfennigen, je
1 Thaler zu 30 Weissgroschen, „doch das die Münzer dieselben
nach dem Weissmachen auch vollendt abpregen.'^ DerGiesser
erhielt jährlich ein „Giesskleid" zu 8 Thaler und 2^/^ Thaler auf
„Giesskittel*. Die beim Giessen beschäftigten Arbeiter bezogen A\r
^TT?F§'
280
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
„GiessbrateD und Giessbier" jedes Quartal 6 Guldeu rhein. Als
,. Lichtgans" erhielt jeder ,,Münzer" jährlieh 1 Thaler, jeder ,, Junge"
Va Thaler.
Die Bezüge des Münzeisenschneiders waren:
Für ganze, i/a und y^ Thaler-Stöcke oder Obereisen 15 Weiss-
groschen, für Weissgroschen und Kleingroschen für Stöcke oder
Obereisen 15 Kleingroschen und endlich für Weisspfennigeisen
5 Kleingroschen. Zum Schlüsse wurde der Münzmeister Paul Hof-
mann angewiesen ,,zu Ausgang des Texs sein Beizeichen als
nemblichen ainen halben Monden vnd darüber ein Roslein,
baide in ainem runden Zirkel" auf die Münzen zu prägen, i) Die
nach dem vorstehenden Normale ausgeprägten Thaler hatten nach
der dermaligen österreichischen Währung einen Werth von 2 Gul-
den 31-915 Kreuzer. Da der nach der Miinzordnuni:- vom 15. Februar
1524 ausgebrachte Thaler einen Werth von 2 Gulden 81-197 Kreu-
zer besass, so waren beide Münzen sehr nahe gleich, -j
Der Münzmeister Paul Hofmann starb den 17. Februar 1599
und wurde in der Spitalskirche zu Joachimsthal beigesetzt. Ueber
die grossen Schwierigkeiten, mit denen der Joachimsthaler Bergbau
zu kämpfen hatte, finden sich bei Sternberg 1. c, I. Bd., Seite 312 u. f.
eingehende Nachrichten und wird die Verschuldung desselben zur
Zeit des Münzmeisters Paul Hofmann auf Seite 409 besonders
erwähnt. Den Rückgang im Münzbetriebe beklagte schon mit der
Eingabe vom 10. September 1578 der MUnzmeister Kadner, indem
er meldete, dass in Joachimsthal sammt dem Schmiedmeister nur
sechs Müuzer beschäftigt sind, s) Sternberg I. c, Seite 423 setzt für
die 17 Jahre von 1577 bis 1594 die gesammte Thalerausprägung
i) Diese Insti-uction ist dem vollen Wortlaute nach abgedruckt in F. A.
Schmidt, Berggesetze tur Böhmen etc., III. Bd., Seite 397 u. f.
2) Die Erfurter Mark ist der Kölner Mark gleich. Da der Feingehalt von
14 Loth 1 Quint. 1 Pfennig = 229 Pfennig, so entfallen auf das Einzelstück
229 : 8-1 = 28*2716 Pfennig. Die dermalige österreichische Währung gibt per
Mark = 256 Pfennige Kölner Gewicht 21 Guldeu. Wir haben somit 256 : 21 =
28-2716 : X-, woraus x oder der Werth eines Thalers mit 2 Gulden 31-915 Kreuzer
entfallt.
1) K. k. H. K. A., Fase. 15378.
unter den Kaiseru Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
281
mit 169-329 Stück an, woraus für das Einzelnjahr die allerdings sehr
massige Zahl von 9960 Thaler entfallen würde.
Die unter dem Münzmeister Paul Hofmauu geprägten gan-
zen, 1 a und v* Thaler unterscheiden sich von jenen des Vorgängers
zunächst dadurch, dass auf denselben unter dem Brustbilde des
Kaisers der böhmische Löwe, allerdings in einer ganz unheraldi-
schen Form, auch mit einem ungewöhnlich langen Doppelschweif
ausgestattet, dargestellt ist. An der Rückseite ist das Kreuz des auf
der Brust des schwebenden Adlers befindlichen Reichsapfels derart
verlängert, dass es unter der Krone zwischen den Adlerköpfen zu
stehen kommt. ImUebrigen entsprechen diese Münzen dem Entwürfe
des Abondio. Paul Hofmann scheint die Betheiligung an dem Präge-
geschäft des Bartholomäus Albrecht abgelehnt zu haben.
Nach Paul Hofmann kam der Joachimsthaler Einnehmer- und
Münzmeisterdienst in ziemlich rascher Folge zweimal in Erledigung.
Unterm 15. Jänner 1600 wurde der kaiserliche Rath Christoph
Taubenreutter von Taubenreut, der seit October 1591 deut-
scher Buchhalter in Prag war, zum Einnehmer und Münzmeister in
Joachimsthal ernannt. Im Jahre 1599 fand im versammelten Landtag
die Bestätigung seines Adels und die Aufnahme in den Ritterstand
statt. Als Münzmeister blieb er nur bis gegen die Mitte 1604 thätig.
Er erwarb im Jahre 1602 die Veste und das Gut St. Maria Kupfer-
berg, wohin er sich zurückgezogen hatte und im Jahre 1607 starb. *)
Unter Taubenreutter machte der Rückgang im Ertrage des Joachims-
thaler Münzwesens weitere Fortschritte, so dass die Uebertragung
der Mttnzwerke nach Prag, wo man die Errichtung einer Hauptmünz-
stätte am Hradschin beabsichtigte, in Erwägung kam (Seite 96 «).
Das Zeiclien des Münzmeisters Christoph Taubenreutter ist die
seinem Wappen entnommene Doppellilie. «) Die grösseren Silber-
münzen desselben gehören sämmtlich unter die Seltenheiten. Bei
1; Miltner 1. c, Seite 646.
2) Auf dieBO Verhandlunf^rn .-.in i.ü ,-... li dir Anhalte Ik*! m. i.....ift I. c,
Seite 407 bezü^Hich Verlobung der Münze vim Joachim.sthal muh Prag zu
beziehen.
») Miltner 1. c., I nf. LXVII, Nr. 672—574.
282
Jonann Newald: Das österreichisch«* Miinzwesen
Schultess-Recliberg findet sich weder der Thaler, noch der Halb
thaler erwähnt, ebensowenig findet sich bei Killian weder der ganze,
noch ein Ya oder 1/4 Thaler aufgezählt. Die Sammlung Done-
bauer bewahrt einen vortrefflich erhaltenen Doppelthaler, die
Sammlung Spöttl von den Jahren 1602 und 1603 einfache Thaler.
Mit Ausnahme des MUnzzeichens stimmen die Stempel mit jenen
des Paul Hofmann überein. Unter dem ßrustbilde befindet sich der
bereits erwähnte langgestrekte unheraldische Löwe.
Auf Christoph Taubenreutter folgte in Joachimsthal als Ein-
nehmer und Münzmeister Hanns G-ipfel, dessen Amtsthätigkeit
in die Zeit vom 13. August 1604 bis 11. August 1606 fällt. Sein
Münzzeichen ist eine aufrechte linkshin gewendete Mond-
sichel, vor derselben ein fünfstrahliger Stern. Die Thaler
dieser Prägung gehören unter die grossen Seltenheiten; sie fehlen
bei Schultess und Killian. Hieher gehörige Halb- und Viertelthaler
sind mir nicht bekannt. Vom Jahre 1605 befindet sich ein Thaler
in meiner Sammlung. Der Stempel ist nach der Vorschrift vom
2. November 1602 (Seite 98) angefertigt, nur ist der Kopf des
Kaisers höchst mangelhaft dargestellt.
Mit dem Erlasse ddo. Prag, 11. August 1606 wurde Centurio
Lenge f eider zum Münzmeister in Joachimsthal befördert und
wurde ihm ddo. Brandeis, 12. December 1606 seine Amtsinstruction
ertheilt. Sein Wardein und Münzgegenhiindler war Benedikt
Huebmer. Eine Vergleichung dieser neuen Instruction mit jener,
welche ddo. 4. Juni 1584 für Paul Hofmann ertheilt wurde
(Seite 111), lässt eine Aenderung im Schrot und Korn bei den gan-
zen, Ya und Y* Thalern erkennen. Es waren nach dem neuen Nor-
male auszubringen, und zwar aus der Erfurter Mark 81/40 ganze,
I6V20 halbe und 32 1/10 Stücke Viertelthaler, somit hatten auf
40 Mark Erfurter Gewicht genau 321 ganze Thaler zu entfallen. Der
Feingehalt war mit 14Loth4 Grän bestimmt. Bezüglich der kleinen
Münzen stimmen beide Instructionen im Schrot und Korn überein,
sowie auch alle Manipulations-Details, Lohnbestimmungen u. s. w.
gleichlautend sind. Das Münzzeichen anbelangend, wird verordnet,
dass Centurio Lengefelder auf allen Sorten der grossen und kleinen
Münzen zu Ausgang des Textes „ein Löwenkopf mit ausge-
1
unter den Kaisem Maximilian II., Rudolpii II. und Mathias.
283
schlagener Zungen in einem runden Zirkel'^ anzubringen habe.
Im Vergleiche mit dem nach der Instruction für Paul Hofmann zu
Joachimsthal geprägten Thaler, welcher einen Werth von 2 Gulden
31-915 Kreuzer österreichischer Währung hatte, besass der neue
Thaler einen Werth von 2 Gulden 32*585 Kreuzer österreichischer
Währung. Der Unterschied im Werthe der beiden Thaler war somit
ganz unerheblich. <)
Ihrer Ausstattung nach unterscheiden sich die zu Joachimsthal
während der Amtirung des Centurio Leugefelder geprägten Thaler,
1/2 und 1/4 Thaler wesentlich von dem Entwürfe des Abondio, sie
sind sämmtlich nach dem Normale vom 2. November 1602 her-
gestellt. Unter dem ßrustbilde ist der bölimische Löwe angebracht,
denn beim Amtsantritte des Lengeielder war das Münzpräge-
geschäft des Unternehmers Albrecht schon seit einigen Jahren ein-
gestellt. Die mit dem Zeichen des LengefeUler versehenen MUnzen
kommen, da derselbe bis zum Jahre 1620 MUnzmeister in Joachims-
thal war, ziemlieh häufig vor. In einem Berichte, welchen der Berg-
hauptmann Sebastian Hölzl ddo. Joachimsthal, 28. März 1607 ein-
brachte, beklagte derselbe den Verfall des Münzwesens im Reiche
und die Nachtheile, welche daraus für die kaiserliehen Länder
erwachsen, er bedauert auch das Ausgeben von „viereketen
Münzen". 2)
XIII.
Die Münzstätte zu Budweis.
Wie solches aus der Resolution ddo. Wien, 13. September
1577 hervorgeht, blieb dem als Münzmeister nach Prag übersetzten
I Centurio Lengefelder hatte aus der rohen Erfurter oder Kölner Mark
.^iy^y z^ 8*025 Thaler auszuschroten. Nachdem das Grängowicht in Anwendung
war, so sind 14 Loth 4 (irän = 256 Grä«. Diese nach tlein Verhältnisse wie
!» : 8 in das Pfenniggewicht umgerechnet geben 227-5555 Pfennige. Jeder
Thaler enthielt somit 227-5555 : 8*025 = 28-;J558 Pfennige Kölner Gewicht.
Nachdem aus der Mark = 256 Pfennige Kölner Gewicht 21 Gulden öster-
reicliischer Währung entfaUen, so haben wir 250 : 21 = 28*3558 : x, woraus x
oder der Werth ciucs nach der für Lengefehler erlasseneu Instructi(m geprägten
Thalers mit 2 (jlukleu :J2-585 Kreuzer österreichischer Währung eutfUllt.
^1 K. k. H. K A F.is.v it;n»;2.
284
Johann Newald : Das österreichische Miinzwesen
Tobias Gebhart auch das Biidweiser Miinzamt übertragen
(Seite 92). Die Verfügung, „dass baide Münzen die zu Praag vnnd
Budweiss durch den jetzigen Budweisischen Münzmeister Tobias
Gebharten vnnder ainer Besoldung versehen vnd bestellt
werden sollen'-', lässt ziemlich klar entnehmen, dass es der Hof-
kammer zunächst um die Ersparung der dem Budweiser Münz-
meister zustehenden Bezüge zu thun war. Sie überliess es dem
Gebhart, sich mit seinem Vertreter zu Budweis, Christoph
Mattig hof er von Stern f eis in geeigneter Weise abzufinden, der
zunächst auch nur Namens des Gebhart als Münzamtsverwalter oder
Münzamtmann in Budweis thätig war, daher als landesfUrstlicher
Münzmeister erst nach Her im Jalire 1582 erfolgten Beförderung des
Gebhart zum Rentmeister in Böhmen, wodurch der Budweiser
Dienstplatz definitiv in Erledigung kam, eintrat, lieber das Vorleben
des Mattighofer haben sich verlässliche Daten bis nun nicht vor-
gefunden.
Erst ddo. Prag, 1. December 1591 erhielten der „Budweiser
Münzmeister Christoph Mattighofer von Sternfels und der
zugeordnete Wardein, zugleich Gegenhandler Hanns Röder" ihre
Amtsinstrnction. Gleich im Eingange wird bestimmt, dass zur
Bestreitung der Amtsauslagen dem Münzmeister ein Pauschale von
jährlich 24 Gulden, dem Wardein von 12 Gulden genehmigt wird.
Die auszuprägenden Münzen waren:
Ganze Thalergroschen zu 70 Kreuzer odor :'" Wpissgroscheu,
8»/* Stücke aus der Prager Mark.
Halbe Thalergroschen zu 35 Kreuzer oder 15 Weissgroschen,
171/2 Stücke aus der Prager Mark.
»^ Thaler oder Ortgroschen zu 17\/2 Kv'ir/cr ndor 71 Woiss.
groschen, 35 Stücke aus der Prager Mark.
Diese drei Sorten waren im Feingehalt von 14 Loth 1 Quint.
1 Pfennig auszubringen. Ferner waren auszugeben:
Weissgroschen 30 Stücke einen Thaler, 1 262/7 Stücke von der
Prager Mark, 6 Loth, 3 Quint. fein.
Kleingrosehen 60 Stücke einen Thaler, 240 Stücke von der
Prager Mark, 6 Loth 1 Quint. fein.
Weissdenar 7 einen Weissgroschen, 659 Stücke von der Prager
Mark, 5 Loth fein.
unter den KiiistTii Maximilian IL, iiudnjph ii, mid Muthia.s
285
Aus den vorstehenden Normen ergibt sich, dass im MUnzhause
zu Budweis die Ausprägung nach dem vom böhmischen Landtage
am 18. Mai 1576 gefassten Beschlüsse stattfand (Seite 42). Alle
übrigen Anordnungen und Details stimmen mit jenen Uberein, wie
sie in den bereits mitgetheilten Instructionen vorkommen. Auffällig
ist nur eine früher nicht anzutreifende Verordnung, durch welche
das Ausleihen von Geld aus der Münzamtscassa strenge verboten
wird. Endlich wurde verftigt, dass die beim Zehentner und in der
Münze befindlichen Gewichte, alle Quartale unter einander und mit
der cimentirten Prager Mark zu vergleichen sind. Die Rechnungen
waren quartalweise vom Mtinzmeister und Gegenhandler gefertigt
und gesiegelt vorzulegen. Schliesslich verordnet die Instruction, dass
der Münzmeister Mattighofer „das üblich Zeichen auf alle unter
ihm ausgehende Münzen- zu setzen habe, ij Es dürfte die Annahme
als berechtigt erscheinen, dass unter dem „üblichen Zeichen'^ das
vom Vorgänger Tobias Gebhart in Budweis geführte Zeichen, näm-
lich der Löwenkopf, zu verstehen war. Bei der Uebernahme des
Prager Münzamtes Hess Gebhart, da Mattighofer zunächst nur sein
Vertreter im Budweiser Münzhause war, sein Münzzeichen dort
zurück und wählte l"ür Prag, wie wir wissen, den sechsstrahligen
Stern. Mattighofer hielt auch später, als ihm definitiv das Budweiser
Münzamt übertragen worden war, den Löwen köpf als sein Münz-
zeichen bei.
Bis zum Schlüsse des XVI. Jahrhunderts zeigt sich auf den unter
Mattighofer ausgegangenen Thalern der Einfluss des Albrecht-
schen Prägebetriebes. Es fehlt auf denselben der böhmische
Löwe. Erst ein in die Sammlung Donebauer gehöriger, mit dem
Löwenkopf bezeichneter schöner Thaler von 1604, der unzweifelhaft
aus der Budweiser Münze stammt, triiiit unter dem Brustbilds den
böhmischen Löwen.
Wann der Münzbetrieb zu Budweis seinen Abschluss fand,
hat sich aus den Acten bisher nicht entnehmen lassen. Es kommt
zu erwägen, dass die Stadt Budweis in den ersten Jahren des
XVII. Jahrhunderts wiederholt von kriegerischen Drangsalen heim-
gesucht worden ist und als sich schliesslich am 31. Jänner 1011 das
i) K. k. H. H. und St. A. böhmische Acten.
286
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
sogenannte Passaiier Kriegsvolk der Stadt bemächtigte, konnte von
einem Münzbetriebe keine Rede mehr sein. Die zeitweiligen Unter-
brechungen gingen endlich in das gänzliche Aufhören der Münz-
prägung über, ohne dass die Sperrung des Münzhauses durch einen
Erlass angeordnet wurde. Nach Budweiser Acten war der Münz-
meister Christoph Mattighofer von Sternfels, der als Eigen-
thümer des in der Nähe von Budweis gelegeneu Gutes Daubra-
witz genannt wird, am 19. Juli 1613 schon gestorben.
Die Münze war in dem von König Pfemysl Otakarll. im Jahre
1265 gegründeten Dominikanerkloster, welches vom Jahre 1549 an
wegen Priestermangel durch 39 Jahre der eigentlichen Bestinnnung
entzogen war, untergebracht.
Herr Max Don e bau er in Prag hatte die Güte, mir 104 grös-
sere Silbermünzen Rudolphs IL grösstentheils aus böhmischen
Münzhäusern stammend, zuzusenden, wodurch, sowie durch die
Sammlung des Herrn Ignaz Spöttl meine Studien wesentlich
gefördert wurden.
XIV.
Die Münzstätte zu Breslau.
Die Schwierigkeiten, welche sich einem geregelten, ununter-
brochenen Betriebe im landesfürstlichen Münzhause zu Breslau
entgegenstellten, wurden Seite 54 angedeutet. Diese Störungen
hielten auch während der vieljährigen Regierung Rudolphs IL an,
ja sie steigerten sich in einer das Interesse des Landes tief berüh-
renden Weise. Zunächst war das Bestreben der Regierung auf die
Hebung des schlesischen Bergbaues gerichtet, weil sich daraus auch
eine Förderung des Münzwesens erwarten Hess. Schon ddo. Prag,
7. Februar 1577 resolvirte Rudolph IL an die schlesische Kammer
„was dann beschliesslich der Schweidnizischen Gewerkhen Begem,
vnnd Ewer angehengtes Guetachten, die VermUnzung der allberait
vorhandenen Silber, vnd das dieselb vnnder vnnserm Namen und
Gepräg beschehen möcht, betreffen thuet, weil wir verstehen, dass
ganze, halbe und Viertelstaller, dem Khuttenbergischen Schrot vnnd
Khorn gemess, mit bestem Nutz vnnd Vberschuss gemünzt, vnnd
dcu Kaisern Maximilian 11., KiMoliil: II. und Mathias.
287
dasselb Gelt zu Bezallung der khonfftigen Silber gebraucht werden
kann. So haben wir mit Gnaden bewilligt, das dieselben Silber, biss
auf weitern unsern gnädigisten Beschaidt, mittlerweil mit dem alten
Gepräg, inmassen die negst zu Presslaw geschlagenen Taller ver-
mtinzt werden mögen". *)
Aus der vorstehenden Resolution ergibt sich, darN.s zu Breslau
zunächst „mit dem alten Geprägt, das ist mit den Stempeln Maxi-
milians IL ganze, halbe und Viertelthaler auszumünzen waren.
Grössere schlesische Münzen Maximilians II. kommen höchst selten
vor. Sie wurden an sich schon in geringer Zahl ausgebracht, wozu
noch kommt, dass sie in den verschiedenen schlesischen MUnz-
häusern bald wieder dem Schmelztiegel verfielen. Schlesische Thaler
Maximilians II, darunter auch solche, welche erst im Jahre 1577
geprägt wurden, dürften nur wenige auf unsere Zeit gekommen
sein, Dass der Münzbetrieb zu Breslau bald wieder unterbrochen
wurde, lässt sich aus dem Umstände entnehmen, dass in der höchst
eingehenden, 40 Seiten umfassenden Instruction, welche Rudolph 11.
ddo. Prag, 19. Jänner 1580 einer zur Untersuchung des schlesischen
Kammerwesens nach Breslau abgeordneten Commission ertheilte,
das Münzamt gar nicht erwähnt wird, daher geschlossen werden
muss, dass damals der Prägebetrieb ganz eingestellt war. a)
Die Anträge dieser Commission umfassten auch die Wieder-
aufnahme des MUnzbetriebes, worüber die schlesische Kammer
unterm 4. Juli 1582 und 18. Juni 1583 Relationen erstattete. Mit
der Resolution ddo. Wien, 26. Juli 1583 bestätigte Rudolph II. den
Empfang der mit dem letzten Berichte vorgelegten zwei Thaler.
So viel das „Müuzwerk zu Presslau" anbelangt, stimmte der Kaiser
bei, dass es nach dem Antrage vom 4. Juli 1582 „auf ain Versuchen
angestellt", nacii dem Vermünzen des vorhandenen Silbers soll
jedoch ein weiteres Gutachten darüber eingebracht werden, ob das
Münzwerk auch ferner zu erhalten sein wird. „So haben wir auch
des vberschikten Geprägs halben, souil das Piltnuss anreicht,
gnedigist, kein Bedenken. Zum neuen aber wird ein Abriss über-
sendet, wie die Gepräg mit den gewöhnlichen Umschriften anzufer-
«) K. k. II, »\ A., r.(ikl). .Nr. -il;), loi. Il':)^
a) Da.Helb8t Gdkb. Nr. 31Ö, Fol. 545.
288
Johann Newald : Das österreichische Münz-wesen
tigen sind." Die geprägten Tbaler sind an den Hof zu senden,
damit nicht erst ein Wechselgeld gegeben oder Reichsgiildiener
herausgeschickt werden, i)
Im Breslauer Münzhause wurden damals auch Goldmünzen
geprägt und wurde gegen den „Raitdiener bei der Kammer in
Schlesien Salomon Lewen" die Beschwerde erhoben, dass ihm
die etwas zu leichte Ausbringung derselben zur Last falle. Die Hof-
kammer verfügte ddo. Prag, 15. November 1583 die Verhaftung
desselben und sei „fürsehung zu thun, damit sich seines Wegknm-
bens nicht zu befaren sei". 2) Der ziemlich lebhafte Betrieb dauerte
im Münzhause zu Breslau durch mehrere Jahre an. Es geht dieses
aus dem Erlasse ddo. Prag, 29. Februar 1586 hervor. Dass in
Schlesien ein Uebermass von geringhaltigen Geldsorten im Umlaufe
war, ergibt sich aus dem Umstand, dass dort im Anfange des
Jahres 1586 der kaiserliche Thaler mit einem Aufgeld von
20 Kreuzer, das heisst mit 1 Gulden 30 Kreuzer berechnet wurde. 3)
Nach dem Tode des Königs von Polen Stephan Bathory
(starb 13. December 1586) gerieth das Münzwesen dieses Landes
in eine länger anhaltende Stockung. Der Münzmeister zu Posen
Dietrich Bussa aus Braunschweig schritt um die Genehmigung
zur Vermünzuiig seiner Gold- und Silbervorräthe zu Breslau „in
guette Reichs münz'' ein; er würde sich zu diesem Ende in
Breslau niederlassen. Die Hofkammer Hess sich über dieses An-
suchen von dem Kammerrath Hanns vonProchlitz und dem
Prager Münzmeister Lazar Erker ein Gutachten vorlegen. Diese
beantragten, man möge dem Bussa für die Zeit von sechs Monaten
den Münzbetrieb gestatten, womit er genügend Zeit habe, sich
darüber klar zu werden, „wie es ihme mit der Münz ung nach
dem Reichsfuss ergehen werde". Mit dem Erlasse ddo. Prag,
14. April 1587 wurde die schlesische Kammer angewiesen, „zunächst
des Münzwesens kundige Personen in Breslau einzu vernehmen"
und sohin ihre Anträge zu stellen, wie in Angelegenheit der Ueber-
lassung des dortigen Münzwesens an Bussa, jedoch nicht bloss auf
1
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 318, Fol. 347vers.
2) Daselbst Gdkb. Nr. 318, Fol. 416.
3) Daselbst Gdkb. Nr. 320, Fol. 2 und ITvers.
Kairoern Maximilian II.. I:ud"l!.h II. und ^lathia^.
289
Va Jahr, wozu die Dcwilligung* nicht ertheilt werden könnte, „son-
dern auf ein beständigs, weil Er, wie er fürgiebt, den znegang mit
Golt vnnd Silber zum verralintzen haben golle^, abzuschliessen
wäre. Nachdem sich Bussa an das in den böhmischen Mtinz-
häusern übliche Korn und Schrot zu halten hätte, wurde eine
Abschrift der Präger MUnzmeister-Instruction dem Erlasse bei-
gelegt. ' ,
I in thunlichst bald den Betrieb eröffnen zu können, rief Bussa
den Prager Münzeisenschneider Hanns Schneider nach Breslau.
Die anwesende Hofkammer fand sich dadurch veranlasst, mit der
kaiserlichen Resolution ddo. Prag, 1. Juli 1587 unter Hinweis, dass
sich Schneider ohne Vorwissen der Hofkammer nach Breslau ver-
fügt habe, um für den dortigen Münzmeister Thaler- und Ducaten-
Stempel zu schneiden, die schlesische Kammer zu beauftragen, dass
sie den Schneider sofort zurückschicken, auch im Falle er einige
Stöcke auf Thaler und Ducaten geschnitten hätte, ihm diesell)en
abzunehmen und einzusenden, „weil Wir vnns des Geprägs halber,
alss darinnen Wir zwischen dem hiesigen vnd dortigen ein Vnter-
schidt gehalten haben wollen, zuvor Jederzeit in Gnaden ent-
schliessen mügen".^)
Der Betrieb des Dietrich Bussa im Münzhause zu Breslau
scheint nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Mit dem Erlasse der
Hofkammer ddo. 5. Jänner 1594 wurde über Antrag des Münz-
meisters zu Teschen Caspar Rietkher „wegen fortstell und
Anrichtung ermelts Schlesischen Münzwesens" verordnet, dass das
MUnzmeisteramt zu Breslau, dem jetzigen MUnzmeister zu Köln
Johann Vogt zu übertragen ist. Was die grösseren Silber- und die
Goldmünzen anbelangt, sind dieselben nach dem Schrot und Korn
wie in Böhmen Üblich auszubringen. Die kleineren Münzen, von
denen Weissgroschen in Schlesien nicht gebräuchig sind, können,
wie sie bisher dort üblich waren, beibehalten werden. Mit dem
Münzmeister Vogt wird über alles dieses, jedoch die Uatilication
vorbehaltlich, zu verhandeln sein. ») Ob dem entsprechend mit Vogt
«) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 320, Fol. 2(;o.
•i) Daaelhst Gdkb. Nr. 320, Fol. 30!).
») Daselbst Gdkb. Nr. 324, Fol
19
290
Johann Nowald : Das österreichisclie Münzwesen
ein Abscliliiss erfolgte, hat sich aus den Acten nicht entnehmen
lassen. Für keinen Fall hatte der Münzbetrieb durch denselben, im
Falle er überhaupt eröffnet wurde, eine lange Dauer.
Die Schwierigkeiten, welche sich aus dem durch Jahre hin-
ziehenden Türkenkriege, aus den Unruhen in Ungarn, endlich aus
den Differenzen, welche zwischen den beiden Regierungen zu Prag
und in Wien mehr und mehr hervortraten, ergaben, brachten den
mit Hindernissen aller Art bedrängten landesftirstlichen Münzbetrieb
zu Breslau endlich zum völligen Stillstand. Vom Anfange des
XVII. Jahrhunderts an schweigen die Acten von demselben
gänzlich.
Die wenigen bisher bekannt gewordenen schlesischen Münzen
Rudolphs II. finden sich in der bereits erwähnten werthvollen Publi-
cation des Frei he rrn von Saurma-Jeltsch auf Seite 24 auf-
gezählt und ein Theil davon auf den Tafeln 46 und 47 abgebildet.
Die beiden Thaler bewahrt in gut erhaltenen Exemplaren das k. k.
Münzcabinet in Wien. Das auf dem Ducaten und dem Thaler vom
Jahre 1587 ersichtliche Münzzeichen: Zwei gekreuzte Zainhaken,
darunter ein schief gestelltes Kreuzchen, dürfte dem Unternehmer
Dietrich Bussa angehören. Das k. k. Münzcabinet bewahrt einen
schlesischen Ducaten Rudolphs IL vom Jahre 1584.
XV.
Die Münzstätte zu Kremnitz.
In Kremnitz finden wir beim Regierungsantritte des Kaisers
Rudolph II. noch immer den schon im Jahre 1544 von Joachimsthal
dahin übersetzten Wolf gang Roll als Unterkammergraf und
Münzmeister thätig. Bei dem grossen Umfange der dortigen Münz-
prägung war jede Verbesserung im Betriebe derselben von offen-
barer Wichtigkeit. Schon Maximilian IL hatte im Jahre 1575 „über
Hanns Voglers Müntzdruckhmaisters angeben" die Einrichtung
der Walzenprägung zu Kremnitz angeordnet. Nach dem Vor-
anschlage des niederösterreichischen Kammerrathes David Hag
würde diese Melioration eine Auslage von 2500 bis 3000 Gulden
unter den Kaisein Maximilian II., Rudolph II. und Matbiaä.
291
Terursacht haben, wodurch jedoch beim MUnzbetriebe eine jährliche
Ersparung von 6000 Guhlen zu gewärtigen war. Der über die Hall er
Walzeneinrichtung befragte Erzherzog Ferdinand theilte mit,
^das Mtinzdruckhwerk were nit allein guet und bestendig, sondern
gäbe auch im Mlinzerlohn eine grosse Ersparung, femer in Machung
des grossen und kleinen Gelts aine guete Befurderung". Er betonte
weiter, in Hall habe man mit dem Werke nicht weniger als
10.000 Gulden verktinstelt, man könnte es, wenn nur ein hinrei-
chendes Wasser zur Verfügung steht, mit 5000 Gulden einrichten.
Der Kui-fürst August von Sachsen, an den man sich ebenfalls
gewendet hatte, meldete, dass weil die Münzer die kleine Münze
nicht gerne geschlagen haben, indem sie sich dabei weniger ver-
dienen, habe er das Mttnzdruckwerk in Dresden einrichten lassen.
Er glaube, dass, wenn nur genügend Wasser vorhanden, die Maschine
auch zur Goldmünzung verwendet werden kann und sich eine feine,
reine und scharfe Münze ergeben wird. Kaiser Rudolph IL nahm
diese Angelegenheit bald nach seinem Kegierungsantritte auf und
ertheilte ddo. Prag, G. April 1577 an den Erzherzog Ernst die Wei-
sung: es sei dem Hanns Vogler „zu völliger Zuerichtung des Mtinz-
Truckhwerchs in vnnsern Hungarischen Pergkstetten vber die Ime
hie vor alberait erlejjten 1000 Gulden noch 1000 Gulden, weil der
ganze Vncosten hievor auf aine solche Summe angeschlagen wor-
den", auszufolgen. »)
Die Massnahmen zur Realisirung dieser Melioration im Münz-
betriebe ziehen sich wie ein rother Faden durch die ganze Kegie-
rungszeit Rudolphs IL, um schliesslich resultatlos zu blei-
ben. Als im Jahre 1579 die neue Einrichtung durchgeführt werden
sollte, erhob die Stadt Kremnitz Einwendungen, welche von den
dortigen Münzamtlt'uten und dem niederösterreichischen Kammerrathe
Christoph von Kappach bevorwortet wurden. Sie betonten, «la^s
dadurch das Privilegium der MUnzer und der Stadt Kremni
letzt würde, dass viele Münzer um ihr Brod kämen und wegziehen
müssten, wodurch die Stadt grosse Kinbusscn erleiden, und im
Falle eines feindlichen Anfalles nicht vertheidiirt werden könnte
») K. k. H. K. A., Fase. 15378, ferner (idkh. Nr. 391», F«)l. 274, auch
i'-v><:.> iu.\\.,.r,. } ],rUfrt »l,Mt \'ornu8chla^ do» Jolt \' '"■'.«•• tllr Kremnitz.
292
Johann Newald: Das östeireicliische Münzwe^en
oder Kriegsvolk dahin gelegt werden müsste. Weiter wird gesagt^
dass in Kremnitz das zum Betriebe der Münzmascliinen erforder-
liche Wasser fehlt und dasselbe mit grossen Kosten zuzuleiten oder
das Mtinzwerk ausser der Stadt, der Gefahr eines üeberfalles aus-
gesetzt, herzustellen wäre. Dem entgegen äusserte sich der nieder-
österreichische Kammerrath Hag: „Da befunde sich, dass an dem
gelegenen Orts, Wassers und Kholl khain Mangel erscheine, Er
Herr von Rappach were dissorts vnperkhmanisch bericht." Die bei
der Münze entbehrlichen Arbeiter können beim Berg- und Pochwerk
genug Arbeit finden. Die Privilegien seien dem Münzdruckwerk
nicht entgegen. Im Falle in Kremnitz grosse Schwierigkeiten erho-
ben werden, wäre das Werk zu K aschau zu errichten, indem
darauf bereits eine Summe Geldes ausgelei;t wurde.
Erzherzog Ernst legte mit der Eingabe ddo. Wien, 3. Februar
1580 die Acten dem Kaiser vor, er schloss daran unterm 24. April
1580 einen zweiten Bericht, in welchem betont wurde, er habe die
ungarischen Räthe vernommen, welche sagen, dass weder das Pri-
vilegium des Ki>nigs Ladislaus, noch jenes des Königs Ferdinand
gegen die Einführung des Münzdnickwerkes geltend gemacht wer-
den könne; trotzdem wird, der bestehenden grossen Schwierigkeiten
wegen, mit Vorsicht vorzugehen sein. Ueber die vorgebrachten Be-
denken wurden auch die Appell ationsräthe und der kaiserliche Hof-
rath vernommen und schliesslich im Jahre 1583 verfügt, dass die
ganze Fra^e vorläufig auf sich zu beruhen habe. Das war die erste
Unterbrechung in der Einführung der Walzenpi ägung im Mün/hause
zu Kremnitz. «) Ehe wir diese Angelegenheit wieder aufnehmen,
kommen einige den Münzbetrieb anbelangende Details nachzu-
tragen.
Nachdem in Kremnitz die Thaler noch immer mit dem Brust-
bilde Maximilians II. geprägt wurden, resolvirte Rudolph IL ddo.
Prag, 28. September 1578, ,,weil die Thaler mit Kaiser Maximilians
Namen vnd Bildtnuss, aber doch nichts destoweniger die Jarzall auf
dits gegenwärtige 78ste Jar geschlagen werden", so sind die neuen
Prägeeisen alsbald „auf vnnsern Namen vnd Pildnuss" zu richten. 2)
Mit dem Erlasse ddo. Wien, 3. Juii 1579 wurde der Eisenschneider
1) und 2) K. k. H. K. A. sämmtliche Acten, Fase. 15378.
■n Kaisern 31aximilian 11., Riidr.lpli n. und Mathias.
293
in Kremnitz Lucas Richter seines Alters wegen mit wöchentlich
J Gnlden pro>isiouirt, welcher Bezug- unterm 17. Mai 1580 auf
1^2 Gulden gebessert wurde, i) Mit dem Erlasse vom I.Februar
1580 wurden nunmehr bestellt: Abraham Eyskher als Ober-
eisenschneider mit 4 Gulden wöchentlich^ Georg Tober als
Schneider und Senker mit 2 Gulden, Andreas Rah mit 1 Gulden
nnd der als Aushilte aufgenommene Joachim Elschalt el>""^'i'<
mit 1 Gulden. 2)
Die Störungen im Verkehre und Handel, welche sich aus dem
Vordringen der Türken und aus den wiederholten aufständischen
Bewegungen ergaben, hatten die ungarischen Bergstädte — es
waren dieses die sieben Orte: Schemnitz, Kremnitz, Neusohl,
Bugganz, Königsberg, Libeten und Dilln — in ihrem Wohl-
stande sehr zurückgebracht. Die Berg- und Münzbeamten Wolfgang
Roll, Wilhelm Scheuchenstuel, Georg Egger, Hanns Riedmüller und
Thaddäus Meyly brachten ddo. Schemnitz, 30. Juni 1581 eine Ein-
gabe an die niederösterreioliische Kammer ein, in welcher sie über
die grosse Verschuldung der Waldbürger und die unerschwingliche
Interessenzahluug derselben berichten. Sie heben hervor, dass eine
Steigerung der Silbereinlösungspreise um 50 Denar per Mark eine
Hilfe bringen würde, welche jedoch nur den wohlhabenden Wald-
bürgern zugute käme. Wollte der Kaiser einen Vorschuss von jähr-
lich 5000 bis 6000 Gulden als Unterstützung gewähren, so würden
sie darauf sehen, dass diese Vorschüsse nur wirklich Hilfsbedürf-
tigen gewährt wUrden. Allein bei den grossen Auslagen, welche auf
der Kammer lasten, können sie die Genehmigung eines dieser bei-
den Mittel nicht gewärtigen. Sie schlagen demnach vor, dass wie
vor sechs Jahren unter Kaiser Maximilian um 1 T.oth per Mark die
«) K. k. 11. K. A.. (Hlkb. >r. 1Ü7, Fol. Ü81 »uul Nr. 1 10. l-oi. io.s.
«) Daselbst G«ikb. Nr. 140, Fol. 3*»0v^r^. im „Münzwesen unter Ferdi-
nand L«, Seite 158 findet sieb die Instruction fUr den Eisensehneider und die
Eisensenker in r Der Obereisenschneider hatte die Punzen fllr
Brustbild, Wapi. ; u. s. w. auzutertif^en, mit deren Hilfe die Senker
und S(hnei«ler die tM|a:rntliclien MUnz«tenipel berstelltt'U. Die jjfrosse Steinpel-
HinmiiliniL'- im k k TT iminuiiir/.-nnfi' lti>\\ -iliif i'iiir .'TOS»;!' Zj«IiI sulrbiT I'lin/.rii.
294
Das österreichisch"^' "^'i
Ausmtinzung zu verriugein wäre und der dadurch erzielte Mllnz-
tiberschuss den Bergstädten belassen werden möge t^Seite 227 i).
Diese Eingabe gleichsam ergänzend, traten „Richter und
Rath" der sieben ungarischen Bergstädte nun selbständig mit
ihrem Antrage hervor. Sie baten um die Einstellung der Thaler-
prägung und Wiederaufnahme der Ausmünzung von Kleingeld,
,, wobei am Korn umb ain Lot an der fein ze fallen wäre." Dieses
mit Bezug auf die völlige Sistirung der Thalerausgabe sehr weit-
gehende Ansuchen legte die niederösterreichisclie Kammer mit
Bericht ddo. Wien, 3. März 1582 der Hofkammer vor. Sie stellte den
Antrag, dass die Thalermüiizung auf ^/\ des Silbers zu beschränken,
das übrige in kleiner Münze im Korn zu 6 Loth und wie bisher,
436 Stücke aus der Mark auszubringen wäre. Diese Münzen würden
die Bergstädte bei Bezahlung des von ihnen gelieferten Goldes und
Silbers annehmen. Der erzielte Uebersciiuss, welcher mit 30.000 Gul-
den veranschlagt wurde, wäre den sieben Ber^städten als Vorschuss
zu belassen. Sobald sich dieselben nach Verlauf einiger Jahre
wieder erholt und der Bergbau gekräftigt hätte, wäre die alte Prä-
gung wieder aufzunehmen.
Mit dem Erlasse vom 9. Mai \b^2 wurde der niederösterreichi-
schen Kammer die kaiserliche Resolution über diese Anträge
bekannt gegeben. Der Kaiser hielt die Thalerprägung im Münzhause
zu Kremnitz aufrecht, verfügte jedoch, dass „denen Tyrolli sehen
Tallern gleich gemünzt und bei denselben am Schrott und
Korn zuegleich gefallen werden solle", woraus sich ein Nutzen von
jährlich etwa 6000 Thalern ergeben werde. Bei den kleinen Münzen
soll die Beschickung mit 7 Loth verbleiben, jedoch um 10 Pfennig
per Mark mehr ausgeschrotten werden, was einen' Ueberschuss von
etwa 2000 Thaler geben wird. Diese beiden Beträge sind den Berg-
städten als Vorschuss zu überlassen. Von dem zur Ausmünzung
kommenden Silber sind s/^ auf Thaler und nur 7* auf kleine Münzen
zu verwenden. Das Vermünzen von 3/4 des Silbers auf kleines Geld
kann aus dem Grunde nicht zugegeben werden, weil sonst auch die Erb-
länder mit den geringen ungarischen Sorten überschwemmt würden. 2)
1} K. k. H. K. A., Fase. 15378.
2) Daselbst Fase. 15378, auch Gdkb. Nr. 397, Fol. -ISOvers.
unter den Kaisem Maximilian IT., Rudolph TT. iMid Mathias.
295
Wie wir sehen, flihrten die Beschwerden der sieben ungari-
schen Bergstädte zu einer Aenderung im Korn und Schrot der
Kremnitzer Thal er und im Schrot der kleinen Münzen. Um die
Bedeutung dieser Aenderung beurtheilen zu können, haben wir
zunächst das bisherige Ausbringen klar zu stellen. Der Unter-
kammergraf Wolfgang Roll hatte ddo. Krcmnitz, 25. April 1581
angezeigt, dass die ungarischen Dreier auf 7 Loth fein, aus der
Mark 436 Pfennige mit 3 oder 4 Stücken als Remedium geschroteu
werden. Die Thaler anbelangend, werden im Feingehalte von
14 Loth 1 Quint. 1 Pfennig aus der ungarischen Mark 8*^ ,7 Stücke
ausgebracht. Ein solcher Thaler hatte in der dermaligen österreichi-
schen Währung einen Werth von 2 Gulden 32-857 Kreuzer. ^)
In Hall hatte Erzherzog Ferdinand vom 16. März 1577 begin-
nend die Ausprägung der Thaler zu 14 Loth fein und 9» ^ Stücke
aus der rohen Wiener Mark angeordnet. Der nach dieser Instruction
ausgebrachte Thaler hatte einen Werth von 2 Gulden 26-152 Kreu-
zer der dermaligen österreichischen Währung, er stand somit gegen
den bisher in Kremnitz geprägten Thaler um 6*705 Kreuzer zurück. -)
1) K. k. H. K. A., Fase. 15378. Aus den Acten hat sich das Verhältniss
der ungarischen Mark zur Wiener und Kölner Mark nicht entnehmen
lassen, dasselbe muss demnach zunächst festgestellt werden. Herr Dr. Arnold
Luschin-Ebengreuth, Archiv für österreichische Geschichte, 47. Band,
Seite 2.53, Note 1, in der Abhandlung: „lieber die alten Münzgewichte in
Oesterreich" setzt (bis „ungarische oder Pergstätten-Ge wicht" die Mark mit
224 Pfennige Wiener (Tcwicht an. Wir haben somit Wiener Mark = 2r)G, unga-
rische Mark = 224 und Kölner Mark = 213-3333 Wiener Pfennige, oder das
Verhältniss wie 6 : ir'2i) : 5. Zur Ermittlung des Werthes eines bisherigen unga-
rischen Thalers übergehend, ist 8% 7 = 8-470G StUcke. Da 14 Loth 1 Quint.
1 Pfennig = 229 Pfennig, so enthält ein solcher Thaler 221» : 8-470G =
27-0347 Pfennige ungarisches Gewicht, welche, nach dem oben gegebenen Ver-
hältnisse umgerechnet, 28-3864 Pfennige Kölner (iewicht ergeben. Da aus der
feinen Kölner Mark = 256 Pfennige, 21 Gulden österreichischer Währung aus-
gebracht werden, so haben wir 256 : 21 = 28-3864 : x, woraus x oder <ler Werth
des in Kede steh«?n<len ungarischen 'I'iialers mit 2 Gulden 32857 Kreuzer öster-
reichischer Währung entfällt. Nachdem der nach der Instruction vom 15. Fe-
bruar 1524 geprägte Thaler einen Worth von 2 (Julden 3M97 Kreuzer besass,
8() war der ungariMche Thaler besser um l-66() Kreuzer österreichischer
Währung.
2; Die Haller Miiuzinstruction wird beim Ilaller .MUuzhause besprochen
werden.
296
Johann Newald : Das oaterreichisclie Munzwcsen
Aus dieser Werthsdifferenz erklärt es sieb, dass man ans dem
Uebergange zum Tiroler Schrot und Korn bei der Tbalerprägung
im Kremnitzer Münzhause einen Nutzen von jäbrlicb 6000 Tbaler
erwartete.
Im Anschlüsse an die vorstehend geschilderten Verhandlungen,
Anträge und Erlässe ist es von Interesse, den Umfang des Präge-
betriebes im ]\Iünzhause zu Kiemnitz in jener Epoche kennen zu
lernen. Ein von dem bergstädtischen Kammerbuchhalter Hanns
Riedmtiller eingebrachter Bericht gestattet über diese Frage eine
Einsicht.
Vermünzt wurde in den Jaliren
1580 1581 1582
an Gold 132-477 fl. — Pf. 130-264 fl. 50 Pf. 146.260 fl. 50 Pf.
an Silber 277.614 „ 40 „ 164.079 „ 44 ,, 225.374 „ 50 .
In allen drei Jahren wurden Thaler geprägt, allein das Aus-
bringen kleiner Münzen überschritt erheblich jene Grenzen, welche
die Hofkammer wiederholt vorgezeichnet hatte. Im Jahre 1581
wurden nur 45.440 Thaler ausgebracht. Die im Uebermasse aus-
geprägten ungarischen Pfennige fanden im Lande selbst keine Ver-
wendung, sie flössen in die angrenzenden Erbländer ab, wo darüber
lebhafte Klagen erhoben wurden. Ein Erlass an den Erzherzog
Ernst ddo. Prag, 2. Juli 1584 ordnet das Verrufen dieser Münzen
an, welche nach Ablauf von drei Monaten im herabgesetzten Werthe,
und zwar 12 ungarische Pfennige um einen österreichischen
Schilling einzulösen sind, i) Unterm 28. November 1586 erging eine
strenge Weisung an den Kremnitzer Unterkanimergrafen Wolfgang
Roll, dass 3/4 der Silbergefalle in Tlialer und nur
ungarisches Geld zu vermünzen ist. 2)
1/4 in kleines
Im Jahre 1586 kam die in Kremnitz einzurichtende Walzen-
prägung neuerdings zur Verhandlung. Wie aus den Acten zu ent-
nehmen ist, gab der Kaiser selbst hiezu die Anregung. Im Vortrage
ddo. Prag, 30. September 1586 sagte die Hofkammer, sie sei zu
wenig unterrichtet, um einen verlässlichen Rath ertheilenzu können,
1) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 144, Fol. 43lver..
3) Daselbst Fase. 17317.
Kaisern Ifaxitnilian II., Kudolph II. und Mathias.
es möge der niederösterreichische Knmmerrath David Hag noch-
mals vernommen werden. Der Kaiser nahm den Antrag wohl an,
allein er befahl, dass dem Erzherzog Ernst das Münzdriickwerk
besonders zn empfehlen sein wird. Der Erzherzog, dem die kaiser-
liche Resolution unterm 16. October 1586 bekannt gegeben wurde,
war der ganzen Angelegenheit abgeneigt, sie blieb abermals ohne
Erledigung. <) Auch von dem alten Unterkammergrafen Wolfgang
Roll war keine Förderung zu erwarten. Als dieser Anfang März
1589 starb, wurde bezüglich der Miinzamtsverwaltung ein Provi-
sorium verordnet. -)
Erst nach dem Tode des Erzherzogs Ernst und unverkennbar
abermals über Anregung des Kaisers wurde die nun schon seit
zwanzig Jahren sich hinziehende Angelegenheit neuerdings vor-
genommen. Gegen Ende des Jahres 151>5 trat zu Kremnitz eine
Commission, bestehend aus dem uiederösterreiehischen Kammer-
rath Christoph von Rappach und aus den Räthen der Zipser
Kammer Julius Freiherrn von Herberstein und Georg Hoff-
nian, zusammen, um mit der Stadtvertretung zu verhandeln. Diese
lehnte beharrlicli die Einrichtung des Münzdruckwerkes ab. Die
niederösterreichische Kammer richtete nunmehr ddo. Wien, 1. Fe-
bruar 1596 einen Erlass an die Stadt Krennütz, in welchem die-
selbe auf iliren grossen Sehuldenstand aufmerksam gemacht wird ;
die Ersparung an den MUnzkosten würde zur Tilgung ihrer Schul-
den verwendet werden, schliesslich wurde ihr bedeutet, dass bei
fortgesetztem Sträuben gegen das Münzdruckwerk der Kaiser die
Münzung nach Schemnitz verlegen wi*rde. Die Stadtvertretung
brachte nunmehr für sich und im Namen der Münzer eine Eingabe
ein, in welcher sie der Eini-ichtung des Münzdruckwerkes wohl
zustimmen, dagegen aber um einen Naclilass an ihrem Schulden-
stande bitten. Mit der Resolution ddo. Prag, 7. Juli 1596 lehnte
Rudolph II. dieses Ansuchen al) und trug die Einbnngung oder
Sicherstellung des Kammerguthabens auf. Rezüglieh der Walzen-
maschinc wurde angeordnet, dass dieselbe thunlichst bald ins Werk
zu richten ist Am 12. Juli 1596 erfloss eine Weisung an die luns-
Fasc. 15378 und üdkb. Nr. 44)3 Fol. 21!'.
Nr. ln3. Fol. tTOvor«.
298
!d: T).i- österreichische Münzwesen
brucker Kammer, sie habe drei taugliche Miinzarbeiter znr Einritt
tung des Münzdruckwerkes Kremnitz abzuordnen, i) Da der Kaiser
mit der Resolution ddo. Prag, 5. September 1596 den energischen
Vertreter der Münzverbesserung in Kremnitz David Hag seine
grossen Erfahrung im Berg-, Schmelz- und Münzwesen wegen zum
Oberstkammergrafen in den ungarischen Bergstädten bestellte,
schien es, als sollte für das lange bestrittene Münzwalzwerk end-
lich ein guter Abschluss eintreten. 2) Dazu kam, dass der Erzherzog
Maximilian, welcher nach dem Abgange des Erzherzogs Ernst der
Wiener Regierung vorstand, der Kremnitzer ^lünzverbesserung ein
besonderes Interesse entgegen brachte.
Unterm 31. März 1597 berichtete die nioderöstcrreichische
Kammer dem Erzherzog, dass die drei von Hall nach Kremnitz ab-
geordneten werksverständigen Arbeiter ihre Aeusserung dahin ab-
gegeben haben, dass die Oertlichkeit für die Errichtung eines
Münzdruckwerkes ganz zusagend sei, und, wenn man ihnen die er-
forderlichen Materialien beistellt, sie bis Ostern das Werk im Gang
hätten. Nun erhebe die Stadt Kremnitz, sowie die Knappen und
Münzer neue Anstände, indem sie angeben, dass bei 400 Personen
brodlos würden. Der Oberstkammergraf Hag widerlege alle diese
Einwendungen, und hebe hervor, dass der Münznutzen um jährlich
6787 Gulden gesteigert würde, woraus die alten Münzer, welche in
den Bergwerken nicht verwendet werden könnten, provisionirt, und
der Ueberschuss zur Hebung des Bergwesens in den Bergstädten
zu verwenden wäre. Die Kammer beantragte schliesslich die Durch-
führung der kaiserlichen Resolution vom 7. Juli 1596. Erzherzog
Maximilian legte ddo. Wien, 7. Juli 1597, die ganzen Anträge be-
vorwortet dem Kaiser vor. Dieser ertheilte ddo. Prag. 28. Jänner
159S die Erledigung. Da die Münzer nur die alten Beschwerden,
welche bereits zurückgewiesen wurden, vorbringen, habe es bei der
früheren Resolution zu verbleiben. 3)
Erzherzog Maximilian hatte mittlerweile ddo. Wien, 30. Jänner
1598 den Ankauf einer neben dem Kanmierhof zu Kremnitz
I
i) K. k. H. K, A., Fase. 15378 und Gdkb. Nr. 407, Fol. 413 und 422, auch
Gdkb. Nr. 157, Fol. 553vers. und G43.
2) Daselbst Gdkb. Nr. 407, Fol. 455.
3 Daselbst Fase. 15378 und Gdkb. Nr. 408, Fol. 185.
«atir dfii Kai^^•rn .Maximilian II., liii(l..lj)h II. uiut Mathias. -• •'
gelegenen kleinen, aufl35 Gulden bewertheten Behausung, welche zur
Einrichtung der neuen Mlinzmaschlne sehr gelegen war genehmiget, i)
Leider ging die Leitung der Wiener Regierung wieder an den Erz-
herzog Mathias Über, der so gerne bereit war den aus Prag kom-
menden Anregungen Opposition zu machen. Die Frage der Walzen-
prägung drängte zu einer Entscheidung. Der ewigen Einstreuungen
müde, Hess der Oberstkammergraf David Hag das Münzdruckwerk
in Schemnitz einrichten und in Betrieb setzen, wogegen die
Stadt Kreinnitz ddo. Kremnitz, 5. Mai 1598 unter Berufung auf
ihre Privilegien protestirte. Nachdem Hag diesen Protest unbeachtet
Hess, brachte die Stadt ddo, 10. Juni 1598 eine neue Beschwerde
ein. Ueber jene Mtinzer, welche von Kremnitz nach Schemnitz zogen,
um dort das Druckwerk zu betreiben, sagt die Eingabe, dass sie
„durch Anlaittung vud zur milde Berichtung, eines losen Bubens,
der am Kremnitzer Münzwesen ist meineidig, ja reverendo zu mel-
den gar zu einem Schelm worden," zur Uebersiedlung veranlasst
wurden.
Als auch diese Beschwerde erfolglos blieb, ordnete mau eine
Deputation an den Erzherzog Mathias ab, welche den Protest vom
5. Mai, und die Einsprachen vom 10. Juni 1598 zu wiederholen, und
mehrfache Beschwerden gegen den Oberstkammergrafen vorzu-
bringen hätte. Unter Anderem wurde gesagt, dass das ganze Silber
in Schemnitz zu Thalern vermünzt werde, daher kleine Geldsorten
fehlen. Eine Bitte um Schutz ihrer Privilegien brachte die Stadt
Kremnitz auch an (He ungarischen Stände ein. An den Erzherzog
wurde die Bitte gestellt, er möge sieh dahin verwenden, dass der
Kaiser ihren Abgeordneten eine Audienz gewähre, a)
Erzherzog Mathias, der offenbar gegen den Obersikammer-
grafen Partei genommen hatte, legte mit dem Berieht, ddo. Wien,
22. August 1598, die Acten mit einer gegen Hag gericliteten Be-
schwerde dem Kaiser vor, worin erwähnt wird, dass derselbe in
Schemnitz Thaler prägen lässt, welche jedoch das Zeichen
der Stadt Kremnitz haben. Letzterer suchte sich rechtzeitig zu
rechtfertigen. In seiner Eingabe an den Kaiser, ddo. Schemnitz,
21. September 1598, betonte er, dass, wftiirend früher zu Kremnitz
•; und .• K. k. II. K. A., Fii«c. 15378.
300
Johann Newald : Das österreichische 3Iünzwesen
60 Miinzer in Arbeit wareii^ beim Mtinzdruckwerk mir 8 Personen
nothwenclig sind. Ueber die Beschwerde, dass er den Waldbürgern
den verlangten Verlag verweigere, bemerkte er, dass er denen die
guten Bau führen, solche Vorschüsse verabreiche, nachlässige
Waldbürger müsse er zurückweisen, denn die sieben Bergstädte
seien der Kammer bereits 152 Tausend Gulden schuldig.
In dem Vortrag, ddo. Podiebrad, 31. Octobcr 1598, stellte dir
anwesende Hofkammer den Antrag, dass der Betrieb des Münz-
druckwerkes eingestellt, und dadurch die Beschwerdeführer, wie
auch die ungarischen Stände zu beruhigen wären. Rudolph II. resol-
virte jedoch, dass die geheimen Käthe zu vernehmen sind. Der
geheime Rath erstattete seinen Vortrag bereits, Podiebrad, ddo.
2. November lo!)8. Rudolph IL resolvirte: „Das Druckwerk sollt
angerichtet werden, aber das Münzwesen am vorigen Ort ver-
bleiben. Im übrigen sei billich, das man den Hagen auch vernembe."
In diesem Sinne ergingen, ddo. Prag, 14. November 1598, Erlässe
an den Erzherzog, an die Bergstädte und an den Oi)erstknmmer-
grafen i) Dom Letzteren wurde die Verlegung der Münzprägung von
Kremnitz nach Schemnitz strenge gerügt, jedoch bleibe die Verord-
nung, dass „anstatt des Mtinzschlags, 0^1 er gegen desselben Ab-
thuung das Truckwerkh angerichtet, vnd für khünftig gebraucht
werden solle," aufrecht, s)
Nachdem trotz des kaiserlichen Erlasses der Oberstkammer-
graf David Hag den Münzbetrieb in Schemnitz fortbestehen liess
ertheilte Erzherzog Mathias ddo. Wien, 3. Februar 1599 die strengt
Weisung zur Uebersetzung des Münzwesens nach Kremnitz und er-
kannte zugleich, dass Hag der Stadt Kremnitz einen Schadenersatz
von 1500 Gulden zu leisten habe. Da derselbe schwer krank dar-
nieder lag, erging ddo. Wien^ 22. Mai 1599 an den Hofkammerrath
Christoph von Rappach der Auftrag zur Durchfllhrung dieser
Massregel, und habe er ein Drittel der ►^ilbergefälle in kleine Münze,
zwei Drittel jedoch in Thaler ausprägen zu lassen. Mit der kaiser-
lichen Resolution ddo. Prag, 4. August 1600 wurde derselbe an
Stelle des am 11. April 1599 verstorbenen David Hag zum Oberst-
1) K. k. H. K. A., Fase. 15378.
2) Daselbst Gdkb. Nr. 408, Fol. 357.
Kiiiäeru MaximiUau II., Uodolph II. uud Mathias. ' ^
kam nierg raten eriianut, ») er resignirte jedoch schon im Jahre 1603
iiiid wurde mit der Resolution ddo. Prag, 26. September 1G03 vor-
läufig Hanns Steinperger als Berg- und MUnzwesens-Inspcc-
tor in den Bergstädten bestellt. -)
Üeber das Schicksal des vieljährigen Zankapfels bleibt nur
noch zu melden, dass Steinperger den Antrag gestellt hatte, es sei
die Hälfte des Silbers auf dem Druckwerk zu vermUnzen. Ein
Erfolg dieses Vorschlages lässt sich nicht nachweisen. Ein Hof-
kammererlass ddo. Prag, 6. Juni 1601 verlangt darüber Gutachten,
was vorzukehren sein wird, auf dass das zu S Chemnitz eingerich-
tete Druckwerk nicht verderbe. Unterm 15. Jänner 1602 schlagt
die hinterlassene Hofkammer vor, es möge, bis sich die Verhältnisse
(Sterblichkeit und Kriegsnoth) gebessert haben, das alte Präge-
verfahren beibehalten werden. ^) Sie fügte die Bemerkung bei, dass
das Münzdruckwerk bereits bei 60U0 fl. Unkosten verursacht habe,
eine Uebertragung nach Kremnitz werde, wenn nicht taugliche
Arbeitsleute, etwa aus Tirol beigestellt werden, keinen Erfolg haben.
Als ein Nachspiel der leidigen Angelegenheit ergab sich die Be-
schwerde des Eisenschneiders Joachim Eisholz, welcher im Jahre
1598 mit nach Schemnitz gezogen war. Als die Münze nach Krem-
nitz zurückkam, wollten ihn die Münzer nicht mehr zur Arbeit zu-
lassen, daher er durch acht Monate feiern musste. Unterui 22. Juni
1601 schritt er um die Auszahlung seines Lohnrückstandes von
68 Gulden ein. Erzherzog Mathias genehmigte dieses Ansuchen,
unter Voibehalt der Schadloshaltung an die Erben des Oberst-
kammergrafen Hag, erst ddo. Wien, llMail6u4. *) Audi an die
Kremnitzer Müuzbeamten, welche sich ablehnend gegen die Ver-
besserung im T' -n frezeigt hatten, erfloss eine Rüge. Mit
Rücksicht auf (li : and, dass bei der Vermünzung des Silbers
auf Thaler und ungarische Pfennige von Jahr zu Jahr ein grösserer
Abgang vorkömmt, „welches ohne Zweifel fürnemblich ans Euerem
Unfleiss, Nachlässigkeit und Verwarlosung herrüre, vnd wohl verhütt
•) K. k. n. K
'k Nr. 401), Fol. 2Ü4
«j Daselb-' <
.. ,ilMiiMl Oakb. Nr. 411. . ..
i*. November i
da» ObiTstkaiiiiucrgrufenaiiit inibcsctzt bleiben
•)I».
♦)I».
302
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
werden kann," werden die Miinzbeamten zur genaueren Hand-
habung ihrer Instruction angewiesen. M
Eine Einrichtung, aus welcher sich hochbedeutsaun \vi-
besserungen im Münzprägewesen ergaben ; die sich bereits in einem
österreichischen Münzhause, und zwar zu Hall im Innthale, in aus-
gedehnter Verwendung vollständig bewährt hatte; welche erfolg-
reich seit Jahren an verschiedenen Orten in Anwendung stand;
welche im fernen Spanien alle nationalen Widerstrebungen sieg-
reich überwunden hatte, konnte in Kremnitz, trotzdem sich Kaiser
Kudolph H., der, getragen von der hohen. Kunstliebe und Kunst-
freundlichkeit, auch die Verschönerung der Münzen anstrebte, nicht
zur Durchführung gelangen. Die bald darauf eintretenden aufstän-
dischen Bewegungen unter Stephan Bocskai, machte alle Be-
mühungen und Versuche, die auf die Einführung der Walzen-
prägung im Kremnitzer Münzhause hinzielten, ein Ende. 2)
Nachdem die aus dem Kremnitzer Münzhause ausgegan-
genen Münzen, darunter namentlich die i^nisseren Silber- auch die
Goldmünzen seit alter Zeit mit den Buchstaben K — B bezeichnet
sind, besteht bezüglich Zuweisung derselben an die richtige Münz-
stätte keine Schwierigkeit. Das Anbringen eines MUnzmeister-
zeichens unterblieb, weil im Falle eines Auslandes, aus der Jahrzahl
der verantwortliche Beamte ausser Zweifel gestellt werden konnte.
Von hervorragendem Interesse ist ein Walzenthaler Rudolphs II.
vom Jahr 1579. Er ist von ganz besonderer Schönheit und dürfte
sich der Annahme, es sei der Stempel von Antonio Abondio ge-
schnitten wortlen, kaum ein Bedenken entgegenstellen lassen. ») Im
Jahre 1579 war die ganze Maschinenconstruction fertig, es handelte
sich nur noch um die Einrichtung des Betriebes im Münzhause zu
1) K. k. H. K. A., Fase. 15262.
2) Bocskai hatte auch die Bergstädte besetzt. Der Erzherzog Mathias
wurde seitens der hinterhissenenHofkammer ddo. Wien, 7. Juni KiOG gebeten,
durch den Grafen Stephan Illeshäzy dahin zu wirken, dass die von Bocskai
den beiden StädtenKremnitz und Schemnitz zuerst mit 4000 Thaler bemessene,
sodann auf 8000 Thaler gesteigerte „Taxe" nachgelassen werde. K. k. H. K. A.
Gdkb. Nr. 412, Fol. 254.
3) Ein vortrefflich erhaltenes Exemplar dieses Thalers befindet sich in der
Sammlung des Herrn Spöttl, einen Kupferabstoss besitzt Herr Stephan Delhaes
in Wien.
unter den Kaisern Maximilian IL, Rudolph II. und Matliias.
303
Kremuitz (Seite 291). Der in Rede stehende Tlialer lässt sich als
eineProbeprägun^ auffassen, um sowohl an den Kaiser als an andere
massgebende Personen Vorlagen zu dem Ende machen zu können,
um die Schönheit des neuen Gepräges zu constatiren. Es wurde
bei dieser Münze das mehr erwähnte Modell des Antonio Abondio
eingehalten, nur kömmt auf der Vorderseite in der Umschrift, rechts
das Wappen von Ungarn, links die Patrona Ungarise vor. An der
Rückseite fehlen die Buchstaben K — B, wohl aus dem Grunde, weil
es sich nur um eine Probeprägung handelte, überdies die Stadt
Kremnitz gegen die ganze Einrichtung in die lebhafteste Opposition
getreten wai*. Mtinzensamnder sind auch auf die in den Jahren
1598 und 1599 zu S Chemnitz geprägt en jedoch mit den Buch-
staben K — B bezeichneten W al z e n t h al e r aufmerksam zu machen.
Der lange anhaltende Türkenkrieg und die aufständischen Be-
w^egungen, deren Schauplatz Ungarn war, förderten wesentlich die
Verbreitung falscher Münzen im Lande. Mit dem Erlasse ddo. Prag,
15. October 1592, wurden dem Erzherzog Mathias falsche ungarische
Thaler, mit dem Bildniss und Umschrift des Kaisers, welche jedoch
kaum 7 Kreuzer werth waren, zugesendet; es sei nachzuforschen,
wo dieselben geprägt wurden, i) Solche Anzeigen wiederholten sich
nochmals. Unterm 21. Februar 1604 wurde dem Erzherzog bekannt
gegeben, dass in Polen etliche Kaufleute jährlich mehrere hundert-
tausend Gulden leichte polnische Kleinmünzen schlagen lassen,
welche sie in die Erbländer, namentlich aber nach Ungarn ein-
schwärzen. Der Erzherzog möge darüber Anträge stellen wie diese
Münzen einzusammeln und in kleine ungarische Geldsorten umzu-
prägen wären. 2)
Die in der Münze zum Kremnitz beschäftigten Stempelsclineider
anbelangend, kömmt zu erwähnen, dass Erzherzog Matliias mit Er-
lass ddo. Wien, 3. Juni 1001, den bisherigen Eisensenker Michael
Sackh, „seiner berlimbten Tauglichkeit willen" zum Obereisen-
schneider ernannt halte. Ueber eine vom Eisensehneider Joachim
Eisholz wegen Zurücksetzung eingebrachte Beschwerde, Hess man
in Kremnitz von beiden Concurrenten Thalerstempel anfertigen und
1) K. k. H. K., Gdkb. Nr. 155, Fol. 408vir.
-) Dasei l>Ht Fmhc. 17r)()S.
304
Joliann Newald: Das österreichische Münzwes
damit eine Probeprägung- vornelimen, woraus sich ergab, „dass der
Sackh den Elsholz weit tibertreffe." Der Erzherzog verfügte ddo.
9. Juli 1602, dass die frühere Bestellung des Sackh aufrecht zu
bleiben habe, dem Elsholz jedoch eine „Zubuss von 20 Gulden
ungarisch jährlich zu verabreichen ist.** i)
Während des Verlaufes der eben geschilderten Verhandlungen
leitete den Kremnitzer Münzbetrieb als Verwalter des Münz-
meisteramtes Georg Fleisch von Lerchenberg; als Wardein
war schon seit dem Jahre 1598 Philipp Neutaler mit dem Jahres-
sold von 209 Gulden ungar. bestellt. Ersterer wurde im Jahre 1605
Einnehmer und Oberamtmann in Scliemuitz, jedoch schon unterm
9. November 1606 definitiv zum Unterkammergrafen und Müuz-
meister in Kremnitz ernannt. Er erhielt ddo. Wien, 1. Mai 1607
eine 34 Seiten einnehmende, das Ganze seines Amtes umfassend»
Instruction. 2) Der Eingang derselben bezieht sich auf das MUnz-
wesen. „Nachdem erstlichen der höchst Artikel vnnd Vuss am
maisten daselbst angelegen ist, damit die Münz in rechtem Gehalt
Grad, Khorn vnd Aufzall, auch rain, sauber vnnd nit schiefen,^
gemacht vnd geschlagen werde, auch in derMünzarbeit kain Betrug,
Fäl nochVnordnung gelitten, demnach soll gedachter Georg Fleisch
mit allen Ernst, Vleiss und ganzen Threuen darob sein. •
Die erste Anordnung bezieht sich auf das Ausbringen der
Goldmünzen: „Nemblich sollen auf die hungarisch mnrkh derselben
hungarischen Goldgnldenoder Ducaten geschrotten werden 69 Stückh,
vnd dieselb Markh sol halten gannz fein 23 kliarat vnnd 9 Grän."
Als Remedium war ein Grän zugestanden. Ferner waren zu
münzen „hungarische weisse Pfennig, auf ein hungarisch gemischte
Markh 446 Stuckh vnd soll dieselb gemischte Markh halten
ganz fein 6 loth Silber.^ Das Remedium war ein Pfennig.
Endlich waren zu prägen Thaler zu 14 Loth fein und 8 Thaler
öO Pfeninge (8-6 Stücke) aus der beschickten „hungarischen Mark."
Von dem gesammten feinen Silber sollte ein Drittel auf Thal er und
zwei Drittel auf die kleine Münze verwendet werden. Eingehende
1) K. k. H. K. A., Fase. 152G3
3) Daselbst Fase. 1526!;, Monat Februar 1619.
4
:ai»eni Maximilian IT., Rudolph IT. und Mathias
305
Bestimmungen beziehen sich auf die Abgabe von Proben von
Jedem einzelnen Guss an die Stadt Kremnitz 0 Über die Silberein-
lösungspreise, welclie au die WaldbUrger zu zahlen sind u. s. w.
AlsBiiehhalter wurde dem ('nterkammergrafeu H a n n s L i v n p u c li e r
an die Seite gegeben.
XVI.
Die Münzstätten zu. Kaschau und Nagy-Bänia.
Die i^uiiii iium-, CHILI Münzstätte zu KaiscLjiu laim mur
Anordnung des Kaisers Maximilian IL im Anfange des Jahres
1574 statt, und zwar wurde ein Eisenschneider und mehrere Mltnz-
arbeiter von Kremnitz dahin abgeordnet. Mit dem Berichte ddo.
Kaschau, 17. Mai 1574 richtete dieZipser Kammer an den Erzherzog
Ernst die Anfrage, ob auf die in der neuerrichteten Kaschauer
MUnze geschlagenen Münzen die Buchstaben K — B wie in Krem-
nitz oder ein anderes Zeichen gesetzt werden soll. Sie deutet auf
..C et S qui Cameram Scepusiensem denotarent, vel autem C et C
qui Civitatem Cassoviensem referrent". Die Kammer schloss eine
vom Kremnitzer Münzmeister Wolfgang Roll, ddo. 7. Mai 1574 ein-
L-ebrachte Aeusserung bei, in welcher derselbe bezüglich „der
l'uechstaben, welche auf die Münz so in Zips gemacht, geschlagen
werden sollen*, beantragt, dass, „weil das gelt in der Stat Caschau
<) Vergl. Münzwe»** .. ..... I erdinand 1. Seite i^.. .;... v.iuu.i...;;» ..n-
>oite 127 luitgetheilteii V erhiiltniHSzahlen, ergibt sich der Werth des uach «ler
liistniotioü vom 1. ' t<Mi Thalers, wie folgt: 14 L« '
-fL'l Pfennige. Der 1 ■ iiu'ii Feingehalt von 224:S-(;
Pfennige ungar. Gewicht. Diese nach dem Verhältniss dass 5 ungar. .Mark =
:t'2f) Kölner Mark, in KOlner Gewicht umgewandelt, ;;ibt 27-HI88 Pfennige
Kölner Gewicht. Da aus der feinen Kölner Mark = SfKJ Pfennigt», 21 Guhlen
österr. Währ. ; )ial>en wir 25«:21 = 27-34H8:x, w-
X oder der Wen len Ihalers mit 2 fl. 24-;iH> kr. »>
Währ, folgt. Die WiiM»<r Mark nach dem Gesetz vom 23. Juli 1871, «u 28»'
^Jramme gci: rh* • ' ■ die.Her'I'haler ein Gewicht von 28r)r)(53 Gramme. ^^
II meiner > lliehe nach der Instruction vom 1.. Juni W)7 gepi
< n« Kit;;uuiuer Ihaler, haben im Durchschnitt ein Gewicht von
mm.
20
306
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
gemünzt wirdet, das auch dise zween Puechstaben C et C, die mau
für die Camer Caschau oder Stadt Caschau lesen mechte"^ zu setzen
wären. Die Erledigung erfolgte mit der Resolution ddo. Wien.
15. Juni 1574. Es werden die Buchstaben C — 8, so auch C — (
abgelehnt und wird angeordnet, dass die Kaschauer Münzen mit
H — S, welche Buchstaben Hungaria Superior bedeuten, zu bezeich-
nen sind, und zwar aus dem Grunde, weil das fernere Verbleiben
der Münzstätte in Kaschau noch nicht ausser Zweifel steht. ^)
Mit Bericht ddo. Kaschau, 24. August 1574 legte die Zipser
Kammer dem Kaiser aus dem dortigen Münzhause stammende Gobi
und Silbermünzen vor. Mit der Resolution ddo. Wien, 8. September
1574 lobte Maximilian IL die baldige Betriebsetzung der Münze,
ordnete jedoch verschiedene Aenderungen an den daselbst gepräg-
ten Geldsorten an. 2)
Nachdem man in Kremnitz mit grossem Misstrauen alle
Massnahmen der Regierung, aus denen eine Schmälerung in der
Bedeutung und im Wohlstande der Stadt zu besorgen war, beobach-
tete, hatten sich auch nur mit Widerstreben Kremnitzer Münzarbeiter
nach Kaschau übersetzen lassen. Um stets drohenden Anständen
und Schwierigkeiten zu begegnen, suclite die niederösterreichische
Kammer aus dem Reiche Müuzer nach Kaschau zu übersiedeln. Der
Wiener Münzmeister Adam Hartman machte auf den zu Nördlingen
ansässigen Stollbergischen Münzmeister Jacob Penndter auf-
merksam, der auch von Maximilian IL, welcher sich des Reichs-
tages wegen zu Regensburg befand, für Kaschau als Münzmeister
aufgenommen wurde. Nach dem Tode Maximilians IL, welcher am
12. October 1576 zu Regensburg starb, resolvirte Rudolph 11. ddo.
Linz, 13. December 1576 an den Erzherzog Ernst, dass der ange-
kommene Stollbergische Münzmeister Jacob Penndter als Münz-
meister für Kaschau aufzunehmen und alsbald dahin abzuordnen
sei, 3) worüber ddo. Wien, 22. December 1576 an die Zipser Kammer
die erforderliche Weisung erfolgte. Penndter erhielt 300 Gulden
Ungar, als Jahressold und freier Wohnung zugetheilt. *) Er kam mit
1) und 2) K. k. H. K. A., Fase. 15261.
3) Daselbst Gdkb. Nr. 399, Fol. 231ver
*) Daselbst Nr. 400, Fol. 97.
4
;iier deu Kaisern Maximilian II., Rudolph 11. und Mathias.
307
drei Mlinzgesellen und einem Jungen nach Kaschau. Der Kremnitzer
Unterkammergraf Wolfgang Roll erhielt den strengen Auftrag, unge-
säumt etliche Münzer von Kremnitz nach Kaschau abzuordnen, auf
dass „das Münzen daselbst auch die Verlag aufs Perklnvcrkl!, '--♦ ■
mehr beflirdert werden^.')
Penndter hatte in Kaschau mit verschiedenen Schwierigkeiten
zu kämpfen. Als er um die Vermehrung seines Arheitspersonales
ansuchte, meldete Wolfgang Roll ddo. Kremnitz, 18. Juli 157.^, dass
sich die Kremnitzer Mttnzknappen entschieden weigern, nach
Kaschau zu übersiedeln.*) Erzherzog Ernst wollte drei Wiener
Münzgesellen und einen Jungen dahin abordnen. MUnzmeister
Hartman zeigte jedoch ddo. AVien, 6. August 1578 an, dass die
Wiener MUnzer hier ansässig sind und Weingärten besitzen, daher
nicht übersiedeln wollen. Er wies auf Budweis, Prag, Joachimsthal,
endlich auch auf Salzburg hin, von wo Münzer zu berufen wären.
Von allen Seiten erfolgten jedoch ablehnende Antworten. Penndter
beantragte nunmehr die Verlegung der Münze von Kaschau nach
l'ngarisch-Neustadt (Nagy-Bdnia) und die Berufung von sechs
Mtinzern und zwei Jungen aus dem Reich. Die mit dem Erlasse des
Erzherzogs Ernst ddo. W^ien, llr November 1578 zur Aeusserung
aufgeforderte Zipser Kammer hob in ihrem Berichte ddo. Kaschau,
6. December 1578 über den Antrag, welchen Penndter in Gemein-
schaft mit dem Kommandanten Christoph von Teuffenbach,
die Uebertragung der Münze von Kaschau nach Rivalus Domi-
norum (Nagy-B4niai anbelangend eingeblacht hatte, hervor, dass
sie es für >iel wichtiger erachte, Gold und Silber herbeizuschaflfen,
um die Münze zu bcHchäftigen und den königlichen Bergbau zu
heben. Rivalus Dominorum liege Siebenbürgen näher, der Ort sei
unsicher, das Klima iiiigesuiid und rauh, so dass der dortige Vor-
stand stets krank daruiedu: liege. Die Uebertragung des MUnzwerkes
wUrde mindesten« 2000 Gulden und nicht wie der MUnzmeister
angibt, bloss 500 Gulden kosten; die Kammer bezweifelt, dass zu
Rivalus Dominorum genügend Gold und Silber zur Verfügung stehen
werde, um dir MUnze unuuterhrochen zu beschäftigen und beantragt
«) K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 400, Fol. 64»«"
20*
308
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
schliesslich die Belassimg des MüDzbetriebes in Kaschau. i) Die
Zipser Kammer sah diese ihre ablehnende Aeusserung durch die
Resolution Rudolphs IL ddo. Prag, 28. September 1578, mit welcher
die Ausstattung der Münze zu Kaschau mit einem „Mliiiz-Druckh-
werkh" angeordnet wurde, unterstützt. 2) Penndter bat nunmehr um
seine Dienstesentlassung, worüber er jedoch angewiesen wurde,
sich selbst in das Reich zu verfügen, um dort Münzarbeiter anzu-
werben. Er starb auf der Rückreise nach Kaschau zu Pressburg im
Monat Juni 1579. Seinen Geschäftsbetrieb hatte er im Kaschauer
Münzhause am 22. December 1576 eröffnet, derselbe scheint jedoch
wenig lebhaft gewesen zu sein, denn Penndter veiTcchnete pro 1577
„auf allerlay gemaine Notdurfften des Pren, Schniidtgaden und
Münzwesens'' zusammen 46 Gulden 84 Denar, pro 1578 49 Gulden
12 Denar. Er hatte den Münzbetrieb auf „ehrbare Raittung'' über-
nommen. 3) Die Witwe Anna Penndter bat mit der Eingabe ddo.
Wien, 1. Augnst 1579 den Erzherzog Ernst um Abrechnung,
worüber mit dem Hofkammererlasse ddo. Wien, 7. October 1579 die
Weisung zur Auszahlung des Guthabens von 25 Gulden an die
Witwe erfolgte.*)
Ob Penndter zu Kaschau im Münzamte einen Nachfolger
erhielt, hat sich aus den Acten nicht feststellen lassen. Nachdem
dort der ^lünzbetrieb nur sehr unbedeutend war, derselbe auch nach
Verlauf weniger Jahre gänzlich einging, lässt sich die fernere
Leitung desselben nur als ein Provisorium auffassen.
Die aus dem Kaschauer Münzhause ausgegangenen Münzen
sind, wie wir wissen, mit den Buchstaben H — S, HungariaSuperior,
bezeichnet. Sie zählen sämmtlich zu den Seltenheiten, namentlich
ist dieses mit den im ersten Betriebsjahr 1574 geprägten Gold- und
Silbermünzen der Fall. Der Ducaten von diesem Jahre ist bei
Weszerle, IL Abth., Taf. 3, Nr. 13 abgebildet; jener von 1575 findet
sich bei Sz^chönyi, Taf. 22, Nr. 10, der Thaler Maximilians 11. von
1575 (Schultess Nr. 2394) ebendaselbst Nr. 4, und bei Weszerle,
1) K. k. H. K. A., Fase. 15261.
2j Daselbst Fase. 15378.
3) Daselbst Fase. 15262.
4) Daselbst Fase. 15262, auch Gdkb. Nr. 136, Fol. 186vers. und 137,
Fol. 72.
otiter deu Kai-trii Muxiiiuüan II., Kiulolpti II. an'l .^l;lthia■..
Taf. 3, Nr. 6. Die hieher grehörigen Thaler Rudolphs IL, und zwar
von den Jahren lo8U, 1581 und 1583 sind bei Schultess in den
Nummern 2397, 23*J9 und 2401 beschrieben, jener von 1583 bei
Sp6chenyi, Taf. 25, Nr. 16 abgebildet. Bei Weszerle fehlt diese
Prägung gänzlich. Mit einer über 1583 hinausgehenden Jahrzahl ist
mir eine Kaschauer Münze Rndolplis II. nicht bekannt. «)
Mfmzstätte zu Nagy-Bania.
Der Nagy-Bänia'er Mlinzprägebetrieb erscheint als eine höchst
eigenthüniliche Episode im Mlhizwesen während der Regierung
Rndolplis IL Wir wissen, dnss der Kaschauer Mlinzmeister Penndter
im Jahre 1578 den Antrag zur üebertragung der Kaschauer Münze
nach Nagy-Bänia gestellt hatte, welcher Antrag jedoch abgelehnt
wurde. Die wenig unterbrochenen kriegerischen Bewegungen in
Ober- Ungarn hatten den dortigen Bergbau, damit auch jenen von
Nagy-Bania, oder wie der Ort damals genannt wurde, Ungarisch-
Neustadt, sehr zurückgebracht.
Im Jahre 1578 meldete sich Felician Freiherr von Her-
berstein, der damals zum kaiserlichen Hofkriegsrath ernannt
worden war, auch in Steiermark und Niederösterreich sich bei den
Bestrebungen zur Hebung des Bergbaues bemerkbar gemacht hatte,
zur bestand- oder arrendaweisen Uebernahme des Nagy-Baniaer
Bergbaues. Er war hiezu wahrscheinlich von seinem Bruder Julius
von Herberstein, welcher Rath bei der Zipser Kammer war,
angeregt worden. Obwohl sich in den Acten ein Vertrag nicht vor-
findet, so unterliegt es keinem Zweifel, dass im Jahre 1579 eine
dahin zielende Vereinbarung stattfand. Bei der grossen Entfernung
von Nagy-Bänia zur nächsten Münzstätte in Ka schau und noch
mehr zu Krcmnitz und bei der Gefiihr, welche für den Transport
der Edcbnetalle damals bestand, richtete Herberstein zu Nagy-
BAnia eine Münzstätte, und zwar im Hinblicke auf die Förderung
der Arbeit und grosse Kostenersparung unter Anwendung der
Walzenmaschine ein. Wir wissen, dass sich der oftgenannte «MUnz-
künstler" Hann«» Vogler damals zu Wien und in Krcmnitz befand,
«) Der i .... .^ . ..... .... ..,■..,.,,. .^. .■■...,,,. Sammlung'
den Jahren 1580. 15M1 nnd 1583 in der .Sauimhiug Delliao».
310
Johann Ne^Tald: Das österreichische Münzwesen
WO man die Einrichtung von Walzenmaschinen plante. Dass Herber-
stein das „Mttnzdruckwerk" zu Xagy-Bania auf seine eigenen
Kosten herstellen liess, ergibt sieh aus dem Umstände, dass in den
Acten der Hofkammer keine Vereinbarung oder Verrechnung
u. s. w. über dasselbe vorhanden ist.
Der erste mir bekannte Nagy-Baniaer Tlialer Rudolphs H. ist
vom Jahre lbS'2. Ein Exemplar bewahrt das k. k. Münzeabinet. Er
ist wie alle Nagy-Bäniaer Thaler jener Zeit ein Walzen-
thal er. Das gekrönte Brustbild des Kaisers hat eine glatte
Rüstung, es fehlt wie auf der bei weitem grössten Zahl der Thaler
und Halbthaler Rudolphs II. die Vliesskette.
Mit der Eingabe ddo. Kaschan, 5. December 1584 meldete der
Zipser Kammergraf AI ex ins Thurzo an den Erzherzog Mathias,
es habe der Erzherzog Ernst die Frage gestellt, ob der Freiherr
Felician von Herberstein das in Rivalus Dominorum gewonnene
Gold und Silber in oder ausserhalb des Königreiches verkaufe. Aus
den veranlassten Erhebungen habe sich ergeben, dass Herberstein
weder Gold noch Silber verkaufe, sondern Alles, was gewonnen
wird, in Geld verwandle. Thurzo bemerkt ferner, dass seit dem
Jahre 1579, wo die neue Einrichtung getroffen wurde, Herr von
Herberstein, obwohl er zur Abstattung des Bestandgeldes für
Rivalus Dominorum jedesmal aufgefordert wurde, bisnun keine Ant-
wort gegeben habe.
Aus dem vorstehenden Berichte ergibt sich zunächst, dass
Herberstein in Nagy-Bania ziemlich unabhängig schaltete, und man
in Wien über sein Gebaren wenig unterrichtet war. Als über Auf-
trag des Erzherzogs die Zipser Kammer an Herberstein ein Mahn-
schreiben richtete, antwortete derselbe ddo. Nagy-Bänia, 28. Jänner
1586, dass an eine Geldabfuhr von seiner Seite wenig Hoffnung
sei, indem des strengen Winters wegen unter den Bergarbeitern
grosse Noth herrsche, er daher bitte, es möge ihn Seine Hoheit ent-
schuldigen. Die Zipser Kammer legte dieses Schreiben dem Erz-
herzog Ernst ddo. Kaschau, 4. Februar 1586 vor und meldete
zugleich, sie habe in Bezug des Geldes, welches Herberstein für
den König von Polen sehlagt, denselben aufgefordert, von jeder
Sorte ein Stück einzusenden. Nachdem Herberstein angab, dass er
unter den Kaisern Maximilian Tl., Rudolph n. und Ma' blas.
nicht in der Lage sei, dem zu entsprechen, werde sich die Kammer
bemühen, diese Mtinzsorten beiznschaffen.
Schon ddo. Kaschan, 24. April 1586 richtete die Zipser Kam-
mer eine weitere Eingabe an den Erzherzog Ernst, womit sie von den
zii Nagy-Bania mit dem Namen des Königs von Polen ge-
schlagenen Münzen 10 Goldducaten, 2 Thal er, ebenso 1 Thal er
und 39 Stücke Denare, welche auf den Namen des Kaisers geschla-
gen sind, mit dem Beisatze vorlegte, dass kleineres Geld als dieses
der König von Polen nicht schlägt. Auf der Aussensoite die-
ses Berichtes findet sich von der Hand des Hofkammerrathes von
Urschenbeck ddo. 13. Mai 1586 die Weisung: „Dem Münzmeister
und Wardein albie diese zwo Münzen zuzestellen, die sollen diesel-
ben probiren vnd bt^richten, wie sie gegen Irer Mt. Taller vnd
Ducaten so in Hungern gemünzt werden, sich befinden". >)
Aus den vorstehenden Acten ist zunächst zu entnehmen, dass
Felician von Herberstein ohne Vorwissen der kaiserlichen
Regierung, beziehungsweise der Hofkammer, für den KCmig von
Polen Stephan Bathori ein Münzlieferungsgeschäft übernommen
hatte und zu Nagy-Bania für den König Ducaten, auch Thaler mit
dessen Brustbild und Wappen, ferner Thaler mit dem Brustbilde
Rudolphs IL, endlich ungarische Denare ausmünzte. Da bis zu dem
am 13. December 1580 erfolgten Ableben Stephan Bathoris Nagy-
Bänia nicht einZugehör zu Siebenbürgen war, sondern unter
kaiserlicher Hoheit, als zu Ungarn gehörig, von der Zipser
Kammer verwaltet wurde, lassen sich auch die mit N — B bezeich-
neten Thaler Stephan Bathoris von den Jahren 1585 und 1586
nicht als siebenbürgische Münzen auffassen. Sie wurden für den
König auf Grm " < Privatübereinkommens geprägt, nicht
aber, weil er in i der Landeslllrst war.
I )ie in Rede stehenden schönen Thaler sind Walzenthaler. Jene
in der venlienstliclien F^ublication : „Die siebenbürgischen Münzen
des fürstlich Montenovo'schcn Münzcabinets von A. Hess** in den
Nummern 125 hi^ inclusive 128 beschriebenen vier Varianten vom
Jahre 1585 die nächstfolgenden vier Varianten vom Jahre
1586 sind unzwciielhaft, jedesmal die auf derselben Wal/'
Fmc. 15262.
312
Johann Newald: Das österreichische Münrwesen
gekommenen vier Stempel mit ihren unvermeidlichen kleinen Ab-
weichungen.
Felician Freiherr von Herberstein blieb Bestandinhaber des
Kagy-Bäniaer Bergbaues bis zu seinem im Jahre 1599 erfolgten
Tode. Die Administration des Arrenda-Objectes wurde nunmehr
seinem Bruder Friedrich von Herberstein übertragen, welche
demselben jedoch mit der kaiserlichen Resolution ddo. Prag,
16. Februar 1601 wieder abgenommen wurde, i) Mit der Resolution
ddo. Prag, 10. Februar 1601 wurde die hinterlassene Hofkammer
zur Absendung einer Commission nach Nagy-Bania angewiesen «)
und mit der Resolution ddo. Prag, 24. Februar 1601 wurden der
Stadt Nagy-Bania ihre Privilegien bestätigt, s)
Mittlerweile hatte Gerhart Li essbon, er nennt sich kaiser-
licher Kammergraf und Nagy-Baniaer Bergwerks- Arrendalor, di.
gesammten Herberstein'schen Güter, Bergwerke und Werkseinrich-
tungen an sieh gebracht und hatte sich demselben ein zweiter
Unternehmer, Georg Wagen von Wagensperg, beigesellt,
denen bald als Dritter im Geschäfte Benedict Amon aus Nürn-
berg beitrat. Letzcrer brachte in einer Eingabe an den Kaiser die
Bitte vor, es möge ihm gestattet werden, mit dem Liessbon den
Nagy-Baniaer Bergbau „auch Euer kais. Mt. Regalien in
Silber vnd gülden Münz'^ mit zu betreiben, es würde dadurch
„Er. kais. Mt. Regalien merklich befürdert, auch sonsten ein ansehn-
lichs arrenda in dero Cammer jährlich kundte geraicht werden. '^*)
Von der Zipser Kammer war die Anzeige eingelangt, dass zwei
Ausländer, Georg Wagen von Wagensperg und Gerhart Liessbon
die Nagy-Bäniaer Bergwerke, ohne an die Kammer irgend eine
Arrenda oder Pension zu reichen, betreiben, sie berufen sich auf
Privilegien, die ganz unbekannt sind, die Hofkammer möge eine
Untersuchung anordnen, welchem Antrage mit dem Erlasse ddo.
Wien, 6. Februar 1603 entsprochen wurde. Da damals eine kaiser-
liche Commission, an deren Spitze der Kremnitzer Oberstkammer-
grafenamts-Verwalter Hanns Steinberg er stand und der schle-
sische Bergmeister Hanns Kaufmann beigeordnet war, dieSieben-
1), 2j und Sj K. k. H. K. A., Gdkb. Nr. 409, Fol. 20, Fol. 19 und Fol. 34.
4) Daselbst Fase. 15264.
:i Kaiseni Maximilian II., Uudolph II. und 3Iathias. ' '
blirger Bergwerke bereisete, wurde derselben die Untersuchung der
über Nagy-Bänia erhobenen Besehwerden aufgetragen. Aus Nagy-
i^änia^ ddo. 27. Auirust 1G04 meldete Kaufmann, die Commissiou
habe, nachdem Liessbon die Arrenda nicht gereicht, denselben ent-
hoben und die Verwaltung ihm, Kaufmann, übertragen. >
Nachdem durch die vorstehenden Ausfllhrungen aus.ser Zweifel
gestellt erscheint, dass während der Regierung Rudolphs IL Nagy-
Bdnia als zu Ungarn gehörig betrachtet und behandelt worden
ist, kann man sich nunmehr mit aller Sicherheit dahin aussprechen,
dass die in jener Zeit zu Nagy-Bania geprägten Geldsorten nicht
nach Siebenbürgen gehören, sondern ungarische Münzen
sind. Jedem Nnmismaten musste es längst auffallen, dass zu Nagy-
Bania gleichzeitig, und zwar durch eine Reihe von Jahren mit dem
Brustbilde des Kaisers Rudolf IL, ferner mit Brustbild und
Wappen des Siebenbürger Fürsten Sigismund Bathori gemünzt
worden ist. So wie die mit N — B bezeichneten Münzen des Königs
Stephan Bathori aus einem Privatnbereinkommen mit dem
Bestandinhaber von Nagy-Bania, Felician von Herberstein, hervor-
gegangen sind, so war dieses auch mit zahlreichen Münzen, nament-
lich Thalern des Sigismund Bathori der Fall. Dieselben wurden
Anfangs durch Herberstein und später durch dessen Nachfolger in
der Pachtnahme von Nagy-Bania geprägt; sie gingen aus einem
Privatübereinkommen, aus einer Art Liefe rungs vertrag hervor und
berechtigen keinesfalls zu demSchlusse, dass Sigismund Bathori
in Nagy - R;M» i» .1 . r T.i n .1 «'<<'ii rs f unr.
«) K. k. II Fase. 15264. Wie sehr man damals geneigt war,
die Münzprägung r- i u. Art Zugehör zum Bergbaue zu betrachten, ergibt
sich aus FolgeiHba» Mir tl«T Hiugahe Udo. Wien, l.'{. Februar 1603 war (Jeorg
Wagen von \v (Jcuchinigung zur Krhebuug eines Bergwerkes
im „Kfziwani- i Spanschatt Liptau" und für fiinlJahre um die
Gestattung zur 1 ung einer kleinen MUnzstHttc eingeschritten,
um das zur ]- ; Auslagen erforderliche <»eld in <fold- und Silber-
mi'mzen au.s/!. l«*ni dan Verfrachten «ler Metalle in die Münze zu
Kremnitz gefäliiliih uiul I r sei. Der vernommene Commissar Hanns
Hteinberger trüg» an, das» ^ werk zu genehmigen, tbw Münz werk aber
abzuschlagen int. Es würe besser, eine kleine Münze in Leutschau cinziiriohten.
Das WagenVhe Pagament könne anch ;i" * ' f -re nach Kremnitz gebracht
werden.
314
Johaiiü XHwri|,i • Das österreichische Miinzwesen
Mit N — B bezeichnete Thaler Rudolphs IL " reichen bis zum
Jahre 1608. An die bereits beschriebene Form reiht sich später ein
etwas geändertes Gepräge an. Bei demselben erscheinen Brustbild
und. Adler nach dem Entwürfe des Antonio Abondio dargestellt, nur
mit dem Unterschiede, dass an der Vorderseite, in der Umschrift rechts
das Wappen von Ungarn, links die Madonna vorkommt. Die bei
Schultess Nr. 2431 beschriebene Doppelthalerklippe liegt mir aus
der Sammlung Delhaes in einem vortrefflich erhaltenen Exemplar
vor. Die Nummer I ausser dem Münzkreise bezeichnet den Stempel
der Walze, die kleinen Vierecke dienten dazu, um das Verschieben
des Münzschrötlings beim Durchgehen durch die Walzen zu ver-
hüten. Beide Momente stehen mit dem Münzbilde in keinem Zusam-
menhange, sie beziehen sich lediglich auf die Mechanik der Walzen-
prägung.
Mehrere Nagy-Baniaer Thaler Rudolphs II. lassen erkennen,
dass sie im Korn, das heisst im Feingehalte mangelhaft sind. Wenn
wir die Umstände erwägen, unter denen ihre AusmUnzung stattfand,
wird uns diese Erscheinung nicht befremden. Der kaiserlichen
Regierung blieben diese Gebrechen nicht unbekannt, denn es ergin-
gen wiederholt Weisungen an den Erzherzog Mathias zur Abstellung
derselben.
Sehr umfangreich waren die Thalerprägungen, welche zu
Nagy-Bania für S i g i s m und B a t h o r i stattfanden. Der Umstand,
dass sie sänmitlich WalzenmUnzen sind, erklärt das Vorkommen der
grossen Zahl von Varianten. ')
Zum Schlüsse bleiben noch die in Siebenbürge während der
Regierung Rudolphs II. unter dem Namen desselben geprägten
Münzen zu besprechen. In Siebenbürgen bestand damals keine
kaiserliche Münzstätte. Die während der nur wenige Jahre um-
fassenden Herrschaft Rudolphs II. über Siebenbürgen zu Claus en-
burg geprägten Münzen, vorherrschend Ducaten, sind Münzen
dieser Stadt, jene aus Hermannstadt haben lediglich den
Charakter von Nothmünzen.
1) Die bereits erwähnte Publication von A. Hess beschreibt 90 hieher
gehörige Stempelverschiedenheiten.
i Kftisern Mazimiliau IL, Rudolph II. und Mathias;.
In Siebenbürgen wurde die kaiserliche Herrschaft durch die
Umtriebe des Moyses Szekely, eines vollendeten Betrügers,
erschüttert, den jedoch alsbald sein wohlverdientes Los ereilte.
Der kaiserliche BevoUmächligte Georg Basta und sein Adlatus
Paul von Krauseneck verurtheilten die Stadt Kronstadt ihres
Abfalles wegen zu einer Strafe von 80 Tausend Thalern. Die von der
Stadt eingebrachte Besehwerde wurde vom Kaiser mit der Resolu-
tion ddo. Prag, 22. December 1603 zurückgewiesen. Unter demsel-
ben Datum bestätigte auch der Kaiser die der Stadt Klausenburg
„ihres Uebertrittes zu dem mainaydigen Zache 1 Moyses wegen
andictirte vnd von 70, auf 50 Tausend Tluiler gemässigte Strafe"^.
Ueber verschiedene kleine Städte wurde zusammen eine Strafe von
15 Tausend Thaler verhängt. «)
XVII.
Die Münzstätte zu Hall im Inntliale.
a) Uliler Erzherzog Ferdinand von Tirol.
Durch die letztwilligen Verfügungen des Kaisers Ferdiiuiiul 1.
waren an seinen zweiten Sohn, den im Jahre 1529 gebornen Erz-
herzog Ferdin and von Tirol die ober- und vorderöster-
reichischen Lande und Herrschaften gefallen. Zu denselben
gehörten: Die '<' Grafschaft Tirol mit dem Lande an der
Etscli und im in ^ummt dem Pustorthai, der Herrschaft Lienz
nebst den Herrschaften und (iUtern jenseits des Arl- und Fempasses;
die österreichischen Lande in Schwaben, im Schwarzwald, das
Elsass, der Snndgau und Breisgau, die Markgrafschaft Burgau, die
Landvogtei Ha^'enau u. s. w. Von allen diesen vielnamigen Besitzun-
gen lassen sich nur Tirol mit Vorarlberg und das Elsass als
») K. k. H. K. A . (idkl). Nr. 411, Fol. 832^^^, u. f. Die (Jüsehifhto der
Verwaltung von Shlu'ubUrgen unter (Jeorg Basta und der ihm beigegebenon
K&the ist in unparteiischer, auf Quellentbrachung gestützter Weise dermalen
noch nicht ^ ' ' • n. Das bisherige ürtliri' ' '' i'^-.. .|:,i!tjnh
wesentlich ;i werden.
316
Johann Newald: Das österreichische Müuzvesen
grössere, geschlossene Landgebiete bezeichnen, die übrigen „Herr
Schäften und Lande" waren ohne Zusammenhang über einen
grossen Theil von vStidvvest-Deutschland zerstreut.
Diese Zerrissenheit der dem Erzherzog zugefallenen Besitzun-
gen hatte auf den Münzverkehr in denselben einen höchst nach-
theiligen Einfluss. Es war unmöglich, sie gegen das Eindringen von
geringhaltigen Geldsorten, mit denen damals die Länder aus den
zahlreichen kleinen deutschen Münzstätten überschwemmt wurden,
abzuschliessen. Eine Hilfe konnte sich nur ans einer durchgreifen-
den Ordnung des Reichsmünzwesens ergeben. Bereitwillig bethei-
ligte sich der Erzherzog durch Abgeordnete zur Bekämpfung der
allgemeinen Calamität an verschiedenen Kreis-Münztagen; die
geringen Erfolge, welche mit allen diesen Verhandlungen, Be-
schlüssen und Anträgen erzielt wurden, scheinen den Anlass zu
jener tiefgehenden Verstimmung desselben gegen die zahlreichen,
ihr Interesse rücksichtslos verfolgenden deutschen Münzstände
gegeben zu haben, welche Verstimmung sich in unverholener Weise
bei den im Kapitel HI geschilderten, die Reichsmünzordnung vom
19. August 1559 betreffenden Verhandlungen aussprach.
Nach dem Tode des Kaisers Ferdinand L verblieb Erzherzog
Ferdinand noch bis zum Schlüsse des Jahres 1560 als Statthalter
in Böhmen. Er hielt am 17. Jänner 1567 seinen Einzug in Hall und
Innsbruck. Die Regierung der ihm zugefallenen Länder hatte er,
unmittelbar nach dem Tode des Kaisers nocii von Prag aus, in ganz
selbständiger Weise eingerichtet. Das Münzwesen anbelangend
ordnete er alsbald die Prägung mit seinem „Piltnuss, Titel vnnd
Wappen" an. Dem Haller Münzhause stand als Münzmeister Tho-
manKrumpp vor. Wardein und zugleich Eisenschneider war
Jacob Bertorf. Die ersten Guldenthaler des Erzherzogs Ferdinand
sind vom Jahre 1565, sie lassen die Hammerprägung erkennen,
d. h. sie wurden ,.ge schlagen".
Im Kapitel II wurde eingehend nachgewiesen, mit welcher
Sorgfalt sich der Erzherzog die Verbesserung der Münzfabrikation
durch die Einführung der Walzenprägung angelegen sein Hess.
Es kommen Varianten eines zierlichen Guldenthalers ohne Jahr-
zahl vor, auf denen die Darstelluni!- des Brustbildes ziemlich
i
unter ileii Kaisern Maxlmiliau II., Rudolph II. und Mathia«.
317
abweichend von den übrigen Guldenthalern des Erzherzogs ist,
auch der zwischen dem inneren Schrittkreise und dem Wappen
befindliche Raum mit netten Arabesken ausgefüllt erscheint. ») Es
ist der Schluss berechtiget, dass diese Thaler von der Probewalze
stammen, deren Stempel vom Unternehmer Hanns Vogler, der
auch Stempelschneider war, angefertigt worden sind. Die Hainmer-
prägung blieb auch nach der Hetriebsetzung der Walzeneinrichtung
noch durch eine Zeit iu rebung, und kommt hier auf den Umstand
aufmerksam zu machen, dass letztere zunächst nur ftlr die Aus-
mUnzung von Thalern, Halbthalern und Zehnern angewendet wurde,
kleine Münzen jedoch auch noch fernerhin geschlagen wurden.
Der Erklärung, welche Erzherzog Ferdinand ddo. Innsbruck,
23. November 1571, über den von ihm beabsichtigten ..Fall der
Münze '^ an Kaiser Maximilian II abgab, liegen zwei Verzeichnisse
bei, in denen die nähern Daten des beantragten Münzfalles nach-
gewiesen sind. Nach der Reichsmünzordnung vom 19. August 1559
sollten die ganzen und halben Guldenthaler, sowie die Zehner einen
Feingehalt von 14 Uoth 16 Grän haben. Der Erzherzog beantragte
einen Feingehalt von 14 Loth 4 Grän, Hess jedoch die pro Mark
auszubringende Stückzahl ungeändert, wodurch bei den drei er
wähnten Geldsorten die feine Wiener Mark Silber auf 12 Gulden
49 kr. 2 Vierer 2 Ferner gebracht worden wäre.
Für die Zweier oder Halbpazen deren I86V5 auf die Wiener
Mark gingen, war ein Feingehalt von 7 Loth 12 Grän beantrairt und
entfielen sohin au> «lii fc^inen Wiener Mark 12 Gulden 58 Kreuzer
4 Vierer 1 ' ,^ i Die Kreuzer 292«/5 Stücke aus der Wiener
Mark, zu G Loth fein» wtlrden ans der feinen Mark 12 Gulden
59 Kreuzer 1 Vierer ergeben ; endlich die Vierer (300 Stücke aus der
Wiener Mark, zu 2 Lntli 5«/ 2 Grän, ergeben 13 Gulden 52 Kreuzer
3 Vierer 33»/«» Ferner
DiefürEIsass bestimmten Geldsorten waren nach der Kölner
Mark veranschlagt, und zwar die drei groben Sorten im Feingehalt
zu 14Lotli < '■•••' -"i '■ '1-' «-MM' Kr>lii<T M--1 •'■■♦• '" riild<Mi
tier Variautf dieHü« Sti'UMM'Is tintlt-t sirli di«» .falii/uhl l.V»«;.
318
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
41 Kreuzer 1 Vierer 1 Ferner gebracht würde. *) Die Doppel-Vierer
zu 8 Tiroler Vierer 171 Stücke auf die Kölner Mark, im Feingehalt
von 6 Loth 14 Grän, würden aus der feinen Kölner Mark
10 Gulden 45 Kreuzer 4 Vierer l^i/g^ Ferner entfallen. Die ein-
fachen Vierer zu vier Tiroler Vierer 294 Stücke auf die Kölner
Mark, geben zu 5 Loth 14 Grän fein aus der Mark 10 Gulden
51 Kreuzer 1 Vierer 2«/3i Ferner; ferner Rappen-Ffennige zu
2 Tiroler Vierer 550 Stück aus der Mark, endlich die Haller oder
Tirolisch Vierer, 1100 Stücke aus der Kölner Mark, Avodurch aus
der feinen Mark 11 Gulden erfolgen würden.
Die Durchfülirung der vom Erzherzog gestellten Anträge, würde
bei der Ausmünzung der ganzen und lialben Guldenthaler, sowie
der Zehner, von der feinen Wiener Mark Silber eine Steigerung im
Münzausbringen von sehr nahe 34 Kreuzer ergeben haben. Es ver-
zögerte sich jedoch die Austragung der mit so vieler Energie ver-
tretenen Müiizfrage, welche für die Länder des Erzherzogs, nament-
lich aber für den Tiroler Bergbau von der höchsten Bedeutung war,
derart, dass sie schliesslich in einer gänzlich geänderten Form
realisirt wurde. Bei den Käthen der Innsbrucker Regierung bestand
über den vom Erzherzog angeordneten Münzfall eine sehr getheilte
Anschauung. Der eine Theil der Räthe hatte nur das Interesse des
Landes im Auge und vertrat dem entsprechend den Beschluss des
Erzherzogs, der zweite Theil erhob Bedenken, zunächst aus dem
Grunde, weil durch einen ohne Zustimmung der Reichsstände vor-
genommenen Münzfall, die „Reputation- des Erzherzogs, im Reiche
sehr leiden würde
Als Kaiser Maximilian IL mit der Resolution vom 17. März
1573 für seine Münzhäuser die Ausprägung der Guldenthaler ein-
gestellt hatte, war auch für den Erzherzog Ferdinand die Durch-
führung der längst als ganz unvermeidlich erkannten Massregel
wesentlich erleichtert. Er verordnete zunächst, dass im Haller Münz-
i)Wird dieser Ansatz nach dem Verhältnisse Kölner Mark = 5 WienerMark
umgerechnet, so ergeben sich genau die für die Tiroler drei groben Geldsorten
veranschlagten Ergebnisse. Bei den Tiroler und Elsasser Münzen bestand fol-
gende Untertheihmg : 1 Gulden = 60 Kj-euzer, 1 Kreuzer = 5 Vierer, 1 Vierer
= 4: Ferner. 1200 Ferner ergaben somit 1 Gulden.
. KAisera Maximilian II., Uudolph II. und Mathlas. ^ ^^^
hause ein Theil des Silbers in Thaler nach der MUnzorduung vom
15. Februar 1524 ausgeprägt werde. Die letzten mir bekannten
Guldeiithaler des K ' 2s Ferdinand sind vom Jahre 1574. Aus
der Haller MUnzami mg von diesem Jahre ergiebt sich, dass
im Laufe desselben aus 32632 Mark 4 Loth Wiener Gewicht Silber
Thaler zu 14 Loth 1(5 Orän beschickt und ll^/j StUcke aus der
Wiener Mark, somit die der ReichsmUnzordnung vom Jahre 1559
entsprechenden Guldenthaler ausgebracht wurden, während aus
4300 Mark 3 Loth 2 Quint. Silber im Feingehalt von 14 Loth
1 Quint. 1 Pfennig und 1>V* Stücke aus der Wiener Mark, somit die
der MUnzordnunL'" ^«>^^| T-'^ FdiniMr 1524 L'em-'isscn Tlialcr. L'-tM)rJiL'"t
worden sind, i)
111 15. März 1577 wurde der Haller Münzmeister Thoman
ivruinpp seines Dienstes enthoben, und der bisherige Wardein
Jacob Bertori als Münzverwalter bestellt. Die ddo. Inns-
bruck, 6. März 1577 ausgefertigte „Instruction und Bestallung
des Münzmeisteramtes zu Hall im Innthal, wie es durch Jacoben
Perdorff, Münzvenvalter, Thomann Eggenstein, Probirer,
Verwalter des Wardeinamtes und Gegenhändler etc. verriebt vnd
abgehalten werden soll," hat aus dem Grunde ein besonderes In-
teresse, weil der Erzherzog mit derselben seine, den Münzfall be-
treffenden Beschlüsse dadurch zur Durchführung brachte, dass er
den Feingehalt der Thaler, von 14 Loth 1 Quint. 1 Pfennig =
229 Pfennig auf 14 Loth, d. i. 224 Pfennige herabsetzte. Nach der
Instruction vom 6. März 1577 waren zu prägen:
Ganze Thaler zu 68 Kreuzer oder 17 Pazen, zu 14 Loth fein
9»/* Stücke aus der rohen Wiener Mark.
halbe Thaler zu 34 Kreuzer oder 8» , Pazen, zu 14 Loth lein
19 Va Stücke aus der rohen Wiener Mark,
Viertelthaler zu 17 Kreuzer zu 14 Loth fein 39 Stück aus der
rohen Wiener Mark.
wodurch die tVMn<' Wiener Mark SiibtM- am li' '»iiuion ,u Krt uzer
V; Vic^rer 2"/-: Pcrncr gebracht wurde.
r>czUglirh der Thaler enthält die Instruction folgende Anord-
nung: dieselben sollen ,,in der Circuraferenz, Grösse und praite der-
t j Arrlüv des k. k. IlaiiptiuUnzanites in Wien.
320
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
massen,wie bey weiland Kayser Ferdinanden hoehlöblicligedäcbtüiss
Zeiten gebreiicbig gewest, Aber die Pildniiss, Wappen und Ueber-
schrift wie auf den Silbern Guldinern gemacht, doch soll das
Schi Itl, was die Thaler gelten, also auch die Jahrzahl
nit darin gesetzt werden." Ferner waren auszumünzen:
10 Kreuzer zu 14 Loth fein QQ^/^ Stücke aus der Mark und
6 Kreuzer zu 14 Loth fein 111 Stücke aus der Mark, wodurch die
feine Wiener Mark Silber bei den 10 Kreuzern auf 12 Gulden
40 Kreuzer bei den Sechsern auf 12 Gulden 41 Kreuzer 20/7 Ferner
gebracht wurde. Bezüglich der Dreier wird angeordnet, dass sie
„mit Titel und Ueberschrift wie wir anno 68 machen lassen" zu
7 Loth 5 Grän fein, 116 Stücke aus der Mark nuszubringen sind,
daher die feine Mark 12 Gulden 45 Kreutzer I2/4 Ferner gibt. End-
lich Kreuzer zu 6 Loth fein, 29275 Stücke per Mark mit dem Aus-
bringen von 12 Gulden 59 Kreuzer 1 Vierer; und Vierer zu 2 Loth
7 Grän fein; 621 3/5 Stück per Mark, mit dem Ausbringen von
13 Gulden 52 Kreuzer 3 Vierer ly^g Ferner aus der feinen Wiener
Mark Silber.
Die Goldmünzen anbelangend sind:
Ducaten 80 Stücke auf die Wiener Mark zu 23 Carat 4 Grän
fein.
Rheinisch Gulden 862/5 auf die Wiener Mark zn 18 Carat
4 Grän fein auszubringen. Endlich wird verfügt, dass: „Gold und
Silber nit von verdächtigen Fersonen, so solches etwa entfrembd
haben möchten, also auch nit von Hafenschmelzerii, Alchimisten vnd
dergleichen, so nit angesessen oder bekhandt sein, in die Münz nach
der fein erkauft werde." 1)
Durch die Instruction des Erzherzogs Ferdinand vom 6. März
1577 wird die in Bezug auf Unterschied im Korn und Schrot bereits
ziemlich grosse Zahl von Thalern, welche aus österreichischen Münz-
häusern ausgegangen sind, abermals um eine neue Prägung ver-
mehrt. Dieselbe schliesst sich an den nach der Münzordnung vom
1) K. k. H. M. A. A. Die vom Erzherzog Ferdinand gefertigte Original-
Instruction, welche in eingehender Weise alle Zweige des Münzamtes behandelt,
iegt der Haller Münzamtsrechnung vom Jahre 1577 bei. Die Besoldung des
Münzverwalters Bertorf war mit 225 Gulden, jene des Wardeins Eggenstein mit
150 Gulden jährlich angesetzt.
unter den Kaisern Maximilian IT., Rudolph Tl. und Mathias,
321
15. Februar 1524 ausgeprägten Thaler au, welcher eiuen inneren
Werth von 2 Gulden 31*197 Kreuzer der dermaligen österreichij^chen
Währung besass. Da dem neuen Thaler ein Werth von 2 Gulden
26-152 Kreuzer österreichischer Währung zukam, stand derselbe
gegen den erstem um 5*045 Kreuzer österreichischer Währang
zurück. 0 Es kommt jedoch der Umstand hervorzuheben, dass das
durch diesen neuen Thaler zum Ausdrucke gebrachte Korn und
Schrot sich unter allen aus österreichischen Münzhäusern ausgegan-
genen Thalern, durch die längste Zeitperiode in Uebung erhal-
ten hat.
Das Au>prägcti uvi nLuru Tbaler begann im Haller ^Iüii/.iiau>t;
am 16. März 1577. Vom 1. Jänner bis 13. März 1577, an welchem
Tage das Prägen der alten Thal er abgeschlossen wurde, hatte
man 40.740 Stücke derselben ausgebracht. 2) In der Zeit vom
16. März 1577 bis 2«. Fol)niar 1578 wurden 297-321 neue Thaler
ausgemünzt.
Die Art, in welcher Erzherzog Ferdinand den von ihm lange
geplanten „Münzfall" schliesslich zur Durchführung brachte, gibt
Zeugniss von der grossen Klarheit, mit welcher er die Münzzustände
im Reiche und deren Entwicklung beurtheilte. Der neue Thaler
wurde nach der Instruction vom 6. März 1577 nur zu 17 Pazen oder
68 Kreuzer bewerthet, womit allfälligen Beschwerden über die Ver-
minderung ihres Kornes die Spitze abgebrochen wurde. Da in Folge
des Uebermasses an kleinen leichten Geldsorten die groben MUnzen
1) Nachdem aus der rohen Wieuer Mark 9% = 9-75 Tlialer uiisziibringen
waren, so entfallen nach dem Verhältiiiss 0 Kölner Mark = 5 Wiener Mark
auf die rauhe Kölner Mark 8125 = 81/3 Stücke. Da der Feingehalt der Tlialer
14 Loth = 224 Pfennig^e war, so entfallen auf den Thaler 224 : S125 =
27-569 Pfennige. Nachdem aus der feinen Kölner Mark = 256 Pfennige 21 Gul-
den österreichischer Währung ausgebracht werden, so haben wir 256 : 21 =
27-569 : X, woraus sich x oder der Werth eines neuen Thalers mit 2 Gulden
26*152 Kreuzer österreichischer Währung ergibt. Die Wiener Mark nach dem
Gesetze vom 23. Juli 1871, zu 280-668 (Iramm gerechnet, hat, sowie
der Thaler nach der Instruction vom 15. Februar 1524, ein (»ewicht von
28-786 Gramm
2) Die Angabe 1 „lOrzherzog Ferdinand 11. von 'l'irol",
Seite 583, dass mit der Münzung der Thaler schon zu Neujahi* 1577 begonnen
wurde, berichtigt sich somit.
'622
Johann Ne\\ ald : Das österreichische Münzwesen
bereits mit einem Aufgeld genommen und gegeben wurden, ver-
schwand der mit 68 Kreuzer angesetzte Werth des neuen Haller
Thalers im Verkehre alsbald. Dieselben wurden schon von der
Haller Münzcassa mit einem stets steigenden Aufgeld, und zwar im
Werthe von 70, 76, 80, 84 Kreuzer und höher ausgegeben. Alle
Beschwerden, welche gegen die neuen Haller Thaler erhoben wur-
den, liess der P^rzherzog völlig unberücksichtigt oder er wies diesel-
ben zurück.
Nachdem durch die Einführung der neuen Münzordnung für
den Münzbetrieb eine feste Grundlage gewonnen war, entwickelten
sich im Haller Münzhause die Geschäfte in sehr gedeihlicher Weise.
Schon im Jahre 1579 übertrug der Erzherzog dem unverkennbar
sehr tüchtigen Münzverwalter Jacob Bertorf auch das Münzcassa-
wescn. Derselbe bezog nunmehr als Münzamtmann, Cassier und
Verwalter des Stempelschneideramtes einen Jahressold von 500 Gul-
den, wozu der Erzherzog mit dem Erlasse vom 28. Jänner 1580 eine
„Ergötzlichkeit" von 200 Gulden anwies. Als Eisenschneidergehilfe
war Heinrich Preinvvald von Zürch bestellt, derselbe musste
jedoch in Folge Erlasses ddo. Innsbruck, 4. December 1584 „der
Religion halber wekh geschaft werden"; es wurde ihm ein Gnaden-
geld verliehen. «)
Sehr geringe war die Vermünzung von Gold, sie beschränkte
sich auf wenige Tausend Gulden im Jahre, hörte jedoch später ganz
auf. Mit Erlass ddo. Innsbruck, 16. Februar 1577 wurde das Haller
Münzamt angewiesen, Goldmünzen zum Umprägen nach dem Ge-
wichte zu übernehmen und für jeden Ducaten einen Kreuzer als
„Mttnz-Costen" einzuheben.
Von Interesse ist der Umstand, dass auch aus dem Elsas s
Silber nach Hall zur Vermünzung gebracht worden ist, allerdings
nur in geringer Menge, wie z. B. im Jahre 1581 1110 Mark 13 Loth,
im Jahre 1582 1529 Mark 7 Loth fein Wiener Gewicht. Es hat
sich aus den Acten und Rechnungen nicht klarstellen lassen, ob
auf den bezüglichen Münzen das Wappen von Elsass, oder, wie auf
der gesammten Tiroler Ausmünzung, der Tiroler Adler angebracht
i) Archiv des k. k. Hauptmünzamtes, Haller Acten.
n Kaisero Maximilian IL, Radolph 11. und Mathias.
323
wurde. Guklentbaler und deren Untertlieiluugen mit dem Wappcu
\ on Elsa SS sind meines Wissens bisher nicht bekannt geworden.
Das Haller Mtinzamt beschwerte sich über die Verluste, welche sich
für dasselbe aus dem VermUnzen des Elsasser Silbers ergeben; fltr
das Jahr 1582 wurde eine Einbusse von 440 Gulden 3 Kreuzer
1' Vierer nachgewiesen. Erzherzog Ferdinand fand sich dadurch ver-
anlasst, für Ensisheim im Elsass die Errichtung eines MUnzhauses
anzuordnen. Schon ddo. Innsbruck, 8. Juni 1581 erhielt der Münz-
vcrwaher Bertorf die Weisung, „die Visierungen vnd annders, zum
vorderösterr. Mltnzwerkh gehörig, aufs ehiste^^ vorzulegen. Aus
einem Erlasse vom 14. December 1581 geht hervor, dass damals
das Münzprägwerk nach Ensisheim abging. Im Jahre 1582 wurde
für die Anfertigung desselben der Betrag von 1478 Gulden 21 Kreu-
zer 3 Vierer verrechnet. Unterm 25. März 1584 wurde dem MUnz-
meister Rertorf und dem Wardein Eggenstein mitgetheilt, dass der
Erzherzog ,,den Einfarer zu Schwaz Michaeln Stellwagen zum
Mtinzverwalter der neuen Münz werk zuEnnsisheim aufgenom-
men habe", dieselben haben Stellwagen in sein Geschäft einzuführen
und ihm von Allem Unterricht zu geben. Als Wardein wurde Con-
rad Vogl bestellt. Ersterer bezog 200 Gulden, letzterer 125 Gulden
als Jahressold. Die Prägewalzen und Münzstempel lieferte MUnzver-
walter Bertorf, er bezog dafür jährlich 100 Gulden. Die Ausmün-
zung fand zu Ensisheim nach der Instruction vom 6. März 1577
statt, nur waren alle Ansätze auf Kölner Gewicht umgerechnet. Der
r>etrieb gestaltete sich bald sehr lebhaft. Aus der Ensisheimer Münz-
amtsrechnung vom Jahre 1580 geht hervor, dass vom 1. Jänner bis
**0. Novenjber 15-Sr. <;:cmünzt wurden:
Uanze, halbe und Viertel-Thaler zusammen . . 102.117 ti. 1 kr.
Dreikreuzer um . . 20.154 „ 10 „
Einfache Vierer uu. 2.26G „ 23 ,,
Kappen-Pfennige um 355 „ 30 ,,
Kappen-Heller um 107 „ 32 ,,
ßergwerkssilber xMirdc iii die .MUnzc guliclcrt aus ili-ni Herrschaft
]{;i])ji(»ltKfiMiii'i- T ( li. rtli.'il'x-ln'H I^i(M-L'-li;ni iniil Miis dein Kiisciil'i'Isj'r-
t; AlTlllN
2V
324
Jobann Xe-wald: Das österreichische Miinzwesen
Es dürfte iiuDmehr die Frage gestellt werden, ob in den Jahren
1582 und 1583 zu Ensisheim eine ganz neue Münzstätte errichtet
wurde, oder ob Erzherzog Ferdinand den dortigen, während einer
längeren Zeit unterbrochenen Münzbetrieb damals wieder aufnehmen
liess. Da mir die zur quellensicheren Beantwortung dieser Frage
erforderlichen Actenbehelfe fehlen, erlaube ich mir, meine Ansicht
dahin auszusprechen, dass in den Jahren 1582 und 1583 zu Ensis-
heim eine ganz neue Münzstätte begründet wurde und dass die
höchst vereinzelt vorkommenden, mit dem Brustbilde Ferdinands I.
und dem Wappen von Elsass bezeichneten Münzen zu Hall geprägt
worden sind.
Indem wir in das Haller Münzhaus zurückkehren, dürfte es von
Interesse sein, den Umfang des dortigen Geschäitsbetriebes kennen
zu lernen. Es wurde oben betont, dass derselbe seit der Einführung
der neuen Thalerprägung wesentlich gesteigert worden war. Für die
Kegierungszeit des Erzherzogs Ferdinand dürfte es genügen, die
Ergebnisse einzelner Jahrgänge mitzutheilen. Es wurden geprägt
im Jahre 1579 :i83.266 Thaler zu 68 Kreuze
1585 320.101 **^
„ „ 1587 503.615
„ „ 1589 869.713 .. '.-
„ „ loOU 942.5S2 „ „ 68 „
1
„ „ 1593 fand ein wesentlicher RUckgang in der Thaler-
prägung statt, es wurden ausgebracht 302.168 Stücke, dagegen]
stieg im Jahre 1595, als dem Sterbejahre des Erzherzogs, die Thaler-
prägung wieder auf 704.352 Stücke. Die Ausbringung von Halb-
thalern beschränkte sich auf eine verhäUnissmässig geringe Zahl,
daher auch diese Münzen ziemlich selten anzutreffen sind.
Von den zwei- und mehrfachen Thalerstücken, welche in ziem-
lich zahlreichen Varianten vorkommen, scheinen nur jene, welche!
aus den ersten Eegierungsjahren des Erzherzogs stammen, als Geldj
in Umlauf gekommen zu sein. Die spätem, welche, wie schon aus
Ferdinands Gesichtszügen zu entnehmen ist, in den letzten Jahren]
seiner Regierung geprägt wurden, dürften lediglich als Präsent-
münzen und bei besonderen Anlässen, wie beim Besuche fürstlicher^
Gäste im Münzhause zu Hall, als „Verehrungen'^ abgegeben worden
unt. r den Kalaern Maximilian IL, Rudolph II. and Mathias. OlO
sein. M Zu bemerken kommt, dass diese DickmUnzen, der erscliwer-
teren Prägung und des Durchschnittes der einzelnen Stücke wegen,
aus „geschmeidig Silber zu 15 Loth 2 Quint. 3 Pfennig beschickt**
hergestellt wurden.
Neben der Thalerprägung fand selbstverständlich auch in
jedem Jahre eine Ausmllnzung an kleinen Geldsorten: Dreier,
Kreuzer und Vierer statt, welche jedoch im Verhältnisse zu den
groben Münzen sehr zurückstand und nur in wenigen Jahren den
Betrag von Hunderttausend Gulden erreichte. Als eine eigenthttm-
liche Erscheinung, für welche sich in den Acten eine Erklärung
nicht vorfand, kommt hervorzuheben, dass der Erzherzog im Jahre
1592 aus 225 Mark 4 Loth Wiener Gewicht fein Silber, Zehner
nach der G u 1 d e n t h a 1 e r MUnzordnung vom Jahre 1559 im Fein-
gehalte von 14 Loth IG Grän ausmünzen Hess, woraus sich ein
Geldbetrag von 2567 Gulden 51 Kreuzer ergab. Im Jahre 1593
wiederholte sich diese Erscheinung, denn es wurden halbe ,Gulden-
thaler und Zehner zu 14 Loth 16 Grän beschickt, im Betrage von
»j Die Ötempelsamiiilung' des k. k. U.iuptmüuzamtes iu Wien bewahrt zwei
hieher gehörige Walzenpaare. Auf dem ersten kommt der 44 Milhmeter im
Durchmesser haltende Stempel viermal vor. Der erste Stempel zeigt den Kopf
des Erzherzogs mit der Reihermütze; der zweite den gekrönten Kopf; der
dritte den belorberten Kopf in ^ , Profil und der vierte den kahlen Kopf Die
Rückseiten aller vier Stempel haben den gekrönten Tiroler Adler mit Kränz-
chen um den Kopf und den Doppeladlerschild auf der Brust. Unterschiede
zeigen sich nur in der Umschrift. Auf dem zweiten Walzeupaare kommen eben-
falls vier Stempeln vor. deren Durchmesser jedoch 47 Millimeter beträgt. Der
erste Stempel zeigt da« bärtige Brustbild mit kahlem Haupte; der zweite den
belorberten kahlen Kojjf nach link» gewendet; der dritte (bis belorbecrte
Brnstbild, den .Mantel auf der Brust tlurch eine Spange gehalten mit Zepter
und Schwert; der vi«rte das gekrönte Brustbild, ohne Mantel, jedoch Zepter
und Schwert. Auf der i .. -on Walze zeigt der erste Stempel den gekrön-
ten Tiroler Adler mit i ohne BrustÄchild; der zweite den schreitenden
Adler, um den H.i Hon. in der rechten Klaue den Zepter; der
dritte den Adler ii: xhrift; der vierte endlich den gekrönten
Tiroler Adler mit dem Kränzclien und ungewöhnlich grossen Fängen. Nachdem
jeder der vier Stempeln von der Walze der Kopfseite mit jedem der vier Stem-
peln von der zweiten Walze nbtfeprägt werden konnte, so ergaben »ich von
j»'<h*ni St M beiden Paaren somit 32 Variauteu der in
Rede 8t«
326
Johann Newald: Das österreichisch.' ^Ti
6563 Gulden 33 Kreuzer geprägt. In den späteren Jahren kommt
eine derartige ausnahmsweise Ausmünzung nicht mehr vor.
Nachdem durch die neue Thalerprägung die feine Wiener Mark
Silber auf 12 Gulden 37 Kreuzer 3 Vierer 2^/7 Ferner gebracht
wurde, daher sich im Vergleiche zur Guldenthalermünzung, bei
welcher das Ausbringen aus der Mark nur 12 Gulden lös/g, Kreuzer
betrug; eine Steigerung von nahe 22^/2 Kreuzer bei der Mark Fein-
silber ergab, wurden die umlaufenden Guldenthaler und ihre Unter-
theilungen eingewechselt und in neue Thaler umgeprägt. Aus dem
erheblichen Umfang dieses Geschäftes erklärt sich der Umstand,
dass Guldenthaler des Erzherzogs Ferdinand weit nicht so
häufig vorkommen, wie seine späteren Thaler. Dass die Gold mün-
zung während der Regierungszeit des Erzherzogs ganz belanglos
war, wurde bereits hervorgehoben.
Der Geschäftsbetrieb im Münzhause zu Hall lässt die grossen
Vortheile erkennen, welche sich aus der Einrichtung der Walzen-
maschinen ergaben. Die Zahl der bei der eigentlichen Münzherstel-
lung in Verwendung gestandenen Arbeiter, welche in den Acten und
Rechnungen als die „Münz verwandten^' bezeichnet werden, war
sehr gering. Durch viele Jahre war Hanns Kögler Werkmeister der
kleinen Münz und Martin Vaigl Werkmeister der grossen Münz^
jeder bezog einen Jahressold von 111 Gulden 18 Kreuzer; als
Tiegelwarter, zugleich Münzgesell mit jährlich 106 Gulden, w\ar
Mang Staiger bestellt, denen noch vier Münzer beigegeben waren.
Ausser diesen stand noch eine massige Zahl von Aushilfsarbeitern
in Verwendung. Die tägliche Arbeitszeit war von 5 Uhr Morgens
bis 5 Uhr Abends festgestellt. Bei besonderer Geschäftssteigerung
wurde die Nacht zu Hilfe genommen, wofür die Arbeiter speciell
bezahlt wurden. In den Jahren 1589 und 1590, in welchen der
Münzbetrieb besonders lebhaft war, erhöhte sich der Stand der
,,Münzverwandten" auf eilf Mann.
Als Stempelschneider oder, wie er in den Acten genannt wird^
„Eisenschneideramts- Verwalter" war bis Ende 1590 der Münzmeister
Jacob Bertorf bestellt. Er lieferte die zur Prägung der grossen Geld-
sorten erforderlichen Walzen (Präge wellen"), sowie Stöcke und
Obereisen für die kleinen Münzen. Bertorf hatte auch für Ensisheim
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph Tl. und Mathias. •»_ <
die erforderlichen Walzen beizustellen, woraus sich die grosse
Uebereinstimmung der Tiroler mit den Elsasser Thalern erklärt.
Mit dem Jahre 1591 beg:innend, steht V altin Costka als
Eiseuschneider in Verwendung; er bekam ddo. Innsbiniek, 8. April
1593 eine Instruction. Costka dürfte die Walzenstempel zu den oben
bescliriebenen Dickmllnzen des Erzherzogs geschnitten haben,
welche Annahme dadurch bekräftigt wird, dass demselben für „An-
fertigung der Prägwellen für grosses Geld" 63 Gulden ausbezahlt
wurden. Costka starb schon im Anfange des Jahres 1594. Es wurde
zunächst der Eisenschneider Peter Wegerich aus Chur nach
Hall verschrieben. Derselbe verfertigte sieben Prägewellen a 10 Gul-
den, auch Stöcke und Obereisen für kleine Geldsorteu. Mit Einrech -
nung der Vergütung für die Zu- und Kückreise erhielt er 94 Gulden.
Der Erzherzog bestellte nunmehr den Wappen-, Stein- und Siegel-
schneider Wolfgang Eggl als Stempelschneider. Nachdem dieser
schon nach Ablauf von drei Monaten resignirte, wurde alsbald, und
zwar am 1. April 1595 Peter Hartenpeck mit dem Jahi-essokl
von 150 Gulden als Stempclschncider aufgenommen. Mit diesem
hatte die Haller Mün/c fiir eine "Rcilic \ nn J;iliren eine s^clir fiicliti'j-o
Kraft gewonnen.
Der Erfinder und Erbauer der Haller Walzenmaschinen, Hanns
Vogler aus Zürch starb in sehr dürftigen Verhältnissen im Jahre
1591. Sein Sohn, wie der Vater Namens Hanns Vogler, war Maler
zu Brixen. Unter Berufung auf die Verdienste des Vaters um das
Münzwerk zu Hall, bat er den Erzherzog um eine Unterstützung für
seine Mutter. Im Berichte ddo. Hall, 28. November 1591 sagt der
darüber einvemoinmene Münzmeister Bertorf: Vogler habe als Ent-
lohnung für seine ^^esammten Arbeiten und Dienste nur 2700 Gulden
erhalten, er habe nicht nur seinen eigenen Besitz, sondern auch das
Heii-atsgut seiner Frau „vei'khünstlet, eingebist und zugesetzt", übei*-
diess noch 14.(XK) Gulden Schulden hinterlassen, die eingebrachte
Bitte wäre zu berücksichtigen. Der Witwe Vogler wurde eine
Gnadengabe zugewiesen, welche noch im Jahie 1597 ausbezahlt
wurde. »)
t) SämmtHche Acten und Daton Archiv des k. k. liauptniUnznuitCH.
^J^^ Jdiiauu :\L-waid: Das österreicni>cRe Münzwesen
Wir wenden uns nochmals der vom Erzherzog Ferdinand ein-
gerichteten, auch von ihm stets mit Interesse tiberwachten Münze zu
Ensisheim zu und wählen zur Beurtheilung ihres Betriebes das Jahr
1594, als das letzte, von dessen Erfolgen der Erzherzog wenigstens
zum Theile noch Kenntniss nehmen konnte. Der Münzverwalter
Michael Stellwagen wurde mit Schluss des Jahres 1591 seines Dien-
stes enthoben, an seine Stelle trat Christoph He id von Heide n-
purg. Wardein war Conrad Vogl, Werksregierer Martin Dräxel-
mair. Die Prägewellen und Münzstempel lieferte noch immer der
Mtinzmeister Bertorf in Hall, wofür er ein Pauschale von jährlich
100 Gulden bezog. Im Anfange des Jalires 1594 hatte man durch
den Eisenschneider zu Freyberg, Hanns Malveter, Prägewellen,
auch Stöcke und Obereiseu für kleine Münzen anfertigen lassen und
beantragte die Bestellung eines eigenen Stempelschneiders für
Ensisheim. i)
Die Ausmünzung fand nach <ler Instriictioii wmu »i. März 1577
statt und wurden im Laufe des Jahres 1 594 ausgebracht :
Thaler, i/o Thaler und Pfundner um 154.048 Gulden 37 Kreuzer,
Dreier zu 7 Loth 5 Grän fein, 962/3
aus der feinen Kölner Mark um . . . 42.767 ,, 51
andere kleine Münzen 5.583 „ 4
zusammen um . 202.399 Gulden 32 Kreuzer.
Im Jahre 1594 standen im Münzhause zu Ensisheim 10 „Münz-
verwandte" im Dienste, für Nachtarbeit wurde eine Vergütung von
49 Gulden 3 Kreuzer geleistet. Als erzherzogliclier Silberl)ergbau
werden genannt „im Leberthal deutsch und welscher Seite", ferner
dem Cardinal von Oe st erreich zugehörig, der Silberbau zu
„Planntschier".2)
Wollte man aus dem umfangreichen Geschäftsbetriebe in den
beiden Münzhäusern zu Hall und Ensisheim den Schluss ziehen, dass
dem Erzherzog Ferdinand daraus ein bedeutendes Einkommen
1) Von Malveter dürfte der Stempel zu dem wenig gelungenen Elsasser
Doppelthaler des Erzherzogs angefertigt worden sein.
2) Archiv des k. k. Hauptmünzamtes.
m. ■^'^
unter d> it Kaisern Maximilian Tl., Rudolph IL oad ^lathias.
329
zufloss, so wUrde mau mit einer solchen Annahme in einen wesent-
lichen Irrthum verfallen. Aus den dem Erzherzog eigenthUmlichen
Brixle^ger Silberg:rubeu gelangten im Durchschnitte jährlich bei
4000 bis 4500 Mark Silber zur Vermttnzung. Nachdem die Bergbau-
kosten bereits einen überaus hohen Stand hatten, dürfte sich daraus
für die Kammer nur ein sehr massiger Ertrag ergeben, in einzelnen
Jahren sogar einen Verlust resultirt haben.
Während der Regierung des Erzherzogs Ferdinand nahm der
Rückgang des Nordtiroler Bergbaues an Umfang wesentlich zu.
Einzelne Gewerke zogen sich vom Bau zurück, die Wohlhabenden
harrten nur aus dem Grunde aus, weil sie die im Bergbau investirten
Capitalien nicht opfern wollten und das Eintreten günstigerer Ver-
hältnisse erwarteten. Der Erzherzog war genöthigt, an Frohn und
Zehenten sehr erhebliehe Nachlässe zu bewilligen, ja er musste, wie
dieses übrigens auch schon unter seinem Vater, Ferdinand L, der
Fall war, Hilfsgelder gewähren. Der Ertrag des Haller Münzamtes
beschränkte sich der Hauptsache nach auf den aus der Vermünzung
des eingelösten Silbers verbleibenden Uebersehuss, den „Schlag-
schatz"; später wurde dieses Einkommen durch das Aufgeld, mit
welchem die Thaler aus der Münzcassa ausgegeben wurden, ver-
mehrt. Dieses Aufgeld oder Agio stieg schon zu Lebzeiten des Erz-
herzogs auf 16 Kreuzer vom Thaler, das heisst der nach der
Instruction zu (38 Kreuzer ausgebrachte Tlmlcr wurde im Verkehre
mit 84 Kreuzer gegeben und genommen.
Die Münzämter zu Hall und Ensisheim hatten die Verzinsung
verschiedener auf sie angewiesener Kammerschulden zu bestreiten.
Für Hall betrug diese Verzinsung in runder Ziffer 4000 Gulden
jährlich, für Ensisheim im Jahre 1594 1150 Gulden. Einen ausnahms-
weisen hohen Stand erreichte für das Haller Münzhaus dies ',
zinsung im Jahre ir>87 mit 7455 Gulden 56 Kieuzer.
Die österreichischen Länder waren schon unter Ferdinand l.
mit einem grossen Schuldenstand belastet worden. Er/herzog Ferdi-
nand übernahm somit st in Erbe unter finanziell sehr ungllnstigen Ver-
hältnissen. Es ist ferner von ihm bekannt, dass er durchaus nicht
das war, was man unter einem haushälterischen Wirth versteht. Sein
Hofstaat, seine Vorliebe für die Kunst- und Wunderkammer, für
FestlieJlkcifrl iWr ^]\^■ .f.iL-tl U S \V. nnlnncli "inssc M.'ldsiiimnu'n
330
Johann Ne-wald : Das östeiTeichische Münzwesen
in Anspruch. Sparen und sich einschränken vermochte Erzherzog Fer-
dinand nicht; es fehlte ihm jene den factischen Verhältnissen Rech-
nung tragende umsichtige Selbstbeherrschung und kluge Mässigung,
welche dem entsagt, was sich mit einer guten Wirthschaft nicht ver-
einen lässt. 0
Erzherzog Ferdinand IL von Tirol starb zu Innsbruck am
24. Jänner 1595.
h) Unter Kaiser Rudolph II.
Nach dem Tode des Erzherzogs Ferdinand drohten Tirol und
die vorderösterreichischen Lande unter den Mitgliedern des Habs-
burger Kegentenhauses zu einem Zankapfel zu werden. Die beiden
Söhne Ferdinands aus erster Ehe mit Philipp ine Welser —
Cardinal Andreas von Oester reich und Markgraf Karl v o u
Burg au — waren nicht successionsfähig, von seiner zweiten Ge-
mahn, der mantuanischen Prinzessin Anna Katharina, hatte er
nur zwei Töchter. Nach dem Aleben des Erzherzogs ordnete
Kaiser Rudolph IL alsbald den Erzherzog Mathias nach Inns-
bruck zur Uebernahme der Regierung im Namen des Kaisers ab
und hatte derselbe die Beamten für den Kaiser in Eid und Pflicht
zu nehmen. Rudolphs IL Absicht war unverkennbar auf die Wieder-
einverleibung der erledigten Länder in den österreichischen
Gesammtstaat gerichtet. Diesen Bestrebungen trat die steiermär-
kische Linie des Regentenhauses, welche auf das Tiroler Erbe
Ansprüche erhob, entgegen. Sie war vertreten durch den allerdings
noch nicht volljährigen Erzherzog Ferdinand, den spätem Kaiser
Ferdinand IL, durch dessen Mutter, die thatkräftige Erzherzogin
Marie, Witwe nach dem am 10. Juli 1590 gestorbenen Erzherzog
Karl von Steiermark, Namens ihrer drei minderjährigen Söhne
Maximilian Ernst, Leopold V. und Karl Posthumus, und
den Mitvormund, Herzog Wilhelm von Bayern. Diese Anwärter
verlaugten eineTheilung der erledigten Länder und stützten
ihre Ansprüche auf das Testament Kaisers Ferdinand L, welcher
1) Ueber das Tiroler Bergwesen und die Ergebnisse der Finanzwirthschaft
finden sich eingehende Darstelhmgen bei Dr. Hirn „Erzherzog Ferdinand II.
von Tirol", Seite 539 und 621 u. f.
den Kaisern Maximilian II., Rudolph IL und Mathlas
331
bestimmte, dass, wenn eine Linie im Mannesstamme aussterben
sollte, deren Theil den andern zuzufallen hat.
Die Bruder des Kaisers, die Erzherzoge Ernst, Mathias,
M a X i 111 i li a n und A 1 b r e c h t hatten ihren Anträgen und Ansprüchen
ein anderes Ziel gesetzt. Sie verlangten mit Ausschluss jeder
Theilung, dass einer der Erzherzoge Tirol und die Vorlande,
jedoch nur als Statthalter im Namen aller Mitglieder des
Regentenhauses verwalten soll. Da Erzherzog Albrecht nach
dem schon im Jahre 1595 erfolgten Ableben des Erzherzogs Ernst,
Regent der spanischen Niederlande wurde, so vertraten diese An-
sprüche vornehmlich die P>zherzoge Mathias und Maximilian.
Gegen alle diese Projecte und Anträge erhoben jedoch die
Stände Tirols und der A odande lebhafte Einsprache. Sie wollten
weder von einer Theilung und ebensowenig von einem unselbst-
ständigen Statthalter, und sollte dieses selbst ein Erzherzog sein,
etwas wissen. Sie verlangten die Einsetzung eines Erzherzogs als
selbstständigen Landesflirsten und war ihr Augenmerk namentlich
auf den Deutschmeister Erzherzog Maximilian gerichtet.
Bei derart widerstreitenden Ansichten und Bestrebungen war
eine Verständigung nur schwer zu erzielen. Um Tirol und die Vor-
lande während der Dauer der Verhandlungen nicht gänzlich ohne
Verwaltung zu lassen, einigte man sich zu Prag am 10. April 1590
dahin, dass dem Kaiser von den übrigen erbberechtigten Mitgliedern
des Regentenhausos die Verwaltung Tirols und der Vorlande Über-
tragen, das heisst die vom Kaiser schon seit dem Tode des Erzher-
zogs Ferdinand geführte Administration anerkannt und derselbe
ermächtijrt " ■"•'1" '" i-- Ländern die Erbhuldigung vornehnioii
zu lassen.
Ueber die Art, in welcher mittlerweile das MUnzrecht auszu-
üben, beziehungsweise die Münzprägung vorzunehmen sein wird,
erscheint in der Urkunde nichts verfügt, wohl aber zieht sich durch
dieselbe in ziemlich hervortretender Weise ein Ton tles Misstranens
gegen den Kaiser und seine Absichten bezüglich Tirols und <l r
>j Hef^ljiul.i^'tt- AlKSfhrit't des Vergleiches ddo. Trag, lU. April 1590 im
. ?>i»^f ■•>'t-^_-iv^'' V^*^*,"
332
Johann Nevrald : Das c^sterreichioche Münzwesen
Vorlande. Namentlich wird von Seite der Mandatgeber hervorgeho-
ben, dass sie erwarten, es werde sieh der Kaiser jeder Handlung
enthalten, durch welche ihren Rechten in irgend einer Weise präju-
dicirt werden könnte, auch sprechen sie den bestimmten Wunsch
aus, der Kaiser möge die Erbschaftsverhandlungen noch im Laufe
des 96er Jahres zum Abschlüsse bringen.
Dieser letztere Wunsch ging allerdings nicht in Erfüllung, die
Zielpunkte der einzelnen Erbberechtigten lagen viel zu weit ausein-
ander, um eine baldige Verständigung erwarten zu lassen. Die Ver-
handlungen führten zu derart lebhaften Einsprachen und Beschwer-
den, dass Markgraf Karl von Bargau, der die obschwebenden Ver-
hältnisse besonders bitter beurtheilte, einstmals in die Aeusserung
a,usbrach: „Tirol werde noch unter den Herren von Oesterreich
Ursache zum Kriege werden". Die mehrmalen ganz unterbrochenen
Verhandlungen kamen erst durch den sogenannten Prager Vergleich
vom 5. Februar 1602 zum Abschlüsse. ^) Durch diesen wird die
Untheilbarkeit der Tiroler und vorderösterreichischen Landschaften
ausgesprochen und der Erzherzog Maximilian als „Guber-
nator" derselben eingesetzt. In dem Vergleiche wird ferner eine
Verth eilung der Einkünfte dieser Länder nach Köpfen
bestimmt derart, dass fünf Theile auf die österreichisch-böh-
mische Linie (mit Rücksicht darauf, dass am 24. Jänner 1595, als
dem Todestage Ferdinands von Tirol, ausser Kaiser Rudolph H.,
noch seine vier Brüder Ernst, Mathias, Maximilian und
Alb recht VIL am Leben waren) und vier Theile auf die steier-
märkische Linie des Regentenhauses (mit Rücksicht auf die vier
Brüder Ferdinand H., Maximilian Ernst, Leopold V. und
Karl Posthumus) zu fallen hatten. Die Ernennung des Erzherzogs
Maximilian zum „Gubernator" wurde der Tiroler Regierung unterm
3. Juli 1602 kundgegeben, am 8. Juli trat derselbe die Regie-
rung an.
Indem wir in das Münzbaus zu Hall zurückkehren, kommt
zunächst zu bemerken, dass beim Uebergang der Regierung an
Kaiser Rudolph IL sowohl im Betriebe, als auch im Stande der
i) Original im k. k. H. H. u. St. A.
if^l
unter dtn Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathlas. 66i>
dortigen Beamten und Bediensteten keine Aenderung eintrat. iJ.
erste Bestellung, welche im Namen des Kaisers erfolgte, war die de!<
Stempelsebneiders Peter Hartenpeck am 1. April 1595. Der Präge-
betrieb wurde durch den Umstand wesentlich gesteigert, dass nun-
mehr die, dem Kaiser aus Spanien und Italien zugekommenen
,,Türkenhilfen" zu Hall umgemünzt wurden. Am 13. Mai 1596
gelangten in das MUnzhaus 3G0.143 Stücke spanische Realen,
welche an feinem Silber 32.351 Mark 8 Loth Wiener Gewicht ent-
hielten. Schon imterm 27. Mai 1596 erfolgte aus Prag die Weisung,
dass V(M umgemünzten spanischen „ Türke nhilfe'' alsbald
20.000 (jüiüLn in Thalera an den Kriegszahlmeister in Wien abzu-
senden sind. 1) Im Jahre 1596 erreichte zu Hall der Prägebetrieb
eine geradezu kolossale Höhe, er betrug 1,153.594 Thaler. Die
ganze Jahresausmünzung, die kleinen Münzen eingerechnet, bestand
in 1,313.901 Gulden 30 Kreuzer. ^) Aus Anlass eines Besuches der
Münze zu Hall wurden dem Erzherzog Mathias übergeben
,,3 doppelte und 1 einfache Gr anner i sehe Khlippen von Gold",
dann seinem Kammerdiener Paradiser 2 doppelte Klippen, zusammen
11 Ducaten schwer.
Für das Jahr 1597 wurde mit dem Erlasse ddo. Prag, 7. März
1597 angeordnet, dass die Hunderttausend Ducatons, welche über
Genua und Mailand als Türenhilfe des Königs von Spanien ein-
langen werden, alsbald in Tlialer umzuprägen sind. ») Die Fugger
brachten am II. M.-n 1597, 18.060 Mark 5 Loth „Indianisch Silber''
in die Münz( urden in diesem Jahre nahe 700.000 Thaler
ausgebracht.
Von dem yw i iiilaii^e ncr neitieii .Ijiiiic i.);M) uiki i.);*7
sank der Prii, l» in den nächstfolgenden Jahren wesentlich
herab, er betrag
im Jahre 1598 438.677 Thaler, im Ganzen 501.874 Gulden
53 Kreuzov ■'■ v;,.....,
157, Fol. 491. Dio Weisung ging dahin, Tagr
und Nacht
*)Ai' ! l>fiiiilriz:mitcs. VWv dit' Uiimithizun^ wurde fllr jo
150 Realen l Thaler bercchu« t
s Y-, '' " •*" ^ 1 ■ .11. »
334
Johann Newald : Das österreichische Münzweeen
im Jahre 1599 241.445 Tbaler, im Ganzen 284.017 Gulden
18 Kreuzer 4 Vierer,
im Jahre 1600 359.441 Thaler, im Ganzen 414.828 Gulden
26 Kreuzer.
Am 20. vSeptember 1599 fand im Haller Münzhause eine Probe-
prägung statt. Es wurden je aus einer Mark Silber österreichische,
steierische, Kärntner und zwei Sorten Tiroler Dreier geschlagen und
dabei 559 Stiicke, ausgebracht, wovon 20 Stücke einen niildpn
galten.
Im Jahre 1599 wurde Ferdinand Leffler als Miinzschreiber
mit dem Jahressold von 200 Gulden bestellt, er übernahm jedoch
schon am 1. Mai 1601 das Münzmeisteramt, wie sein Vorgänger
Bertorf als Münzmeister und Cassier und bezog nunmehr als Gehalt
400 Gulden und 52 Gulden auf einen Schreiber. Im Jahre 1601 starb
der Wardein Thoman Eggenstein und trat an seine Stelle am 7. Mai
1601 dessen Sohn, Georg Eggen stein. Die Frage anbelangend,
in wessen Namen oder in welcher Weise die Münzprägung seit dem
Tode des Erzherzogs Ferdinand im Haller Münzhause stattfand, gibt
die Münzamtsrechnung vom Jahre 1602 eine vollständige Aufklä-
rung. Der Münzmeister Leffler sagt in derselben, dass er „auf
weilendt Irer fürstl. Durchl. Erzherzog Ferdinanden zu Oesterreich
hochloblichsten Gedechtnus Piltnus, Titl vnd Wapi)en" gemünzt
und gedruckt habe 324.810 Thaler, im Ganzen, das heisst die klei-
nen Münzen eingerechnet, 373.250 Gulden. Es wurden somit bis
zum Schlüsse des Jahres 1602 Thaler und kleine Münzen mit Stem-
peln des Erzherzogs Ferdinand geprägt. Den 8. December 1602 hat
man für den Erzherzog Maximilian „von allerlei Goltprägen souil
deren bei der Münz noch vorhanden gewest, abdruck machen lassen ^^,
welche zusammen an feinem Silber gewogen 3 Loth. Auch verdient
noch einer Erwähnung, dass mit Erlass ddo. Innsbruck, 25. Mai
1600 der Münzmeister Bertorf angewiesen wurde, dem Erzherzog
Ferdinand in Graz, welcher dort ein Münzdruckwerk eingerichtet
hatte und die Probe machen möchte, ein Paar Thalerwellen, welche
nicht mehr gebraucht werden, der Druck jedoch noch ersichtlich
ist, zuzusenden, i)
') Archiv des k. k. Hauptmünzamtes, Haller Acten imd Reclmimg-eu.
den lUIcern Maxirailiau II., Rudolpli II. und
335
In der Mlinzamtsreehniing vom Jahre 1602 macht sich bereits
der Einfluss des Praj^^er Vergleiches vom 5. Februar 1602 geltend.
Während es über das Brandsilber vom Hüttenwerk „Brixl egg am
Falkenstein und Ringenwexl'^ in der Rechnung pro 1601 noch
lautet: „in der Kais. Mt. Schmelz -Hütwerch Brichslegg",
womit Kaiser Rudolph TL unverkennbar als Allein-Eigenthümer
bezeichnet wurde, heisst es in der Rechnung vom Jahre 1602 ,,in
der Rom. Kais. Mt. vnnd fUrstl. Durchlauchten Erzherzogen zu
Oesterreich, vnnsers AUergnedigisten vnnd gnedigisten Herren
SchmelzhUttwerk zu Prüxlegg".
Nachdem durch den mehrerwähnten Prager Vergleich über die
Verwaltung von Tirol und den Vorlanden eine Vereinbarung getroffen
worden war, sollte nunmehr auch die Münzprägung entsprechend
eingerichtet werden, da seit dem Tode des Erzherzogs Ferdinand,
somit durch acht Jahre, noch immer unter dessen Brustbild und
Titel gemünzt wurde. Mit dem Erlasse ddo. Innsbruck, 2. August
1602 wurde der Stempelschneider Peter Harten peck zur Regierung
gerufen, wo er die Anordnungen des Erzherzogs Maximilian bezüg-
lich Abkürzung der Umschrift auf den neuen Thalern entgegen-
zunehmen hatte. Die Umschriften der kleinen Münzen wurden mit
Erlass ddo. 29. August 16u2 festgestellt. Dem Stempelschneider
Hartenpeck wurde der Bürger und Goldschmied zu Hall David
Zügl „wegen Schneidung der neuen Münzpräg" durch sieben
Wochen als Gehilfe beigegeben, wofür derselbe 11 Gulden 12 Kreu-
zer als Entlohnung bezog. Schon am 10. November 1602 wurden
dem Erzherzog Maximilian „zu ain Muster vberschickht 5 neue
Thaler vnnd 12 Dreyer, so auf Ir Kais. Mt. Piltnuss geprägt
werde n'^; — und am 8. December folgten „Sechser, Kreuzer und
Fierer von der neuen Prägen". Am 23. Mai 1603 wurden dem Peter
Hartenpeck „wegen Veränderung der Münz-Prftg-Eisen" eine beson-
dere Entlohnung von 30 Gulden ausbezahlt
Durch das \ ' liende erscheint ausser ZwcikI -csielli,
dass im Haller Mn die Münzprägungen mit dem Brustbilde
Rudolphs II. erst im Spätjahre 1602 eröffnet worden mu.I. Wir
336
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
kennen zugleich auch die Stempelschueider, welche die neuen Präge-
walzen und Stempel angefertigt hatten. Im Jahre 1602 beschränkte
sich die Thalerprägung offenbar auf eine sehr massige Zahl, daher
die Tiroler Tlialer von 1602 sehr selten vorkommen. Schnltess
kannte denselben nicht, i)
Vom Jahre 1603 beginnen sowohl zu Hall, wie in Ensisheim
die Münzprägungen mit dem Brustbilde des Kaisers Rudolph IL In
diesem Jahre wurden zu Hall „auf allerh. Kais. Mt. Piltnuss auch
der Fürstl. Durchlauchten Erzherzogen zu Oesterreich, vnnser aller-
gnäd. vnd gnädigistcn Herren Titl und Wappen, vnd der fürstl.
Durchl. Erzherzogen Ferdinanden zu Oesterr. hochlöbl. Gedechtnus
im 1577 Jahr in TyroU aufgerichten Münzordnung nach gemünzt
und gedruckt" 378.790 Thaler und mit Einrechnung der kleinen
Münzen 451.410 Gulden 23 Kreuzer. Vom Jahre 1603 kominon ancli
Tiroler Halbthaler mit dem Brustbilde Rudolphs IL vor.
Im Jahre 1604 wurde für das Haller MUnzhaus eine ganz neue
Verordnung erlassen. Es waren von je 100 Mark „Thalergeld"
3 bis 4 Stücke „für den Scharen-Zuestandt" auszubringen, das
heisst es waren die Thaler im Schrot derart zu vermindern, dass
von je 100 Mark die instructionsgemässe Zahl um 3 bis 4 Stücke
überschritten wird, der Schaar 3 bis 4 Stücke zustehen oder
zuwachsen.
Mit dem Erlasse ddo. Innsbruck, 28. August 1603 wurde der
Münzverwalter zu Ensisheim Christoph Haid von Haidenburg ange-
wiesen, von allen Münzgüssen, namentlich von Thalern, welche nun-
mehr mit des Kaisers Bild dort ausgemünzt werden, monatlich
Proben nach Hall zu senden, wo zu untersuchen war, „ob den
österr. Münzordnungen zu Ensisheim ain benügen geschech". Dieser
1) In meiner Sammlung befinden sich drei Varianten vom Tiroler Thaler
1602. Zwei derselben lassen die gewandte Arbeit des Peter Hartenpeck erken-
nen, sie dürften von derselben Walze stammen. Das Brustbüd des dritten
Thalers ist weniger schön. Obwohl es offenbar mit ganz guten Punzen geschla-
gen worden ist, zeigt die Ausfertigung eine weniger geübte Hand. Sie fand
wahrscheinlich durch den Gehilfen David Zügl statt. In Ensisheim scheint
man den für das Jahr 1602 vorbereiteten neuen Thaler, wie dieses mit den bis-
her ausgegebenen Thalern des Erzherzogs Ferdinand der Fall war, ohne Jahr-
zahl gelassen zu haben. Auch dieser Thaler gehört unter die Seltenheiten. Er
findet sich bei Schultess unter Nr. 169 beschrieben.
^■.—^.■Ty, ?5-'-i'«-tais^
unter den Kaisern Maximilian II., Rndolph II. and Mathias. OOt
Vorgang bleibt anch während der Regierung des Erzherzogs Maxi-
milian aufrecht.
Im Jahre IGOo fertigte Peter Hartenpeck mit Eizherzog Maxi-
milians ^Piltnus Till und Wappen'' ein Paar Thalerwalzen an und
wurde dafür mit 14 Gulden entlohnt, i) Am 25. August 1604 erhielt
Hartenpeck 12 Gulden ausbezahlt „vmb wegen das Er ain doppelt
Paar Talerwellen auf Ir. Kais. Mt. Piltnus geschnitten ''. 2)
Im Jahre 1605 nahm der Geschäftsbetrieb im Haller Mtinzhause
einen erhebliehen Aufschwung, es wurden 656.836 Thaler und im
Ganzen, das heisst mitEinrechnung der kleinen Münzen 710.579 Gul-
den 57 Kreuzer ausgebracht. Ueber die im Jahre 1605 aus dem
Haller Münzhause ausgegangenen Thaler gab der Wardein des
fränkischen Kreises, Hanns Hufnagel, eine Aeusserung ab. Er sagt,
„diese Sortten, ob sie wol die Jarzahl 1604 hat, so ist sie doch
Anno 1605 gemünzt worden". Er habe sie aufgezogen und probirt,
es haben 8 Stücke ein Gewicht von 15 Loth 2 Quint. 3 Pfennig Köl-
nisch und hallt die Mark 14 Loth 0 Grän fein. Sie sind am Schrot
somit um 1 Onint 1 IMVunii'- /u IcM'cbt und nm Korn inn 4 Or.'in /n
I Den Thaler von 1603, welcher bei «chultess Nr. 49G7 und bei H. Dutiik
1. f.. St'ite 180 beschrieben ist, konnte der Erzherzog nur als Deutschordeus-
Hochmeister gepräg't haben. Die Steinpelsanjniliui^ des k. k. HauptniünzHUites
bewahrt mehrere ;t NValzenpaare ohne Jahrzahl. Die Walzen haben einen
Umfang von 20-4 ( r und kommen auf denselben stets fünf Stempeln
neben einander vor. Ein Stempel (Nr. 41 der Sammlung; zeichnet sich dadurch
aus, dass auf dvv *' ' des Ritters zwei Ordenskreuze vork(mnnen. Unter
allen Thalem, w- hrrzo}^ .Maximilian als Deutschordens-IIochmeister
prägen Hess, find' »t vom Jahre IGO.'i am häufifi^sten vor.
«j Archiv d< mptmünzamtes, Malier Itechuungen und AoteD. Das
Walzenpaar Itlr die Tiroler Doppelthaler vom Jalire 1G04 bewahrt in Nr. 15 die
Stempelsammluu^ de« k. k. IlauptmUnzamtes. Die Walzen haben einen Umfang
von 20 CentimettT u?id kminnt auf 'denselben der Stempel viermal nebenein-
ander vor. Der dr t X'urderseite hat im Namen des Kaisers einen
Fehler, indem da . _, ••n ist und daher Kudolpu» 11. steht. Im Jahre
1604 fertig^te Hartenpeck den Stempel zu einer sehr schönen Medaille des Erz-
herzogs Maxiii ' unter dem Brustbilde kommt der Name „I*eter Harten-
peck" vor. I le ist vorfn ffürh abgebildet bei H. Dmlik I. c., Taf. V,
Nr. 75 und I a Beite 1' miubs dort statt „llarterpeck*' richtig
TI:.rf..,.l.rrk
338
Johann Xewald: Das österreichische Münzwesen
gering, daher das Stück der ReichsmUnzordnung nach nur 65 * 2 Kreu-
zer werth sei. 1) Hufnagel hatte diese Thaler, wie er selbst sagt, auf
Grundlage der Reichsmünzordnung probirt und berechnete demzu-
folge auch den geringen Werth. Nach der Tiroler Münzinstruction
vom Jahre 1577 war der mit 14 Loth ermittelte Feingehalt vollkom-
men gerecht, nur im Schrot bestand ein, unverkennbar durch den
angeordneten „Schaar-Zutrag*', veranlasster Abgang. Die Tiroler
Regierung legte der Valvation des Wardeins Hufnagel keine Be-
deutung bei. vSie konnte darüber um so ruhiger bleiben, als im
Jahre 1605 die Haller Thaler bereits mit einem Aufgeld oder Agio
von 12 bis 16 Kreuzer, das heisst um 80 bis 84 Kreuzer gegeben
und genommen wurden. Peter Hartenpeck erhielt für seine, das Jahr
1605 betreffende, besonders belobte Leistung eine Guadengabe von
50 Gulden.
Im Vergleiche mit dem Geschättsbetricbe des Jahres ibw
zeigt jener von 1606 einen erheblichen Rückgang. Die Thalerprä-
gung sank in diesem Jahre auf 195.912 Stücke herab, die ganze
Ausmünzung beschränkte sich auf 228.860 Gulden 42 Kreuzer. Bei
den Thalern blieb der angeordnete ,.Schaar-Zutrag" aufrecht.
Im Jahre 1607 war die „Fürstliche Gräzische Herrschaft" in
Hall; es musste in der Burg Hasegg mehreres vorgerichtet werden,
wodurch sich eine Auslage von 83 Gulden 57 Kreuzer ergab. Wahr-
scheinlich war dieser Besuch auch der Anlass, dass in demselben
Jahre die St. Georgs-Capelle in Hasegg mit neuen Paramenten im
Werthe von 274 Gulden ausgestattet wurde. Im Jahre 1608 musste
zum Betriebe der Walzenmaschinen ein ganz neues Rinnwerk
sammt Wasserrad hergestellt werden, woraus eine Auslage von
892 Gulden 46 Kreuzer und eine nicht unwesentliche Betriebs-
störung erfolgte. Mit Genehmigung der Innsbrucker Kammer hatte
Hartenpeck den Karl Vogler ak Eisenschneider-Lehrjung auf-
genommen ; er erhielt nunmehr für zwei Jahre „auf ünderhaltung,
Bekleidung und Lehrung" des Vogler eine Entschädigung von
i) K. k. H. K. A., Fase. 17319. Nach der Reichsmünzordnung sollten
8 Thaler eine Kölner Mark schwer sein und einen Feingehalt von 14 Loth
4 Grän l>esitzen.
w^M^jy'^fm-^^Sli^.
:aiflcrn Maximilian II., Rudolph IL and Mathias.
339
116 Gulden 34 Kreuzer. «) Von nun an bezog er für den ,,Lelirjung'*,
der übrigens im Alter bereits vorgerückt war, jährlich 50 Gulden.
Im Jahre 1609 beschränkte sich die Thalerprägung auf nahe
250 Tausend Stücke.
unterm 3. Mai 1609 erfolgte au.s Innsbruck der Auftrag, es sei
für den Erzherzog Maximilian ein ,,Münzdrnckwerk" einzurichten.
Die Arbeit wurde dem Münzschmied Jacob Hernpacher übertragen.
Es erfolgte jedoch schon ddo. Innsbruck, 19. August 1609 ein
Kammerbefehl, dass .dem Wolfgang Taler, Münzer und Schlosser
für das H and t münzt ruckhwerkh, so er Ir. Fürstl. Durchlaucht
Erzherzog Maximilian gehorsamist presendirt- 100 Gulden aus-
zubezahlen sind. Es hat sich nicht feststellen lassen, ob es sich um
eine und dieselbe, oder um zwei verschiedene Walzenmaschinen
handelte, welche der Erzherzog unzweifelhaft für seine Münzprägung
als Deutsehordens-Hochmeister verwendete. vSchon unterm 23. April
1610 wurden dem Peter Hartenpeck „für ein neues Paar S chil ti-
taler-Prägwellen auf diss 1610er Jahr geschnitten" 15 Gulden
ausbezahlt. Nachdem Hartenpeck eine fixe Jahresbesoldung bezog,
so war die Anfertigung der „Schilt Italer -Präg wellen", für
welche ihm der Erzherzog eine besondere Entlohnung anwies, eine
ausserdienstliche Arbeit. Wir haben hier ein neues Belege, dass die
vom Erzherzog Maximilian ausgegebenen Thaler mit dem Turnier-
ritter in einem Kreise kleiner Wappenschikle, als Deutschorden-
MUnzen aufzufassen sind. Es kommen ähnliche Thaler von den
Jahren 1611 und 1612 vor. Da die Haller Münzamtsrechnungen
dieser beiden Jahre von ihrer Ausprägung nichts erwähnen, so darf
geschlossen werden, dass ihre Herstellung ganz getrennt von dem
Hauptmünzbetriebe in einer tllr den Erzherzog besonders eingerich-
teten Werkstätte stattfand. Es kann auch nur eine sehr beschränkte
Zahl dieser Tliah'r an^LTmlln/t wor<l<Mi sein, da sir nur selten anzu-
treffen sind.
Im Jahre 1 6( >9 wurde tllr das 1 lallor M Unzhaus H a n n s C h r i s t o p h
Messerschmidt als <iogenhändler mit der Besoldung von 2()0 Gul-
den bestellt. Nach dem Abgange des Münzmeisters Ferdinand LeflTler
leiteten in den beiden Jahren 1610 und 1611 die Geschätt
\ t ,i»fiiiiil|/:iinfi'S U:ill.
•r ,<r-v^ ,- - 4 1 ^- . ,-_ -^!^- >:?«»-^»y* nM^f^-T^^Wf
340
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Mtinzmeisterames der Wardein Georg Eggenstein als Cassier und
der vor Kurzem eingetretene Gegeubändler Messerschmidt. Beide
bezogen zusammen neben ihrer Amtsbesoldung auch noch den Münz-
meistergehalt von 450 Gulden. Im Jahre 1611 brach in Hall die Pest
aus, der Erzherzog genehmigte der Gemeinde einen Unterstützungs-
beitrag von 40 Gulden. Am 20. October 1611 wurde der Eisen-
schneider-Lehrjung Karl Vogler, ,,dem Hanndtwerchsgebrauch nach
bei Hannsen Maisfelder Bürger und Maller in Hall angedingt'^ und
wurden ihm 80 Gulden angewiesen. Schon mit dem Erlass ddo. Inns-
bruck, 29. October 1611 bestellte der Erzherzog den Maximilian
Gross als Eisenschneider-Lehrjung und wies dem Peter Hartenpeck
für „Lernung^^ desselben 12 Gulden 40 Kreuzer an. i)
Im Jahre 1611 sank der Ertrag der landesfürstlichen Schmelz-
hütten zu Brixlegg auf 3717 Mark 9 Loth Silber herab. Die Thaler-
ausbringung betrug im Jahre 1611 231.863 Stücke und die Gesammt-
ausprägung mit Einrechnung der kleinen Münzen 265.357 Gulden
59 Kreuzer. Am 1. Jänner 1612 übernahm im Münzhause zu Hall
die Geschäftsleitung der neue Münzmeister Abraham Lindner,
er bezog, wie seine Vorgänger, eine Jahresbesoldung von 450 Gul-
den. Im Jahre 1612 wurden 232.665 Thaler ausgebracht. 2)
Die Thaler, welche unter Kaiser Rudolph II. vom Jalire 1602
bis inclusive 1612 gemeinschaftlich mit den Conpaciscenten des
Prager Vergleiches vom 5. Februar 1602 geprägt wurden und aus
den beiden Münzhäusern zu Hall und Ensisheim ausgegangen sind,
wurden ohne Ausnahme mittels der Walzenmaschine hergestellt.
Von den Thalern, welche unter Rudolph II. im Wiener, sowie in den
ungarischen und böhmischen Münzhäusern geprägt worden sind,
weichen die Tiroler und Elsasser Thaler dadurch ab, dass die Rück-
seite derselben nicht den Adler, sondern das gekrönte, mit der
Vliessordenskette umgebene vielgetheilte Wappen zeigen. Das
bezüglich der Ausmünzung unter den Mitgliedern des Regenten-
i) Archv des k. k. Haupruüinzaiiites, Haller Reclmim^-eii und Acteü.
2) K. k. H. M. A. A. Im Monat September 1612 besuchte der Herzog von
Mantua die Haller Münze und wechselte sich verschiedene neue Geldsorten ein
Da er geringhaltige Münzen dafür erlegte, entstand ein Abgang von 5 Guldei
mf-^f^--'^'^^*Tr'
uuter d«a Kalsero Maximilian II., Rudolph II. und Mathias. ' ' ^ ^
haiises bestehende Verhältniss, wird auf denselben durch die Um-
schrift der Ruckseite klar gestellt. Die Legende der Vorderseite
lautet allgemein: .Rudolpluis IL D.O. u. s. w. Bohaemie Rex-;
jene der Rückseite auf den Tiroler Thalem: ^Nec non Archiduces
Austriae Duces Burgundiae Comites Tirolis"; auf den Elsasser
Thalern : ^Nec non Archiduces Austriae Duces Burgundiae Land-
gravi Alsatiae Comites Ferretae". Bei dem grossen Umfange der
Thalerprägung in Hall einerseits und der Anwendung der Walzen-
maschine anderseits ist die Zahl der Varianten dieser Thaler eine
ausserordentlich grosse, wobei es allerdings nicht ausgeschlossen
ist, dass einzelne Stempel, namentlich solche, auf denen F '^'' '•• in
den Umschriften vorkommen, seltener sind.
Die aus den ersten Jahren dieser Prägeperiode stammenden
Thaler, für welche Peter Hartenpeck die Walzenstempel geschnitten
hatte, sind von besonderer Schönheit, später macht sich der Eintluss
des Karl Vogler, vielleicht auch noch eines zweiten Gehilfen bemerk-
bar. Weniger schön, ja manchmal geradezu unschön sind die
Elsasser Thaler. Die mehrerwähnte Stempelsammlung des k. k.
Hauptmünzamtes bewahrt unter Nr. 24 eine Walze für Tiroler Halb-
thaler mit der Jahrzahl 1612. Dieselbe hat einen Umfang von
20 Centimeter und es kommt auf ihr der Stempel nebeneinander
sechsmal vor. Abweichend von allen mir bekannton Tiroler und
Elsasser Tlialern Rudolphs IL hat auf diesem Halbthaler der Kopf
des Kaisers keinen Lorbeerkranz. Ein Exemplar dieses sehr seltenen
Halbtlialers befindet sich im k. k. MUnzcabinet in Wien, es ist bei
Schultess in Nr. 2o4 beschrieben. Bisher sind Tiroler Halbthaler
mit dem Brustbilde Rudolphs IL nur von den Jahren 1603 und 1612
bekannt geworden. Von Rudolph H. kommt auch ein Elsasser Thaler
mit der Jahrzahl MW.) vor, welcher bisher, so viel mir bekannt, noch
nirirends erwähnt unpilcn ist. ')
ej Unter Erzlierzou: .Haxiiiiilian III., Deiitschordeiis- Hoch-
iiieiHter.
i>ic.se i^riKMU' des llaller und iMisisii«'ini«'r .Mini/.Detiu'Ofs
umfnsst die Zeit \.>in Anfillo Tirols nn<1 der Vorlande an den
342
Johann Newald: Das österreichische Münz^vesen
Erzherzog MaximiliaD, bis zum Todesjahre desselben 1618. Sie
fällt allerdings in die Regierungszeit des Kaisers Mathias, allein
des Zusammenhanges und der Uebersichtliehkeit wegen erscheint
es zusagender ihre Besprechung an diesem Orte anzureihen.
Die Gefahren, welche sich aus der Krankheit des Kaisers
Rudolph IL für den Fortbestand der Herrschaft des Habsburger
Regentenhauses ergaben, drängten unabweisbar zu Vorkehrungen.
Eine Einigung unter den Angehörigen desselben erschien von der
höchsten Wichtigkeit. Diese wurde durch den Vertrag vom 27. De-
cember 1611 angebahnt, welcher zum Schutze der einzelnen Glieder
des Hauses gegenüber den zahlreichen Feinden Oesterreichs eine
Verständigung Aller, mit Einschluss der spanischen Linie, herbei-
führte. Wenige Wochen später, am 20. Jänner 1612, starb auf dem
Prager Schlosse Kaiser Rudolph IL
Tirol und die vorde rösterreichischen Lande anbelan-
gend, machte dieser Todesfall unter den überlebenden Mitgliedern
des Regentenhauses eine neue Vereinbarung nothwendig. Dieselbe
wurde im Monat Juli 1612 zu Prag abgeschlossen, und erhielt nun-
mehr E r z h e r z o g M ax i m i 1 i a n III. der Deutschordens-Hochmeister
Tirol und die Vorlande als wirklicher Landes fürst mit allen
Hoheitsrechten. >)
Die erst im Jahre 1602 stattgefundene Einsetzung des Erzher-
zogs als „Gubernator" entsprang zunächst dem Gedanken, diese
Länder ungetheilt in der Hand des Chefs des Regentenhauses zu-
sammen zu halten. Die neue Vereinbarung hatte allerdings eine
Län dertheilung zur Folge, allein dieselbe konnte sich voraus-
sichtlich, bei dem vorgerückten Alter des Erzherzogs, und seiner
Stellung als Deutschordens-Hochmeister, nur über eine massige
Reihe von Jahren erstrecken.
Der Eintritt des Erzherzogs Maximilian als wirklicher
Landesfürst, brachte ftir die Verwaltung der ihm zugefallenen
Länder im Allgemeinen, auch in Bezug auf die beiden Münzhäuser
zu Hall und Ensisheim im besondern, keine Aenderung. Die leiten-
den Personen blieben sämmtlich in ihren Stellungen, die bisherigen
Verwaltungsgrundsätze wurden aufrecht erhalten. Dem Haller
1} Vergl. Egger, Geschichte Tirols, II. Theil, S. 298.
uiiter d'-n ivaijern Maximuian ii., t;uii"i}.n ji. un.i .^latüias.
343
Mitnzhause stand seit dem 1. Jänoer 1612 der Münzmeister Abra-
ham Lindner vor, Wardein war Hanns Christoph Messerschmidt,
Münzwerksregierer Jacob Sauerwein.
Die grösste Geschäftsvermehrung ergab sich zunächst fllr den
Eisenschneider Peter Hartenpeck indem säinmtliche Prägew^alzen
und Münzstempel mit dem „Piltnuss, Titl und AVappeu" des neuen
Landesherrn auszustatten waren. Im Jahre 1613 bezog Hartenpeck
für seine belobte Leistung eine Remuneration von 70 fl. und erhöhte
der Erzherzog die Jahresbesoldung desselben um 30 fl. Im Jahre
1613 wurden durch eine Zeit noch Rudolphinische Walzen und
Stempel benützt, denn es wird erst in der Haller Münzamtsrechnung
vom Jahre 1614 gesagt, dass die Thaler „ohne anders als auf des
Erzherzogs Piltnus Tittl und Wappen'^ geprägt worden sind.
Nachdem der Münzmeister Lindner resignirte, trat am 1. August
1613 Christoph Orber an seine Stelle, mit dem das Haller
Münzhaus einen sehr tüchtigen Vorstand gewonnen hatte. Der Erz-
herzog genehmigte demselben eine Jahresbesoldung von 500 fl.
Im Jahre 1613, als dem ersten vollen Regierungsjahre des
Erzherzogs Maximilian betrug die Thalerprägung 236.626 Stücke.
Im Ganzen, d. h. mit Einrechnung der kleinen Geldsorten, wur-
den 271.004 Gulden 9 Kreuzer ausgemünzt. Der Ertrag aus den
landesfürstlichen Schmelzhütten zu Brixlegg vermochte sich nicht
mehr zur einstigen Höhe zu erheben, er bezifferte sich im Jahre
1614 nur mit 3277 Mark 14 Loth 2 Quint. Silber Wiener Gewicht.
Dagegen hatten sich auch die dem Münzhause zu Hall aufgelasteten
Verschreibungen vermindert, sie nahmen in dem genannten Jahre
nur eine Verzinsung von 3592 Gulden 11 Kreuzer in Anspruch. Wie
bereits erwähnt, waren sämuitliche im Jahre 1614 ausgeprägten
Thaler, ihre Zald war 227.535 Stücke, mit dem Brustbild des Erz-
herzogs Maximilian ausgestattet. Ein Kammerbefehl hatte angeord-
net, dass der .Schaar Zustand-^ nunmehr in 3 bis 3«/2 Thaler von je
100 Mark Silber zu bestehen habe. Im Jahr IT»! 4 ergab sich (iMdiirch
ein Mehrausbriniren von 922 Thal cm. ')
Zu (i<-ii >iiiiiz|»rai:uii^fii (irs Kr/.iin/.n-.s Maximllaii lii. über-
gehend, steht es ausser Zweifel, dass ein l'nterschied gemacht
») Archiv des k. k. IlHuptiuünzamtes, HaUer Rechnungen und Acten.
344
Johann Newald; l^a^ voi^ri
werden muss, zwischen jenen Münzen, welche er als Landesfttrst
von Tirol und den Vorlanden und jenen, die er als Deutsch-
ordens-Hochmeister ausbringen liess. Die Entscheidung, welche
Münzender einen, und welche der andern Reihe zuzuzählen sind, kann
kaum auf Schwierigkeiten stossen. Alle Münzen, welche vom Jahre
1612 beginnend, mit dem Brustbilde des Erzherzogs aus-
gestattet sind, sie mögen aus dem Münzhause zu Hall oder zu Ensis-
heim ausgegangen sein, müssen der ersten Reihe zugetheilt werden.
Sie sind Tiroler oder Elsasser, nicht aber Deutschordens-
Münzen.
Jene Münzen, jedoch, welche mit dem Turnirritter in einem
Kreise von Wappenschilden ausgestattet sind, denen der Nam*
,, R e i t e r t h a 1 e r" beigelegt wurde, sind D e u t s c h o r d e n s - M ü n z e n.
Der Erzherzog Hess dieselben zu Hall, vom Jahre 1603 beginnend,
durch mehrere Jahre, mithin schon zu einer Zeit wo er noch gar
nicht der Landesfürst von Tirol war, ausprägen. Vom Jahre 161o
beginnend, beschränken sich diese Münzen lediglich auf einzelne
Jahrgänge, das seltene Vorkommen derselben stellt ausser Zweifel,
dass sie nur in massiger Zahl ausgebracht worden sind. Dem ent-
gegen kommen die Brustbildmünzen, namentlich die Thaler ans der
ganzen Regierungszeit des Erzherzogs von allen Jahrgängen in
grosser Zahl vor, wie solches den, durch die Haller Münzamts-
rechnungen constatirten umfangreichen Prägungen entspricht. Als
entscheidend dürfte jedoch der Umstand aufzufassen sein, dass in
den eben erwähnten Rechnungen, welche aus dem landesfürst-
lichen Münzamte zu Hall, der Tiroler Regierung vorgelegt
worden sind, nur die Brust])ildthaler, die Reiterthal er jedoch gar
nicht erwähnt werden. Wir wissen ferner, dass sich Erzherzog Maxi-
milian im Jahre 1609, als er nur noch „Gubernator" war, eine
eigene AYalzenmaschine einrichten liess, unverkennbar in der
Absicht, um jede Vermengung der beiden Prägungen, der eigent-
lich landesfürstlichen, und der Deutschordens-Münzcn liintnnzu-
halten, i)
1
1) Zu bemerken kommt, dass auch im k. k. Münzkabinet die vom Jahre
1G13 beginnenden Brustbildthaler des Erzherzogs Maximilian, unter die Tiroler,
beziehungsweise Elsasser Münzen eingetheilt sind.
^^;,-'^-^.^^T
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
345
Auf den ersten mit dem Brustbild des Erzherzogs ausgestatte-
ten Tiroler Thalern fehlt die Jahrzahl. Sie kommen in verschiedenen
Varianten vor und kann aus denselben mit grosser Bestimmtheit
geschlossen werden, dass für ihre Ausprägung nur zwei Walzen-
paare in Verwendung waren, deren Stempel unverkennbar Harten-
peck geschnitten hatte. Diese Thaler dürften schon im Jahre 1612
geprägt worden sein und lässt das ziemlieh seltene Vorkommen
derselben auf ein beschränktes Ausbringen sehliessen. Der Abgang
der Jahrzahl findet dadurch eine Erklärung, dass, als an das Mlinz-
amt zu Hall die Weisung erging, die Münzprägung nach der In-
struction vom 6. März 1577 (Seite 319) mit Brustbild und Namen des
neuen Landesherrn zu eröffnen, übersehen wurde, dass durch diese
Instruction das Anbringen der Jahrzahl auf den Thalern untersagt
wurde. Der Auftrag zum Ansetzen der Jahrzahl erfolgte erst, als eine
Zahl von Thalern bereits ausgebracht war. i)
Im Jahre 1615 nahm der Gescliäftsbetrieb im Haller Münz-
hause einen erheblichen Aufschwung. Es wurden 470.005 Thaler
ausgebracht, von denen sich ein „Schaar Zugang" von 1801 Thaler
ergab. Die Gesammtausmünzung betrug 532,672 Gulden 50 Kreu-
zer 4 Vierer. Müuzmeister Orber erhielt den Titel eines erzherzog-
lichen Rathes und einen Gehaltzuschuss von jährlich 100 Gulden.
Im Jahre 1616 traf die Haller Münze ein emptindlicher Verlust, es
starb am 16. April 1616 der Münzeisenschneider Peter Harten-
peck, der in seinem Fache sehr tüchtiges geleistet hatte. Es war
1) Di«» mehr erwähnte Stempelsammluug des k. k. Hauptiuünzaintes be-
wahrt unter Nr. 44 eine Halbthalerwalze von dem Umfang-e von '2&i CM.
auf welcher der Stempel nur einmal vorkommt, der übrig-e Theil der Walze
jedoch glatt ist. Dieser Stempel zeigt mit der gewöhnlichen Umschriit <ia8
Bru8tV)ild des Erzherzogs, neben demselben 16 — 13 und unter dem Arme die
Buchstaben C Ö, d. i. Christoph Örber. Vom Erzherzog Maximilian sind Halb-
thaler mit dem Brustbild und Wappen bisher weder für Tirol noch l'iir Elsass
bekannt geworden. Unter Nr. 45 bewahrt die Sammlung auch das Walzenpaar
zu dem bekannten Reiter: Doppelthalrr vom .lahre 1014. Auch diese Wal-
zen haben einen Umfang von 'i(>4 CM., jedoch kommt auf beiden der Stempel
nur einmal vor. Varianten dieses Dopp«ltlialer8 können somit nicht vorkommen.
Ziemlich häufig sind <Ue Heiter-llalbthaler von 1014. Nachdem die MUuz-
amtsrechnung von ihnen keine Erwähnung macht, scheinen sie auf der Separat-
Walzenmaschine «les Erzherzogs geprägt worden sein.
■7>^^::^*m
346
Johann Xewald: Das österreichische Münzwesen
nicht leicht, für ihn einen entsprechenden Ersatz zu finden. Mit Er-
lass vom 2. Juli 1616 wurde der Goldschmied David Zu gl probe-
weise aufgenommen^ um mit dem Eisenschneider-Jungen Maximi-
lian Gross Thalerwalzen zu schneiden. Diese gemeinschaftliche
Arbeitsleistung dauerte durch das Jahr 1617 an, erst vom Jahre
1618 beginnend wurde Gross mit der Jahresbesoldung von 156 Gul-
den zum Stempelschneider bestellt. Er erhielt laut Erlass ddo.
10. Februar 1618 als Heirathsgeschenk den Betrag von 20 Gulden.
Dem David Zügl wurde ddo. 20. Juli 1618 eine Abfertigung von
25 Gulden angewiesen. Mit dem Erlasse ddo. Innsbruck, 21. Novem-
ber 1617 wurde dem Münzmeister Christoph Örber als Anerken-
nung seiner besondern Dienstleistung, eine Gnadengabe von
1000 Thalern angewiesen und, nachdem der Thaler bereits ein Auf-
geld von 22 kr. hatte, mit dem Betrage von 1500 Gulden aus-
bezahlt.
Der Münzbetrieb war in den beiden Jahren 1617 und 1618
zurückgegangen. Es wurden 1617 387.251 Thaler mit einem Schaar-
Zugang" von 1613 Stücken, im Jahre 1618 als dem Todesjahre des
Erzherzogs Maximilian nur 228.411 Thaler mit einem Zugang von
889 Stücken geprägt. Mit Einrechnung der kleinen Geldsorten
betrug die Ausmünzung im Jahre 1617 441.290 Gulden 49 Kreuzer,
im Jahre 1618 261.750 Gulden 54 Kreuzer, i)
Erzherzog Maximilian III. Deutschordens Hochmeister, starb am
2. November 1618. Mit ihm verlor Tirol einen seiner tüchtigsten
Landesfürsten. Seine Friedensliebe, seine Weisheit und Mässigung,
seine rastlose Thätigkeit haben dem Lande Tirol, wie dem Hause
Habsburg überhaupt, grosse Vortheile gebracht. Wäre seine Wir]
samkeit nicht vorausgegangen, so würde Tirol vom dreissigjährig(
Kriege sicherlich vielmehr ins Mitleid gezogen worden sein.
Im Einverständniss mit den übrigen Mitgliedern des Regentei
hauses übertrug Kaiser Mathias das „Gubernement der ober-
vorderösterreichischenLänder" dem Erzherzog Leopold V. einei
entschlossenen, thatkräftigen und unternehmenden Fürsten, welcher
I) Archiv des k. k. H. M. A. Haller Eechnungeii und Acten.
!n»^
anter den Kaisern Maziznillaa II., Rudolph II. und Mathias.
347
die Verwaltung Tirols und der Vorlande imMär/ i»iiQ «um't w.MiJL'-e
Tage vor dem Tode des Kaisers ttbernahm.
Im Haller MUnzhause wurde die Mttnzpriigung durch das ganze
Jahr 161 H mit y,Piltnus, Tittl und Wappen" des Erzherzogs Maxi-
milian fortgesetzt. Es wurdem in diesem Jahre 461.851 Thaler mit
1876 Thaler als Schaar-Zuschuss ausgebracht, die Gesammtaus-
mtlnznng betrug 527.189 Gulden 19 Kreuzer. Nachdem Tiroler
Thaler mit der Jahrzahl 1619 nicht vorkommen^ so blieb man, im
Falle für den Betrieb des Jahres 1619 neue Walzen und Stempel
angefertigt werden mussten, bei der Jahrzahl 1618, woraus sich
das überaus häufige Vorkonmien dieser Thaler erklären dürfte.
Allein man scheint im Jahre 1619 überhaupt alle vorhandenen noch
brauchbaren Thalerwalzen des Erzherzogs Maximilan ausgenützt
zu haben. Bei älteren Walzen hat man einfach die Jahrzahl abge-
ändert, wie dieses an vielen Thalern bemerkbar ist. Thaler mit den
Jahrzahlen 1617 auch 1618 lassen den StempeUchnitt des Peter
Hartenpeck erkennen. Die zugehörigen Walzen kamen mit geän-
derter Jahrzahl ein zweitesmal zur Verwendung.
Aus der Regierungszeit des Erzherzogs Maximilian III. liegen,
auf das Münzhaus zu Ensisheim bezugnehmende Rechnungen oder
Acten nicht vor. Der Münzbetrieb stand dort im Vergleiche mit
jenem im Münzhause zu Hall sehr erheblich zurück, so, dass Elsasser
Thaler des Erzherzogs Maximilian weniger häufig vorkommt^" •''"-
zelner Varianten sogar nur selten angetroffen werden. < )
i) Aus dem Enßi8l)«iMt..i •^^ii^/ll•nlsi' kcnnmf ..ii. 'DimI.^i- Maximilians III.
mit der Jahrzahl 1619 voi
-■■^i^: -^■^T'A^'^T?^
348
Johann Newald: Das österreichische Miinzwesen
Kaiser Mathias.
XVIll.
Die Münzstätte zu Wien.
Es kanD nicht meine Aufgabe sein, jene Schwierigkeiten, Unter-
nehmungen und Verhandlungen zu schildern, welche schliesslich
Kaiser Rudolph IL zwangen, mit dem sogenannten Czäslauer Ver-
trage vom 25. Juni 1608 zunächst die beiden Erzherzogthltmer
Oesterreich unter und ob der Enns, auch Ungarn und
Mähren an seinen Bruder Erzherzog Mathias abzutreten. Neue
Verwicklungen und steigende Gefahren für das Habsburger Re-
gentenhaus, daraus hervorgehend eine Summe von Unterhandlungen
und Vermittlungen, welche von allen Seiten auf den hilflosen Kaiser
einstürmen, zwingen denselben als Ergebniss von Abmachungen,
welche die Zeit vom 11. April bis 15. Juni 1611 in Anspruch neh-
men, auch der böhmischen Krone zu Gunsten des Erzherzogs
Mathias, bereits König von Ungarn, zu entsagen. Als König von
Ungarn wurde Letzterer zu Pressburg schon am 19. November
1608 gekrönt, die Krönung zum König von Böhmen fand am 23. Mai
1611 statt.
Mit dem Uebergang der beiden Erzherzogthümer Oesterreich
unter und ob der Enns schloss auch die Münzprägung mit dem
Brustbilde und Titel des Kaisers Rudolph IL im Wiener Münzhause
ab. Die erforderlichen Weisungen ergingen an die Wiener Münz-
beamten alsbald nach der Krönung des Erzherzogs Mathias zum
König von Ungar n, offenbar in der Absicht, die Münzen des
neuen Landesherrn sofort mit dem Titel eines Königs von Ungarn
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph IT. und Mathias.
349
ausgehen zu lassen. Dem Wiener Münzhau.-^ >i<iiiu / u Zcn üc^
Regierungs-Ueberganges A n d r ä H ä n d 1 als MUnzmeister vor, dessen
Zeichen während der Regierung Rudolphs IL ein Hahn unter dem
Brustbilde des Kaisers war. (S. 258.) Nachdem derselbe bisher nur
als M Unzamts Verwalter bedienstet war, wurde er mit der Reso-
lution des Königs Mathias ddo. Wien, 16. September 1609, definitiv
als MUnzmeister bestellt. M Mit dem Erlasse ddo. Wien, 6. Fe-
bruar 1610, erfolgte an das Mttnzamt der Auftrag, dem Stein- und
Wappenschneider Caspar Haidler zur Anfertigung .,ains gross
Khünigl. Sigill," 4 Mark Silber auszufolgen. ^) Haidler wurde nun-
mehr zum Stempelschneider für das Wiener Mllnzhaus ernannt.
Nach der Wahl des Königs Mathias zum römischen Kaiser verfer-
tigte er auch ein grosses den Doppeladler zeigendes Siegel, wofür
ihm über Auftrag ddo. Wien, 26. März 1614 der Betrag von
95 Gulden ausgezahlt wurde, s)
Im Anfange des Jahres 1610 hatte der Kölner MUnzmeister
Johann Vogt einen Antrag zur „Reformirung" der Wiener Münze
eingebracht. Mit dem Erlasse ddo. Wien, 2. April 1610, ordnete die
Hofkamnier für den 16. April eine commissionelle Verhandlung an^
welcher der niederösterreichische Kammerrath Mathias von
Blom stein zugewiesen wurde. Die weitwendigen, die Wiener
Verhältnisse wenig richtig beurtheilenden Vorschläge des Vogt
können hier um so leichter übergangen werden, da dieselben schon
mit dem Hofkaiiinit'.t'rlass ddo. WicMi, 4. Mai 1610. iiänzlich absre-
lehnt wurden. *
Der Münzmeister Audrä Händl scheint eine wenig verträgliche
Persönlichkeit gewesen zu sein. Ueber eine von ihm eingebrachte
Beschwerde gegen den Wardein Mathias Huebmer und den Schmied-
meister, erhielten dieselben eine Rüge und wurde ihnen das Ablegen
„der seithero fü lugen Veränderung der Länder nothwendigen
neuen AydtK|»f' ,,.<.!,•..,,•..,> -.^
• i und ', K. k. 11. K. A. i ujjc. ITolU. I>a8 von Haidler anjiretVitij^te Siegel,
• sscn AlKlriU'k ^•icli auf zahlrrirlini nrlüssm dts K<'.iii:rs M;it!ii;is verfiiKiet.
>f von herv<»rragender Schöuli«
' Daselh.st Faso. 17320. Aiku wn-^r^ .^n-^n i^ mmhhi .-»riMMiiiru.
' Da»elh>t Fa-^c. 17319.
ÜÄBülbal Fa»c. 175uH.
'tf .??j5snr.r>* '^^ps^'^-i
350
Johaun Xewald : Das österreichische Münzwesen
Im Jahre 1611 fand im Wiener Mtinzbause eine ziemlich starke
Thalerprägung statte wobei der Verstoss unterlief, dass 700 Thaler
mit einem neuen Prägestock, auf dem sich ein unrichtiger Buchstabe
befand, geprägt wurden. Mit Erlass ddo. Wien, 3. Novemlu^r li^ll.
wurde die Rücklösung derselben angeordnet, i)
Obwohl König Mathias schon am 24. Juni 1612 als römischer
Kaiser gekrönt wurde, ordnete die Hofkammer erst mit dem Erlasse
ddo. Wien, 26. October 1612, an, dass der Kaisertitel in die Münz-
umschriften aufzunehmen ist, womit auch an der Rückseite der Mün-
zen das Anbringen des Doppeladlers an Stelle des grossen, ge-
krönten, mit der Vliesskette umgebenen Wappens verbunden war. a)
Unterm 5. October 1611 erfolgte an die hinterlassene Hof-
kammer ein Erlass, in welchem hervorgehoben wird, dass der
Münzmeister Andrä Händl die Oold- und Silbereinlösung nachlässig
betreibe, die Parteien unregelmässig bezahle, mit denselben barsch
umgehe, auch mit dem Wardein und Münzschraied in stetem Zank
liege. Nachdem sich daraus viele Nachtheile und Uebelstände er-
geben, wird die Suspendirung des Münzmeisters und die Ueber-
tragung des Dienstes an Mathias Fei hier in Erwägung zu ziehen
sein. Diese Anregung führte mit dem Erlasse ddo. Wien, 13. März
1612, zur Bestellung des Mathias Fellner von Feldegg als
Münzmeister in Wien mit der Jahresbesoldung von 400 Gulden. Dem
enthobenen Münzmeister Händl wurde erst über Hofkammervortrag
vom 12. December 1617, nachdem er ,,die 25 Jahrlang würklich
gedient," eine Provision von jährlich 300 Gulden unter der Bedin-
gung gew^ährt, dass er sich, „falls es von ihme verlangt wurd, bei
dem jetzt bestellten Münzwesen vleissig gebrauchen lasse." s)
Aus einem Bericht vom 19. März 1613, welchen der Münz-
meister Fellner über eine Eingabe des Stempelschneiders Caspar
Haid 1er wegen Lohnerhöhung einbrachte, lernen wir die damals
bezüglich dieser Arbeitsleistung bestandenen Preise, zugleich auch
jene Münzen kennen, welche im Wiener Münzhause geprägt wurden.
1) K. k. H. K. A. Fase. 17508. Münzensammler werden auf den beanstän-
deten Thaler aufmerksam gemacht. Leider wird in dem Actenstück nicht ge-
sagt, welcher Buchstabe fehlerhaft war.
2j Daselbst Fase. 17320.
3) Daselbst Fase. 17320. .
I^lf^r?:: •^*^«^/'
unter d«*n K*i»ern Maximill»n II., Rudolph II, und Mathias.
351
Mit dem Beisatze ..mm' >s^iiig«.i könne er »u ■ iemrn ZLuvii we^eu
nicht arbeiten" stellte Haidler folgende Anträge: FUr einen ganzen
und halben Thalerstock, Ducaten und Goldguldenstoek je 9 Gulden.
FUr die dazu gehörigen Obereisen 4 Gulden.
Für einen Ortsthalerstock 6 Gulden, Obereisen 3 Gulden.
Für einen Groschenstock 25 Kreuzer, Obereisen 15 Kreuzer.
Für einen Zweierstock 12 Kreuzer und l\ir einen Pfennigstock
8 Kreuzer. *)
Es dürfte nunmehr am Orte sein, jene Münzen einer Erörterung
zu unterziehen, welche im Wiener Münzhause seit der Uebernahme
der Regierung durch den Erzherzog Mathias bis zum Eintritt des
Münzmeisters Fellner geprägt worden sind. Wir wissen, dass der
Mttnzmeister Andrä Händl die unter seiner Amtsverwaltung aus-
gegangenen Thaler etc. mit dem Hahn unter dem Brustbilde be-
zeichnete. Sie kommen von den Jahren 1609 bis inclusive 1612 vor.
Der Umstand, dass das Brustbild die ungarische Krone trägt, das
Wappen an der Rückseite mit der ungarischen Krone bedeckt ist,
scheint Anlass gegeben zu haben, diese Münzen als nach Ungarn
gehörig zu bezeichnen, wie sie auch Sehultess-Rechberg in den
Nummern 2435 und 2437 unter die ungarischen Thaler einreihete.
Während der Regierung des Königs Mathias II. standen in Ungarn
keine andern königlichen Münzstätten, als jene zu Kremnitz und
Nagy-Banya im Betriebe. Die aus denselben ausgegangeneu Mün-
zen sind in altherkömmlicher Weise mit den Buchstaben K — B
und N — B bezeichnet. Die während der ersten Jahre der Regierung
des Kaisers Mathias ;:eprägten K r e m n i t z e r Thaler (Nagy-Banyaer
Thal er von Mathias sind bisher nicht bekannt) haben das zweite
con staute Zeichen der ungarischen Münzen, das Muttergottes-
bild, über dem Brustbilde. Beide diese Kriterien fehlen auf den
mit dem Hahn bezeichneten Thalern, auch lässt sich die von
Sehultess-Rechberg in der Anmerkung zu Nr. 2435 ausgesprochene
Ansicht, dasg der Hahn nur ein Zeichen des Stempelschneiders
ist, nicht als zutretVend anerkennen, da der Hahn das Zeirlieii i\o^
Wiener Mün/unisters Andrä Händl war.
0 K. k. IL K. A., Fjwc. 17508.
?^*7i>i^.'*^-T'=-i(*w'
352
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
Von besonderem Interesse ist ein hieher gehöriger Thaler vom
Jahr 1609, welcher unter dem Brnstbilde mit den sehr kleinen Buch-
staben C — M markirt ist, woraus wir den Stempelschneider kennen
lernen. Es war dies Christoph Maler, der sich, wie weiter unten
nachgewiesen werden wird, damals in Wien befand und im Münz-
hause beschäftigt war. Auf diesem Thaler fehlt allerdings der Hahn,
allein auf einem mit demselben vollständig übereinstimmenden
Thaler vom Jahre 1610, dessen Stempel unverkennbar von derselben
Hand angefertigt wurde, findet sich dieses Zeichen wieder vor. Auf
einem hieher gehörigen in der Sammlung Spöttl befindlichen Thaler
von 1609 fehlen sowohl die beiden Buchstaben C — M als auch der
Hahn, allein man kann genau erkennen, dass auf dem Stempeleisen
das letztere Zeichen ursprünglich vorhanden war, und dasselbe nur
durch das tiefere Einschneiden der Mantelfalten entfernt wurde.
Ausser den bisher erwähnten Thalern haben wir ferners zwei
andere Denkmünzen, welche Schultess-Rechberg unter die ungari-
schen Thal er eingereihet hat, für die Wiener Münzstätte zu re-
clamiren. Es sind dies die Nummern 2432 und 2438. beide Hessen
die 18 niederösterreichischen landesfUrstlichen Städte und Märkte
prägen, und zwar die erstere zur Krönung des Erzherzogs Mathias
als König von Ungarn, beziehungsweise auf seinen Regierungs-
antritt, die zweite auf seine Vermählung mit der Erzherzogin
Anna, Tochter Erzherzog Ferdinands von Tirol, im Jahre 1611. ij
Wie aus den auf beiden Denkmünzen vorkommenden Buch-
staben C — H zu entnehmen ist, wurden die Stempel von dem Eisen-
schneider der Wiener Münze Caspar Haidler angefertiget, die Prä-
gung fand auf Kosten der mehr genannten landesfürstlichen Städte
und Märkte im Wiener Münzhause statt. Von der Vermählungs-
münze befinden sich die Originalstempel heute noch im Archive
der Stadt Krems.
1) Die 18 niederösterreichischen Städte und Märkte hielten während der
Bewegungen, welche der Ueberaahme von Oesterreich unter der Enns durch
den Erzherzog Mathias vorausgingen, zu demselben, der ihnen auch im Jahre
1613 die Hälfte des auf sie entfallenden Steuerbeitrages nachliess; eine Be-
günstigung, welche periodenweise erneuert, erst im Jahre 1682 erlosch. Vergl.
Newald, Beiträge ziu* Geschichte der Belagerung von Wien durch die Tür-
ken im Jahre 1683, I. Abtheilung, S. 4.
W^S Wv '*^^;»' ■
anter den Kaisern Maximilian II., Rudolph IL und Mathias.
353
Es kommen nun noch die Kaiserkrönungs-Denkmllnzen und
ihre Varianten, welche SchuUess-Reehberg in den beiden Nummern
216 und 217 besehreibt, zu erwähnen. Im Jahre 1630 kam in der
Wiener Münze durch den Austritt des Andrä Petter der Stempel-
schneiderdienst in Erledigung. Mit der Eingabe ddo. Wien, 13. No-
vember 1630, bewarb sich der Eisenschueider Christian Maler
um diesen Platz. Er sagt, dass er schon seit 20 Jahren bei der hie-
sigen Münze thätig war. die anno 1612 bei Krönung des Kaisers
Mathias zu Frankfurt verwendeten Gnaden-, Schau- und Auswurf-
Pfennige geschnitten, wie auch bei der Reichsvei-sammlung im Jahre
1613, den Kaiser, die Kaiserin, auch vieler anderer Fürsten und
Herrn Contrafect undBiltnuss in Stahl geschnitten, „undt von künst-
lichen Trnckhwerkh zugerichtet vndt gepregt, dardurch ich dann
aine hoche kays.Freyheit erhalten vndt bekommen." Es dürfte wohl
kaum einem Zweifel zu unterziehen sein, dass die bei Schultess-
Rechberg beschriebenen Krönungsmünzen unter jene zuzählen sind,
welche Christian Maler angefertigt hatte, i)
Im Verlaufe meiner Ausführungen musste ich wiederholt auf
die Nachtheile aufmerksam machen, welche sich für den Wohlstand,
ftir Handel und Verkehr der österreichischen Länder aus den ein-
gedrungenen geringhaltigen Münzen ergaben, und wurden jene An-
strengungen geschildert, welche die Regierung machte, um die
Länder gegen drohende Calamitäten zu sichern. Es muss daher um
somehr befremden, von derRegierung, ohne dass hiezu im mindesten
eine zwingende Ursache vorlag, Massregeln durchführen zu sehen,
welche voraussichtlich die bestellenden Sch^vierigkeiten in den
Münzzuständen der Länder nur noch steigern werden. Es war dies
die Verleihung von Münzbefugnissen an einzelne durch Reich-
thum und Stellung hervorragende Insassen der Erbländer. Auch in
dieser Beziehung ging man von den weisen Grundsätzen Ferdinands I.
ab, welcher, getragen von dem Gedanken, dass in den Erbländern
nur ein einziges Münzrecht, und zwar jenes des Landesfürsten
1) ChristiHO Malter war eiu 8ohu des bürUhmten NUruber^t^r Modaüleura
Valentin Maler, der ueuereu Forschungen nach ans IgUm iu Mähren stammte.
354
Johann Newald : Das österreichische Münzw esen
bestehen könne, jeder Zersplitterung des Münzwesens durch den
Bestand von Münzbefugnissen einzelner Landesangehörigen, beharr-
lich entgegentrat. Wir wissen, in welch energischer Weise er das^
von den Grafen Schlick zu Joachimsthal ausgeübte Münzrecht ab-
stellte i) und gegen die Uebergriife des Johann von Pemstein in der
Münze zu Glatz, einschritt. 2)
Es konnte der Regierung nicht entgehen, dass alle jene Besitzer
von Privat-Mtinzbefugnissen, welche nicht selbst Bergbau auf Edel-
metalle betrieben, für die landesfürstlichen Münzhäuser in höchst
nachtheiliger Weise als Concurrenten bei der Beschaffung des Münz-
metalles eintreten werden. Da von den Privatmünzherren das Münz-
befugniss voraussichtlich nur als eine Einnahmsquelle benutzt und
demgemäss eingerichtet werden wird, war auch vorauszusehen,
dass das Einschmelzen der guten groben Müuzsorten, woraus sich
tiefgreifende Ursachen für die beim Münz wesen obwaltenden Schwie-
rigkeiten ergaben, wesentlich gesteigert werden wird; auch war es
beim Eintreten von Unzukömmlichkeiten in den Privat-Münzhäusern
für die das Münzwesen überwachenden landesfürstlichen Beamten
überaus schwer, mit ihren Beschwerden und Abstellungsanträgen
gegenüber den mächtigen und einflussreichen Münzherren durch-
zudringen.
Die Reihe der bedauerlichen Verleihungen von Privat-Münz-
befugnissen wurde eröffnet durch das an Karl Herrn und Regierer
des Hauses Liechtenstein mit deniRudolphinischenPfalzgrafcn-
diplom ddo. Prag, 7. Juli 1607 zugestandene Recht: ,,allerley Gul-
den vnd Silberne Münzsortten, klain vnnd gross, in allermassen
solches vnnser vnnd des Heyligen Reichs MünzEdict vnnd Ordnung
zuelasset, mit Umbschrifften, Bildnussen, Wappen vnnd Gepreg auf
bayden seitten, Münzen vnnd schlagen lassen." 3)
Durch die ganze Dauer des Türkenkrieges stand Karl Herr zu
Liechtenstein mit der Regierung bezüglich Beischaffung von Geld-
mitteln in einem sehr lebhaften Verkehr, er verstand es, die bestan-
denen Finanzcalamitäten durch, zuerst pfandweise, später käufliche
<) Münzwesen unter Ferdinand I. Ö. 24 u. f.
2) Daselbst S. 43. Die Pernstein'sche Münzstätte zu Glatz wurde schon
nach wenigen Jahren aufgehoben,
3) Numismatische Zeitschrift 14. Bd. 1882. S. 113.
unter den Kaisern Maximilian Tl., Rudolph II. und Mathias.
355
Uebernahme landesfürstlicher Herrschaften u.s.w. für sein Interesse
nutzbringend zu machen. Der Verleihung des Pfalzgrafendiplomes
schloss sich schon durch König Mathias ddo. 20. September 1608
der Fürstenbrief an.
Nach der Erwerbung des Fürstenthumes Troppau als ein
landesfürstliches Lehen, im Anfange des Jahres 1614, richtete Fürst
Karl zu Liechtenstein noch in demselben Jahre zu Troppau eine Münz-
stätte ein, deren Betrieb er bestandweise an dieUnternehmerlsaias
Jessensky und Stenzel Aichhäuser überliess, und denselben
als Münzmeister den BurkhartHase beiordnete, i) Das Consor-
tium eröffnete den Mttnzbetrieb noch im Jahre 1614 und kamen
namentlich zahlreiche Groschen in Umlauf, welche alsbald als gering-
hältig beurtheilt wurden.
In einer undatirten an den Fürsten Karl zu Liechtenstein ge-
richteten Eingabe zeigen Isaias Jessensky und Consorten, denen
der Fürst sein „habendes Regal des Münzschiagens für ein Jahr
gnädig anvertraut,'' an, dass ihre „Münz hin vndt wieder diser Ortten
verworffen undt getadelt werden," sie jedoch beweisen wollen, dass
diese Mtinzen „nit denen geringem, sondern denen bessern Münzen,
so dieser Zeitt im heiligen Römischen Reich geschlagen werden, an
Schrott undt Korn gleich, ia etliche nicht wenige übertreffen," und
bitten den Fürsten, er möge durch Sachverständige diese Münzen
probiren lassen. Eine auf dieselbe Angelegenheit bezügliche, eben-
falls undatirte Eingabe legte auch der Münzmeister Hase vor.
Unter Anschluss dieser beiden Berichte brachte Fürst Liechten-
stein an die Hofkammer ddo. 6. Februar 1615 eine Eingabe ein, in
welcher er betont, dass er schon von Kaiser Rudolph mit dem
„Münz-Regal privilegirt", er dasselbe nunmehr insWerk gesetzt und
sein Mtinzwerk solchen Leuten anvertraut, „welche ansehentlich
gesessen und beguettet, auch anderwerts in Er. Mt. Königreich und
Landen, dergleichen Münzwesen mit Ruhm und ohne Tadel geführt
und noch ftihren". Da aber seiner Münzen wegen „allerlei Reden
1) Isaias Jessensky von Jessen, zu Breslau geboren, war ein Bruder des
Johann Jessensky, Leibarztes desKaisers Rudolph II. und Professors an der Pra-
ger Universität, welcher sich in hervorragender Weise an dem böhmischen
Aulstande betheiligte und als Hochverräther am 21. Juni 1621 hingerichtet
wurde.
23*
''i'S^
354
Jobann Newald : Das österreichische Münzwesen
bestehen könne, jeder Zersplitterung des Münzwesens durch den
Bestand von Münzbefugnissen einzelner Laudesangehörigen, beharr-
lich entgegentrat. Wir wissen, in welch energischer Weise er das^
von den Grafen Schlick zu Joachimsthal ausgeübte Münzrecht ab-
stellte i) und gegen die Uebergriffe des Johann von Pemstein in der
Münze zu Glatz, einschritt. 2)
Es konnte derRegierung nicht entgehen, dass alle jene Besitzer
von Privat-Mtinzbefugnissen, welche nicht selbst Bergbau auf Edel-
metalle betrieben, für die landesfürstlichen Münzhäuser in höchst
nachtheiliger Weise als Concurrenten bei der Beschaffung des Münz-
metalles eintreten werden. Da von den Privatmünzherren das Münz-
befugniss voraussichtlich nur als eine Einnahmsquelle benützt und
demgemäss eingerichtet werden wird, war auch vorauszusehen,
dass das Einschmelzen der guten groben Münzsorten, woraus sich
tiefgreifende Ursachen für die beim Münzwesen obwaltenden Schwie-
rigkeiten ergaben, wesentlich gesteigert werden wird; auch war es
beim Eintreten von Unzukömmlichkeiten in den Priv«nt-Münzhäusern
für die das Münzwesen überwachenden landesfürstlichen Beamten
überaus schwer, mit ihren Beschwerden und Abstellungsanträgen
gegenüber den mächtigen und einflussreichen Münzherren durch-
zudringen.
Die Reihe der bedauerlichen Verleihungen von Privat-Münz-
befugnissen wurde eröffnet durch das an Karl Herrn und Regierer
des Hauses Liechtenstein mit dem Rudolphinisohen Pfalzgrafen-
diplom ddo. Prag, 7. Juli 1607 zugestandene Recht: ,,allerley Gul-
den vnd Silberne Münzsortten, klain vnnd gross, in allermassen
solches vnnser vnnd des Heyligen Reichs MünzEdict vnnd Ordnung
zuelasset, mit Umbschrifften, Bildnussen, Wappen vnnd Gepreg auf
bayden seitten, Münzen vnnd schlagen lassen." 3)
Durch die ganze Dauer des Türkenkrieges stand Karl Herr zu
Liechtenstein mit der Regierung bezüglich Beischaffung von Geld-
mitteln in einem sehr lebhaften Verkehr, er verstand es, die bestan-
denen Finanzcalamitäten durch, zuerst pfandweise, später käufliche
^) Münzwesen unter Ferdinand I. S. 24 u, f.
2) Daselbst S. 43. Die Pernstein'sche Münzstätte zu Glatz wurde schon
nach wenigen Jahren aufgehoben,
3) Numismatische Zeitschrift 14. Bd. 1882. S. 113.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. umi Mathias. öOO
Uebernahme landesfürstlicher Herrschaften u.s.w. für sein Interesse
nutzbringend zu machen. Der Verleihung des Pfalzgrafendiplomes
schloss sich schon durch König Mathias ddo. 20. September 1608
der Fürstenbrief an.
Nach der Erwerbung des Fürstenthumes Troppau als ein
landesfürstliches Lehen, im Anfange des Jahres 1614, richtete Fürst
Karl zu Liechtenstein noch in demselben Jahre zu Troppau eine Münz-
stätte ein, deren Betrieb er bestandweise an dieUnternehmerlsaias
Jessensky und Stenzel Aichhäuser überliess, und denselben
als Münzmeister den BurkhartHase beiordnete. ^) Das Consor-
tium eröffnete den Münzbetrieb noch im Jahre 1614 und kamen
namentlich zahlreiche Groschen in Umlauf, welche alsbald als gering-
hältig beurtheilt wurden.
In einer undatirten an den Fürsten Karl zu Liechtenstein ge-
richteten Eingabe zeigen Isaias Jessensky und Consorten, denen
der Fürst sein „habendes Regal des Münzschiagens für ein Jahr
gnädig anvertraut,^ an, dass ihre^Münz hin vndt wieder diser Ortten
verworffen undt getadelt werden," sie jedoch beweisen wollen, dass
diese Münzen „nit denen geringern, sondern denen bessern Münzen,
so dieser Zeitt im heiligen Römischen Reich geschlagen werden, an
Schrott undt Korn gleich, ia etliche nicht wenige übertreffen," und
bitten den Fürsten, er möge durch Sachverständige diese Münzen
probiren lassen. Eine auf dieselbe Angelegenheit bezügliche, eben-
falls undatirte Eingabe legte auch der Münzmeister Hase vor.
Unter Anschluss dieser beiden Berichte brachte Fürst Liechten-
stein an die Hofkammer ddo. 6. Februar 1615 eine Eingabe ein, in
welcher er betont, dass er schon von Kaiser Rudolph mit dem
„Mttnz-Regal privilegirt", er dasselbe nunmehr insWerk gesetzt und
sein MUnzwerk solchen Leuten anvertraut, „welche ansehentlich
gesessen und beguettet, auch anderwerts in Er. Mt. Königreich und
Landen, dergleichen Münzwesen mit Ruhm und ohne Tadel geführt
und noch führen". Da aber seiner Münzen wegen „allerlei Reden
1) Isaias Jessensky von Jessen, zu Breslau geboren, war ein Bruder des
Johann Jessensky, Leibarztes des Kaisers Rudolph II, und Professors an der Pra-
ger Universität, welcher sich in hervorragender Weise an dem böhmischen
Aufstande betheiligte und als Hochverräther am 21. Juni 1621 hingerichtet
wurde.
23*
358
Johann Xewald: Das österreichische Münzwesen
— ein wahrer Grandsenieur — einer der mächtigsten Günstlinge
Rudolphs IL, bis er im Jahre 1600 in Ungnade fiel. Schon am
1. Februar 1598 wurde Trautson in den Grafenstand erhoben; Kaiser
Mathias verlieh ihm im Jahre 1615 ein Münzbefugniss. Ueber das
Ansuchen, es möge gestattet werden, im Wiener MUnzhause ganze,
halbe und y^ Thaler, auch Groschen und Halbbatzen mit des Grafen
„Prägeisen" zu schlagen, sprach sich die Hofkammer in ihrer Ein-
gabe an den Kaiser ddo. Wien, 14. März 1615 auf das eindring-
lichste gegen diese Neuerung aus. *) Trautson richtete nunmehr auf
seinem südlich von Nikolsburg gelegenen Schlosse Falkenstein
eine neue Münzstätte ein, welche er gegen ein Bestandgeld von
jährlich 300 Gulden an die beiden befreiten Hoijuden Veit Prod und
Abraham Riss verpachtete und schliesslich keinen Austand nahm,
die für die Zulieferung von Pagament erforderlichen Passbriefe
selbst auszustellen.
Mit der Weisung vom 23. November 1618 beauftragte die Hof-
kammer das Wiener Münzamt zur Berichterstattung über die aus
dem Falkensteiner Münzbetrieb hervoriichenden Nachtheile. Der
Bericht der Münzbeamten ddo. Wien, 1. December 1618 schilderte
in eingehender Weise die eingerissenen Uebelstände. Als im Jahre
1619 die über das Viertel ünternianhartsberg verbreiteten aufstän-
dischen Bewegungen für die Falkensteiner Münze Gefahren ])rach-
ten, wendete sich Trautson um die Genehmigung zur Ausmünzung
einer Parthie Pagament in Wien an den Kaiser. Offenbar, ohne die
Hofkammer einvernommen zu haben, ertheilte Ferdinand IL die
Zustimmung. In einem undatirten Schreiben des Hofkammer-Rathes
Muschinger an den Hofk.Jmmer-Präsidenten, aus dem hervor-
geht, dass mit Trautson wegen gänzlicher Einstellung seiner Münze
verhandelt wurde, findet sich ein Zettel eingeheftet mit der Bemer-
kung: „Die Rom. Kais. Mt. Vnser allergnäd. Herr bewilligen dem
Herrn Graff Trautsohn allergnäd. dass Er Herr Graff diesmal inver-
melt Goltt vnd Silber zu Ducatten vnd Thalern seinem gehört aner-
piten nach alhie vcrmünzen lassen mege. 24. October 1619. 12 oder
1400 Ducaten vnd bey 6000 Thaler in gantzer Münz zu vermünzen."
Unterm 7. Jänner 1620 wurde dem Münzamt bekannt gegeben, es
1) K. k. H. K. A., Fase. 17320.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. and Mathias.
359
sei dem Grafen Trauison gestattet, das von Falkenstein nach Wien
gefluchtete Pagament hier zu vermünzen mit der Weisung, es sei
auf die Juden, welche die Trautson'sche MUnzfreiheit gepachtet
haben und im Wirthshaus zum „Rotheu Rosen-Cranz" betreiben,
,,guete Obacht zu haben". ^) Diese Weisung wurde unterm 15. Fe-
bruar 1620 wiederholt mit dem Beisatze, es sei nothwendig zu
erforschen, ob die nach Wien geflüchteten Platten und Zaine schon
vermünzt sind, auch sei auf das Treiben der Juden die grösste
Obsorge zu halten.
In dem Berichte des Münzmeisters Fellner wird hervorgehoben,
dass die Juden nicht nur den ersten Termin vollendet, auch noch
einen weiteren erhalten und dass sie um viele Tausend Gulden, zum
grossen Naehtheile des kaiserlichen Münzamtes, Silber und Paga-
ment angekauft haben, ,,dass die ganze Jüdische Gemain auf ihrer
seitten stehe, vvelche ihnen alle Silber vnd Goldkhauff", Wexel vnndt
Handel zu ihrem überauss grossen Nuzen zuetragen vnd zu wege
bringen vnd vberall ausforschen". Fellner betont ferner, dass der-
malen gar kein Silber mehr in das kaiserliche Münzhaus gebracht
wird, da die Juden, welche für die Münze an den Grafen Trautson
,.ain khlaines Bestandt-Geldt geben", viel höhere Preise zahlen
können. Der Schade werde von Tag zu Tag grösser. Die nieder-
österreichische Kammer leitete diese Eingabe an die Hofkammer
mit der eindringlichsten Mahnung um Abhilfe.
Die Beschwerden, welche gegen den Münzbetrieb seiner
Pächter erhoben wurden, konnten dem Grafen Trautson nicht unbe-
kannt geblieben sein. Er legte dem Kaiser Ferdinand IL ddo.
2. Mai 1620 eine Eingabe vor, in welcher er zunächst bemerkte,
dass er der Landesunruhen wegen sein Münzweseu, mit welchem
Privilegium ihn der jüngst verstorbene Kaiser begnadet, zu Falken-
stein nicht mehr ausüben konnte, daher dasselbe nach Wien über-
tragen habe, dasselbe „aber Euer Kais. Mt. Münzambt etwa ent-
gegen vnnd ainen Eintrag causirn möchte". Er war nunmehr Willens,
das Münzwerk auf seine Herrschaft St. Polten zu übersetzen, was
1) Das Haus zuiu „rothen Rosenkranz" gehörte zu jener Häusergriippe,
au deren Stelle Prinz Eugen von Savoyen später seinen Palast in der
„Trabantenstrasse", nunmehr Hinnnelpfortgasse erl)aute.
'>v
360
Johann Xewald : Das österreichische Münz wesen
aber der grossen Unsicherheit wegen nicht thunlich sei. „Hab Ich
zur Closterneuburg mich umb ain Freyhaiiss beworben, akla Ich
ohne meniglichs Schaden, Eintrag und praeiudicio mein von
Falckhenstain geflüchtetes Mtinzwesen aufrichten und privilegirter
Massen gebrauchen khönte". Der Kaiser möge genehmigen, dass er,
Trautson, in seinem „aigenthumblichen Edimansitz daselbst in
Closterneuburg-^ sein Mttnzhaus einrichten und münzen lassen
könne.
Auf einen Bericht der Kammer-Buchhalterei ddo. 18. Mai
1620 und auf das Gutachten des Reichs-Hoffiscals Bartholomäus
Immendorfer gestützt, sprach sich die Hofkammer in ihrem Vor-
trage an den Kaiser vom 9. Juni 1620 in eindringlicher Weise gegen
die Gewährung des vom Grafen Trautson gestellten Ansuchens aus.
Ferdinand IL ordnete neue Verhandlungen an. Der zweite Vortrag
fand am 6. August 1620 statt; der Kaiser ertheilte die Weisung,
dass der Reichs-Hoffiscal nochmals mündlich zu vernehmen sei. Erst
auf den dritten Vortrag in der Audienz am 17. August 1620 erfolgte
von Seite Ferdinands IL das „Placet wie gerathen". Dieser Reso-
lution ist die Bemerkung beigefügt : „Herr Muschinger wirdt mitt
Herrn Graflfen Trautson dessentwegen reden und die resolution
demselben bekanntgeben." Den Schluss machen die Worte: ,,ist
beschehen". i)
Die leidige Trautson'sche MUnzangelegenheit fand erst mit dem
am 30. Juli 1621 erfolgten Ableben des Grafen ihren Abschluss.
Noch ein drittes Privat-Münzbefugniss, welches übrigens
rascher erledigt wurde, kommt zu erwähnen. Graf Georg Fried-
rich Hardegg war um die Genehmigung eingeschritten, im Wiener
Münzhause „auf den alten vnd jezigen Hardeggischen Münz-Präckh,
100 Gulden Silbern und güldene Münz schlagen zu lassen". Mit dem
Vortrage ddo. Wien, 5. November 1618, in welchem die Hofkam-
mern, der zu besorgenden Consequenzen wegen, auf die Abweisung
dieses Anliegens anträgt, wird diese Eingabe dem Kaiser Mathias
1) Sämmtliche Acten k. k. IL K. A., Fase. 17508. Auch Bergmann,
Medaillen, IL Band, Seite 227 u. f. äussert sich sehr abfällig über das Gebahren
des Grafen Paul Sixt Trautson mit seinem Münzbefugniss, er irrt jedoch
wenn er annimmt, dass der Graf sein Münzrecht lediglich auf ein mündliches.
Zugeständniss des Kaisers Mathias stützen konnte.
y?-'r'
unter den Kaitern Maximilian li., Kudolpn 11. und Mathias
361
vorgelegt, dessen Kesolution im Sinne dieses Antrages am 22. No-
vember 1618 erfolgte. 1)
Aus dem Dargestellten ist zn entnehmen, wie sehr die beiden
Kaiser Mathias und Ferdinand IL geneigt waren, die von ein-
zelnen einflussreichen Herren, zum Theile aus Eigennutz, zum
Theile aus Eitelkeit angestrebten Privat-Münzbefugnisse zuzugeste-
hen, obwohl sieh daraus alsbald Einbussen für die ohnehin hart
bedrängten finanziellen Verhältnisse der Erbländer und empfind-
liche Nachtheile für die landesfürstliche Kammer ergaben. Als sich
die Regierungs-Behörden, förmlich aufgeschreckt durch die aus dem
Bestände der Privat-Münzstätten hervorgegangenen Uebelstände, zu
Gegenmassregeln gedrängt sahen, machte es grosse Schwierigkeiten,
wie wir dieses in Bezug auf den Grafen Trautson gesehen haben,
mit ihren Bedenken und Vorstellungen durchzudringen. Welche An-
sichten über die Privat-Münzrechte bei den landesfürstlichen Aemtern
herrschten, tritt namentlich aus einer Aeusserung des Wiener Hand-
grafen Sigmund Ottensheimer ddo. 28. März 1615 hervor. Er
beantragte, dass „denen Haubtern in diesen Erbländern, so nicht
Perkhwerk haben, das Münzen eingestellt und inhibirt werde-%
weil sie viele gute kaiserliche Münzen brechen und einschmelzen.
Das Ablösen des MUnzwesens der österreichischen Länder von
jenem der ausserösterreichischen Reichslande führte im Laufe der
Jahre zu einer bedenklichen Verwirrung aller, mit den Münz Ver-
hältnissen in Verbindung stehenden, oder auf dieselben gestützten
Momente des wirthschaftlichen und Verkehrslebens. So lange sich
noch im Münzwesen der beiden grossen Ländergebiete eine Art
Zusammenhang erhalten liatte, war der Druck, welcher seitens der
>j K. k. H. K. A., Fase. 17508. Trotz dieser abweisenden Erledigung,
vielleicht schon vor derselben, hatte Graf Hardegg Ducaten und Thaler, auch
kleine Münzen, allerdings nur in sehr beschränkter Anzahl prägen lassen. Ein
Thaler befindet sich in der Sainnilung- Seiner kaiserlichen Hoheit des Herrn
Erzherzogs Sigismunrl, einen lileiabstoss besitzt der k. k. Hofwai)j)emnaler
Herr Karl Kräh 1. Die Vorderseite zeigt das dreifach behelmte Wappen der
(irafen von Hardegg, Georg Frider. Com iu-Hardegg • Glotz • et • in • Machland.
Die Rückseite hat den nach links sprengenden Ritter 8t. Georg, mit der Lanze
den Drachen durchstossend, daneben IG — 13. Das k. k. Münzcabinet in Wien
bewahrt vom (traten Ge()rg Friedrich Hardegg mehrere kleine Münzen.
362
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
Österreichischen Regierung* auf die Müiizständc des Reiches aus-
geübt wurde, doch insoweit von einer günstigen Wirkung, dass eine
gänzliche Verwilderung der Münzzustände hintangehalten wurde.
Wir konnten wahrnehmen, wie seit dem Jahre 1573 sowohl in den
Münzhäusern des Kaisers, als auch in jenen des Erzherzogs Fer-
dinand von Tirol ganz selbständige, von dem Reichsmünzwesen
abgelöste Systeme bezüglich Korn und Schrot der auszugebenden
grossen und kleinen Geldsorten zur Durchführung gelangten; die
ausserösterreichischen Münzstände des Reiches Hess man seitdem
ihre eigenen Bahnen verfolgen.
Auf den Verfall des Reichsmünzwesens musste auch der Um-
stand Einfluss nehmen, dass während der letzten zehn Lebensjahre
des Kaisers Rudolph IL ein Reichsoberhaupt nahezu gänzlich fehlte.
Der Kern des T'ebels lag offenbar in dem Uebermasse der
geringhaltigen kleinen Münzsorten, mit denen die Länder über-
schwemmt wurden. Wer nur irgend einen Einfluss besass oder sich
mächtig genug fühlte, errichtete eine Münzstätte, daneben entstan-
den zahlreiche geheime, sogenannte H e c k e n m ü n z e n. Der ganze
Münzbetrieb bestand in dem Einschmelzen der guten alten, nament-
lich der groben Münzen und der Ausgabe kleiner geringhaltiger
Geldsorten, auf denen das eigene Wappen oder ganz beliebige
Zeichen angebracht wurden, häutig auch das Gepräge der gutreno-
mirten Münzstätten nachgemacht erschien. Im Jahre 1613 Hess der
Kurfürst vonBrandenburg, Johann Siegmuud, zuDriessen
an der polnischen Grenze eine Münzstätte einrichten, in welcher
durch Münzmeister Heinrich Laffort, welcher dieselbe pacht-
weise übernommen hätte, ungarische Ducaten, Thaler und
Groschen nachgemacht wurden, i) Um das Münzgeschäft recht ein-
träglich zu macheu, suchte man sich schliesslich in der Verschlech-
terung der Münzen, namentlich des Kornes derselben zu überbieten
und langte auf der einmal betretenen schiefen Bahn alsbald bei
jener Katastrophe an, welche in der Münzgeschichte Deutschlands
und Oesterreichs unter der Bezeichnung der „Kipperzeit" eine
höchst traurige Erinnerung zurückgelassen hat.
i
ij Hirsch 1. c. IV. Bd., Seite 25. Driesseu, 8tadt au dei Netze, zunäclist
der von Posen nach Stettin führenden Eisenbahn gelegen.
unter den Kaisern .Maximilian II., Kudolpii II. und Marliiaa.
363
Schon auf dem Reichstage zu Reg-ensburg 1603 hatten alle zehn
Reichskreise beschlossen^ jene Massregeln zur Durchführung zu
bringen, welche die im Münzwesen verloren gegangene Ordnung
wieder anbahnen sollten. Man betonte damals schon, dass nicht
wenige Münzstände Anlass zur Entziehung ihrer Münzfreiheit gege-
ben hatten und nicht wenige Münzmeister, Münzverleger und Münz-
gesellen als Verächter oder Verbrecher der Reichsgesetze den
Feuertod verdient hätten. Es wird uns nicht überraschen, dass, wie
zahlreiche frühere auf die Verbesserung des Müuzwesens hinzielende
Beschlüsse, auch dieser neue Beschluss unausgeführt blieb. In dem
Münzprobations- Abschied ddo. Regensburg, 14. Mai 1611 sprechen
es die Abgeordneten der drei correspondirenden Kreise Franken,
Schwaben und Bayern unumwunden aus, dass ,,über die 20 Jahr
die Reichswährung allerdings vergessen, vnd ein Jeder seines
Willens und Gefallens gemünzt", woran sie die Bitte anschliessen,
es wolle der Kaiser dem Reichskanzler Johann Schweikhard,
Kurfürst von Mainz anbefehlen, er möge, nachdem von allen zehn
Reichskreisen ihre dahinzielenden Anträge eingelangt sind, „erfah-
rene Münzverständige '*^, auf dass sich diese „zur Verhütung eines
grossem und ärgern Uebels, einer gewissen richtigen Münzordnung
vergleichen", einberufen.
Auf dem Reichstage zu Regensburg 1613, welchem Kaiser
Mathias persönlich anwohnte, brachten die Münzverordneten folgende
Hauptfragen zur Erwägung:
1. Ob es durchführbar, „alles widerumb vfF die alte Münz-
Ordnung von anno 1559 zurückzubringen"?
2. Im Falle dieses nicht mehr möglich, wie hoch die Mark Gold
und Silber bei allen im Reiche gangbaren groben und klcMiicn Miiii/-
sorten zu bringen wäre?
3. Ob es thunlich vom vorigen Korn und Schrot zu fallen V und
4. ,,Was für schleunige media Executionis fürzunehmen, damit
die küntftige Ordnung bey Crefften vnd Würden, besser als die alte
erhalten werde?- >) Wie so viele frühere, blieb auch diese Anregung
erfolglos.
«) Hirsch 1. c. IV. IJd., Seite 17.
■^^T^L^
364
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Da man das Uebermass der umlaufenden schlechten Geldsorten
als den „Brunnquell" aller Münzübel erkannte, lagen zwei Wege
vor, auf denen man diese Calamität bekämpfen konnte. Der eine
dieser Wege bestand darin, dass man die Ausprägung dieser Sorten
zu verhindern strebe, der zweite lag in der Valvation und dem Ver-
rüfe der schlechten Münzen. Die consequente Durchführung dieser
Mittel hätte die drohende Gefahr zu bewältigen vermocht. Die schon
im Jahre 1571 beschlossene Einrichtung von Kreismünzhäusern
(Seite 23) mit der Verpflichtung, dass alle jene Münzstände, welche
nicht selbst Bergwerke besassen, in denselben ihre Münzprägungen
vorzunehmen hatten, daher nur den bergwerkbesitzenden Münz-
ständen das Recht einer eigenen Münzstätte zukam, um in derselben
die aus dem eigenen Bergbau gewonnenen Edelmetalle vermünzen
zu lassen, wurde bisher nicht realisirt; wohl ein Zeichen, dass es
den ungezählten Münzständen im römischen Reiche weniger um die
Herstellung der Ordnung, als vielmehr um die Erhaltung der ihrem
Interesse so zusagenden Münzverwirrung zu thun war. Das zweite
Mittel, die Valvation oder der Verruf der schlechten Goldsorten blieb
für sich allein ohne Wirkung. Wie konnte damals der Landbevöl-
kerung Kenntniss von den valvirten oder verrufenen Münzen gege-
ben werden? Abgesehen davon, dass es für dieselbe ganz unmög-
lich war, bei den in ausserordentlicher Zahl verschiedenen Gepräges
umlaufenden kleinen Münzsorten ihren herabgesetzten Werth oder
ihren gänzlichen Verruf zu merken. Die Landbevölkerung blieb
schütz- und rettungslos der Ausbeutung durch Betrüger über-
lassen.
Noch im Jahre 1617 urgirte der zu Frankfurt an der Oder ver-
sammelte obersächsische Münz-Probations-Convent die Errichtung
der Kreismünzstätten und fügte den Antrag bei, .,dass das Münzen
der kleinen Sorten auf eine gewisse Zeit gänzlich eingestellet und
verbotten, oder nur in einem jeden Craiss auf eine gewisse Summe,
nach Gelegenheit der Umstände, zu münzen verstattet werden
möge". Schon im Jahre 1615 ddo. Nürnberg, 25. Februar stellte der
fränkische Kreis den Antrag, es möge der Kaiser gebeten werden,
dass, nachdem im oberrheinischen Kreise das grösste Münzunwesen
besteht, den dortigen kreisausschreibenden Fürsten aufgetragen
werden, „die inn Ihrem Craiss bishero missbrauchte Münzstätt zu
W^f--
unter den Kaisern Maximilian II.. Rudolph II. und Mathias.
365
vberfallen, deren Müuzmeister vnnd Gewerken sambt aller befun-
dener Massa aiiffzuheben und zur gebührlicher Straff zu ziehen".
Bei dem Umstände, dass durch das Uebermass an kleinen
geringhaltigen Geldsorten die guten alten Münzen im Werthe
gesteigert wurden und dadurch eine empfindliche Theuerimg aller
Feilschaften Platz griff, suchte man das nahezu wirkungs- und
erfolglose Mittel der Valvation und des Verrufes der schlechten
Gelder durch eine Einschränkung der Werthsteigerung der guten
groben Münzsorten zu vervollständigen.
Am Schlüsse des Jahres 1614 wurde constatirt, dass
der Ducaten auf 2 Gulden 24 Kreuzer
^ Goldgulden auf 1 ,, 47 „
,, Keichsthaler auf 1 „ 30 „ und
„ Guldenthaler auf 1 „ 18 „
gestiegen war. Ueber Antrag der drei correspondirenden Kreise
Franken, Bayern und Schwaben ddo. Nürnberg, 21. März 1615,
sollte der Werth
des Ducaten mit 2 Gulden 20 Kreuzer
,, Goldgulden mit 1 ,, 45 „
„ Heichsthalers mit 1 „ 28 „ und
„ Guldenthalers mit 1 „ 16 „
festgestellt werden. Die genannten drei Kreise mussten jedoch
schon im Münz-Probations-Abschiede vom 13. October 1615 an-
zeigen, dass
die Ducaten auf 2 Gulden 30 Kreuzer
„ Goldgulden auf 1 ,, 52 „
,, Reichsthaler auf 1 „ 30 „ und
„ Guldenthaler auf 1 „ 20 ,,
gestiegen sind. <)
Auch in Wien wurde mit Patent ddo. 8. April 1617 verlautbart,
dass im Sinne eines im September 1616 durch das Reich publicirten
Generals, der Ducaten zu 2 Gulden 30 Kreuzer und der Reichs-
thaler zu 1 Guldon 'M) Kreuzer im Werthe festgestellt werde.«)
«) Hirsch 1. c. IV. Bd., Seite 35, 46 und 61.
3) K. k. H. K. A., Fase. 17508.
WM
366
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Trotz allen diesen strengen Verfügungen stand im März 1620
der Ducaten auf 3 Gulden 12 Kreuzer
„ Goldgulden auf 2 .. 20
„ Reiclisthaler auf 2 ., 4 .. und
„ Guldenthaler auf 1 „ 50 „
Die alten guten Silbermünzen hatten somit bereits ein Agio von rund
80 o/o erreicht und doch war man erst am Eingange der unheilvollen
Kippergeld-Katastrophe angelangt.
Für die österreichischen Länder fällt dieselbe in die Regierungs-
zeit des Kaisers Ferdinand IL, welche ausser dem Rahmen der vor-
liegenden Darstellungen liegt. ^)
In das Wiener Münzhaus zurückkehrend, haben wir zunächst
von einem Berichte Act zu nehmen, welchen die niederösterreichische
Kammer ddo. Wien, 25. November 1615 an die Hofkammer ein-
brachte. Es hatte sich eine nicht genannte Person um die pacht-
weise Ueberlassung des Münzhauses, beziehungsweise MUnz-
betriebes gemeldet. Der Bericht gibt zu, dass die Wiener Münze
bisher allerdings nur massige Erträge gab, sie jedoch immer „zur
Erhalltung der Kais. Mt. Regalien vnnd Reputation gehandelt vnd
versehen worden "^ Nachdem die im Jahre 1550 ausgegangene
Reichsmünzordnung seither nicht geändert wurde und dieselbe aus-
drücklich die Bestandgabe von Münzhäusern bei Verlust des Münz-
rechtes untersagt, so ist es für die kaiserliche Münze unmöglich,
mit einem derart üblen Beispiel vorzugehen. Es habe sich Ihrer Mt.
Rath, Herr Seyfried Christoph Br ein n er, Freiherr, und etliche
aus des Fürsten von Liechtenstein Münzunternehmern angemeldet
und sich nicht allein um das Wiener Münzwesen, sondern auch an
anderen Orten mit gewissen Conditionen anzunehmen sich ange-
tragen, allein die Kammer müsse alle diese Anträge ablehnen.
In der Eingabe ddo. 4. April 1616 sagen „Isaias Jessenssky
vnndt Stenzell Aichhauser, Fürstl. Liechtensteinsche Diener'^,
sie seien „von dem durchlauchtigen Fürsten vnndt Herrn Carln Her-
zogen zur Troppau in Schlesien, Fürsten und regirunden Herr des
1) Vergl. vorläufig „Numismatische Zeitschrift", 13. Bd.: Die lange Münze
in Oesterreich von Joh. Newald, Seite 88.
unter den Kaisern Maiimilian Tl., Rudolph II. und Mathias.
367
Hauses Liechtenstein etc. vntersehiedlichen malen gnedig ermahnt
worden, um Ihr Mt. bestes zu befördern vndt sich bey Ir Mt. wohl-
verdient zu machen, sich vmb das Wienerisch Müntzwesen anzunem-
ben-*. Indem sie nun auf den grossen Nutzen hinweisen, welchen sie
zu verschaffen hoifen, erklären sie sich geneigt, das Wiener Münz-
haus für eine Reihe von Jahren zu übernehmen, falls man ihnen die
Verlagsgelder entsprechend verzinset und von dem Nutzen einen
gleichmässigen Antheil bewilligt, „es wäre dann dass Ihr kais. Mt.
allergnedigster Wille sein möchte, dass wir zu Enthebung vieler
Beschwerlichkeiten mit den Eaittungen vnndt dergleichen mehr,
anstatt des ungewissen Nutzens, jährlichen ein gewisses benanntes
Geldt als ein Schlagschaz oder Münzüberschuss in dero Cammer
erlegen sollten". Sie berufen sich schliesslich darauf, dass man
ihnen beim fürstlich Liechtenstein'schen Münzwesen keinen Tadel
oder Mangel nachweisen könne.
Nach mehrmonatlichen Verhandlungen stellte endlich die
niederösteiTeichische Kammer ddo. Wien, 17. August 1616 den
Antrag auf die Ueberlassung des Wiener Münzhauses an Jessensky
mit dem Beisatze, „dass auch der jetzige Münzmeister Fellner, zu-
malen er ein ehrbarer aufrichtiger Mann, auch Irer Kays. Mt. son-
sten in anderweg nützliche gehorsamiste Dienst erzaigt", mit einer
Gnadengabe zu bedenken wäre und bringt den Betrag von 500 Gul-
den in Vorschlag. In dem Vortrage an den Kaiser ddo. Prag, 20. De-
cember 1616 äussert sich die Hofkammer über Fellner abfällig,
lehnt die 500 Gulden Gnadengeld, sowie die Abstattung des Ver-
lages von 1000 Gulden ab. Mathias resolvirte ddo. Prag, 13. Jänner
1617 nach diesem Antrage. ^) Die kaiserliche Resolution wurde der
in Wien zurückgebliebenen Abtheilung der Hofkammer — der soge-
nannten hinterlassenen Hofkammer — mit dem Erlasse ddo. Prag,
4. Februar 1617 bekannt gegeben. Da derselbe über die im Wiener
Münzhause damals bestandenen Verhältnisse und überhaupt über
die das Münzwesen betreffenden Zustände eine volle Einsicht
gestattet, möge der volle Wortlaut hier Platz finden:
»j K. k. H. K. A. tsäimiitlichc Aercu, Fase. ITöc.s. inc ixclation der liot-
kaiuniei- ddo. 20. December 1(^10, auch Gdkb. Nr. 167, Fol. 391J^^".
368
Johann Kewalrl : Da$ österreichische Münzwesen
Matthias etc.
„Edle liebe getreue^ Vnss ist in vnterthenigkheit referirt vimdt
fUrgeb rächt worden wass vnser anwesende Hof Camer Ir, nach ver-
nembung der N. 0. Camer sambt dero vntergebenen Biichhalterey
über der Jüngst deputiert gewesen Commissarien wegen verbesser
vnd wider erhebung des Wiennerischen Münzwessens gethane Rela-
tion vom 2. November des jüngst verwiechen 1616 Jars mit guet-
achten herein berichtet, sonderlich aber weillen jeziger Münzmaister
alda zu Wienn der Sachen nicht genuegsanib erfahren, auch kheinen
sondern credit habe vnd wegen seiner leibes Indisposition in seiner
Verrichtung etwas zu schwach sei, zu dem gedachtes Wiennerisches
Münzwesen ein geraumbe Zeit hero gar schlechtlich bestelt vnd
versehen worden, auch also ersizen blieben dass man auss Noth
den beschwerlichen contract eingehen, vnd ainem Juden die auf-
khaufF vnd Einlösung dess Silbers vnd alten gelts, solches in die
Münz zueliffern, zuelassen, vnd dabei allerlei Vngelegenheiten, nit
ohne Verschimpflfung Vnsers MUnzwesens leiden müessen, das dero-
wegen vor allen Dingen solches Münzwesen, alss welches ein landts-
fürstliches Clainoth vnd flirnembes Regal ist, et fundamento
wider zuerheben, auch mit aiuer andren qualiticierten Person wider
zuversehen gehors. gerathen habt.
„Vnd demnach zu solchen intent sich des Carl Füersten von
Liechtenstain diener Isaias Jessensky alss welcher zu solchem
wesen für genuegsamb vnd tauglich gehalten wirdt angemeldt
vnd mit ihme durch die Commissarien tractirt worden, wie Er die
Münz an Khorn vnnd Schrot aussgehen zulassen, schuldig vnnd ver-
bunden sein soll, Nemblich die Ducaten zu23Karat8gran, vnd solle
die Wiener Mark inmassen von Alters hero breuchig gew^est, auf
80 Stuekh Ducaten aufgezogen, vnd auf ein Markh 3 quintl Ducaten
schar zuetrag passirt, vnd gleichsamb fUr das remedium im Schrott
gehalten werden. Dann die Mark Taller an der fein 14 loth 1 quintl
1 dar. halten und auf ein Wienermark Q»/* Stuekh geschrotten ;
dann die Groschen sollen 7 Loth 3 quintl 2 dar. die Markh fein
halten, vnd auss aiuer 160 Stuekh gestickhelt oder gemünzt vnd
mehrers nit dann ain Stuekh Vberschrott zuegelassen werden vnd
solle das gepräg in vorigem esto auf vnser Bildnus vnnd Adler
I
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und 3Iathias.
369
verbleiben, Er Jesseosky auch ainen körperlichen Aydt darauf zu-
schweren schuldig sein, auch der geschworne Wardein solches
alles gegenprobieren vnnd beschreiben. Alss lassen Wier es auch
gerathener massen also gnädigst dabey verbleiben.
^Wass aber dabei sein, des Jessensky flirschlag vnnd den
ersten Punkten, alss den freyen Silberkhauf anlanget demnach sich
befindt, das die 16 löthige fein Markh bishero in das Wienerische
Münzambt allein per 12 Gulden eingelöst, hergegen aber bei andern
vnd denen benacbbarten MUnzheüssern der fein und dem
gewicht nach gar viel höher vnd teurer bezahlt worden, dahero die
Partheyen Ir Pruchsilber anderwerts zuverführen vnd zu ver-
sehwerzen Ihnen Vrsach genomben, welches dan nit wenig solches
Mttnzwesens Abfall causiren helffen, vnnd derowegen, da man beim
alten Silberkauff verbleiben, die Verschwerzung nit zuverhieten sein
wurde. Alss wollen wir gnädigst dass mit ihme dem Jessensky,
sintemal da Er die Silber denen Partheyen höher bezallen solte,
solches nur sein Seckhel leiden muess, doch allein auf Wolgefallen
dieser Condition die Freylassnng des Silberkhauffes versuecht
werde, dass Er bei vnserer Straff vnd Vngnadt die einlösenden Gold
vnnd Silber nirgents änderst wohin verwenden, sondern einzig vnd
allein vnser Wiennerische Münz damit befürdern, wie Er auch, da
ins künfftig im Heil. Rom. Reich wegen iezigen hohen werth der
groben Münz die Silberkhauff aintweder gestaigert oder geringert,
vnd ain ordinari Preiss gemacht wurde, sich darnach zu accomo-
diren schuldig vnd verbunden sein soll. Vnd zu mehreren Befür-
derung solches Münzwesens wollen Wier auch gnädst. dass die
Münzgeneralia also darauf von vnserer N. 0. Regierung vnd Camer
zugleich aussgefertiget vnd publicirt, auch vnder andern dies hinein
gesetzt werde, dass meniglichen iezigen Zeiten vnd Leuffen nach
IrPruch vnd andere Silber alss baldt vnd in angesicht nach billichen
Dingen pahr bezalt werden sollen, auf solchen weeg dann die Par-
theyen zu Einraichung der Silber lustig gemacht vndt das Münz-
wesen stärkher fortgehen wirdet.
„Betreffendt den änderten vnd dritten Articl vnd also den
Münznuzen, alss von Jeder Mark fein Silber vnd gegen Erstattung
des Vnkostens die anerbotenen 48 krzr. vnd von golt 2 fl. demnach
befniiden \vi»rlt A.,« v/.n \ni>'> 4'^ ^''« ultimo Marti 45 das Wiene-
24
370
Johann Xewald: Das österreichische Münzwesen
I
rische Münzwesen die Mark fein Silber nur vmb 6 krzr. und das
Gold per 1 fi. dem Thoman Behaimb vmb ain ordinari hing-elassen
vnd ein Schlagschatz tituliert worden, so nun die Reichs-Münz-
ordnung damallen noch jung gewest, alle Münzen in ihrem alten
valor gangen, aniezo aber davon khomben vnd die Chur- vnd
Reichsfürsten, sonderlich in denen kleinen Münzsorten sich solcher
Ordnung nit mehr unterworfen, Wier aber solches aniezo sowol alss
im 43 Jar, wegen des dabei versierenden gueten Nuzen an die
Handt zu nemben befuegt, vnd dass diser ordinari Nuzen, zu mallen
esainen alss den andern Weeg auf Raittung gehandelt worden,
vnd die Münz in rechten Khorn vnd Schrott aussgehen muss, im
geringsten nit wider die Reichsordnung laufft, darzue Er die Verlag
continuo in die 8000 fl. ohne Interesse dargeben muess, welches
mit 7 Percent das Jar in die 500 fl. ausstraget, die jährliche Münz-
maister Besoldung der 400 fl. Rhein, schwinden lassen, vnd vmb
den dabei habenden nuzen dienen. Item die Eisenschneider vnd
Münzer selbst vndcrhalten will, welches zusammen in allem sich
auf 1200 fl. Rhein, des Jars erstrekhen wurde, Alss wollen Wier
gnädst., weillen Er Jessenky, inmassen mit Ihnie durch Sie die
Commissarien, doch auf vnser gnädigste ratification geschlossen,
Ynnss von Jeder Mark fein Silber 1 Gulden, vnd vomGolt 2 Gulden
freien Vberschuss raichen vnd verraiten, auch wo möglich vnd nur
Silber zu bekhomben, wöchentlich nit allein 100 Mark sondern noch
mehrers, welches an dem Verlag nit manglen soll, einlösen ver-
pagamentieren vnd vermünzen will, dass es in Ansehung der darauf-
lauffenden starkhen Verlag vnd grossen ünkostens, welcher Ihme
Jessenky in allem ausser Wardeins Unterhaltung, wie obverstanden,
obliegen wurde, allerdings also dabei verbleibe.
„Wass im Vierten und fünfften Punkt seine Jessensky begerte
recompens betrifft, weilln Er wie obverstanden ausser des Wardeins
Unterhaltung, so järlich bei der freyen Wohnung vnd Probier gelt
allein 80 Gulden bringt, in vbrigen allen Vncosten herzuegeben
schuldig ist, da wollen Wier Vnss, wan künfftig sein Vleiss vnd
guetes fürgeben nun verspürt wirdt, vnd nach gestalt seines dabei
habenden Interesse vnd Gewinst, alss dan auch gnädigst resolvirn.
„Fürs sechste, belangendt der Goldschmidt Jurisdiction, da
wollen Wir gnädst. weilln solche zur Verhttettung allerlei Con-
^W--'-L
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Matliias. Dil.
fusion auch des besorgenden Silber vnd Gold-Yerschwerzens wie
auch des Winkhelschmelzens vnd Schaidens halber, beim Mttnzwesen
verbleiben muess, dass solche Jurisdiction sonderlich weillen ver-
niüg der Instruction in Abhandlung* aller Sachen es aines Münz-
niaister auf der Goldtschmidt habende privilegia weisst, Ihme
Jessensky alss künfftigen geschwornen Münzmaister aufgetragen,
vnd er in Vnser GlUb genomben ein Instruktion auf ihme und den
Wardein von Vnserer N. 0. Camer auss corrigiert vnd gefertigt,
auch das Schaiderlohn von 45 biss auf 30 Kreuzer limitirt, dass
doch dabei auch diss in Sonderheit observirt und reservirt werde,
dass Er Jessinsky sich des Fürsten von Liechtenstein diensts genz-
lich begebe, auch vmb alles künfftige der würkhlichen Volziehung
halber genugsamb reversiere vnd verbürge. Schliesslich was des
iezigen Münzmeisters zu Wienn des Fellners auf den Fall der muta-
tion gerathene Abfertigung, vnd dan Bezahlung seines auf dem
Ambt habenden Darlehens anraichen thuet, da wirdet von Euch
zwar auf 500 Gulden gehorsamst gerathen. Dieweillen aber Er
Fellner wenig Jahr gedient, dem Münzwesen nit zum besten vor-
gestanden, die freie Wohnung gehabt, die Besoldung vnd sonsten
des Dienstes Vortl auch wol genossen, Alss wollen wir gnädigst
das Er von solcher begerten Abfertigung allerdings abgewiesen
doch benebens vertröstet werde, wan etwa Gelegenheit, darzue Er
tauglich, fürfallen, er alss dan auch bedacht werden soll.
„Was aber die Bezal und Abledigung.der 1000 Gulden Rhein.
.so Er Feiner auf dem Ambt hat, darzue nit allein dieCommissarien,
sondern auch neben Euch die N. 0. Camer rathen thuet anlangt,
da halten wir gnädst. dafür, dieweilen solche 1000 Gulden so mit
7 Percent verzinset worden, ein gewisses Verlaggeld zu Einlösung
des Silbers sein solten, dass es der Ablösung gar nit bedürflFen
werde, da solche alss ein Verlaggelt, aintweder in baareu Gelt
oder eingelösten Silber vorhanden sein mUesste, sonsten solches
Geld vergebens verzinst vnd benebens wider die Verlagsordnung
gehandelt worden, also das es verstandener massen der Ablöss oder
Abstattung durch den Jessensky nit bedarf, sondern Er Fellner sich
solcher Dargab oder Verlag selbst wider bezalt machen kann.
„Euch solchem nach darauf hiemit gnädst. benelchendt dass
li Ihm vnserer N. 0. Camer in ainem vnd andern die weitere
24*
372
JohaED Ne^vald: Das üsterreichisthe -Münzwesen
Notturfft verordnet, damit nit allein Er Jessenky fUrderlich in Vnser
Glüb genomben vnd installirt, mit der Instruction versehen, die Ge-
neralia verfasst vnd publicirt, sondern auch der Fellner diser vnserer
gndsten resolution nach, beschieden werde, innmassenir der Sachen
rechts zu thun wissen werdet, daran volbringt Ir vnsem gnädsten
Willen vnd Meinung, habt auch die herein geschickhte Einschluss
hiebei wider zu empfahen. Geben auf vnserm Khön. Schloss zu
Praag den 4. Febr. Anno 1617 vnserer Reiche des Römischen im
fünften des hungarischen im neimten vnd des Beheimbischen im
sechsten." ^)
Die Uebergabe des Münzhauses an den neuen Unternehmer
fand am 3. Mai 1617 statt. Jessensky zahlte an den abtretenden
Mtinzmeister Fellner die Verlagsgelder und daran ausständigen In-
teressen, zusammen den Betrag von 1643 Gulden aus und eröfifnete
am 22. Mai 1617 das Prägegeschäft. Unterm 11. Mai hatte er die
Anzeige erstattet, dass er seinen Schwager Stänzl Aichhauser „als
ain Mitgehilf oder Verwalter des Münzmeisteramtes zu sich ziehen
wolle," im Münzhause sei genügend Raum, um für denselben eine
Wohnung einrichten zu können und bittet um die Zustimmung. Bei
der Uebergabe wurde ganz besonders betont, „dass Er Jessensky
sich des Fürsten von Liechtenstain Dienst genzlich begebe."
Der neue Münzuntemehmer brachte alsbald das Ansuchen ein,
die Groschen statt wie bisher mit einem, mit drei Stücken als
Ueberschuss, somit aus der Wiener Mark statt 160, — 163 Stück aus-
schroten zu dürfen. Die niederösterreichische Kammer bevorwortete
ddo. Wien, 7. Juni 1617 diesen Antrag mit dem Beisatze, dass ein
Stück der Kammer zu verrechnen ist, und zwei Stücke für Jessensky
als Ersatz für die mit der Ausmünzung der kleinen Sorten verbun-
denen grösseren Kosten zu verbleiben habe. Die Genehmigung er-
folgte erst mit dem Hofkammererlass ddo. Wien, 7. Juni 1618,
nachdem zuvor über Anordnung vom 10. Mai 1618 eine unter dem
Vorsitz des Kammergrafen Mathias von Blomstein zusammen-
getretene Commission diese Angelegenheit geprüft hatte. »)
1) K. k. H. K. A. Fase. 17508.
2) Daselbst Fase. 17320.
y^^>
unter den Kaisern .Maximilian IL, Rudolph 11. und Mathias.
373
Mit der Eingabe vom 9. Februar 1616 meldete sich der befreite
Hofjude Veit Brodt als Silberlieferant. Er verpflichtete sich schon
im Jahre 1616 und so lange es der Hofkammer eonvenirt, jährlich
1000 Mark fein Silber in die Wiener Münze zu liefern. Es ist dieses
jenes Geschäft, welches im Eingang der kaiserlichen Resolution
vom 4. Februar 1617 (Seite 368) sehr abfällig erwähnt wird. Unterm
22. April 161 6 erging an den Hofgoldschmied Hanns GeorgRitter
die Weisung, das» er sich, nachdem er schon früher als Stempel-
schneider in Verwendung war und der Münzeisenschneider Caspar
Hai dl er mit der Stempellieferung nicht folgen kann, bei dieser
Arbeit zu betheiligen habe, i)
In der Zeit von 1616 bis 1622 wickelten sich heftige Streitig-
keiten zwischen dem Münzamte, beziehungsweise der niederöster-
reichischen Kammern und „denen von Wien" in Angelegenheit der
Wiener Goldschmiede ab. Diese standen seit den ältesten Zeiten
in Real- und Personalangelegenheiten (nur Malefizsachen machten
eine Ausnahme) unter dem Münzamtsgericht. Die damals tief ge-
sunkene Autorität der kaiserlichen Behörden scheinen die Gemeinde
veranlasst zu haben, dieses Privilegium des Münzmeisters trotz
kaiserlicher Resolutionen zu entfernen. Der Unternehmer Isaias
Jessensky war ein eifriger Protestant. Die niederösterreichische
Kammer hatte ihn wiederholt aufgefordert, für die Goldschmiede
zwei Zech- und zwei Beschaumeister in Vorschlag zu bringen, von
denen je einer katholisch, der andere ,,unkatholisch" zu sein habe.
Jessensky brachte das erste Mal lauter Nichtkatholikeu in Vorschlag,
was ihm verwiesen und neuerdings der erste Auftrag zur Einbrin-
gung eines Antrages wiederholt wurde. Da dieses unterblieb, wurde
ihm ein strenger Verweis ertheilt, und wurden nunmehr von der
Kammer selbst mit dem Erlasse ddo. 4. April 1618 im Sinne der
ertheilten Weisung, zwei Zech- und zwei Beschaumeister für die
Goldschmiede ernannt, -i)
Das Münzunteruehmen des Jessensky nahm ein schnelles Ende.
Der Ratli und Knn/1<^>- <b'< Erzherzogs Leof>ol(l. Dr. Hrnins
) K. k. H. K. A. Fusc. 17320.
'■) Daselbst Fase. 173"2().
■.V t
374
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Ulrich Hämmerl, beschuldigte ihn verschiedener Malversationen,,
worüber am 19. November 1619 dessen Verhaftung erfolgte. Jes-
sensky wurde in das kaiserliche Hofspital abgeführt wo er durch
31 Wochen in Arrest gehalten wurde. Da die beiden Wiener Bürger
Erhardt Hilm und Andrae Gallmaier mit ihrem ganzen Ver-
mögen die Bürgschaft übernahmen, dass er sich jederzeit stellen
werde, wurde Jessensky am 22. Mai 1620 enthaftet, i)
Es wurde gegen ihn ein fiscalischer Process eingeleitet, der
sich über eine lange Reihe von Jahren hinzog, denn erst ddo. Wien,
25. August 1637, bestätigte der niederösterreichische Hofkammer-
Procurator Georg Weinzirl, dass Jessensky durch die Denuncia-
tion des Dr.Hämmerl unschuldig um sein Vermögen gekommen und
beantragte zugleich die Ersatzleistung von 12.000 Gulden an den-
selben und Regressnahme an dem Nachlass des mittlerweile ver-
storbenen Dr. Hämmerl. 2) Wir werden Jessensky später noch einmal
im Wiener Münzhause thätig finden.
Nach der Haftnahme des Isaias Jessensky wurde dit- Leitung
des Wiener Münzhauses, unter dem Titel eines Münzamts- Verwalters,
dem Mathias Fellner von Feldegg wieder übertragen. Kaiser
Mathias war am 20. März 1619 gestorben. Mit dem Erlasse ddo.
Wien, 30. September 1619, ertheilte Erzherzog Leopold an die
niederösten'eichische Kammer die Weisung, dass nunmehr nach er-
folgter Kaiserkrönung Ferdinand H. sowohl in Wien, wie in den
ungarischen Bergstädten die Münzen mit dem Bilde und Namen des
neuen Kaisers zu prägen sind. Unterm 16. December 1619 erfolgte
an das Münzamt der Auftrag, dass 5000 Gulden, welche in Gold in
die Münze geliefert wurden, mit den Thaler- und Halbthaler-Stempeln
zu 10 und 5 Ducaten-Stücken auszuprägen sind. Schon unterm
31. December 1619 erging eine weitere Weisung an den Münzver-
walter Fellner, er habe über kaiserliche Resolution vom 30. Decem-
ber, das aus Augsburg und Nürnberg einlangende Silber, „in müg-
lichster Eil" in Thaler auszumünzen, welche 13 Loth fein zu halten,
jedoch 93/4 Stücke ein Gewicht von 1 Mark 1 Loth 2 Quint. l^/ia
Pfennige besitzen sollen, „doch auf Weillandt der Rom. Kays. Mt.
1) Daselbst Fase. 17508.
2) Daselbst Fase. 17324.
unter den Kaisern Maximilian II,, Rudolph IT. und Mathias.
375
Mathiasen Prägung; zu münzen sind." Das, was bei diesen Thalern
am Korn abging, sollte durch das bessere Schrot ausgeglichen
werden. ^)
Im Anschlüsse an die Seite 90 vorkommende Besprechung der,
während der Amtirung des Münzmeisters Andrae Händl aus dem
Wiener Münzhause ausgegangenen Thaler, haben wir nunmehr den
Münzen seines Nachfolgers Mathias Fellner vonFeld egg unsere
Aufmerksamkeit zuzuwenden. Das Zeichen desselben sind zwei
schiefaufsteigende, in einem spitzen Winkel sich ver-
einigende Sparren; es ist dies die in seinem Wappen,
und zwar im ersten und vierten Felde vorkommende
Wappeniigur. Der erste hieher gehörige Thaler, zu dem der
Wiener Eisenschneider Caspar Haidler den Stempel angefertigt
hatte, ist vom Jahre 1612. Das Brustbild trägt die ungarische Krone,
unter demselben ist in der Umschrift, in einem kleinen Oval das
eben erwähnte Zeichen des Fellner angebracht. Die Rückseite zeigt
das mit der Vliesskette umgebene, mit einer Bügelkrone bedeckte
vielgetheilte Wappenschild. Der Stempel zu diesem Thaler ist offen-
bar vor der am 24. Juni 1612 vollzogenen Kaiserkrönung angefer-
tigt worden, denn nach dieser Krönung kommt auf der Rückseite
der Münzen der Doppeladler vor. 2) Die unter dem Münzmeister
Fellner nach der Krönung des Kaisers Mathias im Wiener
Münzhause geprägten Thaler (siehe Schultess-Rechberg die Nummern
218 bis inclusive 222) zeigen das belorberte Brustbild, und an der
Rückseite, unter dem Adler, das mit dem Herzogshut bedeckte öster-
reichisch-burgundische Wappenschild.
Mathias Fellner musste das Wiener MUnzamt im Anfange des
Jahres 1617 an den Unternehmer Isaias Jessensky abtreten.
(Seite 372.) Das Münzzeichen desselben ist ebenfalls seinem Wappen
entnommen; es ist ein Baum. ^) Scliultess-RcchlttTii- hcscliriiiht
I) K. k. H. K. A. Fa8c. 17330.
^) Schultesö-Kechber^ beHchrcibt in den Xunnnern 842 und H43 zwei
Varianten diese» 'IMialers, hat dicsflbni irMlodi ii-au/. infliiniilifli den lW)liini.>iehen
ThaleiTi zugewiesen.
'^'-^W'ß^
376
Johann NeMald: Das österreichische Münzwesen
einen hieher gehörigen Doppelthaler in Nr. 223. Einfache Thaler
dieser Prägung kommen ziemlich häufig vor.
Der mittlerweile wieder in das Amt eingetretene Münzmeister
Fellner erhielt ddo. 31. December 1619 den Auftrag zur Ausprägung
von Thalern mit dem Brustbilde Kaiser Mathias, jedoch im Korn
und Schrot von der bisher vorgeschriebenen Instruction abweichend
(Seite 374). Das k. k. Münzcabinet, so auch die Sammlung Spöttl
bewahren solche Thaler. Er ist beiSchultess-Rechberg unter Nr. 224
beschrieben. Gegen die nach der Instruction vom 15. Februar 1524
ausgeprägten Thaler steht derselbe um sehr naho i Kreuzer
im Werthe zurück, i)
Schliesslich kommt noch zu bemerken, dass aus dem Wiener
Münzhause während Mathias Regierung ausgegangene H a 1 b t h a 1 e r
nur selten angetroffen werden.
XIX.
Die Münzstätten in Böhmen.
Die ganze Regierung des Kaisers Matliias lässt sich in ßezug
auf die seinem Zepter unterworfenen Königreiche und Lande, als
das Vorspiel jenes länderverwüstenden Dramas, des dreissigjährigen
1) Aus 1 Mark 1 Loth 2 Quint. 13/, 3 Pfennige = 1-0986 Mark, waren zu
13 Loth fein auszubringen 93/^ Thaler. 13 Loth sind = 208 Pfennige, daher
1-0986 X 208 = 228-5088 Pfennige. Der Thaler enthielt somit 228-o088:9-75 =
23-437 Wienei Pfennige fein Silber. Da 5 Wienei = 6 Kölner Mark, so sind
23-437 Wiener Pfennige = 28-124 Pfennige Kölner Gewicht. Die dermalige
österreichische Währung ^ibt per Mark = 256 Pfennige Kölner Gewicht,
21 Gulden. Aus der Proportion 256:21 = 28-124: x ergibt sich der Werth
des neuen Thalers mit 2 Gulden 30-712 Kreuzer während der Werth eines nach
der Instruction vom 15. Februar 1524 ausgemünzten Thalers in der dermaligen
österreichischen Währung 2 Gulden 31-197 Kreuzer betrug.
Da ferner nach dem Gesetze vom 23. Juli 1871 die Wiener Mark zu
280-668 Gramm gerechnet wird, so enthalten 1-0986 Mark 308*3425 Gramm.
308-3425:9.75 gibt das Gewicht des in Rede stehenden Thalers mit 31-6247
Gramm, er war somit der schwerste aller aus den österreichischen Münzstätten
bisher ausgegangenen ganzen Thaler. Das in der Sammlung Spöttl befindliche
Exemplar hat ein Gewicht von 3085 Gramm. Vergl. Münzweseu unter Fer-
dinand I. Seite 100.
unter den Kaisern Maximilian IT., Rudolph 11. und Matlüas».
377
Krieges bezeichnen. Namentlich war es Böhmen mit seinen Neben-
ländern, wo der Gegensatz zwischen der königlichen Regierung und
ihren Parteigenossen einerseits und den herrschsüchtigen Bestre-
bungen einer factiösen Aristokratenpartei anderseits, bald am schärf-
sten hervortrat. In Böhmen war es, wo die Gegner der Regierung,
oder um es in bestimmterer Form auszusprechen, des Habsburger
Regentenhauses, geführt von verwegenen und rücksichtslosen
Parteihäuptern, schliesslich das, was nicht mehr nach ihrem Sinne
zu biegen war, zu brechen sich anschickten und noch zu Lebzeiten
des Kaisers Mathias die lange vorbereitete Empörung zum Durch-
bruche brachten.
Die viele Jahre andauernden Partei-Umtriebe schlugen dem
Wohlstande des Landes tiefe Wunden. Dem Bergbau, seit Jahren
im Rückgange, drohte ein gänzlicher Verfall. Selbst bei den Mass-
regeln, welche man für die Hebung desselben, sowie für die Förde-
rung der gesammten Landescultur vorkehrte, machte sich der Ein-
fluss der Parteiumtriebe und des Parteihasses geltend. Es lässt sich
dies namentlich aus den geringen Erfolgen der ziemlich häufig in
die Bergorte abgeordneten Untersuchungs- und Reformationscom-
missionen wahrnehmen. Die mit der Durchführung der als noth-
wendig erkannten Reformen betrauten Beamten wurden nach wenigen
Jahren von ihren Gegnern verdrängt.
Welche wirthschaftliche Calamitäten sich aus dem Verfalle des
Münzwesens ergaben, wurde wiederholt beleuchtet und doch stand
man erst am Eingangspunkte der Katastrophe. Wir haben die ersten
Anzeichen wahrnehmen können, dass einflussreiche Persönlichkeiten
sich hervordrängten, um die Verwirrung im Münzwesen des Landes
für ihre habsüchtigen Zwecke auszubeuten.
König Mathias, dem Kaiser Rudolph H. auch das König-
reich Böhmen abtreten musste, fand in demselben bei seinem Regie-
rungsantritte vier landesfürstliche Münzstätten, und zwar zu Prag,
Kuttenberg, Joaehimsthal und Budweis im Betriebe. Aus den ver-
schiedenen Münzinstructionen, welche wir bisher kennen gelernt
haben, war zu entnehmen, dass, um die Münzen im vorschrifts-
gemässen Korn auszubringen, der Wardein verpflichtet war, von
jedem Gusse eine Probe zu machen und durfte erst dann, wenn die
378
Johann Newald: Das österreichische Miiuzwesen
volle Eichtigkeit des ^^Haltes'^ erprobt war, der Guss in Zaine vor-
genommen werden. Die ausgebrachten Münzen wurden einer wieder-
holten Probe unterzogen und war die Ausgabe derselben erst dann
gestattet, wenn durch diese zweite Probe die Richtigkeit im Korn
und Schrot constatirt war. Ausser dem bei jedem Münzhause
bestellten Wardein überwachte der Landprobierer das instructions-
gemässe Ausbringen der Münzen.
Um die Ueberwachung des ganzen Münzbetriebes zu vervoll-
ständigen, bestellte König Mathias bald nach seinem Regierungs-
antritte den Augustin Schmilauer von Schmilau als Ober-
Probierer und ertheilte demselben ddo. Prag, 3. August 1611 eine
eingehende Instruction. Die Obliegenheit des Ober-Probierers war,
die von den Münzämtern „als zu Prag, Kuttenberg, Joachimsthal
vnd Budweis" gleichzeitig mit den halbjährigen Rechnungsaus-
zügen eingeschickten Münzproben nachzuprobieren. Ergab sich ein
Anstand, so hatte er davon alsbald dem Obermünzmeister oder in
dessen Abwesenheit der böhmischen Kammer Anzeige zu erstatten.
Um diese Nachprobe vornehmen zu können, waren an den „Ober-
Probierer^* in gleicher Weise wie dem Landprobierer und dem
Probationsmeister die vorgeschiiebenen „Probgroschen" einzu-
senden.
Ausser den aus den königlichen Münzhäusern ausgegangenen
Münzen hatte Schmilauer auch noch dfe im Undaufe befindlichen
fremden Gold- und Silbermünzen zu überwachen und alle Quartal
oder nach Bedarf davon Probestücke aufzuziehen und zu unter-
suchen. Ueber die durchgeführten Proben der ersteren waren
genaue Verzeichnisse zu führen und diese letzteren mit Jahres-
schluss an die böhmische Kammer einzusenden, welche durch die
Buchhalterei die Angaben derselben mit den Probezetteln der ein-
zelnen Münzwardeine zu vergleichen hatte. Ueber die probirten und
zu gering befundenen fremden Münzen hatte der Ober-Probierer
alle Quartale Verzeichnisse an die böhmische Kammer vorzulegen,
auf dass rechtzeitig die erforderlichen Anordnungen erlassen werden
können.
Da Schmilauer in Kuttenberg ansässig war, war ihm die
Ueberwachung des dortigen Münzbetriebes ganz besonders auf-
getragen; auch hatte er bei den Erzübernahmen zu interveniren
unter den Kaisern Maximilian IL, Rudolph II. und Mathias.
379
und die Schmelzhütten zu controliren. Der für seine Mttnzproben
erforderliche Bedarf an Kohlen war ihm gegen Empfangsbestäti-
gung aus den Vorräthen des Münzhauses zu verabfolgen. «)
Während der letzten Regierungsperiode Rudolph II. hatten
sieh im Bereiche des böhmischen Kammerwesens verschiedene
Unzukömmlichkeiten eingeschlichen. Mit der Resolution ddo. Wien,
21. April 1612 werden die wahrgenommenen Mängel abgestellt und
verschiedene Reformen angeordnet. Im Punkte 2 dieser Resolution
lehnte König Mathias die Wiederbesetzung des Obermünzmeister-
amtes ab „weils so hoch nit vonnöthen vnd die grosse fast vnnöthige
Vnkosten, vnns zum besten erspart werden können '^ 2) Von dieser
letzteren Beschlussfassung ging man jedoch bald wieder ab und
erfolgte die Ernennung des Wilhelm von Wrzcsowicz zum
Obermünzmeister in Böhmen. Dieser hatte den Antrag gestellt, dass
die Silbererze aus den C4ruben zu Radiworicz nicht mehr in den
Schmelzhütten zu Krumau, sondern in Kuttenberg, und zwar mit
einem jährlichen Nutzen von 3000 bis 4000 Thaler verschmolzen
werden sollen. Mit der Resolution ddo. Regensburg, 17. August
1613 wurde der böhmischen Kammer bekannt gegeben, dass vor-
läufig in diesen Antrag nicht eingegangen wird, s)
Im Jahre 1614 hatte im nordöstlichen Mähren eine Falsch-
münzerbande, als deren ,,Capo'^ ein Ausländer, Kaspar Roth, genannt
wird, ihr Unwesen getrieben. Sie war so vorsichtig, ihre Müuzvor-
räthe an verschiedenen Orten zu deponiren. Bei der Entdeckung der
Falschmünzerei gelang es dem Roth, unter Zurücklassung erheb-
licher Mengen der von ihm erzeugten falschen Münzen zu entwei-
chen. Mit dem kaiserlichen Erlasse ddo. Linz, 6. August 1614 wurde
der mährische Unterkämmerer von Haugwitz beauftragt, die von
dem Falschmünzer Kaspar Roth „in den Ortschaften Tit schein,
Meseritsch und anderwärts zurückgelassenen Gelder, so einige
tausend Thaler betragen sollen und dem Kaiser verfallen sind*', mit
Beschlag zu belegen. Unterm 6. Februar 161.5 erfolgte ein Erlass
>) F. A. Schmidt, J^er^ji^esetze von Höhnieu, IV. Bd., Seite 2i»G.
■^) K. k. H. K. A., (;dkb. Nr. 331, Fol. 34G.
3; Daselbst Fase. 16360. Kniinau war mit der kaiserlichen Resolution
il<l<>. Pra«;, 29. August 1G03 zu einer Hergstadt erhoben worden.
380
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
an den Cardinal Franz von Dietrichstein, er habe das im
Rathhause ,,des dem Cardinal gehörigen Städtls Treib erg oder
Przybor erliegende, dem entwichenen Falschmünzer Roth gehö-
rige, dem Kaiser verfallene Geld auszufolgen '^ An demselben Tage
erging ein gleicher Erlass an Johann von Zie rotin wegen Aus-
folgung von zu Meseritsch erliegenden 238 Thalern. i)
Nach der vorausgegangenen Beleuchtung jener grossen Schwie-
rigkeiten und Uebelstände, unter deren Druck das österreichische
Münzwesen während der Regierung der beiden Kaiser Rudolph IL
und Mathias zu leiden hatte, lässt sich nunmehr das die einzelnen
böhmischen Münzhäuser betreffende Detail in Kürze zusammen-
fassen.
Münzstätte zu Prag.
Bei der Regierungsübernahme durch König Mathias stand das
Prager Münzhaus unter dem Münzmeister Benedikt Huebmer
von 8onnleiten. Er kam aus Joachimsthal, wo er neben dem
dortigen Münzmeister Centurio Lengefelder als Wardein und Münz-
gegenhändler bestellt war. Die Ernennung desselben zum Münz-
meister in Prag erfolgte am 10. Mai 1610, 2) somit noch unter der
Regierung Rudolphs IL, er verwaltete dieses Amt durch die ganze
Regierungsdauer des Kaisers Mathias. Sein Wardein war Hanns
Erker, ein Sohn des ehemaligen Prager Münzmeisters Lazar Erker
von Schreckenfels. Als derselbe mit Erlass ddo. 18. December 1614
zum Oberbergmeister befördert wurde, erfolgte mit Erlass ddo. Wien,
18. Februar 1615 die Ernennung des Joachimsthaler Hüttenamts-
schreibers Gregor Steinmüller zum Wardein in Prag. 3)
Mit der Weisung ddo. Prag, 26. Juni 1617 erhielt Münzmeister
Huebmer den Auftrag zur Anfertigung von silbernen und goldenen
Auswurfpfennigen für die bevorstehende Krönung des Erzherzogs
Ferdinand zum König von Böhmen. In einer Eingabe ohne Datum,
welche jedoch unzweifelhaft in das Jahr 1617 zu setzen ist, heben
1) K. k. H. K. A., Fase. 16360.
2) J. Neumanü, Yerzeichniss einer Sammlung böhmischer Münzen etc.,
Seite 30.
3) K. k. H. K. A., Fase. 16360.
m^'-
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
381
Münzmeister Huebmer und Wardein Steinmüller zunächst hervor,
dass der ganze Thaler nunmehr mit 90 Kreuzer berechnet wird.
Nachdem aus der mit 14 Loth 1 Quint. beschickten Wiener Mark
93/4 ganze Thaler ausgebracht werden, so wird die feine Wiener
Mark Silber auf 16 Gulden 25 Kreuzer 1 Pfennig gebracht. Bei der
stattgefundenen Steigerung des Thalerwerthes sei es dringend noth-
wendig, auch bezüglich der Groschen eine Vorkehrung zu treffen,
sie stellen somit den Antrag, dass durch die Groschenmünzung die
feine Wiener Mark Silber auf 16 Gulden 49 Kreuzer zu bringen
wäre, demnach die Groschen im Feingehalte von 7 Loth 3 Quint.
2 Pfennige, aus der beschickten Wiener Mark 165 V2 Stücke auszu-
prägen kämen. 1) Unter Münzmeister Huebmer stand der Prager Gold-
schmied Hanns Conrad Greutter als Stempelschneider in Ver-
wendung.
Das Münz zeichen des Münzmeisters Benedikt Huebmer von
Sonnleiten ist eine liegende Mondsichel mit einem sechsstrahligen
Stern zwischen den nach aufwärts gekehrten Spitzen. Nachdem
durch das Auflassen der Budweiser Münzstätte die Beischaifung von
Pagament für den Prager Münzbetrieb wesentlich gefördert wurde,
kommen auch die mit dem Zeichen des Huebmer versehenen böhmi-
schen Münzen aller Sorten ziemlich häufig vor. Die ersten mit dem
Brustbilde und Titel des Königs Mathias ausgestatteten Prager
Münzen sind vom Jahre 1611. Die grossen Sorten haben das Münz-
meisterzeichen am Schlüsse der Rückseiten- Umschrift. Nachdem
Mathias im Jahre 1611 noch nicht römischer Kaiser war, zeigt die
Rückseite der Münzen lediglich das grosse mit der Krone bedeckte
und mit der Vliesskette umgebene Wappen. In ganz ähnlicher Weise
sind auch die Thaler, Halbthaler u. s. w. vom Jahre 1612 aus-
gestattet.
Vom Jahre 1613 kommen Prager Thaler von zwei wesentlich
verschiedenen Formen vor. Nachdem König ^lathias am 24. Juni
1612 als römischer Kaiser gekrönt wurde, zeigt die Rückseite nun-
inelir den Doppeladler mit dem österreichisch-burgundischenWappen-
Hchilde auf der Brust. Auf der Vorderseite der einen Form befindet
» K. k. 11. K. A., Fase. lf>36a
-.=-^^-^^1
382
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
sich das Brustbild des Kaisers von der rechten Seite, auf jenem der
zweiten Form sehen wir den stehenden gekrönten Kaiser mit Zepter
und Reichsapfel, im MUnzfelde rechts das Wappen von Böhmen,
links jenes von Ungarn, beide mit der Krone bedeckt. Diese Variante
stimmt mit jenen Thalern überein, welche im Prager Münzhause
schon unter dem Münzmeister Lazar Erker geprägt worden sind
(Seite 263 i). Die Prager Thaler mit dem Brustbilde des Kaisers
Mathias schliessen mit dem Jahre 1619 ab. Von Interesse ist ein in
die Sammlung Donebauer gehöriger Dickthaler vom Jahre 1615,
welcher mit dem Viertelthaler-Stempel geprägt worden ist.
Zu erwähnen sind noch jene Thaler, welche auf der einen ^eite
die gekrönten Brustbilder der drei Kaiser Maximilian I., Karl V.
und Ferdinand I.; an der zweiten Seite das Brustbild des Kaisers
Mathias, auf einer Variante den Doppeladler besitzen. Das unter
dem letzteren Brustbilde vorkommende Münzzeichen stellt ausser
Zweifel, dass diese Thaler im Prager Münzhause unter dem Münz-
meister Benedikt Huebmer geprägt worden sind. 2) Vom Jahre 1613
])eginnend, jedoch mit Ausnahme der eben besprochenen Drcikaiser-
thaler, kommt das Münzzeichen des Huebmer, ohne Einfassung,
unter dem Doppeladler in der Umschrift der Rückseite der gi-össeren
Münzen vor. Die Stempel zu den aus dem Prager Münzhause aus-
gegangenen ganzen, halben und Viertel-Thalern des Kaisers Mathias
sind durchgehends von tüchtigen, mindestens jedoch von vier Eisen-
schneidem angefertigt worden.
1) Bei Schultess-Rechberg findet sich diese Fonii nur in Nr. 8G2 vom
Jjihre 1619 als dicker Doppelthaler beschrieben. Mir liegen aus der Samm-
lung Donebauer in Prag vor: ein Doppelthaler von 1613, ein Doppelthaler
und ein dreifacher Thaler von 1616, ein einfacher und ein fünffacher Thaler
von 1G19.
-) Es dürfte hier gestattet sein, auf einen anderen, sogenannten Drei-
kaiserthaler zurückzukommen. Auf demselben sehen wir die gekrönten Brust-
bilder der drei Kaiser Maximilian L, Karl V. und Ferdinand I. von der linken
Seite, am Schlüsse der Umschrift findet sich die Jahrzahl (15)90. Die Rückseite
zeigt den Doppeladler, den Schild mit dem castilischen Thurni und der öster-
reichischen Binde auf der Brust. Gründe, deren Aufzählung zu weit fuhren
würde, berechtigen zu dem Schlüsse, dass dieser Thaler unter dem Münzmeister
Lazar Erker im Prager Münzhause geprägt worden ist.
I
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
383
Münzstätte zu Kuttenberg.
Während dem Prager Mtiuzhause durch die ganze Regierungs-
zeit des Kaisers Mathias der Münzmeister Benedikt Huebmer vor-
stand, trat in Kuttenberg ein ziemlich häufiger Wechsel in der
Leitung des Münzbetriebes ein. Die mehrfach erwähnten überaus
schwierigen Bergbauzustände zogen unvermeidlich auch das Münz-
wesen in den Kreis des Wirrsals und der persönlichen Zerwürfnisse.
Im Zusammenhange mit den Reformen, welche König Mathias
bald nach seinem Regierungsantritte im Bereiche des böhmischen
Kamraerwesens durchführen liess, namentlich aber durch die beim
Kuttenberger Bergbau- und Mttnzbetrieb constatirten Uebelstände
angeregt, wurde im Anschlüsse an die Resolution ddo. Wien, 21. April
1612 alsbald, und zwar unter der Leitung des böhmischen Kammer-
ProcuratorsProkopDvorecky vonOlbramowic eineCommission
nach Kuttenberg abgeordnet. Eine der ersten Verfügungen, und zwar
schon unterm 1. Mai 1612 war die Enthebung des Münzamtmannes
Paul Skreta und die Uebertragung des Münzamtes an J o h a n n
Sultys von Felsdorf. Die Thätigkeit dieses Letzteren als Leiter
des Kuttenberger Münzbetriebes ersteckte sich nur wenig über die
Zeit von l^g Jahren, denn er wurde schon am 2. December 1613
,, wegen Alters, Leibes-Unvermögenheit und Mangels der dentsclien
Sprache" seines Amtes wieder entsetzt.
Das tragische Los, welches später den Johann Sultys ereilte,
dürfte es rechtfertigen, hier einen Ueberblick über seinen Lebenslauf
einzuschalten. Er wurde in Schlan geboren. Nach Beendigung der
akademischen Studien an der Prager Universität kam er als Lehrer
an die Stadtschule in Kuttenberg und erlangte dort das Bürgerrecht.
In Berücksichtigung seiner wissenschaftlichen Bildung wurde er
zum Stadtrath gewählt und nachdem er vom Lelirfache zurück-
getreten, bei der im Jahre 1604 vorgenommenen Rathserneuerung
als Rathshcrr eingesetzt. Seiner Verdienste wegen wurde Sultys im
Jahre 1605 von Kaiser Rudolph IL mit dem Prädicate „von Fels-
dorf" in den Adelstand erhoben. In den Jahren 1609 bis 1612
soll er auch bei der Kuttenberger Münze in Verwendung gestan-
den sein.
384
Johann Newald : Das österreichische Münzwesen
Nach der Entfernung vom Mttnzamte wurde Johann Sultys bei
der am 23. Juli 1614 vorgenommenen Rathsemeuerung in den Stadt-
rath wiedergewählt und überdies zum Primator ernannt, im Jahre
1615 betheiligte er sich an einer ständischen Commission zur Refor-
mirung des Kuttenberger Silberbergbaues. Als Primator der könig-
lichen Stadt Kuttenberg wurde Johann Sultys von Felsdorf nach
dem Ausbruche des böhmischen Aufstandes einer der dreissig
Directoren, welche die Regierung des Landes übernahmen. Noch
am 21. September 1620 wurde er als Primator bestätigt und zum
Stadtrichter ernannt. Wenige Tage nach der Schlacht am weissen
Berge, am 25. November 1620 wurde Sultys verhaftet und nach Prag
abgeführt. Er befand sich unter der Zahl Derjenigen, denen der
Hochverrathsprocess gemacht und am 21. Juni 1621 am Altstädter
Ringplatz enthauptet wurden. Sein Kopf wurde nach Kuttenberg
gebracht und am Koliner Thore aufgesteckt. Er soll erst unter Kaiser
Karl VI. herabgenommen worden sein. *)
Das Münzzeichen des Münzamtmannes Johann Sultys von
Felsdorf sind in einem Oral drei ins Dreieck gestellte (zwei unten,
eine oben) Blüthenknospen. -) Die Sammlung Douebauer in Prag
bewahrt einen mit dem Müuzzeichen des Sultys markirten Thaler
vom Jahre 1614, der sich mit grossem Rechte als eine Seltenheit
bezeichnen lässt. Nachdem die Tebergabe des Münzmeisteramtes an
den Nachfolger erst mit Ende Jänner 1614 stattfand, kann es sein,
dass Sultys noch während der bis zu seinem völligen Austritte ver-
flossenen Zeit Thaler mit seinem Münzzeichen ausprägen liess. s)
«) Miltner 1. c, Seite 634.
^) Die drei kleinen Figuren werden verschieden benannt. Aus der Ver-
gleichung einer grösseren Zahl von Münzen glaube ich die Bezeichnung
„Blüthenknospen" in Vorschlag bringen zu sollen. Im Wappen des Sultys sind die-
selben übereinander gestellt. Vergl. Miltner I.e., Tafel LXVI, Nr. 567, 568 und 569.
3) Es dürfte hier die nachfolgende Bemerkung am Platze sein. In einer
grossen Zahl von Münzhäusern, auch in den österreichischen Ländern war es
üebung, dass Münzen mit der Jahrzahl des nächstfolgenden Jahres schon am
Allerheiligentage des Vorjahres an hervorragende Beamte und sonst ein-
flussreiche Personen abgegeben wurden. Fand das Ableben des Münzherrn
oder aber die Aenderung in der Person des Münzmeisters, sei es durch Todes-
fall oder Dienstenthebung, in den letzten Wochen des Jahres statt, so blieb eine
geringe Zahl von Münzen im Umlauf, deren Jahrzahl das Sterbejahr des Münz-
herrn oder das Functionsjahr des Münzmeisters überschritt.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
385
Kaiser Mathias bestätigte die Enthebung des Münzamtmannes
Joliann Sultys mit der Resolution ddo. Linz, 13. December 1613.
Die Leitung des Kuttenberger Münzbetriebes wurde nunmehr an den
bisherigen Ober-Probierer Au gu stin Schmilau er vonSchmilau
Übertragen, welcher, obschon am 14. Jänner 1614 bereits beeidet,
erst am 8. Mai 1614 in sein neues Amt eintrat. ')
Nachdem die böhmischen Stände zur Ueberwachung des Münz-
betriebes einen von ihnen besoldeten und ihnen verpflichteten Land-
probierer bestellt hatten, wurden nach der im Jahre 1611 erfolgten
Einsetzung des Augustin Schmilauer als königlicher Ober-Probierer,
dem Landprobierer bei der Handhabung seiner Obliegenheiten in
den Münzhäusern Hindernisse bereitet. Die Stände erhüben aus
diesem Anlasse im Landtage des Jahres 1614 lebhafte Beschwerden
und wurde Kaiser Mathias um Abhilfe gebeten. 3) Es scheint dies
der Anlass gewesen zu sein, dass sich die Wiederbesetzung der
durch die Beförderung des Schmilauer zum Münzamtmann in Kutten-
berg erledigten Stelle des Ober-Probierers durch längere Zeit ver-
zögerte.
Die leidigen Kuttenberger Bergbauzustände veranlassten den
Kaiser im Jahre 1615 abermals eine Untersuchungs-Commission
unter der Leitung des Adalbert Popel von Lobkowitz auf
Chlumec nach Kuttenberg abzuordnen. Der Commission war auch
der Hofkammen-ath Vincenz Muschinger von Gumpendorf
beigegeben. Mit dem Erlasse ddo. 27. Juni 1615 ertheilte Mathias
die Weisung, es möge unter Zuziehung des Münzmeisters die Frage
untersucht werden, ob es nicht zuträglicher wäre, die Bergwerke
auf mehrere Jahre und unter welchen Bedingnissen zu verpachten.
Der Bericht der Commission wurde den böhmischen Ständen niit-
getheilt, welche in der Landtagssitzung am 31. Mai 1616 (Montag
nach Trinitatis^ diese Angelegenheit zur Verhandlung brachten.
Nachdem sowohl der Obermünzmeister Wilhelm von Wrzcsowicz,
als auch andere glaubwürdige Zeugen dargethan hatten, dass sich
beim Kuttenberger Bergwerksbetrieb im Laufe der letzten zehn
1) Vergl. Miltner 1. c, Seite G35.
25
386
Johann Xewald : Das österreichische Münzwesen
Jahre ein Verlust von 805.368 Schock meissn. ergeben habe,
stimmte der Landtag* der beantragten Verpachtung der Bergwerke
bei. Zur Durchführung dieser Massregel kam es jedoch nicht, ij
Die Thätigkeit des Augustin Schmilauer als Münzamtmann in
Kuttenberg umfasste nur 1 ^o Jahre, er starb, erst 42 Jahre alt, den
17. November 1615. Sein Münzzeichen war ein Hahn mit einem
Stock. Dasselbe erscheint in der Rückseiten-Umschrift der Münzen
unter dem Adler, bald in einer ovalen Einfassung, bald ohne eine
solche angebracht. Trotz der kurzen' Amtirung des Schmilauer
kommen die unter ihm ausgegangenen Münzen ziemlich häufig vor.
Aus der Sammlung des Herrn Donebauer in Prag liegen mir
1 Doppelthaler, 3 einfache Thaler, 1 Halbthaler und 2 Viertelthaler,
sämmtlich von den Jahren 1614 und 1615 vor. In meiner Sammlung
befindet sich ein Thaler von 1616. Bezüglich der Jahrzahl erachte
ich auf das in der Note 3 Seite 384 Dargestellte hinweisen zu
sollen.
Die Wiederbesetzung des durch das plötzliche Ableben des
Augustin Schmilauer erledigten Münzamtes in Kuttenberg verzögerte
sich bis zu der am 17. März 1617 erfolgten Bestellung des Sebastian
Hölzl von Sternstein als Münzamtmann daselbst. Derselbe war
schon im Jahre 1603 Verweser des Berghofmeisteramtes und wurde
1605 wirklicher Berghofmeister in Kuttenberg. Im Jahre 1612 vom
Amte enthoben, scheint er sich in der von ihm erbetenen Unter-
suchung vollständig gerechtfertigt zu haben. 2)
Indem durch die Zeit vom 17. November 1615 bis 17. März
1617 in Kultenberg kein Münzamtmann bestellt war, somit bezüg-
lich Leitung des Münzbetriebes ein Provisorium bestand, fehlt
auch auf den während dieser Zeit dort geprägten Münzen das
Münzmeisterzeichen. Die grösseren Geldsorten vom Jahre inin
haben an Stelle dieses Zeichens lediglich einen leeren Kreis.
Auch der Münzmeister Sebastian Hölzl blieb in Kuttenberg
nur durch eine kurze Zeit in Thätigkeit. Aus Iglau ddo. 27. Juni
1) Sternberg 1. c., I. Bd., Seite 167.
2) Miltner 1. c, Seite 191.
unter den Kaisern Maximilian IL, Rudolph Tl. und Mathias.
387
1618 meldete der Obernitinzmeister Wilhelm von Wrzcsowicz an die
Hof kammer, dass am 25. Juni 11 Uhr Vormittags der Kuttenberger
Buchhalter auf Befehl der „subutraque Stendt" überfallen, seine
Kanzlei geöffnet und sämnitliche Bücher mit Beschlag belegt wur-
den. Dann haben sich Paul Skreta und Raslav Hlavsa in das
kaiserliche Münzhaus begeben, dort mit Macht die Schlüssel
begert, auch Vieles mit Beschlag belegt und hat sich schliesslich
„einer von Adel so von Geschlecht Chotochowsky" im Münzhause
installirt. ^ )
Das Münzzeichen des Sebastian Hölzl von Sternsteiu ist ein
grosser sechsstr ahliger Stern, welcher au der gewöhnlichen
Stelle, das heisst an der Rückseite der Münzen unter dem Adler
angebracht ist. Auf Thalern, Halb- und Viertelthalern von den Jahren
1617 und 1618 fehlt jede Einfassung dieses Zeichens. Aus der
Sammlung Donebauer in Prag liegt mir ein Halbthaler von 1618
mit einem ganz kleinen Stern in der Form einer Rosette, ferner ein
Halbthaler von 1618 und ein Thaler von 1619 mit diesem kleinen
rosettenartigen Stern in einer ovalen Einfassung vor. Es ist der
Schliiss berechtigt, dass dies Münzen sind, w^elche nach der
Besitzergreifung des Kuttenberger Münzhauses durch die
,,subutraque Stendt" geprägt wurden. Ob dieser kleine Stern das
Münzzeichen des Sebastian Hölzl ist oder nicht, und im Falle es
ihm zugehört, ob dasselbe mit oder ohne seine Zustimmung auf den
Münzen angebracht wurde, hat sich bis nun aus den Acten uicht
klarstellen lassen.
• Münzstätte zu Joachimstlial.
Noch viel mehr als in Kuttenberg war zu Joachimsthal der
Münzbetrieb von dem Zustande des Bergbaues abhängig. Hier
jedoch nahm der Verfall desselben einen viel rascheren Verlauf als
dort. Wie oben erwähnt, war zu Joachimsthal schon im Laufe der
1; K. k. H. K. A., Fase. 10300. Radslav Hlavsa von Liboslau war im
Anfange des Jahrliunderts Müuzamtschreiber in Kuttenberg, vom Jahre 1G04
bis 1608 Ikrgbuchhalter, bei der Rathsenieuerung im Jahre IG IG wurde er iu
den Kuttenberger Stadtrath gewählt. Miltner 1. c, Seite 1^."«
388
Johann Newald : Das österreicliische Münzwesen
letzten Jahrzehnte des XVL Jahrhunderts die durchschnittliche
jährliche Thalerausprägung auf kaum 10.000 Stück zurückgegangen,
eine höchst bescheidene Ausbeute, wenn wir damit den Umfang des
Haller Prägebetriebes in derselben Zeit vergleichen. Während der
Kegierung des Kaisers Mathias trugen das politische Wirrsal und
die Parteigehässigkeit zur wesentlichen Verschlimmerung der dor-
tigen Bergwerks- und Münzamtszustäncle bei. Ermüdend wirkt die
Einsichtnahme in die Berichte, Vorschläge und Anträge der jedes
zweite oder dritte Jahr nach Joachimsthal abgeordneten Unter-
suchungs-Commissionen, die nur zu häufig Streitsachen zwischen
den königlichen Beamten unter sich oder mit anderen Parteien aus-
zutragen hatten. In einem der Commissionsberichte wird in bezeich-
nender Weise hervorgehoben: ,.dass bisher die muthwillig vnd
vnnütze Gezänk, Hass vnd Neid, so unter ihnen den Amhtleuten aus
lauter Verbitterung vnd giftiger Verhetzung sehr eingerissen, die
Ursache sein, wodurch Einheimische vnd Fremdte bau unlustig
gemacht vnd die Bergwerkh vollends gänzlich zum Abfal gebracht
werden müssen".
Zur Zeit des Ueberganges der Regierung von Böhmen an
König Mathias, und zwar schon seit dem 11. August 1606, leitete
den JoachimsthalerMünzbetrieb der Münzmeister Centurio Lenge-
felder. Aus der Instruction, welche demselben unterm 12. Decem-
ber 1606 ertheilt worden war, ergab sich für die Joachimsthaler
groben Silbermünzen, das ist Thaler, Halb- und Viertelthaler, eine,
wenn auch nicht wesentliche Aenderung im Ausbringen dieser
Münzsorten (Seite 288). Das demselben instractionsgemäss vor-
geschriebene Münzzeichen war „ein Löwenkopf mit aus-
geschlagener Zungen". Die Anordnung „mit ausgeschlagener
Zungen" dürfte mit Rücksicht auf den damals bei der Budweiser
Münze als Münzzeichen in Verwendung gestandenen ,,Löven-
kopf" erlassen worden sein, in der Absicht, die beiden sonst
ähnlichen Zeichen durch die „ausgeschlagene Zunge" von ein-
ander zu unterscheiden. Münzmeister Lengefelder blieb durch
die ganze Regierungszeit des Kaisers Mathias auf seinem Dienst-
platz. Die unter ihm ausgegangenen, mit dem Brustbilde des
Kaisers ausgestatteten Münzen reichen bis zum Jahre 1619. In
Folge der nahe 13 Jahre umfassenden Dienstzeit desselben
r
unter den Kaisern Maximilian IL, Rudolph II. und Matliias.
389
kommen die mit seinem Zeichen versehenen Münzen ziemlich
häiifiir vor.
"ö
Ans der Sammlung Donebauer in Prag liegen mir vom Jahre
1612 ein Halbthaler und ein Viertelthaler von besonders zierlichem
Stempelschnitt vor. Sie zeigen an der Rückseite das gekrönte mit
der Vliesskette umgebene Wappen von Ungarn und Böhmen, im
Herzschilde Oesterreich-Burgund. Beide Münzen sind offenbar vor
der am 24. Juni 1612 vollzogenen Krönung des Königs Mathias
zum römischen Kaiser geprägt worden.
Das Mttnzhaus zu Budweis anbelangend, wurde Seite 291
hervorgehoben, dass bisher aus den Acten nicht constatirt werden
konnte, wann der Prägebetrieb in demselben aufhörte. In der
Instruction, welche König Mathias ddo. 3. August 1611 für den
Ober-Probierer Augustin Schmilauer erlassen hatte, wird unter den
böhmischen Münzämtern auch noch Budweis aufgezählt (Seite 378).
Die militärischen Durchzüge, von denen im Jahre 1611 das süd-
liche Böhmen, namentlich aber Budweis bedrängt war, haben
unzweifelhaft den dortigen Münzbetrieb für längere Zeit unter-
brochen. Es geht dies aus dem Umstände hervor, dass Rosen-
berger aus den „Radiworicz'schen Gruben" stammendes Silber im
Jahre 1611 in das Prager Münzhaus gebracht wurde und für das-
selbe der Einlösungspreis bestimmt werden musste. i) Dass im
Jahre 1616 das Budweiser Münzhaus bereits ganz gesperrt war,
dürfte sich daraus ergeben, dass ddo. Wien, 24. November 1616 dem
Unternehmer Johann Joachim Edlin g ein Passbrief oder Geleit-
schein zur Ueberführung von 70 Centner „Test" nach Budweis und
zur Ueberführung des durch die Separirung gewonnenen Goldes,
Silbers und Blei in das kaiserliche Münzhans zu Prag ausgestellt
ij K. k. Hauptmünzamts- Archiv. Laut der dem Prager Miinzamte ertheiltcn
Weisung war für das Rosenberg'sche Silber „wegen habenden privilegii" zu
bezahlen, und zwar für die Mark Feinsilber 9 ganze Thaler 15 Groschen
3 Pfennig un<l für das übrige Brand- und Pagament-Silber die Mark mit
9 Thaler, jeder mit 14 Kreuzer Aufgeld, mithin 1 Tlialer für 84 Kreuzer
gerechnet.
390
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
wurde. Der Transport nach Prag- würde wohl kaum stattgefunden
haben^ wenn die Budweiser Münze noch in Thätigkeit gewesen
wäre. ^)
XX.
Die Münzstätten zu Kremnitz und Nagy-Bänia.
Die aufständischen Bewegungen in Ungarn unter Stephan
Bocskay, welche schliesslich Kaiser Rudolph IL zwangen, das
Königreich seinem Bruder dem Erzherzog Mathias abzutreten, brachten
auch für die ungarischen Bergstädte schwere Drangsale; sie fielen
durch einige Zeit den Malcontenten in die Hände. Es waren überaus
bedenkliche Verhältnisse, welche der erst am 9. November 1606
ernannte Unterkam m er graf und Münzmeister Georg Fleisch von
Lerchenberg vorfand; die Schwierigkeiten waren um so grösser^
als die Stelle des Oberstkammergrafen gemäss einer zweiten Reso-
lution Rudolphs IL ddo. Prag, 9. November 1606 nicht besetzt war.
Durch Malcontenten aufgehetzt, brach unter den bergstädtischen
Häuern und Knappen ein Aufruhr aus, der namentlich in Schemnitz,
wo der Tumult vom 31. August bis 7. September 1609 andauerte
und sich die Revoltanten mit Gewalt der Bruderlade bemächtigten,
einen höchst bedenklichen Charakter angenommen hatte. Mit der
Eingabe ddo. Kremnitz, 9. December 1609 schilderte der Unter-
kammergraf Fleisch den überaus gefahrvollen Zustand in den Berg-
städten und bat um die beschleunigte Absendung einer Commission
mit einem entsprechenden Geldverlag, um die Bergwerke zu
retten. 2)
Mit dem Hofkammereria ss ddo. Wien, 23. Jänner 16 lU wurde
die alsbaldige Abordnung dieser Commission verfügt, allein die
Verhältnisse drängten zugleich zur Wiederbesetznng des Oberst-
i) K. k. H. K. A., Fase. 17320. Wir begegnen hier das erste Mal dem
Unternehmer Johann Joachim Edhng, von dem später die Münzstätte zu
St. Polten eingerichtet wurde. Vergl. Newald, „Beiträge zm- Geschichte des
österreichischen Münzwesens während der Zeit von 1622—1650", Seite 7.
„Test" sind die untergeordneten Abfälle, welche sich beim Münzbetriebe
ergeben.
2) K. k. H. K. A. Fase. 15265.
unter den Kaisern Maximilian IT., lludolph II. und Matlüas
391
kammergrafenamtes, welche mit der Resolution des Königs Mathias
ddo. Wien, 19. März 1610 erfolgte. Der neue Oberstkammergraf
Mathias vonBlomstein, zugleich niederösterreichischer Kamnier-
rath, war der Vorstand der in die Bergstädte abgeordneten Com-
mission, es waren ihm beigegeben Andrea s Doczy, Freiherr,
Kreisobrister in Nordungarn; Stephan Palffy, Freiherr und
Philipp Jacob Grünthaler von Grttnthal. DiederComiiiission
ddo. Wien, 8. Juni 1610 ertheilte Instruction umfasst 42 Blätter. In
Bezug auf das Münzwesen wird gesagt, dass nach dem Bericht der
Kremnitzer Amtsleute nichts zu verändern wäre; auch die Bnch-
halterei bestätige, dass die Rechnungen ordnungsgemäss einlangen,
und im Falle sich Anstände vorfinden, alsbald „zur Remedirung
dasjenige so von Nöten verordnet werde". Dessenungeachtet habe
die Commission auch das Münzwesen zu untersuchen, i)
Die Arbeiten derselben stiessen namentlich gegenüber den
aufgehetzten Berg- und Münzarbeiten auf grosse Schwierigkeiten,
hatte ja doch die niederösterreichische Kammer ddo. Wien, 7. Mai
1610 an König Mathias die Anzeige erstattet, dass der Palatin
Georg Turso die Revoltanten in ihren Forderungen unterstütze
und ihnen zugesagt habe, dass er bald in die Bergstädte kommen
werde, um an Stelle der Wiener Kammer ein neues Regiment ein-
zurichten. Nachdem sich mittlerweile die aufständischen Bewe-
gungen beruhiget hatten, gelang es der Commission, den Berg-
und Münzbetrieb wieder zu ordnen. Unter Hinweis auf die grossen
Zerstörungen an flen Bergwerken, welche durch die Rebellion ver-
ursacht worden, waren die sieben Bergstädte um einen Nachlass an
der Landesumlage eingeschritten. Ueber Antrag der Commission
wurde mit Erlass ddo. Wien, 3. Jänner 1612 von den mit 4000 Gul-
den ausgeschriebenen Umlagen für drei Jahre die Hälfte nach-
gelassen. Dem entgegen erfloss ddo. Wien, 31. August 1611, eine
kaiserliche Resolution, welche den Waldbürgern im Grunde des
Artikels 22 der neuen Bergwerksordnung, den Erz- und Schlich-
verkauf an Fremde strenge untersagte, und die Einlieferung von
Gold und Silber an die Einlösungsämter zu Kremnitz und Schemnitz
anordnete. Ks wiinb' jcdiMh die alte T'ebung, dass den sieben
») Sämmtliche Acten k. k. II. K. A. Fiisc. 152«!.').
392
Johann Xewald: Das österreichische Münzwesen
ungarischen Bergstädten jährlich 175 Mark Silber für die dortigei
Goldschmiede tiberlassen wurden, aufrecht erhalten. ^)
Ueber Antrag der Commission wurde für die Kammern Kremnitz
und Schemnitz ddo. Wien, 30. Mai 1613 eine neue Instruction er-
lassen. Bisher war für beide Kammern nur ein einziger Buchhalter
mit dem Amtssitz in Schemnitz bestellt. Nachdem dieser nicht mehr
im Stande war, seinen Obliegenheiten nachzukommen, beförderte
König Mathias den Michael Wennger zum Buchhalter für Krem-
nitz. Auf das Einbringen derWochenlohnverzeichnisse sei mit grosser
Strenge zu dringen. Dem säumigen Rechnungsleger „solle der
Wochenlohn ohne alle Gnad, zur Straff durch den Kammergrafen
aufgebebt vnd nimmer passirt werden". Nachdem die Ducaten und
Thaler bereits hoch gestiegen waren, d. h. ein hohes Agio hatten
und damit zum Nachtheil der Kammer von Beamten Handel getrie-
ben wurde, wurde es dem Buchhalter zur strengen Pflicht gemacht
jedesmal genau anzuführen, zu welchem Werth Ducaten und Thaler
bei Zahlungen berechnet wurdeu. Im Einvernehmen mit dem Kam-
mergrafen sei darauf zu sehen, dass der Vortheil der Kammer ge-
wissenhaft gefördert werde. Die Einlösung der Silber anbelangend,
welche im Feingehalt von 15 Loth zu übernehmen sind, wurde ver-
ordnet, dass Neu sohl er Silber die Mark zu 7 Gulden ungarisch
das Schemnitz er Silber die Mark zu 6 Gulden 75 Pfennige, end-
lich der „Waldburger auf der Kremnitz und auf der Woiza, auch
anderer so zur Ablieferung des Silbers an die Kammer verpflichtet
sind", die Mark um (j Gulden 50 Pfennige ungarisch abzulösen ist.
Der Buchhalter war verpflichtet, im Einvernehmen mit dem Kammer-
grafen bei dem ganzen Kammerwesen, namentlich aber in dcrMünze
nachzusehen und soll „sonderlich dahin bedacht sein, damit die
Münz in rechtem Schrott, Khorn vnd Halt aussgefertiget gemünzt,
vnd die grossen Abgeng in der Ciment vnd Güessgaden, so sich bis-
her befunden, verhuet werde".
Es kann uns nicht befremden, dass während der Zeit der auf-
ständischen Bewegung der Prägebetrieb im Kremnitzer Münzhause
sehr zurückgegangen war. Ueber den Umfang der Silberausmünzung
in den Jahren 1607 bis inclusive 1613 liegt ein vom Münznieister
1) Sämmthche Acten k. k. H. K. A. Fase. 15265.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolpli II. und Mathias öoö
Georg Fleisch eingebrachtes Verzeichniss vor. Es wurde an
Silber zu 15 Loth fein vermünzt:
auf Thaler
1607 1769 Mark 15.213 Stücke,
auf Pfennige
8.757 Mark
1608
2927
«
25.172
r
4.389 „
1609
2525
r
21.715
n
3.541 „
1610
4074
)7
35.036
n
5.308 „
1611
8347
r
71.784
n
13.818 „
1612
5004
«
43.034
n
13.872 „
1613
5612
r
48.263
77
10.873 „
Zusammen 30.258 Mark 260.21 7 Thaler 60.558 Mark
auf ung-arisclie Pfennige.
Werden die vorstehenden Daten, die Thalerprägung anbelan-
gend, mit den Betriebsergebnissen des Haller Münzhauses verglichen
(Seite 337), so ergibt sich ein höchst wesentlicher Unterschied; allein
wir lernen auch die Ursache kennen, warum Kremnitzer Thaler aus
der letzten Regierungszeit Kaisers Rudolph IL und aus den ersten
Jahren des Königs Mathias so selten angetroffen werden. In einem
oder dem andern Jahre dürfte auch, jedenfalls jedoch nur in be-
schränkter Anzahl, eine Ausmtinzung von Halbthalern stattgefunden
haben.
Die dem Unterkammergrafen und Münzmeister Georg Fleisch
crtheilte Instruction enthielt die Verordnung, dass ein Drittel des
feinen Silbers auf Thaler und zwei Drittel auf ungarische Pfennige
zu vermünzen sei. (Seite 304.) Nachdem gegen die Münzbeamten die
Beschuldigung erhoben wurde, dass sie mehr als ein Drittel des
Silbers zu Thalern verpräi^t, während das Ausbringen der kleineren
Münzen im Interesse der Kammer gelegen wäre, wiesen die Beam-
ten zunächst nach, dass bei der Silberausmünzung der Instruction
gemäss vorgegangen wurde, und legten vom Jahre 1607, als dem
ersten Jahre der Anitirung des Münzmeisters Fleisch, bis inclusive
1613, den oben auszugsweise mitgetheilten Gebarungsausweis vor.
In ihrem Rechtfertignngsbericht machten die Münzbeamten auf den
Umstand aufmerksam, dass dieGewerke bei denSilbereinlicferungen
die Einlösungsbeträge in vollwichtigen Münzen, d. h. in Thalern
ansprechen, daher eine Reduction der Thalerprägung nicht zulässig
394
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
war, wozu Doch zu erwägen kömmt, class die Kammern Kremnitz
Schemnitz mit, auf Ducaten und Thal er lautenden Schulden belastet
sind, deren Verzinsung* die Gläubiger mit Ducaten und Thalern ohne
einen Agiozuschlag ansprechen. Ein baldiges Abzahlen dieser Schul-
den liege im höchsten Interesse der Kammern, indem bei dem
hohen Stande der Thaler, welche bereits mit 125 bis 126 Pfennige
berechnet werden, grosse Nachtheile erwachsen. Die Beamten
sprechen die Hoffnung aus, dass, wenn die Münzgefälle in dem der-
maligen guten Stande verbleiben, sie im Jahre 1614, 20 bis 30
Tausend Thaler zur Abstattung solcher Schulden werden verwenden
können.
Der Oberstkammergraf vonBlonistein legte diese Rechtfertigung j
mit der Eingabe ddo. Neusohl, 22. Jänner 1614 der Holliammer
vor, worüber ddo. Linz, 3. April 1614 die kaiserliche Kesolution
erfloss, in welcher die Erläuterungen der Beamten als befriedigend
anerkannt werden, und der Oberstkammergraf ermächtiget wird,
Thalerprägungen je nach Bedarf vornehmen zu lassen, i)
Bei der Ausstattung der in Kremnitz geprägten Thaler wurde
im Jahre 1614 eine nicht unwesentliche Aenderung durchgeführt.
Auf der Brust des Doppeladlers befindet sich das viergetheilte
Schild mit den Wappen von Böhmen, Dalniatien, Kroatien und
Slavonien, mit dem österreichisch-burgundischen Wappen als Herz-
schild. Das Wappen von Ungarn ist unter dem Adler in der Um-
schrift in einem kleinen mit einer offenen Krone bedeckten Schild-
chen angebracht.
Ueber die Anzeige des Unterkammergrafen Fleisch, dass die
Kremnitzer Beamten, die auf den neuen Thalern vorkommende An-
bringung des ungarischen Wappens unter dem Adler dahin aus-
legen : „dass Iro Kays. Mt. dasselbe den Ungarn zu Schimpff also
setzen lassen, Iro nichts mehr achteten, sondern dieselben in Kurzem
mit Füssen tretten vnnd gar austilgen wollten", erhielt der Oberst-
kammergraf von Blomstein, ddo. Wien, 18. März 1614 die Weisung,
weil durch solche Aussagen die Ungarn aufgeregt werden, sei gegen
solches Gerede und Auslegungen mit der grössten Strenge einzu-
1) K. k. H. K, A. Fase. 15265.
mter den Kaisern Maximilian IT., Riidoli)h II. und Mathias.
395
schreiten. Auch der Feklobriyt Doczy brachte in dieser Angelegen-
heit cldo. Szathmar, 11. Juli 1614 eine Eingabe ein, in welcher er
seine Verwunderung aussprach, dass die Ungarn „des Schilteis
wegen Bedenken tragen." Seiner Meinung nach solle man sich
daran gar nicht stossen ; denn die Ungarn sind schliesslich recht
froh, wenn nur recht viele Thaler und Ducaten im Lande um-
laufen.
Die Aufregung über den beanständeten Thaler, eigentlich über
die Anbringung des ungarischen Wappens unter dem Schweife des
Doppeladlers verbreitete sich über immer grössere Kreise. Die Hof-
kammer erstattete darüber ddo. Wien, 17. Jänner 1615 Vortrag an
den Kaiser, in welchem sie hervorhebt, dass die ungarischen Stände
sich wiederholt darüber beschwert haben, dass das ungarische
Wappen auf den Thalern „zu Füssen des Adlers angebracht ist, was
dieselben für ein despect aufgenommen". Die Hof kämm er bean-
tragte schliesslich, der Kaiser möge eine entsprechende Abän-
derung anbefehlen, welchem Antrage Mathias sein „Placet" bei-
setzte, t)
Die beanständeten Thaler, welche übrigens nicht häufig anzu-
treffen sind, kommen von den Jahren 1614 und 1615 vor. Letzteren
kannte Schultess-Rechberg nicht. Halbthaler dieses Gepräges,
welche jedoch zu den grossen Seltenheiten gehören, gibt es vom
Jahre 1616. Ein Exemplar befindet sich in meiner Sammlung. Von
einigen Nnmismaten werden die in Rede stehenden Thaler als
„Slavonische Thaler" bezeichnet. Dass dieselben in Kremnitz
geprägt wurden, wird durch die mitgetheilten Acten und durch die
auf den Thalern und Halbthalern vorkommenden Ruchstaben K — B
ausser allen Zweifel gestellt. Ich glaube noch die Bemerkung bei-
fügen zu sollen, dass mir in den das ungarische Münzweseu betref-
fenden umfangreichen Acten, weder unter Mathias noch aber unter
seinen Vorgängern in der Regierung, nicht ein einziges Schriftstück
vorgekommen ist, welches zu dem Schlüsse berechtigen könnte, dass
die Absicht bestand, für Slavohi en besonders bestimmte Münzen
ausgehen zu lassen. Bei dem an sich schon lockern Verbände, wel-
cher zwischen Ungarn und seinen Nebenländern bestand, würde ein
K. k. IL K. A., Fase. 1526r>.
396
Johann Newald: Das österreichische Müuzwesen
solches Zugeständniss ZU sehr bedenklichen Cousequenzen
geführt haben.
Im Anfange des Jahres 1613 gab es einen kleinen Anstand mit
dem Herzog Wenzel zu Te sehen. Der Verwalter der herzoglichen
Münze, welche sich zu „Khat scho ff" (Skotschau) befand, Mel-
chior Wink 1er, hatte durch eigenen Boten, der ein Schreiben voll
weitgehender Versprechungen mitbrachte, die Kremnitzer Münzer
Hanns Krauss, Josef Trautmann und Georg Rietschensky dahin ver-
mocht, dass sie heimlicher Weise Kremnitz verliessen und zu Skot-
schau in Dienste traten. Der Fall wurde dem Kaiser zur Kenntniss
gebracht, welcher ddo. 4. März 1613 ein in ziemlich ernstem Tone
gehaltenes Handschreiben an den Herzog richtete, in welchem die^H
Bestrafung des Münzverwalters und die allsogleiche Zurücksendung^^
der drei Münzer verlaugt wird. < )
Der Palatin Georg Turso hatte das Ansuchen gestellt, 1000
bis 1200 Mark Silbergeschirr und Geschmeide, gegen Ersatz der
Prägekosten, im Kremnitzer Münzhause in Thaler und Kleingeld
vermünzen zu lassen. Mit Bericht ddo. Wien, 24. September 1614
äusserte sich die hinterlassene Hofkammer über das Begehren des
Palatins in abfälliger Weise. Sie besorgte ein nachtheiliges Präjudiz,
möchte aber auch den Palatin, der so leicht geneigt ist, dem kaiser-
lichen Interesse zu schaden, nicht ganz abweisen, und beantragte
schliesslich nur die Genehmigung einer Thalerprägung, darauf hin-
weisend, dass, falls auch eine Kleingeldmünzung gestattet würde,
der Palatin ein dem kaiserlichen Interesse nicht zusagender Einblick
in das Ganze des Münzbetriebes gewährt würde. Der in dieser An-
gelegenheit einvernommene Münzmeister Fleisch will ebenfalls nur
die Thalerprägung genehmiget wissen, und hätte der Palatin für
jede vermünzte 151öthige Mark Silber 25 ungarische Denare als
Münzungskosten zu bestreiten, s)
Beim Gold- und Silbertransport hatten bishin Bergkna])})en als
Escorte gedient. Im Frühjahre 1615 wurde eine solche Sendung von
Räubern angefallen. Mit der Resolution ddo. Prag, 4. Juli 1516 ge-
nehmigte Mathias die Bestellung von 12 Trabanten für die Zeit, als
1) und 2) K. k. H. K. A. Fase. 15265.
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathia?. "«^ •
die grosse Unsicherheit andauert, welche anstelle der Bergknappen
die Gold- und Sillici'sendungen zu escortiren hatten.
Die Bergwerke und der Münzbetrieb zu Nagy-Bänia oder
-Hnngatisch-Neustädtl" waren noch immer verpachtet. Mit dem Er-
lass ddo. Wien, 27. Februar 1614, wurde der Oberstkammergraf
von Blomstein angewiesen, zur Untersuchung der Bergwerke und
nachdem dort >aut des Bathori Gabors Schlag gemünzt werde",
Bergverständige dahin abzuordnen. Die Münzung des Bathori ist
gänzlich aufzuheben, auch sind, „auf dass auf Iro Kays. Mt. Namen
vnd Piltnuss geprägt werden könne" den Abgeordneten alsbald die
erforderlichen Prägestempel mitzugeben. Mit der Eingabe vom
5. März 1614 hatte der Oberstkammergraf gegen die Durchführung
dieses Auftrages verschiedene Bedenken erhoben, worüber ihm
jedoch mit einem zweiten Erlass ddo. Wien, 12. März 1614, bekannt
gegeben wurde, dass der Feldobrist und Commandant von Szathmar
Andreas Doczy angewiesen wurde, bei der Durchführimg der,
der abzuordnenden Commission zugewiesenen Aufgaben Assistenz
zu leisten, auch sei zur Intervention bezüglich der Münzabstel-
lung des Bathori und Einrichtung des neuen Betriebes, Sigis-
mund Forgatsch, einer der Käthe der Zipser Kammer, abge-
ordnet.
In Nagy-Bänia entsprach die Commission der ihr zugewiesenen
Aufgabe, so weit dieses bei den obwaltenden Schwierigkeiten und
der grossen Unsicherheit der politischen Zustände des Landes aus-
führbar war. Die Münzprägungen im Namen des Kaisers Mathias
wurden dort noch im Laufe des Jahres 1614 eröffnet, jedoch nur
auf Ducaten und kleine Silbermünzen beschränkt. ^^
1) Das k. k. Münzcabinet bewahrt Nagy - Bäniacr Münzen des Kaisers
Mathias, und zwar Ducaten und Halliducaten, Doppelgroschen undKleinpfeiinige
von den Jahren 1614 bis incUisive 161J». Vergl. auch Wescerle, II. Abtlieihmg,
Tafel VIT, Nr. 4, 5, 6, 7, 12 und 15. Schwer erklärhch ist der Umstand, dass in
der mehrerwähnten Publication „die Siebenbürgisclien Münzen der fürstl. Monte-
nuovos'schen Münzcab." von A. Hess, die mit d(nn Brustbilde o(U^r Namen der
beiden Kaiser Rudolph II. und Mathias zu Nagy-Bania geprägten Münzen
fehlen, wälnciid von Miidcn n Finst.nXagy-Bäniaer Münzen zahlreich beschrieben
werden.
398
Johann Kewald: Das österreichische Münzwesen
Jene Schwierigkeiten, welche sich in den deutschen Erbländern
und in Böhmeri aus dem Missverhältniss zwischen den umlaufenden
Scheidemünzsorten und den groben Münzen ergaben, machten sich
auch in Ungarn geltend. Mit dem Erlasse der niederösterrei(?hi sehen
Kammer ddo. Wien, 11. December 1615, wurde der Oberstkammer-
graf von Blomstein angewiesen, die ihm unterstehenden Gassen da-
hin zu beauftragen, dass der Ducaten zu 210, der ungarische Thaler
zu 126 ungarische Pfennige zu verrechnen ist. Aus Anlass dieser
Verordnung brachten die Münzbeamten eine Eingabe ein, in welcher
sie hervorheben, dass die Neusohlerischen Kupferverleger seit eini-
gen Jahren dringend ungarische Pfennige verlangt haben. Um de
Anforderungen nachkommen zu können, wurden ungarische Thaler
in Pfennige umgemünzt und hat sich ergeben:
im Jahr 1613 aus 20.000 Thalern 28.108 fl. 79 Pfennige
„ „ 1614 „ 10.000 ., 14.595 „ 73
„ „ 1615 „ 17.000 „ 23.30S ,. 76 „
somit zusammen aus 47.000 Thalern 66.013 fl. 28 Pfennige,
woraus auf den Thaler 1401/2 ungarische Pfennige entfallen sind.
Würde man den Thaler mit 126 Pfennigen berechnet haben, so
hätten die umgemünzten 47.000 Thaler 59.220 fl. ergeben, daher
sich aus der Uniprägung ein Ueberschuss von 6793 fl. 28 l'fennige
ungarisch ergab. ^ )
Im Jahre 1615 handelte es sich um die Bestellung eines neuen
Münzeisenschneiders in Kremnitz. Mit Schreiben ddo. Wien, 13. Mai
1615 wendete sich die niederösterreichische Kammer an den Kupfer-
verleger Wolf Paller in Augsburg und an die Liechtenstein'schen
Münzpächter in Troppau. Mit dem Erlasse ddo. Wien, 6. Juni 1615
wurde dem Oberstkammergrafen von Blomstein bekannt gegeben,
dass Paller in Augsburg den Daniel Haider, die Liechtenstein' -
sehen Münzverleger jedoch den Ananias Büttner empfohlen
haben. Es sind beide aufzunehmen, dieselben haben Probestempel
zu schneiden, und ist der Vorzüglichere als Ober-Münzeisenschneider
zu bestellen. 2)
1) K. k. H. K. A. Fase. 15266.
a) Daselbst Fase. 17320.
unter den Kaisern Maximilian IL, Rudolph II. und Mathias.
399
Mit der Resolution ddo. Wien, 16. Februar 1615 wurde dem
Ward ein zu Kremnitz, Philipp Neutaler, der am 12. Jänner
1589 zum Cimenter, den 31. Mai 1596 zum Obereimenter, endlich
im Jahre 1598 zum Ward ein mit jährlich 209 fl. ungar. Besoldung
ernannt worden war, seiner treuen Dienste wegen eine Provision
von wöchentlich 3 fl. genehmiget. Neutaler starb schon Anfang Mai
1616. 1)
Noch aus der Zeit des Bocskai'schen Aufstandes waren die
Kremnitzer Mttnzgesellen und Knappen mit dem Betrage von
1494 fl. 98 Pfennige im Rückstande. Im Bericht ddo.Wien, 14. Jänner
1617 bemerkt die niederösterreichische Kammer, dass die Mtinz-
knappen damals Soldatendienste geleistet haben, ohne einen Sold
zu beziehen, und dass später da wenig Arbeit war, denselben ein
Wartegeld von 320 fl. 43 Pfennige gewährt werden musste. Nach-
dem mittlerweile eine Zahl der betheiligten Gesellen und Knappen
gestorben ist, und es wohl nicht angehe, den ganzen Rückstand auf
die noch lebenden zu vertheilen, beantragte die Kammer den Nach-
lass des ganzen Betrages. Kaiser Mathias genehmigte mit der Reso-
lution ddo. Wien, 17. October 1618 diesen Antrag. 2)
Im Monat August 1618 starb der Kremnitzer Unterkammergraf
und Mttnzmeister Georg Fleisch von Lerchenberg. Ueber An-
trag der Hofkammer vom 12. September 1618 ernannte Kaiser
Mathias mit der Resolution ddo. 12. December 1618 den bisherigen
Einnehmer zu Schemnitz, Hanns Lienpacher von Lienpach
zum Unterkammergrafen, Einnehmer und Münzmeister bei der Kam-
mer Kremnitz „mit gleicher Unterhalltung vnnd Instruction wie dem
Fleischen zum Antritt beschehen". Lienpacher erhielt ddo. Wien,
22. Februar 1619 eine, 36 Seiten umfassende eingehende Amts-
instruction. In Bezug auf die Münzprägung blieben, Ducateu und
Thal er anbelangend, die fttr Georg Fleisch mit der Instruction vom
1. Mai 1607 (Seite 304) vorgeschriebenen Normen aufrecht. Es waren
auszubringen: Ducaten auf die ungarische Mark 69 Stücke im
Feingehalt von 23 Karat und 9 Grän, ferner Thal er aus der mit
14 Loth beschickten ungarischen Mark 8-6 Stücke (8 Thaler 60
Pfennige). Von dem zur Verniilnzung kommenden feinen SillxM- w.ir
1) und a) K. k. H. K. A. Fase. 152G(J.
400
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
Ya auf Thaler, 2/3 ^"^ kleine Mttnzen zu verwenden. Ein Unterschied
ergab sich bei den ungarischen weissen Pfennigen. Während die
Instruction vom Jahre 1607 den Feingehalt mit 6 Loth anordnet,
bestimmt die neue Instruction denselben mit 5 Loth, es waren jedoch
wie früher 446 Stücke aus der ungarischen gemischten Mark aus-
zubringen. 1)
Gegen das Ende der Regierung des Kaisers Mathias gaben die
der grossen Entfernung wegen nur schwer zu überwachenden und zu
controllirenden Zustände zu Nagy-Bänia, neuerdings zu Verhandlungen
Anlass. Das dortige Münzhaus war anFelician Freiherrn von Her.
berste in, ein Sohn des im Jahre 1599 zuNagy-Bania verstorbenen
kaiserlichen Hofkriegsrathes Felician von Herberstein (Seite 309)
verpachtet. Mit dem Hofkammererlass ddo. Wien, 20. September
1618 wurde derselbe aufgefordert, die für das Münzhaus zu Nagj-
Bänia rückständige Arrenda von 5000 fl. alsbald an die Zipser
Kammer einzuzahlen, widrigens das Münzhaus einem andern Pächter
überlassen werden wird.
Mit der Eingabe ddo. Szathmar, 11. Jänner 1619 hatte der
Kreisobrist in Oberungarn und Commandant von Szathmar Andreas
Doczy dringend darauf angetragen, dass in Bezug auf das Berg-
und Münzwesen zu Nagy-Bania besser als bisher Vorsorge zu treffen
wäre. ^Man füret auch auss Sibenbürgen Silber vndt Gold zu undt
lass es aldort münzen, dennoch ist nie khein Geld vorhanden.'' Feli-
cian von Herberstein bezahle die jäbrlich zu entrichtende Arrenda
gar schlecht, auch geben seine Münzen zu Klagen und Beschwerden
Anlass, man möge daher einen neuen Pächter aufnehmen. Am ent-
sprechendsten wäre die Stadt Nagy-Bänia selbst, welche auch geneigt
wäre, eine um mehrere Hundert Gulden erhöhte Arrenda zu zahlen.
Herberstein liege mit der Stadt in stetem Streit. In einem undatirten
Schreiben gab Letzterer über diese Anschuldigungen seine Aeusserung
ab. Er beschwerte sich über die Feindseligkeiten des Feldobristen
Doczy, namentlich aber über die von demselben erhobene Beschul-
digung, dass er, Herberstein, inNagy-Bänia falsche Münzen schlagen
lasse. Er beruft sich darauf, dass er von seinen Münzen, über Auftrag
1) K. k. H. K. A., Fase. 15266.
unter den Kaisern Maximilian IT., Tiu(loli)h II. und Mathias.
401
des Oberstkauiiiitr^ raten, Proben an die Wardeine zu Kremnitz und
Neusolil einsende, welche diese Proben mit ihren Münzen „aines
Halts, feine und denselben allerdings gleich erfunden haben".
Der Oberstkammergraf von Blomstein, dem die Acten zur
Aeusserung zugewiesen wurden, sagte in seinem Bericht ddo. Wien,
20. Februar 1619 über den Antrag, das dortige Berg- und Münz-
wesen der Stadt Nagy-Bänia bestandweise zu überlassen, „dass wie
die Ungarischen Herren, also auch die Stadt denen Pergbaulustigen
Teutschen Feind, selbst aber Pergwerg zu bauen gar zu aigennüczig
vnd trag, vnd dahero wie sy Ihme Herrn von Herberstein weckh
bringen möchten, bedacht seien". *)
Ueber den Abschluss dieser Verhandlungen finden sich in den
Acten keine Nachrichten, wohl ans dem Grunde, weil sie gar nicht
zu Ende geführt werden konnten. Kaiser Mathias war am
20. März 1619 gestorben. Durch den SiebenbUrger Fürsten Bethlen
Gabor aufgehetzt, brach in Ungarn neuerdings eine aufständische
Bewegung aus. Bethlen hatte mit seinen Anhängern schon am
6. September 1619 Kaschau, den Amtssitz der Zipser Kammer,
besetzt; womit, sowie durch die nun folgenden politischen Ereig-
nisse, jeder Verkehr der Wiener Regierung mit Nagy-Bania für eine
längere Reihe von Jahren aufgehoben wurde. Die Bergstädte fielen
erst um mehrere Monate später Bethlen Gabor in die Hände, denn
noch ddo. Wien, 7. October 1619 erfolgte an den Oberstkammer-
grafen von Blomstein die Weisung, dass über Mandat des Erzher-
zogs Leopold vom 30. September 1619, im Münzhause zu Kremnitz
„alle Münzsorten auf Ihrer Kays. Mt. Bildnuss undt Namen als bald
zu verändern sind'^ 2)
Die in den Jahren 1614 und 1615 zuKremnitz geprägten Thal er
wurden im Lande, ja selbst von den ungarischen Ständen, aus dem
Grunde beanständet, weil das Landeswappen auf der Rückseite
derselben unter dem Schweife des Doppeladlers angebracht war
(Seite 394). NachdemKaiser Mathias eine entsprechende Abänderung
angeordnet hatte, wurden schon im Jahre 1616 Thaler geprägt, auf
1) K. k. K. n. A. Fase. 152GG.
2) Daselbst Fase. 152(10.
26
402
Johann Xewald: Das österreichisch»- Münzwesen
I
denen, wie solches schon auf altern ungarischen Thalern der Fall
war, das Landeswappen auf der Vorderseite neben dem Brustbild
des Kaisers, in der Umschrift rechts und links die „Patrona Hun-
garia" dargestellt erschien. Das Schild auf der Brust des Doppel-
adler blieb jedoch ungeändert, es zeigte die Wappen von Böhmen,
Dalmatien, Kroatien und Slavonien, im Mittelschilde, das öster-
reichisch-burgundische Wappen. Der derart ausgestattete Krem-
nitzer Thaler vom Jahre 1616 kommt übrigens nur selten vor. Das
Wappen auf der Brust des Doppeladlers wurde jedoch schon im
Jahre 1617 dahin abgeändert, dass nunmehr im ersten und vierten
Felde die ungarischen Binden, im zweiten und dritten Felde der
böhmische Löwe und im Herzschilde das österreichisch-burgun-
dische Wappen angebracht ist.
Obwohl Kaiser Mathias schon am 20. März 1619 starb, kumiiicu
noch Kremnitzer Thaler und Halbthaler vom Jahre 1620 vor. (Schul-
tess-RechbergNr. 2447 und 2448.) Die Erklärung dieser Eigenthüm-
Hchkeit dürfte in dem Umstände liegen, dass die Weisung, die Mün-
zen nunmehr mit dem Brustbilde und Titel Ferdinands IL ausgehen
zu lassen, den Kremnitzer Münzbeamten verspätet zukam und mitt-
lerweile eine Anzahl Thaler und Halbthaler des Kaisers Mathias
mit der Jahrzahl 1620 geprägt wurden, um dieselben in üblicher
Weise schon an Allerheiligen 1619 an Beamte und andere Stan-
despersonen abgeben zu können. Die Halbthaler dieser Prägung
gehören unter die Seltenheiten. i
unter den Kaiseru Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
403
Rückblick.
Die Kegierimgszeit der drei Kaiser Maximilian 11.,
Rudolph II. imd Mathias nimmt namentlich dadurch unsere
Aufmerksamkeit in Anspruch, dass sich im Laufe derselben jene
Zustände vorbereiteten, welche schliesslich eine weitgehende Auf-
lösung des „heiligen römischen Reiches deutscher Natiop" und eine
Lahmlegung der Centralgewalt herbeiführten. Noch viel tiefgreifen-
der waren die Veränderungen, welche sich während dieser Zeit-
periode im Münzwesen des Reiches vollzogen hatten. Von irgend
einer gemeinsamen Grundlage für das überaus wichtige Münzwesen,
auf w^elcher das Ganze des über Centraleuropa ausgebreiteten, zum
römischen Reiche gehörigen Landgebietes zu umfassen gewesen
wäre, konnte längst keine Rede mehr sein.
Obwohl auf den Reichstagen der Bestand der zahlreichen
Münzstätten, darunter sehr viele von höchst zweifelhafter Berechti-
gung, als die Grundursache der trostlosen Münzverhältnisse er-
kannt; auch wiederholt Anträge gestellt und Beschlüsse gefasst
wurden, deren consequente Durchführung eine Bekämpfung wenig-
stens der schreiendsten Uebelstände erwarten Hess, war die Central-
gewalt des Reiches längst viel zu machtlos, um mit Erfolg dem all-
gemein erkannten Uebel entgegentreten zu können.
In den kleinen Münzliäusern, wo man sich nur durch das
Streben nach augenblicklichen Gewinn leiten Hess, hörte die Aus-
prägung von reichsgemässen groben Münzen gänzlich auf
und wurden nur kleine, an Korn und Schrot verminderte
Scheidemünzsorten ausgebracht, deren Gehalt, da sich die
kleinen Münzstände in der Ausbeutung der Münzbefugnisse wechsel-
seitig zu überbieten suchten, fort und fort verschlechtert wurde.
Um der aus einem solchen Gebaren drohenden Calamität zu begeg-
nen, wurde schon im Jahre 1571 auf dem Reichstage zu Frankfurt
26*
404
Johann Newald: Das österreichische Münzwesen
beschlossen, dass nur jenen Reichsständen, welche eigene Berg-
werke auf Edelmetalle besassen, der Betrieb eigener Münz-
stätten gestattet bleiben soll, während alle übrigen Münzstände mit
ihren Münzprägungen in die Kreismünzhäuser, welche unter
geschwornen Mtinzmeistern und Wardeinen stehen sollten, zu weisen
wären.
Als jede Hoffnung auf eine durchgreifende Handhabung der
Reichsmttnzordnung aufgegeben werden musste, sah sich
Kaiser Maximilian IL über Drängen seiner Brüder, der Erzherzoge
Ferdinand von Tirol und Karl von Steiermark, auch die Vorstellun-
gen der Stände seiner Länder würdigend, genöthiget, im Jahre
1573 von derselben zurückzutreten. Von der drückenden Fessel
befreit, entwickelte sich nunmehr das österreichische Münzwesen
unter den Kaisern Maximilian IL, Rudolph H. und Mathias, in einer
das wirthschaftliche Interesse dieser Länder thunlichst wahrenden
Weise. Korn und Schrot der aus den österreichischen Münz-
häusera ausgegangenen groben und kleinen Geldsorten wurden
lediglich nach den Anforderungen, welche sich aus dem wirthschaft-
lichen Zustande der österreichischen Lande, auch nach anderen
massgebenden Factoren, ergaben, festgestellt; — auf die in den
ausserösterreichischen deutschen Ländern, auf dem Gebiete des
Münzwesens herrschenden Verhältnisse konnte dabei keine Rück-
sicht mehr genommen werden.
Man hat einen Theil der mit Brustbild und Titel österreichi-
scher Regenten, welche römische Kaiser waren, ausgeprägten
Thaler als „Kaiserthaler'^ bezeichnet, womit wohl gesagt wer-
den wollte, dass dieselben speciell für das Reich und für den Ver-
kehr im Reiche bestimmt waren. Durch diese Zutheilung, bei
welcher überdies ohne irgend einen klaren Gesichtspunkt oder ein
bestimmtes Prineip vorgegangen wurde, hat man den Zusammen-
hang der aus österreichischen IMünzhäusern ausgegangenen Thaler
und deren Untertheilungen in höchst bedauerlicher Weise aufgelöst.
Das Studium des österreichischen Münzwesens ist
durch diesen Vorgang nicht gefördert worden. Während in Bezug
auf Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit der aus öster-
reichischen Münzhäusern ausgegangenen Münzsorten alle übrigen
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph IT. und Mathias. ^VD
Länder des einstigen heiligen römischen Reiches deutscher Nation
weit zurückstehen, kommt dennoch das österreichische Miinzwesen
als ein Gesammtbild an keinem Orte zum Ausdruck.*)
Man schied ganze Reihen österreichischer Thaler — nochmals wird
es wiederholt, ohne dabei von einem klaren Gesichtspunkte aus-
zugehen — als „Kaiserthaler'^ aus, man bildete andere von
einander getrennte Gruppen, die man ,,ungarische" oder „böh-
mische" Münzen nannte, man sonderte die siebenbürgischen
Münzen aus. Ganz getrennt wurden die Münzen der Nebenlinien
des Habsburger Regentenhauses behandelt, endlich wurden die
Münzen, welche Erzherzog Maximilian III. als Landesherr von
Tirol und Elsass prägen Hess, gar nicht als österreichische
Münzen anerkannt, sondern einfach den Münzen des deutschen
Ordens zugetheilt. Wo wir hinblicken, planlose Zersplitterung. Ohne
zu bedenken, dass die grosse Mannigfaltigkeit der österreichischen
Münzen in innigem Zusammenhange steht mit dem Gange der Ent-
wicklung und der Ausgestaltung der habsburgischen Monarchie,
auch ohne zu bedenken, dass, nachdem das Münzwesen lediglich
ein integrirender Bestandtheil des ganzen staatlichen Organismus
ist, dasselbe nothwendiger Weise in vollem Zusammenhange mit
den allgemeinen staatlichen und wirthschaftlichen Zuständen der
Monarchie betrachtet, nicht aber von seiner eigentlichen Grundlage
abgetrennt und in eine Zahl von aus ihrem Zusammenhange gerisse-
nen Gruppen aufgelöst, behandelt werden kann, wurden Systeme
aufgestellt, durch welche der Gesammtblick auf die übergrosse
Reichhaltigkeit und die Mannigfaltigkeit der aus österreichischen
Münzhäusern ausgegangenen Münzen gänzlich verloren ging.
In Bezug auf die unter Ferdinand I. geprägten Thaler, denen
der Titel ,,Rö misch -kaiserliche Thal er" beigelegt wurde,
habe ich im „Oe sterreichische n Münzwesen unter Ferdi-
nand I." Seite 98 u. f. mehrfache Bedenken hervorgehoben. Es
1) Bei der MüDzenausstelluug, welche die Wiener Numismatische Gesell-
schaft aus Anlass des (h-itten deutscheu Münztbrschertages im Jahre 1883
veranlasste, wurde lediglich ein Versuch gemaelit, die Entwicklung des
österreichischen Münzwesens übersichtlich darzustellen. Schon dieser ganz
unvollständige Versuch bot ein überraschendes, ja iinponirendes Bild dessen,
was „österreichisches Münzwesen" heisst.
406
Johann Newald : Das österreichische Münzv esen
I
möge nnnmehr gestattet sein, an das dort Betonte, die drei Kaiser
Maximilian II., Rudolph IL und Mathias anbelangend, einige Er-
wägungen beizufügen.
Nachdem Ferdinand I. alle österreichischen Länder unter
seinem Zepter vereinigte, hat man einfach die aus den Münzhäusern
zu Wien, Linz, Graz, Klage nfurt und Hall hervorgegangenen
Thaler sämmtlich als „Römisch-kaiserliche Thaler" bezeich-
net, und hat Schultess-Rechberg überdies unter Nr. 158 einen
schlesischen Thaler unter die „Kaiserthaler" eingereiht. Es
genügt wohl zu erwähnen, dass Ferdinand I. Herzog von
Schlesien nur als König von Böhmen, nicht aber als römischer
Kaiser oder König war. Er errichtete die Münzstätte zu Breslau als
König von Böhmen, und übertrug die Leitung und Ueberwachung
derselben an die böhmische Kammer.
Durch die Ländertheilung nach dem Tode Ferdinands I. fielen
die Münzstätten zu Hall, Graz und Klagenf^irt hinweg, das
Linz er Münzhaus war schon im Jahre 1562 gesperrt worden; es
verblieb daher unter Kaiser Maximilian IL in den alten österreichi-
schen Erbländern lediglich die Münzstätte zu Wien. Dort war der
Betrieb durch die ganze Regierungszeit Maximilians IL sehr be-
schränkt, auch wurden nur wenige Thaler nach der Reichsmünz-
ordnung vom Jahre 1559 ausgegeben, sondern grösstentheils nach
der alten Münzordnung vom Jahre 1524 geprägt. Unter die
„Römisch-kaiserlichen Thaler" Maximilians IL vermochte Schultess-
Rechberg nur drei Nummern, 165, 166 und 167 aufzunehmen.
Noch übler ist es mit den „Römisch-kaiserlichen Tha-
lern" unter Kaiser Rudolph IL bestellt. Schultess-Rechberg zählt
zunächst unter Nr. 168 einen schlesischen Thaler auf. Dass
dieser gar nicht hieher gehört, wurde oben bereits dargethan, er
ist nur unter den böhmischen Münzen an seinem Platze. Alle übri-
gen Thaler Rudolphs IL, welche Schultess-Rechberg als „Kaiser-
thal er" aufgenommen hat, 37 an der Zahl, sind Tiroler oder
Elsasser Münzen. Nun kommt der wichtige Umstand in Betracht
zu ziehen, dass sänimtliche Münzen, welche seit dem Jahre 1602
in den Mtlnzhäusern zu Hall und Ensisheim mit dem Brustbilde
Rudolphs IL geprägt wurden, derselbe nicht als römischer Kaiser,
sondern dem sogenannten Prager Vergleich entsprechend, lediglich
unter den Kaisern Maximilian IT., Rudolph II. und Mathias,
407
als Chef des Eegentenliauses, im Voll maclitn amen seiner
Brüder und Vettern von der österreichischen Linie ausmünzen
Hess. Nicht Rudolph IL erscheint für all' diese Thaler u. s. w. als
der Münzherr j dieses ist nur die Gesammtheit der Paciscenten
des Prager Vergleiches. Darum fehlt auch auf diesen Thalern der
Doppeladler, an dessen Stelle die Rückseite der Münzen das
Habsburg-ische Gesammtwappen mit der das Rechtsverhältniss
ihrer Ausprägung charakterisirenden Umschrift besitzt.
Ein Moment verdient noch in Erwägung gezogen zu werden.
Unter allen Thalern, welche in österreichischen Münzhäusern mit
dem Brustbilde Rudolphs IL geprägt wurden, stehen ihrem inneren
Werthe nach die Tiroler und Elsasser Thaler am meisten gegen die
Reichsmünzordnung zurück. Xun darf wohl vorausgesetzt werden.
dass^ im Falle diese Thaler als „Kaiserthaler" speciell für das
Reich oder für den Verkehr im Reiche bestimmt waren, man sie
auch in dem der Reichsmünzordnung entsprechenden Werthe aus-
gebracht hätte , wozu noch die Bemerkung beizufügen kommt, dass
in den Acten auch nicht der geringste Anhaltspunkt aufzufinden
ist, um den Schluss zu berechtigen, dass man in Hall oder Ensis-
heim die Absicht hatte, für das Reich bestimmte „Kaiserthaler"
auszumünzen.
In der Reihe der sogenannten ,, Römisch-kaiserlichen Thaler",
welche dem Kaiser Mathias zugehören, finden sich bei Schultess-
Rechberg mehrere im Wiener Münzhause unter dem Münzmeister
Mathias Fellner und dem Münzunternehmer Isaias Jessensky ge-
prägte Thaler aufgezählt. Auffälliger Weise reihet Schultess-Rech-
berg zwei mit dem Zeichen des Münzmeisters Fellner versehene,
somit unzweifelhaft im Wiener Münzhause geprägte Thaler, und
zwar Nr. 842 und 843 unter die böhmischen, und einen gleichen
Thaler, und zwar Nr. 2441 unter die ungarischen Thaler ein. Welche
Gründe für diese Zutheilung massgebend waren, gibt Schultess-
Rechberg nicht an. Wollte damit angedeutet werden, dass im
Wiener Münzhause Thaler unter der Bezeichnung „Kaiserthaler"
speciell für das römische Reich, dann andere Thaler speciell
für Böhmen, und wieder andere fllr Ungarn bestimmt, geprägt
wurden, so wären dieses Voraussetzungen, für welche sich in den
Acten auch nicht die geringste Grundlage vorfindet.
408
.lohaan Newald: Das österreichische Münz-weseu
Zum Schlüsse bleiben nun noch als Münzen österreichisch»
Kegenten zu reclamiren jene grosse Zahl von Thalern, welche
Erzherzog Maximilian III., Deutschordens-Hochmeister, vom Jahre
1612 beginnend, als Landesfürst von Tirol und der vorderöster-
reichischen Lande zu Hall und Ensisheim prägen Hess. Die Zu-
v^eisung derselben unter die D e u t s c h o r d e n s - M ü n z e n , wie sie
bei Schultess-Rechberg, IL Band, 2. Abth., 8eite 291, auch bei
Dr. B. Dudik „des deutschen Ritterordens Münz-Sammlung" ange-
troffen wird, beruht entschieden auf einem Irrthume.
Jedem Sammler österreichischer Thaler wird gewiss daran
gelegen sein, seine Sammlung in einem Gesammtbilde geordnet zu
haben, um die Mannigfaltigkeit und Reichhaltigkeit der hieher
gehörigen Gepräge zum vollen Ausdruck zu bringen. Zu diesem
Ende dürfte es wohl am entsprechendsten sein, die altübliche Zer-
splitterung in „Kaiserthaler'^, böhmische, ungarische, siebenbürgische
Thaler u. s. w. aufzugeben, und ttlr die Anordnung der Sammlung
an Stelle der Länder, die Münzherren als die Grundlage
zu nehmen. Hat man sich einmal für dieses Princip entschieden,
dann lassen sich die Thaler der einzelnen Münzherren nach den
Ländern, den Münzstätten und den Münzmeistern ordnen. Die Thaler,
welche aus den Münzhäusern der münzberechtigten Seitenlinien aus-
gegangen sind, werden sich dem Hauptstamme ungefähr in der
Weise anreihen lassen, wie Seitenlinien bei der Aufstellung von
genealogischen Stammbäumen behandelt werden. Es bedarf wohl
keines weiteren Nachweises, dass auch Halb- und Viertelthaler, wie
auch kleinere Münzen, diesem Systeme einverleibt werden können.
unter deu Kaisern Maximiliaa II., Rudolph II. und Mathias.
409
Beilagen.
Beilage 1.
Summarischer vnnd ungeferlicher Vberschlag vnnd Bericht, der neuen
Münzkhunst halben.
In was Zeit ein Werkh gemacht werden mag.
Mit Hilf Gottes getrau ich in einem halben Jahr, das neue Münzkhunst-
werk mit aller Zuegehörung vollkummenlich zu machen, ausszufueren vnd in
ain entlichen Gang zu bringen.
Stuckh vnnd Instrumente zu ainem vollkhummen Werkh.
4 Eisen Pressen mit ihren stahlin Packen, Schraufen, Einlassen vnd aller
andern Zuegehörung.
24 Durchdruck zu Gold, Silber, vnnd allerlei Sorten klaiuen und
grossen gelt.
50 Wellen oder Walzen zum Prägen vnnd zum Strecken der Zain,
darunter 6 Paar geschniten die andern aber nitgeschniten sein.
12 Giessmodel zum Zain giessen auf alle Sorten Gelts.
2 eisene Giessöfen, ain klainer und ain grossem.
4 Prägdruck zum Gold sowol als zum klainen Silbergeld zu drucken.
Ein Drehstuel mit aller Beraitschafft darauf man die Wellen abdreht.
Ein Schlosser Werkzeug zu Machung der Instrumenten.
Drei Wasser Reder sambt dem Rinnwerkh.
Drei Kolben sambt 6 Kampreder, daran mit ihren Wandelbaumen, Richt-
scheiben, Zapfen, Hülsen und Beschlächteu.
Das Geleger und Gestuel darin das Werkh geht und aufgericht ist.
Kupferne Becken und Schalen zum Weisssieden vnd anndern Geprauch,
wie dann in allen Münzwerken nothwendig und gebräuchig.
Was ain sollich volkhomen Werk vngeverlich gesten machte.
Dise Beraitschaft alle sambt Mitbezalung der Arbeiterbelonung vnnd
allem annderen darüber gehenden Vnkosten, getraute ich mit 2000 Gulden in
ain vollkummenes Werk zu priugen.
410
Johann Xewald : Das österreichische Münzwesen
Was für Personen bei einem solichen Werk sein müssen.
^
Es müssen zu ainem solichen Werkh angeordnet werden, erstlich 8 Per-
sonen, die das Gelt machen vom Guss an bis zum Endt. In disen 8 Personen
ist ein Eisenschneider, item Schmit-Schlosser-Zimmer- vnd dergleichen Leut,
dieselbigen machen nit allein das Gelt, sondern auch alles anders was zum
ganzen Werkh gehört, also das man sonnst ainiger freiiidor Worklouten zu
dieser Sachen gar nit braucht.
Zu diesen 8 Personen müssen 2 Tiegelwarter oder Giesspersoneu zum
Giessen, Glühen, Aufkernen etc. sein.
Demnach ein Münzverwalter oder Münzmaister, ein Wardein vnd ein
Münzschreiber. Diese drei letzten Personen regierndt das ganze Wesen. Die
2 Tiegelwarter sind zum Güessen, Glühen, Abgerunden, Weisssieden vnnd
anderer Postarbeit. Die 8 Personen erhalten das Werkh stetigs in sein Wesen
vnnd vermünzen die Silber vnd Gokl vnd nämblich mögen diese, jede Wochen
1800 bis in 2000 Markh Wiennisch Gewicht zu klainen vnd grossen Gelt auf
gerecht Khorn vnd Schrot in zierlicher Form wohl verarbeiten vnd aussmachen.
Was vnnd wieviel vngeverlich jährlich vber die gemelten
Personen gehn wurdet.
Diese 8 Personen sind des Jahrs für Alles und Alles zu erhalten vnge-
verlich mit 8 oder 900 Gulden.
Das Werkh zu Erhalten, oder da etwas daran zerbrochen desgleichen die
Präg zu schneiden, diss alles gesteet nichts, dann es ist alles in der jetzt-
gemelten Vnderhaltung der 8 Münzpersonen begriffen, dieselbigen richten
solichs alles neben ihrem Münzen aus.
Es sind die 2 Tiegelwarter jährlich mit 120 Gulden zu erhalten. Die
übrigen drei Personen, als Münzverwalter, Wardein vnnd Schreiber, gehören
in diese Kunst nicht zu raiten, dann maus in andern Münzwerk auch haben
muss.
Nutz und Profit bei disem Wcrkii.
Weil dann nun die 8 Personen vnd die 2 Giesser des Jahrs nit mehr
als auf 1000 Gulden gesteen vnd dargegen alle Jahr v/eit vber die 40 oder
50 Tausend Markh aus dem rohen Silber, zu Gelt machen mögen. So ist
hieraus gut abzunehmen, wieviel und gross die Ersparung gegen dem vorigen
Münzwerk seye. Dann die Markh durchaus, klain vnd gross Gelt neher dann
pr 3 kzr. vermünzet wurdet.
Zudem rieht ich im Giessen ain sehr nützliche Comoditet an da bei
weitem im Tiegel vnnd im Guss nit so vill verbrennt vnd abgeet, als auf dem
alten Münz werk. Dann in ain er halben Stundt mag man jetzund 300 Markh zu
Zain vergiessen, do man sonnst gar lang damit muss umbgehen.
I
unter den Kaisern Maximilian Tl., Rudolph II. and Mathias. *iii
Vnnd ob nun auch gleichwoll im Vermiuizeu des grossen (relts etwas
mehr Schroten, als auf dem Hammer-Miinzwerk kommen, dann auf dem Ham-
mer vngeuerlich der fünfte, aber auf diser Kunst der drite Theil Schrotten
bleiben, vnnd also im Wiedergiessen der Schroten mehr Abgangs als nemblich
jederzeit auf 100 Mark, 3 Lot geraith endsteet, so driift doch solicher Abgang
auf das Scherflfest gegen des Hammer-Prägens Abgang geraidt in den
40.000 Mark nit 100 Gulden an. Vnnd zu dem so wurt solicher Abgang in der
jetzigen neuen Giessbehendigkeit reicldich vviederumben ersetzt und vberflüssig
herein gebracht.
Letztlich ist auch zu wissen, do man nit so vil Silber als .obsteet, sonnder
wenig zu vermünzen hette, so bedarfft mau als dan so vil Personen vnnd so
grossen vnkhosten auch nicht.
Johanns Vogler von Zürich,
Münzkünstler.
Beilage 2.
Instruction für den Münzmeister Lorenz Huhmer in Wien.
Erstlich soll der Schmidtmeister, Tigelwartter, Eüssenschnaider, Münz-
schlosser mit Aydtspflicht bey der N. Ö. Cammer, an vnnd aufgenomben und
mit Instruction versehen werden.
Dann soll Schmittmaister, noch Andere Münz-Offiicirer allss Eüssen-
schneider, Schlosser, Tiglwartter, Zichwerckher, es sey auch wer da wolle,
khein Sielber kauffen, altes Geldt ainwexeln, Sielber auf die fein abzutreiben,
zu schmölzen noch andere Sielberhantiruug aller massen es dan biss anhero im
zimblichen Brauch gewest, in allerwenigisten nit gestat werden. Nichtweniger
ob bemelten Schmitmaister vnnd Offieieren aiuige Golt oder Silber Schau-
pfening Platten weder auff der Schmitten, oder anderwärts zu machen oder zu
Prägen, oder anders verpottenes Gelt vmb zuemünzen, ausser Vorwissen des
Münzmaister vnndt Wardeinss nit zuegelassen, sondern bey hocher straff ein-
gestelt vnndt verpotten werden.
Ebenfahlss soll auch bey dem Schmittmaister vnnd nlU-n aul lU'r ►SciiuiuuMi
bestelten Arbeitern, das Tag vnndt stündlich vberflüssig Essen vnndt Trinkhen,
Singen, Schreyen, Grein, auch das auss unndt ain lauflfen, Irren Weib vnndt
Kinder vnndt andern frembden Persohnen auff der Münzschmitten gänzlich ein-
gestelt vnnd die Münschmidten vnder der Ruestundt vnndt Abendts wan ess
Fc^yrabendt fleissig zuesperren vnndt ainigen Arbeittern vber die Zeit darinnen
zue bh'iben nit gestatten, sonder da ainer oder ander i^twass geuöttiges mit
sein Weib vnnd Khinder, oder Jemanden Anders zue verrichti'u vnnd die
Ruestundt nit erwartten, soll '^olc])..^ licraussen in Hoff mit cliist.v ki'n-/ vnmU
sitsambkait verriebt werden.
412
Johann \ewald: Das österreichische Münzwesen
Es solle auch Schmittmaister alle Abendt vnnd sonst allezeit, da sie von
der Arbeith aufhören, die Münz Prägstöckh vnnd Obereissen, dem Münzmaister
vnnd Wardein zue seiner Verwahrung lieffern, welche Er Münzmaister vnnd
Wardein hernach wan sie notturfftig Ime Schmittmaister nach der Zall wieder-
umb vberlieffern sollen. Nicht weniger soll es auch mit den alten Stöckh vnnd
Obereissen so nit mehr zue brauchen gehalten werden.
Der Silbern - Schaupfenning sollen vnder 15 Loth fein halttent nicht
gemacht werden. Die güldene Schaupfenning so auff die Taller vnnd andere
Müntz- Eisen, sollen vnnder 23 Carat 6 bis in die 7 Gren, die anderen aber, so
auff die Schaupfenning-Eisen vnnd Stoekh gemacht werden, vnder 21 Carat
kheine verferttigt werden, doch in alleweeg aine oder die andere Sort gemacht,
durch das Feuer vnnd nit der Natl nach probirt werden.
Letzlich soll Schmittmaister die Stundten so Ime gesetzt werden, auff der
Schmitten ordentlich bedienen, vnnd ausser hochwichtigen Vhrsachen kheine
verabsäumen, oder von der Schmitten gehen. Benebens auch sein fleissiges
Abacht haben, dass die Münzsorten, dem Ime gesetzten Khorn vnnd Schrott
nach, nicht zue gering oder zue schwer noch vnsauber waiss oder verprägter
aussgehen, die Stückhelung der Münzen selber vnndt nit durch ander Leuth
verrichten, vnndt sich hierinnen nit ainichen Nachlässigkeit befunden lasse.
Im fahl ess aber allso beschehen würde, sollte Er Schmittmaister solches zu
gering oder schwer verferttigtes Werkh auss aigenen Säckhl ohne Passirung
^iniches Abgangs wiederum!) vrabzuemiinzen schuldig sein. Es soll auch
Schmitmaister sambt allen Münz vnder Officieren, dem Münzmaister vnnd
Wardein, allen gebürlichen Respeckht vnnd Gehorssamb, mehrer alss bisshero
beschehen erzaigen, vnnd da sie Ihm von Ambtswegen etwass andeiten wer-
den, demselben gebüerlich vnndt gehorsamblich nachkhomben, auch ainiche
Münz- Arbeiter er seye wer da wolle, durch Ime Schmittmaister ausser Vor-
wissen des Münzmaisters vnnd Wardeins nit auff vnnd angenomben viel weniger
iibgedankht werden.
Dem Schlosser vnnd Eissenschnaider belangent soll ebenfahlss ainiches
frembdes Stöckh vnnd Eissen, Zieh vnnd Druckwerkh, Es sey auff Schau-
pfenning oder ander Münz noch ander Arbeith, so in die alhioige Münz nit
gehörig ausser Vorwissen des Münzmaisters vnd Wardeinss zue machen nit
gestattet vncj eingestelt werden, sondern sie sollen die Münz fleissig mit Irer
Arbeit beferdern, die Eissen sauber vnndt guet aufs allermüglichts machen,
damit sie, die Präger vnnd Schmitmaister, wenn das Gelt nit sauber aussgehet
sich nit zue beschweren vnnd mit Ihnen, zu endtschuldigen haben. Wann solches
aber nit geschehe, solle solche Verhinderungen an Irer Besoldung abkürzt,
vnnd sie den Schaden desswegen zu laiden haben.
Den Tiglwartter belangent, soll derselbe ainichen Menschen ainiches Lot
Sielber nit schmelzen, abtreiben oder zurecht bringen, sondern allezeit hieuor
dem Münzmaister oder Wardein anzaigen. Es solle auch ainichen Tigl zur
unter den Kaisern Maximilian II.. Rudolph II. und Math
413
Guessung das zuvermünzen geornette ^Sielber oderGoldt ausser Vorwissen dess
Müiizmaisters viind Wardeinsa nit füernemben, dan ainichen Menschen es sey
Weibs oder Mannspersohn, dann allein die so zum Guessen gehörig inn die
Guesskhüchen nit tuehren noch lassen, sich auch des vberflissigen Drinkhens
dai'bey gennzlich enthalten, vnndt ainichen Tritt, wan das Silber im Tigl, ausser
Bewilligung von der Münz nit gehen, alsobaldt auch das Guett in Tigl zur
Prob khumbt, durch den Wardein die Tiglprob genomben, soll er Ime den
Schlüssel alsbaldt zuestellen, biss zue güessen vonnötten, auch, ausser sein des
Wardeinss beysein ainichen Zain auss dem Tigl nit heraussgüessen, sondern
alles in Beysein seiner ordentlich verrichten.
«Kä^^^JCS^Q^^^H
414
Johann Xewald: Das österreichische Münzwesen
Tafel I.
Erklärung
der Münzstätten und Mlinzmeister- Zeichen.
Kaifer Maximilian IL
Münzftätte Wien.
Querbinde im Herzfchild des Wappens auf der Bruft des
Doppeladlers. Ein Münzmeifler-Zeichen kommt nicht vor.
Münzftätte Prag.
PI) $ ^ Hanns Härder Seite 205 u. 210
Münzftätte Kuttenberg.
I^ll Ludwig Karl von Räsne Seäe 216
K^ Georg Sutny von Olivet Seüe 210
Münzftätte Joachimsthal.
Georg Geitzkofler Seite 220
Münzftätte Budweis.
^j Tobias Gebhart Seite 220
Münzftätte Kremnitz.
K— ß Körmöcz-Bänia Seite 231
Münzftätte Kafchau.
H — S Hungaria Superior Seite 306
i
unter den Kaisern Maximilian II., Rudolph II. und Mathias.
Tafel IL
415
Kaifer Rudolf IL
Münzftätte Wien.
(O) Lorenz Huebmer ... Seite 258
Andräe Händl Seüe 258
Münzftätte Prag.
Tobias Gebhart Seüe 261
^ Lazar Erker von Schrekenfels Seite 263
\^\ Hanns Lafanz zu Friedenegg Seite 266
Samuel Salvart von Falkenberg .... Seite 267
Münzftätte Kuttenberg.
[m Wolf Herold von Aupa Seite 271
(g) Hanns Spieß von Hartenfels Seite 273
gl) David Enderle von Burgftatt Seite 274
(^ Paul Skreta Seite 276
Münzftätte Joachimsthal.
(m) Georg Kadner von Greifeneck Seite 278
(^ Paul Hofmann Seite 280
^ Chriftoph Taubenreutter Seite 28i
•^}) Hanns Gipfel Seite 282
Öl) Centurio Lengefelder Seite 282
'iJ-O Johann New ald: Das österreichische Münzwesen etc.
Tafel III.
Münzftätte Budweis.
(^) Chriftoph Mattighofer von Sternfels . . . Seite 285
Münzftätte Brefslau.
^ Dietrich Buffa Seite 290
N— ß Münzftätte Nagy-Bänia . . seite sog
Kaifer Mathias.
Münzftätte Wien.
Mathias Fellner von Feldegg Seite 375
Ifaias Jeffensky Seite 375
Münzftätte Prag.
Benedikt Huebmer von Sonnleithen . . . Seite 381
Münzftätte Kuttenberg.
Johann Sultys von Felsdorf Seite 384
Auguftin Schmilauer Seite 386
Q Unbefetzt 1616 Seite 386
%X Sebaftian Hölzl von Sternftein Seite 387
Münzftätte Hall.
CO Chriftoph Oerber Seite 343
IX.
Albrecht von Wallenstein
(AYaldstein)
HL erzog* von FriedLland.
und seine Münzen.
Von
Adolph Meyer.
(Hiezu Tafel I— VI )
/U Nr. 207.
Einleitend habe ich den nachfolgenden Blättern voraus-
zuschicken, dass es mir schwer wurde, darüber ins Klare zu kommen,
wie ich den Namen desjenigen, dem diese Zeilen gewidmet, zu
schreiben hätte. Während die böhmischen Geschichtsforscher
Palack^, Dudik und Gindely sich fUr Waldstein entscheiden, so
lautet er nach dem Ausspruch aller deutschen Historiker — ich
nenne nur den seinerzeit im Interesse der Familie des Friedländers
27
418
Adolph Meyer: Albrecht von AVallenstein (Waldstein)
I
thätigen Dr. F. Förster, ferner Dr. H. Hall wich, Dr. E. Schebek
und endlich, last but not least Leopold von Ranke — Wallen-
stein. Auf Fr. von Schiller's Rechtschreibung ist wohl kein beson-
derer Werth zu legen, da ihm Archive verschlossen und Doeumente
unbekannt geblieben sind, die unseren Helden in anderem Lichte
erscheinen lassen, als er ihn schildert. In einem Handschreiben
Kaisers Rudolph H an den Erzherzog Albert de dato 6. Januar
1607 — siehe Dr. 8chebek: „Die Lösung der Wallenstein-
frage", Seite 532 — ist der Name einmal AYa In stein, zwei-
mal Wallen st ein und einmal Wallen sta in geschrieben^ und
mit gleicher Consequenz ist der Name in den Erlassen der kaiser-
lichen Hofkanzlei zu Wien verschieden geschrieben, wie ich —
soweit es in den Rahmen meiner Arbeit gehört — in Folgendem
erwähnen werde. Wallenstein hat seinen Namen, bei sehr undeut-
licher Handschrift, wenn er ihn vollständig zu Papier brachte,
verschieden geschrieben i) ; in seinen Verfügungen spriclit er aber
stets von Wallenstein'schen Regimentern. Auch die Familienange-
hörigen haben den Namen verschieden geschrieben, so besitzt
Herr Dr. Schebek zu Prag ein Albumblatt in deutscher Sprache
aus dem Jahre 1613 von dem Oberstburggrafen zu Prag^ Adam
von Wallenstein. Einzig die böhmische Ilofkanzlei in Prag hat
in ihren Verfügungen in czechischer Sprache stets des Namens
Waldstein sich bedient. Da unser Albrecbt einem Zweige der
Familie entstammt, der in den deutschen Kreisen des Königreichs
Böhmen ansässig war, so glaube ich mich berechtigt, ihm auch
den deutschen Namen Wallenstein beizulegen. Die sich des Weiteren
dafür luteressirenden verweise ich auf Aufsätze der Herren
Hallwich und Gindely in der Neuen Freien Presse, Nr. 7006, 701 3
und 7015, Jahrgang 1884. Nach den Beweisführungen des Ersteren
ist der Familienname ursprünglich Waidenstein gewesen.
Ich knüpfe hieran noch die Bemerkung, dass ich für meine
Arbeit, neben der Unterstützung der verschiedenen Münzkabinets-
Vorstände, mich des ganz besonderen Entgegenkommens der
Herren: Director Ermer, Vorsteher der Excellenz Graf Waldstein-
1) Beispielsweise als er sich im Mai 1612 zu Padua in die Matrikel dei
deutschen Studenten einzeichnete: Albiecht Herr von Waldsteiu m. p.
Herz'g V(iii i-i-uniana mm öl-iiu' Münzen. 4:1«7
Wartenbergisclien Centralkaiizlei zu Prag, Reichstagsabgeordneten
und kaiserlichen Ratb Dr. H. Hallwich zu Reichenberg und kaiser-
lichen Rath Dr. Schebek zu Prag zu erfreuen hatte, und ist es mir
hiedurch möglich geworden, viele Daten zu berichtigen und bisher
noch unbekannte Schriftstlicke zu publiciren. Die Herren: Ministe-
rialdi rector Burchard in Schwerin, so auch Professor Schirrmacher
zu Rostock haben in meinem Interesse die mecklenburgischen
Archive durchforscht, jedoch nichts irgend wie für die Münz Wissen-
schaft Interessantes gefunden ; hiedurch wird die Annahme, dass in
den mecklenburgischen Münzstätten keine Ausprägungen fUr
Wallensteiu stattgefunden haben, zur ziemlichen Gewissheit. Herr
Generalintendant Zimmermann zu Sagan wirkte bei Sr. Durchlaucht
dem Herrn Fürsten von Sagan und Valencay aus, dass das im
Herzoglichen Archiv liegende Fascikel Acten bezeichnet: ,^Äcta,
betreffend die Herzoglich Friedländische Wallensteinsche Münze zu
Sagan d. a. 1629—1632, Serie B, Uta. IV, Nr. 2, Fach 53" mir
zur Durchsicht überlassen und eingesandt wurde; abgesehen
einiger unerheblicher Druckfehler, die ich berichtigt habe, fand ich
es durch F. W. Kretschmer in Köhne's Zeitschrift für Münz-,
Siegel- und Wappenkunde, fünfter Jahrgang, Berlin 1845,
S. 201 und folgende, bereits publicirt, sonst besitzt das Saganer
Archiv keine Münzacten.
Infolge eines noch unedirten Briefes, Besitz des Herrn Dr.
Schebek in Prag, auf den ich weiter unten zurückkomme, hat Herr
Bergrath Müller zu Wien mir zu interessanten Aufschlüssen aus den
Rechnungsbüchern der Münze zu Kuttenberg verhelfen, auch ihm
sei für seine Unterstützung hier herzlichst gedankt.
Berlin, April 1885.
27*
420
Adolph Meyer: Albrecht von "Wallenstein (Waldstein)
GeschicMliclies.
Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein entstammt einem
Geschlechte^ welches nach einem im gräflich Waldstein'schen
Palais zu Prag aufbewahrten — auf Veranlassung des Bischofs von
Leitmeritz, Emanuel Franz Grafen von Waldstein, in dem Zeitraum
von 1780 — 1795 angefertigten und bis auf 1790 heraufreichenden
— Stammbaum mit Dietrich oder Theodorich, Herrn von Wartenberg
de äö. 950 beginnt. Eine fernere Stammtafel befindet sich in der
Sakristei der katholischen Kirche zu Hermannseifen bei Arnau und
ist im Jahre 1595 gefertigt. 2)
Diese beginnt mit: „Joannes a Waldstein, vixit circa
annum Chri. 1252^ regnäte Ottocaro quin, rege Bohe-
morum" und ist bis zum Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts
fortgeführt. Beide stimmen in den Zahlen nicht genau Uberein.
Die Stammburg Waldstein, zwischen Turnau und Gross-Skal
belegen, wurde wahrscheinlich von Zdenek von Waldstein um das
Jahr 1283 erbaut, ging aber schon gegen Ende des vierzehnten Jahr-
hunderts inden Besitz der stammverwandten Familie Wartenberg über.
So wurde unser Albrecht — als Sohn von Wilhelm von Wald-
stein, Herrn auf Hermanitz (f 24. Februar 1595) vermählt mit Mar-
garethe von Smific (f 22. Juli 1593) am 14./ 24. September 1583
geboren zu Hermanitz.
2) Der Gefälligkeit des Herrn Pfarrers P. Anton Pohley zu Hermannseifen
verdanke ich eine Abschrift der Stammtafel. Die Kandschriften lauten:
GENEALOGIA BAKONVM A | WALDSTEIN AB ANNO DOMINI |
1252 STIRPE NONDVM INVESTl | GATA QVANTA DILIGETIAEXVETEj
RIBVS MONVMENTIS INQÜIRI ATQVE ER VI POTE | RAT | DVCIT AVTEM
HAEC FAMILI A NOMEN | ET ORIGINEM A VETVSTA ARGE WALSTEIN |
C VJVS RVDERA ADHVC HODIE PROPE | TURNOVIA CONSPICIYNTVR. \
und
CVJVS HOC EXORNÄT | GENEROSI STEMMA | LEONE>. | RLGALLS
PINN^ HAC CVR I VOLVCRIS GALEA. | WALDSTEINIOS ANTIRE D0-|
CENT VIRTVTIBVS OM- | NES CEV LEOITANIE FERAS | ET JOVIS
ALE SAVES ANNO | M. D. LXXXXV:.
Herzog von Friedland imd seine Münzen.
421
Bis in die letzten Jahre walteten Zweifel über Geburtsort und
Tag. Prag und Nachod machten Hermanitz die Ehre streitig.
Dr. Hallwich hat jedoch auf Grund des im gräflich Waldstein'schen
Archiv zu Prag liegenden Manuscripts des Gitschiner Dechants
Wenzel AdalbertCzerwenka vonWieznow — gefertigt in lateinischer
Sprache etwa zwei Jahrzehnte nach Wallenstein's Ermordung, so
auch des Actenstücks: j^Nativitaet Ihrer Fürstlichen Gnaden des Her-
zogen von Friedlünd von dem berühmten kaiserlichen Mathematico
Johanne Kepplero, so er vor etlichen Jahren gemacht", 'jaiwi das Be-
stimmteste dargelegt, dass Wallenstein am 14. September 1583 zu
Hermanitz geboren sei. Czerwenka berichtet zwar:
„Am 15. September 1583 im siebenten Monat der Schwangerschaft genas
Margarethe Smifitzky zu Hermanitz abermals eines Söhnchens ..."
Diese Erhebungen, unzweifelhaft bei Augen- und Ohren-
zeugen geschöpft, sind aber wohl nur für den Ort, nicht aber
für das Datum richtig anzunehmen, denn das eben erwähnte zweite
Actenstück beruht auf der eigenhändigen Aufzeichnung des ,,i'or-
nehmen Mannes^j um dessen ^,Nativitaet^'' es sich handelte. Kaiser
Rudolph II. hatte 1582 den von Papst Gregor XKI. verbesserten
sogenannten Gregorianischen Kalender eingeführt und kam solcher
in dem grössten Theil der innerösterreichischen Länder zur Anwen-
dung. Der protestanische Theil Böhmens hielt es aber noch mit dem
alten Julianischen Kalender, weshalb der Kaiser am 4. September
1583 ein Edict erliess, mit welchem der kaiserliche Entschluss
bekannt gegeben wurde:
„solch neu Calendarium sowohl als römischer Kaiser im Reich deutscher
Nation, als in unsern Königreichen und Landen zu gebrauchen und dasselb auf
den October dieses jetzt laufenden Jalires ins Werk zu richten . . ."
Die Familie Waldstein bekannte sich zur protestantischen
Religion und so walteten Zweifel ob : welche Zeitrechnung für jenen
Tag die massgebende sei. Der Director der Josefstädter Sternwarte
zu Wien, k. k. Regierungsrath, Professor Dr. Th. Ritter von Oppolzer
hat nun auf Grund der in der Keppler'schen Nativität angegebenen
Stellung der Gestirne festgestellt, dass:
„das für Wallenstein's Geburtstag angesetzte Datum Julianisch zu ver-
stehen ist und jener 14. September mit dem 24. September 1583 neuen Styls
correspcmdire."
422
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Die für seinen Religionswechsel angeführten Gründe sind
auf das Bestimmteste in das Reich der Mythe zu versetzen. Unbe-
zweifelbar ist als richtig' nachgewiesen^ dass er nur noch zwei
Schwestern hatte, die im jugendlichen Alter starben; er selbst wurde
bei seinem Oheim und Vormund Albrecht Slavata, Herrn zu Chlum
und Koschumberg im Chrudimer Kreise erzogen und besuchte in
seinem zwölften Jahre die Schule der evangelischeu Brüdergemeinde
zu Koschumberg — sein Oheim bekannte sich ebenfalls zum evan-
gelischen Glauben.
Wann er zur katholischen Religion übergetreten, lässt sich
nicht nachweisen, jedoch finden wir ihn um 1599 im Jesuiten-Con-
yicte zu Olmtitz.
In das gleiche Jahr fällt auch Wallensteins Innnatriculirung^
an der Nürnbergischen Universität Altdorf (29. August 1599),
die er jedoch, infolge grober Studentenexcesse, an denen er
sich als Anftihrer betheiligt hatte, bereits Anfangs Februar 1600
(nach Murr, Beiträge zur Geschichte des 30jährigen Krieges 1790)
im April verlassen musste. Da Palacky diese Episode aus dem
Jugendleben Wallensteins bestreitet, so stellt es J. Baader (Wallen-
stein als Student an der Universität Altdorf, Nürnberg 1860) als
nicht unmöglich hin, dass der Jüngling, dessen Lust an den Studien
in Olmütz, wie seine Biographen erzählen, immer mehr schwand,
um mehr Gelegenheit zu einem lustigen Leben zu finden, das die
sti'enge Disciplin der Jesuiten nicht gestattete, an die Universität
Altdorf gezogen sei.3) Nachdem er sieh allda an muthwilligen Jugend-
streichen ersättigt, mag den hochbegabten Wallenstein seine Sehn-
sucht und ein höheres geistiges Bedürfniss wieder zu den Jesuiten
zurückgeführt haben.
Li einem Empfehlungsschreiben seines Schwagers, Freiherrn
Karl von Zerotin an Gian de Molart, Cavalier am Hoflager des
3) Herr Rechtsamvnlt Hartinaiiii, Xürnberg hat die Uüte gehabt, mir Ein-
sicht in das Maniiseript eines vor atwa Jahresfrist zu Nürnberg gehaltenen Vor-
trages zu gestatten; darnach enthält das Nürnbergische Stadt- Archiv eine
Anzahl diese Angelegenheit betreuende Docmnente. Dem Anscheine nach
hatte Wallenstein in späteren Jahren keine besondere Vorliebe für jene Univer-
sität und hielt den im Juni 1632 von Croaten eingefangenen Rector, Professor
Dr. Georg Nössler, für länger als sechs Monate als Gefangenen zurück.
423
Erzherzogs Matthias, d. d. ßoö.sitz in Mähren, 12. Februar 1607,
heisst es:
„. . . . und obschon ich weiss, dass Se. Hoheit wegen der Religion
keine Schwierigkeiten zu machen pflegen, so ivv^e ich überflüssiger Weise
hinzu, dass er in die Messe geht ..."
Er ehelichte Lucretia Nikessin von Landeck, Frau von Wise-
tin, Luckow, Rymnitz und Milowitz — Datum unbekannt — die
bereits am 23. März 1614 starb. Abermals vermählte er sich um
1620 mit Isabella Katharina, Tochter des kaiserlichen geheimen
Raths und Kämmerers, Grafen Harrach, mit der er in ausserordent-
lich glücklicher Ehe lebte; ilir entspross eine Tochter Maria Elisa-
beth^ welche sich mit einem Grafen Kaunitz vermählte.
Früh zeichnete er sich bereits als Soldat aus, so finden wir in
einer uns in Copie erhaltenen: ,.Kays. Vorschnfft an Erzherzogen Äl-
berfumy Herrn Albrecht We^izl Eusebio von Walnstehi zu Kriegsdiensten
zu befürdern^^ , ausgefertigt: Schloss zu Prandeiss den Sechsten Tag
Januarii Anno 1607.
„ . . . Vns hatt der Wohlgeborne Unser lieber getreuer Albrecht Weuzl
Eusebius Von Wallengtein anff Herzmaniez und Herzmaßeyff Vnterthenigst
ersucht vnd gebetten, Nachdem er vergangene Jahr aneinander sich im Kriegs-
weßen gegen denen Türeken sowohl gegen denen auifgestandenen Hungern- und
Sibenbürgern brauchen lassen, Undt nochmahls entschlossen, Das Glück
anderstwo auch Zuuersuchen, Insonderheit aber ein anmuttung trage sich in
E. L. Dienst Zu begeben, Wir geruhten darinnen mit gnaden zu bewilligen
Vndt Ihme durch eine erspriessliche Commendation an E. L. befürderlich zu
erscheinen.
Wann vns das obbenantts Von Wallenstein Dapifers redlichs Verhaltt
uns genugsam bekanntt Indeme Er alberaitt mehr als einmahl Hauptman-
schafften bedient, auch dehn Beuelch eines Obristen vber ein Regiment deut-
scher Knecht (dazue Er von Stenden Vnserer Cron Behaim deputirt gewest)
Wann der Krieg lenger wehren sollen, aingetretren hett, . . . ."
C. von Zerotin, schreibt in Betreff Wallensteins unterm 10. April
1607 an Gian de Molart in französischer Sprache:
„Da der junge Herr von Waldstein nicht zu denen gehört, welche von
sich eingenommen sind, sich überall vordrängen und zuerst gesehen sein
wollen, so habe ich, um ihm den Weg zu bahnen, diese Zeilen mitgeben wollen.
. . . Nur Eines fürchte ich, was ich auch schon in meinem ersten Briete er-
wähnte, dass er nämlich das Waffenhandwerk so leidenschaftlich
liebt, dass, wenn ihn Seine Hoheit an den Hof nimmt, er Ihnen nicht eher
lluhe lassen wird, bis er auf einige Zeit Urlaub nach Flandern erhalten hat, um
bei dem Erzherzog Albrecht Dienste zu nehmen."
424
Adolph Meyer: Albrecht von "Wallen&tein (Waldstein)
Es fehlt uns jede Nachrieht, ob er an diesen Kämpfen theil-
genommen; bestimmt wissen wir, dass er für den Kampf des Herzogs
Ferdinand von Steiermark (späteren Kaisers) gegen die Republik
Venedig eine Sehaar von zweihundert Dragonern (zwei Compag-
nien) warb und sich unter dem Oberbefehl des Generals Dampierre
bei der Entsetzung der Festung Gradiska auszeichnete.
Kaiser Matthias verlieh ihm 1617 den Kämmerer Schlüssel und
ernannte ihn zum Obersten. Von den mährischen Ständen mit dem
Oberbefehl über das Landaufgebot betraut, operirte er — ungeach-
tet die Stände sich den böhmischen Rebellen anschlössen — gegen
diese und brachte die Hauptlandescasse aus Olmütz nach Wien in
Sicherheit. Von den Ständen infolge dessen seiner Stelle entsetzt,
warb er ein Regiment und führte solches dem General Bucquoi in
das Lager bei Budweis zu. Er trug damals zur Entscheidung
mehrerer Treffen bei, so gegen Mansfcld (10. Juni 1619) und gegen
die Ungarn unter Betlen Gabor (19. Oetober 1619), endlich auch
der Schlacht am weissen Berge bei Prag (8. November 1620). Von
seiner Kriegsbeute sandte er dem Kaiser drei feindliche Standarten.
Inzwischen hatte er aus der dem Kaiser anheimgefallenen
Beute confiscirter Güter einige sechzig kleinere und grössere Herr-
schaften für die Summe von 7,290,228 Gulden erworben. Die Zahlung
leistete er theils baar, theils verrechnete er sie geilen dem Kaiser
gestellte Regimenter und Soldaten-Contentirung. *)
Am 12. Juli 1622 kaufte er vom Fiscus die Herrschaft Fried-
land und Reichenberg gemeinsam für 150,000 Gulden Rheinisch.
Durch Majestätsbrief de dato Wien 15. September 1622 erhält
Albrecht Wenzel Eusebius Freiherr von Wallstain als kaiserlicher
Kämmerer, Kriegsrath und Oberst das Wappen der Herrschaft Fried-
land und die Pfalzgrafenwürde verliehen.
De dato Regensburg, 14. Januar 1623 erhielt „Albrecht Frei-
herr von Waldstein j Regierer des Hauses Waldstein und Friedland"
die kaiserliche Bestätigung des ihm von reichswegen bewilligten
*) Dr. Friedrich Foerster in seinem: Wallenstein's Process vor den
Schranken des Weltgerichts und des k. k. Fiscus zu Prag-Leipzig 1844. bringt
Seiteil u. f. eine Anzahl höchst interessanter Quittungen über Wallenstein's
Zahlungen und Geldgeschäfte mit dem Kaiser: es geht aus solchen hervor, dass
er ein ebenso tüchtiger Kaufmann und Rechnenmeister wie Feldherr war.
Herzog von Friedland uud seiiio Münzen. t^i-r
Majorats- und Fideicommisses, des Titels ..Hoch- und Wolgeboren"
für den jeweiligen Regierer des Hauses Waldstein und Friedland,
des friedländischen Wappens und Palatinats, aueb fUr das König-
reich Böhmen und dessen incorporirte Länder.
Wien^ 7. September 1623 (als k. Kämmerer, Kriegsratli und
Oberster über 2000 Kürassiere zu Pferde und ein Regiment Knechte
zu Fuss) wird er in den Reichsfürstenstand mit dem Titel: „Lieber
Oheim", in der Primogenitur erhoben und Bestimmung über die
Nachfolge im Falle Erlöschens des Mannestammes getroffen.
Im Februar 1624 wurde ihm dann der Titel: „Fürst von Fried-
land, Regierer des Hauses Waldstein und Friedland, k. Kriegrath,
Kämmerer, Oberster zu Prag und Generalfeldwachtmeister" beige-
legt, und de dato Wien, 12. März 1G24 die Erhebung der Herr-
schaft Friedland zu einem Fürstenthum als fürstliches Lehn, nach
dem Recht der Erstgeburt für Albrecht Wenzel Eusebius Regierer
deß Hauses Waldstain vndt Friedtlandt Fürst zue Friedtlandt und
den jedesmaligen Regierer des Hauses aus seinen directen Nach-
kommen bewilligt. Somit war dieser vom Freiherrn — ohne den
Grafenstand erlangt zu haben — sofort zum Fürsten des Heiligen
Römischen Reiclis erhoben worden.
Durch Diplom de dato Wien, 13. Juni 1625 — das Original
ist abhanden gekommen und existirt auch keine Copie desselben,
jedoch wird solches ausführlich unter Erwähnung des Inhalts in
dem Patent de dato Wien, 4. Januar 1627 in Erinnerung gebracht
— wird er in den herzoglichen Stand für sich und seine erstgeborenen
ehelichen Söhne erhoben, während die anderen Söhne den Titel :
Fürsten zu Friedland führen sollen.
Unterm 25. Juli 1625 wird dem ^Juirsten^' (I) die Bestallung
als General-Oberst-Veldhauptmann ausgefertigt, mit einem Monats-
gehalt von 6000 Gulden. Zu dieser Zeit kämpfte er gemeinsam mit
Tilly gegen König Christian IV. von Dänemark, später zu Beginn
des Jahres Ü626 gegen Mausfeld in der Gegend von Dessau.
In dem vorerwähnten kaiserlichenMajestätsbrief de dato Wien,
4. Januar 1627 werden, unter Bezugnahme auf zweiLehnsl)riefe vom
9. September 1623 und 5. März 1624, von Kaiser Ferdinand in seiner
Eigenschaft als König von I^öhmen alle Rechte für den ,Jlerzo(j
Albrecht Wenzel Etisebius und nach ihme künftige reyieremle Herzogen
426
Adolph 3Ieyer: Albrecht von Wo'lenstoin (^AYaldstein)
ZU FriedlcmcV^ bestätigt. Neun Städte und 57 Schlösser und Dörfei
wurden dem Fürstenthum Friedland, bei dieser Verwandlung zum
Herzogthum einverleibt; die Gesammtzabl der lehnpflichtigen Grund-
stücke betrug 3403. Eine grosse Anzahl Wallensteinischer Güter in
Mähren war von dieser Einverleibung ausgenommen.
Mittelst kaiserlichen Diploms, Wien d. d. 11. Mai 1627 erhielt
der Herzog von Friedland die Exemption seiner Nachkommen im
Falle Begehung des Verbrechens der Majestätsbeleidigung oder des
Hochverraths von Einziehung des Herzogthums und anderer Güter,
jedoch ohne Nachsicht der Leibes- und Lebenstrafe.
Durch Kaufbrief vom 1. September 1627 erwarb er vom
Kaiser das Herzofjthum Sagan und wird der sehlesiscben Kammer
zu Breslau in einem kaiserlichen Schreiben vom 6. September 1627
davon Kenntniss gegeben, dass der Kaiser das Fürstenthum Sagan
und die Herrschaft Priebus dem Herzoge von Friedland käuflich
überlassen habe.
Der Herzog zog es vor, den Kaufbrief zurückzugeben, und sich
das Fürstenthum durch einen Lehnsbrief vom 2. Januar 1628 als
kaiserliches Lehn auftragen zu lassen, erinnert jedoch in einem
Schreiben vom 6. September 1628 seinen Landeshauptmann daran,
ihm die von dem kaiserlichen Hof und von der sehlesiscben Kammer
ausgestellten Quittungen: ^dass ich das Herzocjthum Sagan bezahlt
hab^^ , zuzuschicken. Das mit einer goldenen Bulle versehene
Diplom, durch welches Sagan zum Herzogthume erhoben wurde, ist
vom 16. Februar 1628, in solchem erhält er zugleich für sich und
seine Nachkommen das Jus nobilitandi et erigendi pagos et civi-
tates." Für das Herzogthum zahlte er 125,708 Thlr. 12 Gr. 1 Heller
schlesische Währung.
Unterm 1. März 1628 ertheilt Kaiser Ferdinand von Prag aus
seinen Consens zu einem Fidei-Commiss flir die Succession: ,^dem
Hochgebohrn TJnsern Oheimb, des Reiches Fürsten, und lieben Getreuen
Albrechten zu Friedland und auch in Schlesien zu Sagan Herzogen,
Unserm Kriegsrath, Kammerern, General Obristen Feldhauptmann,
auch des Oceanischen und Balthisi^hen Meers Generalen^
etc. etc. — letzterer Titel war ihm inzwischen verliehen worden. Die
Disposition des letzten Willens und Successions Ordnung ist hier-
Herzoi? von Friedland und seine Münzen.
427
auf hin vom Herzog zu Gitschin am 26. Mai 1028 unterzeichnet
worden.
Inzwischen hatte Kaiser Ferdinand mittelst Majestätsbrief de
dato Prag 26. Januar 1628 das Herzogthnm Meckelnburg, Fürsten
thum Wenden, Grafschaft Schwerin, Herrschaft der Lande Rostock
und Stargardt — indem die Herzöge Adolf Friedrich und Johann
Albrecht von Meckelnburg durch kaiserliches Patent, Prag 1. Fe-
bruar 1628, ihrer Länder für verlustig erklärt wurden — dem
Herzog verkauft, der dafür ,^die Einkommen und Entradm gegen vier
2)er Cento abzüglich einer Kaiserlichen Gnadengaab von 700,000 Gul-
den rein, zu erkaufen hatte.^^ Das Bisthum Schwerin und die geist-
lichen Stifter im Meckelnburgischen verpfändete der Kaiser ihm zu-
gleich wegen vom Herzoge zu Kriegserfordernissen vorgeschossenen
750,000 Gulden. Der Lehnsbrief hierüber ist in Wien unterm 16. Juni
1629 ausgefertigt und darin erklärt, dass die Abgesandten des
Herzogs: Maximilian von Waldstein Graf zu Fleinsberg, Freiherr
Heinrich von St. Julian und der Licentiat der Rechte Jodocus Till-
mann Gelübd und Eid getlian.
Sein Titel war jetzt:
„Albrecht von Gottes Gnaden Herzog zu Mecklenburg,
Friedland und Sagan, Fürst zu Wenden, Graf zu Schwerin,
der Lande Rostock und Stargardt, Herr von — hier folgen
118 Herrschaften und Güter — Kaiserlicher Majestät General
Obrister Feldhauptmaun, wie auch des Oceanisehen und
Baltischen Meers General."
Die Neider Herzog Albrechts, an ihrer Spitze Kurfürst Maxi-
milian von Bayern beeinflussten den Kaiser, dass er ihn — nach-
dem er unterm 1. August 1628 sein Heer von Stralsund zurückge-
zogen und zu Lübeck am 12. Mai 1629 Frieden mit Dänemark
geschlossen — von Regensburg aus, bei Gelegefnheit des im Sommer
1630 daselbst abgelialtenen Reichstages seines Oberbefehls über
die Truppen enthob. Die kaiserliche Abl)erufungs-Botschait wurde
ihm durch die kaiserlichen Gesandten Grafen Wartenberg und
Freiherrn von Questenberg zu Memmingen übergeben. Mit einer ihn
ehrenden Seelenruhe empfing er die kaiserlichen Boten, beschenkte
dieselben mit mehr als fürstlicher Freigebigkeit, legte ohne Wider-
spruch den Oberbefehl über das Heer nieder und zog sich nach
428
Adolph Meyer: Albrecht von AVallenstein ("NValdstein)
seinem Schlosse zu Gitschin zurück. Aus den Anordnungen, die er
nunnielir traf, geht deutlich hervor, dass er seine Laufbahn als
Feldherr und kaiserlicher Heerführer für abgeschlossen hält und
sein Leben in seinen Besitzungen zu beschliessen gedenkt.
König Gustav Adolph von Schweden landete inzwischen am
24. Juni 1630 an der pommerschen Küste, besetzte Stettin, führte
die vertriebenen Herzöge von Mecklenburg in ihre Lande zurück,
schlug das kaiserliche Heer unter Tilly am 7. September bei Leipzig
und rückte weiter nach Süden vor. Der Kaiser — mit dem Wallen -
stein, wie aus dem noch in Original vorhandenen Briefwechsel nach-
weisbar, in gutem Einvernehmen geblieben war — lud nun mittelst
Schreiben vom 5. Mai 1631 den Herzog sehr dringend ein, nach
Wien oder einem ihm sonst gelegenen Orte zu kommen: „um in
allerhmid erheblichen Vorfallenheiten, sonderlich in materia des Kriegs-
status des Herzogs räthliches Gutachten ohne weitläufigen Briefwechsel
zu vernehmen.^^ Eigenhändig fügt der Kaiser hinzu als Nachschrift:
„/c/i versehe mich zu Ew. Liebden ganz gnädigst, Sie iverden Mir auf
einem oder anderem Wege nicht aus Händen gehen. '^ Ende December
1631 bewog Fürst Eggenberg den Herzog zur Uebernahme des
Generalats über die Armee, jedoch nur — angeblich wegen zuneh-
mender Körperleiden — auf drei Monate, und dehnte solchen bis zur
Hälfte Aprils aus. Nach vielen l'nterhandlungen gelang es dem
Fürsten Eggenberg endlich den Herzog zur andanernih'nT^obernnlime
des Oberbefehls zu bestimmen.
Die dem Kaiser unterm 14. April nach Wien überbrachten
Forderungen enthielten unter Anderen, dass der Herzog
nicht allein der Rom. K. Majestät, sondern auch des
ganzen Hauses Oesterreich und der Krone Spanien Gene-
ralissimus sein soll,
den alleinigen Oberbefehl über die Truppen haben solle
und dass König Ferdinand sich nicht persönlich bei der
Armada befinden dürfe, noch viel weniger darüber zu coni-
mandireu haben, sondern nach Wiederoberung des König-
reich Böhmens zu Prag persönlich residiren soll.
Mittelst vom Kaiser unterm 16. April 1632 unterzeichneter
Urkunde wurde ihm zur Entschädigung für den Verlust von
Herzog von Fricdland und seine Münzen.
429
Mecklenburg das FUrstentlium Glogaii pfandweise übergeben, so
lange ,.his Se. Ldn. und dero Erben und Nachhonnne)i entweder in
Ihre vonge völlige Possession des Herzogthumbs Mechelburg, und deren
pertinentien restituiret oder in ander Weege von Uns durch ein aequi-
pollens wirklich eontentiret und vergnügt worden.^
Am 5. Mai zog Wallenstein bereits in die inzwischen von den
Sachsen geräumte Hauptstadt Prag ein und war binnen Monatsfrist das
Königreich Böhmen vom Feinde geräumt. Gustav Adolph hatte in-
zwischen am 17. Mai München besetzt, zog sich aber gegen Nürn-
berg in ein festes Lager zurück. Wallenstein folgte ilmi und bezog
gleichfalls am 16. Juli in der Nähe von Nürnberg ein Lager, in
dem er sich gut verschanzte; indem er nun dem Schweden-
könig die Lebensmittel-Zufuhr abschnitt, zwang er ihn, Nürnberg
zu verlassen. Unterm 4. September machten die Schweden einen
Angriff auf Wallen stein's Lager, der aber vollständig misslang und
zogen sich hierauf gegen Naumburg zurück; inzwischen verlegte
Wallenstein seinllauptquartier am 4. November nach Würzen. Gustav
Adolph marschirte inzwischen über Weissenfeis nach Lützen, in der
Hoffnung, die kaiserlichen Truppen zu überfallen; zum Kampf bereit
und in Schlachtordnung fand er am 16. November Morgens das
kaiserliche Heer aufgestellt. In der Schlacht fiel König Gustav
Adolph; Wallenstein's Heer wurde so decimirt, dass der Herzog —
urasomehr als er durch Fussgicht verhindert war, persönlich kräftig
einzugreifen — sich entschloss die Trümmer seines Heeres jenseits
der böhmischen Grenze in Sicherheit zu bringen. Während des
Winters ergänzte Wallenstein seine Regimenter und so sehen wir ihn
im Frühjahr 1633 mit seinem Heere in Schlesien; am 7. Juni schloss
er einen vierzehntägigen Waffenstillstand mit dem in sächsischen
Diensten stehenden Feldmarschall von Arnimb, sowie unterm
22. August einen zweiten mit Arnimb und dem schwedischen
General, Grafen Thurn.
Auf die zu dieser Zeit verbreiteten Gerüchte, dass Wallenstein
mit den Feinden wegen eines Separat Friedens unterhandle, dass
er nach der Krone Böhmen's für sich strebe u. s. w., erlaubt es mir
der Raum nicht näher einzugehen ; ich kann umso mehr darüber
hinweggehen, als es der Neuzeit gelungen ist, all jene Anklagen als
unwahr auf das Unzweideutigste zu widerlegen.
430
Adol^jh Meyer: Albrecht von "Wallenstein (Waldsteiu)
Am 1. October kündigte Wallensteiu den abgelaufenen Waffen-
stillstand, überfiel die Schweden bei Steinau und zwang Thnrn und
Düval, sich mit 5000 Mann zu ergeben. Auf Wunsch des Kurfürsten
von Bayern versuchte er nun Regensburg vor Herzog Bernhard von
Weimar zu schützen, dieser kam ihm aber zuvor und eroberte am
5. November diese Stadt.
In der Umgebung des Kaisers erregte es Unwillen, dass
Wallenstein die Winterquartiere nicht in Feindesland, sondern in
Böhmen und Mähren bezog. Dieserhalb wurde der Hofkriegsrat h
von Questenberg an ihn abgesandt; hierauf berief der Herzog einen
Kriegsrath der vornehmsten Generale und Regiments Obersten nach
Pilsen und schickte deren schriftlich abgefasstes Gutachten mit
einem Schreiben vom 17. December an den Kaiser, der sich mit den
vom Herzog getroffenen Anordnungen zufrieden erklärt.
Des Herzogs Feinde, an ihrer Spitze der Kurfürst Maximilian
von Bayern, intriguirten aber unausgesetzt beim Kaiser, so dass er
— von jenen Umtrieben durch seine Freunde in Wien unterrichtet
— beschloss das Generalat freiwillig niederzulegen. Er berief nun
zum 12. Januar 1634 die vornehmsten Officiere seines Heeres nach
Pilsen, um sie von seiner Absicht in Kenntniss zu setzen, jedoch
vierzig — an ihrer Spitze Ilow und Piccoloniini — unterzeichneten
selbigen Tages ein „ Verhündniss" , in welchem sie erklären: ,,da6s
der Herzog , da durch seine Resignation der Untergang der kaiserlichen
Armee unvermeidlich herbeigeführt werde, s^ie selbst um ihr Vermögen
kommen würden, auf ihr unnachlässiges Flehen und Bitten sich bereit
erklärt habe, noch auf einige Zeit bei der Armee zu verbleihen. Dagegen
hätten sie sich eidlich verpflichtet, bei dem Herzog ehrbar tmd getreu so
lange zu halten, so lange er in Ihro Kaiserl. MaJ. Dienst
verbleiben^ oder der Kaiser ihn zu seiner Dienste Be-
förderung gebrauchen iverde,'^ ^)
5) Für die derzeitigeu Verhältnisse interessant und vielen Anfschluss
gebend, sind die über jene Tage handelnden auf uns in Original überkommenen
Aussagen, des „Mitversc}iwore)ien^ , kaiserl. Oberst Herzog Julius von Sachsen im
Protokoll der Untersuchun^sacten, ferner ein Bericht an den Kurfürsten Maxi-
milian von Bayern de dato Pilsen, 13. Januar; endlich ein in den Acten des
geheimen Haus-, Hof- und Staats- Archivs zu Wien befindlicher Bericht. Dr.
FriedricliFoerstor in: „ W.-jllenstein's Process etc.", Seitelll u.f., gibtAuszüge.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
431
Der Kaiser, von allen Seiten bestürmt und durch gefälschte
Berichte irre geführt, erlässt unterm 24. Januar ein Patent, durch
welches der Herzog von Friedland des Oberbefehls entsetzt und die
Armee an den General-Feld-Lieutenant Grafen Matthias Gallas
gewiesen wurde, dem einstweilen die Stolle eines Ober-Generals
übertragen wird.
In einem beigefügten Specialbefehl an den Grafen Gallas wird
diesem aufgegeben : ^sich des FriecUänders zu bemächtigen und ihn
mit seinen cornehmsten Anhängern den Illo und Terzka in gefänglicher
Verhaft und an einen sichern Ort zu bringen, allda er gehört werden
tmd sich über alles dieses genugsam defejidiren undpurgiren möge,
oder doch sich seiner lebendig oder todt zu bemächtigen.^^
Obwohl in dem Patent gesagt wird, dass durch dasselbe die
Entlassung der gesammten Armada öffentlich bekannt gemacht
werde, so theilte Gallas es nur wenigen Vertrauten mit und Wallen-
stein selbst erhielt keine Kenntniss davon, vielmehr ist uns, bis zum
13. Februar gefertigt, eine Anzahl kaiserlicher Handschreiben über-
kommen, die in unverfänglichster, freundlichster Weise die Kriegs-
verhältnisse behandeln. Unterm 13. Februar endlich erlässt Gallas
eine Ordonanz, in welcher er ,^Kraft der ihm ertheilten Kaiserlichen
Patente bei Vermeidung Ihro Kaiserlichen Majestät Ungnade und Ver-
lust der Ehre den Officieren befiehlt, hinfüroJceine Ordinanzen von dem
Herzoge zu Friedland, noch dem Fekhnarschall Illo, noch dein Grafen
Terzka anzunehmen, sondern allein dem nachzukommen, was er oder
die Grafen Aldriiigen oder Piccolomini befehlen werden.'^
Der Herzog, der noch am 17. Februar ein Schreiben des
Kaisers vom 13. Februar empfangen hatte, worin dieser ihm Mel-
dung über die Bewegungen und Märsche der feindlichen Truppen
— die ihm neuerdings zugegangen ~ macht, konnte sich die ihm
zu Ohren kommenden Gerüchte nicht erklären; er beschied sämmt-
liehe Generale und Obersten, welche das Bündniss vom 12. Januar
unterzeichnet hatten, wiederum zu sich nach Pilsen und empfing sie,
durch heftige Fussgicht geplagt, sitzend, um ihnen mitzutheilen,
welche böse Deutung man in Wien jener Schrift gegeben. Am
20. Februar unterzeichneten die Obersten im Verein mit dem Herzog
eine feierliche Prostestation, worin sie erklären; „ . . . wie denn
auch wir sammetlich und ein jeder insonderheit bei mehr hochgedachter
4o!i Adolph Meyer: Albrecht von AVallenstein ("Waldstein)
Ihro Fürstl. Gnaden treu, ehrbar und redlich bis auf den letzten Bluts-
tropfen tapfer zu halten und von derselben auf keinerlei Weis un&\
separiren noch separiren zu lassen, uns hingegen verbindlich gemacht,
gestalt solches obbesagter Schluss mit Mehrerem ausweiset. . .^ Ferner'
„ . . . Und thun zuvörderst wir Älbrecht etc. versichern, dass uns
niemaleii in den Sinn gekotninen das Gering sie, so Ihrer
Kaiserl, Majestät, Dero Hoheit noch der Religion xii-
tvider, z-ii gestatten^ noch iceniger selbst zu pi^acti-
siren . . . . •
Dieses vom Herzog iiiul neuniindzwanzig Oifieieren unter-,
fertigte Actenstitek sandte der Herzog am 21. Februar durch dei
Obersten Mohr von Wald an den Kaiser, dem er ausserdem schriel
dass er bereit sei, das Comraando niederzulegen und sich zur Ved
antwortung zu stellen, wohin es der Kaiser befehlen wUrde. Folgen-^
den Tages fertigte er, um sicher zu sein, dass diese seine Erklärung
auch an den Kaiser gelange, einen zweiten Eilboten, den Obersten
Brenner, nach Wien ab, dem er von ihm in blanco unterzeichnete
Vollmachten mitgab, deren Ausfüllung er den kaiserlichen Ministern
überliess, damit sie in seinem Namen nach ihrem Belieben Befehle
an die Generale der Armada ausfertigen möchten. Diese Boten
gelangten nicht nach Wien, sondern wurden von Piccolomini und
Diodati aufgefangen und festgesetzt.
Vermöge geheimer kaiserlicher Instruction vom 20. Februar
wird der Oberst Graf Puchheiml) beauftragt, unter dem Vorgeben,
T^dass ihm Friedlands und Terzka's Güter, nach der nunmehr beider
Genannten erfolgten meineidigen Rebellion und Flucht zum Feind, als
dem höchsten Königlichen OberhaujH undisponirlich anheimfallen," die
Güter, Gelder und Fahrnisse des Herzogs von Friedland zu confis-
ciren. Diese Verfügung stand im directen Widerspruch zu den mit
dem Majestätsbrief von 11. Mai 1627 ertheilten Vorrechten: dass
eine Confiscation der Güter unter keinen Umständen, selbst dann nicht
trenn der Besitzer sich des Criminis laesae Majestatis schuldig machen
und am Leben bestraft werden sollte, stattfinden könne.
Heftig von der Gicht geplagt, so dass er weder zu Pferde
sitzen noch im Wagen fahren konnte und vom kaiserlichen Hofe
ohne Benachrichtigung, dass er seiner Stelle entsetzt und die Armee
angewiesen sei, ihm nicht ferner Gehorsam zu leisten, erliess der
Herzog von Friedland und seine Münzen.
433
Herzog am 21. Februar an verschiedene Obersten den Befehl:
weder von Gallas noch von Piccolomini, sondern nur von ihm,
Terzka und Ilow Ordinanzen anzunehmen. Da überbringt ihm der
Feldzeugmeister Sparr die Nachricht, dass die kaiserlichen Patente
in Prag am 22. Februar durch Oberstlieutenant Mohra unter
Trommelschlag öffentlich publicirt worden seien. Terzka kommt
mit der Nachricht, dass sein eigenes Regiment ihm den Gehorsam
versage. Der Herzog, ausser Stande selbst kräftig einzugreifen,
überliess das Weitere dem Grafen Terzka und Feldmarschall Ilow,
die sich in Unterhandlungen mit Herzog Bernhard von Weimar ein-
liessen, um sich mit diesem zu vereinigen, so auch knüpfte Graf
Kinsky Verbindungen mit dem französischen Gesandten an. Wie
falsch aber die gegen Wallenstein beim Kaiser gemachten
Anschuldigungen, dass ei* mit dem Feinde conspirirt, gewesen,
zeigte sich jetzt auf das deutlichste und ist durch Briefe des
Herzog Bernhard von Weimar an den schwedischen Kanzler
Oxenstierna und an seinen Bruder, Herzog Wilhelm, der Nachwelt
auf das klarste bewiesen. Herzog Bernhard spricht seine Zweifel
über die Ehrlichkeit der ganz unerwarteten Anträge aus und hält
sie für ihm und seinen Truppen gelegte Fallen.
Mit nurfünfCompagnien Soldaten brach Wallenstein — in einer
Sänfte getragen — am 22. Februar von Pilsen auf und wandte sich nach
Eger, um sich daselbst zu rechtfertigen; am 24. in Eger eintreffend,
war seine Begleitung durch Desertion auf zwei Compagnien Reiter
zusammengeschmolzen. Am Thor durch den Commandanten Oberst-
lieutenant Gordon empfangen, nahm er sein Quartier im Hause des
Bürgermeisters Pachhälbel. Am 25. Februar lud Gordon den Herzog
und seine Officiere Terzka, Kinsky, How und Neumann zu einem
Faschingsschmause auf das Schloss ein ; der Herzog lehnte, durch
Krankheit verhindert, ab, die anderen fanden sich Abends ein. Gordon
empfing sie im Verein mit Buttler und Leslie, während in den Neben-
zimmern 36 Buttler'sche Dragoner unterGeraldino und Deveroux heim-
lich versteckt waren; einem jeden Gemeinen waren von dem Obersten
Buttler — wie Gallas später dem Kaiser meldet — ,^zu besserer
Effectuirung der vorgehabten Execution fünfhundert Thaler ^ dem Oberst-
wachtmeister, der sie geführt, zweitausend und einem jeden Häuptmann,
der dabei assistirt, ein Tausend Thaler versprochen'^ .
28
434
Adoli^li Meyer: Albrecht von Walleusteiii (Waldstein)
Nach zweistündigem Zechen wurde der Nachtisch aufgetragei
die Dienerschaft der Gäste entfernt, als auf ein verabredetes Zeiche
von der einen Seite Oberstwacbtmeister Geraldino mit dem Ruf«
„Viva la casa d'Austrial-^ von der anderen Hauptmann Deveroux mi
dem Rufe: „Wer ist hier gut kaiserlich?" in den Saal drangen. DU
Dragoner folgten mit gezückten Säbeln. Buttler, Gordon und Leslil
nahmen jeder einen Leuchter mit brennender Kerze in die Han<
und riefen: „Vivat Ferdinandus!" Hiedurch wurden den Dragoneri
die Schlachtopfer bezeichnet. Graf Kinsky fiel zuerst unter den
Streichen-, Ilow, der sich umwendete, um seinen Degen von dei
Wand herabzunehmen, wurde von hinten durchstochen. Gn
Terzka, dem es gelang, seinen Degen zu ziehen, hieb einige Drj
goner nieder, forderte Gordon und Leslie als Verräther heraus, mi^
ihm zu fechten, als Deveroux ihn mit einem Dolche niederstiessJ
Rittmeister Neumann Hüchtete sich verwundet bis in den Vorsaal,
wurde aber draussen niedergestochen.
Nach kurzer Berathung beschlossen Buttler, Gordon und Leslie
ungesäumt auch wider den Herzog die geschwinde Execution vor-^
nehmen zu lassen. Gordon übernahm die Bewahrung der Burg,
Leslie versicherte sich der Mannschaft der Hauptwache in der Stadt
und Buttler umstellte die Wohnung des Herzogs, während Deveroux
mit zwölf Buttler'schen Dragonern in die Wohnung drang, um die
Tbat zu vollführen.
Der Herzog hatte sich mit seinem Astrologen Zenno mit
Beobachtung der Gestirne beschäftigt und hatte sich soeben von
seinem Kammerdiener entkleiden lassen — es war bereits Mitter-
nacht vorüber — als ihn klägliches Wehgeschrei aufschreckt, es
sind die im selbigen Hause wohnenden Gräfinnen Terzka undKinsky,
welche soeben die Nachricht von der Ermordung ihrer Gatten erhal-
ten haben. Der Herzog reisst das Fenster auf und ruft der Wache
zu, was es für Lärm gebe? Da hat Deveroux bereits die verschlos-
sene Thür des Schlafgemachs eingeschlagen und dringt mit der
Partisane eines gemeinen Landknechtes und dem Rufe: „Du musst
sterben!" auf den Wehrlosen ein. Mit ausgebreiteten Armen empfing
Wallenstein den Todesstoss in die Brust, lautlos sank er von gedun-
gener Mörderhand durchbohrt nieder.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
435
Am folgenden Tage erliessen Battier und Gordon ein offenes
Patent, in welcliem sie die That, als aus eigenem Antrieb vorgenom-
men, bekannt machen. Dr. Friedrieb Förster in seinem bereits mebr-
mals erwähnten ,, Wallenstein's Process etc." sagt über solches:
,,Da.s Merkwürdigste und zugleich Entsetzlichste in diesem
Berichte ist^ dass Buttler und Gordoii als Grund der Ermordung die
Friedensverhandlung des Herzogs mit Kursachsen und Brandenburg
nennen, zu welcher er ausdrücklich vom Kaiser ermächtigt war.
Hätten die Mörder als Grund ihrer That die Verschwörung zu Pilsen,
die Unterhandlung mit Frankreich, die Annäherung Bernhards von
Weimar genannt, so wäre doch noch ein Schein einer Täuschung
vorhanden gewesen; so aber mordeten sie und wussten nicht
warum."
Die an den Kaiser und sonst noch abgefertigten und uns in Ori-
ginal erhaltenen Berichte über die ruhmvolle That (la gloriosa
attione), wie z. B. Piccolomini am 27. Februar aus Mies an Caretto
schreibt, übergehe ich mit Stillschweigen.
Der blutige Leichnam wurde auf Piccolomini's Veranlassung in
schlechte Tücher gewickelt und in eine ausgeleerte Silbertruhe
gelegt, um nach Prag geschafft zu werden. Gallas Hess ihn jedoch
bei den Franciskanern in Mies begraben. Im Jahre 1636 übernahm
die verwittwete Herzogin den Leichnam ihres Gemahls und Hess ihn
in der AValditzer Karthause bei Gitschin beisetzen. Hier blieb er bis
zum Jahre 1785, wo, da sich Graf Vincenz von Waldstein von Kaiser
Joseph n. die Erlaubniss erbat, die Gebeine seines Vorfahren aus
dem inzwischen aufgehobenen Kloster Walditz nach MUnchegraz
überführen zu dürfen, woselbst sie am 3. März 1785 in der St. Annen-
Oapelle beigesetzt wurden. Die Gruft trägt die Inschrift:
Qiiaeris, viator, quis hicjacet'^
Albertus Eusebius Waldstein, Dux FridJandiae, qui 1634 die
25 Fehruarli aeyre fatis cessit Egrae. FuJgebat olim splendore MariiSy
dum pro Deo, pro Ecclesia, pro Caesar e, pro Patria
Fortiter piignavit et triumphaoit heros Inclytus.
Eum quoniam legitime certavit, Bens ad se vocavit,
Coelestique Corona premiavit,
Cujus jam bello fessa hie in j^ace qiüescunt ossa.
28*
436
Adolph Meyer : Albrecht von "SVallenstein (Waldstein)
Illmtrissimo ac Eccelentissimo D. D. Vhicmtio, S. R. L Comite de
Waldstein et Wartenberg et Conthorali Sua Illustrissima et Eccden-
tis'^ima D. D. Sophia nata S. R. I. Comite de Sternherg insistentibus
annuenteJosepho 11^. Imperatore et Rege Boemiae, sublata Gitschinense
Carthusia, Lipsana, haec Hradistinm abinde translata ad P. P. Capu-
cinos in Capeila St ^Annae soletnniter resepidta sunt dieS Martii Ao 1785.
Die Güter und das bewegliche Vermögen wurde confiscirt und
grossentheils seinen Mördern und Jenen, die ihm in der Gunst des
Kaisers geschadet, geschenkt. So bekam Gallas die Herrschaften
Friedland und Reichenberg, den Kinsky'schen Palast zu Prag und
mehrere Bergwerke; Piccolomini die Herrschaft Nachod, Aldringen
Teplitz, Colloredo Opotschno, Teuffenbach Kuniburg und Aulibitz
sammt der Stadt Gitschin, Marchese di Grana die Herrschaften
Weiss- und Hlinerwasser u. s. w. Die leidtragende Wittwe behielt
nur die kleine Herrschaft Neuschloss mit der Stadt Leipa als freies
Eigenthum ^an Zahlung statt der Vorderungen an die Verlassenschafts'
masse ihres verstorbenen Gatten'^ laut kaiserlichem Patent de dato
1. Juli 1636; das einzige Kind des Herzogs, Prinzessin Maria
Elisabeth,«) ging ganz leer aus, ebenso auch Graf Max Waldstein, der
in das von dem Herzoge errichtete, von dem Kaiser durch Majestäts-
brief bestätigte Majorat ohne allen Vorenthalt hätte eingeführt
werden müssen. Zur Erlösung der Seelen der Ermordeten aus den
höllischen Qualen des Fegefeuers Hess der fromme Kaiser für seine
eigene Rechnung dreitausend Seelenmessen lesen.
Graf Christian zu Waldstein-Wartenberg hat es im Jahre 1841
versucht, Allerhöchsten Orts seine Ansprüche als legitimer Rechts-
nachfolger in der Linie der Erstgeburt von Maximilian Grafen
Waldstein auf das Familien-Fidei-Commiss geltend zu machen, so
auch später eine Klage gegen den k. k. Aerar beim k. k. Landrecht
zu Prag angestrengt, ist aber abgewiesen worden.
fi) Da über dieselbe wenig auf uns überkommen ist, so erscheint es mir
erwähnenswerth, dass sie längere Zeit in dem Nonnenkloster St. Georgen am
Längsee in Kärnten gelebt hat. Dieses Kloster nnter Kaiser Joseph säcularisirt,
ist jetzt Besitzthum der Gräflich Egger'schen Familie. — S. Neue Freie Presse
Nr. 7474 vom 20. Juni 1885, Morgenblatt, Feuilleton von Heinrich No6.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
437
Das Wappen.
Das Wappen der Herreu von Waldstein bestand ursprünglich
aus einem ungekrönten Löwen im Schilde; gegen Ende des flinf-
zehnten Jahrhunderts nahmen sie aber ein quadrirtes Wappenschild
mit vier, sämmtlich rechts gewandten Löwen an. Gegen Ende des
sechzehnten Jahrhunderts finden wir die Löwen aber gegen ein-
ander, mit dem Rücken nach aussen gekehrt. Der Schild war von
Gold und Blau quadrirt, die Löwen hatten verwechselte Tincturen.
Albrecht von Wallenstein erhielt, wie gesagt, nach Belehnung
mit der Herrschaft Friedland vom Kaiser unterm 15. September
1622 deren Wappen, nämlich einen gekrönten, goldbewehrten
silbernen Adler im rothen Felde, welcher sich auch auf dem gekrön-
ten Helme mit roth-silberner Helmdecke wiederholt. (Tafel I, Nr. 1.)
In der kaiserlichen Urkunde de dato Regensburg 14. Januar
1623 lautet bezüglicher Absatz:
„ . . . daneben auch nachfolgendes Wappen und Kleinod, mit
Namben einen Roth, oder Rubinfarben Schildt, in welchem mit dem
Schnabel fürwerts ein weiss- oder Silberfarber gecrönter Adler, mit
offnen Flügen, Schwantz vnnd aussgeschlagener Zungen erscheint;
Ob jetzt gedachtem Schilt, ain freyer offener Adelicher Thurnier-
Helmb, beedersoitz, mit roth- vnnd weissen Helmdeckchen, auch
<larob einer Goldtfarben Khöniglichen Krön geziert; Darauff erschei-
net abermahlen der hie unten im Schildt beschriebene weisse
gecrönte Adler alsdan solch Wappen vnnd Kleinott, sambt seiner
Zier, in mite diss ünsers Khais. Briefs gemalt, Vnd mit F.Mrbon
aigentlicher anssgestrichen ist."
438
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein ("Waldstein)
Wallenstein vereinigte sein Stammwappen mit dem Fried-
ländischen in der Art, dass er Ersteres, ein von Gold und Blau
gevierter Schild mit vier doppelsehweifigen, paarweis gegen
einander gekehrten ungekrönten Löwen verwechselter Tinctur
— so dass Feld 1 und 4 goldene Löwen auf blauem Grunde^
Feld 2 und 3 blaue Löwen auf goldenem Grunde enthielten —
dem Adler als Brustbild auflegte. (Siehe Abbildung Tafel I,
Nr. 2.)
Nach seiner Ernennung zum Herzog (Wien, 13. Juni 1625)
führte Wallenstein genau denselben Wappenschild wie als Freiherr
und Fürst, das heisst den friedländischen Adler mit dem Wald-
stein'schen Brustschild ; den Hauptschild bedeckt der Fürstenhut,
der damals noch nicht die Form der heutigen Fürstenhttte, mit
Kronenreifen, Pui-pursammet, Perlen, Edelsteinen, Bügeln u. s. w.
hatte, sondern ebenso wie der Herzogshut, damals lediglich aus einer
scharlachrothen Mütze von ausgebauchter Form mit einem Stülp von
Hermelin bestand.
Diesen Fttrstenhut finden wir auf den Münzen des Jahres 1626^
und theilweise auch im Jahre 1627. Im Jahre 1627 beginnt er
bereits einen Bügel zu bekommen, der mit wenigen Ausnahmen in
der Folge beibehalten ist.
Nachdem der Herzog auch das Herzogthum Sagan erworben
hatte, nahm er dessen Wappen, sowie das der ungefähr gleichzeitig
durch Kauf erworbenen Herrschaft Flinsberg in das bisher geführte
auf. Der dem friedländischen Adler (welcher hier auch noch eine
Halskrone hat) aufgelegte Brustschild ist gespalten. Hinten der
quadrirte Waldstein'sche Stammschild — Feld 1 und 4 der unge-
krönte, doppelschwänzige Löwe golden auf blauem Grunde, Feld 2
und 3 der blaue Löwe auf Goldgrund paarweis gegen einander
gekehrt. — Die vordere Hälfte des Schildes quer getheilt, oben
wegen des Herzogthums Sagan in Silber der Rumpf eines gold-
haarigen vorwärts gekehrten Engels mit blauen erhobenen Flügeln,,
blauem Kleide und goldener Kreuzstola über der Brust (ohne Arme),
unten das Wappen der Herrschaft Flinsberg, in Blau ein gekrönter
goldener doppelschw^eifiger Löwe. Den Schild bedeckt ein Helm mit
rothsilbern-blaugoldenen Helmdecken und Wulst, auf welchem der
Herzog von Friedland und sfine Münzen.
439
Adler wie im Schilde (aber ohne den Brustschild) steht. (Siehe
Tafel I, Nr. 3.)
Dieses Wappen finden wir auf Münzen des Jahres 1629.
Das jetzige Wappen des Herzogthums Sagan ist ein wachsen-
der goldener Engel mit gininen Flügeln im rothen Felde, wie es auch
schon Wallenstein auf der nächstfolgenden Wappenänderung führte.
Die Belehnung mit Mecklenburg vermehrte des Herzogs
Wappen um einige weitere Felder. Es zeigt nun einen mit der Kette
des goldenen Vliesses umhängten, von einem herzoglichen Hute (wie
der Fürstenhut, nur oben noch ein Reichsapfel — bei den früheren
Jahrgängen haben nur einige wenige Münzstempel den Reichsapfel)
bedeckten Wappenschild. Derselbe ist durch eine senkrechte und
zwei Querlinien in sechs Felder getheilt, ein zwischen Feld HI und
IV eingeschobenes siebentes Feld enthält das Waldstein'sche quadrirte
Stammwappen und ein gerade darüber zwischen Feld I und H der
oberen Reihe eingeschobenes VIII.Feld den FriedländerAdler(ohnc
Brustschild und Halskrone). Feld I enthält in Gold einen im Visir
(vorwärts gekehrt) gestellten rothgekrönten schwarzen Büffelkopf
mit silbernem Gehörn und Nasenring (wegen des Herzogthums
Mecklenburg). Feld II ist getheilt, oben der Saganer Engel (hier
bereits goldgekleidet, mit blauer Stola, silbernen Flügeln, in die
Hüfte gestemmten Armen), wachsend in Roth, unten den Flinsberger
Löwen (hier schreitend, einschweifig und ungekrönt). Feld III enthält
einen Büffelkopf wie der in Feld I, nur nach links gekehrt, ohne
Nasenring, mit ausgeschlagener rother Zunge (wegen des Fürsten-
thums der Wenden). Feld IV ist von Roth und Gold quer getheilt
(wegen der Grafschaft Schwerin). Feld V enthält in Blau einen ein-
wärts gekehrten goldenen Greif (wegen der Herrschaft Rostock)
und Feld VI einen aus Wolken am Aussenrande hervorgehenden
geharnischten, vom Ellbogen ab mit abfliegendem blauen Bande gebun-
denen Mannsarm, der einen goldenen Ring mit einem Diamantstein
hält (wegen der Herrschaft Stargard). (Siehe Tafel I, Nr. 4.)
Dieses Wappenschild finden wir vom Jahre 1020 ab auf allen
Münzen des Herzogs.
Nachdem dem Herzog das Herzogthuin Grossglogau noch vom
Kaiser pfandweise übergeben worden war, vermehrte er sein
440
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Wappenschild noch durch ein in der oberen Reihe links eingescb
benes Feld mit dem Wappen von Grossglogau. Die oberste
des Wappens enthielt demnach 4 ganz gleich grosse Felder,
lieh: Mecklenburg, Friedland, Sagan-Flinsberg (alle wie bereits vor-
stehend beschrieben) und Gross-Glogau (ein von Roth und Silber
gespaltenes Feld, darin vorn ein nach rechts gekehrter gekrönter
silberner [der böhmische] Löwe, hinten, gelehnt an die Spaltungs-
linie ein links sehender halber goldbewehrter schwarzer [der
schlesische] Adler, mit silbernem Monde auf der Brust); die übrigen
Felder wie oben. (Siehe Tafel I, Nr. 5.)
Münzen mit diesem Wappenschilde sind nicht geprägt worde:
1
Herzog von Friedland und seine Münzen.
441
Archivalisches.
Von Verfügungen Herzog Albrecht's in Betreff der Münze oder
Münzabrechnungen ist leider wenig bis jetzt ermittelt worden. Von
dem Grundsatze ausgehend, dass ein Fürst durch sein Bild auf
circulirenden Münzen dem gemeinen Manne näher tritt und bekann-
ter wird, hat er — unter Darbringung grosser Opfer — ausser-
ordentlich viele Münzen in gutem Gehalt und vollwerthig prägen
lassen. Zahlen für die Ausprägung lassen sich vorläufig nicht ange-
ben, da bis jetzt nur einige wenige Blätter Rechnungen der Münze
zu Sagan aufgefunden sind ; aus der grossen Menge von Münzstem-
peln, die ich aber ermittelt — und ich bin sicher, noch lange nicht
alle gefunden zu haben — und die ich nachstehend verzeichne,
lässt sich eine Muthniassung für die Ausprägungen machen. Für die
Güte und VoUwerthigkeit der Münzen spricht deren grosse Selten-
heit in der Gegenwart, unzweifelhaft sind sie in den Sohmelztiegel
der Kipper gewandert.
Lange ehe Herzog Albreclit das Münzreclit besass, sorgte er
schon für gute vollgiltige Circulationsmittel; als Beweis hiefür liegt
mir ein Brief vor — der bisher uuedirt, Eigenthum des Herrn Dr.
Schebek zu Prag ist. — Icli lasse denselben in ^-etreuer Abschrift
nach dem in böhmischer Sprache lautenden Original folgen:
„Sluzbu Nassi wzkazugem Wassi im Vrozeny Pane, Pane Sswagkrze Nass
Zwlasstie mily. Zdrawj a gineho wsseho d()br<iho na Pauu Bohu Ziadagicze
rizegeme Wassi uTi wt^ruie radj.
Poslali gsme przedossle Vrzeduiküm Mincze ua horach (iuttnach Cztyry
tisycze gedno Sto tizldczetj Cztyry Zlaty Reynsky na Tupl- a Polaussede-
satniczycli k Zmiuczowanj a na Rzizskö tolary rozdielanj, Nyni pak dostawsse
442
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
gich zase Trzi Tisycze a Piet Seth Reynskeych Zlateych tolikez ge tarn
posylame, Wassi mi zato ziadagicz, Pokiidz przedessla Summa giz Zminczowana
(yakz te nadege sme) gest, Zie gi Vi'zednikum Mincze Wyslauemu Nassemii
wydatj, a naproti tomu wyss Psanau Summu Przigiti, a aby tim drziwegi
ZMinczowana byla, poriiczitj raczite. Niczmenie Ponewadz Näm przedessle
nemalo za MM odwesti mely, y nyni odwesti se dostane Wtu nadegi Przicha-
zyme, Zie Podlö Przedesslö Wassi im uczinieneho psanj. na Mistie Nassem s
tymiz Vrzedniky Mincze poczet vczinitj, aby se Näm od nich ziadneho Skraczeni
nestalo, w to nahlednautj, a bud to M6d a nebo Penize zani odeslatj fZwlasst
Zie od Näs J. M. Czs Sslak Ssocz y giny wsseliyaky Minczüwnj Naklad
Zaüplna se odwozuge, a onj wzcyczkny wiczegi nezliby gim nalezielo vtrho-
wati chtegj) dostateczne narziditj raczite. Odslauzime se toho Wassi mi Zase
wolnie. Stim milost Bozi Snämi Se wsserai bytj racz. Datte w Menssim Möstie
Prazskem 7 Aug. Letha Ssestnacztisteho dwaczateho cztwrteho.
Albrecht, Z Bozi milost Knize, Wladarz Domu Waldtssteinskeho, z Fryd-
landu, Knize Frydlanske, J. M. Czs WjiIcc/ii:) TJjhLLi Komamik. X('y\\-v/^^si
Prazsky, a General Polnj Wachmistr.
Wassi uTi woluy sluha
Albrecbt z Frydlandu ra. p.
Vrozenemu Pänu Pänu Wylymowj Wrzesowczowj z Wrzesowicz a z
Daubrawske hory, na Biely, Nekmirzj Podmoklech Brlozczy, Peezkach, Nebo-
widech a Mokropczych J. iAI. Czs Raddo, Komorniku a Nejwyzssimu Mincz-
nieistru Krälowstwj Czieskeho, Panu Sswagkru uassemu Zwlässte Mil^mu.
In Uebersefzuiig lautet derselbe:
„Unsern Dienst entbieten wir Euer Gnaden, Hochgel)orner Herr, inson-
ders lieber Herr Schwager. Gesundheit und alles ander Gute erbitten von iU\tt
dem HeriTi und wünschen wir Euer Gnaden aufrichtig gerne.
Wir haben schon früher an die Münz-Amtsleute in Kuttenberg 4134
Gulden Rheinisch in Doppel- und Halbsechzigeni zur Ausmünzung und Um-
prägung auf Reichsthaler eingesendet.
Nachdem Wir nunmehr wieder 3500 Rheinische Gulden erhalten haben,
senden Wir selbe ebenfalls dahin, Euer Gnaden ersuchend, insofern die vor-
erwähnte Summe (wie Wir hoffen) bereits ausgemünzt ist, dass Ihr den Münz-
Amtsleuten zu befehlen beliebet, dieselbe unserm Abgeordneten auszufolgen,
dagegen die obbeschriebene Summe in Empfang zu nehmen und sobald als
möglich ausmünzen zu lassen; ingleichen weil sie Uns schon früher ein nicht
Geringes für das Kupfer abführen sollten, dass Uns dieses jetzt abgeführt
werde. Wir geben Uns der Hoffnung hin, dass Hir nach dem frühern an Euer
Gnaden gerichteten Schreiben, Euch belieben lassen wollet, an Unserer Statt
mit denselben Münz-Amtsleuten Rechnung zu pflegen und darauf zu sehei
r
Herzog von I'ricdland und seine Münzen.
443
(lainit uns von ilincn keine Verkürzung geschehe, und ausgiebige Anordnung
zu treffen, dass Uns entweder das Kupfer oder das Geld hiefür zugesendet
werde (insbesondere, da Wir an Se. kais. May. den Schlagschatz und alle
andern Münzungskosten zur Gänze abführen, und sie Uns immer mehr als
gebührt abziehen wollen). Wir werden es Euer Gnaden durch Gegendienste
willig vergelten.
Hiemit wolle die Gnade Gottes mit uns Allen sein.
Gegeben in der kleinen Stadt Prag am 7. August des Jahres 1624.
Albrecht von Gottes Gnaden Fürst, Regierer des Hauses Waldtsstein,
von P'riedland, Fürst von Friedland, Sr. kay. May. Kriegsrath, Kämmerer,
Oberster zu Prag und General-Feld- Wachtmeister.
Deiner Gnaden williger Dien er
Albrecht Waldstein von Friedland^) m. p.
Adresse :
Dem Hochgebornen Herrn, Herrn Wilhelm Wrzesowec von Wrzesowic
und von Daubrawska Hora, auf Biela, Nekmifz, Podmokly, Brlozecz, Peczek,
Nebowid und Mokrowecz. Sr. kay. May. Rath, Kämmerer und Obersten Münz-
meister des Königreichs Böhmen — Unserm insonders lieben Herrn Schwager.
Die Adresse befindet sich aussen auf dem als Umschlag
dienenden Deckblatte. Das Siegel ist theilweise erhalten und zeigt
den einköpfigen Friedländer Adler mit dem Brustscliilde und in
dessen oberem Theile zwei einander zugekehrte, aufrecht stehende
Löwen. Von der Umschrift ist noch deutlich zu lesen : Albrecht
Regirer de . . . . land Fürst zu Fridlaiid.
Das Bergarchiv zu Kuttenberg enthält unter Nr. 6719 vom
Jahre 1625 ein Verzeichniss des vom 20. April 1623 bis 26. April
1625 vermünzten Silbers, und darunter
Graf von Waldstein mit 3718 Mark Doppelguldiner, welche
zu Reichsthaler von feinerem Gehalte umgemünzt wurden (darin
sind unzweifelhaft die vorerwähnten 4134 und 3500 rhein. Gulden
enthalten). Die zu jener Zeit zu Kuttenberg geprägten Reichsthaler
haben den Kaiser, stehend in ganzer Figur mit einem intern in
Klammern — MUnzzeichen des S. Hölzl von Sternstein.
7) Die vorstehend mit gesperrten Lettern gedruckten Zeilen sind allein
von der Hand Wallenstein's.
444
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Sub Nr. 6348 vom Jahre 1624 erliegt in vorgenanntem
ein Schreiben des böhmischen Hofkammer Secretärs von Rammia'
worin den Münzamtleuten aufgegeben wird, 6000 Thaler zur
sition des genannten von Waldstein zu halten, endlich sub Nr. 6353
ein gleiches Schreiben vom 23. März 1624, worin anbefohlen wi
zu den Kriegsausgaben und zur Bezahlung des Genannten v
Waldstein das ganze, hier vorräthige Geld auszufolgen, und nach
Prag zu senden.
ich I
Eine Mtinzverleihungs-Urkunde ist bis jetzt noch nicht wieder
aufgefunden worden, oder das Datum ermittelt worden. In dem
Diplom vom 16. September 1628, durch welches Sagan als Herzog-
thum ihm verliehen wird, wird auch das ihm als Herzog von Fried-
land schon verliehene Recht der Münzprägung etc. in folgender
Weise bestätigt:
„ . . . . also daß gedachts Herzog Albvecht . . und alle dero nach-
kommende, regierende Herzogen zu Friedland, und Sagan, wann ihnen solches
über kurtz, oder lang gelegen oder gefällig, in mehrbesagten Herzogthumben
Friedland, und Sagan, und deßen incorporirten Herrschaften, und Gebieten,
oder so noch ins künftig darzu geschlagen und einverleibt werden möchten,
ein Müntz Statt bauen, und aufrichten laßen, und darinnen durch
Ihre ehrbare redliche Münzmeister, die Sie zu einer jeden Zeit darzu
verordnen allerlei guldine, und silberne Müntzsorten, klein und groß
in allermaßen solches Unser, und des heiligen Reichs, auch Unsers Erbkönig-
reichs Böheimb Müntz-Edict, und Ordnung zuhißet, .... mit Unterschriften,
Bildnißen, Wappen und Gepräg, auf beeden Seiten, müntz en und schlagen
laßen, . . . . doch sollen alle solche gülden- und silberne Müntzen, die Sie
wie obstehet, schlagen und müntzen laßen, von Strich, Nadel, Schrott Crän,
Gehalt, Werth, und Gewicht vorberührter Unserer, und des heiligen Reichs,
auch Unsers Erbkönigreichs Böheimb Müntz Ordnung gemäß und nit geringer
seyn, auch wo Wir, oder unsere Erben, und Nachkommen, in mehrberührtem
Unserm Erbkönigreich Böheimb, künftig — über kurtz oder lang, der Müntz
halben Aenderung und andere Ordnung füraehmen, geben, und machen
würden, derselben sollen gemeldte Herzogen zu Friedland und Sa^an sich
alsdann auch gemäß halten ..."
Aus von mir ermittelten Schriftstücken des Herzogs citire ich:
Wallenstein an Gerhard von Taxis, seinen Landeshauptmann
zu Gitschin — die Originale liegen grösstentheils im Gubernial-
archiv zu Prag.
Herzog von Fiiedland und seine Münzen.
445
D. d. Göttingen, 4. October 1625.8)
„ . . . die Leder last auch arbeiten; sowohl auch seht, daß ihr das
münzwesen in Gitschiu anrieht; die schulen nembt auch in acht . . . ^
D. d. Aschersleben, 13. Juni 1626.
„ . . . (las münzwerk last V)aldt anstellen vnd münzen, sowol
auch bergwerck fleißig suchen vnd arbeyten, wie auch andere würdt-
schaften fleißig in acht nehmen ..."
ZerbstSl. Juli 1626.
„ . . . Hier schicke ich euch wieder, wie ihr vor mich auf die Münz
machen laßt; es gefällt mir alles, aber weiß nicht, wer euch hat in den Sinn
das: „Dominus protector mens" gegeben, da doch meine devisa ist: „invita
invidia" darum laßt das erste aus und macht dies."
Die in vorstehendem Schreiben getroffene Bestimmung wird
durch das nachfolgende bereits aufgehoben:
Wallenstein an Taxis.
D. d. Zerbst 2. August 1626.
„Im vorigen schreiben hab ich euch geschrieben, das ihr auf der ander
Seiten meiner münz sollet die devisa, so ich führen thue, machen laßen, als
nemblich invita invidia. Izunder bedenke ich mich anders vndt dieweils auf
einer selten stehet: Albertus D. G. Dux Fridlandiae, so laßet auf der ander
selten stellen: Sac. Rom. Imperii princeps und last aus das invita invidia.
Zerbst den 2. August A» 1826.
A. H. zu Frd."
An denselben unterm 4. December 1626.
„ . . . Laßt stark münzen, indem ich Willens bin eine gute
Anzahl von 20.000 oder 30.000 Dukaten prägen zu laßen. Seht dero-
wegen, wie ihr solches ins Werk richtet und wenn ich nicht allein keinen
Nutzen davon sollte haben, sondern Schaden leiden, so will ich mich nicht
irren laßen, sondern dieselbigen in einen Weg als den andern fortmünzen laßen.
Seht derowegen, wie ihr alle Praeparatoria macht, auf daß solche Dukaten vor
Ostern gewiß gemünzt werden ..."
8) Dieses Schreiben, sowie der grössere Theil der weiter folgenden sind
noch nicht publicirt. Ich verdanke deren Bekanntgabe der Gefälligkeit des
Herrn Dr. H. Hallwicli-Reichenberg. Soweit ich genaue Abschrift der Originale
erhalten konnte, habe ich deren orthographische Schreibweise beibehalten,
sonst hochdeutsch wie sie mir vorliegen.
Adolph Meyer: Albrecht von Wallen.^teiu (Waldsteiii)
An denselben Keuss d. d. 6. Aug:ust 1627.
„. . . Der Kriegszahlmeister zieht auf Gitschiu, soll um 13.00!) Rth
Schuh, Strumpf und Kleider für die Armee machen laßen ; aßistirt ihm
fleißig in Allem. Die 4000 Kleider, so ihr vorm Jahr habt machen laßen, daß
er euch bezahlt, was sie mich kosten, dieselbige führt ihm auch ab, sobald er's
bezahlt hat. Er hat Silber und Ketten, so er zu Gitschin vermünzen
soll, laßt ihm solches vermünzen, ich begehre keinen Gewinn,
will ab er auch nicht schaden leiden und die weil er so wohl Reichs-
thaler, alsGoldgüldenwirdmünzenlaßen,seht wenn er euch Geld
vor die Kleider wird geben, daß es Reichsthaler und Goldgülden
sein. Das Tuch zu den Kleidern, wie auch die Schuh sollen im Herzogthume
erkauft werden, denn ich will kein anderes Intereße haben, allein daß um die
Waaren das Geld unter die Leute kömmt. Ich hab' auch vorm Jahr befohlen,
ihr sollt etliche Saliterhütten aufbauen laßen, wie auch Pulvermühlen, ihr
habt's nicht gethau. Jetzt befehle ich euch, laßt alle andere Sachen ehe stehn
und liegen und richtet dieselbigen auf und sehet, daß man daselbst in einem
Jahr zum allerwenigsten 1500 Ctr. Pulver liefert, von dem so daselbst gemacht
wird, CS koste was es will, denn ich thu es nicht ohne Ursach."
An denselben. D. d. Scliweidnitii, 9. August 1627.
„ . . .Last fleisig münzen, auf das ich nicht vrsach hab, solches
zu andten, denn ich höre, das man dem nicht nachkomet, wie ichs befohlen
hab, welches mir wohl in die nasen raucht; ich bins insonsten nicht gewohnt,
ein sach oft zu befehlen . . . Insonderheitt will ich die 12 m. Dukaten
vor ausgang des Jahrs gemünzter sehen . . ."
D.d. Sprota, 19. August 1627 schreibt er demselben wegen
des Banquiers de Witt in Prag, mit dem er einen Contract zur Liefe-
rung von lOOj Stuck holländischer Dukaten allmonatlich an die
Münze zu Gitschin geschlossen hatte.
„ . . . Aus euerm Schreiben vernimb ich, daß der Hans de Wite nicht
punctualmente alle Monat die 1000 Dukaten zum Vermünzen erlegt, sehreibt
ihm, daß ich's für ein falimento achte. Wird er mir in dem nicht zuhalten,
thue er sonsten was er will, er wird den Credit bei mir auf keine Weis mante-
niren. Zu Euch aber versehe ich mich, daß Ihr nicht werdet wie ein Stummer
dazu schweigen, sondern mich alle Wochen berichten, auf daß ich mir nicht
laß Unrecht thun . . . "
Aus dieser Zeit stammt eine, in einem Copialbuch des gräflich
Waldstein'schen Archivs zu Prag enthaltene:
„Instruction vnd Ordnung auf das Fürstliche Münz Ambt
Zue Gitschin gestellet, Dämmen alle Münz Ambts Handlung
1
Herzog yon Friedland und seine Münzen.
447
aussfü lirlich begrieffeu, vnd derselben nach, Zue Ihrer FUrstl.
Durchl. Reputation bernrtes Münz Ambt mit gueter richtig-
keit ohne Mangel gehalten vnd Verrichtet Werden Kann."
ohne Datum. Wene. Hanka hat dieselbe bereits in den „Verhand-
lungen der Gesellschaft des Vaterländischen Museums in Böhmen
zu Prag", Jahrgang 1840, Seite 47 u. f. publicirt, so dass ich mich
auf kurze Auszüge beschränken kann. Die Abschnitte behandeln:
M ü n z m e 1 s t e r V u d G w a r d e i n ß w o h n u u g,
Baw vnd beßerungbeim Münz ha uß,
ProbierZimmer,
Brenn Hole z,
GegenhändlerAmbt,
Gold vn d Silber Enpf ahiing.
„Ynnßer Münzmeister vnd Gegenhandler sollen alle vnd Jede Gölder vnd
Silber, auch Bruch vnd Pagament so Endweder von den Bergkwerchen, oder
Andern Partheyen Einkomben, in vnßer Münz annemben,undEndpfangen, Die-
selben biß Sie zur Beschickung gebracht, in fleißiger Verwahrung halten,
Welche alle Zuuor von Ynßern Gwardein außgeschlagen Probiert, vnd darüber
ordentliche Verzeichniß genomben, Vnd dieselben Hernach der Raittung bey-
gelegt Werden sollen."
Vermünzung vnd Beczahlung der Golder vnd Silber.
„Vnd darmit Vornemblich die Pergk Werch desto mehr befordert, die
Bawenten Gewergken bey Lust erhalten, auch Andere Partheyen, Ihre Golder,
Silber vnd Pagament, vmb so viel lieber in vnßer Münz Ambt, einzugeben
Vrsach haben, So solle vnßer Münzmeister vnd Gegenhändler Sie mit der
gebührlichen, Gold vnd Silberbezahlung, wie solche Hernach namhafft gemacht,
keines Weges aufhalten, sondern aufs ehiste betordern, Deßwegen Sie auch
die Einkombenden Golder vnd Silber, desto eher in die beschick- und Vermün-
zung, daß es am (ield desto Weniger mangle, bringen solle."
Anordnung der Miinczen.
„Nachdem die Köm. Kayß. Mait. Vnßer Allergnedigister Herr, in dero
Erb Königreich vnd Landen, Bey den Münz Ambtern gewißc Ordnung gegeben.
Daß forthien neben den Ducaten vnd Talern, Auch andere kleine Schied-
müuzen, Alß Dreykreuzer groschen, Item Kreuzer, halbe krenzer, vnd Wiener
Pfenning, Jedes vnter seinen gewissen Schrott vnd körn gemacht werden
sollen, Vnd wir derselben anordnung nach in vnßern Münzambt Zue Gitschiu
allerdings gemäß nachgegangen iiabeii Wollen."
448
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Taler Münczen.
„Also sollen förderhin Vnßer Münzmeister vnnd Gegenhändler, von den
Jenigen Silbern so von vnßern Bergkwerchen einkomben, so viel sonderlich
Zuuerrichtung der Außbeuthen, Von nöthen sein Wird, Auf Ganze, Halbe vnd
Orts Taler, gemelder Münzordnung gemäß Vermünzen laßen. Also daß berurter
ganzer Taler auf die Wiener mr.93/5 stuck gehen, vnd 14:lot4gren fein halten, •*
Drey kreu czer Groschen.
„Vnd nachdem daß beschickte Gueth, in den kleinen Geldern; Wegen
der großen abgäng, so bey dem gießen, auf der Schmitten, sonderlich aber
beim Weißmachen, Vorlauffen, Inn der Arbeit sich etwas Verreichert, deßwegen
Höchstgedachtc Kay. Mait. bey Ihren Münz-Ambtera bemelte kleine Gelder
umb. 2^ zurück beschickhen laßen, Diessem nach sollen auch vnßer Münz-
meister vnnd Gegenhandler die Dreykreuzer groschen, auf 7 lot. 3 q.
2 ^ beschicken, vnd auf der Schmiedten inn dem stuckein also halten
laßen. Daß nach dem Weißmachen, der Weißen Platten auf die Wiener
mr. 165 st. gehen, Vnd in den autTaereiten geld, die mr. an dem halt auf 8 lot
fein befunden Werden."
Einfache K r e u c z e r.
„Die sollen beschickt Werden, auf 4 lot 3 q. 2^ vnd auf die Wiener mr.
Weiße Platten gehen, 309*4 st."
Halbe Kreuczer.
„Die sollen beschickt Werden, auf 3 lot. 3 q. 2^ vnd auf die Wiener mr
495 St. Weiße Platten aufgehen."
Wiener Pfenning.
„Die sollen beschickt werden, auf 2 lot. 3 q. 2^ vnd auf die Wiener mr.^
Weiße Platten, 7421/2 stuck aufgehen."
Ducaten.
„Die sollen der Unordnung nach an der Fein halten 23 Karat. 8gren, Vnd
in dem benemben mit Fleiß gerichtet werden, Daß auf die Wiener mr. 8OV3 st.
aufgehen."
Beschickung im Tiegel.
Der Mtinzmeister und Gegenhandler sollen solches nur gemeinsam vor-
nehmen.
Herzog Yon Fneilland und seino Münzin.
449
R e m e d i II m.
„Dieweil aber die Erfahrung bißhero mitgebracht, daß solche gesezte
Schrott vnd Korn vnter der Arbeit sonderlich in den kleinen Geldern nicht
gerath vnd genaw Zuerhalten, So sollen demnach im Taler Schrott auf
100 mr. mehr nicht alß Ein oder Zwei Taler, im Koni aber auf eine mr. nur
Ein gren, In den Dreykreuzer groschen Schrott auf Ein mr. ir 2 stuck, vnd
im körn die mr. auf Ein Pfenning, In den Einfachen kreuzern im Schrott auf
die mr. 6 in 8 stuck im körn auch auf die mr. 1 ^, Deßgleichen in den halben
kreuzern im Schrott, 12 st. vnd im Kom 1 ^. Vnd Lezlich in dem Schrott der
Wiener Pfenning an der mr. in 16 st. vnd am kom 1 ^ für daß Remedium
paßirt Werden, Da aber Berührte Münzen im Schrott, vnd koru, der anordnnng
nach noch scharffer erhalten Werden können, So sollen Vnßere Münz Ambt-
leuth, dahien befließen sein, Darmit die Münzen iederzeit dem gesezten Schrott
vnd körn gemäß außgehen, vnd inn alleweg abbruch vnd Vortl verhütet
Werde, Würde aber auß dieser vnßerer Ordnung geschritten. Daß ein Wergk,
vber das passirte Remedium, es sey im schrott oder körn, zue arg gerührte,
So solle solch Geld nicht außgehen, sondern da der Mangel am Schrott, Alß-
bald Wiederumben auf deß Schmiedmeisters vnd Münzgesellen kosten, oder
da der Mangel an kom, auf des Gwardeins, So aber der Mangel an der be-
schickung sich befunde, auf deß Münzraeister-, vnd Gegenhandlers Vncosten,
oder Wer daran schuldig, im Tiegel gesetzt, vnd Wieder vmbgemunzt Werden,
Da sich aber ohngefehr, Zuetrüge, daß ein Wergk umb 1 ^ Zureich oder arm
gerieth, So sollen es vnßer Münzmeister vnd Gegenhandler in einem andern
Wergk, vnß zum besten, Wieder herein bringen."
Beschickung des Tiegels.
Na chbeschic kling.
Gwardeins Tigl Proben.
Von jedem Guss in noch flüssigem Zustande ist dem Wardein 1 Loth zur
Tiegelprobe zu verabfolgen, der es sofort bei Tag oder Nacht zu probiren hat
und muß so lange mit dem Giessen der Zaine gewartet werden.
Abgangim Giessen.
Auf Grund der im Jahre 1574 stattgehabten Untersuchungen wird solcher
bei 100 Thalern bis 3 14 Loth, bei den kleinen Münzen bis 8 Loth nach-
gesehen.
Auß wägung der Zain vnd des Gelds.
Für Gewicht.
Dem Sciimidtmeister wird als Verlust und Abgang ,,aiil der öchmiedten
vnd in der Arbeit" vergütet
von 100 mr. Thaler Zain 5 q.,
von 100 mr. Dreikreir/er Groschen Z.iiü 1 1 Jj)t\\
21)
450
Adolph Meyer: Albrecht von Walleiistein (Waldstein)
von 100 mr. Einfache Kreuzer, halbe Kreuzer und Wiener Pfenninge
Zain lo Loth.
„ . . . . Inn vbeniembung desAufberaiten Geldts, soll vnfcer Münzmeister,
vnd Gegenhandler fleißiges aussehen haben, daB vnter dem geprägten Geld
oder Schrotten, ZuerfüUung deß gewichts nichts Vnreines von dem Schmi(
meister Zueseinen Vortl eingeuiengt, sonder aller aigen nuz durch auß V(
hüttet werde."
Schrott der Kleinen M Unzen.
Abgang im Weißmachen.
Endpfahung deß Geldes von der Schmieden.
Gwardein soll alleß Geldt zuuo r Probiren vnd Aufziehen.
„Es solle auch vnßer Münzmeister kein Geld außzählen oder außgehen
laßen, Es seye dann Zuuor von vnßerm Gwardein Probirt, vnd aufgezogen,
auch am Schrott vnd Korn, gerecht, vnd der Ordnung gemäß befunden Wor-
den, Damit aber vnßer Gwardein, alle vnd iede vnßere Münzen desto richtiger
Probiren könne, So solle Ihme von (Muem ieden abge))rägten Wergk alßbald
auf der Schmiedten, ein Probgr. Alß nemblichen von iedem Taler Wergk, Ein
stuck Taler, von den Dreykreuzer groschen, Acht stuck. Item von den ganzen
vud halben kreuzern auch Wiener Pfenning Ider sortten 16 kr. erfolgen \ind
geraicht werden. Welche Er ;ilßbald Probieren, vnd darauf erst daß Geld im
Außzölen aufziehen soll, Was Er nun inn Aufziehung Zueleicht oder schwer,
auch sonst vnschicklich befind« t, sollcKrZtM-sclniriden, oder sonst ;iiirNsf'hit'r>eii.
vnd nicht außgehen laßen."
Prob Groschen.
„Von den Vorgemelten bewilligten Probgroschen, soll der Vierte theil,
dem Münzmeister, aufzubehalten, vnd der Andere vierte theil, Ihme Gwardein
Zur Prob verbleiben, Die übrigen Zwey Viertel aber dem Kayß. Probation-
meister vnd Land Probierer gereicht, oder da solche stellen nicht ersezt, bei
dem Münz Ambt Verpetschirter aufbehalten Werden."
I
Außczohlen.
Wie hoch die Silber beczalt werden sollen.
„Wiewohl wir berichtet, daß ein Zeithero die Bergksilber in dem Erz-
kauflf iede feine mr. P. IOV4 stuck Taler bezalet Worden, vnd solcher hoher
Kauff, bey Andern Bergkwerchen, gar nicht vblich, Vnd bey Ihrer Mait. Münz
Ambtern die Wiener feine mr. aufs Höhist P. 10 ganze Taler bezalt wird, so
bißeu wir es Zue mehrer beforderung, vnd Aufnembung der Bergkwerch, biß
auf vnßere Weitere Anordnung, dißmal auch dabey verbleiben, so viel aber
der Andern Partheyen einlicfferung anlangt, solle vnßer Müuzmeister vnd
Herzog von Fricdland und seine Münzen.
451
Gegenhandler, Ihnen ermelten Partheyen, es sein mm Christen oder Juden, in
den abgetriebenen oder Andern reichen i^ilbern so den Talerhalt erreichen,
für iede mr. fein, Wienerisch gewicht 10 ganze Taler 12 kr. In den 8 lotigen
Pagamenten so Zue der großen beschickung Zuegebrauchen. 10 g. Tlr. Vnd
folgends inn den gering haltigen biß auf 4 lot. vmb 9 Rtt. 57 K. bezahlen . . ."
Verrichtung der Außbeuth,
Münz Gesellen.
Münzer Lohn.
„Ferner bewilligen Wir daß Vnßer Münzmeister, vnd Gegenhandler, dem
Schmiedtmeister vund Münzergesellen, Vonden VnterschiedlichenMünzsortten,
Zum gewißeu Münzerlohn Endrichten, , . . Alß nemblichen von 100 mr. schwar-
zen Platten auf ganze Taler 7 Rttal. daß thuet 10 fl. 30 kr. Item vou 6 mr
Schwarzen Platten, auf dreykr. groschen 1 fl. oder 60 kr. bringt auf 100 mr.
16 fl. 40 kr. Vnd dann vom 5 mr. schwarzen Platten auf Einfache Kreuzer,
Item halbe kreuzer, vnd Wiener Pfenning, auch 1 fl. bringt auf 100 mr.
20 fl. — kr.
Vnd dießes Münzerlohn alles auf die Wiener mr. vnd Münzgewicht
Zuuerstehen, Vnd damit bemelter Schmiedtmeister vnd Münzer zu mehrern Fleiß
gebracht vnd angetrieben Werden, Die Gelder desto sauberer aufzuberaiten ;
So soll Ihnen von den Cysalien, so sich in Außzählen befinden, daß halbe
Münzerlohn abgeraittet Werden, Insonderheit soll Münzmeister vnd Gegen-
händler die Richtigkeit halten, vnd den Münzern nicht mehr hienaiiß geben,
Alß sich Ihr Münzerlohn vnd Verdienst erstreckt."
Gießer Zehruug.
„So viel die Jenigen Münzer, Welche daß gießen vnd Pogenhaltens
iederzeit bey tag vnd nacht Warten müßen, bewilligen Wir daß denselben . . .
Quartalichen 3 fl. Zur gießerzehrung gereicht Werden solle ..."
M ü n c z e r L i c h t g a n ß.
„ ... Zu Einer Jährlichen Lichtganß, Alß ieden Gesellen 1 Taler, vnd
Einen Münzer Jungen Ein halben Taler, Zue 70 kr. ..." sind zu Ausgang
jeden Jahres gegen Quittung zu zahlen.
Muncz Eyßen.
M ü u c z m e i 8 1 e r s B e y c z a i c h e n.
„Damit auch die Münzen so inn Zeit vnßers Münzmeisters Verwaltung
geschlagen Werden, Erkenntlichen, So solle Er hienfüro auf Jede sortt, der
groben vnd kleinen Münzen Zue Außgangs deß Texts sein beyzaichen, Sonst
aber die Münz-Eyßen allenthalben auf vnßern Nahmen und Titul, deßeu Wir
29*
452
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
vnß iezo gebrauchen, Vnd wie Er deßen ieder Zeit von vnß beuelch
neben dem Geg-enhandler schneiden laßen."
Müncz vncosten.
Müncz Ambtleuthe besoldung vnd deputat.
In diesem Abschnitt sind ohne Ausfüllung bestimmter Beträge
vorgesehen:
„Dem Münzmr. Zue Jalirl. Besold.
Auf Canceley vnd Lichtvncosten Zue Einen Jahrlichen deputat
Dem Münz Gegenhändler Zur Jahrs besoldung
So wol Canceley vnd Licht vncosten Jahrl.
Dem G wardein Zur Jahrlichen besoldung
Deßgleichenihme neben andernAmtsgebürnußen, Zur Jährlichen Canceley
vnd Lichtgeld."
Bergk vnd Andere Gölder belanget,
„Wofern nun nach Gottes gnedigen Seegen auf vnßern Gmnden sich
Gold Bergkwerch eraignen vnd dauon etwaß vom Gold in die Vermünzunc
Einkomben solte, . . . Vnd Wir soviel vernemben, daß auß den Kayß». Münz
Ambtern für die Präger nir. 70 Ducaten bezahlt Worden, so auf die Wiener
mr. 70 Ducaten 138 k. betreffen thuet, Vnd Wollen daß vnßer Münzmeister,
vnd Gegenhandler von Ihnen Gewergkeu, Ihre erbaweten Golder, nach deß
Gwardeins Probenzettel . . . Endpfangen, Vnd Waß solche . . . außtragen, den
Gewergken Zue gueter gnüge, mit Newgemünzten Ducaten verrichten, Nach-
dem aber auch vnß die Gewergken von solchen Berg Göldern, den gebühr-
lichen Zehend Zue reichen schuldig .... So Wollen Wir daß für solchen vnß
gebührenden Zehend von ieden Lot Rohen Gold 20 kr, Innenbelialten, End-
gegen wir aber dem schaid vnd Zirametcosteu auf vnß nemben, vnd die Ge^
wergken desselben verschonen wollen ....
Da aber außer der Bergkgölder . . . von schaid vnd Zimentirten Göldern7
oder leichten Ducaten etwaß einkomben möchte. So solle vnßer Münzmeister,
vnd Gegenhandler, dieselben in die Vermünzung annemben, doch aber Ihr
fleißiges aufmergken haben, daß Solche Golder, in den rechten Ducaten halt,
bestehen .... Alß Waß dem halt nach die audraittung geben Wird, vnd solle
von einem ieden Ducaten, damit sich niemand Zubeschwere Vrsach, für den
Münzcosten mehrers nicht alß II/2 kr. vnd für daß Zimentirlohn, wo es von
nöthen auch nicht mehr als li/g kr. geraittet vnd genomben Werden, Inson-
derheit aber sollen vnßere Münz Ambtleuth, in annembung der leichten
Ducaten, die Vorsichtigkeit gebrauchen, vnd dieselben außglüen, vnd Waß
sich schwarz vnd vntauglich befindet Zuuerhüttung mangels am halt aiiß-
sehießen vnd nicht annemben."
Herzog von Friedland und seine Münzen.
453
Ausmüuczung deß Goldes.
„Vnd damit auf vnßerm Münz Ambt dieDucateu nicht allein andern Kom,
sondern auch am schrott der Reichsordnung nach, desto richtiger bestehen
mögen, So sollen vnüere Münz Ambtieuth in dem beuemben, nicht mehr
Zuetrag der scheer erfolgen lassen, Alß daß der Abgang im gießen, vnd
WaßZueraiciiungder Probgroschen, von nothen erhalten Werde, DemSchmiedt-
meister aber, für dem Abgang auf der Schmiedten, anstadt eines Vorgewichts,
von ieder mr. Ducaten Gold. 2 kr. reichen, vnd in Raittung P. Außgab ein-
stellen."
Abführung der Raittung.
Münzmeister und Gegenhandler haben nach Quartalsschluß genaue
Rechnung der fürstlichen Kammer zu legen und flie Münznutzung an den
Rentmeister gegen Quittung abzuführen.
Das Münzhaus zu Gitschin befaW der Herzog mittelst Schreiben
de dato Rackonitz, 20. Mai 1632 an die Kammer zu Gitschin um-
zubauen. Abschrift der Verfügung folgenden Inhalts befindet sich
im Landesarchiv zu Prag.
„Albrecht etc. etc.
Gesti-enger, auch veste, liebe gethreue. Waß vnß vuser Cammerath, der
Sitt, wegen vnsers Münzhauses zu Gütschin, daß daßelbe nebeust andern
Häusern wegen anrichtuug vnsers gartens daselbst nidergerißen werden müße,
gehorsamst berichtet, solches gibt euch der Einschlueß mit mehrerm zu ver-
nehmen; vnd befehlen euch darauf, besagtes Münzhaus also baldt einreißen
vnd von denen burgerheusern in der Statt, weiln sie von vnsern selbst aigenen
kosten gebauet werden, ein anders bauen vnd den dazu behüefigen abriß
ermelten vnsern baumeister vuuerzüglich machen zu laßen. Gestalt ihr zu thuen
wißen werdet.
Geben zu Rackhonicz, den 20. May Anno 1632.
A. H. z. M. ad mandatum Serenissimi
Ducis proprium.
Sebastian Mertenß m. p.
(P. S.)
Seht, das in continenti das münzhaus eingerißen wirdt, auf das man die
stell vor den Garten vorm ausgang Augusti kann anrichten vndt nacher in
Sept. den garten pflanzen. Das münzhaus last in der statt bauen, darzu ihr dan
eins von den burgerheusern, so heuer gebaut worden, köndt gebrauchen, die-
weil ich die meisten schier selbst muß aufbauen. Es darfs kein fornehmes
Haus nicht sein; der Bawmoister muß deßelbigen Haus disegnio enderu vndt,
wie das münzhaus wirdt sein sollen, auf solche weis accomodiren.
(In marg.) Ihrer fürstl. Gnd. Schreiben an die Herrn Cammer Räthe."
454
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Sofort nach Belehining' mit dem Herzogtlium Sagan Hess der
Herzog die Münze zu Sagan zur Münzprägung in Ordnung bringen.
Unterm 22. Juli 1629 sendet ihm sein Landeshauptmann Gerhard
von Taxis aus Gitsehin auf seinen Befehl den Entwurf eines Paten-
tes in welchem der Herzog erklärt, dass er,
„Hansen Zieslera vnd seinen Vettern Hans Heinrich Jacoben von Dres-
den die Müntze in Sagan zu befördern gnädigst eingethan" und dahero „ge-
melten Müntzmeistern solche vnsere Münzstete zum Sagan . . , hiemit bewilli-
get," sodaß sie in genanntem Herzogthumu.A. „aller vndt jedweder Golt-
vnd Silberkauffe, es sey an allerhand silberen oder Pagamenten, wie die auch
mögen Nahmen haben, so ingleichem auch ann krecz oder Testen einzukauflfen,
erhandlen oder wechßlen einig vnd allein vndt sonst Niemandes anderen als
ihnen und den ihrigen vergönnet, zugelassen vnd deren besten gelegenheit
nach obengeregten Goldt- vndt Silberkauff oder erhandtlung allerhandt Päga-
ments zu treiben vndt zu gebrauchen befuget sein sollen ..."
Zu dieser Zeit sind auch jene Schriftstücke gefertigt, die ich
Eingang dieses Aufsatzes erwähnt und die sich im herzoglichen
Archiv zu Sagan jetzt noch befinden. Ich gehe auf dieselben nur in-
soweit ausführlicher ein, als ich von F. W. Kretschmer in Köhne
Zeitschrift für Münz-, Siegel- und Wappenkunde, Jahrgang V, 1845
Seite 2Ö1 u. f. Gcl)rnolitrs vcrvonstiindige.
Seite 1.
„Jurament des Müntzmeisters zu Gitsehin.
y
Ich Georg Reick, schwöre Gott dem Allmächtigen, der gebenedeiten
Mutter Gottes undt allen Heiligen, dann auch dem durchlauchtigen Hoch-
gebornen Fürsten undt Herrn, Herni Albrecht Herzogen zu Fridlandt, Rom.
Kay. Kriegs Rath, Cammerern, ObristenzuPrag undt General, sowohl derselben
Erben,
Nachdem Ihr. F. G. mich zu deroselben Müntzraeister in dero Älüntz alhier
zu Gitsehin gnädig an und aufgenommen. Das Ich mich in solchen Ambt treu-
lich, aufFrecht und Erbarlich verhalten und keinem andern Menschen, wer der
auch sein möchte, einige Venniintzung oder nuczung, von derselben, außer
wer Ihr. F. G., Selbsten zu guten komt, nicht gestatten, und also Ihr F. G.
und derselben Erben, Nucz, Frommen und bestes Jederzeit betrachten, Scha-
den und nach teil in alls weg fürkommen, warnen und wenden, oder aber
daßelbe an die Fürstliche Cammer gelangen laßen. Auch Ihr. F. G. Müntz-
nuczung und gefell und alles andere so Ihr. F. G. zugehörig und mir befohlen
und vertraut würdet, in guter Verwarung und Verschwiegenheit halten und
sonsten in solchen, meinem Dienst alles das thuen und verrichten wil, was die
Herzog von Fricdland und seine Münzen.
455
iDStructioü so mir in Namen Ihr F. G. von dero Herren Stadth<altern zuge-
stellt, vermögen wird und einem frommen getreuen aufrichtigen Diener gegen
seinem Herni zu thuen gebüret auch schuldig und pflichtig ist.
Als was mir Gott helf und sein heiliges göttliches Wort."
Datum und Unterschrift fehlen.
Das folgende Blatt, gleichfalls ohne Datum und Unterschrift
enthält:
„Jurament des Wardeins Hans Jacob Wiebl.« und lautet fast wörtlich
wie das vorstehende, nur im Titel des Herzogs die Worte : „Kriegs-
Rath, Cammerer, Obristen zu Prag und Generalen, sowohl auch deroselben
Erben" durchstrichen und dafür an den Rand: „und Sagan, Fürsten der
Wenden, Graffe zu Schwerin, der Lande Rostock und Stargardt Herrn"
gesetzt.
Auf Seite 3 — 11 folgt die in oben angeführter Zeitschrift S. 204
bis 209 incl. abgedruckte :
„Instruction für den Wardein bei der Münze zu Sagan :
Actum Sagan, den 12. September A^ 1629."
ausgefertigt für Gottfried Ehrlich, ohne Unterschrift.
Auszüglich gebe ich aus solcher wieder:
„S<» wollen Wir, daß er seinen respect einzigk vnndt allein auff Vnßern
Landeshauptmann vnd Cammer alhier zum Sagan haben und halten &olle."
„ . . . soll der Gwardein schuldig sein, die Beschückung aller Münz Sorten
allein zu machen, . . . Vnd soll solche Beschickung also anstellen, daß daß
Reichs Thaler gutt, die Marck auff Vierzehen Lott Vier grän fein beschicket
werde, vnd Achtt Stücke auff eine Kölnische Marck gehen, nach Breßlawischen
Gewicht aber sollen Sieben Stück eine Marck, zwei Quintel und IVo Pfennig
wegen. Belangent die güldenen Sorten da Ducaten sollen gemünzt werden,
welcher sonst der Ordnung nach auff die Cölnlsche Margk Sieben und Sechzig
Stück gehenn, sollen derer auff' die Breßlawische Marg gehen Sechsvudfunffzig
vnd ein halb Stück, vnd an fein halten Drey vnd zwanzigk Karatt vnnd Achtt
grän, Reinische gülden Aber derer Auff die Cölnische Marck Zwei undSieben-
zig gehen. Kommen Auff die Breßlawische Marck Sechzig vnd droy Virtl
Stücke, vnd halten ann fein Achzehen Karatt vnd Sechs grän."
„ . . . daß Silbergroschen Gutt soll die Margk nach dem Woibmachen
fein halten Achtt Lott vnd Auff die Breßl-iwische Marck Hundt vnd Achzeheu
Stück weiß Abgepregtes Geltt, . . . die Beschickung in der Kellen oderTiegell
Anf SiolMMi lotf, Drey Quintel, Zwei /^ . . "
456
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Wald stein)
,, . . . halbe Pazen oder Zwey Kreuzer, die Marg nach dem weißmachei
halte AchttLott und auff die Breßlawische MarckEinhundt Sechs vnd Siebenzij
Stück weißg-epreg-tes geltt, gestücklet sey, muß gleiclifalß die Reschickunj
Auf Sieben Lott, drei quintl zwei ^ anlauifen."
„ . . . Kreuzer, die Marck nach dem Weißmaehen lunn i.ort lein,
ZweyhundtZwanzigk Stücke weiß abgepregtes geldt die Breßlawische Margk
Beschickung Vier Lott, drei qu., zwei ^ . . ."
„ . . . halbe Kreuzer, die Marck nachm weißmachen halte vier Lott, vn(
dreyhundt Zweyvndfunfifzig Stücke weiß abgepregteß geltt, auff die Breß-
lawische Marck . . . Beschickung drey Lott, drey qu., zwey ^.^
„ . . . Wiener Pfenninge drey Lott fein, fünfhundtdreißig Stücke auff di(
Breßlawische Marck . . . Beschickung Zwey Lott, drey qu., zwei /^."
Als Reraedium dürfen die Goldmünzen um ein halbes Grän,
die Silbermünzen um einen Pfennig am Feingehalt zu reich oder zu
arm sein. Bei grösserem Unterschied sind die Münzen sofort wieder
einzuschmelzen oder an den Landeshauptmann zu berichten.
Beim Gewicht ist ein Remedium
bei den Thalern von zwei Stück bei Einhundert Mark
Silbergroschen von Ein und Einhalbes Stück
Halbl>atzen von Zwei Stück
Kreuzern von vier und den Wiener Pfenningen von
sechs Stück per Mark nachzusehen;
bei grösserem Mehr- oder Mindergewicht ist sofortige Umprägung
vorzunehmen.
a
Nach drei freien Seiten, folgt Seite 15, Blatt 7 :
„Patent di'S Otto Heinrich Stosch, Freiherrn von Khaunitz auf Holobaus
und Kaditscht, fürstl. Mechelburgischem, Friedländ., Sagan. bevollmächtigtem
Landeshauptmann des Herzogthum Sagan, ausgefertigt im fürstl. Amte zu
Sagan unterm 12. September 1629 für Hans Ziessler und seinen Vetter Hans
Henrich Jacob von Dresden zum Ankauf von Gold und Silber im Herzogthum
zur besseren Förderung des Münzwerks."
Blatt 8 enthält Abschrift des ebenerwähnten
anderer Handschrift.
Patents von
Blatt 9. Zeugniss des Wardeins Gottfried Ehrlich, über einen
von der Fürstlichen Cammer zur Probe eingereichten Ducaten der
Gitschiner Münze.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
457
„Sagan, 24. November 1629.
Bemelter Dueat, dessen beyzeichen vnterm Fürstlichen Brustbilde die
^onne, vnd auf der anderen seitten die Jahrzahl Ao. 1G29 bestehet am schrott,
gehen aussgehendigten stücke nach auf die Cöllnische Marcke 67 stücke, heltt
aber an feine 23 Karat vnd 5 gren scharf, Wehre solcher Ducat vermög der
Reichsordnung vmb 3 gren am Korn zu geringe."
Blatt 10. Schreiben des Münzmeisters Hans Heinrich Jacob an
die Fürstliche Cammer, bei Uebergabe seines Berichts „wegenn
ezlicher beschwerungspunctenn, so sich an izo bey hiesiger fürstlichen Münz
erhalten etc."
Datum, Sagan, 5. December 1629.
Blatt 12. Vermerk des Wardeins Gottfried Ehrlich wegen der
falschen Silbergroschen, welche am 22. December 1629 von der
Fürstlichen Cammer eingesandt und von ihm probirt wordcD, als:
„Vif^r stueck ganz falsche Kupfern, Kaysserl. bresslische groschen,
darauf die Jharzahl Anno 1629 mit des Münzmeisters Beizeichen vnd Guara-
diens Nahmen falsch bezeichnet etc." und „1 Stück Kayssl. bress. falschen
groschen, so ganz Messing ist etc."
Blatt 13. Interim- Antwort des Hans Graff zu Gitschin an die
Fürstliche Cammer zu Sagan, auf das Schreiben, wegen des Be-
standes der Fürstlichen Münze zu Sagan und der zu Gitschin geprägten
Ducaten; es wird verheißen, nach der Ankunft des Herzogs eine
ausführliche Beantwortung auf die Anbringen der Cammer folgen
zu lassen. Geben Gitschin, 24. Decber. 1629.
Blatt 15 hat die Ueberschrift :
„Gott Allein die Ehre 1629 | Monadtlich Vorzeichnus | des Gwaradiensl
'elcher gestaldt des Durchlauchtigen Hochgeborn- j nen Fürsten und Herrn,
[errn Albrechts, j Herzogen zu Mechlenburgk, Friodtlant und Sagan, | Fürsten
Su Wenden, Grafen zu Schwerin, der | Lande Rostock, und Stargart Herron,
töm:|Kay: May: etc. General Obrister Feldhaul)t-|raann, wie auch des Ocean-
»chen und Baltischenj Meeres Generain etc. Meines Gn. Fürsten, | und Herrn
^tc. Grobe Münzsorten Als I Ducaten, und Reichsthaler, Vermög | des Heiligen
Jörn: Reichß Münz- 1 Ordnung, Alhier auf der Fürst- 1 liehen Münzstatt Sagan,
je I münzt und ausgangen, wie dieselben an Schrott und Korn|seint befunden
worden. Den|4. Septem, alinfahend. |
458
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein
Auf Blatt 16—20 folgen mm die genauen Speeificationen der
bis Ende September 1630 in Sagan geprägten Münzen^ so
am 4. September und 19. October 1629 Stück 128 Dueaten zu
23 K. 8 gr. fein
am 4. September 1629 Stück 191 Thaler zu 14 L. 4 gr. fein
endlich an Groschen — das Gewicht ist die Breslauer Mark —
Monat September 1629—204 M. 3^/. L. rauh
October
.,
227
w
15'A
77
November
71
667
n
2
77
December
J1
321
V
6'A
77
Jänner
1630
744
V
llVe
„
Februar
359
?7
7»A
77
März
480
75
i'A
77
April
323
r
11'.
77
Mai
)?
549
77
13 'A
'7
Juni
„
742
77
14
7?
Juli
T)
741
77
lO'A
77
August
1)
265
T>
12
77
September
n
153
77
<A
J1
zusammen . 5781Mk.l3«/4 Loth.
Von diesen gehen 116^
7v
1191/2 Stück auf die Mark.
Blatt 21. Schreiben des ReichsmUnzers Georg Reichart, Ps. den^
27. Februar 1631 an den Landeshauptmann Otto Heinrieh Stosch
Freiherru von Khaunitz, mit der Bitte: ihn als Münzmeister bei dei
Münze Ihrer Fürstlichen Gnaden anzuempfehlen.
„Was massen der ietzige Bestands Inhabende Müntzmeister zum Sagai
Hanss Heinrich Jacob wegen schlechter Lieferung vnndt anderen Ursachei
sich endlich dahin Resoluiret gedachte Müntze guttwillig abzuträtten."
Das hierauf folgende Blatt 23 enthält:
„Monatliches Register des Wardeins über die Ausmiinzung der Groschei
auf der Fürstlichen Münze zu Sagan, den 3ten October 1630 anfandend."
Bis Ende März 1632 sind zusammen
1136 Mk. 3^/\ Loth rauh vermünzt worden, die gemünzteng
Groschen hatten ein Feingehalt von 7 Loth 3 Q 3 J\ und 8 Lot]
— .— und gingen davon 117 — 119 '/o Stück auf die Mark Brutto.
Herzog von Frietlland und seine Münzen.
459
Blatt 25 enthält:
„Project eines Pacht Contracts über dass Friedlaendische Müntzwerkh zu
»Sagan vom 7. Februar 1631."
Es wird darin die Absicht ausgesprochen, die fürstliche Münze
zu Sagan an „Hans Giesler" (Ziessler) von Molsheim im Bisthum
Strassburg, und Hans Heinrich Jacob, als zu der Zeit Ihrer Rom.
Kays, auch zu Ungarn und Böhmen Königl. Maj. Münzmeister und
Münzverleger zu Breslau in Ober- und Nieder-Schlesien, auf zwei
Jahre Bestandsweise abzulassen,
„das ietzt gemelte beide Consorten die Zwey Jhar vber obberiirtes Fürst-
liches Münzwergk von haus aus durch Ihre hierzu verordnete vndt qualificirte
Diener vnndt Persohnen vorsehen vndt bestellen, frey vnndt vngehindert ge-
brauchen Ducaten, goldtgülden, Keichsthaler, halbe vnndt Viertel, Silber-
groschen und vndt Kreuzer Valuta nach, in der izigen schrot, Korn vndt den
Reichsthl. zue 90 Krz. münzen, Vnndt Ihrer Fürstl. gn. vnsern gnedigen Herren
hiervon ihärlichen Sechshundert Reichsthaler, ieden zue 30 Silbergroschen ge-
rechnet vnndt das solche bestandtheit vor das Münzhaus, vnndt alle darzu
gehörige Münzrüstung herbeigeschaffet, vnndt gemünzet wirdt seinen anfangk
gewinnen, die Bestandtshalten von gemelter Zeit an nach Vorfliessung eines
Vierthel-Jhares als 150 Reichsthaler, vnndt dan allweg nach Vorfliessung
dreyer Monaten wieder 150 Reichsthaler, vndt also Consequenter bis zue aus-
gang der angeregten Zwey Jharbestandtsgeldt zu entrichten, vorpfliclitet sein
sollen . . .^
Blatt 27. „Ohngefährer Ueberschlag, wie Ihre fürstl. Gn. Münzwerk zu
Sagan vermittelst eines von Dero löbl. fürstl. Saganisch. Caramer gegen einen
gewissen monatlichen Sold bestellten Münzmeister und Wardein fortzu-
setzen etc."
Die Juden lieferten die Woche über 200 Mk. fein Silber, würde
bezahlt, wie zu Breslau bei der Kaiserl. und andere Reichs-Münzen
die Mark fein Silber pro 7 Rthlr 1400 Rthlr.
Hierauf wird ungefähr Unkosten gerechnet:
Abgang vom Weißnuicheu und auf der Schmiedt^ etc.
von 100 Rthlr. 3 Rthlr. Abgang 12 „
Des Münzmeisters wöchentliche Besoldung .... 7
Des Wardeins wöchentliche 1
Zweien Münzbedienten wöchentlich 2 Rthlr 4 „
Dem Gesinde und Münzn-Ioliii vmi Inn Ml- iV.-i /n
verfertigen macht 15 Rthlr. 30 „
460
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldsteiu)
Weinstein, Salz, Tiegel 5 Ethlr.
Holz, Kohlen, Lichte und gemeine Ausgaben . . 10 „
Dem Eisenschneider ungefähr 5 „
Summa . 1507 Rthlr.
Hingegen wird die Mark fein an Silbergr. wiederum ausgemünzt,
nach Aufsatz der Rom. Kay. May. Münzordnung pr. 7. Rthlr. 26 Sgr.
hat 200 Mk. fein Rthlr. 1573.
Kost und Vnkost hiervon abgezogen verbleiln alrso, wenn
wöchentlich 200 Mk. geliefert würden, Ueberschuss ohngefähr —
wenn die Münz wiederum erbauet — ßG Rthlr.
„Dieser E. Gest. ist hier von ohngefahrlich mit gruelieher Bestandt der
Wahrheit berichten können. Mich hierbey zu E. Gest. beforderliche, gehor-
samlich recommandire, Verbleib E. Gest. Gehorsam Diener. Geben Sagan den
3. Decemb. 1633.
Martin Dietzseh.'-
Hiemit schliesst das Fascikel.
Wie sehr der Herzcü' der Könio-I. Landes-Mlinz-Aiistalt beim
Metalleinkauf Concnrrenz machtC;
hervor:
;elit aus nachfolgendem Briefe
Die böhmische Kammer an G. von Taxis.
„Vnser frdl. willig Dienst vud Gruß zuvor. Wolgeboruer Herr, besonder
lieber Herr und Freund.
Wir mögen demselben frdl. nicht verhalten, daß vns glaubwürdig vor-
koramen, wie bei dem fürstlichen Gitschiner Münz-Ambt die einkommende
Bruch- vnd Pagament-Silber ohne vnterschied gegen der Pragcrischeu Be-
zahlung vmb ein viertl Reichsthalers höher bezahlt vnd angenommen werden
solle, dardurch Ihr Kay. Mtt. vnsers Allergnedigisten Herrn, Silber-Kauflf
merklich geschmelert und gehindert wird.
Dieweil aber dem Rechten und Billigkeit gemeß, daß, wie an Schrott vnd
Korn, also auch an dem Silber-Kauff eine Gleichheit gehalten werden soll:
Als haben wir nicht vmbgehen können, dem Herra. dafern er etwa deßen keine
Wißcnschaft haben möchte, hiemit frdl. zu erinnern vnd zu ersuchen, er wolle
obangeregte schedtliche Anordnung abstellen oder vns die eigentliche Be-
schaffenheit berichten. Deme wir zu allem guten bereit verbleiben.
Datum Prag, den 23, Augusti 1630.
Rom, Kay. Mtt. Präsident vndt Verordnerc ( amuier Räthe im Königreich
Böheimb.«
(Orig. mit Siegel und Adresse Im Gubernialarchiv zu Prag.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
461
Ferner publicire ich hier noch aus dem reichhaltigen Material:
Taxis an die Herzogliche Kammer zu Gitschin.
„Dieweil IhreFürstl. Gnaden alles Gelt, das sie hir, zu 8kal vndFridlandt
in Verwanmg haben legen laßen, in Dueaten zu verwexeln gnedigist ahnbe-
fohlen vnd solches mit ly^ per cento Auffgab zu thuen bewilliget, der Verte-
man dan jetzt avisiert, das er 4000 Dueaten bey Händen, welche er gegen Auf-
gab li/o per cento gegen Reichsdaller hergeben will, als wolle die Fürstl.
Cammer dergegen vnsaumblich zu Einwexlung derselben sovil Reichsdaller
als darzue von noeten sein werden ihm Verteman nach Prag schicken vnd her-
gegen die Dueaten empfangen laßen, auch folgentz also weitter vorttfahren,
bis das Gelt alles in Goltt verwexlet seye.
Actum Gitschyn, den 8. Aprilis, Anno 1631.
Gerard von Taxis."
(Orig., Gubernial-Arcliiv zu Prag.)
Dietrich Malowetz von Malowitz — seit Juni 1632 Landes-
hauptmann im Fürstenthum Friedland an den Herzog.
„Durchleuchtiger, Hochgeborner Fürst,
Gnedigster Herr, Herr.
Ewr fürstl. Gnd. jüngstem Befelch gemeß hatt Ich dem Jacob Basseui»)
die abstattung derer 12.<541 fl. 32 kreuzer widerfahren laßen, weil aber im
Renthaus so viel gemeiner Münz nicht fürhanden gewest, hab Ich ein vier-
tausent Dueaten aus der Caßa erheben vnndt auf Ewer Fürstl. Gnd. gepräge
verraog dero genedigsten befehls vbermünzeu laßen. Vnangesehen nun solchem
werckh zweene aus den Cammer Räthen vndt noch andere zweene beaidigte
stetts beygewohnet, aufzunierckhen, daß in derae recht gehandelt werde,
hat sichs doch eraignet, daß an berürter Post derer viertausendt stückh
in dem Schmelzen vnndt Czimentiren 133 stückh Dueaten 22 kreuzer ab-
gangen, allermaße aus beygefügter designation Ewer Fürstl. Gnd, gnedigst
zu ersehen haben, vmb deßwegen ich dann in erwegung solchen abgangs mit
denen noch in der Caßa habenden Dueaten mit der vbermünzung fortzufahren
ohn Ewer Fürstl. Gnd. befragung ein bedencklien habe. Hierbei aber Ewer
Fürstl. Gnd. gehorsamst berichten thue, wen solche Dueaten E. F. Gnd. gne-
digsten Befelch gemeß zu 3 fl. ausgegeben werden solten, wie dan der Basseui
dieselben in den Valor angenohmen, so hatten Ewer Fürstf. Gnd. gleichwoll
vber diesen ganzen abgang an denen 4 m. stuckhen noch (300 fl. 38 kr. nuzeu
>) Leo und Jacob Bassevi waren des Herzogs „Hofhandelsjudeu.
462
Adolph Meyer : Albrecht von Wallensteiu ("Waldstcin)
vnndt vberschues darbey. Dahero iu gehorsam bitte, mich in diesem Fall der*>
gnedigen willen zu uerstendigen anzubefehlen. Hiebey zu Ewer Fürstl. Gud.
schütz vnndt gnaden mich empfehlendt.
Gitschin den 2. Augusti An. 1633.
Ewer Fürstl. Gnd.
gehorsamster Diener
Getfich von Malowicz.'
(Oriy. m. Adr. — Staatsarchiv, "SVien.)
Der Herzog an Malowetz.
(Bei Schweidnitz) 10. August 1633.
„Albrecht etc. etc.
Wir haben evver Schreiben vom 2 dieses zu reclit empt.-(ugeu vud, was
vns Ihr wegen des abgangs der vmbgemünzten 4000 Stück Diicaten berichten
thutt, daraus mit mehrem verstanden.
Aldieweiln es nun wol anders nicht sein kan, denn das ettwas verlust
darmit beyfa^le : Als befehlen wir euch, deßen ungeachtet mit so angefangener
vmbmüntzung der Ducateu auf vnser gepräge fortzufahren.
(In marg.:) An Landshaupttman zu Gitschin den 10. Aug. 1633."
Conc- Staatsarchiv, Wien.)
Der Herzog an Malowetz.
Bei Schweidnitz, 18. September 1633.
„Albrecbt etc. etc.
Wir haben zwar aus der vns von euch dahier vorgetragenen Verzaichniis
ersehen, was für besoldungen so wol zu Gitschin als auf den Herrschafften
vnsers H erzog thums für die Hauptleutte, Burggraven, Schreiber, Forstmeistei
vnd andere, so aufn Forst bestellet, aus vnsera rentten bezahlet werden.
Aldieweiln aber darbey nichts zu befinden, was für lohn in den Meyer-J
höfen vnd Brewheusern dem Gesinde hin und wieder gereichet werde. Alsj
befehlen wir euch, solches gleicher gestaltt eygentlich vnd genaw zusammen
zu bringen vnd vns eine völlige specification, damit wir, was in allem vnd iedem
vom höchsten bis zum niedrigsten in besagtem vnserm gantzem Herzogthum
für besoldungen aufgehen, mit allen vmbständen wißen können, darüber ein-
zuschicken.
Die bestellung der wirttschaften belangend, werdet Ihr euch auf allej
weyse angelegen seyn laßen, das dieselbe mit nottürfftiger anzahl viehe, so-
wohl Kühen als Schaffen, damit daran nichts ermangle, völlig besezt werden.
Herzog viu Frirdiand imrl soino Miinzoi
463
Inmaßeu Ihr dann auch wogen der Kühe solche anstaltt machen werdet^
das sich die nutzuug: darvon so hoch als auf des Herrn Haugwitzes güttern,
benenttlichen von ledern Stuck auf 12 fl. vnd 1 Kalb, betragen möge.
Gleichergestaltt wegen der Schaife Ihr es also wie es auf des Fürsten
von Lichtenstein's Liebden wirthschaften gehaltten worden, das nemlich von
iedem Stuck ein fl. gereichet vnd, da daßelbe gleich verlohren würde,
solches allein dem bestandtmann, welcher ein anderes an statt delielben
zu ersezen schuldig, zu schaden komme, anzustellen vnd solches alles
aufs föderlichste zu werck zu richten wissen werdet. Die Fortsetzung
der bergwerk betreffend, ist ebenmäßig vnsere meinung vnd
b ef eh lieh, das mit Bawung derselben theils von dem vnser igem,
theils durch andere particularien fleißig fortgefahren vnd dar-
luit keine Zeitt verabsäumet werde. Die müntze aldortt aber
belangendt woltten wir vns nicht zuwieder sein laßen, wenn die-
selbe, gleich wie vor diesem in vnser Stadt Saganbeschehen (sie!),
vermüttet würde; doch befehlen wir euch, inmittelst einen weg
als den andern die fleißige obachtzu haben, das dieselbe stark
vnd vnabläßig fortgetrieben werde.
Sonsten werdet Ihr vnfehlbar dahin b edacht sein, das Ihr
bis in 40000 stück Ducaten zusammen bringet, damit, wenn wir vns
derselben zu vnsern nottürften zu prävaliren begehr en, wir die-
selbe würklich an der Handtvnd vns eygentlich da rauf zu ver-
laß en hab en.
(In Marg.:) An Landshaupttmau zu Gitschin.
Bey Schweidtniz, den 18. Septbr. 1633.
(Couc. -Staatsarchiv ,Wieu.)
In gleich fürsorglich, haushälterischer Weise wie der letzt vor-
stehende Brief gewähren noch eine große Menge Schriftstücke einen
tiefen Einblick in die geistigen Fähigkeiten des Herzogs. Da der
Inhalt ausserhalb des mir für meine Arbeit gesteckten Rahmens
liegt, so übergehe ich solche mit Stillschweigen.
In seinen: „Beiträge zur Geschichte des Oesterreichischen
Münzwesens während der Zeit von 1622—1650," Wien 1882 er-
wähnt Director Johann Newald eines Briefes der Schlesischen
Kammer d. d. Breslau, 23. April 1629 mit der Meldung dass der
Herzog von Friedland zu Sagan eine Münze eingerichtet und dem
kaiserlichen Münzmeister in Breslau, Johann Ziessler zum Be-
triebe überlassen habe. Aus dem vorstehend wiedergegebeuen
Briefe des Herzogs d. d. Bei Schweidnitz, 18. September 1633 geht
]
464
Adolph Meyer: Albrecht von "Wallenstein (Waldstein)
hervor^ dass er diese Münze wirklich verpachtet hatte. Jenes vor-
stehend — ans dem Saganer Acten Fascikel Blatt 25 — erwähnte
„Project eines Pachtcontracts ist zwar vom 7. Februar 1631 datirt;
laut Blatt 23 desselben Heftes sind jedoch noch für Rechnung des
Herzogs während des Monats März 1632
rauh 22 Mk. 3 Loth Silber mit 11 Mk. — L. — Q 2 J) Feingehalt
zu Groschen vermünzt worden.
Der ■ — vielleicht um einer beabsichtigten Verpachtung der
Münze willen gemachte — Ueberschlag des Ertrages derselben
datirt aber vom 3. December 1633, ist also wahrscheinlich in Foleo
jenes Briefes gefertigt worden.
In Mecklenburg hat Herzog Albrecht nicht prägen lassen ; auf
das Münzwesen bezügliche Acten sind daselbst auch nicht aufge-
funden worden. In einer vom Herzog bei seiner Abreise aus
Mecklenburg am 30. Juli 1629 an seinen Statthalter Heinrich
Custosz ertheilten Instruction heisst es :
„Weil auch J. F. G. nach nunmehr erlangter Investitur wegen des Her-
zogthum Mecklenburg auch die Münzstöcke geendert und das Geprege nach
dero vermehrten Fürstl. Wappen uff der Münze «bissen wollen, Als ist auch!
gleichfalls der Cammer anbefohlen, solches gehorsamblich zu verrichten etc. etc.
Datum Güstrow am
3. August
24. July ^'^—
A^' 1629.
(Mecklenburg Jahrbücher Band 36. S. 53.)
Herzog von Friedland und seine Münzen.
465
MünzgeschicMliches.
Da des Herzogs Münzen, mit Ausnahme weniger Stempel
namentlich in den ersten Jahren, kein Zeichen der Prägestätte,
sondern die Anfangsbuchstaben oder das Zeichen des Münzmeisters
tragen, und diese auch nur mangelhaft bekannt sind, so lassen sie
sich nach den Münzorten nicht ordnen; ich ziehe es deshalb vor, sie
nach den Mtinzmeisterzeichen zu classiren.
Die Münzstätten waren in Gitschin und Sagan. An ersterem
Orte finden wir als ersten Unternehmer Tobias Sonnenschein, dessen
Zeichen eine Sonne (Gesicht, umgeben von züngelnden Strahlen)
ist; solche finden wir bis in das Jahr 1630 hinein. Auf einzelnen
Thalerstempeln der Jahre 1627 und 1628 steht am Schluss der
Legende noch eine Doppellilie (3E)? Zeichen des Johann Joachim
Edling — bis 1626 in der Münze zu St. Polten — .
Femer war:
1629 Georg Reick Münzmeister und Hans Jacob Wiebl Wardein,
1632 Sebastian Steinmüller Münzmeister, sowie Conrad Fro-
böse aus Braunschweig Stempelschneider.
In Sagan waren:
1628 Münzmeister Johann Ziessler von Molsheim — bisher
kaiserlicher Mtinzmeister zu Breslau — der seine Stempel theil-
weise 1629 mit I. — ^. und H. — ^. gezeichnet hat.
1629 — 1631 Münzmeister Hans Heinrich Jacob.
1629—1630 Wardein Gottfried Ehrlich.
Im fürstlichen Archiv zu Sagan werden noch verschiedene
Münzstempel aufbewahrt, darunter die Rückseite zu einem ganzen
Thaler von 1629 mit der Legende:
SArRT-PDMA.nn^- — PPIXPEPS anno 1629- X
ao
f
66
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Im Felde der gekrönte friedländisebe Adler^ unter dem Fürsten-
hut. In dem Brustschilde erscheint das gekrönte Wappen von Sagan-
Wallenstein mit dem Vliessorden ; unten zu den vSeiten des Adlers
die Buchstaben I — ^ (Johann Ziessler), in der Umschrift unten der
Münzbuchstabe 8 (Sagan.)
Ferner die Rückseite zu einem Gulden von 1629
SACRI : ROMA : IMP — PRINCEPS • AN • 1629 •
Sonst wie auf dem vorigen Stempel, nur die Buchstaben I — ^
stehen höher, über den Krallen des Adlers.
Mit diesen Stempeln geprägte Münzen sind weder F. W.
Kretschmer, noch mir in Originnl oder in Beschreibung vorge-
kommen.
Um der Beschreibung nachfolgender Stempel willen habe ich
die weiter unten verzeichneten Sammlungen durchgearbeitet, wobei
ich mich verpflichtet halte, dankend hervorzuheben, dass Seine
Durchlaucht der Fürst von Fürstenberg in Folge befürwortenden
Vortrages des Vorstehers seines Museums, Herrn Archivars Dr. Bau-
mann, genehmigte, dass sämmtliche in Donau-Eschingen befindliche
Münzen dieses Faches mir übersandt wurden. Ein Gleiches gestattete
das Curatorium der Universität zu Rostock mit einzelnen Stücken
auf den Antrag der Herren Professor Dr. Schirrmacher und Dr. L.
Müffelmann. Auch Herr Major Graf von Schlieffen-Schw^andt hatte
die Liebenswürdigkeit, seine bedeutende Sammlung von Wallen-
stein-Münzen mir ins Haus zu bringen, so dass ich sie persönlich
bearbeiten konnte. Endlich hat Herr Ministerialdirector Burchard zu
Schwerin in Folge befürwortenden Antrages des Herrn Geheimen
Legationsratlies von Prollius, Excellenz, mir die Notizen über das
grossherzogliche Münzkabinet zu Schwerin geliefert, die mir nach
dessen Tode durch die Custodin der grossherzoglichen Alterthümer-
sammlung Fräulein Amal. Buchheim vervollständigt wurden. Ueber
die Universitätssammlung zu Rostock referirten mir die Herren Pro-
fessor Dr. Schirrmacher und Dr. L. Müffelmann. Die Sammlungen
hier, in Dresden, Prag und Wien habe ich persönlich bearbeitet.
Nach den zu oft gemachten trüben Erfahrungen habe icli unter-
lassen, die in Katalogen etc. aufgeführten Varianten einzureihen
und erwähne ich solcher nur in mir ganz besonders wichtig erschei-
nenden Fällen.
Herzog vun Fried land und seine Münzen.
467
Die Sammlimgen, die ich wie beistehend bemerkt bezeichne,
sind folgende:
Berlin: König!. Münzkabinet (K. Münz.),
Landesgerichtsrath H. Dannenberg (H. D.),
Geheimer Legationsrath von Prollius (v. P.),
Meine Sammlung (A. M.).
Breslau: Schlesisches Münzkabinet der Stadtbibliothek (St.
BibL).
Donau-Eschingen: Fürstlich Fürstenbergisches Münzkabinet
(Fürst. M.).
Dresden: Gebrüder Erbstein (Gebr. E.),
Königl. Münzkabinet (K. Münz.).
Frankfurt am Main: Paul Joseph (P. J.),
Stadtbibliothek (St. Bibl.). lo)
Linz: Museum Fraucisco-Carolinum.
Lorzendorf: Hugo Freiherr von Saurma (v. S.).
Mainz: Stadtbibliothek (St. Bibl.).
München: Königl. Münzkabinet (K. Münz.).
Prag : Max Donebauer (M. D.),
Emanuel Miksch (E. M.),
Museum Kegni Bohemiae (Mus.).
Riga: Dr. W. Petersen (Dr. P.).
Rostock: üniversitätsmünzkabinet (Univ.).
Schw^andt: Major Graf Schlieffen (Gr. Seh.).
Schwerin i. M.: Grossherzogl. Münzsammlung (Grossh. M.),
Verein für Meckl. Geschichte und Alterthumskunde
(V. f. M. G.).
10) Der Befürwortung des Herrn Paul Joseph daselbst verdanke ich die
Besichtigung der mich speciell interessirenden Abtheilungen der mediatisirten
Fürsten und Städte Deutschlands der städtischen Sammlung. Die Sammlung
enthält so viele noch vollständig unbekannte Münzen resp. Stempel, dass deren
Bekanntgabe, so auch die Ausnützung des bezüglichen archivalischen Materials
eine wesentliche Bereicherung der Wissenschaft wäre. Man kann nur wünschen,
dass die vorgesetzte Behörde recht bald die erforderlichen geringen Mittel
bewilligen möge, damit eine den heutigen Ansprüchen genügende Ordnung der
Sammlung hergestellt und eine Geschichte di'S Frankfurter Münzwesens ver-
öflfeuthcht werden könnte.
30*
468
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Wallerstein : Fürstl. Oettingensche Münzsammlung.
Wien: Münzsammlung des Allerhöchsten Kaiserhauses (K.
Münz.),
Münzsammlung des Gymnasiums zu den Schotten
(Schott.),
J. Spöttl rj. Sp.).
Um nicht der Nachlässigkeit geziehen zu werden, erwähne ich
zunächst eines Stückes, welches W. Hanka in seinen „Münzen und
Medaillen Albert Herzogs von Friedland" in den „Verhandlungen der
Gesellschaft des vaterländischen Museums in Böhmen", Jahrgang
1841, Seite 80 unter Nr. 1 und nach solchem Neumann-Mi Itner in
ihrer „Beschreibung der bisher bekannten böhmischen Privatmünzen
und Medaillen, Prag 1852, Seite 659, Nr. 5, Abbildung 586, wie
folgt anführten:
Vs. Brustbild, Umschrift: :4^ALBERTVS-DEI*GRA*— DVX-
FRIDLANDIAE Unter dem Brustbild als Münzmeister-
zeichen der einköpiige Adler, den Kopf nach rechts
gewandt, in Klammern.
Rs. Vierfeldiges Wappen unter dem Herzogshut: Im ersten
und vierten Felde der einköpfige Friedländer Adler, im
zweiten und dritten statt des springenden Löwen nur
Löwenköpfe mit offenem Rachen. Umschrift: DEVS PRO-
TECTORMEVS 1626.
Dickmünze zwei Thaler schwer, halber Gulden und
Halbguldenklippe.
In Gulden Gewicht Stadtbibl. — Frankf., Sammlung
M. D. — Prag.
Diese Stempel sind plumpe Falsificate, Machwerke des gegen-
wärtigen Jahrhunderts; ich bringe sie desshalb weder zur Abbildung,
noch reihe ich sie den Münzen ein.
Herzog von Friodlaud und seine Münzen.
469
Münzzeichen: Sonne mit Gesicht^ umgeben von züngelnden
Strahlen
mit dem Wahlspruch: DOMINVS PROTECTOR MEVS.
1626.
Thaler.
1. Ys. Brustbild ein wenig- nach links gewendet, vollständig
von einem Perlenkreis umgeben, ausserhalb desselben:
^l4ALBERTVS:D:G*DVX (siebenstrahlige Sonne) FRID-
LANDIAE^
Rs. Gekrönter Adler nach rechts, im ßrustschild vier aufrecht
stehende Löwen (siehe Wappenabbildung Taf. I, Nr. 2)
in schlichter, oben rechtwinkliger Einfassung, welche
unten in einem das Ganze umgebenden Perlenkreise,
wogegen sie oben durch einen schmalen hohen hermelin-
verbrämten Fürstenhut ohne Bügel und Perlspange (wel-
cher auf dem Adlerschild liegt) getheilt wird. Zu beiden
Seiten des Hauptwappens innerhalb des Perlenkreises je
ein Kreuz (^). Ueber dem Hute frei schwebend ein Punkt.
DOMINVS . PROTECTOR • MEVS • /ö - 2ö • - Gew.
28-8— 29-01 Gr., Dm. 40 Mm. — K. Münz. - Berl.,
A. M. — Berl., zwei Exemplare mit je sechs, respective
sieben Adlerschwungfedern, Mus. — Prag.
Abb. s. Taf. H.
2. Vs. Wie 1.
Rs. Wie 1, nur ohne Punkt nach der Jahreszahl /ö — 2ö
Gew. 28-5 Gr., Dm. 395 Mm. — K. Münz. - Berl., A. M.
— Berl.
3. Wie 1, nur \s.: Die Kint'assung des Adlerschildes bildet
für sich eine vollständig abgeschlossene Linie, an welcher
in geringer Entfernung der Perlenkreis vorübergeht.
Gew. 28-5 Gr., Dm. 40 Mm. - A. M. — Berl.
470
Adolph Meyer: Albrecbt von Wallenstein (Waldstein)
Gulden.
4. Wie 1. Vs. ♦f ALBERT VS-D-G-DVX (siebenstrahlige
Sonne) FRIDLANDIAE
Rs. DOMINVS . PROTECTOR • MEVS • 16 — 26 • — Gew.
14-4 Gr., Dm. 34-4 Mm. — A. M. - Berl.
5. Wie 4, nur \\s. Legende: . . .D:G» — Mus. — Prag.
Ohne Wahlspruch. Mit DVX FRIDLANDIAE und SACRI ROMANI
IMPERII PRINCEPS.
ZebndukatenstUck.
1627.
6. Vs. Brustbild etwas nach links gewendet wie 1, die oberste
Platte des Harnischs reich ornamentirt. ^ALBERTVS»
DEI.GRA: (Sonne achtstrahlig züngelnd) DVX •FRID-
LANDIAE:
Rs. Adlerschild wie 1, unten oval; au den vertikalen Seiten
desselben oben und unten, wo er oval zu verlaufen beginnt,
gerollte Ansätze. Der Ftirstenhut mit dreifach gestr.
BUgel; der obere Rand perlenbegrenzt. Ueber dem BUgel
sehwebend ein Punkt mit Kreuz. S ACRI. ROMANI. IM-
PERII •PRINCEPS. /627 - Gew. 34-5 Gr. — Mus. -
Prag.
7. Wie Nr. 6, nur Rs IMPE^ PRINCEPS •/627 - Dm.
41 Mm. — K. Münz. — Dresd., im Gew. von 16*45 Gr..
K. Münz. — Wien.
Fünfdukatensttick.
1627.
8. Vs. Wie 1, ALBERT VS • DEI • GR (achtflammige Sonne) DVX •
FRIDLANDIAE:
Rs. Wie 1, S ACRI^ ROMANI •IM PRINCEPS •/627^ - Gew.
17-13 Gr., Dm. 27-50 Mm. — K. Münz. - Wien.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
471
»
Darstellung wie 3, nurRs.: Der Raum zu den Seiten des
Adlerschildes leer; der obere Rand des FUrstenhutes
perlenbesetzt, zweigestr. Bügel, über dem Hute ein freier
Punkt. Legende:
Vs. *ALBERTVS.DEI.GRA: (Sonne) DVX • FRIDLAN-
DIAE:
Rs. SACRI • ROMANI • IMPE • PRINCEPS • /Ö27 — Gew.
17-1 Gr. — Mus. — Prag, 17-— Gr. K. Münz. — München.
"ö?
Doppeldiikaten.
1626.
H. Freiherr von Saurma-Jeltsch erwähnt in seinen „Schlesische
Münzen und Medaillen" zweier Stempel von Doppeldukaten, die er
in galvanoplastischen Copieen besitzt und die im königl. Münzkabinet
zu Berlin liegen sollen. Das königl. Münzkabinet ist aber nicht im
Besitze und hat sie auch niemals besessen. Miltner-Neuraann erwäh-
nen derselben nicht und habe ich sie ebensowenig auffinden können.
Vielleicht sind die im königl. Münzkabinet liegenden Zwei Gulden-
exemplare (Nr. 34 und 37 dieser Arbeit) in Folge Druckfehlers etc.
als Doppel dukaten eingereiht.
1627.
10. Vs. Wie 1, über dem Kopfe eine Rosette. Zwischen dem Per-
lenkreis: *ALBERTVS«D-G- (Sonne) DVX* FRIDL AN:
Rs. Das Wappen wie 1 in selbstständiger runder, nach unten
oval zulaufender Linear-Einfassung, welche zu beiden Seiten
mit gestreckten Handhaben und oben und unten mit
Wülsten und dazwischen mit vier rollenfih-niigcn Ansätzen
versehen ist. Das Ganze ist von einem Perlenkreise ein-
geschlossen, der oben vom untersten Rande des im Legen-
denraume liegenden Fürstenhutes unterbrochen wird. Der
Hut ohne Verzierung. Ausserhalb der Legende ein zweiter
Perlenkreis. SAG -RO» IMPE- PRINCEPS •/Ö27 - Gew.
6-9 Gr., Dm. 24 Mm. — Gebr. E. — Dresd., Mus. — Prag.
472
Adolph Meyer : Albrecht von Walleiistein (Waldstein)
Dukaten.
1627.
11. Vs. Wie 1. Das Kopfhaar streift den inneren Perlenkreis.
°§^oALBERTVS DEI-GRA (achtstrahlige Sonne) DVX-
FRIDLANDLE
Rs. Aeusserlich verzierter Wappenschild wie 1 , 8 ACRI • ROMA •
IMPE«PRINCEPS*/Ö2/ - Gew. 3-48 Gr., Dm. 24 Mm.
— K. Münz. — Berl. Abb. s. Taf IL
12. Vs. Aehnlich 10, das Kopfhaar nur nahe dem inneren Perlen-
kreis. °ooALBERTVS*D»G (achtstrahlige Sonne) DVX«
FRIDLAN-
Rs. Wappenschild anders verziert als 11. SAC»RO*IMPE«
PRINCEPS*/Ö27 — Gew. 3-45 Gr., Dm. 21 Mm. —
K. Münz. — Berl., K. Münz. — Dresd.
Abb. s. Taf. IL
13. Vs. Brustbild wie 1, das Kopfhaar trennt den Perlenkrcis.
cf. ALBERT VS-D-G- (Sonne) DVX • FRIDLAND :
Rs. Adlerschild mit Verzierungen, ähnlich wie 9. Der Fürsten-
hut mit zweigestr. Bügel ohne Perlenverzieruug, darüber
ein freier Punkt. 8AC-R0*IMPE.PRINCEPS-/Ö2/ —
Gew. 3-44 Gr., Dm. 195 Mm. — K. Münz. — Wien, Mus.
— Prag.
14. Vs. *ALBERTVS-D:G (Sonne) DVX^FRIDLAND: sonst
wie 13. — Dr. P. — Riga, Kaffka — Wien.
15. Vs. Brustbild wie vorher.
FRIDLANDIAE. -
ALBERTVS*D:G*DVX (Sonne)
Rs. Verzierter Wappenschild, über dem Fürstenhute ein Punkt.
SAG ROM IMPERII PRINCEPS 16 — 27 Die verschie-
denen Worte sind nicht durch Punkte getrennt. — M.
Doneb. — Prag. .
Herzog von Friedland und seine Münzen. 4 I O
16. Vs. Brustbild wie 1, von dreifacher Kreislinie eingeschlossen,
deren mittlere am stärl^sten und gedreht ist. ALBERTVS •
DEI-GRA (Sonne) DVX^FRIDLANDI^;
Rs. Wappenschild ohne Verzierungen. SACRI»ROMANI»IM-
PERII-PRINCEPS-627 — Gew. 3-4 Gr., Dm. 22-5 Mm.
— K. Münz. — Berl., Mus. — Prag.
Abb. der Rs. s. Tai IL
1628.
17, Vs. Brustbild wie 1, das Kopfhaar greift in die einfache innere
Legendenkreislinie ein und unterbricht sie. Unterhalb der
Feldherrnbinde im freien Felde ein Grabstichel. @ AL-
BERTVS •D:G*DVX (Sonne mit sieben züngelnden
Strahlen) FRIDLANDIAE*
Rs. Adlerschild wie 1^ die Conturen des Adlerkopfes, nament-
lich des Halses glatt; das siebenfach getheilte Gefieder
der beiden Fittige palmenblättrig gehalten. Die schlichte
Einfassungslinie des Wappens übergeht unten ins Oval
und endet pfeilförmig. Auf beiden Seiten schliessen an den
senkrechten Schildesrand der Länge nach arabeskenartige
Verzierungen an, nebst je zwei freien Punkten. Auf der
wagrechten Einfassungslinie des Hauptschildes ruht der
unverzierte Fürstenhut, über diesem ein freier quer getheil-
ter Punkt. Die Winkelspitzen der linearen Einfassung
des Adlerwappens tangiren genau den inneren Schriftkreis,
welcher beiderseits abbricht, ))evor er die Hermelinver-
brämung des Fürstenhutes trifft. SAC*ROM*IMPERII*
PRINCEPS • /ö — 28 • — Gew. 3-1 Gr. — Mus. -
Prag.
18. Genau wie 17, nur bleibt der Kopf des Brustbildes auf der
Vs. unterhalb der vollständig geschlossenen glatten Kreis-
linie. — Gew. 3-2 Gr., Dm. 24 Mm. — Grossh. M. —
Schwerin.
474
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Dickthaler.
1627.
19. Von gleichen Stempeln wie das Zehndukatensttick Nr. 6.
— Mus. — Prag.
20. Zwei Exemplare von gleichen Stempeln wie Thaler Nr. 31
des K. Münz. — Berl., nur Vs. DEI und DEI- und ohne
Querbügel am Fürstenhute der Rs. — Gew. 57-9 und
58-2 Gr., Dm. 42 Mm. — A. M. — Berl.
22.
Thal er.
1626.
Vs. Brustbild ein wenig nach links gewendet, frei im Perlen-
kreis. 4*ALBERTVS*D:G»DVX (siebenstrahlige Sonne)
FRIDLANDIAE +
Rs. Der Adler mit je sechs Schwungfedern in den Fittigen
— Wappen wie 1 — in schlicht linearer Einfassung,
welche unten oval abgerundet ist. Zu beiden Seiten,
ausserhalb des Adlerschildes, je ein Kreuzchen *^. Ober-
halb ein niedriger FUrstenhut ohne Spangen und Perlen-
verzierung, dessen Hermelinbesatz zum grösseren Theil
unterhalb des inneren Schriftkreises liegt. Ueber dem
Hute ein Punkt. Umschrift zwischen zwei Perlenkreisen :
SAG • ROM • IMPERH PRINCEPS • /6— 2ö» — Gew.
29-1 Gr., Dm. 39-5 Mm. _ A. M. — Berl., Mus. —
Prag.
Abb. Rs. s. Taf. II. — Vs. bis auf Punkt in der Legende
wie Nr. 1.
Vs. Wie 21.
Rs. Zeichnung wie 21, nur höherer, bis in den ausserhalb der
Legende befindlichen Perlenkreis hineingehender Fürsten-
hut. SAC:ROM:IMPERIIPRINCEPS»/ö — 26* — Gew.
28-8 Gr., Dm. 45 Mm. — K. Münz. — Berl., A. M. -
Berl., Mus. — Prag.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
475
23. Zeichnung beiderseitig* wie 21, Legende:
Vs. 4» • ALBERTV8 • D : G • DVX (siebenstrahlige Sonne)
FRIDLANDIAE •
Rs. Wie 21. — Dm. 40 Mm. — A. M. — Berl. zwei Exem-
plare von beiderseitig verschiedenen Stempeln — Gew.
28-9 und 28-7 Gr. — St. Bibl. — Frankf. 29-10 Gr., Mus.
— Prag, K. Münz. — Wien.
24. Wie 23, nur verläuft die lineare Einfassung des Adlers
auf der Rs. unten in die innere Perlkreislinie. — Gew.
26-78 Gr., Dm. 39 Mm. — M. D. — Prag, Grossh. M. —
Schwerin. Abb. der Rs. Taf. II.
2ö. Vs. Wie 23.
Rs. Wie 23, nur statt der Kreuzchen im freien Räume zwischen
dem Adlerschilde und der inneren Legendenkreislinie
je eine Rosette *. SAC*ROM*IMPERII PRINCEPS:
/6 — 26* — Dm. 39-8 Mm. — A. M. — Berl. 29 Gr.,
K. Münz. — München 28-8 Gr.
1627.
26. Vs. Wie 23.
Rs. Wie 25, nur PRINCEPS «/ö— 2/« und über dem Fürsten-
hute statt eines freien Punktes eine Rosette. — Gew.
28-7 Gr., Dm. 40 Mm. — A. M. — Berl., Mus. — Prag.
Ein zweites Exemplar mit anderer Zeichnung des
Adlers und Fürstenhutes. — Gew. 28-6 Gr., Dm. 39-5 Mm.
— A. M. — Berl., K. Münz. — München.
27. Vs. Wie 23.
Rs. Wie 25, nur Legende : SAG • ROM • IM • PERU PRINCEPS •
16 — 27 — Gew. 28-8 Gr., Dm. 39 Mm. - A. M. —
Berl., Grossh. M. — Schwerin.
28. Von gleichen Stempeln wie das ZehndukatenstUck Nr. 6,
nur Vs. . .DEI GRA: — Gew. 28-6 Gr., Dm. 41-2 Mm. —
K. Münz. — Berl., A. M. — Berl.
476
Adolph Meyer: Albrecht von Wallensteiii (Waldstein)
29. Wie 28, nur Vs FRIDLANDIAE- — K. Münz. —
Beil. Abb. s. Taf. IL
30. Wie 29, nur Vs DEI-GRA: und Rs IMPERY«
PRINCEPS* — K. Münz. — Berl.
31. Vs. Wie Nr. 6.
Rs. Gekrönter Adler mit Brustschild wie 1, die Fittige mit je
sieben Schwungfedern; die Schildform oben rechtwinklig,
unten oval, innerhalb eines Perlenkreises, der durch den
aufliegenden Fürstenhut mit Hermelinverbrämung, zwei-
streifigen Querbiigel und Perlspange unterbrochen wird.
Oberhalb ein freier Punkt. SACRI • ROMAKI • IMPE •
PHINCEPS • /Ö27 — K. Münz. - Berl. in zwei Exem-
plaren mit variirender Rs., Mus. — Prag.
Gulden als Klippe.
32. Vs. Brustbild wie 1, der innere Schriftkreis endigt in den
Kopfhaaren, -f ALBERTVS*D:G»DVX (siebenstrahlige
Sonne) FRIDLANDIAE
Rs. Adlerschild wie 30, die Fittige mit je sechs Schwung-
federn, zu beiden Seiten je eine Rosette. Auf der wag-
rechten Einfassungslinie über dem Adlerkopfe genau auf-
liegender, hermelinverbrämter Fürstenhui; ohne Verzierung;
oberhalb ein freier Punkt. SAC*ROM^IMPERII PRIN-
CEPS./ö— 26* - Gew. 29-1 Gr., Dm. 35—35 Mm. —
Mus. — Prag.
Gulden.
1626.
33. Vs. Brustbild wie 1 , frei innerhalb eines Perlenkreises.
ALBERTVS-D«G*DVX (siebenstrahlige Sonne) FRID-
LANDIAE*
Rs. Adlerschild wie 3, die Fittige mit je sechs Schwungfedern;
ausserhalb desselben je ein Kreuzchen >J^. Ueber dem
Fürstenhute ein freier Punkt. SAC*ROM-IMPERII PRLN-
CEPS*/ö— 26- — Mus. — Prag, K. Münz. — Wien.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
477
34. Wie 33, nur Vs. ALBERTVS -D-G-DVX etc. — Gew.
14-05 Gr., Dm. 34-9 Mm. - K. Münz. - Berl., A. M. —
Berl. Abb. s. Taf. IL
35. Vs. Wie 34.
Rs. Wie 33, nur statt der Kreuzchen zu den Seiten des Schil-
des, so auch über dem Fürstenhute je eine Rosette ^.
Legende: SAG •ROM» IMPERII PRINCEPS'/6 — 2ö« —
Gew. 14-3 Gr., Dm. 34-5 Mm. — A. M. - BerL
36. Wie 35, Rs. über dem Fürstenhute ein freier Punkt.
Dieses Exemplar hat beiderseits etwas Doppelschlag,
so dass die Legenden lauten:
Vs. ALBERTVNCEPVX und
Rs. ROM II.. ALRII PRINCEPS. _ Gw. 136 Gr.,
Dm. 34-8 Mm. — A. M. — Berl.
37. Darstellung wie 33.
Vs. ALBERTVS«D»G-DVX (siebenstrahlige Sonne) FRID-
LANDIEA* (sie.)
Rs. SAG ROM • IMPERII PRINCEPS • /ö - 2ö • — Gew.
14-3 Gr., Dm. 35 Mm. — K. Münz, — Berl., A. M. — Berl.
Halbgulden.
1626.
38. Darstellung wie 33, das Kopfhaar des Brustbildes der
Vs. durclischneidet die Perlenkreislinie; zu den Seiten des
Adlerscliildes der Rs. je eine Rosette ©, über demFUrsten-
hute frei ein Punkt.
Vs. ^}# ALBERTVS D : G • DVX (siebenstrahlige Sonne)
FRIDLANDIAE
Rs. SAG • ROM • IMPERII PRINCEPS • /ö— 2ö* — Gew.
715 Gr., Dm. 31 Mm. _ A. M. — Berl.
Abb. s. Taf. II.
39. Wie 38, nur Vs. Legende: 44 ALBERTVS -DiG- u. s. w.
— K. Münz. — Wien.
478
Adoljili Meyer : Albrecht von Walleafrteiu (Waldstein)
40.
41.
42.
Wie 38, nur zu den Seiten des Adlerscbildes je ein Punkt,
von gleicher Grösse des über dem Fürstenhute schweben-
den. Legende:
Vs. *|,ALBERTV8-D:G DVX (siebenstrahlige Sonne) FRID-
LANDIAE
Rs. Wie 38. - Gew. 7-11 Gr., Dm. 32 Mm. — K. Münz. —
Berl. in zwei Exemplaren verschiedener Zeichnung, H.
Dannenberg — Berl., A. M. — Berl., Gebr. E. — Dresd.,
K. Münz.
Dresd., Grossh. M. — Schwerin.
43.
Wie 40, nur Legende der Vs: ALBERTVS • D : G • DVX
u. s. w. — Gew. 6*9 Gr., Dm 32 Mm. — Univ. — Rostock.
1627.
Darstellung wie 33, innerhalb der Legende beiderseitig
eine einfache Kreislinie. Der Raum neben dem Adler-
schilde und über dem Fürstenhute der Rs. leer. Der her-
melinverbrämte Fürstenhut ohne Verzierung.
Vs. • ALBERTVS -U-GR- (elfstrahlige Sonne) DVX- FRID-
LANDIAE
Rs. SAC-RO-IMPERII-PRINCEPS-/627 — Gew. 6-85 Gr.,
Dm. 29 Mm. — A. M. - Berl.
Wie 42, nur Rs. SAC-RO-IMPE-PRINCEPS-/627 -
Gew. 7-2 Gr., Dm. 29 Mm. - Grossh. M. — Schwerin,
K. Münz. — Dresd., K. Münz. — Wien.
Groschen.
Gewicht zwischen 1*75 Gr. und 1-20 Gr. Dem Anscheine nach
vollständige, wohlerhaltene Stücke wiegen 1-60 Gr., Dm. 20 Mm.
1626.
Ohne Münzzeichen : Sonne.
Vs. Brustbild im Profil nach links.
Rs. Adlerwappenschild mit geviertem Brustschild, darüber der
Fürstenhut.
Herzog von Friedlaiui und seine Münzen,
479
44. Vs. ALBERTV8 D G DVX {£) FRIDLANDIAE-
Rs. SAC-ROM-IMPERIl PRINCEPS-Zö — 2ö — K. Münz.
— Wien.
45. Vs. ♦ALBERTV8-D-G-DVX(£) FRIDLANDIAE
Rs. SAC-ROM-IMPERI-PRICEPS-/Ö — 26- — v. S. —
Lorz., K. Münz. — München, Mus. — Prag*.
46. Vs. Wie vorher.
Rs. SAG ROM IMPERI PRNCS 16—26 — Mus. - Prag.
47. Vs. Wie vorher.
Rs. SAG «ROM -IMPERI FRINGS /ö-2ö- - E. M. und
Mus. — Prag.
48. Vs. Wie vorher.
Rs. SAG • ROMI • MPERI PRINGES . /6 — 2ö • — Gebr. E. —
Dresd.
49. Vs. Wie vorher.
Rs. SAG*ROM*IMPERII FRINGS •/ö—2ö - A. M. - Berl.
Abb. s. Taf. II.
50. Vs. ♦ALBERTVS-D-G DVX (£) FRIDLANDIAE
Rs. SAG ROM-IMPERII FRINGS -/ö— 26 - Schott. —
Wien.
51. Vs. .:.ALBERTVS-DG DVX {£) FRIDLANDIAE
Rs. SAG ROM IMPERI PRNGS 16 — 26 — K. Münz, und
A. M. — Berl.
52. Vs. Wie vorher.
Rs. SAG-ROxM-IMPERII FRINGS -/ö — 26 — K. Münz. —
Dresd.
53. Vs. «ALBERTVS- D G DVX (2) FRIDLANDIAE
Rs. Zu jeder Seite des Wappenschildes ein Punkt. SAG ROM
IMPERII PRINGES« /6— 26* — Ad. Jun^cfer — Berl.
4ÖU Adolpli Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Vs. Brustbild nach links innerhalb eines Perlenkreises.
Rs. Das Adlerwappen mit gevlertem Brnstschild. Der Adler-
schild oben rechtwinklig*, unten glatt, oval, frei in einer
Kreislinie, die oben in dem Ftirstenhute endet.
1627.
Ohne Münzzeichen: Sonne.
Vs. -ALBERTVS-D-GDVX (£) FRIDLANDIAE auch ohne
die Zwischenpunkte. Bei der grossen Menge der Stempel
und zum Tlieil schlechten Erhaltung der Stücke lassen
sich die Punkte nicht immer genau feststellen.
Rs. Die Adlerfittige mit je sechs Flugfedern.
54. Rs. SAC-ROM-IMPERI PRINCEPS-/Ö— 2/ — Mus. -
Prag.
55. Rs. SAG ROM IMPERI PRNCES-/6 — 2/ — A. M. — Berl.
Abb. s. Taf. E.
56. Rs. SAG ROM -IMPERI PRINGES i6 — 27- A. M. — Berl.
57. Rs. SAC-ROM-IMPERI PRINGEs /6 — 2/- — A. M. - Berl.
58. Rs. SAG -ROM -IMPERI PRINGES /ö — 2/- Zu den beiden
Seiten des Adlerschildes und über dem Fürstenhute ein
Punkt. — A. M. — Berl., K. Münz. — München.
Mit Stempelfehler.
1697.
59. Vs. - ALBERT VS- DG DVX {£) FRIDLANDIAE
Rs. SAG -ROM -IMPERI PRTN-?; 16 — 97' — M. D. — Prag
Mit Münzmeisterzeiehen: Sonne.
1627.
60. Vs. ^ALBERTVS DG (zehnstrahlige Sonne) DVX FRID-
LAND
Rs. Sieben Flugfedern in jedem Adlerfittig. SAG-RO-IM- (£)
PRIN-/Ö27 — A. M. - Berl.
Herzog von i iiem;ui(i unii .'■uiiii- Münzen. 4b 1
61. Vs. *ALBERTVS D G: (Sonne) DVX FRIDLAND
Rs. SAC-RO-IM (£) PRm-/ö27 - Mns. — Prag.
62. Vs. Wie 60, Rs. wie 61. - K. Münz. ^ Berl.
63. Vs. =§=ALBERTVS-D-G- (zehnstrahlige Sonne) DVX -FRID-
LAND:
Rs. SAC-RO-IMP- (£) PRINCE-/Ö27 - A. M. - Berl,
K. Münz. — Wien. Abb. s. Taf. IL
64. Wie 63, nur Rs. PRINCE 1627 — A. M. - Berl.
65. Wie 63, nur Rs. SAC-RO-IMPE {£) PRINCE • t627 —
A. M. — Berl.
66. Vs. * ALBERTVS-D-G- (zehnstraliligeSonne)DVX*FRID-
LAXD:
Rs. SAC-RO*IMPE {£) PRINCE •/627 _ E. M. — Prag.
67. Wie 66, nur Rs. SAC-RO«IMP*(£) PRINCE /Ö27. -
K. Münz. — Berl.
68. Vs. ^ ALBERT VS-D-G- (zehnstrahlige Sonne) DVX- FRID-
LAND
Rs. Fünf Flugfedern in jedem Adlerfittig. -SAC-RO-IM (£)
PRINC: Ö27 — A. M. - Berl.
69. Vs. c§bALBERTVS-D-G (Sonne) DVX- FRIDL AND
Rs. SAC:RO:IM {£) PRIN: Ö27. — E. M. - Prag.
70. Vs. ALBERT:D-G-DV(zehnstrahlige Sonne) X-FRIDLAN:
Rs. Adlerfittige mit fünf Schwungfedern -SAC:RO : IM (£)
PRLNC:ö27 — A. M. — Berl.
71. Wie 70, nur Vs. ALBERT: D:G:DV u. s. w. und Rs. SAC:
RO:IM {£) PRINC: Ö27* - Mus. — Prag.
72. Wie 7 1 nur Vs. ALBERT : D : G : D (Sonne) VX FRIDLAN -
— M. D. — Prag.
73. Wie 70, nur Vs. ALBERT:[):G:D (Sonne) VX-FRID-
LAN. _ E. M. — Prag.
31
482
Adolph Meyer: Albrecht von Walleiibteiu i W musttia)
74. Vs.
Rs.
75.
^ ALBERT •D'G (zehn strahlige Sonne) DVX»FRIDLAN
SAC»RO*IM» (£) PRm*/ö27 — Gebr. E. - Dresd., A.
M. — Berl., K. Münz. — Mtincli.
Wie 74, nur Rs. SAC-RO-IM (£) PRrN"-/ö27 — A. M.
und K. Münz. — Berl.
77.
Vs.
Rs.
78.
Vs.
79.
Vs.
76. Vs. Wie 74. Rs. SAC.RO.IM (£) PRmCW627 — K. Münz.
— Berl.
^ ALBERT •D'G- (Sonne) DVX«FRIDLAN
SAC-RO-IM (£) PRINC-/627* - E. M. - Prag.
Wie 77, Rs. wie 76. — K. Münz. — Dresden.
Wie 74. Rs. SAC*RO»IM-(£j PRINC./Ö27 — A. M. —
Berl., Mus. — Prag.
80. Vs. Wie 77, Rs. wie 74. — Grossh. Münz. — Schwerin.
81. Vs. ^ ALBERTVS* DG (Sonne) DVX-FRIDLAN
Rs. Wie 74. - E. M. — Prag.
82. Vs. Wie 81, Rs. SAC«RO-IM- (£) PRrN"C»/627* — K.
Münz. — München, E. M. — Prair.
83. Vs. Wie 81, Rs. wie 79. — K. Münz.
Dresd.
84. Vs.
Rs.
85. Vs.
Rs.
87. Vs.
Rs.
88.
89.
* ABERT-D- G (Sonne) DVX FRIDLAN-
SAC-RO-BI (£) PRIN-/627 - Mus. — Prag.
* ALERTVS • D • G (zehnstrahlige Sonne) DVX-FRIDLAN :
SAC-RO-IMP. (£) PRINC-/Ö27 — A. M. — Berl.
Wie 85, nur Rs. SAC-RO-IMP- (£) PRINCE- /Ö27 — K.
Münz. — Wien.
c§o ALBERT • D • G • (zehnstrahlige Sonne) DVX • FRIDLA :
SAC-RO-IM (£) PRIN* /627 — A. M. — Berl.
Wie 87 nur Vs. D- G (Sonne) &c. — A. M. — Berl.
Wie 88 Rs. RO^IM- {£) — K. Münz, und A. M. — Berl.
AU'A
Herzog von Friedland und seine Münren. ^^
1628.
I
90. Vs. ALBER • D • G • (zehnstrahlige Sonne) DVX • FRIDLAN
Rs. SAC-RO»IM (2) PRINWÖ28 — A. M. - Berl.
Abb. s. Taf. IE.
91. Wie 90, nur Vs. . . . FRIDLAN* — A. M. — BerL, K.
Münz. — Dresd., Mus. — Prag., K. Münz. — Wien.
92. Wie 90 nur Vs.c§? ALBER* u. s. w. — A. M. und K.
Münz. - Berl., Gebr. E. — Dresd., K. Münz. — Münch.,
K. Münz. — Wien.
93. Vs. Wie 90 nur . . . D.G (Sonne). . ., Rs. SAC*RO«IM« (£)
u. s. w. St. Bibl. — Frankft.
94. Wie 93, nur Vs.. . .FRIDLAN- — A. M. — Berl.
95. Wie 90, nur Vs. cgo ALBER*D«G (Sonne) u. s. w. — A.
M, — Berl.
96. Vs. HALBER D G (Sonne) DVX FRIDLAN
Rs. SAG RO*IM*(£) PRIN-/Ö28 — Mus. — Prag.
97. Vs. HALBER • D -G (zehnstrahlige Sonne) DVX FRIDLA:
Rs. SAG RO*IM*(£) PRIN*^Ö28 - A. M. — Berl.
98. Wie 07, nur Vs. •ALBER* u. s. w. Rs. SAC*RO* u. s. w.
— Mus. — Prag, Grossh. M. — Schwerin.
99. Wie 97, nur Vs. ^ ALBER -D G u. s. w. — E. M. — Prag.
100. Wie 97, nur Rs. SAC-RO* u. s. w. — K. Münz. — Berl.
101. Vs. *ALBERT*DG- (zehnstrahlige Sonne) DVX »FRIDLA
Rs. SAG RO-IM* (£) PRIN- /Ö28 _ A. M. - Berl.
102. Vs. *ALBERT*DG* (zehnstrahlige Sonne) DVX FRIDLA:
Rs. SAC*RO-IM(£) PRIN-/Ö28 — A. M. — Berl., Univ.
Rostock.
484
Adolph Meyer: Albrecht von AVallenstein (Waldstein)
Mit Münzzeichen: Sonne und Doppellilie.
Thaler.
1627.
103. Vs. Brustbild genau wie Nr. 6 nur durcbsehneidet das Kopf-
haar den Innern Strichelkreis.
£ ALBERTVS«DEI-GRA- (achtstrahlige Sonne) DVX»
FRIDLANDIAE-
Rs. Wie 31. — Gew. 28.8 Gr., Dm. 42 Mm., A. M. — Berl.,
Mus. — Prag.
1628.
r04. Wie Nr. 103, nur Rs. 1628 — Gew. 29-— Gr., Dm. 42
Mm., A. M. — Berl., Grossh. M. — Schwerin.
Abb. s. Taf. III.
105. Wie Nr. 104, nur Vs. . . . FRIDLANDIAE — Gew. 291 Gr.
Dm. 41 Mm., K. Münz. — Berl., A. M. - Berl.
Mit Titel: Friedland und Sagan^ Münzmeisterzeichen:
Sonne.
Zehndukatenstttck.
1628.
106. Vs. Brustbild im Profil nach link>s unter solchem innerhalb
des inneren Strichelkreises klein 1628; das Scheitelhaar
durchbricht die Kreislinie. ^ALBERT9 •D:G:DVX•
(achtstrahlige Sonne) FRIDLAN : ET • S AGAN^
Rs. Adlerschild (Abbildung, Tafel I, Nr. 2.) — SACRI-RO-
MANMMPERII*PRINCEPS — Gew. 346 Gr., Dm. 41
Mm. — K. Münz. — Wien.
I
Herzog von Friedland und seine Münzen. ttÖO
Füüfdukateu stück.
1628.
107. Vs. Wie 106. — *ALBERT9«D»G-DVX (Sonne) FRIDLA*
ET -SAGA
Rs. Wie 106. — SACRI*RO:IMPERII.PRINCEPS- — Gew.
17-23 Gr. Dm. 36 Mm., K. Münz. — Wien.
108. Wie 107, nur Vs. Legende: * ALBER*D*G-DVX*
(aclitstrahlig-e Sonne)FRIDLA-ET- SAGA: — Gew. 17-4
Gr., Dm. 34*5 Mm., — Mus. — Prag.
Dukaten.
1628.
109. Vs. Brustbild von rechts. Grosser, breiter Kopf, der den inneren
Schriftkreis durchschneidet und bis zum Rande reicht. —
ALBER- D-G- (achtstrahlige Sonne) D-FRI-ETvSA-
Rs. Adlerschild wie Tafel I 2, mit äusseren Verzierungen, dar-
über schmaler, hoher Fürstenhut. — SAC»RO*IMPE»
PRINCE-/628 — Dm. 21-5 Mm. — K. Münz. Berl.
Abb. s. Taf. IL
110. Vs. Brustbild von vorne etwas nach links, das Kopfhaar be-
rührt den inneren Schriftkreis — ALBER • DG» D» (acht-
strahlige Sonne) FRI.ET.SAGA.
Rs. Ovaler Wappenschild, von Verzierungen umgeben. —
SAG • RO • IMPE • PRINCEPS • 628 — Gew. 3-4 Gr.,
Dm. 20-5 Mm. — K. Münz. — München.
Thaler.
1628.
Vs. Brustbild nach links, ein Theil der Stirne und das Ober-
haar im Schriftraura. Unter dem Brustbild innerhalb der
inneren Kreislinie kleinziffrig 1628.
Rs. Der Adlerschild wie I 2. unten oval abgeschlossen, dar-
über Fürstenhut mit Querspangen und Perleneinfassung.
486
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
111. Vs. ALBERTVS*D*G*D (achtstrahlige Sonne) FRIDLAN-
ET -S AGA-
RS. Drei Querspangen am FUrstenhut, über solchem ein freier
Punkt. • 8ACRI -ROMANI • IMPERII • PRINCEPS • —
Gew. 29.1 Gr., Dm. 42-5 Mm., — A. M. — Berl. K. Münz.
— Wien. Abb. s. Taf. III.
112. Vs. wie 111. Rs. Zwei Querspangen am Ftirstenbut, über solchem
frei eine Kugel mit Kreuz. Der Punkt am Anfang der
Umschrift fehlt, sonst wie 111. — Gew. 29' — Gr.,
Dm. 43-8 Mm. — A. M. — Berl.
13. Wie 111, Vs. ALBERTVS • D • G • D • (achtstrahlige
Sonne) etc.
Rs. S ACRI • ROMANI • IMPERII • PRINCEPS • * • — Gew.
29-— Gr., Dm. 43-5 Mm. — A. M. — Berl.
114. Wie 113. Vs. ALBERTVS -D-G-DVX (achtstrahlige
Sonne) FRIDLAN-ET-SAGA* — Gew. 29-— Gr., Dm.
42-— Mm., A. M. — Berl.
115. Wie 114, nur Vs. ALBERTVS -D-G-DVX- (Sonne) u. s.
w. — Mus. — Prag.
Vs. Brustbild nach links, jedoch frei innerhalb des inneren
Strichelkreises, welchen es nicht berührt. Sonst wie vor-
her, die Jahreszahl 1628 unter dem Armabschnitt klein-
ziffrig.
Rs. wie vorstehend.
116. Vs. ^ALBERTYS-D-G-DVX- (achtstrahlige Sonne) FRID-
LAN ET SAGAN:
Rs. Wie 111. — SACRI «ROMANI •IMPERII •PRINCEPS« —
Gew. 28-65 Gr., Dm. 42 Mm. — A. M. — Berl.
117. Wie 116, nur Vs. D'G:DVX- u. s. w. — Mus. — Prag.
118. Wie 116, nur Vs. FRIDLAN:ET* u. s. w. Gew. 28-65 Gr.
— K. Münz. — Berl., Grossh. M. — Schwerin.
Abb. s. Taf. HL
Herzog von Friodland und soine Münzen.
487
i
I
119. Vs. wie 116, nur FRIDLAN-ET-SAGAN:
Rs. Der gekrönte Adler mit geviertem Brustscliild in doppel-
liniger Einfassung, oben rechtwinkelig, unten oval. Der
Ftirstenhut mit zwei QuerbUgeln und Perlenreihe, über
solchem eine Kugel mit kleinem Kreuz. — •SACRI-RO-
MANMMPERII-PRINCEPS* — Gew. 291 Gr., Dm. 43
Mm. — K. Münz, und A. M. — Berl.
120. Wie 119, nur Vs. FRIDLAN.-ET.SAGAN:
Rs. Ohne Punkte zu Anfang und Schluss der Legende. —
Gew. 28-95 Gr., Dm. 42 Mm. — K. Münz, und A. M. —
Berl., Mus. — Prag.
121. Vs. Wie 120, Rs. wie 119. — K. Münz. — Berl.
Gulden.
1628.
122. Darstellung wie 119. Vs. ^ALBERT -D-G-DVX- (acht-
strahlige Sonne) FRIDLA • ET SAGA :
Rs. Ueber dem Fürstenhut eine Kugel. SACRI'RO IMPERII«
PRINCEPS* — Gew. 14-35 Gr., Dm. 36 Mm. — A. M.
— Berl.
123. Wie 122, nur Rs. SACRI-RO:IMPERII*PRINCEPS* —
Dm. 35 Mm. K. Münz. — Berl., M. D. — Prag, Univ. —
Rost. Abb. s. Taf. ID.
124. Wie 123, nur Vs. ET • SAGA: Gew. 14-35 Gr., Dm. 34-5
Mm. — Grossherz. M. — Schwerin.
125. Wie 123, jedoch Vs. FRID-ET-SAGA* — Abguss in
Blei, Dm. 35 Mm. — Univ. — Rost.
Halbgulden.
1628.
126. Darstellung wie 116, jedoch fehlt die Jahreszahl im Arm-
abschnitt der Vs. — *ALBER«D*G*DVX« (achtstrah-
lige Sonne) FRID-ET-SAGAN:
488
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Rs. Sehr ähnlich 42; der Fürsteohut mit drei Querspangen
und Perlenreibe, über solchem eine Kugel. — SAC-RO»
IMPERII.PRmCEPS*/ö28 — Die Jahreszahl aus 1627
geändert. — Gew. 7-2 Gr., Dm. 29 Mm. — A. M. — Berl.
Mein Exemplar ist das seiner Zeit von Neumann-Miltner
unter Nr. 691 abgebildete, deren Zeichnung ich hier rec-
tificire. Abb. s. Taf. III.
Groschen.
1628.
Vs. Brustbild nach links, das Scheitelhaar durchschneidet den
inneren Perlenkreis und reicht in den Schriftraum hinein,
ohne die Legende zu trennen. Sonne achtstrahlig.
Rs. Der gekrönte Adler mit dem vierfeldigen Brustschilde in
oben rechtwickligem, unten ovalem, freischwebendem
Schilde, darüber der Fürstenhut mit Hermelinbesatz ohne
jedwede Verzierung. — Gew. circa 1 -60 Gr., Dm. 20 —
22 Mm.
127. Vs. • ALBER- D«G- (Sonne) D-FRI*ET*SA.
Rs. SAC-RO-IM- (£) PRIN- /628 — K. Münz, und A. M. —
Berl. Abb. s. Taf. III.
128. Vs. ^-ALBER-D-G (Sonne) D-FRI-ET* SA*
Rs. Wie 127. — A. M. — Berl.
129. Vs. ^ALBER*D*G-D* (Sonne) FRID*ET*SA*
Rs. Wie 127. A. M. — Berl.
130. Wie 129, nur Vs.
— Wien.
SA ohne Schlusspunkt. — K. Münz.
131. Vs. *ALBER*DG« (Sonne) D-FRI« ET -SAG-
Rs. Wie 127. A. M. — Berl. Abb. s. Taf. IH.
132. Wie 131, nur Vs. D -G- und Rs. RO IM
Berl.
K. Münz.
133. Wie 131, nur Rs. IMP- — A. M.
Berl.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
489
134. Wie 131, nur V«. ALBER-D-G^D- (Soune) PRID-ET«
SAG: — Gebr. E. — Dresd., K. Münz, und A. M. — Berl.
135. Vs. ^ALBER*D-G«D (Sonne) FKI ET-SAGA
Rs. Wie 131. — A. M. — Berl.
136. Vs. *ALBER-D*G-D- (Sonne) FRI-ET-SAGA- Rs. wie
131. — A. M. — Berl.
137. Vs. *ALBR*DG» (Sonne) (Sonne) D-FRI»ET-SAG«
Rs. SAC-RO-IM (£) {£) PRI 1628 — Grossh. M. —Schwer.
— Dieses Stück hat nicht Doppelschlag, sondern ist so
geschnitten.
Das Brustbild der Vs. kleiner, frei im inneren Strichel-
kreis. Sonne achtstrahlig.
138. Vs. *ALBER*DG (Sonne) D«FRI-ET SAG*
Rs. SAG RO'IM (£) PRIX- 1028 — A. M. — Berl.
139. Vs. ET-SAG- Rs. SAC*RO*IM* {£) sonst wie 138. — A. M.
— Berl.
140. Wie 138, nur Vs. OALBER*D*G* (Sonne) D*FRI*ET«
SAG
Rs. SAC»RO*IM u. s. w. — A. M. — Berl.
1629.
141. Vs. Kleines Brustbild nach links, wie Nr. 138 — 140 und zehn-
strahlige Sonne. — ALBER -DG (zehnstrahlige Sonne)
DVX-FR....-
Rs. SAC-RO-IM (£) PRIN- 1629 — A. M. — Berl.
Die folgenden Groschen mit grösserem Brustbild nach
links, dessen Scheitelhaar den inneren Schriftkreis durch-
schneidet, wie Nr. 128 — 137. Die Sonne stets achtstrahlig.
142. Vs. ;«cALBER-D*G- (Sonne) D*FRI-ET»SA*
Rs. SAC*RO*IM* (£)PRIN- 1629 — K. Münz. — Berl.,
Gebr. E. — Dresd., K. Münz. — Wien.
143. Wie 142, nur Rs. SAG RO* u. s. w. — A. M. — Berl.
1
4:J\) Adolph Meyer: Albrecht von W'allenstein (Waldstein)
144. Wie 142, nur Vs. DG-, Rs. SAC«RO IM (£^ — A. M. —
Berl.
145. Wie 142, nur Vs. ET- SA (ohne Punkt) und Rs. SAG RO-
u. s. w. — Mus. — Prag.
146. Vs. ^ ALBER-D • G (Sonne) D-FRI- ET -SA
Rs. SAC-RO-IM- {£) PRIN- 1629 — Mus. — Prag.
147. Wie 146, nur Vs.. . .ET-SA- — A. M. — Berl.
148. Wie 146, nur Vs. D-G- und Rs. RO-BI — A. M. — Berl.
149. ^S|ALBER-D-GD (Sonne) FRID-ET-SA-
Rs. Wie 146. — A. M. — Berl.
150. Wie 149, nur Rs.. . .RO-IM (£) u. s. w. — A. M. — Berl.
ALBER- DG -D (Sonne) FRID-ET-SA
Wie 146. — A. M. — Berl.
HALBER -D-G- (Sonne) D-FRI-ET-SAG-
Wie 146. — A. M. — Berl.
Wie 152, nur DG (Sonne).
SA -RO-IM- {2^ PRIN 1629 — Mus. — Prag.
*ALBER-DG (Sonne) D-FRI-ET-SAG-
Wie 146. — Gebr. E. — Dresd., E. M. — Prag.
c§3ALBER-D-G- (Sonne) D-FRI-ET SAG-
Wie 146. — Gebr. E. — Dresd.
HALBER- DG -D (Sonne) FRID-ET-SAG-
Wie 146. — A. M. — Berl.
• ALBER-DG-D- (Sonne) FRI-ET-SAG-
Wie 146. — K. Münz. — Wien.
;fc ALBER -DGD (Sonne) FRI-ET-SAG-
Wie 146. -i A. M. — Berl.
;<t ALBER- DG- D- (Sonne) FRID-ET-SAG-
Wie 146. — K. Münz. — Berl., Dr. W. Petersen — Riga.
151.
Vs.
Rs.
152.
Vs.
Rs.
153.
Vs.
Rs.
154.
Vs.
Rs.
155.
Vs.
Rs.
156.
Vs.
Rs.
157.
Vs.
Rs:
158.
Vs.
Rs.
15^.
Vs.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
491
100. Vs. * ALBER • DG -D (Sonne) FRID* ET- SAG •
Rs;. Wie 148. — Mus. — Prag.
161. Ys. ;^ALBER-D*G- ^Sonne) D-FRI-ET-SAG»
Rs. SAC-RO-IM- {£) PRIN*/ö29 — A. M. — Berl.
162. Vs. ALBER «D -G -D» (Sonne) FRID* ET* SAG:
Rs. Wie 146. — A. M. — Berl.
1630.
Ys. Grosses, breites Brustbild nach links, die Scheitelhaare
durchschneiden die innere Kreislinie und trennen die Le-
gende. Sonne achtstrahlig-.
Rs. Der Adlerschild hat an beiden Seiten Ringe als Ver-
zierung.
163. Vs. ALBERT DG* (Sonne) D*FRI*ET SA*
Rs. SAC*RO IM (£) PRIN* 630 — A. M. — Berl.
164. Ys. ALBET*D*G- (Sonne) D*FRI*ET*SA*
Rs. SAC*RO*IM {£) PRIN* 630 — Mus. — Prag., K. Münz.
— Wien.
165. Wie 164, nur Rs. SAC*RO*IM* (£) u. s. w. — E. M. —
Prag.
166. Wie 164 nur Rs. an den rechtwinkligen Spitzen des Adler-
schildes gerollte Ansätze und PRIN 1630 — Mus. —
Prag.
167. Wie 166, nur Rs. SAC*RO*IM* (£) PRIN. 1630 — A. M.
— Berl.
168. Wie 166. Vs. ALBERT DG (Sonne) D-FRI-ET SA
Rs. SAC*RO IM {£) PRIN 1630 — Mus. — Prag.
169. Wie 166, nur Vs. • ALBERT*D*G* (Sonne) D*FRI*ET
SA. — Grossh. M. — Schwerin.
492
Adolph Meyer: Alb4-eclit von Wallenstein (Waldstein)
170. Vs. Das Kopfhaar durchschneidet die innere Kreislinie, trennt
aber nicht die Legende. — ;^ ALBER« D*G» (Sonne)
D»FRI«ET*SA*
Rs. SAC'RO m (2) PRIN 630 — A. M. — Berl.
17L Vs. #ALBER«DG (Sonne) D-FRI-ET-SA
Rs. SAC-RO IM (£) PRIN* 630 _ E. M. — Prag.
172. Wie 171, nur Rs. SAC-RO-IM(£)PRIN 1630
— Berl.
K. Mttnz.
Mus.
173. Wie 170, nur Rs. SAC-RO-IM» (£) PRIN-/630
— Prag.
174. Vs. Das Scheitelhaar berührt nicht den inneren oben voll-
ständigen Perlenkreis. — •ALBER -DG (Sonne) D-FRI«
ET SA
Rs. SAC-RO IM (£) PRIN» 1630 — A. M. — Berl.
175. Wie 174. Vs. •ALBER -D-G (Sonne) D-FRI-ET»SA
Rs. SAC*RO-IM (£) PRIN 630 — A. M. — Berl., Grossh.
M. — Schwerin.
176. Wie 174, Vs. ;^ALBERT-D*G- (Sonne) D*ERI»ET SA-
Rs. SAC-RO -IM* (£•) PRIN- 1630 — E. M. — Prag.
177. Vs. Brustbild wie 170. — • ALBER-D- G- (Sonne) D-FRI«
ET -SAG
Rs. SAC-RO-IM {£) PRIN 1630 — K. Münz. — Wien.
178. Vs. Brustbild wie 170. — •ALBERT D-G- (Sonne) D-FRI-
ET -SAG
Rs. Die Adlerschildeinfassung eine einfache Linie. SAC-RO-
IM- (2) PRIN 1630 — A. M. — Berl.
Vs. Schmales, hohes Brustbild nach links, welches den inneren
Schriftkreis durchschneidet und die Legende trennt; über
solchem ein kleiner Stern. Achtstrahlige Sonne.
Rs. Der gekrönte iVdler nach rechts, mit geviertem Brustschild,
die Einfassung des Adlerschildes glatt ohne Verzierung.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
49a
179. Vs. ALBERT DG (Sonne) D FEI. ET SA
Rs. SAC-RO IM (£) PPIN« /Ö30 — A. M. Bcrl., K. Münz. —
Wien.
180. Wie 179, nur Vs. ALBERT»DG u. s. w. — A. M. — Berl.
Abb. s. Taf. IV.
181. Wie 179, nur Vs. ALBERT D-G (Sonne) D-FRI-ET SA
— A. M. Berl.
182. Wie 181, nur Vs. ALBERT*D*G u. s. w. — A. M. — Berl.
183. Wie 182, nur Vs.. . .ET-SA — A. M. — Berl.
184. - Wie 182, nur Vs. ET SA*
Rs. SAC-RO: IM (£) PRIVr -630 — Univ. — Rostock.
185. Wie 179, nur Vs. ALBERT DG (Sonne) D*FRI«ET SA»
und Rs.. . .PRIN 1630 — Mus. — Prag-.
186. Wie 185, nur Vs. ALBERT-D-G* {£) D*FRI*ET SA —
Grossh. M. — Schwerin.
187. Wie 186, nur Rs. . . .PRIN*/Ö30 — K. Münz. — Berl,
St. Bibl. — Frankf.
188. Wie 179. Vs. ALBERT-D-G* (Sonne) D*FRI*ET*SA
Rs. SAC-RO IM {£) PRIN 1030 — K. Münz. — München.
Mit Titel von Frietlland und Sa§:an^ so auch vervollständigtem
Wappenschild. Münzineisteraeichen: Sonne.
Der Schild von jetzt ab mit sechs Wappen wie Abbildung,
Tafel 1, Nr. 3.
Zehndukaten stück.
189. Vs. Brustbild ein wenig nach links. Das aufwärts gestrichene
Kopfhaar durchbricht den inneren Strichelkreis. Sonne
achtstrahlig. *ALBERTVS*D«G*DVX. (Sonne) FRIN-
LAN:ET-SAOA:
494
Adolph Meyer; Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Rs. Der Adler, Köpf nach rechts, in doppelliniger, unten ovaler
— mit zwei Absätzen versehener — Einfassung; an den
Seiten Verzierungen. Auf dem Schilde glatt aufliegender
Fürstenhut mit Hermelinverbrämung ohne jedwede Ver-
zierung; derselbe trennt die Legende und reicht bis an
den Rand. SACRI«R0MANI;IMPERII*PRINCEPS*/Ö29
— Gew. 34-9 Gr., Dm. 41 Mm. Ad. Hess. — Frankft.
Wie vorstehend jedoch Rs.. . .ROMANMMPERII« u. s.
w. — Ad. Weyl — BerL, Auctionskatalog Nr. 55, Nr. 617.
Dukaten.
Darstellung wie 189.
190. Vs. ALBER'D*G«D« (Sonne) FRID*ET»SAGA-
Rs. SAC-RO-IMPE-PRINCEPS-/629 — Gew. 3-44 Gr. Dm.
22 Mm. — K. Münz. — Berl., Ad. Hess. — Frankft., K.
Münz. — Wien, Mus. — Prag.
191. Wie 190, nur Vs. ALBER»D-G*D» (Sonne) FRIDL-ET-
SAGA, — M. Don. — Prag.
Thaler.
Darstellung genau wie 189.
192. Wahrscheinlich von den Stempeln 189.
Vs. ^ ALBERTVS • D • G • DVX • (Sonne) FRIDLAN : ET •
SAGA:
Rs. SACRI-ROMANMMPERn»PRINCEPS-/ö29. — Gew.
29 Gr., Dm. 44-5 Mm. K. Münz, und A. M. — Berl, K.
Münz. — Münch., Grossh. Münz. — Schwerin.
Abb. s. Taf. IH.
193.
194.
Wie 192, nur Vs FRIDLAN -ET -SAGA:
29 Gr., Kafka — Wien.
Gewi
Wie 192, nur Vs. ^ALBERTVS «DiG: DVX- (Sonn^
ERIDLAN:ET*SAGAN: — Gew. 29 Gr., Dm. 44-5 Mi
A. M. — Berl.
Herzog von Fiiedlund und seine Münzen. •»»•'i-'
Mit Titel als Herzog von Friedland^ Sagan und Mecklenburg.
Münzmeisterzeichen : Sonne.
Der Schild mit acht Wappen, (s. Abb., Taf. I, Nr. 4).
Z e h u d n k a t e 11 s t ti c k .
1G29.
Evers in seiner Mecklenburgischen Münzverfassung, Theil II,
Seite 115, führt nach Numoph. Burchardianum IE, Pag. 408,
1128 ein Stück dieses Jahrganges in folgender Beschreibung auf:
,,Vs. Das Brustbild von vorne mit kurzen Haaren, Lippen- und
Kinnbarte, breitem, aufstehenden Kragen und aufgebun-
denem Gewände über dem Harnisch, darunter /Ö29 —
ALBER • D • G • DVX • MEGAP • FRI • ET SAG • PRIN •
VAMDAL» Eine Rose und unten die Sonne im Zirkel.
Rs. Das mit der Kette des goldenen Vliesses umgebene und
mit dem Fürstenhute bedeckte Mecklenburg-, Friedland-
und Saganische Wappen von 13 Feldern. COMES •
SVERIN • DOMIN— ROSTOCH* ET STARGART- Eine
Rose."
Ich habe dieses Stück nicht ermitteln können, es scheint ähn-
lich dem Thalerstempel Nr. 200 zu sein.
1630.
195. Vs. Darstellung wie 189. S' ALBERT -DrG -DVX «ME (acht-
strahlige Sonne) GA*FRIDrET«SA*PR-VA-
Rs. Verzierter Wappenschild mit eingerollten Ansätzen an den
Seiten, und ovalen Einbiegungen unten. Der hermelin-
verbrämte, unverzierte Fürstenhut liegt glatt auf. Der
Vliessorden trennt unten die Legende. COM«SVER«DO-
ROS-— ET« STARGAR- 1030 —■ Gew. 34-58 Gr., Dm.
45 Mm. — K. Münz. — Berl, Graf Schlieffen — Schw.,
— K. Münz. — Wien. Abb., s. Taf. IV.
4yD Adolph Meyer; Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
FUnfd ukat eil stück.
1629.
196. Darstellung wie 195, nur über dem Fürstenhut der Rs. frei
eine Kugel mit Kreuz.
Vs. * ALBERT •D:G'DVX-M (acbtstrahlige Sonne) EG-
FRI.ET-SA-PR-V
Rs. COM-SVER*DO«R — OST -ET- STAR •Ö29 — Gew.
17-2 Gr., Dm. 35*5 Mm. Fürstl. M. — Donau Esch.
Abb., s. Taf. IV.
Dukaten.
1629.
197. Darstellung wie 196, Vs. Der Stern über dem Kopf.
Vs. ^ALBER*D:G*D:ME(Sonne) GA:FRI:ET-SA:P:VA:
Rs. COM:SVER:DO:R — OS:ET* STAR : Ö29 — Gew. 3-4
Gr., Dm. 22-5 Mm. K. Münz. — Berl., Gr. Schi. — Seh.,
Grossh. M. — Schwerin. Abb. s. Taf. IV.
1630.
198. Darstellung wie 196, nur das Brustbild schmäler und der
Kopf bis zum äussersten Rande reichend. Rs. statt der
Kugel ein sechsstrahliger Stern über dem Fürstenhut.
Vs. ^ALBERTVS-D-G-DVX- (siebenstrahlige Sonne) ME-
GAPOL-FRIDL:*:
Rs. ET-SAG^-PRINC — VANDAL- /Ö30 - Dm. 225 Mm.
K. Münz. - Berl., Gr. Schi. - Seh. Abbild, s. Taf. IV.
Thaler.
1629.
199. Vs. Brustbild ein wenig nach links, frei innerhalb des inneren
Perlenkreises, welcher unten durch die Sonne mit acht
flammenden Strahlen getrennt wird. Unter dem Arm Ab-
schnitt 1629. ^ ALBER- D-G-DVX-MEGAP- (Sonne)^
FRI-ET-SAG-PRIN- VANDAL
Jlerzog von FrietUand und .st.irn^ Müuzt'ii.
497
Rs. Verzierter Scbild mit eingerollten Ansätzen und 8 Wappen-
feklern (s. Taf. L, Nr. 4); der aufliegende verbrämte
Fürstenhut in seinem Obertheil gegittert, über solchem
eine Kugel mit einem Kreuz, welches sich im inneren
Sehriftkreis verliert. Der Vliessorden an der Toisonkette
durchschneidet unten die innere Kreislinie und trennt die
Legende * C0MES-8VERIN- DOMIN- — -ROSTOCH-
ET-STARGAR- Gew. 289 Gr., Dm. 45 Mm. — A. M. Berl,
Grossh. Münz. — Schwerin.
200. Wie 199, nur Rs. *COMES SVERIN- DOMIN — ROS-
TOCH-ET -ST ARG ART- — Gw. 28-9 Gr. Dm. 45 Mm.
A. M. — Berl.
201. Wie 199, nur Rs. *COMES- SVERIN- DOMIN- - ROS-
TOCH-ET -STARGART- K. Münz. — Berl., Fürst. M. —
Donau E., Grossh. M. — Schwer. Abb. s. Taf. V.
202. Vs. Brustbild, ein wenig nach links, verdrängt oben den
inneren Perlenkreis. *ALBER:D:G-DVX-ME (acht-
strahlige Sonne) GA-FRID-ET-SAG-PR-VA-
Rs. Wie 199, nur der obere Theil des Fürstenhutes ohne Ver-
zierung, darüber ein Punkt. Der Hut wird durch zwei
Stützen schwebend erhalten. COM :SVE: DO: KOS: — ET-
STARGAR: /Ö29 — Gew. 28-9 Gr. Dm. 45 Mm. A. M. —
Berl., Grossh. M. — Schwerin.
203. Darstellung wie 202. Das Brustbild unten frei schwebend,
geht mit dem Scheitelhaar oben mehr in den Legenden-
raum, lieber dem Fürstenhut der Rs. Kugel mit Kreuz.
Vs. ALBERTVS-D:G-DVX- (Sonne) MEGA-FRI-ET-SA-
P-VA-
Rs. COM-SVER-DO-ROST---ET-STARGAR-/Ö29 — Gew»
28-9 Gr., Dm. 45 Mm. K. Münz, und A. M. — Berl.
1630.
204. Wie 202. Der Fürstenhut Rs. hat zwei Querspangen.
Vs. *ALBERT-D:G-DVX-ME (Sonne) GA-FRID-ET-SA-
PR-VA-
Rs. COM -SVER- DO -ROS-— ET-STARGAR- 1630 — Gew.
28*9 Gr. Dm. 45 Mm. Grossh. M. — Schwerin.
32
498
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Müiizmeisterzeichen : M .
Thaler.
1629.
205. Vs. Brustbild, ein weni^- nach links, innerhalb des inneren
Perlenkreises. ^ ALBERTUS-D:Gl:DUX-FRIDLA:
ET SAGANAE-
Rs. Der Adler, mit vierfeldigem Brustschild, auf dem Kopf
eine Krone, welche den inneren Strichelkreis berührt und
verdrängt (Taf. I, Nr. 3) *SACRI:ROMA:IMPE:(k)
PR1NCEPS-AN:/ÖZ9- Gew. 28-6 Gr. Dm. 44-5 Mm.
A. M. — Berl., Grossh. M. — Schwerin.
206. Genau wie 205 nur reicht die Adlerkrone der Rs. bis zum
Schriftkreis und lässt solchen sichtbar. Vs. Legende
. ..ET -SAGANAE- K. Münz. — Beri., Grossh. M. —
Schwerin. Abb. s. Taf. III.
Diese Stempel von sehr rohem Schnitt, sind um des M
Willen nach Mecklenburg verlegt worden, ich habe aber
diese Annahme in keiner Weise belegt gefunden und
möchte den Buchstaben M mitHanka für ein Münzmeister-
zeichen halten, dessen Erklärung noch aussteht.
Münzmeisterzeichen: Zainhaken. Mit H. Z. und I. Z. (Johann
Zieszler).
Thaler.
1629.
207. Vs. Brustbild, ein wenig nach links, frei innerhalb des Schrift-
kreises ^^ ALBERTVS-D:G-DVX FRIDLA: ET -SA-
GANAE-
Rs. Der gekrönte Adler mit geviertem Wappenschilde auf
der Brust (Taf. I, Nr. 3) innerhalb des Perlenkreises.
Unterhalb der Fittige H— Z (Johann Zieszler) @SACRI:
ROMA:IMPE:i[S)PRINCEPS-AN:/ö29 ♦^ Gew. 28-8
Gr. Dm. 46 — Mm. A. M. — Berl. Abb. s. Taf. IV.
Uerzog von Fritdlaud und seine Münzen.
499
1
Dieser Thaler — eine Erwerbung aus der fürstlich
Montenuovo'scheu Sauimlung* — ist dem Anscheine nach
von reinerem Metall. In gleicher Weise wie der nächst-
folgende Gulden Uuicum, dürften diese beiden Stücke
Münzproben sein, wofür auch der ungewöhnlich saubere
Schnitt spricht.
Gnlden.
1629.
208. Darstellung wie 207 nur Rs. Ueber dem gekrönten Adler
freischwebend eine Herzogskrone, welche die innere
Kreislinie trennt und den ganzen Legendenraum ausfüllt.
Unterlialb der Füsse I— Z.
Vs. ^ALBETVS D:G-DVX FRIDLANDIiE ET SAGANiE
Rs. SACRI:ROMA:IMPER(SJ:PRINCEPS ANNO i6Z9X
Gew. 14-4 Gr. Dm. 39 Min. Stempelglanz. St. Bibl —
Breslau. Abb. s. Taf. IV.
Dieses Stück ist mit der Sammlung des Rectors Arletius
im Jahre 1784 in den Besitz der Stadt Breslau über-
gegangen.
mt den Buchstaben O.-E. (Gottfried Ehrlieh).
Zehn dukatenstück.
1630.
209. Vs. Brustbild, ein wenig nach links gewendet, unten auf dem
inneren Schriftkreis aufruhend, welcher oben in den
obersten Scheitelhaaren verschwindet. ^ALBERTVSiD:
G : DVX • M EGAP: FRID : ET • SA • PR • VA
Rs. Wappenschild (Taf. I., Nr. 4) mit Fürsteniiut ohne Ver-
zierung, umhangen mit der Kette des Vliessordens, der
unten die Legende trennt. An den Seiten zwischen Schihl
und Kette G— E.
XCOM-SVER-Dü KO - ET- STARGAR -/ÖjO — Ad.
Hess — Frankfurt.
32*
500
Adolph Meyer: Albrecht von "VYallenstein (Waldstein)
Fünfd ukatenstück.
1630.
210. Darstellung wie 209 nur das Brustbild der Vs. frei inner-
halb der Kreislinie, ohne solche zu berühren.
Vs. *ALBERTVS:D:G:DVX:MEGAP:FEID:ET:SA:PR-
VA
Rs. X COM:SVER:DO:RO: — ET: STAR: GART-/ 630 -
Gew. 17-2 Gr. Dm. 36 Mm. K. Münz. - Berl.
Abb. s. Taf. IV.
211. Wie 210 nur Vs. *ALBERTVS-DG:DVX:MEGAP:
FRID:ET:SA:PR VA Dm. 36 Mm Hr .^rOil— S^hwandt.
Thal er.
1629.
212. Vs. Brustbild, ein wenig nach links, frei im inneni Schrittkreis,
den es oben, ohne ilin zu berühren, trennt. i§5ALBERTVS
D:G DVX MEGAP:FRID ET SA:PR:VAN
Rs. Wie 209 XCOM:SVER:DO:RO — ET STARGAR:
i629 - Gew. 29 Gr: Dm. 455 Mm. A. M. — Berl.
213. Wie 212 nur
Vs. ...FRID:ET SA: u. s.w.
Rs. ■. . .ET'StARGAR-/ö29- Grossb. M. — Schwerin.
214. Vs. wie 213, Rs. wie 212. — Fürst. M. —Donau-
Eschingen.
215. Wie 212 nur Vs. ®ALBERTVS D-G-DVX MEGAP:
FRID • ET SA : PRI- VAN — Gr. Schlieffen - Schwandt.
216. Darstellung wie 212 nur ist die innere Kreislinie der Vs.
oben vollständig und das Scheitelhaar innerhalb derselben.
®ALBERTVS D:G:DVX MEGAP:FRID ET SA: PRI:
VAN — Dm. 46 Mm. K. Münz. — Berl.
217. Wie 216 nur Rs. XCOM:SVER DO:RO — ET STAR-
GAR:/ÖZ9 — Gew. 28-31 Gr. Dm. 46 Mm. Univers. —
Rostock.
Herzog von Friedlaiul und seine Münzen.
501
Klippe von Guldenstempelii.
218. Darstellung- wie 210. Der Kopf reicht bis in die Legende
hinein.
Vs. :.VALBER-D:G-DVX-MEG-FRI-ET-8A-PR VA-
Rs. XCOM-SVER-DO — •R0S-ET-8TA-/630 — Gew.
14-50 Gr. Dm. 35—35 Mm. K. Münz, und A. M. - Berl,
Grossh. Münz. — Schwerin. Abb. s. Taf. V.
Evers Seite 122 erwähnt einer Halbguldenklippe, die im
Grossherzogl.MlIiizkabinet zu Schwerin liegen soll ; daselbst
erliegt aber nur vorstehende Guldenstempel-Klippe.
Münzmeisterzeiclien ; Doppelzaiiihaken ohne Buchstaben.
Thaler.
1630.
219. Vs. Brustbild ein wenig nach links, schmäler und mit höherem
Kopf als die bisher beschriebenen, Der Kopf trennt die
Legende und über solchem eine arabeskeujirtige Verzie-
rung, mit einerfünf blättrigen Rosette in der Mitte. ALBERT*
D-G-DVX-MEGA(;i;)FRID-ET SAG-PR VAN
Rs. Wappenschild (Taf. L, Nr. 4) unten oval, behängt mit der
Kette des goldenen Vliesses, an welcher die Feuerstrahlen
besonders deutlich sind. Der Orden trennt unten die Le-
gende. Oben der glatt aufliegende unverzierte Ftirstenhut,
über diesen die Verzierung, wie auf der Vorderseite.
C0M2SVE:D0:R0S: — ET- STARGAR :/ö30 — Gew.
29 Gr. Dm. 45 Mm. K. Münz, und A. M. — Berl, K.Münz.
Wien. Abb. s. Taf. V.
220. Vs. Wie 219 nur FRID ET u. s. w.
Rs. Der Schild unten oval mit zwei Eiubieguni;eu, an den
Seiten griffartige Ansätze. Die Ordenskette ohne Feuer-
strahlen. Der mit zwei Querspangen besetzte FUrstenhut
wird durch zwei schräge Stützen schwebend über dem
Schilde erhalten. COM-SVER-DO-ROS- — ET-STAR-
GAR- /Ö30 — Gew. 28-1 Gr. — Dm. 45-5 Mm. K. Münz,
und A. M. — Berl.
502
221.
Vs.
Rs.
Vs.
Rs.
122. Vs.
Rs.
223.
224.
225.
Vs.
Rs.
Vs.
Rs.
226.
Vs.
Rs.
227.
Vs
Rs.
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein ^Waldstein)
Wie 220 nur
ALBERT -D-G-DVX-MEGA (X^ F.RID-ET SAG-PR
VAN
C0M:8VER- u. s. w. wie 220. Gew. 28-9 Gr. Dm. 44 Mm.
K. Münz. — Dresden, Grossh. M. — Schwerin.
Münzzeichen: Grabsticliel und S.
Gros eben.
1629.
Breites Brustbild, ein wenig naeb links; der Kopf durch-
sebneidet die innere Kreislinie und trennt die Legende,
über solchem ein Grabstichel.
Der Adler mit Wappen (Abbild. L, Nr. 4) innerhalb der
inneren Kreislinie. Der Fürstenhut im Schriftraum ver-
drängt die innere Kreislinie. Gew. 1*5 — 1-6 Gr., Dm.
20—21 Mm.
ALBERTVS D:G (£) DVX FRI-.ET SA/*
SArRJ.RO IMP rs, PlUXrEP /6Z9 A. M. — BerL
Abb. s. Taf. IV.
Wie 222 kleine Rosette über dem Kopf und
ET SA:
...RO-IMP u. s. w. — A. M. — BerL, K. Münz. —
München.
Wie 223 nur
...DVXFRI-ETSA:
SACRI-RO TMP- (S) PRINCEP- /6Z9 Mus. — Prag.
Wie 223 nur Rs PRINCEP- K. Münz. — BerL, Mus. —
Prag.
Wie 222nur ...FRI-ET SA
Wie 224. — St. Bibl. — Frankft.
üeber dem Kopf ein Punkt. ALBERTVS D:G (£) DVX
FRI:ET SA
SACRI-RO: IMP (S) PRINCEPS 16Z9 A. M. — BerL
Herzog von Friedland und seine Münzen.
503
228. Wie 227,
Vs. ...ET SA:
Rs. . . .ROxIMP- (S) PRINCEPS- /ÖZ9 — A. M. — Berl.
229. Vs. Ueber dem Kopf eine kleine Rosette und
Rs. . . .IMP (S) sonst wie 228. A. M. — Berl.
230. Wie 229 nur Rs. . . .IMP: (8) — A. M. — Berl.
231. Vs. Grosse Rosette über dem Kopf. ALBERTVS D-G {£) DVX
FRID ET SA:
Rs. SACRI RO:IMP (S) PRINCEPS -/öZp A. M. — Berl.
232. Wie 231.
Vs. . . .D:G {£) DV-X FRID:ET SA-
Rs. SACRI:RO: ii. s. w. A. M. — Berl.
233. Wie 227 nur Rs. . . .RO:IMP: (S) u. s. w. Abschlag in
Blei. Univ. — Rostock.
234. Wie 227 nur Vs DVX FRI ET SA undRs. SACRI:RO:
u. s. w. K. Münz. — Berl.
235.
Wie 223 nur Rs.
Schwerin.
...PRINCEP-/ÖZ9 Grossh. M. —
236.
Wie 223 nur Rs. . .
.IMP-E. Miksch — Prag.
237.
Wie 223.
Vs. Ein kleines Kreuz über dem Kopfe.
Rs. SACRI -RO- IMP (S)- PRINCEPS- /ÖZ9 E. Miksch — Prag.
1630.
Vs. Brustbild wie beim Jahrgang 1629, über dem Kopf rechts zu
Ende der Legende ein Grabstichel.
Rs. Drei Wappcnschilde spanischer Form im Kleeblatt nach aussen
gestellt, in der Mitte ein Punkt. Der Vliessorden umgiebt die-
selben und trennt die Legende, ebenso oben der Herzogshut.
Unter dem Fürstenhut das Mecklenburgische Wappen, rechts
und links davon arabeskenartige Verzierung, links der fried-
ländische Adler, rechts das Wappen von Sagan-Flinsberg;
zwischen den beidenletzteren Wappensehilden S im Halbkreise S.
504
Adolph Meyer: Albrecht von Wallcnstein fWaldstein)
Die Stempelverschiedenheiten dieses Jahrganges sind so viel-
fach, dass ich mich auf Wiedergabe der folgenden beschränke,
deren Legende tadellos lesbar ist.
238. Vs. ALBER DG-DVX {£) MEG FR-ET-SA/*
Rs. C0M-8VER-D0- — R08 ET ST-/Ö30 A. M.
Berl.
239. Vs. Ueber dem Kopf ein Punkt. ALBER- DG DVX u. s. w.
Rs. . . .R0S-ET-ST-irÖ50 wie 238 — A. M. — Berl.
240. Wie 239.
Vs. ALBER-D:G DVX {£) MEG -FR -ET -SA/*
Rs. COM-SVER-DO: — R0S-ET-ST-/Ö30 A. M. — Berl.
Abb. s. Taf VL
241.
242.
Wie 239. Vs. ALBER-D: G-DVX u. s. w. A. M.
Berl.
Wie 238.
Vs. Ueber dem Kopf eine vierblättrige Rosette ALBER -DG
DVX (£) MEG-FRI-ET.SA
Rs. COM 8VER-D0 — ROS ET-8T t650 A. M. — Berl.
243. Wie 242.
Vs. ALBER- D:G- u. s. w.
Rs. COM-SVER DO: — ROS ET - ST •/Ö30
Univ. — Rostock.
:\rus.
Prag.
244. Wie 243, nur Rs. COM-SVER-DO: — ROS -ET -8^-/630
K. Münz. — Dresd., E. M. — Prag, Univ. — Rostock.
245. Wie 243 nur
Vs. ...FRI-ET SA-
RS. COM-SVER-DO
ROS -ET- ST •/Ö30 E. M. — Prag.
246. Vs. ALBER D-G-DVX (£) MEG-FRI-ET-8A
Rs. COM-SVER-DO: — ROS ET -ST 1650 Grossh. M. —
Schwerin.
247. Wie 244 am Schluss der Legende der \ s. »J* Gebr. E. —
Dresden.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
505
248. Vs. ALBER DG DVX {£) MEG FRI gs, SA-
Rs. COM-SVER-DO — R0S-ET-ST-/Ö30- K. Münz. —
Berl.
249. Vs. ALBER-DG-DVX {£) MEG. FR ET-SA
Rs. COM-SVER-DO- — ROS-ET ST- 1650 Flirstenb. Münz.
— Doiiau-Escbingeu.
250. Vs. ALBE DG DVX (£) MEG FR ET SA
Rs. Wie 246. A. M. — Berl.
251. Vs. ALBE-D:G-DVX {£) MEG-FR ET SA-
Rs. Wie 244. E. M. — Prag.
163L
Darstellung genau wie 238 — 251 von Jahrgang 1630.
252. Vs. ALBE-D:G-DVX (£) MEG-FRI cJ SA-
Rs. COM-SVER-DO: — R0S-ET-ST-/Ö3/- A. M. — Berl.
253. Wie 252, nur Rs. . . .DO- u. s. w. K. Münz. — Wien.
254. Wie 252, nur Vs. . . .DVX- (£) u. s. w. K. Münz. — Wien.
255. Wie 254 nur
Vs. . ..FRI gJ-SA- und
Rs. COM-SVER-DO — -ROS - ET- ST -/Ö3/ Univ.— Rostock.
256. Vs. ALBER D G DVX {£) MEG FR -ET SA
Rs. COM-SVER-DO: - R0S-ET-ST-/Ö3/ - Gr. Seh. -
Seh wandt.
^57. Vs. ALBER-D-G-DVX (2) MEG-FR-ET-SA-
Rs. COM-SVER-DO- — ROS-ET -ST- /Ö3/ Univ. — Rostok.
258. Vs. ALBER- D-G-DVX (£) MEG-FRI cj SA
Rs. COM-SVER-DO: u. s. w. wie 257. Univ. — Rostock.
259. Vs. -ALHER-D G-DVX (£)-MEG-FRI- ^SA-
RS. Wie 258. — K. Münz. — I^erl.
260. Wie 259 nur Rs. . . .DO — ROS- u. s. w. — K. Münz. —
Wien.
506
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstelu (Waldstein)
261. Vs. Ueber dem Kopf ein Punkt. ALBER- D-CT-DyX(£)MECT
FRI-ET-SA
Rs. COM • 8VER • DO • - ROS s ET ST töol — Univ. -
Rostock.
262. Wie 261 nur
Vs. . . .D:G- u. s. w. und
Rs. . . .DO: — Gebr. E. — Dresden.
Münzzeichen: Arm eine Kugel emporlialtend.
Groschen.
1630.
Vs. Brustbild mit schmalem Kopf nach links. Das Haar durch-
schneidet oben den inneren Schriftkrei^. Unten wird die
Legende durch das einem Kreise eingeschriebene Mtinz-
meisterzeichen getrennt, welches den Schriftkreis durch-
schneidet.
Rs. Der gekrönte Adler nach rechts, auf der Brust in einem
sogenannten spanischen gevierten Schilde die vier Wald-
stein'schen Löwen — s. Taf. I, Nr. 1 — bedeckt mit dem
hermelinverbrämten unverzierten FUrstenlmt.
263. Vs. Ueber dem Kopf ein kleiner Punkt. ALBERT-D-G - D
FRI-ET SA-
RS. Ueber demFlirstenhut sechsblättrige Rosette mit Verzierung
zu beiden Seiten. SAC.ROIM [£) PRIN 1650 _ A. M. —
Berl.
264. Vs. Ueber dem Kopf ein grosser Punkt. Legendenschrift klein
und dünn. ALBERT-D-G — D- FRI-ET -SA
Rs. Ueber dem Fürstenhut ein fiinfstrahliger Stern SAC-RO IM
(£) PRIN 1650 — A. M. — Berl.
265. Wie 264 nur dickere und grössere Sclirift und Vs. ALBERT
D.G — D FRI.ET SA — A. M. — BerL
Herzog von Friedland und seine Niinzen.
507
266. Vs. Wie 1^64 nur fünfblättiige Eosette über dem Kopf.
Rs. Arabeskenartige Verzierung über dem Fürstenhut. SAG
RO IM (£) PEIN- 1650 — A. M. — Berl.
267. Vs. Fünfblättrige Rosette zwischen arabeskenartiger Ver-
zierung. ALBERT-D-a- — D-FRI ET -SA
Rs. SAC.RO IM (£) PRIN- /Ö30 — A. M. — Berl.
268. Wie 267 nur Vs. .. .D-FRI -ET -SA — K. Münz. — Wien.
269. Wie 268 nur Vs. . . .ET SA und fünf blättriger Stern. —
E. M. — Prag.
270. Wie 268 nur Vs. . . .ET-SA- — E. M. — Prag.
Münzzeiclien : Wachsender Löwe.
Z e h n d uk a t e n s t ü c k.
1631.
271. Vs. Brustbild ein wenig nach links mit umgeschlagenem
Spitzenkragen. Der Kopf reicht in den Legendenkreis
hinein^ darüber eine fünfblättrige Rosette mit Verzierungen
welche den Schriftkreis trennt. Unten unterbricht ein
wachsender Löwe nach rechts in einem Kreise die Le-
gende. ALBERT- D-G DVX-MEGA — FRID-ET-SAG-
PR-VAN-
Rs. Im un verzierten, unten halbrunden Schilde Wappen, Taf. L
Nr. 4, darüber der unverzierte, hermelinverbrämte Fürsten-
hut, über solchem eine fünfblättrige Rosette mit Verzie-
rungen. Den Schild umgibt die Kette des goldenen Vliesses,
derOrden trennt unten die Legende. COM:SVE:DO:ROS:
— ET- STARGAR :/ö3/ — Gew. 34-5 Gr., Dm. 45 Mm.
Grossh. M. — Schwerin.
272. Wie 271 nur Vs. ALBERT -D-G-DVX-MEGA — FRID-
ET-SAG-PR-VAN — Gew. 34-50 Gr. Dm. 45-5 Mm.
Gr. Seh. — Schwandt, K. Münz. — Wien.
Abb. s. Taf. V.
508
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
Füiifd 11 kateu stück.
Darstellung wie 271 mit heruntergeschlungenem Spitzenkragen.
1631.
273. Vs. ALBERT- D-G-DVX-MEG
VAN-
A-FRID-ET-SAG-PR-
Dm.
Rs. COM:SVE:DO:ROS:ET — STARGAR:/63/ ^
35 Mui. St. Bibl. — Mainz, v. S. — Lorzendorf.
1633.
274. Vs. ALHERT-D-G-DVX-MEGA — FRID-ET-SAG-PR-
VAN
Rs. COM-SVE-DO:ROS - ET- STARGAR -/Ö55 ~ Gew.
17-35 Gr. Dm. 35 Mm. Grossh. M. — Schwerin.
Zweidukatens tu ck.
1631.
275. Vs. Brustbild, ein wenig nach links mit hoch abstehendem
Halskragen. Das Scheitelhaar durchschneidet den inneren
Perlenkreis und reicht ein wenig in den Legendenkreis;
über dem Kopf eine fünfblättrige Rosette, welche die Le-
gende trennt. Unten der wachsende Löwe im Zirkel, wie
auf 271. ALBERTVS-D-G DVX — MEGAPOL-FRIDL
Rs. Darstellung genau wie 271. ET-SAGJE-PRINC- — VAN-
DAL-/63/- — Gew. &S Gr. Dm. 25 Mm. Gr. Seh. —
Schwandt, Grossh. M. — Schwerin. Abbild, s. Taf. V.
163
o.
276. Vs. Brustbild wie 275 mit breitem, heruntergeschlagenem
Spitzenkragen. Das Scheitelhaar berührt die innere Kreis-
linie. Die Legende wird oben durch eine fünf blättrige Ro-
sette mit arabeskenartigen Verzierungen, unten durch den
wachsenden Löwen im Zirkel unterbrochen. — ALBER-
TVS-D-G-DVX - MEGAPOL-FRIDL
Rs. Wie 271. ET-SAG^-PRINC — VANDAL -/633 - Gew.
6-9 und 6 Gr. Dm. 28 Mm. K. Münz. — Berl., Univ. Rost.
f
Herzog von Friedland und seine Münzen.
50^
277. Wie 276 nur Vs. ALBERTVS-D-G-DVX- - MEGAPOL-
FRIDL- Grossh. M. — Scliwerin.
1634.
278. Darstellung wie 276-
Vs. ALBERTVS-D:G-DVX- — MEGAPO:FRIDLAN:
Rs. ET • SAGAE • PRINC : — VANDALOR : IÖ34 • — Gew.
6-9 Gr., Dm. 28 Mm. - Grossh. M. — Schwer., K. MUnz.
— Wien.
279. Wie 278, nur Vs. ALBERTVS-D:G:DVX- ~ u. s. w. —
Gew. 6-9 Gr., Dm. 28 Mm. — Univ. — Rostock.
Evers in seiner mecklenburgischen Münzverfassung II, 117
erwähnt nach Aepinus 95, Seite 59 eines Dreidukatenstückes mit
vorstehender Legende; ich habe solches nicht ermitteln können.
Dukaten.
1631.
280. Vs. Brustbild ein wenig nach links mit heruntergeschlagenem
Spitzenkragen ; der Kopf reicht bis zum Rand und trennt
die Legende. Unten wachsender Löwe im Zirkel. ALBER-
TVS-D-G-DVX—MEGAPOL -FRIDL ^
Rs. Wie271. ET-SAG^-PRINC- — VANDAL-IÖ3I- — Gew.
3-49 Gr., Dm. 22 Mm. — K. Münz, und v. P. — Berl.,
Fürst. M. — Donau-Esch., Univ. — Rostock, G. Seh. —
Seh wandt, Grossh. M. — Schwerin. Abb. s. Taf. VI.
281. Wie 280, nur Vs. zu Beginn und Schluss der Legende
ein sechsstrahliger Stern. :<c ALBERTVS-D-G-DVX -
MEGAPOL- FRIDL • - Gew. 3-43 Gr., Dm. 22 Mm. —
K.Münz.- Berl., Univ. — Rostock. Gr. Soli. — Schwandt,
Grossh. M. — Schwerin.
282. Vs. Kleineres Brustbild, ein wenig nach links mit hochabste-
hendem Halskragen. Ueher dem Kopf fUnfblättrige
Rosette. Unten wachsender Löwe im Zirkel. ALBERTVS-
D-G-DVX - MEGAPOL -FRIDL
Rs. Wie 280. - Dm. 22 Mn^. — Gebr. E. — Dresd., St. Bibl.
— Frankf., G. Seh. — Schwandt. Abb. s. Taf. VL
510
Adolph Meyar: Albrecht von Wallcnsteiu (Waldstein)
283. Vs. Brustbild ähnlich 282, reicht nur bis zur inneren Kreis-
linie mit herabgeschlagenem Halskragen. Ueber dem Kopf
die Legenden trennend^ eine fünfblättrige Rosette am
Blumenstengel. Legende wie 280, ohne den Stern am
Schluss der Vs. — Gr. Seh. — Schwandt.
Abb. s. Taf. VI.
284. Vs. Wie 282.
Rs. ET • SAGAE • PRINC • — VANDAL • IÖ3I- — Gew. 342 Gr.,
Dm. 22 Mm. — K. Münz. — Berl., Univ. — Rost., Grossh.
M. — Schwer.
1633.
285. Vs. Brustbild ein wenig nach links mit heruntergeschlagenem
Spitzenkragen. Das Scheitelhaar verdrängt die innere
Kreislinie, über solchem eiue fünfblättrige Rosette mit
arabeskenartiger Verzierung. Unten wachsender Löwe im
Zirkel. ALBERTVS-D-G-DVX - MEGAPOL-FRIDL
Rs. Wie 271, jedoch die fünfblättrige Rosette über dem Fllr-
stenhute ohne seitliche Verzierungen. ET -SAGiE« PRINC
- VANDAL •IÖ33- — Gew. 3-40 Gr., Dm. 22 Mm. —
Gr. Seh. — Schwandt, Grossh. M. — Schwer.
I
286. Wie 285.
Vs. ALBERTVS.D:G-DVX — MEGArOiERIDLA-
Rs. ET- SAG^- PRINC: - VANDALOR • l633 — Gew.
3-50 Gr., Dm. 22 Mm. — K. Münz. — Dresd.
1634.
287. Vs. Brustbild.ALBERTVS-D:G:DVX-MEGAPO:FRIDLA:
Rs. Wappen wie Taf. I, Nr. 4. ET -SAGAE- PRINC- - VAN-
DAL0R:IÖ34 — Gew. 3-45 Gr., Dm. 22 Mm. — Grossh.
M. — Schwerin.
288.
Dickthaler.
1632.
Von gleichen Stempeln wie der Thaler Nr. 299.
Lorzendorf.
- v.S.
I
Herzoir von Friedland und seine Münzen.
511
Thaler.
Vs. Brustbild ein wenig nach links. Das Kopfhaar durch-
schneidet den inneren Perlenkreis, lieber dem Kopfe
trennt eine fünfblättrige Rosette mit arabeskenartigen
Verzierungen die Legende; unten der wachsende Löwe
nach rechts im Zirkel.
Rs. Spanischer Schild (Taf. I, Nr. 4) behängt mit der Toison-
kette, das Vliess trennt unten die Legende, lieber dem
Schild der hermelinverbrämte Fürstenhut ohne Verzierung
und eine fünfblättrige Rosette mit Arabesken, ähnlich
der Vs.
1631.
289. Vs. ALBERT-D-G-DVX-MEG - A-FRID-ET-SAG-PR-
VAN\
Rs. COM:SVE:DO:ROS — :ET-STARGAR:/Ö3/ — Gew.
28-8 Gr., Dm. 45 Mm. — K. Münz, und A. M. ~ Berl.,
Grossh. M. — Schwerin.
290. Wie 289, nur Rs. COM:SVE:DO:ROS: — ET • STAR -
GAR:/Ö3/ - Gew. 29 Gr., Dm. 45 Mm. — K. Münz, und
A. M. — BerL, Fürst. M. — Donau-Esch., Grossh. M. -
Schwerin. Abb. s. Taf. VI.
29 1 . Wie 290, nur Vs. ALBERT • D • G • D VX • MEGA — FRID •
ET-SAG-PR-VAN - Gew. 29-1 Gr., Dm. 44-5 Mm. —
K. Münz, und A. M. — Berl., K. Münz. — Wien.
292. Wie 291, nur Rs. der Fürstenhut liegt flach auf dem
Schilde und zwischen ROS: und dem Orden nur 0-5 Mm.
Zwischenraum, während solcher bei 290 3 Mm. beträgt.
— Gew. 29 Gr., Dm. 44-5 Mm. — A. M. — Berl.
1632.
293. Vs. Wie 291.
Rs. COM-SVE-DO:ROS — ET- STARGAR :/ö3Z - Gew.
29-1 Gr.. Dm. 44 Mm. - A. M. — Berl., V. f. M. G. -
Schwerin.
I
512
Adolph Meyer: Albrecht von "VV alienstein ("SYaldstein)
294. Vs. Wie 291.
Rs. CO.^:SVE:DO R08 - : ET- STARGAR :i63Z - Gew.
28-85 Gr., Dm. 45 Mm. - A. M. — Berl., Grossli. M. -
Schwerin.
295. Wie 294, nur reicht auf der Vs. der Kopf weiter in den
Legendenkreis hinein, so dass die Verzierungen an der
linken Seite der Rosette schief stehen. — Gew. 29*05 Gr.,
Dm. 47 Mm. — Univ. — Rostock.
296.. Wie 294, nurRs. COM:SVE:DO ROS — : ET- STARGAR:
/Ö3^ — Gew. 28-88 Gr., Dm. 44 Mm. - Univ. — Rostock.
297. Wie 291, nur berührt das Brustbild der Vs. den inneren
Schriftkreis, über dem Kopfe — die Legende trennend —
eine fünf blättrige Rosette an einer nach rechts gehenden
zweigartigen x4rabeske. Der wachsende Löwe in einem
geperlten Kreise.
Rs. COM:SVE:DO:ROS - ET- STARGAR :/ö3Z — Gew.
28-95 Gr., Dm. 45 Mm. - A. M. — Berl, Grossh. M. mid
V. f. V. G. — Sf'li worin.
298. Wie 21)1, nurlis. CüM:SVi::Dü:KOS — ET-S'IAUGAR:
1165^ — Gew. 29-30 Gr., Dm. 4:'. Min. - A. M. - Berl.,
Grossh. M. — Schwerin.
299. Wie291, nurRs. COM : S VE : DO : ROS -: ET -STARGAR:
/Ö3^ — Gew. 28-75 Gr., Dm. 445 Mm. - A. M. - Berl.
1633.
300. Vs. Brustbild wie 297, die Legende trennt oben eine fünf-
blättrige Rosette ohne Verzierung, unten der wachsende
Löwe im einfachenKreise.^ALBERT-D-G-DVX MEGA
(wachsender Löwe) FRID-ET-SAG-PR-VAN
Rs. Mit der Toisonkette behängter Schild (Taf. I, Nr. 4),
darüber der mit Hermelin verbrämte, in der Mitte lief ein-
gebogene Fürstenhut, über solchem eine fünfblättrige
Herzog von Fricdland und seine Münzen.
513
Rosette mit arabeskenartigen Verzierungen. COM-SVE*
D0:R08 - ET STAI^GAR:/Ö33 - Gew. 29-18 Gr.,
Dm. 45 Mm. — K. Münz, und A. M. — Berl., Univ. —
Rostock.
301. Wie 300, nur Vs. . . .ET-SAG-PR-VAN und Rs. . . .ET-
STARGAR: /Ö33 — Gew. 29-1 Gr. und 29-5 Gr., Dm.
44 Mm. — 2 Varianten Grossh. M. — Schwerin.
Gulden.
1631.
302. Vs. Brustbild, Rosette und Einfassung des Löwen wie 297.
ALBERT-D-G-DVX-MEG — A-FRID-ET-SAG-PR-
VAN
Rs. Wie 290. COM : SVE : DO : ROS : ET - • STARGAR:
i65i^ — Gew. 14-4 Gr., Dm. 35 Mm. — K. Münz. —
Berl., Univ. — Rostock, Grossh. M. — Schwerin. — Als
Klippe im Gew. von 1 Va Thalern in Berliner Privatbesitz.
1632.
303. Darstellung wie 300, nur ist der Fürstenhut, Rs., weniger
tief in der Mitte eingebogen.
Vs. ALBERT-D-G-DVX-MEG — A-FRID-ET-SAG-PR-
VAN
Rs. COM: SVE: ROS: ET- — STARGAR : IÖ3Z - — Gew.
14-6 Gr., Dm. 35 Mm. _ A. M. - Berl.
304. Wie 303, nur Vs., das Scheitelhaar durchschneidet die
innere Kreislinie und trennt die Legende ; über dem Kopfe
fünfblättrige Rosette mit beiderseitigen Verzierungen. —
K. Münz. - Berl.
305. Wie 303. Das Scheitelhaar reicht nicht soweit in den
Legendenkreis. Ueber dem Kopfe arabeskenartige Ver-
zierung.
öl4 Adolph Meyer: Albrecht von "Wallensteiu (Waldstein)
Vs. ALBERT -D-G-DVX MEGA - FRID-ET-SAG-PR-
VAN
Rs. COM:S\E:DO:ROS: — ET-STARGAR:/Ö3Z - Gew.
14-3 Gr., Dm. 34-8 Mm. — K. Münz. — Wien.
1633.
306. Vs. Brustbild innerhalb der Kreislinie mit hohem Kragen.
ALBERT-D-G-DVX-MEG — A-FRID-ET-SAG-PR-
VAN*
Rs. Wie 300, jedoch ohne Verzierungen zu Seiten der ftinf-
blättrigenRosette. C0M-SVE-D0:R08-ET STARGAR:
IÖ33 — Gew. 14-65 Gr., Dm. 35-5 Mm. _ A. M. — Berl.
307. Darstellung wie 297, nur durchschneidet das Scheitelhaar
des Brustbildes die innere Kreislinie und reicht ein wenig
in den Legendeuraum hinein, der erste Buchstabe der
Legende über solchem.
Vs. ALBERT -D-G-DVX-MEGA - FRID-ET-SAG-PR-
VAN
Rs. COM*SVE:DO:ROS — ET* STARGAR :IÖ33 — Gew.
14-55 Gr., Dm. 35 Mm. — A. M. — Berl., Grossh. M. -
Schwerin. Abb. s. Taf. VI.
308.
Klippe vom Halbgulden.
1633.
Von den Stempeln Nr. 311. — Gew. 14-2 Gr.
32—32 Mm. — J. Sp. — Wien.
Dm.
Halbgulden.
1631.
309. Vs. Brustbild von vorne, ein wenig nach links, reicht in den
Legendenkreis hinein, mit hohem Kragen, jedoch stehen
die Anfangs- und Schlussbuchstaben der Legende über
solchem; über dem Kopfe eine fünf blättrige Rosette.
ALBERTVS-D-G-DVX — MEGAPOL • FRn)L
Herzog von Friedlaiul und iseiiu- Miinzi-n. ölö
Ks. Wie 300, nur bildet der Fürsteniiut oben eine gerade
Linie. ET-SAG^E-PIUNC- — VANDAL-IÖ3I- — Gew.
7-5 Gr., Dm. 263 Mm. — K. Münz, und A. M. - Berl.,
K, Münz. — Dresd., Grossh. M. — Schwerin.
Abb. s. Taf. V.
1632.
310. Vs. Wie 309. Das Scheitelliaar berührt nur die innere Kreis-
linie. ALBERTVS-D-G- — DVX-MEGAPOL-FRIDL
Rs. Wie 289. ET-SAG^-PRIN — C • VAND AL • IÖ3Z
Die Leg-endenbuchstaben der Vs. und Rs. von auffallend
unregelmässiger Grösse. — Gew. 7*12 Gr., Dm. 29 Mm.
- A. M. - Berl. Abb. s. Taf. V.
1633.
311. Darstellung wie 289, nur das Brustbild auf der Vs. frei im
inneren Perlenkreis.
Vs. ALBERTVS-D-G-DVX - MEGAPOL-FRIDL
Rs. ET-SAG^-PRINC - VANDAL-/633 — Gew. 7-17 Gr.,
Dm. 30-7 Mm. — Univ. — Rostock, Grossh. M. —
Schwerin. Abb. s. Taf. VI.
Groschen.
1630.
Vs. Brustbild mit hohem schmalem Kopfe, die innere Kreis-
linie durchschneidend nach links wie 1 79. Unten im Zirkel,
die Legende trennend, der wachsende Löwe nach rechts.
Ueber dem Kopfe eine fünf blättrige Rosette mit beider-
seitigen Verzierungen.
Rs. Die kleeblattartig zusammengestellten Wappenschilde von
Friedland (oben), Sagan (links) und Mecklenburg (rechts).
Oben im Legendenraume fünf blättrige Rosette mit
arabeskenartigen Verzierungen. Zwischen den Wappen-
schikien lilienartige Verzierungen.
312. Vs. ALBERT-D-G-D- - MEG FRI-ET-SAG
Rs. SAC-RO-EM- {£) PRIN-/630 - Gew. 1-7 Gr., Dm.
21-22 Mm. _ A. M. — Berl.
33*
516
Adolph Meyer: Albrecht von "SVallenstein (Waldstein)
313. Vs. Kopf ein kleinwenig niedriger als 312. ALBERT'D*G-
D- — MEG-FRI-ET-SAG
Rs. SAC-RO-IM- (£) PRIN-l63a- — Gew. 1-52 Gr. -
Gebr. E. — Dresd., A. M. — Berl.
314. Vs. ALBERT-D-G-D- - MEG-FRI-ET-SAG
Rs. SAC-RO-IM- (£) PRIN IÖ30 - Univ. — Rostock.
1631.
315. Darstellung wie 312.
Vs. ALBERT -D G-D — MEG-FRI ET -SAG
Rs. SAC-R0-IM-£PRIN-IÖ3I- - Gew. 1-6 Gr. - A. M.
— Berl.
316. Darstellung wie 315, nur Vs. über dem Kopte fünfblättrige
Rosette ohne Verzierungen.
Vs. ALBERT -D G-D - MEG-FRI-ET-SAG
Rs. SAC-RO-IM (£) PRIN-IÖSI - Gew. 1-6 Gr. — A. M. -
Berl.
317. Wie 312.
Vs. ALBERT-D-G-D- - MEG-FRI-ET-SAG
Rs. SAC-RO-IM (£) PRIN-I63I- — A. M. - Berl.
Abb. s. Taf. VI.
318. Wie 316.
Vs. ALBERT-D:GD- — MEG-FRI-ET SAG
Rs. SAC-RO-IM- {£) PRIN-IÖ3I: — A. M. - Berl.
1632.
319. Wie 312, nur Vs. fünf blättrige Rosette mit weniger Ver-
zierung.
Vs. ALBERT-D-G-D - MEG-FRI-ET-SAG
Rs. SAC-RO-IM {£) PRIN-IÖ5Z - Gew. 16 Gr. - A. M.
- Berl.
320. Wie 316.
Vs. ALBERT-D-G-D- — MEG-FRI-ET-SAG
Rs. SAC-RO-IM (£) PRm-/63Z — A. M. - Berl.
Herzog von Friedlaml und seine Münzen.
517
321. Wie 316, jedoch auch Rs. über dem Friedländer Wappen-
schilde nur eine fttnfblättrige Rosette.
Vs. ALBERT-D-G-D — MEG-FRI-ET-SAG
Rs. SAC-RO-IM-.r) PRm-l63Z - A. M. - Berl.
322. Wie 319.
Vs. Wie 320.
Rs. SAC-RO-IM £ PRIN-I63Z — Grossh. M. -- Schwerin.
1633.
Kleineres Brustbild nach links, das Scheitelhaar verdrängt nur
die innere Kreislinie.
323. Wie 316.
Vs. ALBERT D-G-D - MEG-FRI-ET-SAG
Rs. SAC-RO IM {£) PRIN IÖ33 - A. M. - Berl.
324. Wie 321,
Vs. ALBERT-D-G-D - MEG-FRI ET-SAG
Rs. SAC-RO-IM (£) PRIN IÖ33 - A. M. - Berl.
325. Wie 324, nur Rs. SAC-RO-IM {£) PRIN-IÖ33- —
Fürst. M. ^ Don., A. M. — Berl.
326. Wie 325, nur fehlt der Rosette über dem Brustbilde das
fünfte Blatt. — A. M. — Berl.
327. Wie 325, nur über dem Brustbilde ein einem liegenden
Halbmonde ähnliches Zeichen. — A. M. — Berl.
328. Wie 325, nur Rs. SAC-RO-IM i2) PRIN-I633 — A. M.
— Berl.
1634.
329. Darstellung wie vorstehend, über dem Kopfe der Vs. eine
fUnfblättrige Rosette, so auch Rs. über dem Friedläuder
Wappenschilde.
Vs. ALBERT-D-G-D - xMEG-FRI-ET-SAG
Rs. SAC-RO-IM (£) PRIN-IÖ34 — K. Münz. — Berl., E. M.
— Prag, K. Münz. — Wien.
518
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein)
330. Nur auf der Vs. eine vierblättrige Rosette, sonst wie 329.
Vs. ALBERT-D-G-D — MEG FR-ET-SAG — Ad. Jungfer
- Berl.
Halber Kreuzer.
1632.
331. Die Wappenschilde oben Mecklenburg, rechts Sagan^
links Friedland, kleeblattförmig zusammengestellt; oben
zu den Seiten des mecklenburgischen Wappenschildes
16 — 3Z, unten der wachsende Löwe nach rechts im
Perlenkreise. Ohne Schrift. Einseitig. Gew. 0*45 Gr.,
— Dm. 13-5— 15-5 Mm. — M. D. und E. M. — Prag,
K. Münz. — Wien.
Münzzeichen: Wachsender Löwe; Titel: Mecklenburg, Fried-
land, Sagan und Glogau.
F ü n f d uk a t e n s t ü c k.
1634.
332. Vs. Darstellung wie 271, über dem Kopfe fünf blättrige Rosette.
ALBERTVS-D:G:DVX.ArE — r.ÄP:FRTD:SAG:ET«
GLOG:
Rs. Wie 271, mit Wappen, Taf. 1, Nr. 4. PRIN:VAND:COM:
SVER: — DO:ROST:ET-STAR:l634-Gew.l7-36Gr.^
Dm. 36 Mm. — K. Münz. — Wien.
Evers in seiner mecklenburgischen Mtinzverfassung, Band II,
Seite 122 erwähnt eines Guldens von 1634 mit ganz gleicher
Legende, nur anderer Interpunktion, wie vorstehendes Fünfdukaten-
sttick; ich habe solches aber nicht auffinden können.
Klippe Walditz.
1632.
333. Vs. Brustbild ein wenig nach links, mit hochstehendem Hals-
kragen — ähnlich wie auf den Münzen — innerhalb eines
Perlenkreises.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
519
Rs. Rosette mit beiderseitig arabeskenarti^en Verzierungen,
darunter in 8 Zeilen in einer glatten doppelten Kreislinie:
ALBERTVS- | D-G-DVX-MEG | FRIDL-ET-SAG |
FVND-CARJC: | CA8TRI-B-M-V- | IN-WALDITZ- |
AMPLLS- I /Ö3Z- - Gew. 718 Gr., Dm. 26— 26 Mm. —
A. M. — Berl. Abb. s. Taf. VI.
334. Vs. Darstellung wie 333, nur ein wenig kleinerer Kopf.
Rs. Rosette mit mehr Verzierungen als 333, darunter in
7 Zeilen: ALBERTVS | D-G-DVX-MEG- | FRIDL-ET
SAG I FVND-CAR.E: | CASTRI-B-M-V- | IN-WAL-
DITZ I AMPLIS — Dm. 26—26 Mm. — K. Münz. —
Berl., Gebr. E. — Dresden.
Diese beiden Gepräge sind laut Manuscript des Decbanten
Czerwenka bei Gründung des Walditzer Karthäuser Klosters unter
das Volk ausgeworfen worden. In runder Form sind sie mir —
ungeachtet Hanka und Neumann-Miltner derselben erwähnen —
nur in neueren Falsificaten vorgekommen; die Klippe Nr. 333 habe
ich aus der Sammlung des Dr. Matejka in Prag erworben, sie ist
von unzweifelhaft altem gleichzeitigem Gepräge. Die Abkürzungen
FVND-CARtE: ii)CASTRI- AMPLIS- werden wohl durch
FVNDator CARThusi^ CASTRI- • • AMPLIS simi aufzulösen sein.
Raitpfennige.
Im Besitze einer Anzahl Raitpfennige, die ich zum grösseren
Theile sehr theuer bezahlt habe, da deren Arbeit sowohl, als auch
die Kenntniss der Vorbesitzer mich keinen Augenblick an deren
Echtheit zweifeln Hess, fühle ich mich dennoch veranlasst, auf den
Aufsatz des Herrn Max Donebauer, Prag, in Band XII, Jahrgang
1 880, Seite 405 u. f. der Wiener Numismatischen Zeitschrift zu ver-
weisen, welcher Seite 442 und 443 unter Nr. 96 — 98 drei gefälschte
Stempel beschreibt. Während ich Nr. 5563 aus der Sammlung
Kilian einen Raitpfcnnig vom Jahre 1630 (Abschlag in Silber als
<i) Teil halte die letzte liuchstabonverbindiui^- für ein vereinigtes TAE.
520
Adolph Meyer: Albrecht von AVallenstein (Waldstein)
gehenkelte Klippe), der mir vor mehreren Jahren noch vor Erschei-
nen des Donebauer'schen Aufsatzes zum Kaufe angeboten wurde,
ungeachtet der anerkannten Ehrenhaftigkeit des Verkäufers sofort
als zvreifelhaft zurückwies, sind die Abprägungen in Kupfer so vor-
züglich gefälscht, dass ich die nachstehenden Stempel nur unter
Keserve beschreibe, weil ich nicht dazu beitragen mag, dass auf
Grund gegenwärtiger Arbeit Falsificate als echte Stücke ausgege-
ben werden.
Durch Donebauer wurden als neue Nachprägungen erwiesen
und somit zur Warnung sind zu erwähnen:
a) Vs. Der gekrönte Adler, Kopf nach rechts, mit je 7 Schwanz-
federn in den Fittigen und geviertem Brustschilde, mit
den Waidstein'schen Löwen, frei in einem sogenannten
spanischen Schilde. Darüber der hermelinverbrämte Für-
stenhut mit drei Querspangen, zu den Seiten je eine fünf-
blättrige Rosette.
Es. RAITPFEN | DER-FVRS | TUCH: CAM | MF^R-DES-
H I ERTZOGTH | VMS-FRID | LAND Verzierung.
Sieben Zeilen von einer einfachen, rechtwinkeligen Linie
umschlossen. Oben und unten eine fünfblättrige Rosette.
Zu den Seiten i6 — 28.
Der beiderseitige Rand hat einen Perlenkreis.
b) Vs. Der Adler wie a), nur etwas schmächtiger und kleiner.
lieber dem Fürstenhute mit drei Querstangen ein Punkt.
Die Rosetten fehlen.
Rs. Legende genau wie bei a), nur etwas feinere Schrift-
zeichen. Oben und unten leerer Raum. Zu den Seiten
i6 — 30
Donebauer erwähnt noch Stücke wie uj von lGo2, die mir
aber nicht zu Gesicht gekommen sind. Dagegen glaube ich als unbe-
zweifelt echt aufstellen zu können:
335. Vs. Adler wie vorstehend, mit je sechs Schwungfedern in den
Fittigen. Der Schild hat oben in den Ecken und an den
Seiten Verzierungen. Der hermelinverbrämte Fürstenhut,
ohne Spangen, ist unverziert, darüber eine Kugel.
Herzog von Friedland und seine Münzen.
521
Rs. RAITPFP: I DER • FVR | STL • CAM | DES • HER |
TZOGTH I FRIDLAN Sechs Zeilen kräftiger Schrift in
einem rechtwinkligen Viereck. Oben und unten Ver-
1 — 6
zierungeUj an den Seiten « g — A. M. — Berl., M. D.
— Prag-. Abb. s. Taf. VI.
336. Wie 335 Jedoch Legende derRs. RAITPFE | DER -FVR |
ST • CAM I DES • HER | TZOGTH : | FRIDLAN • —
K. Münz. — Wien.
337. Vs. Adler mit sechs Schwungfedern in jedem Fittig. Zu den
Seiten des Schildes arabeskenartige Verzierungen, in
deren Mitte (ebenso auch über dem oben eine gerade
Linie bildenden unverzierten Ftirstenhute) ein fünfstrahli-
ger Stern.
Rs. RAITPFEN | DER • FVRST | LICH : CAM | MER • DES
H I ERTZOGTH | VMS FRID I LAND Verzierung.
Sieben Zeilen in kleinerer Schrift in rechtwinkligem
Viereck, oben und unten ein fünf strahliger Stern zwischen
seitlichen Verzierungen. Zu den Seiten l6 — 31 — A. M.
— Berl., M. Donebauer — Prag.
338. Wie 337. Vs, an den Seiten keine Verzierungen, an deren
Stelle eine Kugel. Ebenso über dem Fürstenhute, Rs. vor-
letzte Zeile VMS -FRID — A. M. - Berl.
339. Vs. Wie 338, nur an den Seiten ein fünfstrahliger Stern, über
dem Ftirstenhute ein Punkt.
Rs. Wie 337, nur vierte Zeile MER • DES -H und letzte LAND-
Verzierung; oben und unten flinf blättrige Rosette ohne
Verzierungen. — M. D. — Prag.
340. Vs. Der Adler in verziertem Wappenscliilde, über dem glatten
Ftirstenhute ein fünfstrahliger Stern.
Rs. RAITPFEN | DER • FVRST | LICH : CAM | MER • DES
H I ERTZOGTH | VMS -FRID | LAND Verzierung.
Sieben Zeilen Schrift in rechtwinkligem Viereck. Oben
und unterhalb desselben eine fünfblättrige Rosette mit
Arabesken. An den Seiten 16 — 55 — K. Münz. — Wien.
522
Adolph Meyer: Albrecht von Wallenstein (Waldstein) etc.
Zusammenstellung der Ausmünzungen.
Zehndukatenstück Nr. 6, 7, 106, 189, 195, 209, 271, 272.
Ftinfdukatensttick Nr. 8, 9, 107, 108, 196, 210, 211, 273, 274, 332.
Doppeldukaten Nr. 10, 275—279.
Dukaten Nr. 11—18, 109, 110, 190, 191, 197, 198, 280—287.
Doppeltbaler Nr. 19, 20, 288.
Thaler Nr. 1—3, 21—31, 103-105, 111 — 121, 192—194, 199 bis
207, 212—217, 219-221, 289-301.
Klippe von Guldenstempeln Nr. 32, 218.
Gulden Nr. 4, 5, 33-37, 122—125, 208, 302—307.
Klippe von Halbguldenstempeln Nr. 308.
Halbgulden Nr. 38—43, 126, 309—311.
Groschen Nr. 44—102, 127—188, 222-270, 312-330.
Halbkreuzer Nr. 331.
Klippe Walditz Nr. 333, 334.
Raitpfennige Nr. 335—340.
<>4j^K>>
MiscclU
523
Miscelle
Noch einmal die Karolus- und Ludovicus-Fiorene. — PaulJoseph hat in seiner
Beschreibung des Brezeuheimer Goldfundes die zahlreichen Goldgulden mit
den Aufschriften K a r o 1 u oder L o d o v i c i r ex den deutschen Königen Ludwig
dem Bayer und Karl IV. beigelegt. Dieser Zutheilung ist Dr. Luschin
V. Ebengreuth bei Besprechung der obgenannten Arbeit (Numism. Zeitschr.
Bd. XV, S. 364 ff.) entgegen und für den ungarischen Ursprung jener Stücke
eingetreten. Ich glaube die von Luschin ins Treffen geführten Gründe noch
durch ein weiteres Argument unterstützen zu können, welches, wie ich hoffe,
die Frage völlig entscheidet, und recapitulire dasselbe inKürze nach der Abhand-
lung, welche ich darüber in Nr. 3 des Archeologiai Ertesitö, Jahrgang 1884,
unter dem Titel „Magyar aranyok egy rajnavideki leletben" (Ungarische
Ducaten in einem rheinländischen Funde) veröffentlichte.
Man vergleiche nur die Karl-Ducaten mit denen des Königs Ludwig. Die
ersteren sind ganz nach florentinischem Muster geprägt, ferner sind die Lud-
wigs-Ducaten der I. Species bei Rupp, sowohl hinsichtlich der Prägungsart, als
in den Buchstabenformen der Legenden, mit den Karo.lu rex-Ducaten völlig
gleich. Aber schon die IL Species, welche Rupp anführt, weicht bedeutend
davon ab; es zeigt nämlich der Avers den Ungar.-Anjou'schen Wappenschild,
wogegen der Revers den Typus mit dem heiligen Johannes, wie bei jenen
der I. Species aufweist.
Aber Ludwigs Prägung entwickelte sich noch weiter, eine III. Gattung
ersetzt auf dem Revers das Bildniss des heiligen Johannes durch den heili-
gen Ladislaus.
Die Ludwigs-Münzen lassen also die stufenweise Entwicklung des Ge-
präges aus dem Florentiner Typus bis zur Ausbildung selbständiger Münz-
bilder verfolgen.
Diese Umwandlung beweist vor Allem, dass die Karolu rex-Ducaten
älter sind, als die Ludwigs-Ducaten, beide sind daher ungarische und nicht
deutsche Münzen, da in Ungarn Ludwig nach Karl regierte und nicht umge-
kehrt, wie in Deutschland.
Von den mit dem Adler als Beizeichen versehenen Karl-Ducaten glaube
ich hingegen mit Bestimmtheit behaupten zu können, dass sie dem deutschen
Herrscher Karl IV. beizulegen seien; zum mindesten sind die Biichstabenformen
den Legenden ungarischer Münzsorten fremd.
Budapest. Dr. Ladislaus R6thy.
-^^^
524
Numismatische Literatur.
Numismatisclie Literatur.
Dr. Friedrich Imhoof-B lu mer. Porträtköpfe auf antiken Münzen hellenischer und
hellenisirter Völker, mit Zeittafeln der Dynastien dös Alterthums nach ihren Münzen.
Mit 206 Bildnissen in Lichtdruck. Leipzig, Teubuer 1885. 4», 9j S. und
VIII Tafeln (von Brunner in Winterthur).
Es ist charakteristisch für Imhoof-B lumers Thätigkeit, dass sie neben
strenger kritischer Forschun«-, von welcher so viele seiner kleineren und grös-
seren Arbeiten glänzendes Zeugniss geben, sich bestrebt, die selbst und von
Andern gewonnenen Ergebnisse nach besthnrnten Gesichtspunkten zusammen-
zufassen und weiteren Kreisen der gelehrten und gebildeten Welt mitzutheilen.
Die eigene reiche Sammlung und der umfassende Ueberblick über die neuere
Literatur seiner Disciplin, setzen ihn in den Stand, dabei die grösste Vollstän-
digkeit zu erreichen, die heute überhaupt erreichbar ist; dass das kostbare
Materiale einfach, klar und l»ündig miti^etheilt wird, gibt ihm einen noch hö-
heren Werth.
Als Seitenstück zu (U-n im Jahre 187i' juiblicirten Porträtköpfen auf
römischen Münzen, werden in der neuen Schrift jene auf den griechischen
Münzen mitgetheilt; Bildnisse der Könige und Machthaber verschiedenen Titels
und jene der berühmten Männer. Der Text bespricht die Entwickelung des Por-
träts, erklärt die Verschiedenheit der Bildnisse einer und derselben Persönlich-
keit aus den benützten Vorlagen — sehr häufig sind jene nicht nach dem Leben
gearbeitet — erklärt weiter den Kopfschmuck (Diadem, Tänie, Lorbeerkranz,
Stephane, Tiara, Helme, Ohrringe u. s. f.), die Schreibung der Namen, die Titel
und die Schriftarten. Es folgen dann von Seite 13 bis i^S die Zeittafeln, das
heisst eine nach Ländern und Dynastien gegliederte Zusammenstellung der Kö-
nige mit den chronologischen Daten ihrer Regierung, der Schreibung ihrer Na-
men auf der Münze, Bemerkungen über ihre Bildnisse und reichen Literatur-
nachweisen. Dieser Abschnitt ist der wichtigste und mühevollste Theil der neuen
Publication, durch ihn allein schon hat sich der Verfasser um den Leser, mag
er Numismatiker oder Nichtnumismatiker sein, in Wahrheit verdient gemacht.
Der Beschreibung der Münzen (§. 70—90) folgen die Indices. Die sorgfältig
gewählten und ebenso sorgfältig ausgeführten Abbildungen werden in allen
n9n
Xunüsmatische Literatur. ^-^^
gebildeten Kreisen cl.is grösste Interesse erwecken und das Buch, das Alien,
die sich mit dem Alterthume in irgend einer Richtung beschäftigen, nothwendig
ist, auch 7.U einem Allen sympathischen Besitz von bleibendem Werthe machen.
Kenner.
F. Imhoof-Blumer und Percy Gardner. — Numismatic commentary on Pau-
sanias. (Reprinted from the Journal of Hellenic studies . — 1885.1. Die Bücher
Megarica und Corinthiaca betreffend.
Den viel gelesenen Fremdenführer im alten Griechenland ans gleichzeiti-
gen oder nahezu gleichzeitigen Münzen zu illustriren, kann nicht anders als ein
höchst verdienstlicl i^r und fruchtbarer Gedanke genannt werden. Nicht bloss
zu den meisten von Pausanias erwähnten Kunstwerken, sondern auch zu man-
chen Götterculten und Legenden, von denen er spricht, finden sich auf Mün-
zen, die einzigen bildlichen Belege, die man vergeblich anfandern Objecten der
Kunst und des Gewerbes sucht. Es wohnt den Münzbildern auch eine Art offi-
cieller Beglaubigung inne, überdies treten sie zumeist nicht vereinzelt, sondern
in einer Reihe von Exemplaren aus verschiedener Zeit auf, so dass man auf
ihnen die Entwickelung der Götterideale verfolgen kann. Insoferne bildet die
Abtheilung der Provincialmünze in Griechenland, das Kupfergeld der mit dem
Münzrecht begabten Gemeinden, eine sehr reich fliessende Quelle für kunst-
geschichtliche Studien, insbesondere dasjenige, welches der Zeit Kaiser Ha-
drians, Antonius Pius und Marc Aurel's, deien Zeitgenosse Pausanias war,
angehörte. Allein es muss ein vorzügliches und reiches Materiale sein, mit dem
ein derartiges Unternehmen gewagt werden kann; daher haben sich zwei Nu-
mismatiker von schwerwiegenden Namen, die jeder unabhängig von dem an-
dern die Arbeit begannen, vereinigt, um die Aufgabe in einer den heutigen Be-
dürfniesen genügenden Weise zu lösen.
Der vorliegende erste Theil enthält den numismatischen Commentar zu
Buch I, 39—44 (Megarica) und zu Buch 11 (Corinthiaca). Die bezüglichen Stel-
len des Pausanias werden nach ihrem Wortlaut vorangestellt, dann folgt die
Beschreibung des zur Erläuterung dienenden Münzbildes, endlich in kleinerem
Druck die Angabe des Metalles, der Grösse der Münze, ob yie eine autonome
oder unter welchem Kaiser sie geprägt sei, die Berufung der Werke, die ihre
Beschreibung enthalten und der Hinweis auf die Abbildungen, welche dem
„Commentar" beige;^eben sind. Letztere, in Lichtdruck ausgeführt, bringen auf
12 Tafeln (8o) 276 vorzüglich ausgeführte Copien nach Gypsabgüssen.
lieber die Bedeutung dieser Publication genügt es zu sagen, dass damit
ein lange und tief empfundenes Bedürfniss, ein brennender Wunsch der Archäo-
logen erfüllt, aber auch eine alte Schuld der Numismatiker getilgt wird. Die
letzteren werden sich nmsomehr zu freuen haben die praktische Wichtigkeit
antiker Münzbilder demonstrirt zu sehen, als es, wie die lange Versäumniss
bezeugt, des Zusammentreffens besonders günstiger Umstände bedurfte, dies
in so erfolgreicher Weise in's Werk gesetzt zu sehen. Kenner.
526
Numismatische Literatur.
n
Nlcolö Papadopoli: ,,Sul valore della moneta veneziana''. Venezia 1885. Die
Xnmismatik der alten Eepublik Venedig hat in dem Grafen Papadopoli einen
gründlichen Forscher und eifrigen Pfleger; Besitzer einer werthvoUen Sammlung
von Münzen seiner Vaterstadt, hat er auch deren numismatische Literatur um ein
Bedeutendes und durchaus Neues bereichert, so u.A, durch seine Publicationeu:
„Üi alcune monete Veneziane per Caudia", „Mouete inedite della zecca Vene-
ziana", „Sülle origini della Veneta Zecca", Der Vorwurf, den Momrasen den
Numismatikern macht, dass sie das Innere der Münze zu wenig beachten,
welches doch „ebenso wichtig ist wie das Aeussere", tritft den Verfasser obiger
Schriften nicht, denn gerade in dem vorliegenden Werke behandelt er fast aus-
schliesslich den „inneren "VVerth" der Venezianer Münzen und weiss dabei den
engeren numismatischen, wie den national-ökonomischen Theil seines Gegen-
standes passend zu vereinen und zu einem vortrefflichen Ganzen zu gestalten.
Es ist dies ein neuer, aber, wie wir glauben, glücklicher und bedeutsamer Weg
für die Fortentwicklung der Numismatik selbst, und durchaus kein blosser
Zweig dieser Wissenschaft. In der italienischen numismatischen Literatur hatte
Papadopoli auf gleichem Wege zwar einen berühmten Vorgänger, Carli-Rubbi,
allein dieser blieb lange vereinsamt, und nur noch Vinc. Lazari wäre ilim ent-
schieden gefolgt, wenn nicht sein vorzeitiger Tod das vielverheissende Streben
unterbrochen hätte; nun schreitet Papadopoli auf dieser Bahn rüstig vorwärts.
Die Geschichte der Entwicklung des venezianischen Münzwesens ist sehr
lehrreich ; es gehören die Venezianer Münztypen zu den interessantesten nicht
nur in Italien, sondern in ganz Europa; lur die Geschichte der Preise und
Werthekönnen jene Münzen mehr denn andere als Massstab dienen, weil die Regie-
rung der Republik durch lange Jahrhunderte ohne besondere politische Störung
sich der continuirlichen Pflege und Sorgfalt des Münzwesens widmen konnte.
Die Münzeinheit von Venedig war die Lira, nach carolingischer Einthei-
lung bestehend aus 20 Soldi, wovon jeder zu 12 Denari; in der ersten Zeit der
Republik und einige Jahrhunderte hindurch wurde nur der Silberdenar, der
1/240 Theil der Lira geprägt. Die Lira war, wie bekannt, ursprünglich auch ein
Gewicht (pondus Caroli), und die Schwere derselben nimmt Papadopoli nach
Gu6rard u. A. mit 7680 Grani Veneti = 407-1)2 franz. Gramm an. (Für die
Richtigkeit dieser Rechnung kann der Herr Verfasser eine Bestätigung in seinen
eigenen Münzen finden, siehe „Sülle origini della Ven. Zecca", denn die ersten
Venezianer Denare wiegen durchschnittlich 32 Grani Ven. und es sind
32 X 240 = 7680, wie oben.) Daraus berechnet sich der Werth der carolingi-
schen Lira, den Werth eines Kilogramm Silbers zu 222*22 Francs angenommen,
mit 86-87 Francs, der Werth des Soldo mit 4-34 Francs, und der Werth des
Denars mit 362 Centimes. Der innere Werth des Denars fiel in den nachfolgen-
den Jahrhunderten durch Verminderung des Gewichtes und Verschlechterung
des Feinhaltes, und es wurden später in Edelmetall nur mehr Vielfache des
Denars, der Soldo, der Grosso, die Lira, der Ducato geprägt.
Daraus folgt der vom Verfasser aufgestellte Satz, dass die fortwährende
Steigerung des Werthes der grossen Münze, namentlich des Golddukatens,
Numismatische Literatur.
527
keine reelle war, sondern bloss eine numerische, weil in dem Maasse, als die
Lire im Gewichte und Feinhalte vermindert wurden, die einen Ducato
bildende Anzahl der Lire sofort stieg.
Nach weiteren ausführlichen Darstellungen der Entwicklung der einzelnen
Münzsorten und der späteren Einführung von Rechnungsmünzen (Lira di conto,
moneta di banco u. s. w.) folgen höchst schätzenswerthe Tafeln über den Werth
verschiedener Gold- und Silbermünzen in den Epochen vom 13. Jahrhundert
bis zum Ende der Republik. Bei dem Studium dieser geistvollen Zusammen-
stellung können wir den Wunsch nicht unterdrücken, der geehrte Herr Ver-
fasser möge dieselbe noch vermehren, indem er bis zum Anfange der Venezianer
Münzpräge herabginge und die Darstellung der Werthe auf die gesammten
goldenen und silbernen Münzsorten ausdehnen würde.
Indem wir uns von dieser fesselnden, in dem elegantesten Italienisch
geschriebenen Publication trennen, fügen wir noch bei, dass sie wie die
meisten von Papadopoli herausgegebenen Schriften, ursprünglich als Vortrag
im R. Istituto di scienze, lettere ed arti in Venedig gehalten wurde, dessen
correspondirendes Mitglied der Verfasser ist. Müller.
-c^c©»-
(
N
umismaf Zeitschrift .Wien 1885.
Taf. I.
Numismaf ZeitscliTMrt AVionl885.
Tar.i
Ninnisniat. Zeitschrift Wien 1885
Taf.l
Numisma*t.ZGitschrift^Wic>nl88ö
196
Taf. rv.
>J u in 1 STii a l . Z ei t -sc h 11 1 t . VVio ii 1 8 8 5 .
y
^-. --_
Numism. Zcitsch. 188;
Taf. VII.
Liclitdriick von JaflV! iS: Alhcrt, Wici
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^'iiinisra.Zeitscli.1885.
Tat. TM.
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